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Irland hat zu kuschen, wenn es nach Brexit-Britannien geht

Irland und Großbritannien verbindet eine schwierige Geschichte, bei der bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts Irland in der Rolle einer britischen Kolonie steckte. Einer Kolonie, die von den Okkupanten nach Strich und Faden ausgebeutet wurde. Iren hege keine Sympathie für ihre britischen Nachbarn. Letztere hingegen pflegen weiterhin gerne ihren Hochmut gegenüber dem ehemaligen Kolonialvolk. 

Beide Länder gehören der EU an und über die EU konnte auch der langjährige blutige Bürgerkrieg in Nordirland befriedet werden. Der Brexit reißt den Graben wieder auf. Da in Großbritannien, vor allem in England - in Schottland sieht die Lage anders aus - der Brexit auch die Rückkehr zum alten Hochmut der Kolonialherrschaft bedeutet, taucht sie wieder auf am Horizont: Die Feindschaft zwischen dem Herrenvolk und seinem Sklavenvolk. 

Der aus Irland berichtende britische Journalist Chris Johns beschreibt in der Zeitung Irish Times wie er die Situation empfindet:

Ich habe von Michael Collins gehört, bevor ich nach Irland umgezogen bin, über meine irische Großmutter, die überzeugt war mit jemandem verwandt zu sein, der eine bedeutende Rolle in der Schaffung der modernen Irland gespielt hatte. Damals war ich amüsiert von einer Familienlegende zu hören, die beanspruchte, dass wir mit einer schon seit langem toten Person aus Irlands revolutionärer Vergangenheit verbunden waren. Ich habe begonnen mich mit allem zu beschäftigen was Collins betraf und Irland im Generellen. Eins von den vielen Dingen, die ich erfahren konnte, war, dass das irische Interesse an Großbritannien von Britannien nicht erwidert wurde. Ich war ein Ignorant bevor ich hierher kam und die meisten meiner Landsleute sind es bis heute geblieben.

Es geht zu lasten der britischen Regierung, dass sie weiterhin eine unheilvolle Tradition pflegt, Meinugnen über Ausländer zu unterstellen, die wenig mit den Tatsachen zu haben. Das liegt teilweise an der Geschichte. Die Annahme, dass Britannien 1973 einer Wirtschaftsunion beitrat und danach schockiert über die Entdeckung war, dass im Kern Europas ein Herz schlägt, beherrscht jede Diskussion über den Brexit. Es gibt kein Bewusstsein weder für die Geschichte noch den tiefen  kontinentalen Willen, dass die Politik zuerst komme. Es geht nicht um einen Glauben Politik gegen Wirtschaft, sondern mehr oder weniger darum, dass wenn die Politik richtig gemacht ist, die Prosperität immer unter Druck ist. Die politische Priorität einer immer-engeren Union war ständig zu erkennen und offensichtlich für jeden, der das erste Kapitel jedes Europäischen Geschichtsbuchs gelesen hat.

Jeder britischer Verhandler in der Vorbereitung des EU-Beitritts von 1973 kannte Europas Politik. Sie wurden jedesmal mit der Wirklichkeit konfrontiert als sie ihre Verhandlungspartner am Verhandlungstisch trafen. Und sie wurden ordentlich durch die britische Beamtenschaft darüber in Kenntnis gesetzt. Viele hochrangige britische Politiker, einschließlich des Tory-Premierminister Ted Heath und Labour-Finanzministers Denis Healey haben die Erinnerungen aus dem 2. Weltkrieg und die da gemachten Erfahrungen hervorgehoben, woraus zu entnehmen ist, dass sie Ansichten hatten, die mit denen der europäischen Föderalisten übereinstimmten. Aber zu viele von ihnen spielten aus Angst vor der tiefververwurzelten Feindschaft gegenüber Europa, die von vielen Mitglieder beider großer Partei gehegt wurden, die politische Wahrheit herunter und sprachen nur über Wirtschaft.

Der britischen Öffentlichkeit wurde wiederholt erzählt, dass es bei Europa praktisch nur um eine Freihandelszone ginge. All das Andere, wäre nur Lärm vom Kontinent. Der rechte Flügel der Tories kämpfte demzufolge die folgenden 40 Jahre gegen Europa und versank dabei in eine immer tiefere "empire-zentrierte" Nostalgie, die genauso auf historischen Tatsachen beruht wie die Blutsverwandschaft meiner Großmutter mit Michael Collins.

Teile der Labour Partei haben sich ähnliches vorgemacht, aber aus ein ander Perspektive: Die EU sei eine kapitalistische Konspiration gegen die Arbeiter. Dieses Denken führte vor kurzem direkt zum Geschehen dieser Woche, als Jeremy Corbyn mit David Davies zusammen für einen Austritt aus der Zollunion stimmte. Die Linke ignoriert ebenfalls Fakten: Die im EU-Recht fest eingefügten Arbeiterrechte und das großartige Geschenk der Freizügigkeit (nicht zuletzt dahin, wo es die Jobs gibt).

Die Kenntnisnahme der irischen Geschichte würde den britischen Politikern helfen zu verstehen, was bei Collins passierte, dem ersten und letzten irischen Politiker, der einen Vertrag über die harte Grenze (zwiscchen Irland und Nordirland) unterzeichnete. Die Idee, dass Leo Varadkar oder irgendjemand anderer in diesem Staat, unter was auch immer welchen Umständen seine Unterschrift für eine erneute harte Grenze geben würde, spricht für soviel Ignoranz, soviel Arroganz, soviel Dummheit, dass mir nur noch übrigbleibt, mich über all die Stereotypen meiner Landsleute zu wundern. Stereotypen, die ich mühsam versuchte die letzten 30 Jahre zu widerlegen und ihnen entgegenzutreten.

Der Brexit hat das britische politische Leben vergiftet und bedroht jetzt auf ähnliche Weise die Beziehungen zwischen dem Vereinten Königreich und Irland. Ein in Irland lebender Brite zu sein, war überwiegend eine angenehme Erfahrung. Die kulturellen Differenzen zwischen den beiden Inseln sind tiefer als viele von uns zugeben wollen, aber Irland macht eine gute Arbeit bei der Integration. Es mag ein Zufall sein, aber vor kurzem wurde mir das erstemal gesagt, dass ich dahin abhauen soll, woher ich gekommen bin (ich bin immer noch an meinem Akzent erkennbar). War dies ein kleiner Brexit-Effekt?

Die Unkenntnis der Geschichte und völlig Interesselosigkeit für die Details der europäischen Gesetze sind zusammen ursächlich für das gegenwärtige Chaos. Warum können die Briten sich nicht klar werden, dass eine Zollunion logischer- und legalerweise eine harte Grenzen zwischen den innerhalb und denen außerhalb der Union braucht? Das ist wirklich einfach zu begreifen. Und warum sind sie nicht in der Lage zu erkennen, was die Wiederherstellung einer solchen Grenze tatsächlich bedeutet?
Es gibt eine Lösung, indem man die Wirtschaftsunion, die zur Zeit zwischen dem Norden und Süden herrscht, anerkennt. Es gibt bereits regulatorische Unterschiede zwischen Nordirland und Britannien. Diese Logik könnte auch dahingend ausgeweitet werden, dass der Norden in einer Zollunion mit der Republik bleibt. Vorstellungskraft und guter Wille werden dazu sicher benötigt.


Wir haben in den letzten Tagen oft gehört, dass die Briten von der harten Linie Irlands überrascht wurden. Ähnliche Äußerungen des Erstaunens und des Unglaubens wurden immer gehört, wenn die EU ihre Verhandlungsprinzipien wiederholte. Irgendjemand sollte den Politiker des Vereinten Königreichs die EU-Gesetzgebung und die Irische Geschichte erklären. Man erkläre Davis und May was passierte, nachdem Collins den Vertrag zur Einrichtung der harten Grenze damals unterschrieb. Das wird nicht gut enden.

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