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Eine Kirche ohne Moral, die nur Macht und Geld schätzt

Die orthodoxe Kirche Rumäniens (BOR abgekürzt) hat sich nach dem Sturz Ceausescus als die Trägerin des Widerstandes gegen das kommunistische System gegeben, obwohl sie eine Nutzniesserin des Diktators war. Trotzdem wurde ihr geglaubt, dass sie gegen die gottlosen Atheisten gekämpft hat und sie hatte bisher Zustimmungsraten bezüglich des Vertrauens bei den Rumänen, die bei 90% lagen. Das hat sich in letzter Zeit geändert. Bei der letzten Umfrage im September sprachen sich nur noch 50 % der Rumänien dafür aus, dass sie das größte Vertrauen in die BOR hätten.

Das stetige Sinken der der Zustimmungsraten kam, nachdem in der Kirche Sexskandale, an denen sogar ein Bischof beteiligt war, ans Tageslicht kamen. Es gibt aber auch noch andere Gründe, die das Ansehen der Kirche immer mehr beeinträchtigen.

Dumitru Borţun, Professor an der Hochschule für Politik und Verwaltung (SNSPA) ist der Ansicht, dass die BOR vor allem ein Imageproblem hat. Die Menschen spürten immer mehr, dass die Kirche nach außen anders rede als sie nach innen handele. Das betreffe sowohl den Inhalt als auch die Form. Gleichzeitig seien die Rumänen in moralischer Hinsicht reifer geworden. Die Leute wollten nicht mehr diese Diskrepanz zwischen Reden und Handeln. Hinzu komme, dass die BOR eine katastrophale Kommunikationspolitik betreibe. Sie mache den Eindruck, dass sie das Übel toleriere, weil sie Angst habe ihren Ruf zu verlieren. Erst unter der Druck sei sie bereit zuzugeben, was nicht mehr zu leugnen sei.

Ein weitere Grund sei der Ablasshandel. Der Verkauf der Heiligen gegen Geld. "Dieser Ablasshandel ist fast systemisch, er beginnt mit der T
aufe, Kommunion, Beerdigung und endet mit dem Geschäft mit den Grabplätzen und der Verkauf der Pfarreien an Priester. Dieses Geschäft lässt die Rumänen immer mehr glauben, dass es der Kirche nur um Geld geht. Es ist eine Krise nicht nur in den Augen der Atheisten und der Freidenker, die die Kirche kritisieren, sondern auch in den Augen der Gläubigen, die kein Vertrauen mehr in die Kirche haben", beschreibt Borţun die Situation.

Der Theologe und Psychotherapeut Bogdan Papacostea sieht noch einen anderen Grund im Glaubwürdigkeitsschwund für die Kirche:

Es gibt noch das Problem der sogenannten Gläubigen, die zwischen religiösen Manifestationen und Straftaten schwanken. Der Glaube der Rumänen scheint einer totalen Schizophrenie zu gleichen, auf der einen Seite haben wir beeindruckende Teilnahme an den großen Feiertagen,  die sehr natürlich wirkt, auf der anderen Seite haben wir im täglichen Leben der Rumänen eine Situation, die nichts mit dem moralischen Kodex zu tun hat. Wir sind Meister bei Vergewaltigungen, Verbrechen in der Familie und auf der Straße, Meister bei den Abtreibungen, Meister bei minderjährigen Müttern, wir sind Meister der Morallosigkeit unter allen Gesichtspunkten. Der Glauben unterstellt eine moralisches Gesetz, aber es scheint, dass die Moral nicht existiert. Das zu ändern wäre eine radikale Herausfordung bei der Erziehung durch die Kirche und die Schulen".

Das rumänische Patriarchat hat das scheinbar nicht begriffen. Es lässt über ihren Pressesprecher  verlautbaren:

Wir betrachten das Resultat dieser Pseudoumfrage als völlig irrelevant, manipulierend und geben dazu keinen auführlichen Kommentar ab.


Informationsquelle
De ce a scăzut la 50% încrederea în Biserică. „Românii au început să perceapă că banul nu-i ochiul dracului, ci banul e ochiul Bisericii“

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