Freitag, 10. Februar 2017

Espirito Santo vom Heiligen Geist verlassen

Espirito Santo ist ein brasilianischer Bundesstaat, der nördlich von Rio de Janeiro am Atlantik liegt. Seit einigen Tagen ist die Welt in Espirito Santo nicht mehr in Ordnung. Seit dem 4. Februar streikt nämlich die Militärpolizei, die nomalerweise für die Aufrechterhaltung von Ruhe in Ordnung  zuständig  ist. In der Hauptstadt Vitória herrscht seither Panik und Unruhe.Die Geschäfte sind geschlossen, die Busse fahren nicht, die Leute gehen nicht zur Arbeit und die Bäckereien öffnen nur noch kurzzeitig. Die Leute haben Angst zur Tankstelle zu fahren, die Geldautomaten haben kein Geld.


Seit dem Streik wurden schon mehr als 100 Morde gezählt. Die Mehrheit der getöteten Personen haben 3 oder 4 Schüsse im Kopfe, an der Seite oder in der Brust. Es sind klassische Streitigkeiten zwischen Banden um Verkaufsstellen und um die Abrechnung von Streitigkeiten. Diese Verbrechen ereignen sich an der Peripherie größerer Orte. In den zentralen oder nobeln Vierteln geht es vor allem um Eigentumsdelikte.


Ein Restaurantbesitzer in Vitoria schildert die Situation vor Ort so: "Vor einer halben Stunde kam ein Pick-up vorbei, die Gemeindepolizei war hinter ihm her und schoss um sich. Der Pick-up stieß gegen 3 Autos und fuhr in unser Viertel. So sieht es hier aus. Die Leute wissen nicht wie sie leben sollen, wie sie hier rauskommen. Es gibt keinen Omnibus, kein Taxi, kein Uber. Man weiss auch nicht wie man mit dem Auto rauskommt, irgendjemand hält einem die Waffe unter die Nase, schießt ins Auto und haut damit ab. Mehr als 300 Autos wurden auf diese Weise in 5 Tagen gestohlen.


Der oberste Führer eines brasilianischen Bundesstaates ist der Gouverneur. Santo Espirito hat einen Gouverneur namens Hartung, er gilt und gibt sich wie ein Herrscher. Die Unruhen brachen aus, nachdem er zu einer medizinischen Behandlung nach São Paulo gereist war. Vermutlich hat seine Selbstherrlichkeit das Fiasko geschleunigt.


Die Militärpolizisten werden bei ihrer Streikaktion tatkräftig von ihren Familien unterstützt. Diese blockieren die Tore zu den Parkplätzen der Einsatzwagen. Kürzliche Verhandlungen, an denen auch die Ehefrauen beteiligt waren, wurden erfolglos abgebrochen. Die Situation hat sich derart zugespitzt, dass die brasilianische Regierung jetzt Soldaten in den Bundesstaat entsandt hat. Derzeit sind mehr als 1.500 im Einsatz und diese Zahl soll bis auf 3.000 Soldaten herhöht werden. Die Leitung der Militärpolizei will jetzt 703 Rädelsführern wegen "Aufstand" den Prozess machen. Dafür soll es Strafen zwischen 8 und 20 Jahren Gefängnis geben. Arroganterweise weist diese Leitung daraufhin, dass sich nur untere Ränge und viele neu eingestellte Militärpolizisten an diesem Streik beteiligt hätten. Die Militärpolizisten verlangen eine Amnestie bezüglich des Tatbestandes des "Aufstandes", Beförderung und Gehaltserhöhungen.


Wer wissen will, wie schnell ein überwiegend nur durch militarisierte Ordnungskräfte kontrolliertes Gemeinwesen auseinanderfallen kann, der kann in Brasilien immer wieder gute Beispiele dafür finden.


Informationsquelle
Espírito Santo indicia 703 policiais militares por revolta
Espírito Santo passa por vivência 'estranha e assustadora', diz professor