Direkt zum Hauptbereich

Die Günstlingswirtschaft rumänischer Parteien geht nicht mehr lange gut

Der bekannte rumänsiche Schriftsteller Mircea Cărtărescu hat in einem Beitrag auf der Webseite “Republica” eklärt, was rumänische Parteien noch nicht begriffen haben und deswegen auch die derzeitigen Proteste nicht verstehen:

Er hat in einem Facebook-Kommentar über die Demokratie in den Zeiten der sozialen Netzwerke geschrieben:
Die PSD (und wahrscheinlich die ganze politische Klasse bei uns) haben nicht verstanden, dass das Internet und die sozialen Netzwerke nicht nur die sozialen und informellen Beziehungen in der Welt von heute geändert haben, sondern auch die Art wie Politik funktioniert. Die Demokratie im Zeitalter von Facebook ist viel mehr auf Beteiligung abgestellt, direkter und schneller als früher. Die politischen Parteien befinden sich zur Zeit in bewegtem Wasser, und einige werden von der Lava der Sozialisierung verbrannt. Die Netzwerke, wo sich alles unter allen Bürgern entscheidet, entwickeln sich schneller als das in früheren Zeiten passierte.
Bei uns befinden sich die Parteien in einer großen Identitätskrise, da die Gesellschaft inzwischen komplexer ist als noch vor einigen Jahrzehnten: Welche Klasse oder Kategorie von modernen Menschen fühlen sich noch gut von Parteien vertreten, sei es nun von der linken oder rechten Richtung? Das ist das Motiv, weshalb die PSD von den mehr konservativ-traditionell eingestellten Menschen gewählt wurde, die nur den Fernseher als Informationsmedium erlebt haben, sie haben widerstanden und sind aufgeblüht, während die anderen weniger wurden. Dieser Stillstand ist sehr offensichtlich, aber auch eine tatsächlich Schwächung der PSD. Denn, wenn es auch keine ernsthafte Opposition durch andere Parteien gibt, so hat sie einen großen Gegner in einer fortgeschritteneren Struktur gefunden als in den politischen Parteien; das Über-Bewusstsein und die kollektive Lust der sozialen Netzwerke. Ich würde nicht sagen, dass das traditionelle Parteiensystem seine Rolle in der Demokratie verloren hat, sondern dass daneben ein neuer Spieler erschienen ist, der sich sehr schnell entwickelt und ob wir es wollen oder nicht, die Regeln des Spiels von der Straße gemacht werden, so wie wir das heute sehen in der neuen virtuellen Realität der modernen Welt.

Einen weitere Sicht der auf die offensichtliche Frage, warum die Rumänen bei den letzten Wahlen wieder die PSD gewählt haben, obwohl klar war, dass das die Partei der Korruption war, bietet die Journalistin Dollores Benezic:
Diese Partei ist in vielen Landkreisen der größte Arbeitgeber. Mit unserem Geld verwalten die Chefs der PSD die überdimensionierten staatlichen Institutionen mit fiktiven Angestellten, die in Wirklichkeit für die Partei arbeiten. Überlegt euch, warum Dragnea krankhaft betont, dass er der einzige vors Gericht gezerrte Schurke ist für eine Tat, die alle seine Kollegen mit Erfolg ständig praktizieren?
Benezic berichtet von einem folgendem Gespräch:
Mir erzählte eine Freundin aus Croiova, dass ihre Mutter mit allen Kollegen, die Mitglied der PSD sind, nach Bukarest gereist sind, um gegen (Staatspräsident) Iohannis zu protestieren. Ich fragte sie, ob ihre Mutter zu PSD gehöre. Sie antwortete, nein, aber sie arbeitet für einen staatlichen Arbeitgeber, bei dem fast alle Angestellten Mitglieder der PSD sind. Tatsächlich ist es eine Firma der Gemeinde, bei der viel mehr Menschen, weil sie Parteimitglieder sind,  beschäftigt sind als erforderlich. Jetzt nach den Wahlen hat man angeblich eine Liste mit weiteren 10 Personen herausgegeben, die angestellt werden sollen, aber sie arbeiten da nicht und wissen auch nicht, was sie tun sollen, deshalb sind sie sehr froh, dass sie zum Zweck des Demonstrierens nach Bukarest geschickt werden. Wieviele kommen denn? Alle, man sagt es seien einige Dutzend.

Die PSD, die eigentlich angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung nur von einem geringen Teil der Bevölkerung überhaupt zur Regierungspartei gewählt wurde, hat also ihren Wahlerfolg in erster Linie denen zu verdanken, die sie durch Arbeitsvergabe korrumpiert und die aus dem Grund des Selbsterhaltungstriebes diszipliniert diese Partei gewählt haben. Der Trugschluss war allerdings, dass die PSD-Verantwortlichen meinten, damit einen Freibrief zum Durchregieren erhalten zu haben. Die rumänische Gesellschaft hat sich dank der neuen Medien und den sozialen Netzwerken schnell organisiert und reagiert und damit der Regierung ihre Schranken aufgezeigt. Jetzt müsste sich das neue Bewusstsein nur noch in neuen Bewegungen oder neuen unverdorbenen Parteien kristallisieren.

Informationsquelle
De ce țin oamenii cu PSD
Mircea Cărtărescu: PSD nu înțelege că internetul și rețelele de socializare schimbă și jocul politic

Beliebte Beiträge

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Bukarest, Veolia und eine Wasserversorgung nach Gutdünken der Privatwirtschaft

Der französische Multi "Veolia Eau-Compagnie Générale Des Eaux" hält knapp 74% der Anteile an Apa Nova, dem Unternehmen, das für Bukarests Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zuständig ist. Seit Herbst vergangenen Jahres ist Veolia in einen umfangreichen Korruptionsskandal in Rumänien verwickelt. Sein Tochterunternehmen "Apa Nova" wird beschuldigt, in großem Umfang Lokalpolitiker bestochen zu haben, um die Genehmigung für Preiserhöhungen zu bekommen. So sollen von 2008 und 2015 mehrfach Bestechgungsgelder geflossen sein, um Tariferhöhungen durchsetzen zu können und einen Auftrag für den Bau und den Betrieb einer Wasseraufbereitungsanlage zu bekommen, der aus EU-Mitteln finanziert wurde.

Auf diese Art und Weise konnte das Unternehmen seine Einkünfte von etwa 118 Millionen Euro im Jahr 2011 auf  158 Millionen Euro im Jahr 2012 steigern, was eine Steigerung des Nettogewinns von 20,6 Millionen auf 26,5 Millionen Jahr in diesem Zeitraum bedeutete.

Trotz einer Razz…

Der spanische König will nur seine eigene Haut retten

Nachdem sich König Felipe VI. in der Katalonienfrage voll auf die Seite des Zentralstaates gestellt hatte und nicht den mindesten Versuch unternommen hat, in diesem Konflikt zu vermitteln, war man doch recht gespannt, was Felipe in seiner Weihnachtsansprache dem Volk nach den katalanischen Wahlen, die wieder eine Mehrheit für die Unabhängigkeitsbefürworter brachte, zu sagen hatte.


Um es vorweg zu nehmen: Nichts von Bedeutung, außer dass die Spanier ganz stolz auf sich sein könnten. Wie man mit nichtssagenden Sprüchen versucht dem Problem aus dem Weg zu gehen, ergibt sich aus folgenden Ausführungen:


Und dieser große Wandel (Spaniens), dieser ganz große Sprung nach vorn wie es ihn bisher in unserer Geschichte nicht gegeben hat, war nur möglich dank eines offenen und solidarischen Spaniens, das sich selbst nicht eingeigelt hat; eine Spanien, das unsere Unterschiede anerkennt und respektiert, unsere Pluralität und unsere Verschiedenheit mit einem integrierenden Geist; ein Spanien, das von…