Samstag, 31. Dezember 2016

Teruel wird zum Jahresende größenwahnsinnig

Teruel ist eine auf über 900 m Höhe gelegene Stadt in der nordostspanischen Region Aragón. In Teruel leben etwa 35.000 Menschen. Laut Angaben der Stadtverwaltung lebt die Stadt vom Tourismus, gefolgt von anderen Dienstleistungen wie Verkauf von Fahrzeugen und Nahrungsmittel. Hört sich etwas trostlos an. Die Stadtgewaltigen hatten auch das Gefühl, dass ihr Ort in völlige Bedeutungslosigkeit versinkt. Der rettende Einfall war dann der, dass man etwas ganz Tolles machen müsse, etwas, was in Zeiten des sensationshungrigen Internets die Stadt schlagartig berühmt machen könnte.

Und so kamen sie auf den Einfall einer “Mannequin Challenge”. Bei 5 Grad Kälte posierten etwa 100 Turolenser - so nennen sich die Einheimischen - in erstarrter Haltung vom Hauptplatz “plaza del Torico” mit dem Weihnachtsbaum bis zur Hauptattraktion des Ortes, dem “Mausoleum der Liebenden” und ließen sich so filmen. Die Geduldsleistung wurde dann auf Youtube hochgeladen und damit der staunenden Weltöffentlichkeit präsentiert.

Die Zeitung “La Vanguardia” aus Barcelona schreibt dazu:
Die Absicht war, die größte “Mannequin challenge” Europas zu organisieren. Außerdem geht die Musik zu Lasten von Mario Lafuente mit dem Lied “Marcharé contigo” (ich geh mit Dir), interpretiert vom Duo Elia Yago. Wir wissen nicht, ob ihnen dies gelungen ist, denn solcherart Herausforderungen gibt es täglich in aller Welt, aber ohne Zweifel sind wenige so aufsehenerregend und besser organisiert als das, was Teruel soeben mit dem ganzen Planeten teilt.

Etwa 26.000 haben das Video auf Youtube gesehen. Nicht gerade viel angesichts der vielen Milliarden Menschen auf der Welt. Aber wenigstens bis Barcelona hat es Teruel geschafft……

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Donnerstag, 29. Dezember 2016

Spanischer König zeigt in seiner Weihnachtsansprache wenig Interesse an Vergangenheitsaufarbeitung

Wie in europäischen Ländern üblich, hält das Staatsoberhaupt am Weihnachtsfest eine Ansprache an das Volk und versucht es vom friedlichen Gelingen des Weihnachtsfestes zu überzeugen. So auch der spanische König Felipe VI., Repräsentant einer Monarchie, die mit erheblichen Glaubwürdigkeitsdefiziten zu kämpfen hat. Schuld ist die mangelnde Legitimation – die Monarchie wurde vom faschistischen Diktator Franco installiert – und die Erschütterung durch Skandale und Strafverfahren, in die Mitglieder des Königshauses verwickelt waren, es sei hier nur an den Noos-Skandal und die Elefanten-Safari des Vaters von Felipe VI., Juan Carlos de Borbón, erinnert.

In seiner Weihnachtsansprache sprach Felipe VI. weitgehend über Allgemeinplätze, die aber in einem belehrenden und besserwisserischen Ton rüber kamen. Natürlich wurde die nationale Einheit beschwört, aber auch das Volk darauf aufmerksam gemacht, dass es sich an die Gesetze halten solle. Wenig hatte er zu sagen über die große Armut in Spanien, über Menschen, die von ihren Wohnungen zwangsgeräumt wurden und obdachlos auf der Straße sitzen. Das Gerede aus dem luxuriösen Palast der Zarzuela kam bei vielen nicht gut an. Unter anderem empfahl der König auch, dass man jetzt nicht wieder “den alten Groll beleben und bereits verheilte Wunden aufreißen solle”. Diese Aussage zielte direkt gegen die Bemühungen weiter Gesellschaftskreise, die blutige Diktatur Francos endlich aufzuarbeiten. Schließlich hatte man beim friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie zuvor den Militärs und Vertretern per Amnestiegesetz Straffreiheit zugesichert. Jeder Versuch, die Geschichte aufzuarbeiten wurde danach – auch weil das Militär hintergründig mit Putsch drohte – massiv unterdrückt.

Es ist ein zu durchsichtiges Manöver von Felipe VI. weiterhin den schweren Mantel des Schweigens über der Vergangenheit liegen zu lassen, denn nicht zuletzt durch eine Aufarbeitung könnte die Monarchie in Spanien in erhebliche Probleme geraten, denn schließlich beruht ihre Daseinsberechtigung nur auf dem Befehl des Diktators. Im schlimmsten Fall müsste sie sich einer Volksabstimmung stellen, um eine auf festem Boden stehende Legitimation zu erhalten. Während in anderen Ländern sich beispielhaft Kommissionen um die Aufarbeitung der Geschichte ihrer von einer Diktatur geprägten Vergangenheit bemühen, werden in Spanien Organisationen wie die “Asociación para la Memoria Histórica” (Gesellschaft für die historischen Erinnerung) in ihrer Arbeit behindert. Es steht immer noch zu viel auf dem Spiel für die mit dem alten System verbundenen einflussreichen gesellschaftlichen und politischen Kreise im Land.

Somit hat das Königshaus alles Interesse daran, die nationale Einheit – gerichtet vor allem gegen die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen – und eine Diskussion über die Institutionalisierung der Monarchie in Spanien zu verhindern. Es ist ein durchsichtiges Manöver und wird die Kritik an der spanischen Monarchie eher noch anheizen. Mutiger wäre es, den Schritt vor das Volk zu wagen und es in einer Volksabstimmung entscheiden zu lassen, ob es die Monarchie überhaupt haben will.

Siehe auch
Trick der Reichen und Mächtigen: Almosen für die Armen statt Steuern zahlen
Spanische Monarchie und Geldeliten feiern sich selbst und einige machen nicht mit
Rote Karte für Spaniens parteiischen König
Jubelchöre für den neuen spanischen König erwünscht
Diese spanische Monarchie ist von Franco's Gnaden und wird es schwer haben

Informationsquelle
Gabriel Rufian: Carta a Felipe VI
La Asociación de la Memoria Histórica envía a Zarzuela los informes sobre los desaparecidos del Franquismo

Sonntag, 25. Dezember 2016

Beängstigende Dürre im Nordosten Brasiliens

Der brasilianische Nordosten ist es gewöhnt mit Dürreperioden zu leben. Die Halbwüste des Sertão erlebt immer wieder extreme Trockenperioden. Im Gegensatz dazu die Waldzone (zona de mata), die sich von der Küste etwa 50-100 km ins Hinterland erstreckt und bisher zum grünen Gürtel zählte. Das scheint jetzt alles anders sein. Der Blog “Combate racismo ambiental” berichtet, dass eine seit 5 Jahren andauernde historische Dürre auch den Küstengürtel des Nordostens in eine Sertão verwandelt habe. Die Dürre soll die Schlimmste in den letzten Jahren seit den systematischen Wetteraufzeichnungen sein.

Der Blog schildert ein Beispiel:
União dos Palmares, in der Region des Küstenwaldes von Alagoas, ist gekennzeichnet durch starke Regenfälle, aber die Situation dort erinnert jetzt mehr an die Steppe der Sertão. Obwohl der Ort nur 60 km von Küste entfernt liegt, erlebte die Stadt in diesem Jahr eine Dürreperiode, die die Vegetation völlig veränderte. Selbst der Fluss Mundaú, der 2010 noch für eine der schlimmsten Überschwemmungen, bei dem viele Häuser zerstört wurden, verantwortlich war, hat praktisch aufgehört zu fließen und ist jetzt trocken mit einigen Wasserpfützen.  “Ich lebe seit 72 Jahren hier, nie habe ich den Fluss in einem solchen Zustand gesehen. Ich habe ihn mal voller, manchmal mit weniger Wasser gesehen, aber jetzt ist das alles viel schlimmer. Es läuft kein Wasser mehr und auch Fischen ist heute so gut wie unmöglich. Meine Tier sind nicht gestorben, weil Gott ihr Beschützer ist, er hat sie gelernt auch Trockenes zu fressen”, erzählt der 72-jährige Antonio Aposentado, Viehzüchter an den Ufern des Flusses.

Um seine Kühe zu ernähren, holt er Zuckerrohr von einer nahen Plantage. Selbst so sind die Kühe von Antonio sehr mager. “Wer hätte gedacht, dass wir nach den Überschwemmungen von 2010 so etwas erleben werden. In jener Zeit verlor ich 15 Hütten, die ich in der Nähe besaß. Das Wasser hat sie alle mitgerissen. Jetzt gibt es nicht einmal Wasser, um die Stadt zu versorgen” fügte er hinzu.

Die Situation in União dos Palmares ist ähnlich der in anderen Städten in Küstennähe. Nach dem Meteorologen Professor Humberto Barbosa von der Bundesuniversität von Alagoas ist ie aktuelle Dürre die Größte bis heute seit der wissenschaftlichen Wetterbeobachtung. “Die Dürre hat auch die Küstenregionen des Nordostens erreicht, aber weniger stark wie im semiariden Nordosten. Zum jetzigen Zeitpunkt zeigen die Satellitenbilder, dass diese fast den ganzen Nordosten erreicht”, erklärte er. Entsprechend der von ihm erstellten Karte gibt es in der ganzen Küstenregion des Nordosten mit Ausnahme von Bahia und Maranhão, erhebliche Schäden in der Vegetation. “Innerhalb der Auswirkungen dieser Dürre, sie sich jetzt schon in das sechste Jahr hineinzieht, sind erhebliche Änderungen in der Beschaffenheit der Böden zu beobachten, mit einer Oberflächenerosion, Fehlen von Vegetation, niedrige Fruchtbarkeit und davon ausgehend eine Intensivierung der Wüstenbildung”, beschreibt Barbosa die Situation.

Und wie sind die Aussichten: Laut Professor Barbosa besteht die Gefahr, dass die Dürre sich durch den Klimawandel verstetigt. Optimisten hoffen, dass es im Januar / Februar wieder endlich flächendeckend regnet. In der Zwischenzeit stehen viele große Orte vor erheblichen Problemen, die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen. In vielen Orten ist der Tankwagen mit Trinkwasser die einzige Hoffnung, die der Bevölkerung noch geblieben ist.

Informationsquelle
Seca histórica dá “cara de sertão” à zona da mata e ao litoral no Nordeste

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Bekommt Rumänien eine Muslimin als Ministerpräsidentin?

Die PSD (die sozialdemokratische Partei) hat die rumänischen Parlamentswahlen mit großer Mehrheit gewonnen. Eigentlich erstaunlich für eine Partei, die ein langes Register an Korruptionsfällen hat. Deprimierend ist, dass nur knapp 40% der Rumänen überhaupt wählen gingen. Der starke Mann der Partei, Liviu Dragnea, ist rechtskräftig in einem Strafverfahren verurteilt worden. Deshalb hat sich Staatspräsident Iohannis geweigert, ihn zum Ministerpräsidenten zu ernennen.

Nach neuesten Informationen soll jetzt seine rechte Hand, die 52-jährige Sevil Shhaideh, Ministerpräsidentin werden. Shhaideh war Entwicklungsministerin in der Regierung Ponta, nachdem Dragnea, der zuvor das Amt innehatte, wegen des gegen ihn eingeleiteten Strafverfahrens zurücktreten musste. Zuvor war sie 20 Jahre Dienststellenleiterin im Kreisrat von Konstanza. Beruflich hat sie sich von 1995 bis 2001 für Öffentliche Verwaltung und als Managerin bei der amerikanischen Hilfsorganisation USAID spezialisiert.

Die Zeitung “Romania Libera” schreibt über sie:
Sevil Shhaideh hat eine lange Karriere in der öffentlichen Verwaltung hinter sich. Dort hat sie auch Dragnea kennengelernt, der damals Chef der Union der Kreisräte Rumäniens und des Kreisrates von Teleorman war. Shhaideh koordinierte die Arbeit der Union der Kreisräte. Sevil Shhaideh war die fleißige Biene für den Boss Dragnea und noch viel mehr als das. Dragnea war Trauzeuge bei ihrer Heirat mit dem Syrer Schaiddeh Akram, der in Rumänien Geschäfte machte und in seinem Land in viele Immobilienobjekte investierte, ohne sich vom derzeitigen Bürgerkrieg davon abhalten zu lassen. Er hat 2013 ein Luxus-Apartment in Damaskus gekauft und noch andere Objekte in der syrischen Hauptstadt. Man sagt, dass er ein Sympathisant von Bashar al-Assad sei und dass er exklusives Eigentum in Latakia, wo sich die Militärbasis der Russen befinde, besitze. All diese Details scheinen den Aufstieg seiner Gattin zum Gipfel de Regierung nicht aufhalten können.
Klaus Iohannis ist gezwungen, Sevil Shhaideh als Regierungschefin zu akzeptieren. Er kann keinen Machtkampf lostreten, denn Dragnea hat ihm ganz unverhohlen damit gedroht, dass dies sein einziger Vorschlag für den Ministerpräsidenten-Posten sein werden und er hat dabei daran erinnert, dass der Präsident es gegebenenfalls mit einer Mehrheit von 60% gegen ihn im Parlament zu tun haben werde. Ein zarter Hinweis, dass man mit dieser Mehrheit ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn einleiten könne.

Rumänien hat eine mohammedanische Minderheit, die in der Dobrudscha lebenden Tartaren. Shaiddeh gehört diesem Volk an. Als solche ist sie – auch auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit - in der PSD eine Außenseiterin. Sie verfügt über keine große Machtbasis, was sie als eine reine Marionette von Dragnea erscheinen lässt. In den rumänischen Medien herrschen Zweifel, ob das gut gehen wird.

Informationsquelle
Shhaideh, prima musulmană șefă de guvern în UE. Va fi trădat Dragnea de PSD?

Sonntag, 18. Dezember 2016

Das AKW Paks in Ungarn, ein seltsamer Handel, bei dem es einige Rätsel gibt

Das "Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR)" beschreibt die Pläne Ungarns zur Erweiterung seines Atomkraftwerks Paks wie folgt:
Der staatliche ungarische Energiekonzern MVM will am Standort Paks, 470 Kilometer von Deutschland entfernt, zwei russische Druckwasserreaktoren vom Typ AES 2006 bauen. Sie sollen 2025 und 2030 mit einer Gesamtkapazität von 2.400 Megawatt (MW, brutto) ans Netz gehen. Das AKW-Projekt soll rund 12,5 Milliarden Euro kosten, von denen 10 Milliarden Euro von russischen Kreditgebern und weitere 2,5 Milliarden aus dem ungarischen Haushalt stammen sollen. Am Kraftwerksstandort Paks stehen bereits seit den 1970er Jahren vier Atommeiler mit je 500 MW Bruttoleistung, von denen drei im Jahr 2017 abgeschaltet werden sollen.

Zehn Milliarden streckt der russische Staat als Darlehen vor – den Deal vereinbarten Präsident Wladimir Putin und Premierminister Viktor Orban 2014. Im November 2015 startete die EU-Kommission eine Untersuchung, ob Wettbewerbsregeln verletzt wurden, weil der Auftrag nicht öffentlich ausgeschrieben worden war. Vor kurzem legte die Kommission den Fall sang- und klanglos zu den Akten. Ob der Kredit eine unzulässige staatliche Subvention darstellt, wird noch untersucht.

Greenpeace Österreich beurteilt den AKW-Handel so:
Eine von der Umweltschutzorganisation Greenpeace Ungarn beauftragte Studie der Energiemarkt-Analysten von „Candole Partners“ zeigt, dass der geplante Ausbau des ungarischen Atomkraftwerks Paks II nur mit massiven illegalen staatlichen Beihilfen möglich ist. Damit verstößt der AKW-Neubau gegen EU-Recht. Das Projekt, nur 180 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, stellt nicht nur ein erhebliches Risiko für Mensch und Umwelt dar, auch die Energiemärkte würden signifikant verzerrt und erneuerbare Energieträger verdrängt werden.

Im Jahr 2013 gab Günther Oettinger, damals Kommissar für Energieangelegenheiten in der EU grünes Licht für das Paks-Projekt. Inzwischen ist er zwar in der Kommission nicht mehr für Energiefragen zuständig, aber einige Hinweise deuten daraufhin, dass er immer noch bei diesem Projekt mitmischt. Ein weiterer Strippenzieher ist das Ex-Vorstandsmitglied der Daimler-Konzerns, Klaus Mangold. Mangold wird von manchen Medien auf Grund seiner guten Beziehungen zur russischen Regierung als “Mr. Russia” bezeichnet. Im Mai dieses Jahres flog Oettinger mit dem Privatjet von Mangold nach Budapest, angeblich zu Gesprächen mit der ungarischen Regierung über das digitale Auto. Oettinger verteidigte sich damit, dass die Zeit drängte und es keine verfügbaren kommerziellen Flüge von Brüssel nach Budapest gab. Ungarische Investigativ-Journalisten enttarnten diese Behauptung als Ausrede. Tatsächlich ging es wohl bei den Gesprächen mit den Ungarn trotz entgegengesetzter Behauptungen zumindest auch um das AKW Paks. Denn Mangold hatte bisher ein intensives Interesse am Paks II gezeigt. Er soll auch als Vermittler zwischen Orban und Putin in dieser Angelegenheit aufgetreten sein.
Ist das Ganze nicht etwas seltsam? Der Blog “Lost in Europe” formuliert die Vermutung so:
Das ist ja mal wieder ein Zufall! Erst stellt sich EU-Kommissionschef Juncker hinter seine Skandalnudel Oettinger. Kurz darauf gibt die Kommission bekannt, dass sie ein Verfahren gegen Ungarn wegen des Akw-Projekts Paks II einstellt.

Es handelt sich also um ein höchst fragwürdiges Projekt, bei dem man durchaus Schützenhilfe aus der Politik brauchen kann. Zumal ja eigentlich die EU mit Russland wegen der Krim-Okkupation in Unfrieden lebt und Sanktionen gegen das Land verhängt hat. Und hier wird also sogar ein Handel, dessen Sinn nicht offensichtlich ist, gefördert. Transparenz war dabei bisher unerwünscht. Aber Mangold und Oettinger haben auch das Vertrauen unserer Bundeskanzlerin, nur stellt sich beim deutschen Normalbürger zudem die Frage, weshalb unser Land, das sich aus der Atomenergie verabschiedet hat, ein höchst umstrittenes Atomprojekt in Ungarn fördert. Vielleicht sollte uns das einmal jemand erklären.

Informationsquelle
Streit um ungarisches Atomkraftwerk
The men behind Paks II: Günther Oettinger and Klaus Mangold
Merkwürdigkeiten rund um das neue Atomkraftwerk in Ungarn

Freitag, 16. Dezember 2016

Infeliz Navidad - Auch für das spanische Gemüt ist Weihnachten oft Gift

In der Regel machen viele Menschen 3 Kreuze, wenn Weihnachten vorbei ist. Es gibt da diesen Stress, den das Fest des Friedens zum Fest des Konsumzwangs, der Unruhe und der Dissonanzen werden lässt. Stress beim Einkaufen, Ärger in der Familie, mit der man eigentlich zusammen ein Fest des Friedens feiern möchte. Leider gelingt das nur Wenigen.

So geht es auch den Spaniern. Der weit überwiegende Teil der Bevölkerung ist auf dem Weg zum Weihnachstfest unter Druck. Die vielen  Verpflichtungen, die mit dem Fest verbunden sind, sorgen für Stress- und Angstzustände sowie Zustände der Erschöpfung. Auch die oft sinnlosen Bemühungen um einen termingerechten optimalen Familienfrieden tragen zu einem Scheitern einer harmonischen Stimmung bei. Folge: Eine große Anzahl der Spanierinnen und Spanier beschäftigten sich an den Feiertagen mit Kopfweh, Schlaflosigkeit, generelle Ermüdungserscheinungen, Muskelschmerzen, Magenverstimmungen wegen der feiertäglichen Fressgelage. All dies sind Gründe, in Spanien an Weihnachten eher depressiv zu werden.

Die Spanier sind auch einem doppelten Konsumstress ausgesetzt. Eigentlich ist traditionnell der Tag der “Reyes” (Drei Könige) der Tag, an denen die Geschenke verteilt werden. Inzwischen hat sich aber auch das bisher vernachlässigte Weihnachten als Geschenktag durchgesetzt. Viele Eltern müssen jetzt den Spagat einer zweimaligen Bescherung innerhalb weniger Tage machen.

Eine spanische Psychologin gibt ihren gebeutelten Landsleuten deshalb folgende Ratschläge für ein stressfreies Weihnachtsfest:
Eine Möglichkeit den Ärger zu reduzieren, liegt zum Beispiel darin, den Kindern zu zeigen wie man das Bäumchen schmückt, den Tisch deckt oder die Geschenke einpackt. Diese Geschäfte zu sozialisieren ist ein wichtiger Teil der Festtage am Ende des Jahres, aber für viele Menschen, die an sozialen Angstzuständen leiden oder sich bei festlichen Treffen eingeschüchtert fühlen, sind sie eine Quelle des Stress. Die Ernährungswissenschaftlerin Danori Carbajal empfiehlt das Frühstück mit fettfreier Milch und Müesli zu beginnen, weil die eine gute Dosis an Energie vermitteln und die Milch mit ihren Derivaten beinhalte Stoffe, die Serotonin enthalten und das ist gut für die gehobene Stimmung. “Wenn man hungrig ist, ist man schlecht gelaunt.”

Mit solchen Oberflächlichkeiten geben sich manche nicht zufrieden. Die Organisation “Ecologistas en Acción” (EA) wirbt für ein anderes Weihnachten, das ökologischer und soldarischer ist.

Während des ganzen Jahres und speziell an den Weihnachtsfeiertagen stürzen die Bürger und Bürgerinnen auf die Straße, um einzukaufen. Aufgestachelt dazu werden sie von Werbekampagnen, die spätestens einen Monat vor den Feiertagen beginnen. Dieser Konsumwahn ohne Sinne folgt einem nicht nachhaltigen Muster, sowohl in Umwelt- als sozialer Hinsicht. Aus Umweltgesichtspunkten, denn wenn das Konsummodell der nördlichen Länder sich auf der ganzen Welt ausbreiten würden, bräcuhte man 3 Planeten (mit seinen Rohstoffen, Energiequellen..). Und im sozialen Bereich, weil nur 12% der Weltbevölkerung, die in Nordamerika und Westeuropa leben für 60% des Konsums verantwortlich sind, während die Völker im Südosten Asiens oder in Afrika südlich der Sahara nur 3,2% davon abbekommen.

Aus diesem Grund schlagen wir mehrere Alternativen vor, um diese Feiertage auf eine mehr nachhaltige Art zu feiern, ohne zu vergessen, dass die Hauptbotschaft unsere Umweltbewegung darauf abzielt, dass der Konsum erheblich reduziert und der Schädigung der Umwelt und der Gesellschaft Einhalt geboten werden muss.

Ja, vielleicht ist Konsumzurückhaltung der beste Weg, um die Tage in Frieden und Zufriedenheit verbringen zu können. Aber dann jammern wieder die Händler…….

Informationsquelle
Una Navidad más ecológica y solidaria

Freitag, 9. Dezember 2016

Sportliche Abgeordnete in Rumänien, neuer Rekord beim Parteienwechsel

Die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ) schreibt heute folgendes:
Das Überläufertum der rumänischen Parlamentarier hat in der ausklingenden Legislaturperiode alle Rekorde gebrochen: Von den insgesamt 588 Parlamentsabgeordneten, die Dezember 2012 ihre Amtszeit antraten, wechselten binnen vier Jahren 223 und damit knapp 40 Prozent die Partei – einige sogar bis zu viermal, wie etwa die Abgeordneten Ioan [cheau (PPDD, PSD, PDL, PNL), Diana Tuşa (PNL, PDL, PNL, PSD), Radu Stroe (PNL, PLR, UNPR, PSD) und Liliana Mincă (PPDD, UNPR, PSD, ALDE).
Spitzenreiter unter den Überläufern waren diesmal vor allem die PPDD-Politiker, die samt und sonders ihrer Partei den Rücken kehrten, sodass ihre Fraktion letztlich mangels Mitgliedern aufgelöst werden musste.


Die Partei des Volkes – Partidul Poporului PP)  – und damit klarer ist, welche Partei gemeint ist, wird ein DD hinten drang gehängt, was für die Initialen des Parteigründers Dan Diaconescu steht. Sie hat also die wackligsten Abgeordneten gehabt. Die Partei hat 2015 mit der UNPR (Uniunea Națională pentru Progresul României – Nationale Union für den Fortschritt Rumäniens) fusioniert. Inzwischen gibt es auch diese Partei nicht mehr, sie hat mit der Partidul Mișcarea Populară (Partei der Volksbewegung) fusioniert, die vom ehemaligen Staatspräsidenten Traian Basescu gegründet worden war.

Lange vor der Populismus auch den Rest Europa angefressen hat, hat man in Rumänien bereits ausreichend Erfahrungen mit Politikern der Sorte “Alles versprechen und nichts halten” gemacht. Nun sind Abgeordnetenposten in Rumänien auch nicht schlecht bezahlt und wer verzichtet schon gerne auf eine solche Alimentierung. Wenn also das Schiff sinkt, dann fliehen auch die Ratten. Vorher wirft man noch schnell seine bisherigen angeblichen Überzeugungen über Bord. Die inzwischen im Orkus der Geschichte verschwundene PPDD hätte man eigentlich als eine Totgeburt bezeichnen müssen, weil von vornherein erkennbar war, dass sie von inkompententen Großmäulern gegründet und geführt war. Aber Wähler kann man an der Nase herumführen, wenn man es versteht, andere zu diffamieren und mit haltlosen Versprechungen um sich zu werfen. Dass die Wahlbeteiligung bei einer solchen Parteienlandschaft ständig auf neue Minusrekorde zugeht, ist nur zu verständlich. Trotzdem haben die Vertreter solcher gescheiterten Parteien es geschafft, bei der nächsten Partei anzudocken. Erstaunlich ist, dass diese Parteien solche Überläufer überhaupt aufnehmen.

William Totok berichtet heute in der TAZ aus Bukarest über die bevorstehenden Wahlen unter der zusammenfassenden Aussage “mit alten Parolen und belasteten Personen geht ’s am Sonntag zur Wahl”:
„Alles Lügner, Halsabschneider und Ganoven, die sich bereichern wollen“, schimpft ein Bukarester. Er steht vor einem der winzigen Wahlplakate, die an Fassaden und Litfaßsäulen der rumänischen Hauptstadt kleben. 18,9 Millionen Rumänen sind am Sonntag aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Von dem früher auch auf den Straßen ausgetragenen Wahlkampf ist in Rumänien, das seit 2007 Mitglied der EU ist, diesmal kaum etwas zu sehen. Großflächige Wahlplakate sind verboten genauso wie Wahlgeschenke.

Siehe auch
Dan Diaconescu, Rumäniens Berlusconi?

Informationsquelle
Für Gott, Familie und Vaterland
Überläufertum: 223 Abgeordnete wechselten Partei

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Zerrissenes Brasilien: Wir werden nie wieder dieselben sein

Brasilien hat mit dem Impeachment der Präsidentin Rousseff einen parlamentarischen Putsch erlebt, mit dem die reaktionären Kräfte sich der Schaltstellen der Macht zurückeroberten. Gleichzeitig kocht die brasilianische Justiz ihr eigenes Süppchen, wer hier mit wem und gegen wen integriert ist kaum mehr auszumachen. Sie entwickelt sich in einen Staat im Staat.  Menschen werden in Vorbeugehaft genommen und wenn ihre Unschuld nach mehreren Monaten Haft festgestellt wird sind sie materiell und psychisch ruiniert. Die Putschisten-Regierung sieht ihr Glück in einem scharfen Austeritätskurs. Alles, was bisher der armen Bevölkerung eine Verbesserung der Lebensverhältnisse gebracht hat, wird abgeschafft oder eingeschränkt. Das wirtschaftliche Wunder, das sich die Putschisten erhofft hatten, blieb bisher aus und die sozialen Konflikte verschärfen sich im ganzen Land.

Die “Comissão Pastoral da Terra”, eine eine einflussreiche Organisation der katholischen Kirche Brasiliens, die sich für die Rechte der Landbevölkerung einsetzt, steht diesem Kurs sehr kritisch gegenüber. Einer ihrer Vertreter, Roberto Malvezzi, schildert auf der Webseite “Correio de la Cidadania” unter dem Titel “Wir werden nie wieder dieselben sein” wie er Brasiliens derzeitige Verfassung sieht:

Ich schreibe hier für mich und einige Millionen andere, die zur Zeit mit mir dieselbe Ohnmacht angesichts des Putsches in Brasilien und seiner Folgen teilen.

Wir haben keine Möglichkeit uns zu verteidigen. Ich spreche von den 54 Millionen Brasilianern, denen ihre Stimmen durch etwa 300 charakterlose Gesellen im Abgeordnetenhaus und danach von weiteren 60 Senatoren gestohlen wurde. Seither  gehen alle verfassungsrechtlichen Änderungen, die sie vorhaben, zu Lasten des Volkes.

Es geht nicht darum die Fehler und Verbrechen der PT oder Petisten zu verteidigen. Aber es geht auch nicht darum, die Augen vor der fantastischen nationalen Heuchelei zu verschließen, wie sie ganz klar durch die Fortsetzung von Untersuchungen und Verfolgungen anderer Parteien zur Schau gestellt wird.

Jetzt fragt man sich, was der Putsch gebracht hat. Die wirtschaftliche Rezession in der Regierung Dilma Rousseff war mit 3,5% des BIP beziffert worden. Mit Temer wird sie auf 7% geschätzt. Die Industrieproduktion ging zurück, ebenfalls die Ergebnisse der Agrarindustrie und die Arbeitslosigkeit sprang von 10 Millionen unter Dilma auf 12 Millionen bei Temer. Somit hat sich jenes magische Versprechen, die der Putsch versprach, nicht realisiert. Jetzt spricht sogar Fernando Henrique (Cardoso) von Wahlen, um demjenigen etwas mehr Glaubwürdigkeit zu vermitteln, der uns vor dem Abgrund, an den sie uns geworfen haben, bewahren soll.

Die soziale Spaltung Brasiliens hat sich in die Seelen eingegraben und wird viele Generationen andauern. Wir werden fortfahren uns gegenseitig anzuspucken, gegeneinander in Straßendemonstrationen antreten, in Restaurants, uns gegenseitig in den sozialen Netzwerken beleidigen, indem wird die ethnischen, sexistischen, regionalen Diskriminierung, die Klassengesellschaft und alle anderen Parteilichkeiten pflegen, Vielleicht waren wir nie eine Nation, sondern nur eine Zusammenwürfelung von Personen, die dasselbe Territorium bewohnen.

Wer Hunger und Durst nach Gerechtigkeit hat, kann keine fiskalische und wirtschaftliche Sparmaßnahme, die zu Lasten des Entzugs von Rechten und des Elends des Volkes gehen, akzeptieren. Die wirkliche Versöhnung geht nur über eine tatsächliche Gerechtigkeit und über einen Schritt mehr hin zum “Mitleiden”, was aus dem Begriff Gerechtigkeit hergeleitet werden kann. Der Putsch vertieft alle historischen Ungerechtigkeiten dieses Landes. Der Putsch ist nicht nur unpopulär, wie ihn die großen Medien beschreiben, sondern unmenschlich.

Es geht nicht darum, dass wir uns mit noch mehr Hass aufladen. Dieser lähmt und tötet. Aber es wird weiterhin die Empörung über strukturellen Ungerechtigkeiten geben, die seit Urzeiten den Opfern unserer Geschichte auferlegt werden. Der Unterschied zwischen Hass und Empörung ist nur eine Augenblinzeln auseinander.

Wir werden nie wieder dieselben sein. Diesen Satz habe ich am häufigsten in letzter Zeit gehört, von ganz verschiedenen Personen, die sich nicht einmal kennen. Entweder wird versöhnen uns im Namen der Gerechtigkeit oder wir werden uns nie wieder in die Augen sehen.


Informationsquelle
Jamais seremos os mesmos

Sonntag, 4. Dezember 2016

Spanische Akademiker schreiben fleißig ab und haben nichts zu befürchten

Spanien hat auch einen Plagiatsskandal. Der Rektor der Universität Rey Juan Carlos in Madrid, Fernando Suárez Bilbao, hat einen Beitrag in einer renommierten juristischen Zeitschrift veröffentlicht und dabei 70% des Textes aus einem Buch kopiert, ohne den Autor zu zitieren. Damit wirft die spanische Öffentlichkeit ein Auge auf eine Praxis, die im Land bisher für wenig Aufregung gesorgt hat, aber in weitem Umfang gängige Übung war. Der Rektor selbst versucht die Tat mit dem Kommentar “er sei auch ein Mensch” abzutun. Für ihn ist das kein Plagiat und er hält eine eigenwillige Interpretation des Plagiats bereit: “Es gebe verschiedene Methoden und Bräuche die Autoren zu zitieren, deren Arbeiten man sich bediene”. Falls man damit kein Geld verdiene, sei das auch völlig egal,ob man abgeschrieben habe. Soviel zum Verständnis eines spanischen Professors zum wissenschaftlichen Arbeiten. Im übrigen fühle er sich der Öffentlichkeit zu keiner Erklärung schuldig, nur seine Universität könne von ihm Auskunft verlangen.

Carlos Bernuy, Professor an der Universität von Trondheim, beschreibt in einem Meinungskommentar für die Internet-Zeitung “Eldiario.es” die Situation in Spanien:
Der wissenschaftliche Betrug ist kein exklusives Problem von Spanien, aber unser Land ist im größeren Umfang ein Opfer dieser Betrügereien als bei unsern Nachbarländern. Dies ist auf die großen strukturellen Probleme, die unser akademisches System und die Forschung haben, zurückzuführen. Ein gutes Beispiel dafür ist der bereits zitierte Plagiats-Rektor, der sich an seinen Posten mit der Unterstützung der für dieses System verantwortlichen Institutionen klammert.

Bernuy erklärt auch, dass die Plagiate bisher selten ans Tageslicht gekommen seien, man aber diese Art der Korruption scharf bekämpfen müsse. Normalerweise müsste das Eingeständnis eines Plagiats zu einem Rücktritt führen.

“Eldiario.es” beschreibt dann ein paar Fälle, in denen das Aufdecken von Plagiaten zur Rücktritten geführt haben. An vorderster Front werden als beispielhaft die Fälle in Deutschland mit Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan geschildert, die jeweils zu Rücktritten geführt hatten.
Ein Leserkommentar dazu:
Tatsächlich ist es so, dass Spanien ein Land ist, wo man Korruption belohnt. Wenn welche zurücktreten oder zurücktreten müssen, dann tun sie es erst sehr spät und außerdem sucht man ihnen ein Pöstchen, in der Regel einen der besser dotiert ist als ihr bisheriger. So wird Treue und Schweigen erkauft. Für diesen Rektor, falls er zurücktreten sollte, was ich bezweifle, ist bereits bestens vorgesorgt, er wird anderswo ein Amt bekommen.

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El plagio se castiga en Europa con el cese o la dimisión, pero España es diferente

Samstag, 3. Dezember 2016

Ich gehe wählen, damit ich nicht auswandern muss

Am 11. Dezember stehen in Rumänien die Wahlen für das Parlament und den Senat an. Da die Wahlbeteiligung auch in Rumänien oft sehr niedrig liegt, hat jetzt die Bürgerinitiative “Step Ahead” ein Kampagne unter dem Titel gestartet “Warum wählen? Ich wähle, damit ich nicht auswandern muss!”. Hier die Gründe der Initiative:

“Wenn jeder von uns sich diese Frage stellt, scheint die Frage der Wahl irgendwo fern in unseren Sorgen vorhanden zu sein. Immer, wenn die Rumänen zur Wahl gerufen werden, gibt es Debatten, Argumente, Emotionen, der Verstand dringt nicht mehr zur Frage vor, WEN WÄHLE ICH? und “WARUM WÄHLE ICH?

Im Rumänien der letzten Jahre besteht die Wahl eher aus Schweigen, Enthaltung und Resignation. Wir haben darauf verzichtet, obwohl wir eine Meinung haben, diese durch die Wahl, durch eine Aktion auszuüben. Wir verkünden unsere Ansichten überall, nur nicht an der Urne! Wir haben aufgehört eine Antwort auf die Frage “Warum wählt man?” zu suchen.

Wir haben aufgehört, weil wir keine Hoffnung haben, weil wir nicht die Möglichkeiten sehen, weil wir nicht an die politische Klasse glauben, weil es uns schmerzt oder weil wir uns nicht mehr interessieren, wir haben aufgehört egal, ob wir in Großstädten oder in Dörfern leben, ob wir Jugendliche oder Senioren, ob wir arbeiten oder Rentner, ob wir ein eigenes Geschäft haben oder Freiberufler sind, ob wir im Land leben oder außerhalb, wir haben aufgehört daran zu glauben, dass es uns in Rumänien gut gehen kann.

Wir, wie auch viele andere Rumänen, stellen uns jetzt diese Frage WARUM SOLLEN WIR AM 11. DEZEMBER WÄHLEN? “

Die Leserinnen und Leser werden aufgefordert auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite ihr Begründung für die Teilnahme an den Wahlen öffentlich zu machen. Stellvertretend sei hier Lorena Balint genannt, die in ihrem Beitrag von dem 18-jährigen Dorinel, einem Klassenkameraden an der Schule, berichtete, der während der Revolution von 1989 gegen Diktator Ceausescu als Soldat in der Armee war und getötet wurde: “Er ist gestorben, ohne zu verstehen und ohne zu wissen warum”. Daraus leitet sie ihren Aufruf ab, das Wahlrecht wahrzunehmen:

27 Jahre später sind wir ein demokratisches Land. Wir können ohne Angst sprechen, ohne Angst lesen, wir können hingehen, wohin wir wollen, wir können uns selbst entscheiden, ob wir in die Armee gehen wollen oder nicht. Das sind Rechte, die Dorinel nicht hatte. Eine Demokratie, auf die er sich nicht berufen konnte. Wo die Macht dem Volk gehört. Und das Volk hat eine Stimme – und das Recht sie zu nutzen.
In einigen Tagen haben wir die Gelegenheit, dass unsere Stimme, die des Volkes, gehört wird. Und dass sie zählt – sehr. Also lasst uns mit voller Macht unsere Stimme erheben – durch das Wahlrecht. Wir haben eine moralische Verpflichtung für Dorinel und all jene Kinder, die in einen Kampf geraten waren, der nicht der ihre war. Für uns. Für unsere Kinder. Für die Zukunft. Weil wir es können. Weil die Apathie nirgendwo hinführt. Bei zu viel Apathie kann sich die Geschichte wiederholen.

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#votezcasanuemigrez