Donnerstag, 30. Juni 2016

Osteuropäische Erkenntnisse nach dem Brexit am Beispiel Rumäniens

Es gibt sie, die osteuropäischen Extremisten, die den Brexit begrüßen und ihn in ihrer Verblendetheit auch noch für ihr Staatsgebilde anwenden möchten. Sie sind aber in der verschwindenden Minderheit. Die osteuropäischen Regierungspopulisten benutzen gerne auch diese Gelegenheit, um gegen der Übermutter EU kindisch ihre Muskeln spielen zu lassen. So haben die Regierungschefs der Visegrad-Gruppe (Polen, Tschechei, Slowakei, Ungarn) zu Beginn dieser Woche sich wegen des Brexit aufgeplustert, weil angeblich die EU-Bürokraten nicht genug getan hätten, um Großbritannien in der EU zu halten. Kaczyński, allmächtiger Parteichef der polnischen Regierungspartei PiS wetterte über seinen Landsmann Donald Tusk, der angeblich Cameron vor dem EU-Referendum nicht genügend Angebote gemacht habe, um diese in der EU zu halten. Dass jede weitere Konzession an Cameron gegen seine polnischen Landsleute in Großbritannien gegangen wäre – schließlich drehten sich Camerons Forderungen vor allem um Restriktionen gegen EU-Ausländer in Großbritannien – verschweigt Herr Kaczyński. Große Sprüche klopfen ist halt einfacher. In Brüssel geben sich diese Herren wesentlich handzahmer.

Warum ist ja wohl auch klar. Die rumänische Politologin Alina Mungiu-Pippidi legt den Finger in die offene Wunde, wenn sie schreibt, dass jetzt die Gefahr des Europas der zwei Geschwindigkeiten wieder akuter werden wird. Das würde bedeuten, dass einige Kernländer der EU ihre eigene Entwicklung vorantreiben, dass die Eurozone nicht ausgeweitet, sondern eingeschränkt wird und die osteuropäischen Staaten auf einmal auf der Stelle treten werden. Rumänien sei auf ein solches Szenario überhaupt nicht vorbereitet, die Regierung habe keine Strategie wie sie reagieren solle, wenn dieses Szenario eintreffen sollte. Bisher ging man in Rumänien davon aus, dass es das Europa der einen Geschwindigkeit gibt, mit Großbritannien als Mitglied und der Tatsache, dass rumänische Arbeiter ohne Restriktionen dort arbeiten können. Jetzt stehe man ratlos vor der neuen Entwicklung.

Alina Mungiu-Pippidi fordert dann den rumänischen Staatspräsidenten Klaus Iohannis auf folgende 2 Botschaften, jeweils eine an Brüssel und eine an die Rumänen, mit diesem Inhalt zu schicken:
An Brüssel. Wenn es einen Beitrag, wie klein er auch immer gewesen sein mag, von Rumänien und Bulgarien und generell von den neuen Mitgliedern des ehemaligen kommunistischen Machtbereichs zum Ansteigen des Euroskeptizismus in Großbritannien und dem Rest Europas gegeben hat, dann möchte ich hier ausdrücklich mein Bedauern erklären und die Bereitschaft unserer Völker erklären, in Zukunft so etwas zu vermeiden. Ich weiß, dass wir die Perspektive einiger individuellen Lösungen eröffnet haben, auf Grund der Tatsache, dass wir es mit unserer Haltung gegenüber den Flüchtlingen unmöglich gemacht haben,  eine gemeinsame Lösung zu finden. Aber wir haben eine alternative Lösung , wir haben uns entschieden mit unseren Kollegen in Osteuropa zusammenarbeiten, um die Frage der Einwanderung nicht nur in die Verantwortung der Staaten, die großzügig waren zu uns zu legen, sondern wir sind entschlossen, unseren Beitrag zum Europa der Solidarität zu leisten.
An die Rumänen: Obwohl die Unsicherheit in der Welt und in Europa gestiegen ist, war unser Land nie besser gestellt und verteidigt in unserer Geschichte. Nicht die Fremden sind unsere Feinde, nicht die Flüchtlinge aus Syrien, nicht die die eine andere Meinung als wir haben, die sich zu einer anderen Religion bekennen oder jemand anderen anbeten, die Grundstücke bei uns kaufen, obwohl sie eine andere Sprache sprechen oder andere Ansicht über Sex haben – all das sind eingebildete Feinde. Unser Problem ist, dass es uns nicht gelungen ist, ein System der Ermutigung, der Entwicklung und der Förderung verschiedenster Talente in unserem Land zu etablieren. Nur das kann einen Anstoß zu unserer Entwicklung geben, die Wiederherstellung des Systems nach Verdienst im öffentlichen Sektor und im privaten Bereich, nur wenn wir so handeln, werden wir von einer mutigen Reform profitieren.

Staatspräsident Iohannis ging nicht soweit wie Alina Mungiu-Pippidi es gerne gewollt hätte. Zum Abschluss der gestrigen Tagung des europäischen Rates gab er zu erkennen, dass nach seiner Meinung die EU die einzige Option für die Erhaltung des Wohlstandes und Sicherheit der Bürger Rumäniens ist. Um die Rumänen in Großbritannien brauche man sich keine Sorgen zu machen. “Premierminister Cameron hat mir im Namen Großbritanniens versichert, dass die Rumänen, die sich dort befinden, weiterhin im Vereinigten Königreich bleiben und arbeiten können und er hat sich für die xenophoben Zwischenfälle nach dem Brexit-Referendum entschuldigt”, erklärte Iohannis.

Informationsquelle
Visegrád leaders question actions of Tusk and Juncker
Ultima oportunitate pentru Klaus Iohannis
Consiliul European fără Marea Britanie. Iohannis: Declaraţie comună de unitate şi coeziune a Uniunii Europene. Urmărim apărarea intereselor românilor din UK

Dienstag, 28. Juni 2016

Das Spanien der Angst hat gewonnen

Die spanischen Parlamentswahlen, die nur 6 Monate nach den letzten Wahlen erfolgten, sind mit einem unerwarteten Resultat ausgegangen. Die verbrauchte Regierungspartei PP hat allen Erwartungen zum Trotz Stimmen gewonnen, auch wenn es nicht gereicht hat, wieder die absolute Mehrheit zurückzubekommen.  Dies obwohl sich die Spanier eigentlich einig sind, dass die PP die korrupteste Partei Europas ist. Eine Unmenge bei den Gerichten anliegender Verfahren bestätigt das auch. Also warum haben die Spanier diese Partei wieder zur stärksten Partei gemacht? Rat habe ich bei dem Journalisten Javier Gallego von der Webseite “eldiario.es” gesucht. Hier sein Kommentar verfasst unter dem Titel “Die Angst hat gewonnen” in gekürzter Fassung;

Unter dem Strich haben die von immer gewonnen. Es haben die gewonnen, die es verstanden haben, den Leuten Angst wie nie zu machen. Rajoy hat die Wahlen in Venezuela gewonnen. Die Panik-Kampagne funktionierte und die Wähler der Rechtsparteien eilten wie eine Armee zu den Urnen, um das Land vor der Apokalypse des bolivarischen Zombies zu retten. Sofort hat der Wähler der Rechten reagiert auf den Hilferuf der Einheitspartei, um die Prinzipien der Bewegung, den Frieden und die Ordnung, die Stabilität, bedroht von Roten und Unabhängigkeitsanhängern zu verteidigen, gerade jetzt, wo Europa zerbricht am Brexit und die Börsen durch den Populismus und seine Volksabstimmungen abstürzen. Man muss sie stoppen, bevor sie dasselbe noch mit uns machen, war die Meinung.
 
Es ist so wie das ein Wähler der PP im Fernsehen sagte, “ich ziehe es eher vor, dass mich einige ausrauben als dass mich die anderen ruinieren”. Diejenigen, die dich ausrauben ruinieren dich auch, aber versuch das einer Person zu erklären, die glaubt, dass Pablo Iglesias dein Haus enteignen wird und dass Rajoy ein guter Verwalter ist. Das ist das Land, das wir haben und es ist sehr schwierig zu ändern, weil die Medien die Meinungsbildung dominant und monolithisch beherrschen.

Ganz im Unterschied zu den Rechten das linke Ufer, wo man die Wähler durch Streit und Unfähigkeit der beiden großen Parteien zu gemeinsamen Handeln entmutigt hat. Die PSOE war gar nicht an einem Kampf um die Macht mit der PP interessiert, sie ist nur von Podemos besessen, dem sie die Schuld für das schlechteste Resultat ihrer Geschichte zuschieben, weil es viel einfacher ist, sich über die Jugendlichen zu beklagen als in den Spiegel zu schauen und festzustellen, dass man alt und grau wird. Das sollte man auch der alten Vereinten Linken sagen (IU). Pablo Iglesias streckt jetzt die Hand in Richtung der Sozialisten au,s aber zuvor stellte er ihnen eine Falle, indem er versuchte eine Regierung hinter ihrem Rücken zu bilden. Das Lächeln des Schicksals vom letzten Mal ist ihnen durch ein enttäuschendes Resultat eingefroren

Das Unterlassen von Selbstkritik wäre nach diesem Resultat alarmierend, aber zu viel Kritik würde eine Linke lähmen, die sich selbst mobilisieren und gegen diese 4 Jahre Rajoy, die sie uns sicher bescheren werden, weil mehr als 7 Millionen Spanier für die Partei der Korruption und Konspiration, der Ungleichheit, der Armut, des Prekariats, der Hilfspakte für die Banken und der Kürzungen bei den Menschen, der Repression, der Medienmanipulation und des Knebelungsgesetzes, die Menschen mobilisieren muss. Das schwarze Spanien hat gewonnen und im Dunkeln sitzt das Spanien der Angst, weil es keinen Kampf darum gab diese zu besiegen.

Siehe auch
Sánchez versucht es mit einer neuen spanischen Regierung
Der Sauhaufen von Valencia: So funktionieren Spaniens Korrupte
Soraya muss für ihren Chef die Kohlen aus dem Feuer holen

Informationsquelle
Ha ganado el miedo

Sonntag, 26. Juni 2016

Ein Flughafen-Projekt wird zur Keimzelle für neue politische Bewegungen in Frankreich

Im Oktober 2012 hatte ich folgendes berichtet: “Wofür braucht Nantes einen 2. Flughafen? Die Frage stellen sich die Menschen in dieser französischen Region und protestieren gegen die Baupläne in Notre-Dame-des-Landes einen neuen Flughafen mit Interkontinental-Anbindung aufzubauen. Das ist die Geschichte einer Provinzstadt, die sich für eine Großstadt hält. Der Bürgermeister Jean-Marc Ayrault (inzwischen französischer Ministerpräsident) spricht nicht von einem “Projekt” von Notre-Dames-des-Landes, sondern von einem Flughafen des “Großen Westen”, den man im Begriff ist, aufzubauen. Die protestierende Bevölkerung nennt deswegen das Projekt “AYRAULTPORT”.”

Der Protest ging seither weiter und gewann noch an Stärke. Ab 2006 wurde das geplante Baugebiet in Notre-Dame-des-Landes zu einem Ziel vieler Protestgruppen. Die Webseite “L’Obs” schreibt: “in der Folge sind viele Jugendliche in das Gebiet gekommen und haben die von den Bauern verlassenen Häuser besetzt. Ihre Anwesenheit hat dem der Bewegung gegen den Flughafen ("antiaéroport") neuen Schwung gegeben. Umweltschützer, Alternative, Autonome oder Neu-Hippies haben als Neuankömmlinge vor Ort neue Möglichkeiten der direkten Demokratie und Machtausübung ohne Führungspersonal ausprobiert und haben damit später die heutigen Bürgerbewegungen gegen den Staudamm von Sivens oder die Proteste der “Nuit debout” inspiriert.”

Mit der Operation “César 44” versuchte die Staatsmacht den Widerstand im Oktober 2012 mit brutaler Polizeigewalt zu brechen. Ein Schuss, der nach hinten los ging. Die Protestbewegung wurde gestärkt und jetzt protestierten nicht mehr tausende, sondern zehntausende. “L’Obs” fasst es wie folgt zusammen: “Notre-Dame-des-Landes ist über die rein aeronautischen Betrachtungen hinaus eine Symbol der Weigerung gegen nutzlose, landschaftszerstörende und CO2-emittierende Großprojekte geworden. Das Frankreich des 21. Jahrhunderts ist vielleicht sehr wohl auf diesem Stück Land, der “lande” (Heide), geboren worden.

Heute findet nun eine Volksabstimmung über das Projekt des Flughafens statt. Teilnehmen an der Abstimmung dürfen die Bewohner des Départements Loire-Atlantique mit der Hauptstadt Nantes. Für Kritiker ein zu eng gezogener Kreise von Abstimmungsberechtigten. Für die Verlegung des Flughafens von Nantes nach Notre-Dame-des-Landes gibt es laut Umfragen eine leichte Mehrheit. Deshalb wird der Regierung auch unterstellt, einen engen Kreis der Wahlberechtigten gezogen zu haben. Laut der Zeitung “Libération” hat man den Kreis der Wahlberechtigten bewusst eng gezogen, obwohl die umliegenden Regionen und die Gesamtheit der Franzosen zur Finanzierung beitragen müssen. Die Regierung wolle damit eine umfangreichere Debatte über das Projekt und Alternativen dazu verhindern und handle damit gegen die im Umwelt-Dialog, der vom Präsidenten der Republik gewünscht worden war, gewonnenen Erkenntnisse über das Projekt.

Der große Rat für Umwelt und nachhaltige Entwicklung hatte kürzlich in einem Bericht das Projekt als überdimensioniert bezeichnet und stattdessen ein Ausbau des bisherigen Flughafen Nantes Atlantique für möglich bezeichnet. Der derzeitige Flughafen sei nicht ausgelastet und sein Ausbau wäre wesentlich kostengünstiger. Trotzdem will die Regierung 1.000 Hektar landwirtschaftlich bewirtschaftete Flächen und ein großes Feuchtgebiet dem Projekt opfern.

Alle wichtigen Umweltschutzorganisationen Frankreichs ziehen deshalb in einem Aufruf folgende Schlussfolgerung:
Warum dieses hartnäckige Festhalten an diesem Projekt? Das Projekt des Flughafens Notre-Dame-des-Landes ist überholt. Geplant zu Ende der 60er Jahre ist es das Symbol einer vergangenen Welt und das Symptom einer andauernden demokratischen Taubheit. Wir sind in einem neuen Jahrhundert angelangt: Die goldenen Jahre des Wirtschaftswachstums können nicht mehr das alleinige Modell für die Inspiration unserer verantwortlichen Politiker sein. Die Klimakonferenz von Paris, auf die Frankreich zu Recht stolz sein kann, muss uns bezüglich der Investitionen zu einer kohärenten Schaffung von nachhaltigen Arbeitsplätzen einladen. Der Kampf gegen die Klimaprobleme muss eine tägliche Aufgabe für uns sein. Notre-Dame-des-Landes wie auch andere große nutzlose und aufgezwungene Großprojekte sind ein guter Wendepunkt sowohl in ökologischer, sozio-ökonomischer als auch demokratischer Hinsicht. Wir haben die Aufgabe, gemeinsam einen ökologischen und brüderlichen Übergang zu finden. Um das zu erreichen müssen diese Projekte der Vergangenheit, die nur die notwendige Veränderung des Modells, das wir wünschen, verhindern, aufgegeben werden. In Loire-Atlantique wie auch überall anderswo in Frankreich werden wir deshalb «non à l’aéroport» (nein zum Flughafen) sagen, weil wir einem klimaschädlichen, energiefressenden, umweltzerstörenden, verschwenderischen und vor allem nutzlosen Projekt nicht zustimmen können.

Siehe auch
Was für Stuttgart S21 ist für Nantes der AYRAULTPORT

Informationsquelle
Notre-Dame-des-Landes : consultation contestable pour un projet contesté
Notre-Dame-des-Landes, 50 ans de turbulences

Freitag, 24. Juni 2016

Ignoranter Trump unerwünscht in Schottland

Donald Trump, vermutlicher republikanischer Präsidentschaftskandidat in den USA hält sich an diesem Wochenende in Schottland auf. Er will seine neu aufgemöbelte Golf- und Hotelanlage in Turnberry wieder eröffnen und einen weitere ihm gehörende Golfanlage nördlich von Aberdeen besuchen. Vorab trompetete er seine Glückwünsche über den Brexit Großbritanniens in die Welt. Und das, obwohl er selbst zugibt, dass er keine Ahnung hat worum es geht.

Obwohl schottischer Herkunft, genießt Trump bei den Schotten kein Ansehen. Zu seiner Ankunft muss er mit geballten Protesten rechnen. Keir McKechnie, der Organisator der Protestbewegung “Stand Up to Trump” erklärt, warum gegen Trump protestiert wird: “Wir wollen, dass die ganze Welt weiß, dass er wegen seiner vergifteten, rassistischen Ansichten, seiner Islamophobie, seinem Hass gegen Frauen und Homosexuelle nicht in Schottland willkommen ist”.

Gerne demonstriert Trump, dass er keine Ahnung hat. So natürlich auch in Schottland. Kurz nach seiner Ankunft twitterte er: “Bin gerade in Schottland angekommen. Vor Ort drehen sie über die Wahl durch. Sie haben ihr Land zurückgeholt, genauso wie wir Amerika zurückholen werden. Keine Spiele!” Also Trump hat inzwischen kapiert, dass da ein Land per Referendum sein eigenes Land zurückgeholt hat. Da er aber in Schottland ankam, hat er wohl etwas missverstanden. Schottland hat sich nämlich mit großer Mehrheit für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Jetzt wird’s schwierig für Trump, denn für ihn ist Schottland = Großbritannien. Den feinen Unterschied hat er wohl nie gelernt und wird er wohl auch in seiner Selbstgefälligkeit nie lernen. Also gute Voraussetzungen dafür, amerikanischer Präsident zu werden.

Eine Schottin kommentiert die Trump’sche Twitter-Nachricht für eine amerikanisches Publikum wie folgt:
Schottland hat nicht dafür gestimmt, die EU zu verlassen. 62% der schottischen Wähler haben für einen Verbleib in der Europäischen Union gestimmt und in der Tat hat diese Tatsache Diskussionen über eine neues Referendum zur schottischen Unabhängigkeit ausgelöst. Ja, in der Tat, Schottland will so sehr in der EU bleiben, dass es bereit ist das Vereinigte Königreich zu verlassen (was Trump vermutlich als das Beispiel für “das zurückholen der Kontrolle” deutet).
Um es zusammenzufassen:
Schottland wollte die EU nicht verlassen,
Trump hat niemanden “durchdrehen” sehen,
Schottland war nie und wird nie einer Meinung mit Donald Trump sein und sollte nicht als ein Pfand im amerikanischen Wahlkampf genutzt werden.


Siehe auch
Steinreicher Trump sauer über Windräder an seinem Golfplatz
50 Familien gegen Trump und das Großkapital, ein ungleicher Kampf

Informationsquelle
Protesters are set to give Trump a boisterous welcome at Turnberry this morning
Donald Trump flies in for Scotland visit as protesters converge on Turnberry

Donnerstag, 23. Juni 2016

Großbritannien's EU-Feinde: Lügen bis sich die Balken biegen

Das Vereinigte Königreich stimmt heute über seine Zugehörigkeit zur EU ab. Voran ging ein langer und quälender Streit, über das Für und Wider eines Austritts. Quälend, weil die Grundidee eines Vereinigten Europas kaum zur Sprache kam. Der weitaus größte Teil beschäftigte sich mit kleinkrämerischem Gegenrechnen des materiellen Vorteils einer Zugehörigkeit gegen eine des Ausscheidens. Dabei wurde kräftig mit Phantasiezahlen gearbeitet oder unverfroren Behauptungen aufgestellt, die frei erfunden waren. Hinzu kamen vor allem von Seiten der Ausstiegswilligen hanebüchene Hinweise, zu was die EU die armen Briten alles zwingen wolle, vom Verbot des Aufblasens von Luftballons bis zu Windeln für ihre Kühe. Gerade britische Presseprodukte halten die Briten für dumm genug, damit man sie auf diese Weise für eine Volksabstimmung manipulieren kann.


Die Zeitung “The Economist” hat sich noch einmal mit diesen Lügen beschäftigt, hier die Schilderung wie das funktioniert:

Britannien verfügt über eine lange und gut gepflegte Tradition in der Erfindung von Behauptungen über die EU - das ging soweit, dass die Europäische Kommission eine Webseite einrichtete, um diesen Behauptungen in den frühen 90er entgegenzutreten.

Seither ist die Kommission auf über 400 in den britischen Medien veröffentlichte Mythen eingegangen. Diese reichen von absurden Behauptungen (Fischerboote sollen gezwungen werden Kondome mitzuführen) bis zu lächerlichen Behauptungen (Reißverschlüsse an Hosen sollen verboten werden). Einige sind wahrscheinlich das Resultat eines gewollten Missverständnisses. Eine Story, die im Boulevardblatt Sun 1999 veröffentlicht wurde, behauptete, dass die Königin wegen neuer EU-Regelungen plötzlich ihren Tee selbst machen müsse. Das war nicht nur ungenau, wie geduldige EU-Vertreter ausführten, sondern ging auf ein Gesetz zurück, das Großbritannien 1993 selbst erlassen hatte. Ein anderer Artikel im Daily Star im Jahr 2004 meinte, dass die EU die Geschwindigkeit von Kreiseln auf Kinderspielplätzen begrenzen wolle. Der freiwillige Leitfaden dazu, war nicht von der EU vorgeschlagen worden, sondern von einer anderen Organisation, die auch die Bezeichnung “Europa” in ihrem Namen führte. Andere Mythen sind weit von der Realität entfernt wie solche, dass die EU Darts aus den Pubs verbannen und oder den Verkauf von unverpackten Süßigkeiten verbieten wolle.

Es überrascht nicht, dass der Daily Mail mehr solcher Lügen über die EU verbreitet als sonst wer. Aber es sind nicht nicht nur die rechtsgerichteten Boulevardblätter. Der Daily Telegraph ist auch sehr gut dabei und selbst die BBC greift gelegentlich daneben. Das Thema, das die Medien am meisten auf die Palme brachte, ist die Unterstellung, dass Brüssel sich mit dem “guten alten britischen Essen” anlegt. Französischer Senf, das typische britische Mittagessen, ist heilig. Eurokraten, die das ändern wollen, lernen den Zorn der britischen Presse und ihrer Leser kennen.


Bedauerlicherweise wird die Webseite der EU kaum gelesen. Durchschnittlich 1.000 Seitenzugriffe, beim Daily Mail sind es 225.000 Zugriffe pro Monat.




Informationsquelle
Euromyths A-Z index
Debunking years of tabloid claims about Europe

Donnerstag, 16. Juni 2016

Bolivien will eine Entschuldigung und kein Hühnergeschenk von Bill Gates

Bill Gates, Gründer von Microsoft, hatte eine Idee. Seine Stiftung gleichen Namens will die Hühnerzucht in den ärmeren Ländern dieser Welt fördern. Auf der Webseite der Stiftung wird erklärt warum:

Unsere Stiftung setzt auf Hühner. Wir arbeiten mit Partnern im Afrika südlich der Sahara zusammen, um einen nachhaltigen Markt für Geflügel aufzubauen. Es ist dafür besonders wichtig zu sorgen, dass die Bauern Hühner kaufen können die einwandfrei geimpft und den lokalen Gegebenheiten angepasst sind. Unser Ziel ist es: Ungefähr 30 der ländlichen Landwirten im südlichen Afrika soll geholfen werden, verbesserte und geimpfte Rassen groß zu ziehen.

Hühner sind nach Meinung der Bill & Melinda-Gates-Stiftung ideal für die kleinbäuerliche Landwirtschaft in den unterentwickelten Ländern.

Die Gates-Stiftung soll nun auch nach Medienberichten Bolivien 100.000 Hennen als Geschenk angeboten haben. Dort fühlt man sich aber wieder einmal von den Gringos aus dem Norden geschulmeistert. Der Minister für ländliche Entwicklung, Césario Cocarico, drückt seine Empörung über die Anmaßung von Gates wie folgt aus: “Es scheint mir eine sehr wichtigtuerische Position von Seiten eines Magnaten, dass er nichts über die bolivianische Realität weiß. Er sollte sich einmal darüber informieren, dass die Bolivianer über eine umfangreiche Produktion verfügen und wir keine geschenkten Hennen von niemandem brauchen um überleben zu können, wir haben genug Würde”, ereiferte er sich nach einem Gespräch über das Thema mit dem bolivianischen Präsidenten und er setzt hinzu: “Er kennt überhaupt nicht unsere Realitäten, weil er glaubt, wir lebten noch wie vor 500 Jahren inmitten des Urwalds und hätten keine Ahnung wie man etwas herstellt. Ich glaube, dass die Wirklichkeit hier eine andere ist und er sollt mit dem größten Respekt aufhören über Bolivien zu schwätzen, auf jeden Fall sollte er, wenn er das heutige Bolivien zur Kenntnis genommen hat sich bei uns, unserm Volk entschuldigen”.

Die bolivianische Geflügelindustrie beeilt sich zu erklären, dass Bolivien 197 Millionen Hühner im Jahr züchtet und eine Exportkapazität von 36 Millionen Exemplaren habe.

Informationsquelle
Why I Would Rais Chicken
Gobierno califica de "grosero" ofrecimiento de Bill Gates de regalar gallinas a Bolivia

Die Brasilianer, ein apathisches Volk

Was die Brasilianer in letzter Zeit alles schlucken müssen an Zumutungen, die ihnen ihre politischen Eliten verabreichen, geht auf keine Kuhhaut und würde vermutlich in anderen Ländern schon zu gefährlichen Aufständen geführt haben. Ausländer stehen etwas ratlos gegenüber dem gebotenen Schauspiel, in der eine korrupte Politiker-Clique mit windigen Argumenten und jämmerlicher Unterstützung der Justiz und eines monopolartigen Medienkonzerns eine demokratisch gewählte Präsidentin vorläufig des Amtes enthebt. Die gleichen Herren, die das Spiel betrieben haben und noch betreiben, laufen aber jetzt in Gefahr, nachdem die Korruptionsvorwürfe gegen sie selbst sich immer mehr erhärten, jetzt in Strafprozesse verwickelt zu werden, die das Ende ihrer Karriere bedeuten könnten. So hat die parlamentarische Ethikkommission für die Aufhebung der Immunität eines des größten Strippenziehers mit vielen schwarzen Flecken auf der Weste, des Abgeordnete Eduardo Cunha, gestimmt. Es wird allerdings noch ein langer Wege sein, bis die Aufhebung tatsächlich erfolgt. Noch muss die Mehrheit des Parlamentes dem Beschluss zustimmen. Und in diesem Parlament sitzen genügend Leute, die sich gegenseitig Flankenschutz geben müssen. Solange geht das Trauerspiel, dass offensichtlich kriminelle Politiker weiterhin die Politik des Landes bestimmen, weiter.

Wer versteht da noch, dass das brasilianische Volk dem Schauspiel zuschaut und sich nur mäßig darüber aufregt? Der Journalist Tico Santa Cruz versucht dieses Phänomen zu erklären:

Brasilien ist gefangen in den Händen von Menschen, die nicht Brasilien retten wollen, sondern denen es nur darum geht ihr Haut und die der ihrigen zu retten.
Es beeindruckt mich nicht, dass der Beschluss zu Eduardo Cunha im Ethikrat, der am längsten verhandelte Fall im Nationalkongress war. Was mich beeindruckt ist die Apathie des brasilianischen Volkes, von Teilen der Linken und Rechten, von Zentrum bis zu den Extremen, die das alles hinnehmen ohne stärker und zusammenhängender darauf zu reagieren.

Es erschreckt mich nicht, dass für Renan Calheiros, José Sarney, Romero Jucá und Eduardo Cunha Haftbefehle vom Generalstaatsanwalt vorliegen. Was mich erschreckt ist, dass diese Männer noch frei herumlaufen.

Es war keine Lügen, als sie in einem Protestbrief geschrieben haben: “Wir sind Millionen Cunhas”. Das ist hundertprozentige Wahrheit. Wir sind eine Gesellschaft von Korrupten. Wir genießen es, Vorteile zu ergattern und wir legen unsere schützende Hand auf die unsrigen, wenn sie etwas tun, was auch uns nützt.

Jeder versucht sich mit dem gut zu stellen, was für ihn erreichbar ist. Betrügen in der Prüfung oder falsch herausgegebenes Wechselgeld. Eine Kleinigkeit, um sich von einer Strafe zu befreien oder ein erkaufter Vorteil gegenüber der Bürokratie des Alltags. Die Steuererklärung oder eine Arbeit mit getürkter Rechnung. Jeder sucht seinen Vorteil.

Wir stehen vor einem großen Spiegel und der zeigt uns sehr klar, dass wir nicht wissen wie wir dieses Dilemma lösen können, einfach deshalb, weil wir nicht wissen wie man anders leben kann.
Denke mit Sorgfalt über diese Frage nach und frage dich, auf welcher Seite dieses Systems du dich einordnest. Du wirst sehen, dass die Korruption nur funktioniert, weil wir daran teilnehmen und es ohne Gewissensbisse im Alltag akzeptieren.

Informationsquelle
O que me impressiona é a apatia do povo brasileiro