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Es werden Posts vom Januar, 2016 angezeigt.

Was wissen wir schon über Rumänien?

In den Köpfen der Westeuropäer hat sich nicht viel geändert in der Meinung zu Rumänien. Berichtet wird ja grundsätzlich nur, wenn etwas schief läuft im Land. Oder wenn man eine Erklärung für die ansteigende Einbruchsstatistik sucht und die Schuld bei “Rumänen-Banden” sucht. Sind Bettler unterwegs, dann ist man auch leicht zur Hand damit, die Bettelei Rumänen in die Schuhe zu schieben. Berichte über die tatsächliche Lage im Land oder über die Veränderungen, die es dort gibt sind selten und werden wohl auch kaum gelesen, weil ihnen der Reiz des Sensationellen fehlt.

Somit wird unser Rumänienbild immer noch weitgehend von der Situation der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bestimmt. Kein Wunder, dass dann die Überraschung doch ziemlich groß ist, wenn man sich tatsächlich mal in dieses Land aufmacht und es persönlich kennenlernt. So erging es auch dem Blogger Gabriel Morin aus Paris, der aus beruflichen Gründen nach Rumänien umgezogen ist. Vor seiner Umzugsreise …

Das Christentum hat versagt und versagt immer noch, wenn es um Toleranz geht

Dafür darf man ruhig auch mal die Gebetsräume anderer Religionen anzünden oder deren Anhänger angreifen. Brasilien kennt zwar die Religionsfreiheit, aber in letzter Zeit haben die Angriffe auf vor allem die Kulte afrikanischer Herkunft wie Candomblé erheblich zugenommen. Entsprechend der vor kurzem veröffentlichten Daten der Kommission gegen religiöse Intoleranz von Rio de Janeiro (CCIR) gab es von 2012 bis 2015 alleine im Bundesstaat Rio de Janeiro 1.1014 Fälle von Angriffen und Aggressionen gegen Anhänger von Religionen afrikanischer Herkunft. Fachleute führen das einerseits auf den althergebrachten Sklavenhalter-Rassismus in Brasilien zurück, der allein auf Grund der Tatsache, dass die Kulte afrikanischen Ursprungs sind, diese als minderwertig abtun und andererseits durch ein Anwachsen der neuapostolischen Bewegung, die in den letzten Jahren alles dafür tat, diese Kulte zu dämonisieren und zur Verfolgung von Umbanda- und Candomblé-Anhängern anzustiften.

In der Hauptst…

Israels Angst vor einer Nonne

Die Benediktinernonne Teresa Forcades ist eine katalanische Ärztin und Theologin. Sie gilt als feministische Theologin und im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens als Kritikerin der Pharmaindustrie. An der Humboldt-Universität in Berlin führte sie Forschungen zum Dialog zwischen den theologischen Grundlagen der Person und den Grundlagen der Subjektivierung von bestimmten zeitgenössischen Anthropologien durch.

Sie ist Mitbegründerin der politischen Bewegung “Procés Constituent” in Katalonien. Diese Bewegung will eine Basisbewegung zur Schaffung einer neuen, republikanischen Verfassung in Katalonien fördern. Teresa Forcades hat sich im Sommer des vergangenen Jahres an der “Flotte für Gaza” beteiligt. Sie befand sich auf einem der Schiffe, die mit Hilfslieferungen für die Bevölkerung des Gaza-Streifens die israelische Blockade brechen wollte. Teresa Forcades, die sich auf einem der Schiffe befand, musste die Reise aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.

Sie ist vor k…

Nachdenken ist nicht gefragt in der derzeitigen Flüchtlingskrise

Nach einem Bericht der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR aus dem Jahre 2015 befanden sich Ende 2014 etwa 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht, davon 19,5 internationale Flüchtlinge, also Flüchtlinge, die über Ländergrenzen hinweg fliehen. Der Bericht deutet aber bereits an, dass diese Zahl im Steigen begriffen ist. Europa und insbesondere die Länder der Europäischen Gemeinschaft stehen schon seit langem unter erheblichem Druck von Flüchtlingsströmen aus Afrika und Asien. Der syrische Bürgerkrieg hat das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht.

Jahrelang hat man sich durchgemogelt. Die Grenzüberwachung verstärkt. Unter Berlusconi in Italien sind Menschen, die Flüchtlinge in Seenot gerettet haben, bestraft worden. Erst als immer mehr Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken sind, hat sich sich das angeblich vom christlichen Ideal inspirierte Abendland aufgerafft seinen menschenrechtlichen Pflichten nachzukommen. Allerdings auch diesmal wieder halbherzig. Man half den Italienern …

Brasiliens Eliten ruhen sich auf dem Erbe der Sklavenhalter aus

Obwohl die Brasilianer mit dunkler Hautfarbe über 50% der brasilianischen Bevölkerung stellen, haben sie in Gesellschaft und Staat nichts zu sagen. Nur etwa 18% von ihnen können sich zur Elite zählen. Der Staat ist in den Händen der Nachkommen der ehemaligen Sklavenhalter, der Weißen. 82% der Akademiker, Schauspieler, Abgeordneten, Regierenden, Ärzte, Richter des Obersten Gerichtes, berühmte Musiker, Vorsitzende von Unternehmen und Senatoren sind weißer Hautfarbe. Im Bereich der Justiz liegt die weiße Übermacht bei fast 100%. Auch in der Welt der Politik lag der Anteil der Weißen nie unter 70%.

Laut der Webseite Afropress ist Brasilien ein Republik, die bereits “alt” geboren wurde, mit denselben “Herren”, die davor "Herren" waren. Afropress sieht die Lage im Land so:

Die Krise der repräsentativen Demokratie und des Regierungswesens gibt es weltweit wie man weiß, aber im brasilianischen Fall gibt es offensichtliche Besonderheiten. Was wir hier Republik nennen wird…

Spanische Exorzisten gehen schweren Zeiten entgegen

In Spanien verfügen 26% der katholischen Diözesen über einen eigenen Exorzisten. Allein Madrid soll es acht davon geben. Im vergangenen März gab es einen Prozess gegen den Pfarrer Hernández Sahagún aus Valladolid wegen eines 10-fach ausgeübten Exorzismus an einer Jugendlichen, die zu jener Zeit minderjährig war und sich in psychiatrischer Behandlung befand. Die Familie zeigte den Pfarrer an, weil er die Jugendliche körperlich und psychisch in den Sitzungen misshandelt habe. Es war das erste Mal, dass ein Exorzist in Spanien vor Gericht gestellt wurde. Geschadet hat es ihm nicht, der Prozess wurde eingestellt.

Der Priester José Antonio Fortea aus Alcalá ist der herausragendste Vertreter von Spaniens katholischer Exorzistenzunft. Er gilt als Experte in Dämonologie und hat lange Zeit sich um Fälle von angeblich Besessenen gekümmert. Verschreckt durch diesen ersten Gerichtsprozess, kommt er bedauernd zur Ansicht, dass der Exorzismus aus Spanien verschwinden werde. Schuld gi…

Die Nuklearenergie wird Frankreich noch teuer zu stehen kommen

EDF und Areva, Frankreichs Erbauer und Betreiber von Atomkraftwerken befinden sich in erheblichen finanziellen Turbulenzen. Beide Unternehmen befinden sich zum größten Teil im Besitz des französischen Staates. Areva ist in solchen Schwierigkeiten, dass das Unternehmen jetzt von EDF übernommen werden soll. Die Regierung und EDF sind dabei einen Rettungsplan aufzustellen. Areva hat sich hauptsächlich beim Bau des Atomkraftwerks Okiluoto (OL3) in Finnland überhoben. Nach neuesten Berechnungen benötigt Areva einen Zuschuss von 4 bis 4,5 Milliarden Euro.

Die Zeitung “Le Figaro” berichtete gestern über die Katastrophenbaustelle Okiluoto: “TVO, der finnische AKW-Betreiber, ist der Kunde von Areva für den Bau des Reaktors der 3. Generation EPR OL3 in Okiluoto. Eine verfluchte Baustelle, wo die steigenden Kosten seit 10 Jahren die Konten von Areva ausgeblutet haben und wo von neuem einige 100 Millionen Euro für 2015 an Zurückstellungen gerechtfertigt werden müssen. Die hat zu ein…

Wie Orban der Europäischen Gemeinschaft auf dem Kopf rum tanzt

Der ungarische Ministerpräsident Orbán ist den Europäern bekannt durch seine nationalistischen und fremdenfeindlichen Sprüche. Wir hören sie und vergessen sie auch gleich wieder. Dabei ist Orbán’s Ungarn die Brutstätte für ein autoritäres, fremdenfeindliches und nationalistisches Europa. Orbán hält sich inzwischen für einen Missionar in dieser Richtung. Es wäre an der höchsten Zeit, dass die EU der ungarischen Regierung endlich die rote Karte zeigen würde. Stattdessen hält die EVP, die Europäische Volkspartei, zu der auch Orban’s Partei gehört, sich vornehm zurück und kritisiert diesen bestenfalls noch als Pegida nah zu bezeichnenden Politiker zögernd.  “Auf dem EVP-Kongress wurde Merkels Rede zur Flüchtlingsfrage beklatscht, die von Victor Orbán bejubelt. Der entwickelt sich immer mehr zu einem Verteidiger nicht nur Ungarns, sondern ganz Europa” berichten jubelnd Orbáns deutsche Gesinnungsgenossen von der Internet-Zeitung “Die Freiheit”. Vor allem der deutsche Teil der E…

Massentierhaltung in Spanien wird zur Gesundheitsgefahr

Spanien hat sich seit einiger Zeit von der Ära der kleinen Vieh- und Schweinezüchter verabschiedet. Bereits 2005 beobachtete die Umweltgruppe “Ecologistas en Acción” mit Sorge das Anwachsen der Massentierhaltung im Land. Es hat sich eine starke Lebensmittelindustrie entwickelt, die auf Menge und nicht auf Qualität setzt. Große Tierfabriken, vor allem in Nordspanien, sind entstanden. Die Folge sind eine erhebliche Belastung der Umwelt.

Die Universität von Cordoba schreibt in einer Zusammenfassung über die “aktuelle Produktion und die Perspektiven des Marktes für Schweinefleisch”: “Zur Zeit hat Spanien ein produktives Niveau erreicht, das es zum zweitgrößten Produzenten in Europa hinter Deutschland und weltweit zum viertgrößten Produzenten macht. …. Dabei verstärkt sich die Tendenz zu einer Tierhaltung, die nicht von Land abhängig ist, vor allem bei Schweinen und Geflügel, obwohl es auch immer mehr Massentierhaltung bei anderen Produktionen wie Rinder und Schafen, sowie i…

Wo trotz “Pakt für das Leben” Mord und Totschlag Alltag ist

Deutschland hat etwa 80 Millionen Einwohner. 2014 gab es hier 555 Fälle von Mord und Totschlag. Der brasilianische Bundesstaat Pernambuco mit der Hauptstadt Recife hat knapp 9 Millionen Einwohner. In Pernambuco sind aber im vergangenen Jahr 3.434 Menschen durch Mord oder Totschlag ums Leben gekommen. Gegenüber 2014 hat sich die Situation verschlimmert, 2015 gab es 14% mehr Tote durch Gewaltdelikte.

Und das obwohl es seit einiger Zeit ein Programm namens “Pakt für das Leben” (Pacto pela Vida) gibt, das dieser Entwicklung Einhalt gebieten sollte. Der zuständige Landesminister führt das Ansteigen der Todesrate auf die Streiks der Zivilpolizisten zurück. Für dieses Jahr soll alles besser werden. Laut Minister sind die Ziele für die im Pakt vorgesehenen Sicherheitszonen neu definiert. “Wir müssen aus dem Haus gehen und dabei wissen, was wir tun sollen. So wird es uns gelingen unser Ziel, der Bevölkerung Sicherheit zu bieten, zu erreichen”, erklärt der Minister.

Der “Pakt fü…

Die Brexit-Anhänger kennen weder die Geschichte noch ahnen sie die Zukunft

In Großbritannien gewinnt die Diskussion über das Referendum zum Austritt aus der Europäischen Union (EU) immer mehr an Fahrt. Vermutet wird, dass die Regierung das Referendum noch in diesem Jahr abhalten wird. Befürworter und Gegner des BREXIT formieren sich. Die Argumente gehen hin und her und der Ausgang steht auf des Messers Schneide. Die Umfragen zeigen mal ein Ergebnis dafür und mal dagegen. Es wird auf jeden Fall eng. Inzwischen hat Premierminister Cameron einen Ministern sogar freigestellt, ob sie für oder gegen einen Brexit kämpfen werden.

Auf jeden Fall ist der BREXIT nach einer sehr kurzsichtige Lösung aus. Er beinhaltet erhebliche Risiken für die EU, aber auch für das Vereinigte Königreich selbst. In diesem Zusammenhang ist es gut, einen Fachmann zu Wort kommen zu lassen. Harold James ist Professor für Geschichte an der Universität Princeton und am europäischen Universitätsinstitut in Florenz. Er hat ein paar interessante Gedanken zur Problematik gemacht, die…

Polen sucht sein Heil im Vorgestern

Polen hat im vergangenen Herbst die Retro-Partei PiS mit absoluter Mehrheit ins Parlament gewählt und hat damit eine neue Regierung bekommen, die für eine Gedankenwelt aus dem Vorgestern steht.  Zuvor wurde bereits mit der Wahl von Andrzej Duda im Sommer ein Repräsentant der PiS zum Staatspräsidenten gewählt. Die PiS hat also sozusagen einen Freibrief vom polnischen Wähler bekommen. Einen Freibrief, den sie gleich nutzt, um den Staat in ihrem Sinne umzumodeln.

Wer und was steckt denn nun hinter diesem glänzenden Wahlsieger? Christian Modehn vom “Religonsphilosophischen Salon” hat darüber einen recht überzeugenden Bericht geschrieben:

Das neue Regime, gegen das sich erste Massenproteste in Polen organisieren, hat eine in Polen altbewährte ideologische und kaum einzuschüchternde machtvollste Stütze: Die katholische Kirche. Auch wenn die Säkularisierung als Kirchendistanz der Jugend dort zunimmt: „Polnisch ist identisch mit katholisch“. Zumindest am Stammtisch und an Wallfahrt…

Barcelona pfeift auf den Ex-König und will der Monarchie an den Kragen

Am 25. Juli des vergangenen Jahres wurde im Stadtparlament von Barcelona die Büste des Ex-Königs Juan Carlos I entfernt. Die Entfernung wurde von der neu gewählten Oberbürgermeisterin Ada Colau veranlasst. Gleichzeitig veranlasste Ada Colau, dass die Teilnahme an der Messe zu Ehren der Stadtpatronin “Nuestra Señora de la Merced” (Mutter der göttlichen Gnade) nicht mehr zur offiziellen Pflichtübung des Stadtparlaments gehöre. Die neue OB und die sie unterstützenden Parteien haben also gleich angefangen aufzuräumen mit dem monarchistischen und frömmelnden Mummenschanz aus den Zeiten, in denen Spanien noch von Königen Hand in Hand mit der katholischen Kirche regiert wurde.

Ein halbes Jahr später hat jetzt zum Jahresende das Stadtparlament mit großer Mehrheit eine neue Gemeindeverfassung beschlossen, in der auch die “institutionellen Symbole” neu geregelt werden. In dieser Gemeindeverfassung ist jetzt auch festgelegt, welche symbolischen und institutionellen Elemente perma…

In den Mühlen der rumänischen Bürokratie: Menschen ohne Papiere

Die CSU lebt zur Zeit einmal mehr in Bayern ihr fremdenskeptisches Potential aus: Flüchtlinge, die keine Personalpapiere haben, sollen gar nicht ins Land gelassen werden. Egal warum und wieso diese keine Papiere haben. Es gibt sie überall in Europa, Flüchtlinge, die im Dunkeln leben und für uns nicht existieren, weil sie nicht bürokratisch erfasst sind. In Frankreich sind es die “Sans papiers”, in Spanien heißen sie “Sin Papeles”. Gemeinsam habe sie alle, dass sie zu uns geflüchtet sind.

Rumänien setzt noch eins drauf. Hier gibt es sogar Rumänen, die für den Staat nicht existieren. In der Regel gehören sie dem Volk der Roma an. Es sind Menschen “ohne Akte”, auf Rumänisch “fara acte”. Sie haben nicht einmal eine Geburtsurkunde.  Es ist eine Gemeinschaft, der eine Art genetische Krankheit der Identitätslosigkeit anhängt, die sich von Generation zu Generation weiter vererbt.

Die Webseite “Romania de la zer0” hat in einer Berichtsserie mit dem Titel “Die Elenden des Jahre…