Mittwoch, 29. Juli 2015

Wenn Rumänen im Stau stecken

Die sommerliche Ferienzeit beherrscht Europa. Die Verkehrswege sind in hohem Maße Belastungen bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit ausgesetzt. So auch in Rumänien. Auch hier gibt es durchaus Staus auf den Autobahnen westeuropäischen Ausmaßes. Nur haben die Rumänen scheinbar noch nicht gelernt damit umzugehen. Vlad Stoicescu, Oana Dan und Iulian Andrei beschreiben unter dem Titel “Schlechte Gewohnheiten der Rumänen”, was dann mit den rumänischen Autofahrern passiert:

Es erfreuen uns die die Gipfel, als Beispiele etwas erreicht zu haben, wir sind weit entfernt von jenen, die die Arbeit vor sich hinschieben, wir protestieren für den Wechsel, wir wollen ein Land wie anderswo auch, kurzum wir wollen europäische Bürger sein. Das aber nur bis wir in einen Stau geraten, sei es im Verkehr oder den nicht enden wollenden Schlangen vor den Schaltern der Institutionen des Staates.

Nichts erregt die Dämonen des Menschen mehr wie wenn er im Stau oder in der Schlange steht. Wir haben vor kurzem ein Beispiel dafür erlebt.

Am Sonntag Abend, einige tausend Autos füllten die Autobahn der Sonne (autostrada soarelui), die sich in der Richtung von Konstanza nach Bukarest bewegten wie der Verkehr es eben erlaubte . Einige tausend Fahrer und dieselbe Anzahl an Teufeln, die sich völlig unerwartet entwickelten. Großartige Beschimpfungen und Wünsche für das Wohlergehen, Huperei, Einschüchterungen, riskante Überholmanöver – all das haben wir auf der A2 gesehen.

Warum kann der Rumäne – europäischer Bürger – nicht ruhig bleiben, überlegt und entsprechend den Verkehrsregeln und gemäß der Verkehrslage fahren? Der Rumänehetzt sich ab, er hat nur wenig Zeit, er muss als erster ankommen, möchte den Pokal gewinnen, fühlt sich als Rennfaher, er ist einfach der Größte. Der Rumäne leidet noch – auch die Jungen, auf sie wurde die Nervosität übertragen – am Lauf der Zeiten, wenn es ihm passiert, dass er in einer endlosen Schlange steht und das Ende nicht abzusehen ist. So kommt es, dass er der erste sein will, der in der Startlinie steht.

Der Rumäne ist noch ein Jugendlicher, der von den Emotionen her in der Pubertät steckt. Er erleidet bei dichtem Verkehr eine Persönlichkeitskrise und fällt dem Wahn anheim ein Krieger zu sein, der sofort zuschlagen muss, er bekommt Raubvogel-Augen in der Schlange und holt sofort Spieß und Bogen heraus.

Das wir uns jetzt scheinbar schon auf ewig in unserer Jugend befinden, hoffen wir doch die Reife zu erreichen.  Jener Tag, an dem der rumänische Europäer ein geduldiger Mensch wird.

Informationsquelle
Proastele obiceiuri ale romanilor

Sonntag, 26. Juli 2015

Spanien nimmt seinen Atommüll auf die leichte Schulter

Der spanische Nuklearsicherheitsrat, CSN, hat Mitte Juli einen Bericht an das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt über das geplante vorläufige zentralisierte Atomzwischenlager in Villar de Cañas (Cuenca)  übersandt.  Auf der Grundlage dieses Berichtes muss das Ministerium eine Bescheinigung zur Umweltverträglichkeit abgeben, die für das weitere Verfahren unerlässlich ist. Bei dem Gutachten scheint der CSN seine Aufgabe, für die Sicherheit der Atomkraftwerke und die der Entsorgung des strahlenden Mülls zu sorgen, nicht ernst genommen zu haben.

Die Umweltgruppe Ecologistas en Acción (EA) bemängelt, dass das CSN die Sicherheit des Atomzwischenlagers nur hinsichtlich des Normalbetriebs beurteilt habe. Der Bericht enthalte keinen Bezug auf mögliche Unfälle und die Möglichkeit von Undichtigkeiten. Gerade dadurch könnte aber die Umwelt und die Bevölkerung in höchstem Maße gefährdet werden. Die schlampige Arbeit des CSN könnte auf die Forderung des Industrieministers, dass das Gutachten schnellstmöglich durchgezogen wird, zurückzuführen sein. Die Regierung möchte nämlich die Genehmigung für die Inbetriebnahme möglichst noch vor den im Herbst stattfindenden allgemeinen Wahlen durchziehen. “Der CSN ist erheblichen Pressionen ausgesetzt, was dazu führt, dass dieser falsche Entscheidungen trifft, wie die, dass ein Gutachten mit erheblichen Fehlern genehmigt wird”, schreibt EA.

Nach Ansicht der Umweltschützer bestehen erhebliche Zweifel an der Sicherheit des Zwischenlagers. Beim geplanten Gelände gebe es hochstehende und dynamische Grundwasserschichten. Dieses Wasser komme des Öfteren zu Tage und überschwemme Felder. In einem hypothetischen Fall eines radioaktiven Unfalls könnte sich das Grundwasser kontaminieren und radioaktive Substanzen an der Oberfläche verteilen. Zu dieser realistischen Gefährdung nehme das Gutachten des CSN nicht Stellung.

EA verlangt eine Suspendierung des Projektes und die Aufgabe des geplanten Zwischenlagers in Villar de Cañas , da es genügend technische Daten gebe, die nachweisen würden, dass das Gelände für das Atomzwischenlager ungeeignet und ein nicht zulässiges Risiko bedeuten würde.

Siehe auch
Wenn nur noch ein Nuklearfriedhof das Dorf rettet

Informationsquelle
El CSN remite al Magrama información incompleta sobre el impacto radiológico del ATC

Freitag, 24. Juli 2015

Können wir uns das leisten: Den Sommer zum Winter und den Winter zum Sommer machen?

Ziemlich heiß dieser Sommer, auch in Deutschland. Gegen Hitze bringen Klimaanlagen Abkühlung, trotzdem hält man in Europa von einer Vollklimatisierung von Wohnungen nicht viel. Ganz anders in den USA, wo Klimaanlagen zur Grundausstattung von Wohn- und Büroräumen gehören. Der Journalist Rick Noack nimmt sich in “The Washington Post” unter dem Titel “Europa an Amerika: Eure Vorliebe für Klimatisierung ist dumm” des Themas an.

Er schreibt: “Das Wetter in Washington und in Berlin war vor kurzem ziemlich ähnlich. Es gibt aber einen bedeutsamen Unterschied zwischen den beiden Hauptstädten, nämlich: “Während viele Amerikaner vermutlich nie in Betracht ziehen würden in Gebäuden ohne Klimaanlagen zu arbeiten, denken viele Deutsche, dass ein Leben ohne Klimatisierung viel besser sei. Die Trennung gibt es nicht nur zwischen Berlin und Washington. Nein, viele Europäer, die oft die USA besuchen, beklagen sich über die “Eiseskälte” in den Bussen und Hotels. Amerikanische Touristen auf der anderen Seite des Atlantiks waren wiederum erstaunt über die Fähigkeit der Europäer mit der Hitze klar zu kommen, sowohl an ihren Arbeitsplätzen als auch in ihren Wohnungen.”

Bereits 1992 hat laut Noack der Universitätsprofessor Gwyn Prins von der Universität Cambridge die amerikanische Liebe zur Klimatisierung kritisiert und als die “am weitesten verbreitete und am wenigsten zur Kenntnis genommene” Epidemie bezeichnet. Nach Angaben der amerikanischen Umweltschutzagentur hat der amerikanischen Bedarf für Klimatisierung in den letzten Jahren nur zugenommen. Die USA verbrauchen nach Forschungsergebnissen des Wissenschaftlers Stan Cox inzwischen mehr Energie für den Betrieb von Klimaanlagen als jedes andere Land der Welt.

Zwar lebe ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung in warmen und feuchten Gebieten, aber das allein erkläre den Unterschied in der Haltung bezüglich der Klimaanlagen zwischen Europa und den USA nicht. Laut Michael Sivak von der Universität von Michigan bevorzugen die Amerikaner eine jährliche Durchschnittstemperatur von 21° C, für die Europäer sei das aber zu kalt. Europäer würden ihre Thermostate im Sommer höher stellen und im Winter niedriger. “Konsequenterweise würden die Europäer in den Wohnungen im Winter Pullover tragen, während die Amerikaner diese im Sommer anhaben”, erklärt Sivak.

Laut dem Bericht von Noack sind die Europäer in dieser Sache aber auch umweltbewusster. Eine Mehrheit will gegen die globale Klimaerwärmung etwas tun. Zwei Drittel der Europäer sind der Ansicht, dass die Wirtschaft in einer umweltfreundlichen Art organisiert werden soll. Notwendig sei ein anderes Denken. “Während die Europäer sich dafür entschieden haben, zu akzeptieren, dass es warme und kalte Tage gibt, wurden amerikanische Architekten gezwungen, Balkone und Verandas aus ihren Bauplänen zu tilgen und niedrige Decken in die Gebäude zu bauen, um soviel Kälte im Innern wie möglich zu halten”, schreibt Noack. Den Nachteil, dass nicht klimatisierte Räume die Arbeitsproduktivität beeinträchtige, würden dadurch aufgehoben, dass dafür bei der amerikanischen Bauweise mehr Stress an den Arbeitsplätzen erzeugt werde.

Die Folgen sind fatal: “Unter dem Strich ist Amerika ein großes, reiches, heißes Land. Aber wenn die Nationen mit der zweit-, viert- und fünftstärksten Bevölkerungszahl – Indien, Indonesien und Brasilien, alles Länder mit heißem und feuchtem Klima – genauso viel Energie per Kopf verbrauchen würden wie die USA, dann würde dafür 100% der in diesen Ländern erzeugten Energie plus die gesamte Energie, die von Mexiko, Großbritannien, Italien und dem gesamten afrikanischen Kontinent produziert wird, benötigt. Wenn jeder sich dem klimatisierten Lebensstil der USA anpassen würde, dann würde der Energiebedarf bis 2050 um das Zehnfache steigen”, beschreibt Stan Cox die Folgen dieses maßlosen Energieverbrauchs.

Informationsquelle
Europe to America: Your love of air-conditioning is stupid

Mittwoch, 22. Juli 2015

Wird der atomare Mülleimer das Paradies auf Erden sein?

Die französische Regierung hat so eben mal klammheimlich in einem Gesetzespaket versteckt die Genehmigung erteilt, im lothringischen Ort Bure das französische Atommüll-Endlager einzurichten und sich somit einem öffentlichen Verfahren unter Beteiligung der Betroffenen entzogen. Einer der Drahtzieher dieser Entscheidung war der Senator Gérard Longuet, ein hundertprozentiger französischer Nationalist.

Für Longuet ist das Atomendlager ein himmlisches Geschenk für Bure und die Region Lothringen, an dem er sich rühmt tatkräftig mitgewirkt zu haben. Auf seiner Webseite schildert er in einem Beitrag von 2013 die Gründe und die Aussichten, die mit diesem Projekt seiner Ansicht nach verbunden sein sollen:

“Das Département Meuse (Maas) ist zusammen mit Haute Marne, mit einer der großen französischen Errungenschaften, der Elektro-Nuklearenergie, verbunden. Das was wir 1994 mit Bure begonnen, 1997 entschieden und 2006 organisiert haben, sollte durch das Gesetz 2016 bekräftigt werden. Ich verkenne nichts, weder die Unruhe, noch das Bedürfnis nach Information und obwohl wir auf dem Gebiet der Transparenz besser voran gekommen sind als sonst wo auf der Welt, müssen wir die Anforderungen hoch halten. Deswegen müssen wir die öffentliche Debatte akzeptieren und den Dialog respektieren. Das tut die Handvoll Kritiker, die die im Gesetz von 2006 vorgesehene “Öffentliche Debatte” verhindern. Aber, in weniger als vier Jahren wird eine Baustelle mit mehr als 2.000 direkten Arbeitsplätzen zu den bereits 500 im Labor bestehenden Arbeitsplätzen geschaffen.  Der Bezirk von Bar le Duc wird eine der größten Baustellen Europas erhalten, die, wenn sie in 12 Jahren in Betrieb geht, “nachhaltige” Beschäftigung für mehr als ein Jahrhundert bieten wird. Mit der Zeit kommt dann die Ausbildung der jungen Menschen dazu, es kommen Spezialisten, Ingenieure, Techniker, Wissenschaftler, unsere Unternehmen werden sich an diesen Erfolg anschließen und dann werden neue Unternehmen dazu kommen und auf ausdauernde Art unsere südliche Maas-Region bereichern und des weiteren wird die Universität von Lothringen auch davon profitieren.”

Die engagierten Blogger in Lothringen (BLE) sind da anderer Ansicht: “Indem die Parlamentarier Gérard Longuet und Jean-Yves Le Déaut auf heimlichtuerische Art in letzter Minute ein Änderungsartikel in die 300 Artikel des Gesetzes Macron einschmuggelten ist die im Gesetz von 2006 vorgesehene öffentliche Debatte über ein unterirdische Atommüllendlager beerdigt worden. Wo bleibt denn hier der Respekt vor den Bürgern? Wo bleiben die Zukunftsperspektiven Lothringens, wenn die ersten Atomabfälle aus ganz Frankreich oder vielleicht auch der ganzen Welt hier eingebuddelt werden? Niemand will doch über einer radioaktiven Müllhalde leben! Das ist eine riesiege Sauerrei!”.

Der Optimismus des Herrn Longuet schlägt ja auch alle Rekorde. Das Problem dürfte für Lothringen eher wo anders liegen. Der Nuklearindustrie geht immer mehr das Geld aus. Bereits bestehende Atomkraftwerke werden unwirtschaftlich, müssen unter hohen Sicherheitsauflagen saniert und neue können nur noch zu exorbitanten Kosten gebaut werden. Die Finanzierung der Entsorgung des Atommülls ist auf tönernen Füßen gebaut wie wird das jetzt gerade in Deutschland feststellen können. Wenn gar nichts mehr läuft müssen die Steuerzahler dafür einstehen. Nach ein paar Jahrzehnten wird im Rahmen der Kostenminimierung der von Herrn Longuet “nachhaltige” Überbau mit tausenden von Arbeitsplätzen abgebaut und zuletzt sitzt Lothringen auf einem riesigen Haufen Atommüll und wird mit dem Problem allein gelassen.

So könnte es doch auch aussehen? Kein Wunder, dass viele Lothringer die Begeisterung des Herrn Longuet nicht teilen.

Informationsquelle
La Meuse pour tous
Enfouissement des déchets radioactifs français en Lorraine : la démocratie une nouvelle fois bafouée par un procédé scélérat

Freitag, 17. Juli 2015

Die sieben Höllen des Nahverkehrs in Recife

Zu Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte ich die Gelegenheit den öffentlichen Nahverkehr in der brasilianischen Stadt Recife in Pernambuco zu erleben. Damals gab es noch einen vollklimatisierten Bus mit Sitzplatzgarantie, der einem von den beliebteren Stadtteilen ins Zentrum brachte. Der Dienst wurde aber bald wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt. Es blieb nur noch der normale Busverkehr. Der bestand aus Bussen, die eigentlich für Überlandreisen gedacht waren und Haltestellen, für die man einen siebten Sinn brauchte, denn sie waren selten als solche erkennbar. Da sich ein Großteil der Bevölkerung ein Auto nicht leisten konnte, war der Andrang natürlich entsprechend groß. Bekam man mal Zugang zu einem Bus, konnte man sich in der Regel nur noch reinquetschen. Der Bus hatte keine Klimaanlage und so klebte man Körper an Körper und war den nicht immer wohlwollenden Fahrkünsten des Fahrers hilflos ausgeliefert.

Hat sich nach über 30 Jahren und nach einer Fußball-WM etwas geändert? Wenn man den Ausführungen der lokalen Zeitung "Diario de Pernambuco" (DP) glauben darf, nur wenig. Unter dem Titel "Die sieben Höllen der Bus-Nutzer im Großraum Recife" beschreibt er die derzeitigen Zustände. Hier ein paar Auszüge aus dem Bericht:

2 Millionen Nutzer sind auf einen Nahverkehrsversorgung mit 3.000 Omnibussen angewiesen. Auf Grund der Tatsache, dass es kaum eigene Spuren für die Busse gibt, bleiben diese im chronischen Stau auf der Straße stecken. Im motorisierten Individualverkehr sind 1 Million Fahrzeuge unterwegs.
Der Wunsch auf eigene Fahrspuren steht deshalb ganz oben auf der Wunschliste der Verkehrsplaner, nur bei den Verantwortlichen regt sich nichts.


Die pernambucanische Haupstadt hat von Natur aus tropisch-heiße Temperaturen. An Sommertagen beträgt die mittlere Temperatur 29 Grad. Im Winter hat man das Gefühl, dass es im Schnitt etwa 3 Grad weniger sind. Und seit Jahren wird es immer heißer. Und nun stelle man sich das mal in einem völlig überfüllten Bus vor? "Das ist eine belastende Erfahrung. Man kommt schon müde und total verschwitzt am Arbeitsplatz an", berichtet die Lehrerin Valquiria.Derzeit sind es nur 42 Fahrzeuge, 2% der Flotte, die mit Klimaanlagen ausgestattet sind.


Ein weiterer Kritikpunkt sind die Haltestellen. Sie lassen viel zu wünschen übrig. An manchen Stellen zeigt nur ein Pfosten an, dass es sich um eine Haltestelle handelt. Aber auch anderswo verrotten die Haltestellen, sogar in der Innenstadt. Sie schützen weder gegen die Sonne, noch gegen Regen.

Dann gibt es auch Haltestellen, an denen kein Bus mehr hält, sogenannte "verbrannte Haltestellen". Nur wissen die Nutzer nicht, welche Haltestelle gerade nicht angefahren oder an der vorbei gefahren wird. Vielen passiert, dass sie lange an einer vermeintlichen Haltestelle anstehen und der Bus fährt an ihnen vorüber. "Das gibt ein Gefühl im Stich gelassen zu werden, nach einer fast immer langen Wartezeit ohne jeden Komfort und das verursacht eine Frustration, die schwierig zu beseitigen ist wegen eine Praxis, die sich immer mehr ausbreitet", schreibt der DP. Diese Missachtung der Kunden macht auch den größten Teil der Beschwerden aus. Von Januar bis November des vergangenen Jahres wurde 2.600 Klagen über "verbrannte Haltestellen" gemeldet.

Die Sicherheit außerhalb und innerhalb des Busses: Bei der Nutzung in der Nacht muss man einige Vorschichtsmaßnahmen ergreifen, um der urbanen Gewaltkriminalität zu entgehen. Mobiltelefone abschalten und an nicht sichtbaren Orten verstecken. Nich alleine ausgehen, keinen Geldbeutel in der Öffentlichkeit öffnen und nicht in den Bus einsteigen, wenn man meint es komme zu einem Überfall. Von Januar bis Mai 2014 wurden 290 Überfälle in Bussen registriert, im gleichen Zeitraum dieses Jahres waren es bereits 360.

Die mangelhafte Rücksicht der Nutzer aufeiander ist ein weiteres Problem. Rüpelhaftes Benehmen ist an der Tagesordnung. Es herrscht das Recht des Stärkeren. Schlangestehen wird ignoriert, worunter vor allem die Schwächeren leiden, die sich nicht wehren können. Auf Behinderte und Ältere wird selten Rücksicht genommen, sie werden beim Einsteigen weggestossen und die für sie reservierten Plätze von Nichtberechtigten besetzt. Üblich ist auch, dass im Bus laut Musik oder Radio gehört wird und damit die anderen Mitpassagiere belästigt werden. Trotz einer 2012 erlassenen Vorschrift habe diese Unart nicht abgenommen, berichtet DP.

Die Verantwortlichen für den Nahverkehr betreiben jetzt Feldforschung, wo die Hauptprobleme des öffentlichen Nahverkehrs in Recife liegen. Die Nutzer hoffen sehr, dass die Ergebnisse bald vorliegen und zu einer positiven Verbesserung führen.

Informationsquelle
Os sete infernos dos passageiros de ônibus do Grande Recife

Mittwoch, 15. Juli 2015

Griechenland: So nicht!


Die Einigung zur Griechenland-Rettung wird als ein Diktat der deutschen Regierung bezeichnet. Der größte Scharfmacher ist unser Finanzminister Schäuble. Derjenige Schäuble, der seinen persönlichen Referenten gerne auch mal in der Öffentlichkeit anscheißt, weil er ihm die Papiere nicht richtig hingelegt hat. Ein rechthaberischer Machtmensch. Soweit so gut, bisher habe ich ihn immer noch für einen guten Europäer gehalten, der das große Ganze immer im Blickwinkel hat. Eigentlich möchte ich auch glauben, dass er es immer noch gut meint mit den Griechen. Zumal er doch mit einer so menschenfreundliche Kanzlerin zusammenarbeitet, der es bestens gelingt sich hinter ihm, dem Bösewicht, unsichtbar zu machen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass wir eine so bornierte Regierung haben.

Am Tag nach dem Beschluss zum neuen Hilfspaket für Griechenland kommt für mich das böse Erwachen. Die Regierungspartei CDU plustert sich auf, ganz auf der Linie der Schäuble-Politik wird mit einer Arroganz auf den Griechen rumgeprügelt, die ich Verantwortung tragenden Politikern nicht zugetraut habe. Ein Herr Strobl, CDU-Landesvorsitzender für Baden-Württemberg, spitzt die Stimmung auf die Worte zu, dass der “Grieche jetzt lange genug genervt” habe. CDU-Hinterbänkler dürfen in meinem Regionalblatt zu Wort kommen und schwingen die große Keule: Lauthals verkünden sie, dass sie einem dritten Rettungspaket nicht oder nur vielleicht zustimmen werden. Letztendlich werden sie wohl ihrer Kanzlerin, der sie in erster Linie überhaupt verdanken gewählt worden zu sein, folgen. Sie stehen aber für eine Stimmung des Rumtrampelns auf “dem Griechen”. Die billige Stimmungsmache hat Hochkonjunktur, da darf nicht mehr hinterfragt werden, worum es eigentlich geht.

Auch in meinem Regionalblatt darf Herr Roland Tichy, früher Journalist der Wirtschaftswoche und jetzt Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, zu Wort kommen. Tichy titelt seinen Beitrag “Warum der Bundestag der Griechenlandhilfe nicht zustimmen sollte”. Man kann es kaum glauben: Weil Griechenland vom Euro erdrückt wird. Und weil Griechenland keine Reformen will. Griechenland ein dauernder Subventionsfall bleibt. Die Regierung Tsipras ist das Verderben Griechenlands. Und dann kommt die Schlussfolgerung: “Das Land ist buchstäblich am Boden. Mit mehr Geld kann nicht geholfen werden – aber auch nicht mit mehr Mittelentzug wie er in den Programmen vorgesehen ist.” Jetzt könnte man meinen, dass der Geist der Erkenntnis über Herrn Tichy gekommen ist: Er fordert: “Wir sollten Griechenland vom Euro befreien. Also ein Schuldenschnitt und der Wahrheit ins Gesicht sehen: Die Rettungspolitik war ein Fehler, der den Fehler Euro nicht korrigieren kann”.

Die Forderungen des Herr Tichy werden sehr viel Geld kosten, liebe CDU. Mehr als man bisher bereit war zu geben. Und natürlich weiß auch ein Herr Tichy, dass der Rauswurf aus dem EURO die Griechen noch weiter deklassieren wird. Deshalb meint er gönnerhaft, dass man selbstverständlich das Ganze mit einer großflächigen humanitären Hilfe begleiten müsse. Wird das alles preiswerter als ein großzügiger Schuldenschnitt und ein Hilfspaket bei gleichzeitigem Verbleib im Euro? Der gesunde Menschenverstand lässt mich daran zweifeln.

Worum geht es dann also? Es geht darum, dass man in Deutschland eine Stimmung großkotziger Arroganz getrieben von dem Sprachrohr Bild-Zeitung aufgebaut hat. Diese Stimmung will jetzt, dass der Grieche am Boden liegt und Staub fressen muss und dann dafür die Almosen vom Tische des Herrn Schäuble bekommen wird. Das sichtbare Zeichen dafür wäre der Rauswurf aus dem Euro. Die Weltöffentlichkeit hat durchaus kapiert, dass es bei den Absichten unserer Regierung nur um diesen symbolhaften Rauswurf geht. Darum auch die heftigen Reaktionen auf die Art und Weise wie diese erneute Griechenland-Rettung abgelaufen ist.

Das von der Merkel-Regierung damit neu geschaffene Deutschland-Bild werden wir so schnell nicht los werden.

Dienstag, 14. Juli 2015

Engländer wollen wieder Spaß mit Füchsen haben und setzen dafür die Einheit des Landes aufs Spiel

Tiere erschießen ist für den britischen Premierminister Cameron ein Sport. Böse Tierschützer hatten 2002 in Schottland und 2004 in England und Wales ein Verbot der besonders grausamen Fuchsjagd durchgesetzt. Bei der traditionellen Fuchsjagd wurden die Füchse mit einer großen Meute von Jagdhunden und kostümierten Reitern zu Tode gehetzt. Diese Art der Jagd sorgte für jahrelangen Streit zwischen Tierschützern und den auf Tradition pochenden Jägern.

Seit die konservativen Tories in Großbritannien wieder alleine das Sagen haben, sollen im Namen der unbegrenzten Freiheiten auch solche tierquälerischen Spaßveranstaltungen wieder genehmigt werden. Dieser Tage wird das britische Parlament vermutlich die Fuchsjagd wieder legalisieren. Für den Premierminister unter dem Schlagwort “Recht auf Jagd” und mit der Begründung, dass er “schon immer ein starker Befürworter von Land-Sportarten” war. Es scheint ihm auch kein Widerspruch zu sein, Tierquälerei mit Sport zu verbinden.

Allerdings haben die schottischen Abgeordneten der SNP beschlossen, im britischen Parlament gegen die Aufhebung des Verbots der Fuchsjagd zu stimmen. Das sorgt für den Aufschrei englischer Medien und heizt die Debatte für “englische Stimmen für englische Gesetze” erneut an. Letzteres bedeutet, dass nur Abgeordnete aus England über Gesetze abstimmen, die nur England betreffen. Schottland hat ein eigenes Gesetz zum Verbot der Fuchsjagd. Die SNP beruft sich aber in diesem Fall darauf, dass sie eine große Mehrheit der gesamten britischen Gesellschaft, die gegen die Fuchsjagd ist, vertritt und sie sehr wohl als nationale Abgeordnete auch über diese Gesetz mit abstimmen können.

Das zeigt wieder einmal wie verfahren die Situation nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Schottland ist. Statt dass versucht wird,  den Zusammenhalt des Landes nach der knappen Entscheidung gegen die Unabhängigkeit zu stärken, unternehmen genau diejenigen, die sich gegen die Unabhängigkeit unter dem Banner der Einheit ausgesprochen haben alles, um England und Schottland noch mehr auseinander zu bringen. Das Land hat keine Verfassung, die solche Kompetenzfragen regelt und so greift man zu der Idee, dass man einfach kurzer Hand Gruppen von Abgeordneten sei es die walisischen, schottischen oder nordirischen Abgeordneten aus dem Abstimmungsverfahren auszuschließt (auch EVEL genannt =  English Votes for English Laws), wenn es sich um “englische Angelegenheiten” handelt. Dass das nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand.

Trotzdem kommen auf die Füchse in England schlechte Zeiten zu: Die Tories haben die Mehrheit im Parlament und werden ihre Absicht durchsetzen.

Informationsquelle
EVEL retreat: David Cameron forced into humiliating climbdown over English Votes for English Laws
Fox Force 56