Freitag, 29. Mai 2015

Rüebli statt Karotten: Bizarre Sprachpolitik Schweizer Kantone

«Rüebli statt Karotten»: Unter diesem Motto hat ein Komitee für die Mundartinitiative im Kanton Aargau am 31. Mai 2012 eine Initiative eingereicht, dass an der Mundart im Kindergarten festgehalten wird. Sie verlangt dazu eine Änderung des Schulgesetzes: Die Unterrichtssprache im Kindergarten soll grundsätzlich die Mundart sein. Anstoss war, dass seit einiger Zeit Kindergärtnerinnen während der Hälfte der Unterrichtszeit die Kinder auf Hochdeutsch betreuten. Die Initiative wurde organisiert von der fremdenfeindlichen Schweizerischen Volkspartei, die über die Schweiz am liebsten eine Käseglocke stülpen würde, damit das Heidiland sich nicht verändert. Hochdeutsch im Kindergarten ist für sie ein verhängnisvoller Eingriff in das Schweizer Kulturerbe und mit einem Kulturverlust verbunden, der dem Land sehr teuer zu stehen komme. Geredet wurde vom Zerfall der Mundart.

Solche Heimattümelei hat in der Schweiz einen guten Boden. Gegen den Willen von Regierung, Parlament und den meisten Parteien haben die Stimmenden im Kanton Aargau eine Volksinitiative mehrheitlich angenommen. Die Schweizer Boulevard-Zeitung Blick verkündete im Mai 2014 unter dem Titel "Chindsgi-Verbot für Deutsche?" die Entscheidung des Aargauer Souveräns und lässt damit die mit Mundart verbrämte fremdenfeindliche Stoßrichtung aus dem Sack: Hochdeutsch sprechendes Kindergartenpersonal solle gefälligst verschwinden oder Schweizerdeutsch lernen. Da die Schweiz scheinbar nicht in der Lage ist, genügend eigenes Lehrpersonal auszubilden, wird viel Personal aus Deutschland angeworben. "Chindsgi" ist übrigens die Schweizer Verballhornung von Kindergarten und ist ein Wort, das man auch nur in bestimmten Regionen der Schweiz versteht. Der Blick fährt fort: "In Aargauer Kindergärten wird bald nur noch Schweizerdeutsch gesprochen. Mit 55,5 Prozent hat das Aargauer Stimmvolk die Mundart-Initiative der Schweizer Demokraten gestern deutlich angenommen."

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet aus Zürich, wo der Kanton dieselbe Mundartinitiative bereits früher angenommen hatte, dass in der Weltstadt Zürich Migrantenkinder im Kindergarten nun noch weniger verstehen . In dem Bericht wird auch darauf hingewiesen, dass es in der Schweiz kein einheitlichen Dialekt gebe. Je nach Region könne gebe es verschiedene Aussprachen und unterschiedliche Bezeichnungen. "Denn ob Thurgauerdialekt, Zürichdeutsch oder Bündnerisch, für sie ist alles fremd", schreibt die NZZ. «Seit sich jede Lehrperson in ihrem eigenen Dialekt ausdrückt, kommen unsere fremdsprachigen Kinder mit dem Deutschen viel weniger gut klar», wird eine Kindergärtnerin zitiert.

Der Kanton Aargau muss jetzt die Entscheidung seines mundartversessenen Volkes gegen seine bessere Einsicht umsetzen. Dieser Tage skizzierte der Grosse Rat in der Hauptstadt Aarau wie das neue Schulgesetz aussehen soll. Danach ist die Unterrichtssprache im Kindergarten grundsätzlich Mundart. Trotzdem, so einfach ist das auch nicht, denn was passiert mit deutschen Gedichten, Liedern, die nun mal nicht im Mundart gehalten sind? Dazu der Grosse Rat: "Im Kindergarten sollen einzelne Unterrichtssequenzen in Hochdeutsch möglich sein. Im Lehrplan des Kindergartens wird festgelegt, dass sich diese auf Situationen mit klarem Bezug zur Standardsprache beschränken sollen wie beim Vorlesen oder beim Kennenlernen von Reimen, Versen und Liedern."
Und was passiert mit Lehrpersonal ohne Mundartkenntnisse: "Demnach sind laufende Anstellungsverhältnisse von Kindergartenlehrpersonen, die Ende 2018 noch nicht über die erforderlichen Fachkompetenzen für das Unterrichten in Mundart verfügen, frist- und termingerecht auf Ende Schuljahr 2018/19 aufzulösen."

Man ahnt es: Wer kontrolliert das alles? Die SVP wird jetzt ihre Spitzel in die Kindergärten schicken und sich kräftig in die Personalpolitik der Erziehungsbehörden einmischen. Missliebiges Lehrpersonal aus dem nördlichen Nachbarland kann auf diese Weise erpresst und gegebenenfalls aus dem Land vertrieben werden. So sieht die schöne neue Welt Schweizer Reaktionäre aus. Den Kindern wird es nicht dienen.



Informationsquelle
Migrantenkinder verstehen im Kindergarten nun noch weniger 
Grundsätzlich Mundart im Kindergarten

Mittwoch, 27. Mai 2015

Wenn sonst nichts mehr hilft: Rote-Socken-Kampagne in Spanien

Die Regional- und Gemeindewahlen in Spanien sind nicht gut gelaufen für die Regierungspartei PP. Vertrauend darauf, dass das Volk ihnen all die Korruptionsskandale und Wahllügen verzeiht, wenn nur das Wirtschaftswachstum inzwischen den Boden erreicht hat und man das als Verdienst ausgeben könne, hat sie nicht damit gerechnet, dass man in vielen Gemeinden und Städten so abgestraft wird wie es zum Beispiel in Madrid und Valencia passiert ist.

In Madrid hat die Alternative Kandidatin für das Bürgermeisteramt, Manuela Carmena, gute Aussichten den Posten auch zu bekommen, wenn die Sozialisten von der Partei PSOE sich dazu aufraffen können, für ihre Amtsübernahme zu stimmen. Beleidigt und sauer ist die PP-Chefin in Madrid, Esperanza Aguirre, die eigentlich Bürgermeisterin werden wollte. Sie will mit Gewalt verhindern, dass die Sozialisten das Naheliegende tun und die bisherige skandalgeplagte PP-Stadtregierung und damit auch sie selbst in die Opposition schicken. Frau Aguirre schreit deshalb Zeter und Mordio und bedroht die PSOE mit einer Roten-Socken-Kampagne im besten CDU-Stil. Frau Carmena vertritt nämlich die junge Partei “Podemos”, die basisnah in kurzer Zeit in Spanien an Wählerzustimmung gewonnen hat und überall in vielen Kommunalparlamenten jetzt vertreten ist. Für Aguirre sind das Kommunisten und die Basisversammlungen beschimpft sie als “Sowjets”.

Die PSOE wird von Aguirre mit Behauptungen bombardiert, die an die besten Zeiten des kalten Krieges erinnern. Leider haben die Sozialisten vor den Wahlen auf die geifernden Fragen nach ihrem Verhältnis zur jungen Partei “Podemos” zu viel rumlaviert und sich vor einer klaren Stellungnahme bezüglich von Koalitionsfragen gedrückt. Frau Aguirre behauptet nun steif und fest, dass damit die PSOE bei der derzeitigen Konstellation verpflichtet sei, auf Unterstützung von Podemos-Kandidaten zu verzichten. Ihr neuestes vergiftetes Angebot an die Sozialisten ist, dass die PP bereit ist, den PSOE-Kandidaten zum Bürgermeister zu wählen. Die PP hat inzwischen Empfehlungen an die Landesorganisationen abgegeben, dass man überall so verfahren soll und wo man zwar mehrheitlich gewählt worden sei, aber nicht die Mehrheit habe, notfalls den PSOE-Kandidaten wähle, um den Eintritt von “Podemos” in die Regierungsverantwortung zu verhindern.

Ob die PSOE auf diese Versuchung eingehen wird? Hoffentlich nicht, denn das wird wohl eher ihr endgültiger Verzicht auf eine baldige Rückkehr an die Macht sein, denn nicht umsonst ist “Podemos” so stark geworden, weil die Sozialisten die sozialen Themen sträflich vernachlässigt haben. Zudem ist die PP derart in Korruptionsskandale verwickelt, dass es bei vielen Spaniern nicht gut ankommen würde, wenn die PSOE zu ihrem Machterhalt beitragen würde.

Siehe auch
Fahrerflucht und politischer Zickenkrieg in Madrid
Madrid gegen Madrid, ein sinnloser Grabenkrieg
Was unterscheidet “Podemos” von “Syriza”?

Informationsquelle
Aguirre, dispuesta ahora a gobernar con Carmena si renuncia a "los soviets en los distritos" de Madrid
El PP extenderá a toda España la oferta de Esperanza Aguirre para frenar a Podemos

Dienstag, 26. Mai 2015

Brasilien und China träumen von gemeinsamen Mega-Projekten

Vor kurzem war der chinesische Premier Li Keqiang in Brasilien und hat mit großem Medienecho Kooperationsverträge mit Brasilien mit einem Volumen von 50 Milliarden US$ unterschrieben. Unter anderem wollen Brasilien und China gemeinsam eine Eisenbahn quer durch den südamerikanischen Kontinent bauen und so den Atlantik mit dem Pazifik verbinden.

Die Deutsche Welle beschreibt das Projekt so: “Das größte Projekt ist die sogenannte Transozeanische Eisenbahn, deren Bau rund zehn Milliarden US-Dollar kosten soll. Sie soll die brasilianische Atlantikküste mit dem peruanischen Hafen "Puerto Ilo" am Pazifik verbinden und quer über den Kontinent verlaufen. Nach Angaben des brasilianischen Präsidialamtes liegt allein der Streckenanteil innerhalb Brasiliens bei 4.400 Kilometern. Auf diesem Weg soll der Export von brasilianischen Exporten wie Soja, Fleisch, Getreide und Eisenerzen nach China vereinfacht werden.”

Die Arbeiten sollen bereits in diesem Jahr beginnen. Der große Bruder im Norden, die USA, versuchen allerdings das Projekt bereits jetzt madig zu reden. Nicht ohne Grund, denn damit wäre der von der USA kontrollierte Panamakanal nicht mehr die einzige Möglichkeit einfach vom Atlantik in den Pazifik zu kommen. Allerdings gibt es auch in Brasilien Zweifler. Die Zeitschrift Veja schreibt dazu: “Der ambitionierte Plan eine Eisenbahn mit einer Länge von 4.700 km, die die Amazonas-Wälder und die Andenkette durchqueren muss, wird noch viele Hindernisse vor sich haben, bevor er realisiert werden kann. So stehen zum Beispiel erst einmal die Umwelt-Lizenzen und die Machbarkeitsstudie an. Man darf daran erinnern, dass der Bau einer transozeanischen Eisenbahn bereits im vergangenen Jahr aus Anlass des offiziellen Besuchs des damaligen chinesischen Präsidenten Xi Jinping verkündet worden war.”

Der von der Deutschen Welle berichtete Kostenansatz von 10 Milliarden US$ lässt da schon erstaunt aufhorchen. Wenn die Berliner für ihren Flughafen inzwischen bald 5 Milliarden Euro ausgeben, wie soll man dann ein solches Eisenbahnprojekt mit diesem Kostenansatz schaffen? Vermutlich nur mit Sklavenarbeit. China schickt seine Kuli’s und die Brasilianer beuten anschließend ihre Rohstoffe für China aus, das sie damit billig versorgen werden. Ein brasilianischer Wirtschaftswissenschaftler warnt bereits: “Wie müssen die Investitionen diversifizieren, damit wir nicht Geiseln des Exports von Rohstoffen werden und damit unsere nationale Industrie schädigen, die bereits eine sehr langsame Gangart eingeschlagen hat.”


Informationsquelle
Saiba o que muda na economia com o acordo entre Brasil e China

Mittwoch, 20. Mai 2015

Cameron und der Brexit: Er hat es eilig

Der alte und jetzt neue Ministerpräsident Großbritanniens, David Cameron, beabsichtigt nach einer Meldung des “Guardian”, bereits nächste Woche, kurz nachdem die Königin seine Regierungserklärung verlesen hat, ein Gesetz zum Referendum über die Mitgliedschaft zur Europäischen Union durchs Parlament zu bringen. Er wolle sein Wort bezüglich Europa halten, versicherte er seinen Parteimitgliedern.

Bisher wusste niemand so recht, was er eigentlich von der EU will, nachdem er ständig Reformen  verlangte, ohne konkret zu werden worin die bestehen. Jetzt gibt es mehr Klarheit: Erst soll einmal an den Menschenrechten herumgedoktert werden und die “Menschenrechtsakte” (Human Rights Act) gegen ein neues britisches “Rechte-Gesetz” (ersetzt) werden. Das Europäische daran ist, dass man dann die Beziehungen zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) neu regeln will, sprich den Einfluss des Gerichtshofs einzuschränken versucht. Der EGMR ist allerdings kein Teil der EU, sondern des Europarats. Länder wie Russland oder Aserbaidschan, die bisher sich des Öfteren über Entscheidungen des EGMR ärgerten, werden sich freuen, dass Britannien mit schlechtem Beispiel voran geht.

Bei der EU geht es Cameron auch nur darum, das Big Business so zu lassen wie es ist und an den Menschen, die die EU bilden seine Reformpotenz auszuprobieren. Kurzum er will EU-Bürgern, die in seinem Land leben, keine Sozialhilfeleistungen gewähren und sicherstellen, dass nicht zur Eurozone gehörende EU-Länder, womit er vor allem wieder das Vereinigte Königreich meint, gegenüber dieser nicht schlechter gestellt werden. Weitere Forderungen sollen nach Ansicht des den Tories nahestehenden Thinktanks “Open Europe”: Einführung einer “roten Karte”, die es nationalen Parlamenten erlauben würde sich zusammenzutun, um neue EU-Gesetzgebung zu verhindern und eine Änderung des Vertrags von Rom (Gründungsvertrag der EU) dahingehend, dass eine “immer engere Union zwischen den Völkern Europas” angestrebt wird. Laut Open Europe alles Ziele, die ohne Vertragsänderung zu erreichen seien.

Inzwischen hat Cameron wohl den EU-kritischen Teil seiner Partei mit Regierungsposten versehen, um diese in den weiteren Ablauf einzubinden. So der Erz-Euroskeptiker John Wittingdale, der als Kulturminister dem Kabinett angehört oder Priti Patel, der zum Arbeitsminister ernannt wurde.

Laut Open Europe sollen die oben genannten EU-Reformpläne Chancen haben, in der EU ohne Vertragsänderungen umgesetzt werden zu können. Die anderen EU-Staaten seien sehr interessiert daran, Großbritannien in der EU zu halten und wären sicher zu einem Entgegenkommen bereit. Die Frage ist dann nur, warum man die anderen Mitgliedsländer wegen so etwas mit einer Austrittsdrohung erpressen muss. Es wird Porzellan zerschlagen, das nachher wieder mühsam zusammengeflickt werden muss. Deshalb wird es spannend sein zu sehen, wie sich Cameron hier aus der Affäre ziehen wird. Vielleicht könnte es ihm aber auch wie Goethe’s Zauberlehrling gehen:
“Herr und Meister! hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
Werd ich nun nicht los.”

Informationsquelle
Cameron to publish EU referendum bill one day after Queen's speech

Dienstag, 19. Mai 2015

Ein vergessener Flüchtlingsstrom: Haitianer in Brasilien

Acre ist ein brasilianischer Bundesstaat in Westen Brasiliens. Seine Hauptstadt ist Rio Branco und der größte Teil des Staates wird vom Amazonas-Urwald bedeckt. Haiti liegt in der Karibik und von Acre eigentlich gefühlt soweit entfernt wie die Erde vom Mond. Und trotzdem drängen viele Haitianer nach Acre. Wie kann das passieren?

Die Webseite von Globo.com beschreibt die Vorgeschichte so: Die Einwanderer kommen nach Acre über die Stadt Assis Brasil (im Dreiländereck Brasilien, Bolivien, Peru). Die Mehrheit der Einwanderer sind Haitianer, die ihre Heimat 2010 verließen, nachdem das schwere Erdbeben für 300.000 Tote und verheerende Schäden sorgte. Gemäß den Angaben der Regierung von Acre sind seit 2010 mehr als 32.000 Haitianer über Acre nach Brasilien gekommen. Sie kommen nach Brasilien auf der Suche nach einem besseren Leben und um ihren Familien zu helfen, die sie zurück lassen mussten. Um nach Acre zu kommen, fährt die überwiegende Mehrzahl von ihnen mit dem Bus von Port-au-Prince, der haitianischen Hauptstadt, in die Dominikanische Republik. Dort kaufen sie ein Flugticket nach Panama. Von Panama-Stadt aus nehmen sie den Bus oder einen Flug nach Quito in Ecuador. Auf dem Landweg fahren sie dann an die peruanische Grenze nach Piura, Lima, Cuzco und Puerto Maldonado bis sie nach Iñapari, der peruanischen Grenzstadt zu Brasilien, in der Nähe von Assis Brasil kommen.

Warum das Sehnsuchtsziel Brasilien? Nach dem Erdbeben von Haiti wurden viele brasilianische Soldaten im Rahmen der Friedensstreitmacht der UNO in Haiti eingesetzt. Vielleicht haben sie den Haitianern zu viel von den paradiesischen Zuständen in ihrer Heimat vorgeschwärmt. Statt Paradies setzt sich in Acre jedoch die Misere für die Haitianer fort. In der Regel leben sie dort unter erbärmlichen Umständen. In Acre können sie einen Antrag stellen, als Flüchtling anerkannt zu werden. Eigentlich gelingt dies nur, wenn die Flüchtlinge aus ethnischen, religiösen oder politischen Gründen verfolgt wurden. Im Jahr 2010 machte Brasilien aber eine Ausnahme und gewährte auch nicht Verfolgten aus humanitären Gründen ein Visum.

Acre will die Flüchtlinge nicht haben. Man fühlt sich überlaufen. Im April 2013 rief der Gouverneur in einigen Gemeinden den Notstand aus, weil der Flüchtlingsstrom überhand nahm. Die für die Flüchtlinge vorgesehen Unterkünfte waren völlig überlaufen. Ab diesem Zeitpunkt griff die Acre-Regierung zu einer radikalen Maßnahmen. Sie setzte die Flüchtlinge in Omnibusse, die in die westlichen brasilianischen Großstädte, vor allem São Paulo, fuhren. Der Aufschrei aus diesen verhältnismäßig reichen brasilianischen Regionen war groß. Für viele Brasilianer sind Haitianer Gesindel. “Sie nehmen den Brasilianern die Arbeit weg, bringen Krankheiten mit sich, sorgen für Gewalt. Das ist das Vorurteil, das immer mehr um sich greift”, erklärt ein katholischer Priester, der in der Flüchtlingsbetreuung arbeitet.

Und so beargwöhnt man in São Paulo wieder argwöhnisch, dass zur Zeit wieder vermehrt Busladungen mit Flüchtlingen aus Acre kommen. Die Aufnahmestellen in São Paulo sind wieder voll. São Paulo schimpft auf Acre, weil die ohne Konsultation die Flüchtlinge in Bussen nach São Paulo schicken. Acre dagegen fordert mehr Geld von der Bundesregierung, damit es die Busunternehmer für die Abschiebung bezahlen kann.

Informationsquelle
Sem avisar, Acre envia haitianos a SP e número de mulheres surpreende
Imigração haitiana no Brasil

Sonntag, 17. Mai 2015

Der Erzbischof belieben zu exkommunizieren, aber die Gläubigen sind nicht mehr das, was sie einmal waren

Auch Rumänien und die Einstellung seiner Bevölkerung zu vielen Gesellschaftsfragen ändert sich mit großen Schritten. Das bekommt auch langsam eine Institution zu spüren, die meint ein Recht auf Bewegungsunfähigkeit zu haben. Es ist die orthodoxe Kirche Rumäniens (BOR), eine Institution, die bisher nur Reformunfähigkeit bewiesen hat.

In der Stadt Focșani haben drei Frauen, Mitglieder der Pfarrgemeinde, auf der Straße gegen die Entscheidung des Erzbischofs, einen 16 Jahre in der Stadt tätigen Priester in eine weit entfernte Landgemeinde zu versetzen, protestiert. Dieser Protest hat Erzbischof Ciprian Spiridon, Leiter der Erzdiözese von Buzau und Vrancea, derart auf die Palme gebracht, dass er die 3 Frauen kurzerhand exkommunizierte. Begründung: “Die drei seien eine reale Bedrohung für die Einheit der Kirche” und “sie hätten schlimm gegen die Disziplin der Kirche verstoßen”, zudem hätten sie “eine schismatische Terrorgruppe mit sektiererischem Benehmen” gebildet. Zuvor hatten viele Gläubige vom Erzbischof verlangt, dass bei der Entscheidung über die Versetzung des Priesters, auch die Gläubigen gehört werden sollen. Soviel Demokratie ist natürlich den obersten orthodoxen Vertretern Gottes in höchstem Maße suspekt und so dürfen die engagierten Gläubigen in Zukunft keine Kommunion mehr empfangen.

Der zwangsversetzte Priester ist beim Erzbischof in Ungnade gefallen, weil er sich geweigert hat, ein Geschäft mit religiösen Objekten, die seine Familie in Focșani mit Genehmigung des früheren Erzbischofs unterhielt, zu schließen oder der Kirche zu übergeben. Die Gemeinde wollte den Streit schlichten und bot dem Bischof gratis ein Grundstück an, damit er das so begehrten Geschäft selbst bauen könne. Aber das beruhigte ihn nicht, denn nach den Regeln der Kirche dürften die Priester keine Geschäfte betreiben,die der Kirche Konkurrenz machen könnten. Es geht also ums Geld, nicht um den vom Erzbischof in den Vordergrund geschobenen bedrohten Glauben.

Statt dass mit der Exkommunizierung aber Ruhe wäre, geht es jetzt erst richtig los. Viele Menschen waren mit der Entscheidung des Diktator-Erzbischofs nicht einverstanden und gingen am vergangenen Samstag protestierend auf die Straße. Sie halten die Exkommunizierung für nicht nur eine Übertreibung, sondern auch illegal. Durch solche Entscheidung würden die kirchlichen Würdenträger die Gläubigen aus dem Herzen der Kirche vergraulen. In ihrer Protestschrift schreiben sie unter anderem: “Die Gemeinschaft, zu der wir gehören, hat diese Kirche aus dem Müll aufgebaut. Es geht nicht an, dass man unseren Priester einfach so weg schickt. Wir sind Seelen und nicht Bücher, die man in der Bibliothek einfach so umstellt, denn die Verbindung zwischen uns und unserem Priester ist sehr eng”. Die Demonstranten sagen auch, dass die Kirche mal besser diejenigen exkommuniziert hätte, die in der kommunistischen Zeit die Kirchen zerstört hätten, statt diejenigen zu bekämpfen, die mit ihren Händen eine geheiligten Ortes des Gebetes errichtet hätten. Sie werden deswegen an den kommenden Wochenenden weiter demonstrieren.

Der Erzbischof fühlt sich völlig im Recht: “Die Kirche ist weder eine Gewerkschaft, noch eine Partei”, erklärt er. Inzwischen spricht er von 11 Exkommunizierten, die mit ihren Handlungen “den Körper von Christus verletzt hätten, gegen das der Bischof eine Antwort mit Unterstützung Gottes gegeben habe”. Aber er gibt den Aufsässigen eine Chance: “Sie können zurück kommen, wenn sie gegenüber der Gemeinschaft, die sie derart gestört haben, Busse tun”. Denn, “die christliche Kirche wird nach dem Prinzip des absoluten Gehorsams der Priester und Gläubigen gegenüber den Bischöfen” geführt. Wer das nicht begreife, sei kein richtiger Christ.

Informationsquelle
Vinovați de ”libertate iresponsabilă”! La Focșani se protestează împotriva unei decizii a Arhiepiscopei, cu iz de Ev Mediu: excomunicarea a trei enoriași

Freitag, 15. Mai 2015

Klo verzweifelt gesucht in der Innenstadt von Sevilla

Der Blogger Navarro Antolín hält nicht viel vom Bürgermeister von Sevilla. Zoido ist der Name des Stadtobersten, er ist ein Konservativer der Partido Popular (PP) und gilt als sehr provinziell. Seine Fremdsprachenkenntnisse sind wohl sehr bescheiden, denn er wurde bereits mehrfach zum Gespött wegen seiner Aussprache englischer Wörter. Ganz in der Tradition provinzieller Entscheidungen ist wohl Maßnahme Nummer 164 des Herrn Bürgermeisters, von dem der Blogger sagt “es hört sich fast an wie ein Verfassungszusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten, obwohl es nur das x-te Versprechen des Bürgermeisters ist”. Die Maßnahme hat die Schaffung eines Netzes von Toiletten im Altstadtkern von Sevilla zum Ziel.

Dazu Navarro Antolin, der in humoristischer Weise ein Ende einer alten Tradition der Klo-Suche in der Sevillaner Altstadt befürchtet:
Schaut euch das einmal genau an: Klos für alle Touristen mit Lachshaut. Klos für so viele Sevillanos, die nicht wissen, wo sie Pipi machen sollen, wenn sie in der Altstadt sind. Ein Altstadt, die so groß und unübersehbar ist, wo alles reinpasst nur kein Baum, der Schatten geben könnte. Das Risiko dieser Mini-Politik besteht darin, dass damit der geheimen Route der Sevillaner Klos der Garaus gemacht wird. Eine Route, die eine auserwählte Minderheit bis zur Perfektion beherrschte und die wusste, wo diese Klos sich befanden und die wie Rettungsanker in Momenten schrecklicher Beklemmungen waren. Zoido will ein Ende dieser geheimen Route, von der wir bereits einige Ort im Vorgriff auf die Veröffentlichung des Geheimnisses durch die Stadt verraten haben.

Wenn die politische Rechte unser Zentrum mit vorfabrizierten Häuschen zum Urinieren füllt, dann endet die Möglichkeit bei Harndrang in die Rechtsanwaltskammer zu eilen und irgendjemanden zu fragen oder einfach die Entscheidung selbst zu treffen und in den Hinterhof zu eilen, dann nach rechts abzubiegen. Was für ein Wunder von Urinal von ausgesuchter Sauberkeit. Es gibt Leute, die bezahlen einen Mitgliedsbeitrag zur Rechtsanwaltskammer, um das ganze Jahr diesen sauberen Service zu bekommen, genauso wie es welche gibt, die für den Presseverein bezahlen, um das Recht auf Zugang zu deren Caseta auf der Feria zu haben.

Und wie ist es möglich den Brauch zu beenden, in den Circulo de Labradores (Club der Landwirte) in der Straße Pedro Caravaca zu gehen, den man mit der Ausrede den kostbaren Innenhof zu besichtigen, betritt, um danach das Klo von Queipo de LLano zu benutzen. Wenn es dir gelingt die Drehtüren zu passieren, kannst du sogar den Dienst einer Schuhputzmaschine nutzen. Nur dass die Maschine weder über braune noch schwarze Schuhcreme verfügt. Aber sie ist da, als ein Symbol der vielen Dinge, die es in Sevilla gibt, die aber ihre ursprüngliche Aufgabe nicht ausüben.

Wenn der Bürgermeister unser Zentrum mit Latrinen ohne Grazie noch Geruch bevölkert, werden sicher die Hausmeister der vielen umliegenden Häuser das Nachsehen haben. Sie werden mit unserem geheimen “Klo-Führer” Schluss machen genauso wie mit dem freien Zugang zu den Toiletten des Hotel Inglaterra, wo inzwischen kontrolliert wird, ober nur Hotelgäste diese benutzen, denn es tröpfelte ständig ein Schar Sevillanos hinein, die es wagten die Toiletten ohne auch nur ein Glas Wasser zu bestellen, zu benutzen. Das war doch ziemlich schamlos.

Wir werden auch in Gefahr laufen, dass wir keinen Zugang mehr zu den Toiletten des Circulo Mercantil (Handelsclub) mehr bekommen, wohin wir in der Semana Santa über die Gasse von Monardes  oder über die Gemeindebüros des Laredo eintreten konnten. Dort hält einem an der Tür niemand auf, man muss nur mit der nötigen Entschiedenheit hinein gehen und sich für die Treppe oder den Aufzug entscheiden. Falls man den Aufzug wählt, muss man in Betracht ziehen, dass das Mädchen an der Rezeption einem harpuniert in Form der Frage, was man vorhabe. Einfach sagen, dass man mit irgendjemandem von der Tourismusvereinigung sprechen will, normalerweise funktioniert das, denn dahin gehen die unterschiedlichsten Leute. In diesen Gemeindebüros gibt es ein Klo auf jedem Stockwerk, ein total unbekannter Luxus, mit dem die Stadtverwaltung jetzt Schluss machen will, falls sie das Versprechen Nr. 164 erfüllen wird.

Wenig bekannt sind auch die Toiletten der Buchhandlung San Pablo, in der Calle Sierpes, wo man sich blöd anstellen und nach irgendeiner Biographie von Rouco fragen kann. Sehr beliebt sind auch die Hamburger-Franchise-Imbisse, die nicht immer sehr sauber, sehr heiß und fast immer ohne Toilettenpapier sind. Diese Toiletten verdienen es eigentlich nicht in den Führer aufgenommen zu werden. Es gibt Zeiten da erinnern sie an die Klos der Tankstellen in den achtziger Jahren.

Was Zoido in Tat hätte einführen sollen, ist die Öffnung der unterirdischen Toiletten, die es vor dem Archivo de Indias gegeben hat. Diese Toiletten sind in der Tat historisch, weil in ihnen 1982 eine der tollen Szenen der spanischen Filmkomödie “To er mundo e güeno” gedreht wurde, wo es einen Alarm für die Klo-Nutzer gab, dass ein Löwe anwesend sei, der ihre Eier fressen werde. Die Bestie brüllte nicht im Käfig, sondern neben der Toilette. Also es wäre besser, wenn die PP diese Urinale wieder öffnen würde. Ohne Löwen, aber mit Klo-Papier. Der Sevillaner versteht es ohne Trinkwasserbrunnen und ohne Schatten zu überleben. Aber wenn die Stunde des Pipi schlägt, dann kommt er in bewundernswerter Weise damit zurecht. Und nun jetzt will die Kleinklein-Politik uns von diesem immateriellen Schatz des Sevillaners befreien wie wenn es um Bäume an der Straße Almirante Lobo wären. Welch ein Fehlen an  Erbarmen. Diese politische Rechte kennt keine Grenzen.

Informationsquelle
La guía secreta de los urinarios corre peligro

Mittwoch, 13. Mai 2015

Rumänische Umweltschützer gegen die Zerstörung der rumänischen Wälder

Am vergangenen Samstag fand in Bukarest eine Demonstration gegen den illegalen Holzschlag statt, an der 5.000 Menschen teilnahmen. Hintergrund ist nach Bericht der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ) ein mit versteckter Kamera erstellter Film der US-Umweltschutzorganisation EIA, in dem sich ihre Vertreter gegenüber dem in Rumänien tätigen Schweighofer-Managern und -Mitarbeitern als Holzverkäufer ausgegeben und diesen illegal abgeholztes Rohmaterial angeboten haben, dessen Aufkauf die Schweighofer-Mitarbeiter ohne mit der Wimper zu zucken garantierten. Holzindustrie Schweighofer ist ein österreichisches Unternehmen der Holzindustrie, das ein Sägewerk in Sebes / Mühlbach betreibt.

Staatspräsident Johannis erklärt jetzt, dass er das Thema illegaler Holzeinschlag auf die Tagesordnung des nationalen Sicherheitsrat setzen werde. Die Demonstranten hatten ihm vorgeworfen allzu sehr den Interessen den Schweighofer-Industrie verbunden zu sein. Zur Zeit wird in Rumänien über ein neues Forstwirtschaftsgesetz entschieden. Das vom Parlament bereits verabschiedete Gesetz ist vom Staatspräsidenten mit Änderungsvorschlägen an das Parlament zurückverwiesen worden. Kritiker behaupten, dass die Änderungsvorschläge aus dem Hause Schweighofer stammen würden.

Jetzt ist auch Ministerpräsident Victor Ponta aufgewacht und lässt seine Muskeln spielen. Er verkündete heute ein befristetes Verbot von Holzexporten. Auf stramm autokratische Weise machte er den Mitarbeitern des Justizministers auf folgende Art Beine: “Ich will bitte, dass ihr bis kommende Woche eine Lösung findet oder dass ihr irgendetwas justizielles findet! Bis kommende Woche möchte ich eine vorübergehende juristische Lösung, durch die für eine begrenzte Zeit der Export von jeder Art nicht verarbeitendem Holz untersagt wird bis wir langfristig mit Sicherheit eine Lösung haben. Ich glaube, dass, wenn ihr euren Grips anstrengt und über das traditionelle “Nein” hinausgeht, dass ihr dann eine Lösung finden werden”.

Eigentlich ist der rumänische Regierung ziemlich egal, ob nun die heimischen Wälder hemmungslos abgeholzt werden. Zu viele verdienen daran. Es ist der Verdienst eine erstarkenden Umweltbewegung, dass das jetzt nicht mehr so apathisch akzeptiert wird. Und Schweighofer Industrie, Marktführer in Rumänien, nachdem kleine rumänische Sägereien von ihr in den Ruin getrieben worden waren,  hat wohl nichts unversucht gelassen bei der Neufassung des Forstwirtschaftsgesetzes Einfluss zu nehmen. Der Konzernchef Gerald Schweighofer soll der rumänischen Regierung mit Massenentlassungen gedroht haben.

Informationsquelle
Efectul protestelor și al scandalului Holzindustrie Schweighofer: Ponta vrea să interzică exporturile de lemn

Samstag, 9. Mai 2015

Schweizer EU-Hasser und englische Tories, geht das zusammen?

“Was bedeutet der Wahlausgang in Großbritannien für die Schweiz? Hat sich unsere Verhandlungsposition gegenüber der EU verbessert?
Was kann die Schweiz Ihrer Meinung nach tun, um sich in Brüssel dennoch Gehör zu verschaffen?
Schweizer Aussenpolitiker fordern nun, die Schweiz solle die Beziehungen zu London intensivieren, um Unterstützung für ihre Anliegen in Brüssel zu erhalten. Wäre diese Strategie zielführend?
Aber wenn Grossbritannien nach dem Referendum tatsächlich aus der EU austreten würde, gäbe es einen zweiten Sonderfall, der sich zwar eine wirtschaftliche Anbindung wünscht, aber auf die politische Mitgliedschaft verzichtet. Das würde der Schweiz doch neue Optionen eröffnen.”

So und ähnlich lauten dieser Tage die Fragen der Schweizer Medien an ihre EU-Experten, nachdem die Tories in Großbritannien die Wahlen gewonnen haben und damit eine Abstimmung der Insulaner über den “Brexit”, den Austritt aus der EU zur Gewissheit geworden ist. Die Schweiz ist ja auch so ein Sonderfall in den Beziehungen zur EU und man sucht ständig nach Verbündeten, die doch auch einsehen, dass die Europäische Union nichts taugt. Könnte Großbritannien, so ein Verbündeter werden? Und machen sich die EU-Gewaltigen jetzt in die Hosen und geben der Schweiz in allen ihren Forderungen, die darauf rauslaufen nichts mit der EU zu tun zu haben, aber selbstverständlich alle Vorteile, die sie bietet, mitzunehmen, nach?

Die weitsichtigen Schweizer Fachleute für Europafragen können da nur noch mit dem Kopf schütteln. Professor Freiburghaus macht in einem Interview mit dem Zürcher “Tagesanzeiger” klar: «Die EU wird der Schweiz garantiert nicht entgegenkommen». Und die Hoffnung, dass Cameron den Schweizern mit einem Brexit zu Hilfe eilen wird, macht er auch gleich zunichte: “Die Schweiz hat in der Vergangenheit bereits schmerzlich erfahren, dass Grossbritannien immer auf die eigenen Interessen bedacht ist. Der Zickzack-Kurs zwischen Efta und EWR zeigte, dass die Briten keine Rücksicht auf kleine Staaten nehmen. Von dieser rosinenpickenden Haltung, von diesem ewigen Bremsen hat man auch in Brüssel genug. Die EU ist gar nicht mehr so erpicht darauf, die Briten bei den Verhandlungen zufriedenzustellen. Das heisst, mit Grossbritannien und der Schweiz würden sich zwei Länder zusammentun, die in einer schwachen Position sind. Dann könnten zwei Zwängler miteinander heulen – aber gestärkt würden sie deswegen nicht.”

Diese Aussage lässt an Klarheit nichts vermissen. In einem Interview mit der Schweizer Boulevardblatt “Blick” doppelt der Gründer des aussenpolitischen Think Tanks Foraus, Nicola Forster, nach. Auf die Frage “Hat sich unsere Verhandlungsposition gegenüber der EU verbessert?”, antwortet er:
”Im Gegenteil. Das Brexit-Referendum wird die Situation der Schweiz enorm erschweren. Ab sofort muss die EU gegenüber der Schweiz noch viel härter auftreten. Die EU muss an uns ein Exempel statuieren” und “Die EU wird ihre Gangart gegenüber der Schweiz nicht aus Bösartigkeit verschärfen. Sondern weil sie angesichts der Konstellation gar nicht anders kann. Sie muss ganz einfach Stärke beweisen.”

Der aufrechte Schweizer ist natürlich nicht bereit, so etwas zu kapieren. Die Leserkommentare im "Blick" triefen nur so von Hass auf die EU und erinnern in weiten Teilen an die Pegida-Sprüche in Sachsen. Wenn auch nicht repräsentativ, so werden die Kommentare weit überwiegend von den Lesern mit “gefällt” markiert. Auch wenn einer die Gotthardsperrung für die EU verlangt oder ein anderer die Schweiz ähnlich wie Großbritannien als “Insel” bezeichnet, stehen die Beifallsklatscher Spalier. Ihr innigster Wunsch ist der Untergang der Europäischen Union. Warum, das wissen sie vermutlich selbst nicht, aber das ist der Boden, auf dem faschistische, fremdenfeindliche und kriegshetzerische Stimmungen wachsen. Der Wunsch, dass sich die europäischen Nachbarn wie in den Weltkriegen gegenseitig abschlachten, während man selbst im warmen Zimmer sitzt und die Kriegsrendite einstreicht, das wabert wohl in den Hinterköpfen dieser Hetzer.

Siehe auch
Wir hassen die Europäische Union und wünschen ihr einen baldigen Tod
Auf zum letzten Gefecht gegen den schleichenden EU-Beitritt

Informationsquelle
«Die EU wird der Schweiz garantiert nicht entgegenkommen»
«Jetzt muss die EU an uns ein Exempel statuieren»

Mittwoch, 6. Mai 2015

Die EU will, dass die Statistikfälscher von Valencia bestraft werden

Die autonome Gemeinschaft von Valencia war in den letzten Jahren sehr erfinderisch im Geld ausgeben, vertuschen und scheinbar auch im fälschen. Die EU-Kommission will nämlich Spanien mit der eher symbolischen Busse von 19 Millionen Euro bestrafen, weil die Gemeinschaft von Valencia systematisch die Daten zum Defizit im Gesundheitswesen vertuscht habe.

Die spanische Regierung, der diese Intervention höchst ungelegen kommt, denn Valencia war eine Hochburg der Regierungspartei Partido Popular (PP) und bereits von mehreren Korruptionsskandalen erschüttert worden, erklärt dazu, dass es 2014 zu Unregelmäßigkeit in der Statistik kam: “Auf Grund von unkorrekten Deklarierungen der Ausgaben in der autonomen Region, sei es nun vorsätzlich oder durch grobe Fahrlässigkeit, wurden die Daten über das Staatsdefizit Spaniens über die Dauer mehrerer Jahre verfälscht”, lautet die Erklärung der Regierung. Man bezieht sich auf den Zeitraum 1988-2011, in denen es um nicht anerkannte Kosten im Gesundheitswesen ging, die unter dem Begriff “Rechnungen in der Schuhschachtel” bekannt wurden.

Herausgekommen ist die Fälschung 2012 als die Schuldenkrise in Spanien kulminierte und Spanien Eurostat nachträglich mitteilen musste, dass das Haushaltsdefizit um 0,4% höher lag als einige Wochen zuvor gemeldet. Begründet wurde dies mit nicht gemeldeten Daten in den autonomen Regionen von Valencia und Madrid. Eurostat entsandte daraufhin ein Inspektionsteam, das herausfand, dass die Angaben in Madrid einen Ausnahmefall darstellten, aber für die Fälschungen in Valencia eine eingehende Untersuchung erforderlich sei. Die spanische Regierung versuchte noch die Untersuchung zu behindern, indem sie eine Klage beim Europäischen Gerichtshof einreichte mit der Begründung, es gäbe keine ernsthaften Beweise für eine fortgesetzte Fälschung der Daten zum Haushaltsdefizit. Der europäische Gerichtshof scheint die Klage aber nicht für aussichtsreich zu halten, denn bis heute hat er das Verfahren nicht eröffnet.

Die spanischen Medien schreiben, dass die angedrohte Strafe sehr gering und nur symbolisch sei, denn normalerweise könne die EU Kommission in solchen Fällen Strafen bis 2 Milliarden Euro verhängen. Es ist dann wohl auch eher ein Schuss vor den Bug mit der Aufforderung: Das macht ihr nicht wieder!

Siehe auch
Bürgermeisterin von Valencia im Sumpf der Luxusgeschenke
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Dienstag, 5. Mai 2015

Schiesswütige Militärpolizei sorgt für neuen Tötungsrekord in São Paulo

Im ersten Trimester dieses Jahres hat die Militärpolizei von São Paulo im Rahmen von Sicherheitsoperationen 185 Personen erschossen. Seit 20 Jahren gab es nicht mehr eine so große Anzahl von durch die Polizei Getöteten in der Stadt. Es sind 18% mehr als im vergleichbaren Zeitraum des vergangenen Jahres. Die Verantwortlichen der Militärpolizei behaupten natürlich, dass bei den Todesschüssen immer streng nach Gesetz vorgegangen wurde. Menschenrechtsaktivisten kritisieren, dass sich diese Gewalt nur gegen Schwarze und Arme richtet.

104 Personen wurden zusätzlich verletzt. Das ist weniger als 2014, auch wenn die Zahl immer noch erschreckend hoch ist. Für Kenner der Szene ist klar: Weniger Verletzte, aber wesentlich höhere Zahl an Getöteten bedeutet, dass die Polizei gar nicht versucht, die Leute kampfunfähig zu machen, sondern sie gleich erschießt. Für den Vertreter der “Vereinigung von Zellen der Volkserziehung für Schwarze und die Arbeiterklasse (Uneafro)”, Douglas Belchior, zeigt diese Statistik, dass das Hauptziel der Militärpolizei das Töten ist. “Diese Aktionen der Militärpolizei sind inszeniert. Sie sind Frucht eines Auslöschungsprojekt gegen die arme und schwarze Jugend im ganzen Land, speziell in den großen urbanen Zentren wie São Paulo”, bestätigte er.

In Brasilien wird eine “Karte der Gewalt” geführt, basierend auf den offiziellen Daten der Sterblichkeitsstatistik des Gesundheitsministeriums. Danach sterben in Brasilien täglich 82 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 29 Jahren durch Gewalt. 77% sind schwarzer Hautfarbe, Bewohner von Vororten oder Metropolregionen. Viele werden von der Polizei erschossen. In der gleichen Zeit gehen die Verluste bei der Militärpolizei zurück. Laut Douglas Belchior kein Wunder, denn jedes Jahr investiere die Polizei in mehr und bessere Waffen. Der Sektor der öffentlichen Sicherheit sei einer der Bereiche, in denen viel investiert werde. “Und er funktioniert gut. Um Schwarze und Arme zu töten”, sagt Belchior Douglas.

Und so sieht die Kriminalstatistik von São Paulo im ersten Trimester dieses Jahres aus: 1.049 vorsätzliche Tötungen, 1.251 Tötungsversuche, 85 Raubüberfälle, 2.424 Vergewaltigungen, 20.837 Autodiebstähle und 29.047 Diebstähle von Nutzfahrzeugen. Insgesamt ist eine Abnahme der Kriminalitätsrate zu verzeichnen.

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Início de 2015 tem o segundo maior número de mortes praticadas por PMs em 20 anos

Montag, 4. Mai 2015

Rumänien wird per Gesetz regional

Rumänien verfügt inzwischen über Supermärkte, die denen in der westeuropäischen Konsumwelt nicht nachstehen. In der Regel sind sie deutscher, österreichischer oder französischer Provenienz. Das entsprechende Warenangebot stammt dann auch eher aus dem Angebot transeuropäischer Nahrungsmittel- und Agrarkonzerne als von regionalen Erzeugern. Gegen die Marketing- und PR-Experten dieser mächtigen Konzerne können lokale Anbieter nicht viel ausrichten, vor allem wenn ihnen noch der Ruch der Mangelwirtschaft vergangener Zeiten anhaftet.
 
Das soll jetzt anders werden. Abgeordnete der Landwirtschaftskommission des Parlaments haben jetzt eine gesetzliche Regelung vorgeschlagen, nach der in großen Supermärkten in Zukunft Verkaufsflächen für “traditionelle rumänische Lebensmittel” reserviert werden sollen. Genaugenommen sollen bei Supermärkten mit einer Verkaufsfläche von mehr als 2.500 qm die Hälfte der Flächen mit Gemüse, Fleisch und Früchte aus regionaler Produkten bestückt werden. Zuwiderhandlungen sollen mit bis zu 5.000 Lei bestraft werden.
 
Traditionelle rumänischen Produkte, das sind vor allem Fleisch und Käse. Zum Beispiel geräucherte Würste, Schinken, Schafskäse in allen Varianten, Kartoffelbrot, Kohlrouladen (Sarmale), Borschtsch-Suppe und nicht zu vergessen: Der Nationalschnaps Țuica (Pflaumenschnaps). Aber Rumänien ist auch ein Agrarland mit einem reichhaltigen Gemüse- und Obstangebot im Sommer. Verkauft werden diese Produkte vor allem auf den offenen Märkten, aber vermutlich heißt es demnächst “auch erhältlich in ihrem Supermarkt”.
 
 
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Hypermarketurile ar putea fi obligate să vândă și produse tradiționale românești