Sonntag, 21. Dezember 2014

Café-Klatsch, raus aus dem nationalen Ghetto rein in die Region

Die Musikgruppe MANNIJO stammt aus dem Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Luxemburg. Jo Nousse, Mitglied der Gruppe, erklärt in einem Interview mit den engagierten Bloggern aus Lothringen (BLE) seine Musikgruppe folgendermaßen: “MANNIJO ist eine französisch-deutsche Musikgruppe, die es verstanden hat, alle Ingredienzen zu finden, um einem größeren Publikum ein herzliches Europa des Chansons zu präsentieren. Die Gruppe wurde 1997 vom Rheinländer Manfred “Manni” Pohlmann und mir gegründet. MANNIJO zeigt musikalisch unsere Leidenschaft für Interkulturaliät und unsere gemeinsame Muttersprache: Das Fränkische (die alte Sprache von Karl dem Großen!). MANNIJO hat sich bald zum Leuchtturm der grenzüberschreitenden Musikszene entwickelt, indem es in seinem Repertoire die Sprachen gemischt und gemeinsam genutzt hat: Französisch, deutsch, moselfränkisch, luxemburgisch, italienisch, korsisch, bretonisch, englisch, okzitanisch, katalanisch und jiddisch.”

Jo Nousse meint weiter: “17 Jahre sind wir jetzt alt und haben noch keine Runzeln! Fast 500 Konzerte in ganz Europa, von Berlin bis zu einem kleinen korsischen Dorf in Calacuccia und dabei sind wir natürlich auch in Lothringen vorbeigekommen! Unser “grenzüberschreitendes Projekt” ist vielsprachig und von fränkischer Herkunft und hält den Kurs als musikalischer Botschafter des fränkischen grenzüberschreitenden Raumes. Nach dem kürzlichen Erscheinen unseres 5. Albums, Café-Klatsch, sind wir bereits dabei ein neues Programm zu erstellen, das sich “Tour de France” nennen wird! Eine überraschende Reise in Chansons quer durch Frankreich! Dort wird man ein vielsprachiges Frankreich, das reich an verschiedenen Kulturen ist, entdecken.”

Gefragt, ob die Musik eine wichtige Rolle im Erhalt und der Förderung des Lothringer Platts spielen wird, antwortet Nousse: “Auf Grund der Tatsache seiner leichten und allgemeinen Verbreitung spielt die Musik eine besonders wichtige Rolle bei der Förderung von Minderheitensprachen. Die Tatsache, dass Musikgruppen sich in “Platt” ausdrücken hat eine doppelte Wirkung: Es verstärkt die Bemühungen um die Förderung und zur gleichen Zeit ist dies ein Indikator unter soziokulturellem Gesichtspunkt, der zeigt, das etwas passiert für diese “Sprooch” auf seinem grenzüberschreitenden Gebiet im Herzen Europas. MANNIJO bezeichnet sich gerne als “Sproochepartisan” (Anhänger der Sprachen). Auf dieselbe Art, in der wir das “Platt” lieben, sind wir der Überzeugung, dass alle Sprachen, unabhängig davon wie sie dastehen, denselben Respekt verdienen.”

Wie hört sich denn Lothringer Platt an? BLE gibt ein Beispiel:
Ich hann e lotrénger Meedche kannt
Met hölze Scho,
Datt met dräi Kapitän’ bekannt woar
Soten et wär e Baurentrampel
Kee fäi Meedche
Met säin hölze Scho.

Informationsquelle
Groupe BLE Lorraine » Jo Nousse de MANNIJO : « Toutes les langues ont droit au même respect »
Lidder iwer d’Grenzen

Freitag, 19. Dezember 2014

Was machen, wenn ein Lutheraner als Staatspräsident den Segen der Orthodoxen braucht?

In Artikel 9 der rumänischen Verfassung steht: “In Rumänien gibt es keine Staatsreligion; der Staat verhält sich gegenüber jeder Religion oder atheistischer Ideologie neutral” und “alle Religionen sind vor den Behörden gleich. Der Staat wird keiner Religion Privilegien erteilen oder irgendeine Religion diskriminieren”. So steht es auf dem Papier, aber in der Wirklichkeit drängt sich die Orthodoxe Kirche Rumäniens als Staatsreligion auf und die Politiker haben recht wenig dagegen getan. Zumal für Viele Rumäne = Orthodox kirchengläubig bedeutet.

Am 21. Dezember wird der neue Staatspräsident Klaus Johannis in sein Amt eingeführt werden. Im Rahmen der Feierlichkeiten wird entsprechend dem Protokoll, kurz nachdem der Oberste Verfassungsrichter die verfassungsgemäße Wahl festgestellt und Johannis auf die Verfassung geschworen hat, der orthodoxe Patriarch ein Willkommenswort sprechen. Dem parteiunabhängigen Abgeordneten Remus Cernea geht das gegen den Strich, er erklärt in einem Schreiben an die Parlamentsverwaltung: “Eine solche Sache ist geeignet, den säkularen Charakter des rumänischen Staates schwer zu beschädigen und sie unterwirft auf symbolische Art zwei laizistische Institutionen, das Parlament und den Präsidenten, unter die religiöse Autorität einer Religion”. Zum Teilnahme des Patriarchen an der Investitur des Präsidenten meint er: “Es ist offensichtlich, dass die Einladung des Führers einer Glaubensrichtung und die Erlaubnis, dass er bei dieser Zeremonie ein Grußwort spricht, eine Verletzung der Neutralitätspflicht des Staates und die Schaffung eines Privilegs gegenüber einer Glaubensgemeinschaft bedeutet.

Johannis ist evangelischer Christ. Die Teilnahme des Patriarchen an der Zeremonie muss er wohl oder über schlucken, weil sonst die geifernde Rechtsfront der rumänischen Patrioten das sofort mit einem Propagandakrieg nach dem Motto “wir haben schon immer gesagt, dass ein evangelischer Siebenbürger Sachse kein richtiger Rumäne sein kann” kontern wird.

Der Metropolit Laurențiu Streza hat auf die Forderung von Cernea so reagiert: “Wir fragen uns wie lange und mit wie viel Ausdauer er uns auf die Nerven gehen wird? Aber, wenn er glaubt, dass er mit uns kämpft, mit der Kirche, das wird leicht sein, aber mit dem lieben Gott wird es sehr schwer werden für jemanden, der das versucht”. Dafür setzt Cernea zu Recht noch eins drauf: “Die religiöse Intoleranz hat schon viele Opfer gefordert und stellt eine riesige Quelle des Übels dar.” Und für die Orthodoxe Kirche wünscht er sich: “Ich wünsche mir und hoffe es noch zu erleben, auch für meine rumänischen Mitbürger, dass die Kirche sich einer klaren Sprache bedient und offen ist für einen Dialog mit den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft und dort, wo es eine Vielfalt der Meinungen gibt”.

Das ist etwas, was die vermeintliche rumänische Staatskirche in der Tat noch nicht begriffen hat. Den Politikern in Rumänien ist der Mut zu einer Distanz zu ihr im Sinne der Verfassung sehr zu wünschen.

Siehe auch
Wie die Popen in Rumäniens Politik mitmischen
Rumänen fallen immer mehr vom Glauben ab
Kirchen-Posse um einen verdienten toten Kulturschaffenden in Bukarest
Kirchenfürsten nehmen Beispiel an des Diktators Größenwahn

Informationsquelle
Îi întorc și celălalt obraz Mitropolitului Laurențiu Streza care mă amenință pentru că am ‘îndrăznit’ să afirm că învestitura președintelui Klaus Iohannis trebuie făcută după legea unui stat laic « voxpublica | Platforma de comentarii, bloguri si opinii REALITATEA.NET

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Aus brasilianischer Sicht ist klar: PEGIDA ist eine von Neonazis geführte Bewegung

“Rede Brasil Atual” ist eine Webseite, die von einer gewerkschaftsnahen Stiftung in São Paulo, die auch eine Radiostation mit dem Namen "Radio Brasil Atual" unterhält, geführt wird. Auf ihr sind mehrere Blogs gelistet unter anderem auch der Blog von Flávio Aguilar  “Blogue do Velho Mundo”, dem Blog aus der “alten Welt”, womit Europa gemeint ist. Aguilar hat sich in seinem neuesten Beitrag mit dem Jahresende 2014 beschäftigt und er stellt fest, dass dieses Jahr in den letzten Tagen durch die Intoleranz gekennzeichnet war. Neben den Terroranschlägen von Sydney und dem Massaker von Peschawar rückte die Protestbewegung PEGIDA in Deutschland in den Mittelpunkt seines Interesses. Dazu schreibt er:

“Hier in Deutschland veranstaltet die Bewegung PEGIDA jeweils montags Demonstrationen gegen Unterkünfte für ausländische Flüchtlinge. Die Anführer der Gruppe – deren Abkürzung ausgeschrieben “Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes” lautet - “Patriotas europeus contra a islamização do Ocidente” – sind ganz klar Neonazis.
In ihnen vereinigt sich das Schlechteste, was es in Deutschland gibt: Vorurteile gegen Ausländer, Homophobie, Verwandlung des “Ausländers” und des Islam in Prügelknaben der permanenten Wirtschaftskrise. Aber: Die Heuchelei manifestiert sich in der Idee des “europäischen Patriotismus”. Es ist hässlich “deutscher Patriotismus” zu sagen, das ist ein Erbe des Nationalsozialismus. Deshalb benutzt man die kontinentale Version des “Patriotismus”.
Die Sorge der hiesigen Analysten und Politiker ist, dass hier zum ersten mal eine neonazistische Bewegung (behauptend, dass sie die jüdisch(!)-christliche Tradition Europas gegen die gewalttätige Ideologie des Islam beschützen wolle) tausende von Personen anzieht, die nicht Neonazis sind. Bei der letzten Demonstration in Dresden waren es 15.000 Personen. Man hört Behauptungen wie die, dass die Ausländer mehr bekämen wie die Deutschen selbst. Es gleicht dem, was man in den 30er Jahren von den Juden sagte: Sie seien alle reich, was eine Lüge war, und dass die Deutschen in ihrer Mehrheit arm waren, was wahr war. Nur dass jetzt die Deutschen nicht arm sind, wenn man einmal davon absieht,  dass die Situation etwas schlechter ist wie in den beschönigenden Kommentaren der Regierung und dem überwiegenden Teil der Medien dargestellt. Diesmal sind nicht die Juden das Ziel, sondern die Flüchtlinge aus der dritten Welt und die Islamisten.”

Informationsquelle
Ano de 2014 chega ao fim marcado pela intolerância

Dienstag, 16. Dezember 2014

Die englische Frage und die Probleme sie zu beantworten

Eigentlich sollte, wenn es nach althergebrachten Grundsätzen des britischen Parlaments gegangen wäre, die englische Frage nie gestellt werden. Jetzt hat sie nicht zuletzt durch das schottische Unabhängigkeitsreferendum und die damit verbundenen Versprechen an die Schotten zu noch mehr eigenen Kompetenzen, wenn sie im Vereinigten Königreich bleiben würden, einen neuen Schub erhalten. Bei der englischen Frage geht es um die Tatsache, dass schottische Abgeordnete in Westminster über englische Angelegenheiten abstimmen dürfen, aber umgekehrt englische Abgeordnete nicht in schottischen Angelegenheiten, die dem schottischen Parlament vorbehalten sind, mitreden dürfen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen und so wachsen die Spannungen zwischen den britischen Völkern. Es muss etwas getan werden, wenn in Zukunft die gegenseitige Abneigung zwischen Engländern, Walisern, Nordiren und Schotten nicht noch mehr zunehmen soll.

Dieser Tage hat nun William Hague, Parlamentspräsident (Leader of Commons) und Fraktionsführer der Tories einen Plan für die Lösung der Forderung “Englische Stimmen für englische Gesetze” vorgelegt. Der Vorschlag hat die nette Abkürzung EVEL (English votes for English Laws) erhalten. Danach soll es vier Optionen geben:
  • Schottische und nordirische Parlamentsmitgliedern (MP) werden von allen Gesetzesvorhaben für England und Wales ausgeschlossen und das Abstimmungsrecht gibt es hier nur für englische Abgeordnete.
  • Nur englische MPs oder englische und walisische MPs dürfen an den Beratungen von Gesetzesvorhaben in den Ausschüssen und bei der Berichterstattung teilnehmen. Über das endgültige Gesetz stimmen alle Abgeordneten ab.
  • Allein Englische MPs oder englische und walisische MPs beraten entsprechende Gesetze in den Ausschüssen und sie erhalten ein Veto in einer getrennten Abstimmung vor der dritten Lesung.
  • Ein getrennter Vorschlag der LibDems, der liberalen Partei, lautet, dass ein großer Ausschuss der englischen MPs gebildet wird, der das Recht bekommt, ein Veto gegen Gesetzesvorhaben, die nur England betreffen, einzulegen.

Klingt für unsere Ohren reichlich komisch-kompliziert. Warum nicht gleich ein englisches Parlament, das sich nur um England kümmert? Dieses Ausschließen von Abgeordneten bei bestimmten Gesetzesvorhaben stiftet doch nur Ärger zumal erst einmal entschieden werden muss, was eigentlich ein englisches Gesetz ist. Dem Vereinigten Königreich steht seine glorreiche Geschichte im Weg. Unvorstellbar, dass das Land sich endlich eine Verfassung geben sollte, wo doch das Jahrhunderte auch ohne gelaufen ist. Bei der Schaffung einer Verfassung kämen vermutlich zu viele alte Zöpfe auf den Tisch, die abgeschnitten werden müssten. Ein Grauen für konservative Engländer, dem dominierenden Volk auf der britischen Insel. Und so wird man vermutlich lieber hinnehmen, dass die schottischen Abgeordneten weiterhin in englischen Angelegenheiten mitreden werden. Die Labour-Party hat bereits klar gemacht, dass sie von EVEL nichts hält.

Informationsquelle:
William Hague's plans could be highly contentious, but it's time to address the English question
'English votes for English laws' plans unveiled

Labour hält gar nichts von den Vorschlägen und die Tories drohen, dass sie es notfalls auch allein machen. Die Rechtsaußen-Partei UKIP rührt genüsslich die englische Suppe an und treibt die Konservativen damit vor sich her. Es wird noch spannend werden, wie dieser Konflikt gelöst werden wird.

Montag, 15. Dezember 2014

Ein Kommunist wird in Brasilien Gouverneur

Maranhão ist einer der ärmsten brasilianischen Bundesstaaten. Gelegen im hohen Nordosten Brasiliens machte er vor allem durch Justiz- und Gefängnisskandale von sich reden. Der Bundesstaat war bisher fest im Griff der reichen Familien Sarney und Lobão, die in dem Bundesstaat eine Medienmonopol besitzen. Ihr Kandidat aus der Lobão-Familie, Lobão Filho, landete abgeschlagen auf dem 2. Platz, während Flávio Dino von der PCdoB (Partido Comunista do Brasil, Kommunistische Partei Brasiliens) bereits im ersten Wahlgang mit über 63% der Stimmen zum Gouverneur gewählt wurde. Am 1. Januar wird er dieses Amt übernehmen.

Damit gewinnt zum ersten Mal ein Kandidat, der nicht die offizielle Unterstützung seines Vorgängers aus dem Löwenpalast, dem Regierungssitz des Gouverneurs von Maranhão in der Hauptstadt São Luís (Palácio dos Leões), hatte. Nur einmal, 2006, wurde die Macht der Sarney’s und Lobão in Frage gestellt als Jackson Lago von der PDT die Wahlen gewann, aber es der lokalen Mafia gelang über den obersten Wahlgerichtshof (TSE) eine Annullierung der Wahl und Einsetzung der Sarney-Tochter Roseana Sarney zu erreichen.

Flávio Dino hatte die stillschweigende Unterstützung der brasilianischen Staatspräsidenten Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei (PT) bei seiner Kandidatur. Dino begann 1980 politisch aktiv zu werden. Er war Rechtsanwalt der Gewerkschaft der Bankangestellten im Nachbarstaat Piaui. 1994 wurde er Bundesrichter, ein Amt, das er 12 Jahre inne hatte. 2006 schloss er sich der PCdoB, der kommunistischen Partei Brasiliens an und wurde für sie in das brasilianische Parlament gewählt.

Die Webseite “BrasilAtual” hat ihn gefragt, wie es sich denn anfühle als Kommunist, der von einer antikommunistischen Minderheit aufs heftigste und mit großem Lärm bekämpft werde, in ein hohes politisches Amt zu kommen. Seine Antwort lautete:
Das haben wir schon sehr deutlich während dieses Wahlkampfes erlebt, weil wir es mit 2 Urgesteinen der brasilianischen Rechten zu tun hatten, auf der einen Seite mit dem Senator José Sarney und auf der anderen Seite dem Minister Edison Lobão, die beide ihre Wurzeln in der Militärdiktatur haben. In dem Moment, in dem sie sich in ihrer Macht bedroht sahen, verzichteten sich auf den demokratischen Lack und machten gegen uns eine Kampagne, die in den schlimmsten Momenten an das Kommando zur Jagd auf die Kommunisten erinnerte. Es ist sehr herausfordernd seine Identität gegen die Mächtigen beizubehalten, während man im gleichen Moment versucht, politische Allianzen für ein Programm, das die Unterstützung der Mehrheit der Gesellschaft haben soll zu bekommen, aber ohne sein eigenes Profil oder seine Identität zu verstecken. Wir haben eine breite Allianz hinbekommen, vor allem im Hinblick darauf, dass der Sinn dieser Allianz eine Modernisierung der Politik und eine Veränderung der Lebensqualität des Volkes ist, was ich die Souveränität der Armen genannt habe.
Auf die Frage, wie denn ein Staat, der immer von denselben politischen Kräften regiert wurde, so zurückgeblieben im Bereich der menschlichen Entwicklung sein könne, antwortet Dino:
Die tiefe Ungleichheit sorgte dafür, dass einem Staat mit soviel natürlichem, kulturellem und wirtschaftlichen Potential es nicht gelungen ist, dem Volk eine vernünftige Lebensqualität zu bieten. Das ist die Herausforderung Nummer eins: Wie kann man eine Wende garantieren, die nicht nur eine Wende bei den Politikern ist, sondern eine Wende für das Volk, für die Lebensbedingungen. Für unser Parteienbündnis wurden 16 Abgeordnete in unser Landesparlament gewählt gegen 42 der gegnerischen Parteien. Wir werden eine parlamentarische Mehrheit suchen. Der wichtigste Punkt ist, die Hindernisse für öffentliche und private Investitionen, die ein Wachstum einhergehend mit einer sozialen Politik garantieren und zur Sicherung öffentlicher grundlegender Dienstleistungen beitragen sollen, zu beseitigen. Damit wollen wir die Stellung von Maranhão im IDH (Index der menschlichen Entwicklung), wo wir bisher immer unter den letzten drei der brasilianischen Bundesstaaten lagen,  verbessern.

Siehe auch:
Roseana Sarney entmachtet Jackson Lago und geht auf Krankenurlaub
Stadt gegen Land, eine blutige Bilanz in Brasilien
50 Gefangene suchen das Weite
Strafvollzug in Brasilien: Geisteskranker wird im Gefängnis vergessen

Informationsquelle
G1 - Flávio Dino, do PCdoB, é eleito governador do Maranhão - notícias em Eleições 2014 no Maranhão
Flávio Dino, na margem esquerda do rio da vida

Dienstag, 9. Dezember 2014

Was Rumänien mit den Juncker-Milliarden machen will

Die EU-Kommission unter Führung seines Präsidenten, Jean Claude Juncker, hat eine Investitionsoffensive beschlossen und will  dafür ein 315 Milliarden Euro-Paket auflegen, um die derzeitige Investitionsschwäche im Euroraum zu bekämpfen. Nach Junckers Plänen soll allein die Europäische Investitionsbank (EIB) gut 60 Milliarden Euro an Krediten vergeben. Weitere 250 Milliarden sollen von privaten Unternehmen und Anlagegesellschaften kommen. Sie will Juncker damit ködern, dass ihnen die EU gegen eine Gebühr einen Teil des Verlustrisikos abnimmt.

Rumänien will die Gunst der Stunde nutzen und hat der EU-Kommission eine Liste mit über 200 Projekten im Wert von 62,5 Milliarden Euro zukommen lassen. Das größte Projekt übersteigt 7 Milliarden Euro und soll in den Ausbau einer Autobahn gehen. Hier sind sie, die Projekte in Rumänien:

Ausbau der Autobahn IașiBorș mit geplanten Kosten von 7,5 Mrd Euro. Bisher sind von der Autobahn, die von der nordwestlichen ungarischen Grenze quer durch Rumänien nach Iași an der Grenze zur Moldau Republik führen soll, 52 km fertiggestellt und 37 km im Bau. Erstellt ist eine Machbarkeitsstudie für weitere 495 km. Die Autobahn wird die rumänischen Städte Oradea (Großwardein), Zalau, Cluj-Napoca (Klausenburg), Targu Mures (Neumarkt) mit Iași verbinden. Da das Personal der rumänischen Strassenverwaltungsbehörde für die Umsetzung der Planung nicht ausreichen würde, sollen über öffentliche Ausschreibungen Experten angeheuert werden.

An zweiter Stelle steht die Autobahn von der Schwarzmeerstadt Konstanza nach Nadlac an der südwestlichen Grenze zu Ungarn. Dafür sind 6,2 Mrd Euro vorgesehen. Hier sind bereits 286 km fertiggestellt. Für weitere 310 km gibt es eine Machbarkeitsstudie.

Eine Eisenbahnlinie von Viscani (Kreis Suceava) im Nordosten Rumäniens nach Giurgiu zur Grenze nach Bulgarien steht ebenfalls auf der Wunschliste. Dafür werden 2,8 Mrd Euro veranschlagt. Und dann soll auch Bukarest eine weitere U-Bahn-Linie erhalten, die Linie 7 mit einer Länge von 25 km mit 30 Stationen. Sie soll 3,1 Mrd Euro kosten.

Informationsquelle
Romania a transmis sute de proiecte la CE, pentru mecanismul lui Juncker: Cerem bani si pentru o linie de metrou Voluntari-Bragadiru​

Montag, 8. Dezember 2014

Eine kleine Stadt im brasilianischen Hinterland und die Probleme der Umweltzerstörung

Triunfo ist eine kleine Stadt im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco, etwa 400 km westlich von der Hauptstadt Recife gelegen. Der Ort liegt auf 1.000 m Höhe und ist beliebt bei den Küstenbewohnern als Sommerfrische. Die Region gehört zur Halbwüste der Sertão und bildet darin eine grüne Insel. Die Einwohner Triunfos nennen ihr Städtchen auch “grüne Oase der Sertão ”. Fast zu idyllisch und trotzdem hat auch dieses kleinen Paradies seine menschengemachten Probleme. Ein Blogger aus Triunfo beschreibt die Situation nachstehend so:

Wenn einige Landsleute aus Triunfo zusammensitzen und die lokalen Probleme besprechen, die dringend gelöst werden müssten, dann geht es zumeist um den Schutz der Umwelt, eine Sache, die jetzt sehr in Mode gekommen ist. Dabei gelangen sie zumeist zur Ansicht, dass es im Gegensatz zu einigen scheinrepräsentativen Aktionen zum Erhalt der Grünflächen, dringend erforderlich wäre, der Verwüstung, die durch die neu angebauten Kaffee- und Zuckerrohrplantagen verursacht wurden und die fast den ganzen Obstanbau dezimiert haben, Einhalt zu gebieten.

Man erinnere sich daran, dass bis vor kurzem als die Entwaldung in den verschiedenen Landwirtschaftszonen begann, man diese Aktionen für eine normale Tatsache ansah und man sich der bedingungslosen Unterstützung der Regierenden versichern konnte, die nicht wagten, sich in die intensiven Rodungen geschlossener Wälder einzumischen, eine Rodung die zum Ziel hatte Kaffee und Zuckkerrohr anzubauen. Einige wenige warnten vor zukünftigen  Problemen, die dadurch geschaffen würden wie Treibhausgase, Verlust der Biodiversität, Erhöhung der Luftverschmutzung. Sie wurden ausgelacht, ohne dass man über ihre weitblickenden Ideen überhaupt diskutierte.

In der Zwischenzeit, mit dem Ablauf der Zeit, werden die schädlichen Konsequenzen im ganzen Territorium der “Oase der Sertão" in besorgniserregender Form sichtbar. Der unwiderlegbare Beweis liegt in der größten Dürre der letzten 3 Jahre, die den niedrigsten Stand in den Wasserreservoiren der Stadt und des Distrikts brachten. Hinzu kam als Konsequenz dieser Rodungen ein Absinken der Luftfeuchtigkeit und das trockenere Klima führt direkt zu weniger Regenfällen in der Region und brachte in ihrem Gefolge Probleme mit sich, die wir nicht so schnell vergessen werden.

Angesichts dieser grundlegenden Abhängigkeit von den Bäumen für unser Klima, kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass die Verwüstung besser kontrolliert werden und man folgende Idee fördern muss: Die natürliche Vegetation ist zu wertvoll, um sie zu zerstören. Diese Initiative muss von privaten und öffentlichen Instititutionen unterstützt werden und dabei helfen, Bäume in eine wertvolle Quelle des Gewinns und der sozialen Entwicklung zu verwandeln. Gewinn, weil man dann die Möglichkeit hat, wie früher schon Früchte zu ernten und sie zu verkaufen und damit wieder Arbeitsplätze zu schaffen.

Umweltsünden machen sich überall bemerkbar. Brasilien beginnt langsam, aber sicher den sorglosen Umgang mit seiner Umwelt als Problem zu begreifen. Die Bürgerinnen und Bürger sind oft schon wesentlich weiter als die interessengetriebene Landwirtschaftsindustrie und in deren Gefolge die verantwortlichen Politiker.

Informationsquelle
OPINIÃO TRIUNFO: DEVEM MANTER PRESERVADAS NOSSAS ÁRVORES

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Bigotter Innenminister entdeckt plötzlich den laizistischen Staat, wenn es um Flüchtlinge geht

Jorge Fernández Díaz ist spanischer Innenminister. Als solcher auch zuständig für Fragen des Asyls und Behandlung der Flüchtlingswellen an Spaniens südlicher Grenze. Fernández Díaz hat auch den kürzlichen Beschluss der spanischen Regierung zu vertreten, dass die Flüchtlinge, denen es gelingt die Zäune zu den spanischen Exklaven in Afrika, Melilla und Ceuta, zu übersteigen, umgehend wieder nach Marokko abgeschoben werden, ohne zu prüfen, ob sie einen Asylgrund haben. Die spanische Bischofskonferenz – das Handeln des neuen Papstes zeigt Wirkung – hat seine energische Zurückweisung gegenüber diesem Beschluss erklärt und versichert, dass es dafür Alternativen gibt. Sie verlangt einen Dialog, um nach Wegen für einen rechtmäßigen Zugang für diejenigen zu suchen, die sich gezwungen sehen in ihrer Verzweiflung über die Zäune zu springen. Der Regierungsbeschluss verletze die Menschenrechte.

Ein starkes Wort einer Kirche, die bisher nicht durch fortschrittliches Handeln in Menschenrechtsfragen aufgefallen und von der die spanische Regierung ziemlich abhängig ist. Das ist der Grund weshalb Fernández Díaz vermutlich erschrocken und doch zufrieden entdeckt, dass der spanische Staat ein laizistischer Staat ist, in dem Kirche und Staat getrennt sind. “Jede dieser Institutionen hat seine eigene Zuständigkeit”, meint er. Damit ist er fein aus dem Schneider, aber diese Erkenntnis widerspricht eklatant seinem bisherigen Verhalten. Die Webseite von “eldiario.es” hat zusammengestellt, wie eng die Beziehungen und Förderung der katholischen Kirche durch Fernández Díaz bisher war.

Im April gewährte er einer Ausfertigung der Muttergottes, unserer allerheiligsten Mutter Maria von der Liebe (Nuestra Señora María Santísima del Amor) auf Vorschlag der Polizeidirektion Málaga den Ehrenorden der Polizei für besondere Verdienste. Im Verleihungsschreiben hob er die Werte, die sie mit der Polizei verbindet hervor: “Die Hingabe, die Fürsorge, die Solidarität und die Opferbereitschaft”. Bei dieser Marienausgabe handelt es sich um eine Statue, die in Málaga steht. Die infolge der Ehrung ihr zustehende Pension wurde ihr sicherheitshalber aberkannt, weil die Ehrung ehrenhalber erfolgt sei. Solche religiöse Akte haben in einem laizistischen Staat wirklich nichts zu suchen und Spanien machte sich damit bis in die amerikanischen Medien lächerlich.

Im Oktober 2012 machte Fernández Díaz noch zu Benedikt XVI Zeiten einen Besuch im Vatikan und assistierte der Heiligsprechung einer spanischen Nonne. Dabei gebärdete er sich als glühender Katholik und bat den Papst, für Spanien in diesen schweren Zeiten zu beten. Wenn schon Flüchtlinge im Land sind, dann sollen sie auch katholisch indoktriniert werden. In diesem Sinne unterschrieb er im Juni ein Abkommen mit der spanischen Bischofskonferenz, mit dem die “religiöse Unterstützung” für Ausländer in den Internierungslager garantiert wurde. Der Staat hat nach dieser Vereinbarung die Kosten für die religiöse Betreuung der Flüchtlinge zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass diese an Gottesdiensten teilnehmen können. Gemäß der Vereinbarung werden in den Lagern am Sonntag und an christlichen Feiertagen Messen gelesen. Nichtkatholiken dürfen aber daran nicht teilnehmen. Es ging hierbei ausdrücklich nur um religiöse Angelegenheiten, Erleichterungen für das Leben in den Internierungslagern waren in der Vereinbarung nicht vorgesehen.

Im Juni 2013 erklärte Fernández Díaz in einem Interview, dass er von der Anwesenheit Gottes im Abgeordnetenhaus überzeugt sei. “Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott überall ist, auch im Kongress und er ist nicht zufällig dort. Alles, was passiert hat irgendeinen Sinn, aber ich bin kein Fundamentalist und auch nichts ähnliches”, gab er zum Besten. Er reitet aber trotzdem in dem Interview auf seinem Glauben und religiösen Überzeugung herum.

Wenn es ernst wird mit der christlichen Lehre von der Nächstenliebe, dann plötzlich entdeckt man, dass das Aufgabe von Priestern und Bischöfen ist. Das schöne Geschwätz über die Bedeutung Gottes und der Kirche stellt sich als hohl heraus. Christliche Nächstenliebe kann eben sehr anstrengend sein.

Siehe auch
Der lange Arm der katholischen Kirche und die spanische Bildungspolitik
Unbefleckte Empfängnis wird zur ewigen Bürgermeisterin ernannt

Informationsquelle
"Dios está en el Congreso" y otras frases 'aconfesionales' de Fernández Díaz

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Paris will Elsass, Lothringen und Champagne in ein Boot zwingen und wie soll das Ding dann heißen?

Frankreich will starke Regionen und hält sich mit mickrigen historischen Regionen nicht auf. So wurde nun das Elsass trotz heftiger Proteste zusammen mit Lothringen und der Champagne zu einer in der Augen der Pariser Bürokratie nur so überlebensfähigen Großregion zusammengefasst. Es gibt noch Widersprüche zwischen dem, was das Abgeordnetenhaus und dem, was der Senat beschlossen hat, aber als Zückerchen hat man den Elsässern in Aussicht gestellt, dass Straßburg Hauptstadt der neuen Region wird. Ganz darauf verlassen kann man sich darauf eigentlich nicht, denn die Bürgermeister von Nancy und Metz haben auf jeden Fall bereits ihren Protest eingelegt, dass das kleine Elsass hier den Vorrang bekommen solle.

Alsace-Lorraine-Champagne-Ardenne heißt nun die neue Region, aber dieser lange Name ist nun doch etwas zu umständlich und lässt keine Heimatgefühle aufkommen. Die Zeitung “L’Alsace” hat deshalb seine Leser aufgerufen, Namensvorschläge zu machen, warnt aber davor den Begriff “ACHLOR” vorzuschlagen, da es noch einige des elsässischen Dialekts mächtige Mitbürger gäbe, für die die Region dann “Arschloch” heißen würde. Es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit, soll die neue Region Alca, Alsace- Lorraine –Champagne-Ardenne, Grand Est, Est France, Allocha… genannt werden? Die Leserreaktionen sind zahlreich und oft mit Wut auf diese Zwangsheirat. So fasst es jemand zusammen: “WIR SIN ELSASSER UN BLIEBEN'S !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!”

Auch die Zeitung “Estrepublicain” aus Lothringen ruft seine Leser zur Namensgebung auf. Vage werden auch hier Bezeichnungen wie ALCA, Grand Est, aber auch “Quatre frontières” (Viergrenzland) vorgeschlagen. Ein Leser, der wohl auch Deutschkenntnisse hat, votiert für das ominöse “ARCHLOR” mit der Begründung: “Dieser Zusammenschluss respektiert keine unserer drei schönen Regionen und da das Ganze von der Zentralregierung verfügt worden ist, kommt mir nur dieses Wort in den Sinn”.

Die Zeitung “Le Figaro” schreibt, dass die Zwangsheirat zwischen Elsass-Lothringen-Champagne die heftigsten Reaktionen bei der Schaffung neuer Regionen hervorgerufen hat. Und besonders empört sind die Elsässer. Ob die “Wurst”, Hauptstadt der Region für Straßburg, die Elsässer besänftigt?

Siehe auch
Aus lothringischer Sicht: Elsass, nein danke, nicht mit euch!

Informationsquelle
A la Une | Comment nommer votre future région ?
Réforme territoriale. Ils ne veulent pas de Strasbourg comme capitale

Dienstag, 2. Dezember 2014

Wie der kleine Nikolaus spanischen Politikern das Denkvermögen verschleimte

Es war einmal in Spanien ein Jugendlicher mit Namen Francisco Nicolás Gómez Iglesias, mit Kurznamen wurde er “Nicolás” gerufen und er erwarb sich in seiner jungen Karriere den Übernamen “El pequeño Nicolás”, "der kleine Nikolaus". Seine Karriere startete er gezielt mit 15 Jahren, er wusste wie man sich bei Politikern einschleimt und er wusste auch, dass, wenn man Karriere machen wollte, man gleich bei den Mächtigen des Staates anfangen sollte.

Politiker freut es natürlich, wenn Jugendliche dienstbar und eifrig sich anbieten, Notizen zu schreiben, ihnen Zigaretten kaufen zu gehen oder zu Politveranstaltungen Jubelchöre zu organisieren. Nicolás fing bereits mit 15 Jahren an, sich in solchen Dienstleistungen zu üben. Ziel seiner Bemühungen für einen schnellen Aufstieg war die konservative Regierungspartei Partido Popular (PP) und die ihr nahestehende Stiftung FAES. Nicolás merkte bald, dass man in der Politik mit ethisch einwandfreiem Handeln nicht weit kam. Da liefen Bauunternehmer rum, die ganz offensichtlich den Regierenden Geld in die Tasche steckten. Warum soll ich da nichts daran verdienen, dachte er und schleimte sich unter Bezugnahme auf seine “Beziehungen” auch beim Geldadel ein. Er verkaufte oder vermittelte plötzlich Baugenehmigungen, Baubewilligungen und Auftragserteilungen. Bald war er auch Besitzer eines luxuriösen Hauses in Madrid, das ihm ein Bauunternehmer mit 5.000 Euro pro Monat finanzierte. Er betrog Autovermieter, die ihm Autos überließen und denen er dafür Dienstleistungen versprach, die er nie erbrachte. Er kassierte wenigstens 65.000 Euros von zwei Unternehmern, denen er Zugangsvermittlung zu Präsidenten von multinationalen Konzernen versprach. Nicolás ist jetzt 20 Jahre alt und seine Karriere nahm ein abruptes Ende, nachdem die Polizei ihm auf die Schliche gekommen war.

Dieser strebsame Jugendliche ist auf vielen Bildern mit Politikern zu sehen. Er scheute sich nicht mit Köpenickiaden sich selbst zu Empfängen und Konferenzen einzuladen und er hatte durchaus Erfolg. Die Zeitung El Pais schreibt: “Er war immer sehr gut angezogen, sah sehr kindlich aus und bewegte sich in PP-Kreisen wie ein Fisch im Wasser. Es war leicht zu sehen, dass er an Treffen von Unternehmern und Politikern teilnahm, weil er auf vielen Fotos mit abgebildet wurde. Die Bilder benutzte er später, um damit anderen begreiflich zu machen, welch großen Einfluss er habe. Aber er war schließlich nur ein Kind und der große Betrug seines Lebens hat ihn schließlich überfordert. Die Polizei nahm ihn Mitte Oktober fest, weil er sich als Berater der Vize-Premierministerin Soraya Sáenz de Santamaria und als Agent des spanischen Geheimdienstes CNI ausgegeben hatte, um 25.000 Euro Vermittlungsgebühr für seine Tätigkeit bei der Zuteilung eines Grundstücks in Toledo verlangen zu können.”

Der schlaue Nicolas hatte noch viel mehr auf Lager: Er fälschte Zugangsbescheinigungen für das Königshaus, beschaffte sich eine Polizeisirene, um schneller durch den Verkehr zu kommen, benutzte Luxusautos mit Chauffeur und verwendete ein Autokennzeichen der Guardia Civil und ein weiteres der Polizei. Er behauptete, dass Polizisten ihm diese geschenkt hätten. Er hatte auch die Unverfrorenheit, den damaligen König Juan Carlos anzurufen. Juan Carlos bestätigte das Gespräch, konnte sich aber an den Inhalt nicht mehr erinnern. Auch bei der Krönung seines Sohne Felipe VI. war Nicolás wieder in vorderster Front dabei und keiner wusste wie er das geschafft hatte.

Was kann man daraus schließen? Die Internetseite der Zeitung “El Confidencial” versuchte am 24. November eine Schlussfolgerung zu ziehen:

“Der kleine Nicolas hat das Elend des politischen Systems und selbst der spanischen Gesellschaft ans Tageslicht gebracht, indem er begierig den Schmeichler für große Leute spielte, um sie einzuwickeln  und dann von einer angemessenen Höhe aus vom Sockel zu stoßen. Und da der Junge jetzt nicht einmal ins Gefängnis musste, sondern in einen von seinen Anwälten durchgesetzten Hausarrest, hat er sich entschieden dieses Wochenende bei einigen Medien vorbeizuschauen, um erneut Geld für sein Bankkonto zu sammeln und um die bisherige Farce aufrecht zu halten. Die Betrügereien des kleinen Nicolás sind eigentlich viel einfacher und natürlicher als es scheint. Persönliche Beziehungen sind entscheidend in der spanischen Politik und es ist oft der einzige Grund, um etwas zu werden. Ana Botella wurde nicht Oberbürgermeisterin von Madrid, weil sie einen Master in Harvard gemacht hatte. Und Andrea Fabra ist nicht Abgeordnete der PP von Castellón wegen eines mystischen Traums. In anderen Fällen braucht man nicht einmal einen Verwandten. Es reicht eine gute Freundschaft. Zapatero verwandelte Führer der PSOE in Minister, weil sie ihm symphatisch waren. Und Rajoy machte dasselbe als er in die Moncloa gewählt wurde. Dasselbe Phänomen sehen wir in den Unternehmen, den Gewerkschaften und auch auf der Direktorenebene der Fußballclubs. Wenigstens in diesem Sinne gibt es wenig Unterschiede zwischen unserem Modell und der Mafia. Der kleine Nicolás entdeckte mit 15 Jahren, dass, wenn man es in der Politik es zu etwas bringen will, man sich nur an die richtigen Personen hängen und sie fleißig hofieren muss. Und er hat sich sofort an die Arbeit gemacht. Wenn er nicht zuviele rote Linien überschritten hätte, wäre er vermutlich als Kommissar der Europäischen Union geendet.”

Informationsquelle
La gran estafa del pequeño Nicolás
La última gran farsa del pequeño Nicolás - Noticias de España