Sonntag, 30. November 2014

So funktioniert die Graswurzel-EU: Service für die Portugiesen und Geld für die Rumänen

Das Reporterteam von “Romania dela0” (Plattform junger rumänischer Journalisten) war neugierig und wollte gerne wissen, warum und auf welche Art ihre Landsleute in den fernen Westen der EU gehen, um ihr tägliches Brot zu verdienen. Sie begleiteten 2 Rumänen bei ihrem Kampf ums tägliche Überleben in der Grenzregion zwischen Spanien und Portugal. Lassen wir sie erzählen:

“Um 9 Uhr morgens bei den Hügeln von Castro Marim, im Süden Portugals. Ein zerbeulter Opel bringt uns auf der Nebenstraße Richtung Altura, einem kleinen Städtchen, das wir als Treffpunkt ausgemacht hatten. Gheorghe sitzt am Steuer. Dorin hat keinen Führerschein, aber genießt den Ruf das “Hirn” der geplanten Operationen zu sein. Für 300 Euro hat der Unglückliche diesen Opel einem anderen Rumänen, der hier arbeitete, abgekauft. Gut, er fährt noch, und: Er hat einen großen Kofferraum, in den mehr als 400 kg Orangen rein gehen. Dorin, 47 Jahre alt aus Braila stammend, fährt schon fast 8 Jahre nach Portugal und Gigi, 43 Jahre, kommt aus einem Dorf bei Bukarest. Gigi ist im Mai an die Algarve gekommen als die Touristensaison begann.

Die Gemeinde Castro Marim liegt an der Grenze zu Spanien. Ungefähr 3.500 km vom rumänsichen zu Hause entfernt. Der Grenzfluss Guadiana wird über eine Brücke bei Ayamonte überquert. Dort mache ich meine ersten Notizen. In Ayamonte, gibt es eine Orangenplantaget, in der man das Kilogramm Orangen zu 15 Cent kaufen kann. In den Kofferraum des Opels, auf dessen Rückbank ich mich in den nächsten Tagen vergnügen werde, gehen 400 Kilo der Orangen rein. Mit denen fahren wir nach Portugal nach Castro Marim und den umgebenden Dörfer, wo die Bars uns die Orangen für 50 Cent abkaufen. Man kauft legal in Spanien, damit es bei Polizeikontrollen keinen Ärger gibt. In Portugal wird schwarz verkauft und die Differenz von 35 Cent das Kilo haben sich unsere beiden Erntehelfer verdient. “An  guten Tagen können wir so mehr als 100 Euro pro Tag verdienen”, erklärt Dorin. Und so fahren sie hin- und her, solange die britischen und deutschen Touristen die Algarve bevölkern. Im Herbst fährt Dorin nach Hause, nach Braila. zusammen mit dem verdienten Geld und einem Gebrauchtwagen für seinen Sohn, der bald volljährig wird. Gigi ist wortkarger, er fährt mehr und packt die Ware in Plastiksäcke.

Dorin hat zuvor im portugiesischen Baugewerbe gearbeitet. Zu einer Zeit, in der die Wirtschaftskrise noch nicht zugeschlagen hatte. An der Algarve gab es einen richtigen Bauboom und die Arbeiter stammten überwiegend aus Osteuropa. Nach 8 Jahre Arbeit mit einem Vertrag war Dorin von einem auf den andern Tag arbeitslos. Für 1 1/2 Jahre bekam er ein Arbeitslosengeld von 400 Euro monatlich. So kam er schließlich auf die Idee mit dem Orangenhandel. Die Bars an der Algarve brauchten diese, um frischen Orangensaft für die Touristen zu pressen. Das Geschäft befriedigt alle: Dorin und Gigi verdienen in 3-4 Monaten soviel wie sie im ganzen Jahr in Rumänien verdienen würden und das Kleingewerbe in Portugal kann die Touristen mit preisgünstigem Orangensaft versorgen.

Der Instinkt für Profit und die Notwendigkeit des Überlebens – beides sind europäische Realitäten, wenn auch verschieden verteilt auf den beiden Enden des Kontinents – ergänzen sich gegenseitig viel effizienter als jede Rede in Brüssel über die Freizügigkeit, den gemeinsamen Markt und die Mobilität der Arbeitskräfte. Irgendwie war es komisch, die letzte Bar, die wir an diesem Samstag in Monte Gordo belieferten, gehörte einem Deutschen, der zum Geschäfte machen in den Süden Portugals gekommen ist.”

Informationsquelle
De ce-au plecat, de ce-ar mai fi ramas | Romania de la ZerO

Donnerstag, 27. November 2014

So schlimm steht es um die Schweiz

Die Sozialausgaben explodieren, der Verkehr kollabiert, die Schweiz wird zubetoniert. Spätestens in 20 Jahren, wenn alles verbaut ist, wird die Schweiz dann auf den Standard von Rumänien oder Bulgarien zurückversetzt. Für die Alten hat man weder Zeit noch Geld, der Mittelstand verschwindet und die Reichen ziehen weg. Seit die Schweiz die Personenfreizügigkeit hat, ist das BIP pro Kopf in dieser Zeit kaum gewachsen, die Leute haben immer weniger Geld im Portemonnaie. Dafür mehr Lohndumping, Schwarzarbeit, Kriminalität, überteuerte Miet- und Bodenpreise, Wohnungsnot,  Dichtestress, Einwanderung in den Sozialstaat, höhere Staatsquote, Verkehrschaos, Umweltprobleme und Betonlandschaften.

Die Direkte Demokratie zählt immer weniger in der Schweiz. Die Classe Politique stellt sich über den Souverän. Es ist die traurige und bittere Realität, dass in der Schweiz Antidemokraten antidemokratisch Demokraten unterjochen, während Demokraten demokratisch Antidemokraten bekämpfen. Die unkontrollierte Masseneinwanderung gehört nun einmal unverzüglich beendet. Die Masseneinwanderung ist Gift für den Kulturland- und Umweltschutz. Nicht zu letzt für den sozialen Frieden in diesem Land.

Die Schweiz leistet sich einen immer aufgeblähteren Sozialstaat, der sich für nahezu alle Lebensaufgaben der Bürger zuständig fühlt. Auf Kosten der Eigenverantwortung werden immer mehr Aspekte der persönlichen Lebensführung mittels Zwang an den anonymen Staat abdelegiert. Der Staat schreibt uns heute vor, wie wir für das Alter zu sparen haben, wie wir uns gegen Krankheiten versichern sollen, wie wir unsere Kinder ausbilden müssen, welche Kinderkrippen legitim sind und welche nicht, wie viel wir mindestens fürs Radio und Fernsehen bezahlen müssen.

Der in der Bundesverfassung garantierte Schutz des Eigentums verkommt immer mehr zur Lachnummer. Das Privateigentum (Kernelement einer freien Gesellschaft) weicht immer stärker dem Gemeineigentum (Kernelement des Sozialismus). Lange kann das nicht mehr gutgehen. Machen wir so weiter, wird auch der Semi-Sozialismus in der Schweiz an seinem kollektivistischen Gift zugrunde gehen und ein gesellschaftliches Desaster hinterlassen, weil immer mehr Leute von diesem dahinserbelnden Staat abhängig geworden sind.

Die afrikanischen Asylanten reisen wohl nicht ohne Grund so rasch als möglich von Italien in unser schönes Alpenland Schweiz weiter, besonders solche mit vielen Kindern. Das kürzlich ergangene Urteil des Gerichtes in Strassburg (Fremde Richter!) lässt grüssen. Abgesehen von den Asylbewerbern reisen auch viele Stellensuchende aus der EU ein, lassen sich hier nieder und alle haben ein Auto und brauchen eine Wohnung. Keiner von denen will auf einer abgelegenen Alp wohnen und dementsprechend geht es im Schweizerischen Mittelland zu und her, man braucht nur die täglichen Verkehrsmeldungen von der A1 im Radio zu hören. Fährt man zwischen Zürich und Bern auf der Autobahn, hat man mittlerweile das Gefühl, sich in einer durchgehenden Gewerbezone zu befinden.

Liebe Leser, sicher werden sie auch den Eindruck nicht los, dass die Schweiz für viele ihrer Bewohner/innen kurz vor dem Untergang steht. Das Vorstehende ist ein kleiner Auszug von dem, was man in den Schweizer Medien und den Diskussionsforen lesen kann. Die aggressive Wehleidigkeit ist kaum zu überbieten. Schuld sind natürlich, wenn man aus der Alpenfestung mit dem Fernglas in die Ferne guckt nur die bösen Restbewohner auf dieser Weltkugel.
 
Am Sonntag wird die Schweiz wieder einmal über das Dauergejammere vom bösen Ausländer in einer in Sorge über die natürlichen Ressourcen der Erde verschleierten Form abstimmen. Ecopop, heißt jetzt die neueste Abstimmvorlage ans Volk. Die schweizerische Regierung beschreibt die Initiative folgendermaßen:
Der schweizerische Umweltverein ECOPOP setzt sich gemäss eigenen Aussagen mit den Themen Weltbevölkerung, Natur, Umwelt und Wirtschaftswachstum auseinander und betrachtet diese offensichtlich in einem grösseren Zusammenhang. Kritisch sieht die Ecopop insbesondere die zunehmende Überbevölkerung vor dem Hintergrund, dass die natürlichen Ressourcen der Erde begrenzt sind.
Der Verein Ecopop erklärt diesen Bevölkerungsdruck zu einer zentralen Ursache für die aktuellen weltweiten Umweltprobleme. Auch der exzessive Konsum der einzelnen Menschen wird als Problem angesehen. Erklärtes Ziel der Organisation ist es, dabei mitzuhelfen, dass die natürlichen Lebensgrundlagen für die lebende und die kommenden Generationen erhalten bleiben.
Was hier so ökologisch verbrämt angeboten wird, ist kein Aufruf zur Selbstbeschränkung. Er zielt nur gegen Menschen, die Nicht-Schweizer sind. Die Schweiz soll die Zuwanderung beschränken, also die Hungerleider von ihrem Paradies fernhalten,  und ihre Entwicklungshilfe darauf abstellen, dass die Afrikaner oder Inder und andere  weniger werden. Es geht nicht darum, dass man ihnen zu einem besseren Leben verhilft. Das würde zu viel Geld kosten, was der an ihrem Geld klebenden Schweiz weh tun würde. Vielleicht sollten sich die Befürworter den frömmelnden Schweizerpsalm, ihre Nationalhymne, zu Gemüte führen:
Trittst im Morgenrot daher,
Seh' ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpen Firn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet,
Eure fromme Seele ahnt,
Eure fromme Seele ahnt,
Gott im hehren Vaterland!
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland!
 
Aber der Hocherhabene hat ja die Schweiz auch verlassen, seit der Papst ein Herz für Flüchtlinge hat.
 
Und das meint der WWF Schweiz dazu: Wenn alle so leben würden wie wir hier in der Schweiz, bräuchten wir auf die Dauer 3 Planeten. Eine Person in der Schweiz verbraucht durchschnittlich 8-mal so viel Energie, Lebensmittel und andere Ressourcen wie Menschen in Bangladesch und fast doppelt so viel wie der Weltdurchschnitt. Für den WWF steht die Schweiz ganz besonders in der Verantwortung, denn sie hätte die Mittel und das Know-how, um mit massiv weniger Ressourcen und Umweltbelastung auszukommen und damit gleichzeitig die Lebensqualität weiter zu steigern. Die drei Schlüssel dazu sind energieeffiziente Gebäude, sparsame Fahrzeuge und öffentlicher Verkehr sowie eine Ernährung mit moderatem Konsum von Fleisch und Milchprodukten.
 
Aber Schweizer wollen ja auf nichts verzichten. Die Stimmbürger/innen haben am Sonntag die Möglichkeit zu beweisen, dass es diesen hässlichen Schweizer nicht gibt.

Mittwoch, 26. November 2014

Wo Frauen pfeifend den Gewalttätern Beine machen

Die häusliche Gewalt und insbesondere die Gewalt gegen Frauen ist in Brasilien, wenn es nach der Statistik geht, nicht im Schwinden, sondern im Gegenteil sie ist gewachsen. Zwischen 2003 und 2014 hat die Zahl der Anrufe bei den für die Hilfe für Opfern von Gewalt spezialisierten Organisationen um 306% zugenommen. Allein in diesem Jahr verzeichnete die Notrufnummer 180 einen Zuwachs von 8.000 Anrufen. Die Steigerung kann aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Gewalt gegen Frauen durch das Gesetz “Maria da Penha” als Verbrechen eingestuft wurde und inzwischen 98% der Bevölkerung dieses Gesetz und dessen Auswirkungen kennen. Eine Basis, auf der sich Betroffene wehren können.

Die Frauen in Recife / Pernambuco haben ein anderes Mittel um sich zu wehren. Im Stadtteil Córrego do Euclides hat eine Gruppe, die sich “Frauengruppe feminine Bürgerschaft (Cidadania Feminina)” nennt, das Pfeifen als Möglichkeit der Verteidigung gegen Gewalt entdeckt. Sie hat an alle Frauen des Viertels Pfeifen verteilt und wenn eine von ihnen sich einem Gewaltangriff ausgesetzt sieht oder Gewalt an anderen beobachten, dann wird gepfiffen und alle Frauen des Viertels fangen ebenfalls an zu pfeifen. Abgesehen davon, dass sie damit Alarm geben, verunsichern sie den Angreifer, eilen dem Opfer zu Hilfe und gewinnen so wertvolle Zeit, um die Polizei zu alarmieren. “Wenn ich das Gefühl habe mich in einer Situation der Gewalt zu befinden, beginne ich Lärm zu machen. Der Lärm gibt den Anstoß, dass andere Frauen auch anfangen Lärm zu machen, damit der Aggressor sofort das Weite sucht”, erklärt die Leiterin der “Cidadania Feminina” Rejane Pereira und macht darauf aufmerksam, dass es das Ziel ihrer Organisation sei, für die ganze Gesellschaft klar zu machen, dass es eine Organisation von Frauen gibt, die in der Lage ist, in Situationen eines gewalttätigen Angriffs zu handeln.

Die Initiative war bereits so erfolgreich, dass sie von der UNO zur Kenntnis genommen und für den Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen empfohlen wurde. Die Gruppe wurde 2001 von Frauen schwarzer Rasse gegründet. Sie haben ihre Aktivitäten inzwischen auf den ganzen brasilianischen Nordosten ausgeweitet und nennen diesen Zusammenschluss der Frauen das “Pfeif-Netzwerk”.

Informationsquelle
'Mídia tem responsabilidade', diz Secretaria de Políticas para Mulheres — Rede Brasil Atual
Dia de Luta pelo Fim da Violência Contra a Mulher

Montag, 24. November 2014

Barcelona will Hauptstadt werden und Madrid fürchtet sich

Nachdem das vom Zentralstaat nicht erlaubte Referendum in Katalonien trotzdem abgehalten wurde und eine überwältigende Zustimmung für die Unabhängigkeit ergab, steckt Spanien in einer Sackgasse, die Gedankenspielen Tür und Tor öffnet. Die Situation ist verfahren, die Zentralregierung in Madrid klammert sich nach außen eisern an die Einheit der spanische Nation und die Katalanen tun alles, damit ihr Votum für die Unabhängigkeit voran kommt. Damit beginnt die Suche nach dem Mittelweg und der kann eigentlich nur heißen ein “föderales Spanien”.

Einen ersten Zucker soll Ministerpräsident Rajoy bereits ausgelegt haben, indem er insgeheim prüfen gelassen haben soll, ob man nicht staatliche Institutionen nach Barcelona verlegen könnte, um der Stadt damit ein Bedeutungsgewinn zu verschaffen und so die Unabhängigkeitsanhänger zu besänftigen. Der Kandidat der katalanischen Sozialisten für den Posten des Oberbürgermeisters von Barcelona, Jaume Collboni, hat diese vorsichtigen Ansätze für eine Neuausrichtung Spaniens weiter gesponnen und verlangt, dass die 2. Kammer des Parlaments, der spanische Senat, nach Barcelona verlegt werden soll. Damit solle Barcelona den Status eine Ko-Hauptstadt bekommen. Generell tritt er für eine Dezentralisierung der staatlichen Institutionen ein, denn Spanien sei ein plurinationaler Staat.

Solche Gedankenspiele sollte man, wenn es nach dem zentralistischen Moloch Madrid geht, noch im Keime erstickt werden. Der Parteifreund von Collboni, der Generalsekretär der Sozialisten in Madrid Tomás Gomez erklärte seine Pläne für absurd. Er ruft zum Dialog auf, ohne zu sagen, wohin der Dialog führen soll. Spanien steht erst am Beginn eines neuen Weges, der noch viele Überraschungen auf Lager haben wird.

Informationsquelle
Collboni pide la cocapitalidad de Barcelona y que el Senado se traslade allí

Sonntag, 23. November 2014

Eine befriedete Favela, in der der Krieg weiter geht

Die Favela Rocinha in Rio de Janeiro ist vor 3 Jahren “pazifiziert” worden. Damals wurde eine Einheit der UPP (Befriedungspolizei) in der Favela stationiert. Entgegen den Erwartungen fiel kein Schuss als Rocinha von der Polizei eingenommen wurde. Die Bewohner glaubten damals, dass jetzt alles besser werde und sie mit Recht auf Investitionen des Staates in das Bildungswesen, Gesundheit und die Verbesserung der Grundbedürfnisse rechnen könnten. Nach 2 Jahren – das berichtet die Webseite “diarioliberdade” habe sich nur wenig geändert. “Wenn man durch die Straßen geht, begegnet man den alten Problemen, mit den die Bewohner zu kämpfen haben”, berichtet diarioliberdade. Für die staatlichen Organe war die Angelegenheit mit der Installation der UPP erledigt, obwohl auch in Rio de Janeiro klar ist, dass die Befriedigung einer Favela ohne begleitende Maßnahmen nicht funktionieren wird.

Wie sieht es heute in Rocinha aus? Das schildert im “Jornal do Brasil” Davison Coutinho, 24 Jahre alt, wohnhaft seit seiner Geburt in der Favela Rocinha:
Die Bewohner von Rocinha sind wieder einmal geängstigt durch die Schiesserei, die am Freitagmorgen in der Favela zu hören war. Die Gemeinde ist Ziel intensiver Schiessereien, die in den letzten Wochen zugenommen haben. Rocinha kann seit vergangener Woche auf 3 Jahre Pazifizierung zurückblicken und trotzdem sind die Kämpfe, denen die Bewohner ausgesetzt sind, ein tägliches Problem.
Die Bewohner sind zunehmend mehr verängstigt durch die Gewalt vor Ort und sie sagen sich, dass es immer schwieriger wird In Rocinha zu bleiben. Es gibt mehrere Häuser, an denen Einschusslöcher zu sehen sind und die Gefahr von einem Querschläger getötet zu werden sind sehr groß. Wenn es wieder einen Kampf gibt, dann werden neben der Gefährdung der Bewohner die Schulen und Kindergärten geschlossen, die Arbeiter können nicht zur Arbeit gehen und die Fehlzeiten werden ihnen vom Lohn abgezogen und oft werden sie entlassen.
Nur Gott kann noch das Leben unserer Bewohner, Arbeiter und Kinder schützen!
Rocinha will Frieden!

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Novo tiroteio e a rotina de medo dos moradores da Rocinha

Freitag, 21. November 2014

Ihre verstorbene Hoheit von Alba und das von ihr geknechtete Volk

Unser Volks-BILD-ungsblatt schreibt in der Rubrik “Unterhaltung” anlässlich des Todes der Herzogin von Alba: Mit 63 Adelstiteln war Maria del Rosario Cayetana Fitz-James Stuart, die 18. Herzogin von Alba, offiziell Rekordhalterin. Zuletzt sorgte sie im Jahr 2011 für Aufsehen, als die zweifache Witwe einen 25 Jahre jüngeren Beamten heiratete. Die Herzogin von Alba galt als eine der reichsten Frauen Spaniens. Ihr Vermögen wird auf bis zu 3,5 Milliarden Euro geschätzt, zu dem mehrere Paläste, Ländereien und wertvolle Kunstwerke gehören. Mit ihrer Vorliebe für extravagante Kleider und weiße Pudellocken war die 88-Jährige seit Jahren ein Liebling der spanischen Boulevardpresse.

Klatsch und Tratsch lenkt von den Hintergründen ab. Cayetana Fitz-James Stuart war Großgrundbesitzerin und besaß besonders viele Ländereien in Andalusien. Die spanischen Adelsclans lebten Jahrhunderte mit ererbten Vermögen auf Kosten vieler Spanier, die um den täglichen Lebensunterhalt kämpfen mussten. Die Franco-Diktatur ließ im vergangenen Jahrhundert diesen Leuten seinen besonderen Schutz angedeihen, so dass das Vermögen der Herzogin im wahrsten Sinne des Wortes auf der Not und dem Leiden der einfachen Menschen beruhte. Besonders schlimm ging es den vielen andalusischen Tagelöhnern, die auf den ausgedehnten Ländereien der Herzogin geheuert und gefeuert wurden, wie man es gerade brauchte. Nicht umsonst gab es in Andalusien die “ruta del hambre” (Straße des Hungers), die man im Volksmund für die touristische “Straße der weißen Dörfer” (ruta de los pueblos blancos) verwandte.

Der andalusische Gewerkschaftsführer Diego Cañamero hat aus Anlass des Todes der Herzogin von Albas einen sehr interessanten Beitrag geschrieben, den ich hiermit übersetzt wiedergebe:
Cayetana Fitz-James, Herzogin von Alba, ist gestorben. Eine Frau, die als Mensch unseren Respekt wie jedes andere menschliche Wesen verdient, aber sie war auch die bekannteste Repräsentantin dieser Klasse von andalusischen Herrensöhnchen (Señoritos), die dafür gesorgt haben, dass unsere Region im Elend und chronischer Unterentwicklung verblieben ist. Eine soziale Elite, die direkt verantwortlich für das massive Drama der massiven und bereits Jahrhunderte andauernden Arbeitslosigkeit im ländlichen Raum ist. Eine Klasse, die es sich bequem gemacht hat und normalerweise in Madrid lebt, die über die Hälfte der kultivierbaren Erde in Andalusien verfügt und europäische Subventionen dafür erhält, die aber ihren Leuten keine Arbeit gibt. Sie ist Schuld an der Auswanderung und Entvölkerung des andalusischen ländlichen Raumes.

Die peinlichste Szene, die wir erlebt haben, war ohne Zweifel die Verleihung des Titels “Lieblingstochter Andalusiens” durch die andalusische PSOE-Regierung. “Lieblingstochter Andalusiens”, das trieb das Ganze auf die Spitze. Cayetana stand für die Fortführung der feudalen Gesellschaft in Andalusien bis in unsere Tage und für die größtmögliche Erniedrigung des Volkes, während unsere Regierung sie und ihre Blutsauger ehrte.

An dem Tag als man ihr diese Ehre verlieh waren wir auf den Plätzen, auf der Straße und haben klargestellt, dass, wenn jemand diese Ehrung verdiente, dass es dann die tausenden von Tagelöhnerinnen und Tagelöhner wären, die während ihres ganzen Lebens unter der heißen Sonne schuften mussten und die die Felder Stück für Stück mit ihrem Schweiß bewässert haben. Während Cayetana und ihr Clan sich der verliehenen und noch zu verleihenden Privilegien erfreuten, musste unser Volk vor den Toren der Herrschaftshäuser um seinen Tageslohn betteln, um nicht Hunger zu leiden zu müssen.

Ruhm und Ehre für die Reichen, für die Adligen mit blauem Blut. Verachtung und Verfolgung für die Armen, die genug von einer solchen Ungerechtigkeit hatten und auf die Straße gingen, um dagegen zu kämpfen. Wir haben Bankfilialen besetzt, um auf die Diebe mit den weißen Handschuhen hinzuweisen, wir haben unproduktives Land besetzt, um darauf aufmerksam zu machen, dass, während die Herzogin von Alba 3 Millionen Euro jährlich kassiert, nur weil sie Ländereien im Umfang von 34.000 Hektar besitzt, die Tagelöhner 213 Euro monatliche Unterstützung aus dem Landwirtschaftsfonds erhalten, eine Beleidigung durch die bequeme vermögende Klasse Andalusiens und derjenigen von außerhalb.

Die Herzogin hat ihr Vermögen gehalten und auf Kosten der Tagelöhner und der Einwanderer ohne Papiere ausgeweitet und das mit Hilfe von Gesetzen, die sie und ihresgleichen belohnen und uns verfolgen. Für uns, für die Tagelöhner und die andalusische Gewerkschaft der Arbeiter bedeutet das Verhaftungen und Unterdrückung: Etwa eine Million Euro an Strafen, die geforderten Gefängnisstrafen summieren sich bereits auf 140 Jahre, gegen 654 Gewerkschafter wird prozessiert und es ist noch kein Ende in Sicht. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bewundert Andalusien seine Ausbeuter, wenigstens tun dies seine Regierungen, seine Gesetze und die Mehrheit der Kommunikationsmedien und der Beweis dafür ist die Trauerkapelle der Herzogin, eingerichtet im nobelsten Raum der Stadt von Sevilla.

Ich hoffe, dass Cayetana die letzte Chefin der Casa de Alba war und hoffe, dass diese Familie, seine Unternehmen und alle großen Vermögen in den Dienst des Volkes gestellt werden und nicht mehr der Verschwendung und dem Vergnügen einiger weniger Privilegierter dienen.

Im 21. Jahrhundert sind Herzoginnen, die Marquise und die Grafen eine Beleidung für die Bürger und noch viel mehr für Menschen, die sich genau am anderen Ende der sozialen Skala befinden wie die Tagelöhner von Andalusien.

Informationsquelle
Esa aristocracia insultante – Publico.es

Donnerstag, 20. November 2014

Der Baobá steht im Mittelpunkt des schwarzen Bewusstseins

Am 22. November feiert Brasilien seine afrikanischen Wurzeln mit dem “Nationaltag des schwarzen Bewusstseins” (Dia Nacional da Consciência Negra). In Recife wird aus diesem Anlass der Touristenbus eine besondere Route abfahren, in dessen Mittelpunkt der Baum “Baobá” steht. Der Baobá ist ein Baum der aus Afrika stammt, er wird auch Baum des Lebens genannt. Er kann einen Umfang von bis zu 30 Meter Durchmesser erreichen. In Recife hat er sowohl vom Klima wie von der Beschaffenheit des Bodens her günstige Wachstumsbedingungen. Man zählt in der ganzen Stadt 13 Bäume dieser Art.

Das schwarze Bewusstsein kann man in Recife auch auf dem Fahrrad strampelnd kennenlernen. Am Sonntag ab 9 Uhr geht es los. Unterwegs werden die Radler von Maracatu- und Sambakapellen unterhalten. Es geht zur Kirche von “Unserer lieben Frau vom Rosenkranz der schwarzen Menschen” (Nossa Senhora do Rosário dos Homens Pretos) von Recife, die von versklavten Afrikanern gebaut worden war. Besucht wird auch der “Patio do Carmo”, wo mit einer Skulptur des Bildhauers Abelardo da Hora “Zumbi von Palmares” geehrt wird. Zumbi von Palmares war ein Führer der brasilianischen aus Afrika stammenden Sklavenbevölkerung. Er kämpfte gegen die Sklaverei und starb im Kampf für die Rechte seines Volkes am 20. November 1695.

Eine weitere Möglichkeit wäre, mit einem Boot auf dem Wasser die Altstadt von Recife zu umrunden, vorbei an Denkmälern, dem Lagerhäusern am Hafen, dem neuen Hafen zur Mündung des Flusses Capibaribe. Sogar eine Wanderung zu Fuß wird angeboten. Sie geht vom Stadtzentrum aus in den Süden der Stadt.

Informationsquelle
Duas modalidades do Olha!Recife homenagearão a cultura afro

Dienstag, 18. November 2014

Pilzparadies Spanien bedroht von Rumänen?

Das könnte man fast denken, wenn man die Schlagzeile der spanischen Zeitung ABC liest: “Rumänische Banden grasen die Berge auf der Suche nach Pilzen ab, um sie danach zu verkaufen”. Hier wird wieder einmal leichtfertig mit Verallgemeinerungen gearbeitet, um zu kaschieren, dass die eigenen Leute eigentlich die Schuldigen sind. Denn kurz darauf wird geschildert, dass die Rumänen von spanischen Vermittlern engagiert und in die Berge geschickt werden. Und da sie natürlich unter Druck gesetzt werden, möglichst viel und schnell Pilze zu sammeln, machen sie das auch noch “aggressiv” und ohne Rücksicht auf die Natur.

Spanien ist nach diesem Bericht ein Pilzparadies.  Man schätzt die verschiedenen Pilzarten auf mehr als 10.000. Für die Pilze kann ein guter Preis erzielt werden, für ein Kilo Butterpilze (oronjos) werden bis zu 100 Euro bezahlt. Für den Trüffelpilz bis zu 450 Euro. Der Lehrstuhl für Mykologie der Universität Valladolid hat errechnet, dass im Jahr 2012 fast 50.000 Tonnen Edel-Reizker (niscalo) und Steinpilze (boletus) geerntet wurden.

Die nun beschuldigten Rumänen sollen seit neuestem im spanischen Pilzparadies aufgetaucht sein: “Sie kommen organisiert und massiv, in Gruppen bis zu 30 Personen, die in den Bergen kampieren, solange es Pilze gibt”, erklärt ein Verantwortlicher der Guardia Civil. “Wir denken, dass sie von Unternehmern aus dem Bereich der Pilzverwertung engagiert wurden”, führt er weiter aus. Der Generalsekretär des spanischen Unternehmerverbandes für Pilze und Trüffel präzisiert die Geschichte: “Die Invasion dieser Banden, die die lokalen Sammler einschüchtern, begann vor ein paar Jahren. Sie kommen in Autobussen, die von Vermittlungsagenten angemietet werden, die ihnen 20 Euro bezahlen, damit sie den Wald durchkämmen. Die Pilze werden dann auf dem Markt von Madrid oder Barcelona verkauft oder auch in Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien.”

Dann wird beklagt, dass der Pilzsektor in Spanien völlig unreguliert sei. Zudem würden die Pilze nicht immer von Kennern gesammelt. Pro Jahr gebe es im Durchschnitt 500 Pilzvergiftungen, 200 Fälle mit Krankenhauseinlieferung und 10 Tote. In Spanien soll es 890 Betriebe geben, die sich mit der Pilzverarbeitung befassen, aber nur 140 sollen sachkundig geregelte Tätigkeit ausüben.  Deswegen möchte der Generalsekretär des Pilzbundes erreichen, dass die Tätigkeit des Pilzsammler vertraglich geregelt wird und dass diese über einen Vertrag identifiziert werden können.

Es ist richtig, dass Pilzsammler durch radikale Sammlermethoden das Ökosystem des Waldes schädigen. Im Südschwarzwald sind es nicht die Rumänen, die in den Ruf aggressiven Sammelns stehen, sondern die Schweizer, denen ihre eigenen Erntegründe zu mickrig sind. Des Öfteren berichtet die Lokalpresse über Zollbeschlagnahmungen von zu viel geernteten Pilzen. Dass “ABC” nun suggeriert, dass die Rumänenbanden am Raubbau im Pilzbestand des Landes schuld sind, ist wieder einmal eine dieser billigen Kampagnen, die auf Fremdenhass angelegt sind. In Wahrheit sind es die eigenen Landsleute, die alles dafür tun, dass die Umwelt zerstört wird. Die Spanier sind bisher mit ihrer Umwelt selbst nicht zimperlich umgegangen.

Nun, “ABC” ist ein reaktionär-monarchistisches Blatt, das seine Hoch-Zeit in der Epoche der Franco-Diktatur hatte. Das lässt ahnen, weshalb nun die Rumänen am Untergang des spanischen Pilzes schuld sein sollen.

Informationsquelle
Bandas de rumanos arrasan el monte en busca de setas – ABC

Samstag, 15. November 2014

Rumänische Präsidentschaftswahlen: Außenminister sorgt für Ordnung in München und die Erklärung von Cluj

Die erste Runde der rumänischen Präsidentschaftswahlen hat dafür gesorgt, dass der rumänische Außenminister Titus Corlatean zurücktreten musste. Ihm wurde angelastet, dass die Rumänen im Ausland wegen einer chaotischen Wahlorganisation größtenteils ihr Wahlrecht nicht ausüben konnten. Dies hat zu heftigen Protesten und Demonstrationen auch in Rumänien selbst geführt. Vor ein paar Tage wurde deshalb ein neuer Kurzzeit-Außenminister ernannt. Es ist Teodor Melescanu, ein ehemaliger Diplomat und bis September 2014 Chef des Auslandsgeheimdienstes SIE.

In seiner neuen Funktion ist Meleșcanu heute nach Deutschland gereist. Er konferierte hier mit dem rumänischen Botschafter in Berlin und dem Generalkonsul des Münchner Generalkonsulats und verdonnerte sie dazu, für eine anstandslose Durchführung der 2. Runde der Präsidentschaftswahlen am morgigen Sonntag zu sorgen. Mit in seine Gespräche einbezogen hatte er den Bundestagsabgeordneten Bernd Fabritius, neuer Präsident des Bundes der Vertriebenen und ehemaligen Siebenbürger Sachse. Die Besprechung hat in München stattgefunden, wo sich Melescanu vor Ort über das Vorhandensein der Wahlurnen, – kabinen und bürokratischer Utensilien vergewissert hat. Er erklärte ergänzend, man verlasse sich auf eine solide Partnerschaft mit der bayrischen Polizei, die für den sicheren Ablauf sorgen werde.

Inzwischen sorgt in Rumänien die “Erklärung von Cluj (Klausenburg)” für Furore. Sie ist festgehalten in einem Dokumentarfilm mit dem Titel “This is Cluj!”. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Film im Internet von über 55.000 Personen abgerufen. Die “Erklärung von Cluj” besteht aus 7 Punkten, die gestern Abend auf dem Hauptplatz von Cluj vor 10.000 Menschen verlesen wurden. Die Zeitung “Adevarul” schreibt, dass es sich bei der Erklärung um das sinnvollste Projekt für Rumänien seit der Revolution handle. Sie enthält Erklärungen zu den Bürgerrechten, politischer Reform, Justiz, Bildung, Gesundheit, natürlichen Ressourcen und dem Sozialleben.


Bahnt sich da eine neue, friedliche Revolution am Vorabend des 2. Wahlgangs zu den rumänischen Präsidentschaftswahlen an? Viele Rumänen sind sich der bisherigen Politik und ihrer Eliten überdrüssig. Sie wollen mitmachen, mitgestalten. Ein gutes Zeichen. Ein Jugendlicher beschreibt auf Facebook das neue Gefühl: "Cluj beweist, dass es großen Mut hat, dass es Stil hat, wenn es realisiert, dass dieses Land von korrupten und verlogenen Politikern unterwandert ist, aber es für alle  Hoffnung gibt, die Hoffnung sind wir, die wir einen Sinn für Bürgerrechte haben. Die Hoffnung sind die jungen Menschen, die es aufgegeben haben still zu stehen und aus der Lethargie erwacht sind. Glückwünsche an alle, die für den zivilen Geist dort in Cluj gesorgt haben, an jene, die ein Alarmsignal an die korrupten Politiker gesandt haben, dass Lüge und Demagogie nicht mehr akzeptiert werden. Wenigsten nicht hier in Siebenbürgen.“

Informationsquelle
VIDEO „This is Cluj!“, un film devenit viral, promovează cel mai coerent proiect de ţară: Declaraţia de la Cluj | adevarul.ro
Teodor Meleşcanu verifică la Munchen măsurile pentru fluidizarea votului în turul II - Mediafax

Donnerstag, 13. November 2014

Madame Le Pen denkt, dass das funktioniert

Flüchtlinge berennen Europas Grenzen im Osten, Südosten, Süden und Südwesten. Im Mittelmeer patrouillieren Militärschiffe, die inzwischen zwar nicht mehr nur Flüchtlinge ertrinken lassen, sondern sie aus dem Wasser ziehen, um sie danach wieder größtenteils abzuschieben. Griechenland und Italien verhalten sich in ihrer Flüchtlingspolitik so, dass die Flüchtlinge verschreckt das Weite suchen müssten. Das tun sie aber nicht. Das Elend, aus dem sie kommen ist noch viel größer als das Elend, in das sie Europa kommen. In Calais stehen seit bald 2 Jahrzehnten Flüchtlinge, sogenannte Illegale, die unbedingt nach Großbritannien wollen. Ihr Elend ist grenzenlos. Ein einmal errichtetes Flüchtlingslager wurde 2002 geschlossen. Seither leben die Flüchtlinge buchstäblich im Dreck, in Calais nennt man das auch den “Dschungel”. Syrische Flüchtlinge meinen aber, dass es immer noch besser als in Aleppo sei.

Frau Le Pen, die berufsmäßige Fremdenhasserin von der Front National, eilte im Oktober nach Calais, um Empörung für die armen Bewohner von Calais zu heucheln und den Illegalen mit Rausschmiss zu drohen. Frankreich müsse auch wieder die volle Kontrolle über seine Grenzen, sprich Kündigung des Schengen-Abkommens bekommen und dann werde wieder alles gut, meint sie. In welcher Welt lebt die Frau? Glaubt sie wirklich, dass Ihre Politik des Einigelns funktionieren wird? Glaubt sie wirklich, dass angesichts der blutigen Kriege und des zum Teil unglaublichen Elends, in dem ein Teil der Menschheit lebt, sich die Flüchtlingsströme aufhalten lassen werden? Haben die Römer vor bald 2000 Jahren den Franken noch etwas entgegen zu setzen gehabt? Was wird der Papst den ach so katholischen Super-Franzosen zu sagen haben?

Im Programm des Front National ist ansatzweise aufgeführt, was diese Partei mit den Illegalen machen wird: “Die heimliche Einwanderung muss auf Null zurückgeführt werden. Systematische Ausweisung jeder Person, die illegal einreist oder sich illegal im nationalen Territorium aufhält. Schließung der Attraktionen für die heimliche Einwanderung, wie die Medizinische Hilfe des Staates, soweit sie für die illegalen Einwanderer bestimmt sind. Demonstrationen von Illegalen und ihren Unterstützern müssen verboten werden. Der Anti-Frankreich-Rassismus als Motiv für ein Verbrechen oder Delikt muss als besonders erschwerend gewertet werden und die Strafe verlängern. Straffällig gewordene Illegale werden dank bilateraler Abkommen in ihren Heimatländern in die Gefängnisse gesteckt. In jedem Fall Abschiebung von straffällig gewordenen Ausländern in ihre Herkunftsländer.”

Besonders erhellend sind die bilateralen Abkommen. Frau Le Pen wird also, falls sie an die Macht kommen sollte, Abkommen mit dem Schlächter Asad schließen, um ihm die illegal eingereisten Syrer zu überstellen. Manch ein Diktator wird sich über die neuen Handlanger in Europa freuen. Ach ja, Entwicklungshilfe an die besonders gebeutelten afrikanischen Länder soll es auch noch geben, aber nur wenn diese “eng” mit den französischen Behörden zusammen und alle illegal Ausgewanderten wieder zurück nehmen. Die werden sich freuen, wenn die alte Kolonialmacht plötzlich wieder so selbstbewusst auftritt.

So sieht sie aus die schöne neue Le-Pen-Welt. Sie wird nur kein einziges Problem auf der Welt und in Europa lösen, sondern nur neue schaffen.

Informationsquelle
Stopper l’immigration, renforcer l’identité française – Front National
A Calais, Marine Le Pen dénonce le «fléau» de «l'immigration clandestine»
Migrants à Calais : Cazeneuve donne finalement son aval au centre d'accueil
Out of sight, out of mind: refugees in purgatory -- New Internationalist

Mittwoch, 12. November 2014

Wie die Popen in Rumäniens Politik mitmischen

Die rumänische orthodoxe Kirche (BOR) hat keine Berührungsängste, wenn es darum geht in der rumänischen Politik mitzumischen. Auch die Präsidentschaftswahlen sind eine willkommene Gelegenheit, die Gunst an die alten Kader zu verteilen. Selbstverständlich lässt man sich da gerne auch mit Spenden bestechen. Auch mit Diktator Ceausescu hatte sich die Kirche bestens arrangiert. Inzwischen ist der Diktator längst tot und die BOR hat sich im Gefolge der Wirren der Revolution versucht als Rettungsanker für die Gläubigen ins Spiel zu bringen. Dabei hat sie keinen Versuch der Vergangenheitsbewältigung unternommen und ihre religiöse Praxis ist meilenweit von unseren modernen Zeiten entfernt. Dagegen ist sogar die katholische Kirche eine fortschrittliche Organisation.

Einem rumänischer Jugendlichen ist das Gehabe der rumänischen Staatskirche im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen auf die Nerven gegangen und er fragt in einem offenen Brief “Schämt ihr euch nicht, dass ihr den Gott für Brosamen verkauft habt?”. Daniel Nica heißt der junge Mann, er ist Absolvent der Akademie für Wirtschaftsstudien in Bukarest. Er erklärte gegenüber der Zeitung “Adevarul”, dass es ihm nicht normal erscheine, wenn im Jahre 2014 eine Religion, welche auch immer, sich direkt in die Politik einmische und vor allem bei dem Teil der Bevölkerung ihren Einfluss geltend mache, der von einer ordentlichen Informationsversorgung abgeschnitten sei. “Die sagen dann, der Pope hat es gesagt, dann muss es gut sein”, erklärt Daniel.

Die orthodoxe Kirche ist alles andere als neutral in diesem Präsidentschaftswahlkampf: “Politische Predigten, Flugblätter mit politischen Botschaften in den Höfen der Klöster, Gottesdienste, die zu Pilgerfahrten bestimmter Politiker umfunktioniert werden und die Verleihung von Ehrentiteln an Mitglieder der Regierung”, das ist zur Zeit Alltag vor und in rumänischen Kirchen. Den Nutzen haben davon haben die Mächtigen in der Regierung Ponta und der Partei PSD, die den besonderen Schutz der Popen genießen, weil sie genügend Geld an die BOR verteilen. Die Frömmler von der PSD verteilen an die Gläubigen Heiligenbildchen des hochverehrten verstorbenen Mönchs Arsenie Boca, einem ehemaligen Verfolgten der Securitate, bei denen auf der Rückseite Wahlpropaganda mit dem Slogan “Ponta, Präsident” steht. Den Vizepremier der Konkurrenzpartei PDL, Cătălin Predoiu, geht diese Kungelei zu weit. Er verlangt von den Führer der orthodoxen Kirche, dass sie sich von Aktionen der Ponta-PSD distanziert.

Das Schreiben von Nica, gerichtet an den Metropoliten von Bukarest endet so: “In meiner Situation als Gottes Kind frage ich sie, hochverehrter Allerseeligster so wie ich es einmal vom Pfarrer gehört habe als er fragte: Schämt ihr euch nicht? Schämt ihr euch nicht, dass ihr Gott für ein paar Brosamen verkauft habt? Ich bitte euch, betet nicht für mich, ich werde euch dafür nicht bezahlen. Der Gott, an den ich zu glauben gelehrt wurde, kostet nichts und macht keine Politik”. Die Leserkommentare zeigen, dass Nica damit ein weitverbreitetes Unbehagen an der orthodoxen Kirche artikuliert hat.

Siehe auch
Soweit das Auge reicht: Rumänen fallen immer mehr vom Glauben ab
Informationsquelle
Scrisoare deschisa a unui tanar catre Patriarhul Romaniei: Incercati sa imi manipulati bunicii si strabunicii. Nu va e rusine ca l-ati vandut pe Dumnezeu cu bucatica ? - Politic - HotNews.ro

Montag, 10. November 2014

Gamonal, Burgos hat nichts dazu gelernt

Über die plötzlich entstandene Bürgerbewegung in Gamonal, einem Stadtteil der nordspanischen Stadt Burgos, habe ich in meinem Bericht“"Bürgerzorn entlädt sich in der kastilischen Provinz” berichtet. Berichtet habe ich auch, dass ein vorbestrafter Bauunternehmer, der in der Stadt nur “el jefe” genannt wird, die Stadtverwaltung und die lokalen Politiker bestens im Griff und zudem über eine Tageszeitung ein Medienmonopol hat. Die Bürger haben damals ihre Wut über die Baupläne der Stadt und die damit verbundene Korruption in Demonstrationen und der Bildung einer Bürgerbewegung Ausdruck gegeben.

Scheinbar hat die Stadt Burgos nichts dazu gelernt oder es ist die so beliebte Arroganz der spanischen “Kaste”, die die Stimme des Volkes eigentlich nie interessiert hat. Die Bürger sind nämlich jetzt wieder auf der Barrikade. Die Stadt hatte dem korrupten Bauunternehmer Méndez Pozo und seiner Immobiliengesellschaft die Durchführung der Renovierung der lokalen Stierkampf-Arena zugesprochen. Es geht um ein Auftragsvolumen von 6 Millionen Euro. Nach Bekanntwerden des Auftrags hat sich eine Bürgerplattform “Versammlung gegen die Spekulation” (Asamblea contra la Especulación) gebildet mit dem Ziel der Verhinderung des Neubaus der Stierkampf-Arena.

Die Bürgerbewegung baut auf dem auf, was sich nach den Protesten von Anfang des Jahres bereits an ziviler Kampfbereitschaft für Bürgerrechte entwickelt hat. Ihr Kampf geht gegen Geldverschwendung, Immobilienspekulation und dagegen, dass hier wieder einmal einem korrupten Kriminellen unter völlig irregulären Umständen öffentliche Gelder zugeschanzt werden. Das Angebot der Immobiliengesellschaft des Pozo soll das zweitteuerste von 6 gewesen sein und trotzdem wurde ihm der Bauauftrag zugesprochen. Die Stadtverantwortlichen reagieren mit dem üblichen Machtgehabe: Starke Polizeikräfte gehen gegen Demonstranten vor und viele Aktivisten/ Aktivistinnen werden verprügelt und verhaftet.

Die Bürgerbewegung will auf keinen Fall aufgeben. Sie ist inzwischen sehr gut organisiert und den Herrschenden aus der Clique der Partido Popular, der auch der Bürgermeister angehört, steht das Wasser bis zum Hals. Mit “Podemos” entwickelt sich inzwischen eine neue Partei aus den Protestformen der letzten Jahre, die auf umfassende Bürgerbeteiligung setzt und nach neuesten Umfragen in den nächsten Wahlen stärkste Partei in Spanien werden könnte. Trotzdem lernen die Konservativen nichts daraus und sie werden vermutlich das Gorbatschow-Motto “wer zu spät kommt, den bestraft das Leben” schmerzhaft erfahren müssen.

Informationsquelle
Gamonal vuelve a movilizarse por una nueva adjudicación a Méndez Pozo | Periódico Diagonal

Samstag, 8. November 2014

Ein Riss geht durch Rumänien: Transsilvanien gegen Walachei

Die oltenische Stadt Craiova liegt mitten im Herzland der Walachei. Letzteres ist ein historischer Begriff für die südrumänischen Regionen Oltenien und Muntenien. Auch die rumänische Hauptstadt Bukarest liegt in der Walachei. In Craiova hat sich nun die Bürgermeisterin Olguţa Vasilescu, Mitglied der Regierungspartei PSD, veranlasst gesehen, die Genossen in Transsilvanien wegen ihres schlechten Wahlergebnisses verglichen mit denen in der Walachei abzubürsten. Während die Partei des PSD-Kandidaten Ponta bei den Präsidentschaftswahlen im Süden und Osten Rumäniens sehr gut abgeschnitten, hat im Westen des Karpatengürtels, in Transsilvanien (Siebenbürgen) und dem Banat der Herausforderer Johannis die meisten Stimmen bekommen.

Das bereits lange schwelende Misstrauen zwischen dem sich als zivilisierter verstehenden Westrumänien und die gleichzeitige Abneigung gegen die zentralistische Krake Bukarest hat damit Konturen bekommen. Frau Vasilescu hat auf ihre Vorwürfe gegenüber den Parteifreunden eine geharnischte Antwort bekommen und vermutlich eine Diskussion losgetreten, die nicht gewollt war. Der Senator für die PSD von Maramuresch, Sorin Bota, gibt dem Ärger der PSD-Transsilvanier Ausdruck: “Im Moment brauchen wir keine Ratschläge und Muskelspiele aus Oltenien, denn für eine Stimme in Transsilvanien benötigen wir den zweifachen Aufwand wie in Oltenien. Wenn wir die gleichen Investitionen in den Wahlkampf wie im Süden und in der Moldau gemacht hätten, dann könnten wir auf gleicher Höhe unsere Stimmenanteile messen. Frau Vasilescu sollte besser mal den Mund halten und vor einer sehr wichtigen Wahl für unsere Partei nicht solche Erklärungen machen! Wenn man in Oltenien und Muntenien die Wahlen allein gewinnen will, dann wünschen wir viel Erfolg, aber wir erlauben keine Ratschläge wie wir bei uns in Transsilvanien beim Wahlkampf arbeiten sollen.”

Die steigende Unzufriedenheit zwischen dem Westen und dem Süden und Osten Rumäniens beruht auch, aber nicht nur auf den Unterschieden in der geschichtlichen Entwicklung. Die Walachei und Moldau bildeten das rumänische Altreich, während Banat und Siebenbürgen von den Habsburgern dominiert wurden. Die Rumänen im diesen Regionen haben bisher die Zähne zusammengebissen und eisern zu Bukarest gehalten, weil sie vermuteten mussten, dass sie sonst gegen die in Westrumänien lebenden Minderheiten der Deutschen und Ungarn untergehen würden. Die Deutschen sind inzwischen keine Gefahr mehr, da sie inzwischen eine sehr kleine Minderheit sind, aber die Ungarn (Szekler) spielen immer noch ein wichtige Rolle. Also hat man lange die Dominanz Bukarests und der Walachei als gottgegeben hingenommen. Bukarest und die dortige rumänische Elite sorgen dafür, dass die Finanzmittel und Investitionen vor allem nach Bukarest und Umgebung fließen. So berichtet die Zeitung “Ziua de Cluj” am 30. September, dass 2/3 aller ausländischen Direktinvestitionen nach Bukarest geflossen sind und nur 1/3 in den Rest des Landes.

Also kein Wunder, dass es bei diesen Wahlen leichte Andeutungen gibt, wohin der Zug abgehen könnte. Die territoriale Neuordnung Rumäniens steht noch auf der Tagesordnung und das könnte eine steigende Herausforderung für das Land werden. Anfang des Jahres stellten Siebenbürger, das rumänisch “Ardeal” genannt wird, eine viel beachtete Online-Petition ins Internet mit folgender Forderung: “Unsere Region war immer Teil des zivilisierten Europa. Hier wurde zum ersten Mal 1568 die Religionsfreiheit verkündet. Transsilvanien hat am Friedensvertrag von Westfalen 1648 teilgenommen.  Transsilvanien hat Herrscher gehabt, die großen Wert auf die Kultur und Toleranz gelegt haben. Im 17. bis 19. Jahrhundert hatte Transsilvanien weitgehende Unabhängigkeit. Auf der Versammlung von 1918 in Alba Iulia stellte sich Transsilvanien als die am meisten entwickelte Region Rumäniens vor. Aber die Zentralregierung hat uns zu einer Kolonie degradiert. Die griechisch-katholische Kirche, deren Gläubige es nur in Transsilvanien gab, wurde eliminiert, ihre Güter konfisziert. Die in Transsilvanien eingesammelten Steuern gehen zu Unrecht in die Moldau oder nach Oltenien. Transsilvanien ist die Schatzkammer unseres Landes. ohne dass es mitbestimmen darf. Sie haben mehr von uns, wie wir von ihnen haben. Unsere Region kann sich selbst unterhalten. Wir haben Wälder, Mineralwasser, ein sehr großes touristisches Potential, mittelalterliche Städte, die einzigartig in Rumänien sind, hunderte von Burgen, Schlösser, eine Universität, die für Multikulturalität steht und an der Spitze unseres Landes steht. Wir wollen nichts anderes, als dass sie das, was uns gehört, uns lassen.”
 
 
Informationsquelle
Război în PSD: Nu avem nevoie în Transilvania de muşchi arătaţi din Oltenia - Stiri pe surse - Cele mai noi stiri
» Ardelenii s-au saturat sa ia ordine de la Bucuresti: vor autonomia Transilvaniei si guvern la Cluj!

Donnerstag, 6. November 2014

Die Rache der vernichteten Amazonaswälder: Südbrasilien trocknet aus

Die Dürre im Süden Brasiliens hält weiter an. São Paulo zapft inzwischen anderen Regionen die letzten Tropfen ab. Die großen Flüsse São Francisco, Grande, Doce, Piracicaba, Mogi liefern kaum noch Wasser. Für Regen in Südbrasilien sorgen normalerweise die Urwälder des Amazonasgebietes. Diese Wälder zeigen inzwischen Zeichen eines Verlustes an Vitalität, nachdem ihnen in den letzten Jahrzehnten mit Rodungen im unglaublichem Umfang der Würgegriff angesetzt wurde. Roberto Malvezzi von der Webseite “Correio da Cidadania” fasst es kurz und bündig zusammen: “Ohne Amazonien, das für Regen sorgt, und ohne die Savanne, die unsere Wasserreserven füllt und sie verteilt ist es einfach zu verstehen, was zur Zeit in allen brasilianischen Quellgebieten passiert, die in diesem Moment trocken sind.”

Malvezzi sieht das Problem in der brasilianischen Zivilisation. Der “Brasilianer” sei die Frucht eines historischen Verwässerungsprozesses der Ethnien, die sich in der Praxis nicht gegenseitig unterstützen, weder bei nicht harmonische zusammenlebenden sozialen Klassen, noch durch einen Regionalismus, der respektiert wird, noch durch die Intellektuellen und Familien der Mittelklasse, die für einen Ausgleich sorgen müssten. Wenn die brasilianische Zivilisation noch eine Atempause bekommen möchte, dann müsse sie sofort ihr ausbeuterisches Entwicklungsmodell ändern. “Bereits jetzt haben wir keine Savanne mehr, sie wird nicht mehr zurückkommen und alle Flüsse, die von ihr abhängen sind schon davon betroffen. Es geht nicht darum den letzten Zeitpunkt zu wissen –wie das die Wissenschaftler, die die Biosphäre studieren nennen- , sondern zu wissen, dass dieser Kranke sich nie wieder erholen wird. Die Entscheidung über Amazonien muss jetzt oder nie fallen. Noch sind wir unsicher, ob die Wälder Amazoniens sich noch einmal erholen können, was bei der Savanne nicht mehr geschehen wird. Ohne Amazonien werden der Süden und Südosten weder zu der Wüste werden, die sie schon einmal waren.”

Malvezzi macht sich keine Illusionen, dass das tatsächlich passieren wird. Die kürzlichen Wahlen haben nach seiner Ansicht das “Schlechteste der brasilianischen Seele” hervorgekehrt. Diejenigen, die es am wenigsten verdienten und die glauben, dass das Land ihnen gehört, wurden gewählt. “Aber wenigstens schauen wir jetzt der Wirklichkeit ins Auge”, fügt er hinzu. Brasilien habe trotzdem, obwohl die Uhr auf 5 vor 12 steht, nichts anderes im Kopf wie schnelles Wirtschaftswachstum, den Märkten zu dienen und sicher zu stellen, dass es den Finanzspekulanten gut gehe.

Ein zu pessimistisches Szenario? Die spanische Zeitung “El Pais” schreibt in ihrer portugiesischen Ausgabe unter dem Titel “Wassermangel betrifft in São Paulo bereits mehr wie 15,6 Millionen Menschen”: “ Der Staat São Paulo steht heute unter einer apokalyptischen Bedrohung: Das Wasser geht aus. Es geht nicht um eine langfristig angelegte Prognose oder eine Kampagne zur Bewusstmachung, sondern darum dass es keinerlei Garantie mehr gibt, dass es im nächsten Monat noch möglich sein wird, die Stadt mit Wasser zu versorgen, genauso wie weitere 70 Gemeinden des Bundesstaates. Während man in der Stadt noch mit versteckter Drosselung der Wasserzufuhr arbeitet, sind die Orte im Innern bereits von der Wasserversorgung abgeschnitten.”

Jetzt braucht man Sündenböcke und gewiefte Volksverhetzer werden demnächst wohl Hochkonjunktur haben. Ein Pastor aus Bahia hat zu einer Gebetswoche für Regen für São Paulo aufgerufen. In einem Video verbreitete er seine Gebete und beschuldigt die Homosexuellen-Parade als Verursacher der Wassernot im gemessen an den Einwohnern größten Bundesstaat des Landes. Wörtlich: “Im Buch der Könige steht folgendes: Wenn die Himmel sich verschließen und es keinen Regen gibt, weil das Volk sich versündigt, dann spreche ich von der großen Homo-Parade, die in São Paulo stattfindet. Die größte Homo-Parade der Welt findet in São Paulo statt. Aber ist jeder Paulista ein Homo? Natürlich nicht! Dort gibt es Männer Frauen Gottes, die nicht die Sünde der Homosexualität praktizieren. Die Bibel sagt, dass wenn sich dieses Volk von seinen Sünden abwendet, wird Gott verzeihen und für Regen auf der Erde sorgen”.

Das ist zwar zu dämlich, um das ernst zu nehmen, aber gerade Leute mit diesen abstrusen Meinungen, haben bei den letzten Wahlen erheblich dazu gewonnen. Das lässt nichts Gutes für den sozialen Frieden in Brasilien in der nächsten Zeit erwarten, vor allem, wenn der Regen weiter ausbleibt.

Siehe auch
Die Wasser-Zocker von São Paulo

Informationsquelle
A encruzilhada da civilização brasileira
Deputado estadual da Bahia culpa Parada Gay por seca em São Paulo - Notícias - Política

Mittwoch, 5. November 2014

Hollande TOTAL verölt mit dem Kopf im Ölsand

Der französische Präsident Hollande befindet sich zur Zeit zu einem Staatsbesuch in Kanada. Mit im Schlepptau sind 40 Chefs von französischen Unternehmen. Hollande und den Wirtschaftsleuten liegen besonders die Ölsand-Vorkommen in der Provinz Alberta und deren Ausbeutung am Herzen . Die Ölsand-Ausbeutung wird als erhebliche ökologische Belastung gesehen. Die kanadische Umweltexpertin Jennifer Grant beschreibt die Schäden: "In dem Wald gibt es über sechshundert verschiedene Pflanzen- und dreihundert Tierarten. Fauna und Flora werden komplett zerstört, wenn der Abbau beginnt. Es fängt mit dem Kahlschlag der Wälder an, die Feuchtgebiete werden trocken gelegt und danach die oberste Erdschicht abgetragen."

Macht nichts, sagt sich Präsident Hollande und seine Wirtschaftsleute und so stecken wieder einmal mehr die Verantwortlichen den Kopf in den Ölsand und denken nur an kurzfristige Vorteile, die spätere Generationen dann teuer bezahlen müssen. Hollande erklärt in Kanada: “ Ich wünsche mir, dass Frankreich weiterhin die immensen Reichtümer des kanadischen Nordostens aufwerten kann, sei es durch die Ausbeutungstechniken, die Umwandlung, die Beförderung des Kohlenwasserstroffs oder im Aufbau der Infrastruktur”. Gleichzeitig begrüßte er die tätige Mithilfe der französischen Unternehmen, insbesondere der des auf fossile Energien spezialisierten Unternehmens Total. Das Manager-Magazin schrieb dazu: “Großbritannien, Frankreich und die Niederlande sind Sitz großer Energiekonzerne, die teils massiv in den Ölsanden investiert sind. Frankreichs Total ist nur ein Beispiel, BP und Royal Dutch Shell sind weitere. Total kooperiert in Alberta mit Suncor, Kanadas größtem Energieunternehmen, das die Ölsandförderung binnen zehn Jahren mehr als verdoppeln will.

Macht sich Frankreich also nach der Sackgasse Nuklearwirtschaft von einer weiteren gefährlichen und in höchstem Masse umweltzerstörenden Plünderung unserer Erde abhängig? Nur damit Total und andere ihre Profite einfahren können und dann gnädiger weise ein paar Arbeitsplätze retten? Die ehemalige Umweltministerin Delphine Batho meint dazu: “Ich finde es falsch an diesem Platz in Alberta zu stehen, an dem Tag, an dem GIEC seinen Bericht über die Bedrohung durch die Klimaerwärmung veröffentlicht und auf die Notwendigkeit  des Verzichts auf die fossilen Energien hinweist. Das ist dort der Ort einer gigantischen ökologischen Katastrophe, Zerstörung von Urwäldern, Abwasserkanäle unter freiem Himmel und mit dem schmutzigsten Öl der Welt.”

Die französische Umweltbewegung ist empört und das zurecht.

Informationsquelle
Les déclarations pro-pétrole de Hollande au Canada agacent Batho et Jadot
Mit Kahlschlag fängt alles an – 3Sat

Dienstag, 4. November 2014

Rumänien vor der 2. Runde der Präsidentschaftswahl: Wird sich was ändern?

Die erste Runde der rumänischen Präsidentschaftswahlen ist vorbei, die Spreu hat sich vom Weizen getrennt und in der 2. Runde werden sich der derzeitige Ministerpräsident Victor Ponta und der Bürgermeister von Hermannstadt/Sibiu, Klaus Johannis, gegenüber stehen. Die ersten Wahlanalysen besagen, dass Ponta bei den Alten, Menschen mit einfacher Bildung und aus dem ländlichen Raum gewonnen hat. Johannis hat seine Stimmen vor allem bei der jugendlichen Stadtbevölkerung und den gut ausgebildeten Menschen gewonnen. Räumlich hat Johannis die Mehrheit der Stimmen in Siebenbürgen geholt, während Ponta vor allem im Süden (Walachei, Dobrudscha) und im Osten (Moldau) die Mehrheit der Stimmen bekommen hat. Ponta hat allerdings 40% der Stimmen gewonnen, während Johannis nur 30% erhalten hat.

Johannis, von manchen rumänischen Kommentatoren auch “unser Deutscher” genannt, hat also noch viel aufzuholen, sollte er rumänischer Präsident werden wollen. Die Journalistin Iulia Marin von der Zeitung “Adevarul” meint dazu, dass die Wähler von Johannis in ihm das “kleinere Übel” gesehen hätten. Er gilt als ehrlich und nicht korrupt. Vorgehalten wird ihm jedoch, dass er 6 Häuser besitzt und dass es einige kleinere Skandale in seinem Umfeld gab. Alles sei aber kein Vergleich, zu dem, was Ponta, seine Partei PSD und die Regierung an Skandalen geboten hätten. Verteidigen müsse sich nur Johannis, während Ponta ungeschoren davon komme. Die Hauptschuld für das nicht so gute Abschneiden liege bei dem Wahlbündnis ACL, für das Johannis in den Wahlkampf gezogen sei. Der Wahlkampf sei von der ACL zu defensiv geführt worden. Die Schlussfolgerung von Iulia Marin ist: “Johannes ist leider von Politikerin umgeben, die nicht an seinen Sieg glauben”.

Der Aufreger des ersten Wahlganges war allerdings die Wahldurchführung für im Ausland lebende Rumänen. Die “Allgemeine Zeitung für Rumänien” (ADZ) schreibt dazu: “Der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahl ist am Sonntag in zahlreichen Wahllokalen außerhalb des Landes in Chaos ausgeartet, wo Abertausende Wähler ihre Stimme trotz langer Schlangen und geduldigen Wartens vor rumänischen Botschaften oder Konsulaten letztlich doch nicht abgeben konnten.
In München, Stuttgart, Paris, London, Wien, Brüssel, Turin, Mailand, New York u. a. westlichen Großstädten erwies sich die Zahl der eingerichteten Wahllokale oder vorhandenen Wahlstempel als völlig unzureichend, sodass die Wähler oft sechs bis acht Stunden ausharren mussten, um ihr Wahlrecht auszuüben. Vielerorts nutzte jedoch selbst das lange Warten nichts – das Zentrale Wahlbüro beschloss nämlich, die Wahllokale im Ausland trotz des Wählerandrangs pünktlich schließen zu lassen, was zur Folge hatte, dass sich Türen und Tore vor den Nasen Tausender Menschen schlossen. In Paris und London kam es zu wütenden Protesten, die Wähler riefen in Sprechchören „Wir wollen wählen“ und „Diebe“. In Paris stürmten die Ausgesperrten sogar die rumänische Botschaft, worauf das Botschaftspersonal die französische Polizei zu Hilfe rief.”

Der rumänische Rat der Jugend (CTR) verlangt deshalb: “Junge Rumänen im Land und im Ausland verlangen einen 2. Wahlgang, in dem man seine Option für den 16. November ausüben kann” und sie fahren fort: “Am 2. November, haben die jungen Rumänen ein Signal für ihre Zukunft gesetzt und sie wollen weiterhin ihr von der Verfassung garantiertes Wahlrecht ausüben, indem sie in großer Mehrheit an der Wahl teilnehmen. Sowohl im Land wie auch im Ausland reisten viele Jugendliche dutzende bis hunderte Kilometer, um ihr Wahlrecht auszuüben. Trotzdem konnten viele von ihnen nicht wählen”. Der Jugendrat bemängelt die oft geringe Zahl der Wahlkabinen, Fehlen von Wahlzetteln und das Schließen der Wahllokale, obwohl noch viele Wahlberechtigte vor der Tür auf Eintritt warteten.

Es wird ein spannender 2. Wahlgang werden und entgegen den bisherigen Erfahrungen ist das Interesse vieler, vor allem junger Rumänen an den Wahlen gestiegen. Es sind die alten Kräfte, präsentiert durch den allerdings noch jungen Ponta, die gegen etwas Neues, repräsentiert durch Johannis, antreten. Das Urgestein der rumänischen Rechtsradikalen und der Fremdenhasser von der Rumänienpartei, Vadim Tudor, hat bereits bekannt gegeben, dass er Ponta im 2. Wahlgang unterstützen wird. Tudor hasst alles, was nicht rumänisch ist, also vor allem die ungarische und deutsche Minderheit in Rumänien und die Ponta-Sozialisten sind ihm jetzt gut genug, um zu verhindern, dass der “deutsche” Johannis das höchste Amt im rumänischen Staate bekommt.

Informationsquelle
Alegeri prezidenţiale 2014. Profilul alegătorilor lui Ponta şi ai lui Iohannis
Tinerii români din țară și din străinătate cer un tur de scrutin în care să-și poată exprima opțiunea pe 16 Noiembrie! | România curată