Mittwoch, 30. April 2014

Kreta soll Strom für Europa liefern

“Kreta ist eine windgeplagte Region, da der heftige Wind Steine bewegt und sogar Menschen umwirft. Es herrschen das ganze Jahr über, aber konstanter im Sommer, Nord- und Nordwestwinde vor. In einigen Gebieten wechseln die Winde sogar auch innerhalb desselben Tages”, beschreibt ein Reiseführer die stürmische Insel. Ein idealer Platz für die Windkraft, wie es scheint.

Dies haben natürlich auch schon die Experten gemerkt und EU-Kommissar Oettinger hat schon mehrfach erklärt, dass die Erneuerbaren Energien europaweit ausgebaut werden und die Länder, die zu viel Sonne und Wind haben, den Überschuss an andere Länder liefern sollen. Griechenland nimmt das Ernst und vor allem auf Kreta ist ein kräftiger Ausbau der Wind- und Solarenergie in einem industriellen Maßstab erkennbar. Im Projekt “Helios” hat sich Griechenland gegenüber der EU verpflichtet innerhalb von 4 Jahren seine Kapazität zur Erzeugung von Elektrizität durch Erneuerbare soweit zu erhöhen, dass 10.000 MW zu Kosten von 19 Milliarden Euro in EU-Länder exportiert werden können. Yorogos vom Blog “West-Crete.com” schreibt dazu: “Offensichtlich folgt sie (die griechische Regierung) damit EU-Pressionen als Teil der finanziellen Rettung Griechenlands”.

Griechenland importiert ungefähr 61% seines Energiebedarfs hauptsächlich in Form von Erdöl-Produkten. Auch Yorgos schreibt, dass der Vorteil der Erneuerbaren darin liegt, dass die zur Zeit in Kreta benutzten stinkenden und lärmenden mit Öl betriebenen Generatoren ersetzt werden können. Aber seine Hauptkritik richtet sich dagegen, dass die ganze Planung und Ausführung so ziemlich an der Bevölkerung vorbei geht. Sie wird weder gefragt noch beteiligt und damit steigen die Sorgen der Inselbewohner angesichts der steigenden Anzahl an Windparks und industriellen Solaranlagen. Für sie ist auch nicht verständlich, dass der Export von Strom im Vordergrund steht und nicht ihre eigene Versorgung. “Wir Kreter lieben unsere Berge und ich wäre stinksauer, wenn diese Schönheit durch eine gedankenlose Einführung der grünen Energie zerstört würde”, schreibt er.

Deutschland soll einer der Hauptprofiteure des griechischen Exports an Strom aus Erneuerbaren Energien werden. Während der Photovoltaik in Deutschland zugunsten der Kohlenkraftwerke der Garaus gemacht wird, soll Griechenland nun den Strom aus erneuerbaren Energiequellen liefen. Das muss man auch den Menschen in Griechenland erklären wieso nun ausgerechnet der Export statt die eigenen Versorgung im Vordergrund steht.

Sonntag, 13. April 2014

Wenn Menschen einfach totgeschlagen werden

Die UNO stellte vor ein paar Tagen einen Bericht über Mordraten weltweit vor. Lateinamerika hat sich wieder einmal als der gewalttätigste Kontinent herausgestellt und Brasilien gehört zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Gewalttaten. Unter den 30 Städten mit dem höchsten Anteil sind 11 brasilianische Städte. Dabei gehört Maceió im Nordosten Brasiliens mit dem 4. Platz gemessen an den Gewalttaten pro 100.000 Einwohner zu den gewalttätigsten Städten Brasiliens.

Im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo spielte sich gerade wieder eine erschreckende Gewalttat ab. Ein 17-jähriger Schwarzer wurde von einer Gruppe Menschen, die mit Steinen, Eisenstangen und Holzlatten bewaffnet waren, am Rande der Bundesstraße BR 101 totgeschlagen. Die Hetzer in der Gruppe schrien “schlagt ihn tot” und die Meute folgte seiner Aufforderung. Die Polizei erschien 2 Stunden nach dem Vorfall und nahm den Jugendlichen in das Unfallkrankenhaus mit, wo er verstarb. Über die Gründe für die Lynchjustiz herrschte Uneinigkeit. Einige behaupteten, dass er versucht habe eine Frau zu vergewaltigen, andere behaupteten, dass er in Moped stehlen wollte und wieder andere, dass er versucht habe ein Mädchen von 10 Jahren zu missbrauchen. Die Tat geschah vor einer Woche, aber bis heute hat niemand eine Anzeige gegen den Jugendlichen erhoben, noch haben sich Zeugen gemeldet. Sein Bruder erklärte, dass sein Bruder geistig verwirrt war und hinter einem Mädchen hergerufen hätte, das sich erschreckt habe und zu ihrer Familie gelaufen sei, die anschließend den Jugendlichen gejagt habe. “Deswegen sprachen die Leute davon, dass er ein Vergewaltiger sei”, erklärte der Bruder und bezüglich des Moped-Diebstahls: “Wenn er ein Moped hätte stehlen wollen, hätte er das in seinem Viertel getan, denn er konnte nicht einmal ein Moped fahren”. Selbstgefällige Selbstjustiz und es war ja nur ein schwarzer Jugendlicher, so funktioniert in vielen Bereich die brasilianische Gesellschaft.

In Argentinien stehen die Zeichen auch auf Sturm. Die Gewalt hat erheblich zugenommen und es gibt immer mehr Fälle von Lynchjustiz. Die spanische Zeitung “El Pais” schreibt dazu: “Etwas läuft schief in einer Gesellschaft, wenn der solidarische und altruistische Nachbar, der versucht dem Opfer eines Überfalls auf der Straße zu helfen sich plötzlich in einen Mörder verwandelt, der eine Person zu Tode prügelt und ihn bewusstlos liegen lässt.” Die Zeitung bezieht sich auf einen Vorfall Ende März in der argentinischen Stadt Rosario, wo 2 Jugendliche versuchten vom Motorrad aus einer Frau die Handtasche wegzureißen. Passanten erwischten einen der Jugendlichen, einen 18-Jährigen, und schlugen ihm den Schädel ein, so dass er 3 Tage später den Verletzungen erlag. Seine Mutter fragte danach “wenn sie glaubten, dass er einen Raub begangen hat, warum brachten sie ihn dann nicht zur Polizeistation?”. In Argentinien sind in den letzten 3 Wochen mehr wie ein Dutzend Fälle von Lynchjustiz bekannt geworden. Im Falle des getöteten 18-jährigen hat sich sogar Papst Franziskus mit den Worten gemeldet: “Mich hat die Tat geschmerzt. Ich habe die Schläge in meiner Seele gespürt. Das war kein Söldner, das war ein Junge aus unserem Volk; ja er war ein Delinquent, aber der Vorfall erinnerte mich an Jesus, der sagte: Wer bin ich, dass ich ihn richten kann? Und wer selbst ohne Fehl und Tadel, der werfe den ersten Stein.”

Argentinien gehört nicht zu den gewalttätigsten Ländern Südamerikas. Aber im Gefühl der Argentinier ist es das Land mit den meisten Raubüberfällen. Nach Umfragen ist die Unsicherheit für die Mehrheit der Argentinier das drückendste Problem, noch vor der Inflation. Die Präsidentin des Landes, Cristina Fernández macht die Justiz dafür verantwortlich: “Es gibt Richter, die lassen Täter, die wiederholt straffällig geworden sind, in Freiheit und die fangen von neuem an straffällig zu werden, zu töten, zu vergewaltigen”.

Das Hauptübel Lateinamerikas ist der Drogenhandel, der Staaten und Gesellschaften fest im Griff hat. Eine Eskalation der Gewalt führt nur noch zu mehr Gewalt. Hier einen Weg herauszufinden ist eine Jahrhundertaufgabe.

Informationsquelle
Jovem negro é espancado e morto por populares no Espírito Santo
Argentina se enfrenta a la barbarie – El Pais

Freitag, 11. April 2014

Der Bürgermeister von Konstanza und der Berlusconi-Effekt

Radu Mazăre ist Bürgermeister der rumänischen Hafenstadt Konstanza am Schwarzen Meer. Geboren 1968 in Bukarest gehört er zu jüngeren Generation rumänischer Politiker. Er begann seine Laufbahn als Journalist, gründete Zeitungen, beteiligte sich an Radio- und Fernsehstationen. Im Jahr 2000 wurde er zum Bürgermeister der Stadt gewählt und danach in Folge bis heute in diesem Amt bestätigt.

Mazăre ist durch Skandale aller Art aufgefallen, aber auch dadurch, dass er sich geschickt inszenieren kann. Die Antikorruptionsbehörde ist schon längere Zeit hinter ihm her, er wird verdächtigt Verbindungen zur Unterwelt von Konstanza zu haben. Vorgeworfen werden ihm illegale Grundstücksgeschäfte und Bestechung. Ein Fußballspieler der Mannschaft Petrolul Ploiesti hat ihn vor kurzem verklagt, weil er von den Sicherheitsleuten von Mazare verprügelt worden war. Ansonsten fällt er durch sein extravagantes Benehmen auf, er ist auf einem Fest in Nazi-Uniform aufgetreten und erscheint zu Wahlen in Che-Guevara-Aufmachung in Begleitung von nur mit Bikini angezogenen jungen Frauen. Vor der Wahlurne soll er eine solche dürftig Bekleidete angewiesen haben, für ihn zu wählen. Dafür wurde ein Verfahren gegen ihn wegen Wahlbeeinflussung eröffnet.

Sein Auftreten hat also Charakterzüge eines Politikertyps wie man ihn von Italien’s Berlusconi her kennt: Jemand der sich geschickt inszenieren und mit den Medien umgehen kann. Damit gibt er dem Publikum den Unterhaltungswert, der die politische Vernunft in den Hintergrund treten lässt. Unter diesem Umständen verzeiht ihm das Volk gnädig Fehler, die andere Politiker schon längst ins Abseits geführt hätten. Was sind nun die besonderen “Verdienste”, die zu einer so langen Amtszeit des Radu Mazăre geführt haben: Cristian Teodorescu im Blog Voxpublica geht darauf ein:

“Diejenigen, die darauf hinweisen, dass er schließlich zum vierten Mal zum Bürgermeister gewählt wurde, erklären das damit, dass er ein System zur Hilfe für arme Menschen in Konstanza geschaffen habe. Nach deren Meinung gibt es genügend Menschen, denen der von ihm veranstaltete Zirkus gefällt und die in seinem schrillen Auftreten einen Beweis sehen, dass er sich an die Arbeit macht, um Touristen an die Küste zu holen. Es wählt ihn auch ein Teil der Jugend, weil sie sein nächtliches Auftauchen in den Diskotheken für cool hält. Ein lokaler Soziologe hat mir gesagt, dass eines der Geheimnisse des langen Lebens von Mazăre als Bürgermeister sei, dass er zu einer Art wandelnder Marke in der Stadt geworden sei. “Aber die Bewohner von Konstanza wissen, dass er in unsaubere Geschäfte verwickelt ist?” “Alle sind überzeugt, dass er stiehlt, aber für die Mehrheit der Bewohner hat Mazăre das Verdienst, dass er das auf die gekonnteste Art betreibt”.
Die Bewohner Konstanza’s aus der Mittelklasse, die Mazăre kennen, werden angesichts dieser Tatsache zynisch. Für sie lässt er die Stadt im Müll versinken, füllt sich die Taschen mit Geld aus skandalträchtigen Geschäften und macht auf Sonnenkönig. Was von der Altstadt Konstanza’s noch übrig geblieben ist, ruiniert er endgültig. Alles läuft auf den Bürgermeister Mazăre, einem intelligenten Typen, zu, weil er alle Populismus-Schalter entdeckt hat, die er dann im politischen Kampf verwendet. Er kopiert Guevara mit seiner Mütze während er zur gleichen Zeit tatsächlich ein Berlusconi ist.”

Jetzt haben die Handschellen geklickt. Die Antikorruptionsbehörde DNA hat Mazăre verhaften lassen und wie in Italien als man Berlusconi endlich mach strafrechtlich belangen konnte, heulen seine Anhänger auf. Sie sind sich nicht zu blöd vor der Stadtverwaltung zu stehen und mit dem Slogan “In schweren wie in leichten Zeiten, sind wir bei dir” zu protestieren. Mazăre ist inzwischen wieder - wegen Fluchtgefahr - unter Auflagen freigelassen worden. Aus seiner für Ostern geplanten Reise nach Madagaskar, wo er 2 Hektar Land besitzt und eine Touristenstation bauen will, wird nun nichts.

Informationsquelle
Acest Berlusconi de Constanța care-l copiază pe Guevara la bască – Blog Voxpublica

Mittwoch, 9. April 2014

10 gute Gründe für die Unabhängigkeit Schottlands

“National Collective” ist eine Gruppe von schottischen Kunstschaffenden und Kreativen, die für die Unabhängigkeit Schottlands eintreten. Gegründet wurde die Gruppe von in Edinburgh im Jahr 2011. Seither hat die Bewegung starken Zulauf bekommen und zählt jetzt über 2.000 Mitglieder. Die Gruppe bezeichnet sich als eine parteiunabhängige Bewegung für Künstler und Kreative, die die schottische Unabhängigkeit unterstützen.

“National Collective” unterhält eine Webseite gleichen Namens. In ihr erklärt der Aktivist Michael Gray 10 Gründe, warum Internationalisten die schottische Unabhängigkeit unterstützen sollten. Er meint, dass Schottland nicht nur nach innen sehen sollte, sondern auch die Unabhängigkeit als Chance begreifen sollte, der internationalen Gemeinschaft beizutreten. Und dies sind seine Gründe:

  1. Ein unabhängiges Schottland wird die U-Boot-Flotte atomar abrüsten. Dies ist ein Schritt hin zur globalen Abrüstung und einer friedlicheren Welt.
  2. Ein unabhängiges Schottland wird Friedensmissionen der Vereinten Nationen zu Frieden und Krieg unterstützen.
  3. Ein unabhängiges Schottland wird internationale Institutionen wie die Europäische Union und den britischen und irischen Rat unterstützen. Das bedeutet, dass Schottland sich nach Außen richtet und mit seinen Nachbarn kooperieren wird.
  4. Ein unabhängiges Schottland wird ein positives Einwanderungssystem fördern, das diejenigen ermutigt, die in Schottland arbeiten und hierher ziehen möchten.
  5. Ein unabhängiges Schottland wird ein Asylverfahren schaffen, das auf Fürsorge, Sicherheit und das Recht zur Arbeit setzt. Der kürzlich Jahrestreffen des schottischen Flüchtlingsrats sprach sich mehrheitlich wegen der progressiven Ansätze für die Unabhängigkeit aus.
  6. Ein unabhängiges Schottland wird seinen internationalen Hilfeverpflichtungen durch Schaffung von Entwicklungshilfefonds für die ärmsten Nationen nachkommen.
  7. Schottland spielt bereits eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Durch weltweit führende Emissionsziele und den Wachstum der Erneuerbaren Energien, macht Schottland den Unterschied. Mit einer vollständigen Unabhängigkeit können wir noch mehr tun.
  8. Ein unabhängiges Schottland kann seine Mitgliedschaft in der internationalen Gemeinschaft  dazu nutzen, um die Menschenrechte weltweit zu unterstützen.
  9. Ein unabhängiges Schottland kann sich dem Waffenhandel widersetzen, indem es den Verkauf von Munition und Waffentechnologie an Staaten, die diese missbrauchen, verhindert.
  10. Ein unabhängiges Schottland kann als ein Beispiel für die Wahrnehmung des Rechts auf Selbstbestimmung in einem demokratischen und friedliche Prozess dienen.

Und warum ist die Unabhängigkeit so positiv zu bewerten? “Westminster (die Regierung in London) setzt weiterhin auf nuklear bestückte Raketen, beteiligt sich an Kriegen wie im Irak ohne UNO-Mandat, vertuscht seine Beteiligung an Folter und Entführungen, schützt Militärpersonal, das wegen Kriegsverbrechen angeklagt ist, will aus der EU austreten, verschärft die Einwanderungskontrollen, erlässt harte Anti-Asyl-Gesetze, fährt seine Unterstützung für Investitionen in die Umwelt zurück, verkauft Gewehre und Waffen an Diktatoren, nutzt die nationale und internationale Überwachung um Bürgerrechte zu umgehen, und bedroht Journalisten”, schreibt Michael Gray.

Informationsquelle
10 reasons why internationalists should support Scottish independence – National Collective

Montag, 7. April 2014

Wie befriedet man eine Favela?

Die Zeit berichtet am 30. März:
“Sondereinheiten der brasilianischen Militärpolizei sind in eine Armensiedlung von Rio de Janeiro eingerückt. Mehr als 1.000 Beamte hätten den aus 16 Favelas bestehenden Komplex Maré mit knapp 140.000 Bewohnern besetzt, berichten Lokalmedien.
Der Einsatz habe eine Viertelstunde gedauert, zu größeren Zwischenfällen zwischen bewaffneten Banden und den Sicherheitskräften sei es nicht gekommen. Die Polizei verhaftete mehr als 10 Menschen und beschlagnahmte mehrere Kilogramm Rauschgift.”

Und wie sieht die Lage aus der Sicht der Betroffenen aus? Davon berichtet der Blog der “Nationalen Bewegung für das Recht auf Wohnraum (MNLM)” aus Rio de Janeiro:

“Die großen Medien haben gestern routinemäßig über den großen Erfolg der militärischen Invasion zur Befriedung von Maré berichtet. Die positive Berichterstattung kontrastiert mit den Berichten über die von den Polizisten bei der Invasion ausgeübte Gewalt und den Missbrauch ihrer Macht. Polizisten, die ohne Hausdurchsuchungsbefehl in Häuser eindringen; vermummt drohen sie den Bewohnern mit Erschießung: sie zerstören Güter und rauben elektrische Haushaltsgeräte ohne eine Quitttung zu geben; sie beschimpfen die Bewohner und richten ihre Maschinengewehre auf ihre Gesichter; sie schüchtern Kinder ein und belästigen sie, zwingen sie sich hinzulegen und treten auf ihre Köpfe; kollektive Inhaftierung von Jugendlichen, die wegen des Todes eines anderen Jugendlichen protestieren, sie wurden in einem Lastwagen der Polizei zur Polizeidienststelle gebracht; Belästigung und Inhaftierung von alten Menschen; Einbruch in das Haus einer Anwohnerin, die allein war und angesichts der drohenden Präsenz der Polizei sich gezwungen sah halbnackt auf die Straße zu rennen.  In den Medien verbreitete man Fotos von gefangengenommenen Anwohner, die beschuldigt wurden Drogenhändler zu sein, die aber kurze Zeit darauf freigelassen wurden, weil sie unschuldig waren. Die Bilder wurden aber nicht zurückgezogen. Die Invasion der Polizei war genauso wenig ruhig wie andere Invasionen in Favelas in Rio de Janeiro. Wir wissen, dass dies nur der Beginn einer Welle der Repression im Gefolge einer Politik der Ausmerzung und Militarisierung der Favelas ist. Deshalb ist es wichtig den Widerstand zu verstärken. Die Bewohner der Favelas, die sozialen Bewegungen, die Verteidiger der Menschenrecht und alle, die für eine gerechte und gleichberechtigte Gesellschaft kämpfen müssen sich zum Widerstandskampf im Maré und in allen anderen Favelas vereinigen! Die Unterdrücker werden unsere Stimmen nicht zum verstummen bringen!”.

Informationsquelle
Nota pública acerca da resistência popular contra a ditadura militar na Maré

Samstag, 5. April 2014

Fahrerflucht und politischer Zickenkrieg in Madrid

Esperanza Aguirre ist die ehemalige Präsidentin der autonomen Region Madrid. Die Dame ist sehr streitbar und ehrgeizig. Sie gehört der Regierungspartei Partido Popular (PP) an und ist die Führerin der PP in Madrid, ist aber mit der ebenfalls derselben Partei zugehörenden Oberbürgermeisterin von Madrid, Ana Botella, über Kreuz. Auf Grund ihrer heftigen Angriffe gegen Botella unterstellt man in Madrid Aguirre, dass sie daraufhin arbeite, die nächste Oberbürgermeisterin von Madrid werden zu wollen. Es gibt noch eine dritte Kandidatin aus derselben Partei, der man Aspirationen auf den OB-Sitz nachsagt: Cristina Cifuentes, die Delegierte der Regierung in Madrid. Regierungsdelegationen (Delegación del Gobierno) sind eine spanische Spezialität. Entsprechend der Verfassung vertreten die Delegierten der Regierung den Zentralstaat in den Autonomen Regionen. Sie sind dem Finanzminister unterstellt. Cifuentes kontrolliert also Ana Botella und den Präsidenten der autonomen Region Madrid im Auftrag der Zentralregierung. Den letzteren Posten hatte Esperanza Aguirre einmal inne. So sieht als der Machtzirkel in Madrid aus und jede der Konkurrentinnen wartet auf einen Fehltritt der anderen.

Den leistete sich jetzt wohl Esperanza Aguirre. Es fing alles so einfach an. Sie fuhr vergangenen Donnerstag mit ihrem Auto auf einer der Hauptstraßen Madrids, hielt auf dem für Busse reservierten Fahrstreifen und ging mal schnell Geld an einem Kassenautomaten holen. Ihr Pech war, dass sofort zwei Stadtpolizisten zur Stelle waren, um das Verkehrsvergehen zu ahnden. Stadtpolizisten, von denen Frau Aguirre einmal sagte, sie wären “Beamte zur Verhinderung der Mobilität”. Sie wollte sich von denen nichts sagen lassen und von einer Strafzahlung nichts wissen. Obwohl die Polizisten sie sehr höflich behandelt haben sollen, brach sie die Diskussion mit dem Beamten ab, rammte das Polizei-Motorrad und suchte das Weite, ohne die Strafe zu zahlen. Seither ist Frau Aguirre’s Verhalten das Stadtgespräch in Madrid. Und wieder liegen sich ihre Anhänger und Gegner in den Haaren, wie man dieses Verhalten einstufen sollte.

Dabei hatte sich nach den letzten Streitereien Botella und Aguirre vor kurzem zusammengesetzt und einen Nichtangriffspakt beschlossen, um “die Differenzen einzuschränken”. Damit ist wohl jetzt nichts mehr: Botella tadelte Aguirre wegen dem Zwischenfall mit den Stadtpolizisten. “Das Gesetz ist für alle gleich”, antwortete sie auf die Ausflüchte von Aguirre, die zwar anerkannte, dass sie verbotener weise auf der Bus-Spur geparkt habe und hinzu fügte: “Aber es war doch nur eine Sekunde, um Geld aus dem Automaten zu holen”.

Die Internet-Zeitung ”Público” schreibt dazu: “Die Fahrerflucht von Esperanza Aguirre wurde nicht nur zu den am meisten kommentierten Ereignissen in den Bars und auf Twitter, sondern sie hat auch die internen Kämpfe in der PP belebt. Die Wahlen 2015 sorgt unter den Konservativen, die bereits in der vergangenen Zeit sich gegenseitig mit Dreck beworfen und einen Schmutzkampagne gegeneinander um Posten und Rangfolge auf der Wahlliste geführt haben, bereits für Streit.”

Siehe auch:
Madrid gegen Madrid, ein sinnloser Grabenkrieg

Informationsquelle
Guerra interna de lideresas del PP tras la fuga de Aguirre al volante – Público

Donnerstag, 3. April 2014

Ein rumänisches Dorf: Verkehrsschilder statt Wasseranschluss

Patru Fraţi (auf deutsch: Vier Brüder), ein Dorf in der walachischen Ebene nordöstlich von Bukarest hat eine Hauptstraße, die 9 km lang ist. Rumänische Dörfer sind oft Straßendörfer, die Häuser stehen an der Hauptstraße dahinter ist nichts. Patru Fraţi hat weder fließendes Wasser noch Abwasserkanäle. Aber was man ihm nicht nehmen kann: Es verfügt entlang seiner Straße über 200 Verkehrszeichen. Die Straße ist wenig befahren, an den Straßenrändern vergnügt sich das Federvieh im Gras.

Autofahrer, die das Dorf queren, kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die Anhäufung der Verkehrsschilder verlangt höchste Aufmerksamkeit. Manchmal stehen drei bis vier, fünf direkt nebeneinander. Der 60-jährige Fahrer Victor berichtet: “In den dreißig Jahren seit ich Auto fahre, habe ich so etwas nicht gesehen: Das ist die größte Dummheit, die meine Augen je gesehen haben! Es ist fast unmöglich derart vieler Verkehrsschilder auf einem Quadratmeter unterzubringen. Man hat keine Zeit auf den Verkehr zu achten, wenn man sie respektieren will. Ich gebe zu, ich fahre durch ohne auf die Schilder zu achten. Ich kenne die Straße sehr gut, aber Ahnungslose wissen nicht wie ihnen geschieht.”

Ein großer Befürworter der extensiven Beschilderung ist der Bürgermeister. Eigenhändig fährt er durch das Dorf und vergewissert sich, dass alles in Ordnung ist. Mosernden Einwohnern erklärt er: “Gute Leute, weswegen glaubt ihr, dass die Schilder nutzlos sind? Die sind sehr gut aufgestellt. Oder seid ihr etwa Spezialisten für die Straßenverkehrsordnung?” Auch die Verkehrspolizei ist der Überzeugung, dass alles in Ordnung ist. “Die Verkehrszeichen sind in Ordnung. Es gibt keine Probleme damit”, erklärt der stellvertretende Kommissar.

Die Kreisstraße durch Patru Fraţi wurde vor kurzem saniert. Für die Sanierung waren 18 Millionen Lei (ca. 4 Millionen €) in den Kreishaushalt des Kreises Ialomiţa eingestellt. Für die Schilder hat sich das Dorf aus diesem Budget bedient und dafür 200.000 Lei (ca. 25.000 €) ausgegeben. Die Dorfbewohner finden das aber gar nicht lustig. In ihrer Mehrheit sind sie der Meinung, dass man mit diesem Geld dem Dorf eher einmal eine Versorgung mit fließendem Wasser und einer Abwasserkanalisation hätte versorgen können. Dorfbewohnerin Elena, 68 Jahre alt, bringt es auf den Punkt: “Das war nicht nötig: Verkehrsschilder, schließlich haben wir doch sonst alles! Wir holen das Wasser noch vom Brunnen wie es unsere Mutter uns gelehrt hat. Ich hätte gerne 2 Wasser Anschlüsse auf meinem Hof, aber wer kann mir das machen?”

Der Bürgermeister steht jetzt unter Druck. Schuld für ihn hat die Polizei, die ihn gezwungen habe all die Schilder aufzustellen. “Ich habe die Schilder aufgestellt, damit die Polizisten zufrieden sind”, verteidigt er sich. Es könnte aber auch noch etwas anderes dahinter stecken. Die mit der Sanierung der Straße beauftragte Firma ist in Korruptionsfälle verwickelt und gegen sie läuft ein Untersuchungsverfahren. Wer hat nun an den Schildern verdient?

Informationsquelle
Se întâmplă doar în Ialomiţa: 200 de indicatoare rutiere într-un sat. Primarul: „Le-am pus ca să se sature poliţiştii!“ – Adevarul