Montag, 30. September 2013

Ein König, der sein Volk hinters Licht führen will

Der spanische König Juan Carlos wurde vor kurzem erneut an der Hüfte operiert. Er hat bereits mehrere derartige Operationen hinter sich. In Spanien läuft zur Zeit eine umfangreiche Privatisierungswelle im Gesundheitswesen. Diese ist verbunden mit Schließung kleinerer Krankenhäusern und umfangreicher Entlassung von Personal. Deswegen gibt es seit einiger Zeit heftige Proteste in der Bevölkerung. Angesichts dieser Situation fragt sich natürlich das Volk, warum der König sich nicht in einem Krankenhaus der staatlichen Krankenversicherung von den dort tätigen Ärzten operieren lässt. 
Denn selbstverständlich wird der König nach scheinbar erfolglosen Operationsversuchen, für die das private spanische Gesundheitswesen verantwortlich zeichnet, jetzt von einem Starteam der US-Mayo-Klinik operiert. Zahlen soll es der spanische Steuerzahler, dem es natürlich angesichts der sich ständig verschlechternden eigenen Gesundheitsversorgung nicht einleuchtet, warum sein Staatsoberhaupt privilegiert umsorgt werden muss. Zudem betrachten viele Spanier es nicht mehr als besonderes Glück eine Königsfamilie durchfüttern zu müssen.
Um die Aufregung zu dämpfen hat die Regierung und das Königshaus zu einem Trick gegriffen: Vertrauliche Quellen aus dem Königshaus hätten die Nachrichtenagentur Efe informiert, dass der Chirurg Cabanela den Wunsch geäußert habe, kein Honorar zu verlangen wie das bereits schon vorhergehende Chirurgen getan hätten. De Zeitung Publico berichtet, dass der Chirurg Cabanela ein sehr altruistischer Mensch sei, er habe auch schon Gratis-Operationen in Guatemala und Vietnam durchgeführt, wo er innerhalb des Sozialbereichs medizinisch tätig war. Cabanela ist Amerikaner mit spanischen Wurzeln. Wer allerdings nicht auf sein Honorar verzichtet ist der an der Operation beteiligte amerikanische Chirurg Robert Trousdale, er wird mit seinem Team dem Königshaus und damit dem spanischen Steuerzahler eine Rechnung zuschicken. Um es klar zu sagen: Nicht der Chirurg kassiert, sondern sein Arbeitgeber, der ihn bezahlt und das wird dann der Öffentlichkeit als eine Gratis-OP verkauft.
Es gibt sicher viele bedürftige Spanier, die eine solche Leistung – kostenlose Operation - viel mehr nötig hätten. Warum soll ein Chirurg einem vermögenden König etwas schenken? Die Aktion des Königshauses stinkt also zum Himmel und die Bevölkerung kann das eigentlich nur als großangelegte Versuch, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen, begreifen. Wie es eine Kommentarschreiberin des Zeitung “Publico” ausdrückt: “Wie kommt es, dass er nichts verlangt? Cabanela wird von der Mayo-Klinik bezahlt, die sein Arbeitgeber ist, und diese Klinik stellt nicht dem König, sondern dem Königshaus eine Rechnung aus und damit den Spaniern”.
 
Siehe auch:
Ein gebrechlicher König mit mangelnder Einsicht
 
Informationsquelle
El cirujano Cabanela no le cobra al rey por el recambio de cadera – Publico

Mittwoch, 25. September 2013

Bittere Cashew-Nüsse und schwarze Kinderhände

Im Nordosten Brasiliens werden die beliebten Cashew-Nüsse, auf deutsch auch Kaschu genannt, geerntet. “Der Cashewbaum trägt ungewöhnliche Früchte, augenscheinlich sind es sogar zweierlei verschiedene: die bunten Cashew-Äpfel und die an Bohnenkerne erinnernden Cashewnüsse, quasi als Anhängsel.  Nebenbei produziert der Cashewbaum auch noch Latex und ein technisch wertvolles Öl. Sein Holz ist sehr hart und dicht, resistent gegen Termiten und sehr widerstandsfähig gegen Verwitterung.” So beschreibt die Webseite “Biothemen” Cashew und Cashewkerne.

Die Cashew-Nuss ist schwierig zu ernten. Die Schale enthält ein ätzendes Öl. Dieses Öl verletzt die Haut, verursacht Irritationen und chemische Verbrennungen. Zudem ist das Öl leicht entzündlich und klebrig. Beim Aufbrechen der Schalen mit den Händen werden die Hände schwarz und verletzen die Papillarleisten der Finger. Das Öl breitet sich beim Brechen der Nüsse über die Finger bis zu den Spitzen aus. Die Linien auf den Fingerspitzen verschwinden komplett. Der Fingerabdruck ist dann unbrauchbar, ein Nachteil in einem Land, wo viele Rechtsgeschäfte auch mit dem Fingerabdruck getätigt werden.

Im Ort João Câmara, im Hinterland des brasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Norte, stehen bei Dunkelheit ein Junge und ein Mädchen bei einem Feuer über dem eine Blechdose mit Cashewfrüchten angebracht ist. Das Mädchen überwacht das Feuer, indem es mit einer Flasche Wasser auf das Feuer spritzt, damit die Flammen nicht zu hoch schlagen. Beide stehen im Qualm. Ihre Arbeit hat um 3 Uhr in der Frühe angefangen. Man muss früh in der Nacht anfangen, weil die Mittagssonne im brasilianischen Nordosten gnadenlos brennt und ein Arbeiten unmöglich macht. Der Junge ist 13 Jahre alt ebenso seine Schwester. Bis zur 4. Klasse besuchte er die Grundschule, aber er hat Schwierigkeiten zu lesen und zu schreiben. So hat er nach der 4. Klasse die Schule verlassen, weil er sonst 1 Stunde mit dem Omnibus bis zur höheren Schule hätte fahren müssen. Er ist inzwischen Spezialist im Brechen von Cashew-Nüssen.

Die Beschäftigung von Kindern beim Brechen der Caju-Nüsse steht auf der Liste der schlimmsten Formen von Kinderarbeit. Ein Arzt, der gezielte Studien zum Thema der Cashew-Produktion gemacht hatte, erklärt, dass die Arbeit als ungesund gelte. Die Cashew-Ernte in den Dörfern des Nordostens, wo die ganze Produktion handwerklich ablaufe und die Familien von dieser Arbeit abhängig seien, um überleben zu können, zeige die Widersprüchlichkeit dieser Situation: “Die Produktion beruht auf Bedingungen der Kinderarbeit. Um zu überleben muss man sich untragbaren Arbeitsbedingungen ausliefern und die Kinder werden dafür geopfert. Das können wir jetzt, im 21. Jahrhundert nicht mehr akzeptieren”, erklärt der Arzt.

Die Behörden sind über die Zustände informiert. Die Staatsanwältin in Arbeitsangelegenheiten Marinalva Cardos Dantas, zuständig für die Ausrottung der Kinderarbeit und den Arbeitsschutz Jugendlicher in Rio Grande do Norte, hat mehrfach Kontrollen veranlasst und den Zustand beschrieben und Lösungen vorgeschlagen. Sie sagt: “Wir können nicht akzeptieren, dass die Kinder in einer solchen Lage bleiben, aber es reicht nicht, die Arbeit zu unterdrücken, wir müssen auch Alternativen aufzeigen”. Ein anderer Staatsanwalt hat ein Verfahren eingeleitet. Dazu der Vertreter einer Bürgervereinigung: “Er hat gesagt, dass er gegen die Familien prozessieren wird, er versuchte den Leuten die Arbeit zu verbieten, alle waren entsetzt. Es war eine schlimme Situation. Der Qualm tut uns nicht gut, das wissen die Leute, aber sie wollen ihre bisherige Produktionsmethoden nicht ändern. Es hat keinen Zweck sie zu zwingen, man muss sie überzeugen es anders zu wollen, Alternativen aufzeigen”.

Brasilien hat sich verpflichtet bis 2015 jede Form von Kinderarbeit abzuschaffen.

Informationsquelle
Vou ali chorar e já volto: as crianças sem identidade – Repórter Brasil

Montag, 23. September 2013

Wir werden Untertanen von Angela und nicht von Juan Carlos

Das meint der Journalist Arturo Gonzalez zum Wahlgewinn von Angela Merkel und ihrer CDU in Deutschland. Während die Spanier sich über eine fällige Operation des Königs unterhielten, mache sich Angela Merkel zur Königin Europas. Sie wäre damit auch zur Königin der Spanier gekürt worden und sie werde von den Spaniern noch mehr Sparpolitik und mehr Reformen verlangen. Und der spanische Ministerpräsident habe nichts anderes getan als ihr sofort demütigst zu gratulieren. Damit habe er das Land in das Feld der Dummköpfe eingeordnet.

Europa sei jetzt in der Zange der Rechten und Spanien wäre mit ihnen und in ihnen. Während es angeblich der spanischen Wirtschaft besser gehe, sei es immer schlechter um die soziale Gerechtigkeit bestellt. Spanien und Europa würden konservativer und in Konsequenz ungerechter. Der große Unterschied mit Deutschland sei, dass Merkel ihre Landsleute und die politische Opposition mit Respekt behandle ganz im Gegensatz zum Umgang von Rajoy mit abweichenden politischen Meinungen oder Bürgern in seinem Land. Der denke nur an sich und nichts als an sich und seine Klasse, aber nie an das Volk.

Die politische Kategorie von Rajoy sei umgekehrt proportional zu der von Königin Angela, die die Geldbeutel der Spanier operieren werde. “Wir sind gefangen im Baum von Europa. Queen Angela, Rüpel Rajoy, eine ungewisse Zukunft, dunkle Schatten. Wir sind Untertanen von Angela und nicht von König Juan Carlos” ist sein Fazit.

Informationsquelle
Queen Angela – Público

Freitag, 20. September 2013

Die deutsche Regierung spielt Energiewende–Frankreich geht sie an

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell, Spezialist für Erneuerbare Energien, schreibt: “Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Initiative „Energiewende Jetzt“ ergab, dass 93 Prozent der Menschen in Deutschland hinter dem Ausbau der Erneuerbaren Energien stehen. Damit unterstützen sie die Erfolge der durch Rot-Grün auf den Weg gebrachten Energiewendepolitik. Eine Fortführung dieser Politik kann aber nur mit starken Grünen in der Regierung gelingen. Leider ist vielen nicht bewusst , dass CDU/CSU und FDP nur ein Greenwashing ihrer Energiepolitik betreiben und dass obwohl die Union und die FDP mit ihrer Sabotage an der Energiewende schon für viele Insolvenzen und den Verlust von 70.000 Arbeitsplätzen verantwortlich sind.”

Die deutsche Bevölkerung ist also durchaus dafür, dass die Energiewende voran kommt, aber die bisherige Regierung lässt nicht erkennen, ob sie das auch so will. Im Wahlkampf herrscht inzwischen bezüglich der Zukunft der Energiewende völlige Verwirrung. Eine Kanzlerin, die nur Allgemeinplätze dafür übrig hat, ein Umweltminister, der sich auf Ausnahmeregelungen für die Industrie konzentriert und die bisherigen Strommonopole umhegt und die Brüderle-Rösler FDP von denen man nur das Wort “EEG” abschaffen hört. Die deutsche Industrie ist leider selten Avantgarde im technischen Bereich: Der “Kat” – inzwischen Standard bei motorisierten Fahrzeugen – wurde von der Autoindustrie mit den üblichen Sprüchen bezüglich Wettbewerbsfähigkeit bekämpft und die Einführung hinausgezögert. Beim Partikelfilter für Diesel-Fahrzeuge wiederholte sich dasselbe Spiel. Französische Fahrzeuge verfügten schon über die Partikelfilter als der von der deutschen Autoindustrie noch als unnötig und Jobkiller hingestellt wurde. Erfolgreich wiederholt sich das Ganze jetzt bei der Absenkung des durchschnittlichen Treibstoff-Verbrauchs von Kraftfahrzeugen. Die deutsche Auto-Industrie jammert statt dass sie handelt und die Kanzlerin greift ihr besorgt politisch unter die Arme und verhindert schärfere Regelungen innerhalb der EU.

Frankreich, wegen seiner Politik der Versorgung mit Atomkraft inzwischen ins Hintertreffen geraten, will jetzt die Wende und vielleicht werden die von uns gescholtenen Franzosen in einigen Jahren weiter sein wie unsere Regierungsparteien, die sich in Partikularinteressen verheddern und keine klare Perspektive für die Zukunft unserer Energiepolitik haben. Präsident Hollande hat jetzt in einer Umweltkonferenz neue Ziele in der Energiepolitik angekündigt. Bis 2050 soll Frankreich seinen Energieverbrauch um die Hälfte senken. So soll zum Beispiel als Anreiz die Mehrwertsteuer für energetische Sanierung von Gebäuden auf 5% abgesenkt werden. Der Nuklearpark – sprich: Atomkraftwerke – soll bis 2025 von 75% auf 50%-Anteil an der Energieversorgung abgesenkt werden. 30% der fossilen Energieträger sollen bis 2030 eingespart werden. Nächstes Jahr soll eine Konferenz der Banken organisiert werden und die Finanzierung der Energiewende besprochen werden. Alle 5 Jahre soll eine Überprüfung der Fortschritte erfolgen.

Diese französische Entscheidung erfolgt im Hinblick auf den Klimawandel. Ein Wort, das im deutschen Wahlkampf mit der Lupe zu suchen ist.

Informationsquelle
Porte-parole de la Fondation Nicolas Hulot, Matthieu Orphelin se satisfait des annonces de Hollande et considère que le «cap est donné». – Libération
Hollande : la France doit consommer moitié moins d'énergie pour 2050 – Libération

Mittwoch, 18. September 2013

Statt Bürgerservice Kür der schönsten Staatsdiener/-in

Am 28. Oktober feiert Brasilien den Tag des öffentlichen Bediensteten. Wörtlich könnte man die brasilianische Bezeichnung “Dia do Servidor Público” auch mit “Tag des Staatsdieners” übersetzen. Eingerichtet wurde der Tag vom Präsidenten Getulio Vargas im Jahre 1937. Vargas wurde 1930 vom brasilianischen Militär an die Macht geputscht. Öffentliche Bedienstete in Brasilien sind bekannt dafür, dass sie wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Bevölkerung nehmen. In die allgegenwärtige Korruption sind sie tief verwickelt. Deshalb ist es notwendig, dass die Machthabenden dem Volk die Ehrung seiner Diener vorschreibt.

Die öffentlichen Bediensteten soll die Bevölkerung also auch in diesem Jahr am 28. Oktober ehren. Reichlich absurd und in diesen unruhigen Zeiten, in der die Bevölkerung protestierend auf die Straßen geht, mehr als an der Realität vorbei. Einen alten Zopf schneidet man aber nicht gerne ab und so versucht man das Thema halt “sexy” zu machen. So wie der brasilianische Bundesstaat Ceará im Nordosten Brasiliens.

Weil’s so schön ist gebe ich hiermit die entsprechende Meldung der Zeitung “O Povo” in Übersetzung wieder: “Die Landesregierung fördert einen Schönheitswettbewerb für öffentliche Bedienstete. Den öffentlichen Bediensteten des Staates Ceará, die gerne einen “Miss / Mister-Tag” haben möchten, wird der Wunsch am kommenden 25. Oktober erfüllt. An diesem Tag, an dem der Tag des Staatsdieners gefeiert wird, wird auch ein Schönheitswettbewerb im ehemaligen Gouverneurspalast abgehalten. Die Regeln für den Anlass schreiben vor, dass alle Regierungssekretariate (eine Art Landesministerium) einen Repräsentanten für jede der folgenden Kategorien des Wettbewerbs entsenden kann: Miss Staatsdienerin (Alter zwischen 18 und 35 Jahren), Miss Staatsdienerin master (ab 35 Jahren), Miss Staatsdienerin plus size (Mannequin ab 46 Jahren) und Mister (älter wie 18 Jahre). Die Auswahl hat jeweils intern in jedem Sekretariat zu erfolgen. Entsprechend der Mitteilung der Regierung kann die Wahl der Gewinner auch im Internet erfolgen. Dafür würde eine spezielle Webseite entwickelt. Die Finalisten werden während des Tages des Staatsdieners am 25. Oktober benannt und vor dem Publikum defilieren”.

Da der Tag des Staatsdieners dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, hat die Regierung von Ceará die Feiern um 3 Tage vorverlegt, damit die “Staatsdiener” ihren freien Tag haben und sich einmal nicht mit trögen Amtsgeschäften beschäftigen müssen.

Glückliches Brasilien, wo sich eine Regierung mit solchen Themen beschäftigen kann.

Informationsquelle
MASTER, PLUS SIZE E MISTER Governo do Estado promove concurso de beleza para servidores – O Povo

Montag, 16. September 2013

Duale Berufsausbildung in Spanien am Beispiel Sevilla’s

In Spanien war die duale Berufsausbildung – theoretische Ausbildung in der Berufsschule und Ausbildung direkt am Arbeitsplatz – bis vor nicht allzu langer Zeit unbekannt. Die Folge war, dass es viele Studenten mit Hochschulabschlüssen gab, die über keinerlei praktische Berufserfahrung verfügten. Die deutsche duale Berufsausbildung wurde den Spaniern in  letzter Zeit von deutschen Politikern empfohlen, um damit wirkungsvoller die hohe Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen zu können.

Am Beispiel Sevillas ist zu erkennen, dass diese Art der Ausbildung – Ciclos Formativos (FP) genannt -immer mehr an Akzeptanz bei der Jugend gewinnt. In der Provinz Sevilla werden zum neuen Schuljahr erstmals mehr Schüler die Berufsschule besuchen als solche, die das Abitur machen. Gegenüber 2008 gibt es einen Anstieg der Schülerzahlen um 38%. Die Zeitung “Diario de Sevilla” schreibt: “Diese Erhöhung fällt mit dem Zeitraum der Wirtschaftskrise zusammen. Während dieser Zeit hat sich die berufliche Ausbildung in einen der sichersten Wege verwandelt, um einen Arbeitsplatz zu erhalten. Nach Meinung der Experten suchen viele Unternehmen Angestellte mit einer hohen technischen Qualifikation, einem Profil das mehr auf einen Schüler des FP zutrifft als auf einen Universitätsabsolventen. Auf der Suche nach Arbeit sind auch die Praktika, die diese Schüler in den Unternehmen absolvieren, hilfreich. Die Unternehmen haben Absprachen mit den Berufsschulen, damit viele der Schüler nach Abschluss der Berufsschule einen Arbeitsplatz bekommen”. Besonders beliebte Ausbildungsrichtungen sind das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie das öffentliche Gesundheitswesen.

Das deutsche Modell (modelo alemán) ist aber nicht unumstritten in Spanien. Die Webseite “eldiario.es” berichtete im Juli unter dem Titel “Einer von 10 Schülern wird mit Aufgaben beschäftigt, die keinen Bezug zur Schulausbildung haben” über den Leerlauf in der praktischen Ausbildung in Deutschland. Der Kommentare zu diesem Bericht sind viele und zu 90% negativ: Deutschland als Land der prekären Arbeitsverhältnisse gilt vielen nicht als das große Vorbild. Überhaupt: Spanier mögen keine Vorbilder, die ihnen so großkotzig mit Belehrungen kommen, in diesem Bereich sind sie äußerst empfindlich.

Informationsquelle
La otra cara de la formación profesional dual alemana – eldiario.es
La FP eleva su alumnado un 40% con la crisis y supera ya al de Bachillerato – Diario de Sevilla

Samstag, 14. September 2013

Ist das Gold von Rosia Montana der Beginn einer Bürgerbewegung in Rumänien?

Das Projekt des Goldabbaus in Rosia Montana ist jetzt endlich dort angelangt, wo es hingehört: In dem Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzungen der rumänischen Gesellschaft. Lange Zeit wurden die Nachteile des Projektes, Goldabbau unter erheblicher Verwüstung einer schönen Landschaft und unter Nutzung des giftigen Cyanids, von Politik und Medien in Rumänien totgeschwiegen. Eine kleine Gruppe von Umweltschützern hat sich jedoch nicht einschüchtern lassen, heute wächst ihre Bewegung und sie ist zu einer ernsthaften Bedrohung der politischen Klasse geworden.

Diese Klasse führt wie andere zuvor vor, wie unfähig sie ist die zentralen Probleme Rumäniens zu lösen. So räumte der derzeitige Ministerpräsident Ponta ein, jahrelang selbst ein Gegner des Goldprojekts gewesen zu sein – schon deshalb, weil der Staatschef dafür war. Die Allgemeine Deutsche Zeitung in Rumänien (ADZ) berichtet weiter: “Als Regierungschef habe er das Fördervorhaben dann unter die Lupe genommen und festgestellt, dass es durchaus auch Vorteile berge. Ponta erläuterte, dass die Roşia Montană Gold Corporation laut geltenden Regelungen die noch ausstehende Umweltgenehmigung erhalten und mit dem Goldabbau beginnen müsste – die vereinbarten Umweltschutzmaßnahmen entsprächen den EU-Kriterien voll und ganz. Zudem werde in Rumänien bereits an vier Standorten Gold im Zyanid-Verfahren abgebaut, ohne dass sich jemand daran stoße.”

Also, der Premierminister war dagegen, weil der Staatspräsident dafür war. Und jetzt ist er plötzlich dafür, weil er auch ein paar Vorteile aus dem Projekt erkennen kann. Welch ein politisches Armutszeugnis stellt er sich da aus. Seine Umweltministerin Rovana Plumb erklärte am 10. September, dass der derzeitige Goldabbau in Rosia Montana “eine echte ökologische Zeitbombe" bedeute. Sie führte weiter aus: “Es gibt eine starke Umweltverschmutzung, die aus den 18 Abraumhalden herrührt, die nicht umwelttechnisch behandelt wurden. Aus dem zweiten Stollen, in dem sich ständig Gase ansammeln, gibt es eine starke Konzentration von hochgiftigen Substanzen. Es gibt auf einer Länge von 4 km im Grundwasser eine hohen Anteil von saurem Wasser, das den erlaubten Wert um das 100-fache überschreitet. Zudem gibt es eine Oberfläche von 235 Hektar, auf der die Vegetation durch die bisherigen Explorationsarbeiten völlig zerstört wurde”. Die Umweltministerin verlangt nach sofortigen Maßnahmen, um die Verschmutzung zu stoppen. Man muss also schon viel Verdrängungsvermögen haben, wenn man als Ministerpräsident plötzlich die gravierenden Gefahren für Landschaft und Menschen nicht mehr sehen will. Oder es steckt viel Geld dahinter, mit dem man die Bedenkenträger umstimmen kann.

Seit Tagen gibt es jetzt in Bukarest und Cluj / Klausenburg Proteste gegen eine Genehmigung für den Goldabbau in den Rosia Montana. Die Medien, die bisher die Proteste mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung des Betreibers von Rosia Montana verniedlicht oder totgeschwiegen haben, können die Proteste nicht mehr ignorieren. Eine schlagkräftige Bürgerbewegung ausgehend vom “FanFest”, entwickelt und verbreitert seine Basis immer schneller. Die Veranstalter des FanFest beschreiben ihr Festival so: “FanFest ist ein spezieller Raum für kulturelle Angebote im Umwelt- und Sozialbereich sowie  der einer nachhaltigen Entwicklung von Rosia Montana und ist damit in den letzten 10 Jahren die Speerspitze der Umweltbewegungen und Bewegungen im sozialen Bereich in Rumänien geworden.” In Deutschland ist aus den Umwelt- und Bürgerbewegungen der 80er Jahre eine neue politische Macht entstanden und die Hoffnung besteht, dass auch in Rumänien der Kampf um die Rettung von Rosia Montana ein neues Denken und ein Start in eine gelebte Demokratie beginnt. Zu wünschen wäre es.

Siehe auch:
Roşia Montană: UNESCO-Weltkulturerbe statt das Gift des Goldes
Bürgerinitiative gegen Goldgräber
Nach Chemieunfall in Ungarn Zähneklappern in Rumänien
Informationsquelle:
Ministrul Mediului: La Roşia Montană este "o adevărată bombă ecologică" – Antena3
Ponta: Investitionsmäßig darf Rumänien nicht blockiert bleiben - Premier räumt ausländischen Druck gegen Energieprojekte ein – ADZ

Donnerstag, 12. September 2013

London zeigt mit was sich die Menschheit so quälen und umbringen kann

In London findet zur Zeit die Weltweit größte Waffen- und Kriegsgeräte Messe statt. Die DSEI (Defence and Security Equipment International) zeigt alles, was wir zu unserer Verteidigung brauchen. Angeblich. Besonders beliebt ist die Messe auch bei Diktatoren z.B. aus Usbekistan und Turkmenistan.

Die DSEI hat auch sogenannte “Compliance”-Regeln für die Teilnehmer. Die bestimmen, was man so ausstellen darf. Z.B. keine Folterinstrumente. So genau nahm man aber von Veranstalter-Seite aus die Regeln nicht. Erst Menschenrechtsaktivisten entdeckten, dass z.B. Fußfesseln und Elektroschock-Stäbe angeboten wurden. Die sind nach den “Compliance”-Regeln ausdrücklich verboten. Erst nachdem britische Grünen-Abgeordnete Caroline Lucas die Sache im Parlament zur Sprache brachte, wurden die ausrichtenden Firmen MagForce International (Frankreich) und die Gesellschaft Tian Jin MyWay aus China gezwungen ihren Stand zu schließen. Mitteilung von DSEI: “Wir bestätigen, dass Tianjin Myway International Trading Co. und Magforce International von der Messe ausgeschlossen wurden, weil sie gegen britische Gesetze verstoßen haben.” Die Richtlinien der britischen Regierung dazu besagen: “….die Belieferung mit diesen Gütern ist unerwünscht. Lizenzen werden normalerweise nicht für den Handel mit den aufgeführten paramilitärischen Gütern erteilt, weil sie für Folterungen genutzt werden”.

Die französische Zeitung “Le Monde” zitiert einen Sprecher der aus dem Waffen-Paradies verstoßenen französischen Firma MagForce, die sich für unschuldig hält: “Soweit ich das weiß, haben wir noch nie diese Art von Objekten verkauft. Wir sind Händler und wir stellen sie nicht selbst her” und geheimnistuerisch soll er hinzugefügt haben: “Der größte Teil unserer Kundschaft sitzt in Afrika”.

Die Webseite “East London against Arms Fairs” beschreibt den Sinn der Waffenmesse: "Die DSE Waffen-Messe lädt skrupellose Waffenhändler aus Ländern ohne Waffenkontrolle ein. Moderne Waffen werden an Länder verkauft, die sich im Krieg befinden. Waffen, Panzer und Raketen werden an Regime verkauft, die ihre eigenen Leute unterdrücken und ihre Nachbarn angreifen. Delegationen von Ländern, die Hilfe für die Gesundheitsversorgung, Erziehung oder Landwirtschaft benötigen, werden überredet, Waffen zu erwerben. Während die Profite dieser Waffenmesse an ihre Eigner in New York und Abu Dhabi geht, bleibt die Schande, die Waffenmesse zu beherbergen bei London und ihre abgeschlachteten, beraubten und verstümmelten Opfer kann man überall auf der Welt finden.”

Informationsquelle
SENSIBLE – Des équipements français utilisés pour la torture indésirables à Londres – Le Monde
Exclusive: Organisers of world's largest arms fair in London accused of failing to stop promotion of equipment 'used in torture' – The Independent

Montag, 9. September 2013

Das Chaos ist Alltag in Rio’s öffentlichem Nahverkehr

1998 wurde Flumitrens, der Betreiber der Stadtbahnen von Rio de Janeiro, privatisiert. Am 2. November desselben Jahres bekam das SuperVia getaufte Unternehmen der spanischen Unternehmen Construcciones y Auxiliar Ferrocariles S/A eine 25-jährige Konzession zum Betrieb der Stadtbahn. Der damalige Direktor versprach innerhalb von 3 Jahren die Bahnen zu modernisieren und sie auf den Standard der industrialisierten Welt zu bringen.

Bereits kurze Zeit nach der Privatisierung kam es zu ständigen Pannen und Bahn-Unfällen. Von Flumitrens hatte SuperVia verrostetes und verrottetes Wagenmaterial übernommen. Zur Modernisierung erhielt SuperVia einen mehreren Millionen Euro starken Kredit der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Damit wurde der Zugpark von 50 auf 85 Züge erhöht. Die Züge waren denoch chronisch überbelegt und der Vandalismus und die Zerstörung Alltag.

Seltsamerweise existierte noch 1983 ein effizientes Bahnsystem im Bundesstaat Rio de Janeiro, mit guten Sicherheitsbedingungen und bezahlbaren Preisen. Dadurch stiegen die Nutzerzahlen von einst 80.000 im Jahr auf 1,1 Mio von 1983 auf 1984. Die Betreiber ignorierten die steigenden Nutzerzahlen, es gab keine Investitionen in die Erhöhung der Kapazitäten. 1990 waren die Züge bereits erheblich verrottet, die Zahl der Nutzer fiel ständig. Die Züge fuhren teilweise mit offenen Türen und gefährdeten auf diese Weise die Passagiere. Hinzu kam, dass immer mehr Schwarzfahrer die Bahn benutzten. Das Bahnnetz deckte 224 km ab.

Ist es besser geworden? Nein, die Zeitung Jornal do Brasil schreibt: “Die Vormittage der letzten Woche waren von einem Szenario bestimmt, dass sich Jahr für Jahr auf den wichtigsten Bahnlinien von Rio de Janeiro abspielt. Kaputte Züge, überfüllte Bahnhöfe, Menschen, die auf den Gleisen laufen, Verspätungen und stundenlanger Ausfall des Systems war das Schauspiel, das infolge technischer Pannen von der Bahnlinie SuperVia geboten wurde. Die Störungen stürzten das Leben der Bewohner Rio’s in ein Chaos. Empört verwüsteten die Passagiere die Zugwagen und steckten einen Pannen-Zug in Brand. Im “Tagebuch” von SuperVia waren vom ersten Tag der Übernahme an Geschichten von miserablen Service zu verzeichnen. Dabei hatte man am 2. November 1998 versprochen: “Wir verbessern uns jeden Tag für Euch”.”

Ein brasilianischer Fachmann für das Verkehrswesen erklärt, dass das hauptsächliche Problem von SuperVia darin bestehe, dass es mit den Benutzern nicht kommuniziere. “Die verstehen es nicht mit ihren Kunden in Kontakt zu treten, nicht einmal die Lautsprecher in den Zügen würden funktionieren”, ist seine Meinung. Dies könne man als Missachtung der Kunden auslegen. Der Präsident von SuperVia hat sich jetzt bei seinen Nutzern entschuldigt. In einem Fernseh-Interview versprach er, dass es bis Ende des Jahre 60 neue Zugeinheiten geben werde und man das Jahr 2013 mit 500 technischen Pannen weniger abschließen werde. Zudem werde das Unternehmen in die Information der Nutzer investieren, die Bahn habe jetzt 160 Lehrlinge eingestellt, die zukünftige auf den Bahnhöfen für Auskünfte zur Verfügung stehen würden. Generell würde in 4 bis 5 Jahren das gesamte System saniert sein.


Siehe auch:
Olympiastadt übt schon mal den Verkehrsnotstand

Informationsquelle
Diário sobre trilhos: 15 anos de problemas e falhas da SuperVia – Jornal do Brasil

Sonntag, 8. September 2013

Bukarest: Hilflos den Straßenhunden ausgeliefert

Im Jahr 2006 wurde in Bukarest ein 68 Jahre alter japanischer Diplomat vor seiner Wohnung von einem der zahlreichen durch die Stadt vagabundierenden Straßenhunden angefallen. Die Bisswunden waren so schwer, dass der Diplomat an starkem Blutverlustes verstarb. Das Geschehen schockierte die Stadt und die Stadtverwaltung schwor wieder einmal, dass man endlich die seit dem Ende der Diktatur herrschende Plage der durch Bukarest streunenden Straßenhunde lösen werde.

Leider wurde nichts daraus. Im Kleinkrieg zwischen Tierschützern und Verwaltung lief letztendlich gar nichts mehr und die Population der Straßenhunde verringerte sich nur wenig. Nachdem vor ein paar Tagen ein Kind in einem Park von Bukarest von Straßenhunden tot gebissen wurde, herrscht aber wieder Aufregung bei der Bevölkerung und bei den Behörden. Plötzlich schalten sich der Staatspräsident und der Ministerpräsident ein und helfen bei der Suche nach den Schuldigen. Ministerpräsident Ponta erklärte: "Selbstverständlich ist das ein großes Problem. Wir müssen den Stadtbehörden bei der Suche nach effizienten Lösungen helfen. Leider ist es in den letzten 20 Jahren niemandem gelungen, dieses Problem endgültig zu lösen. Es ist ein Problem, das wir äußerst ernst nehmen sollten. Niemandem ist es gelungen eine effektive Lösung zu finden. Jeder der zu einer guten Lösung beitragen kann, wird unsere Hilfe bekommen".

Scheinbar steht sogar der Ministerpräsident vor einem unlösbaren Rätsel. Jetzt soll das Volk entscheiden: Der Stadtrat von Bukarest hat am Freitag eine Volksabstimmung für den 6. Oktober beschlossen. Bei der soll das Volk ein Tötungsprogramm für Straßenhunde beschließen. Die Hürden dafür, dass eine Zustimmung in Kraft gesetzt wird, sind recht hoch. Mindestens 50% der Bevölkerung müssen an der Abstimmung teilnehmen.

Cristian Campeanu von der Zeitung Romania Libera hat zur derzeitigen Situation ein paar sarkastische Bemerkungen: "Fast in der ganzen zivilisierten Welt gibt es dieses Problem nicht: Es gibt keine Straßenhunde. Tiere, die auf der Straße leben, werden in ein Tierheim gebracht - das ist die einzige Aufgabe eines Tierheims und nicht jene, dass die Tiere dort bis zu ihrem natürlichen Tod verwahrt werden - und danach nach einer angemessenen Frist, wenn sie niemand haben will, werden sie eingeschläfert. Es gibt keine andere Option.... Das einzige Recht aggressiver Tier ist es, dass sie schnell sterben und ohne Schmerzen." Campeanu ist der Ansicht, dass die Behörden sich nicht mehr vor den Entscheidungen drücken sollten. Die von der Bukarester Stadtverwaltung in dieser Sache gezeigte Lässigkeit sei ein exemplarische Beispiel für Unvermögen, Inkompetenz und eine korrupten Regierungsstil in Rumänien. "Aus Angst vor den "Liebhabern der Tiere" wird eine ganze Stadt als Gefangene einer unverantwortlichen Verwaltung gehalten", fügt er hinzu.


Die Tierschützer, bei denen sich immer wieder auch die Alt-Filmschauspielerin Brigitte Bardot zu den Straßenhunden von Bukarest zu Wort meldet und die "Mordprogramme" geißelt, werden nun gespannt auf den 6. Oktober sehen. Die Stadtverwaltung hat die Verantwortung an die Bevölkerung verschoben und es wird mit Sicherheit eine sehr emotionale Debatte vor der Abstimmung geführt werden.

Siehe auch:
Was machen, wenn streunende Hunde 3.000 Kinder im Jahr beißen?
Gnadenfrist für streunende Hunde
Keine Euthanasie für Hunde!

Informationsquelle
Guvernare de „comunitari“ sau de maidanezi? - Romania Libera
Referendum pentru eutanasierea maidanezilor - care sunt conditiile sa fie validat

Samstag, 7. September 2013

Die Schule beginnt in Spanien mit einer Vergesellschaftung des Schulmaterials

Bizarre Aktion in Sevilla. Etwa 30 Männer und Frauen schnappen sich im Supermarkt Carrefour Einkaufswagen, füllen diese mit Schulbüchern und Schulmaterial und verlassen den Markt ohne zu zahlen. Es war eine Aktion der andalusischen Gewerkschaft SAT, die bereits früher durch originelle Aktionen zur Neuverteilung des Reichtums aufgefallen war.

Die Gewerkschaft erklärt, dass sie mit dieser Aktion auf die 2 Millionen Andalusier und Andalusierinnen hinweisen wolle, die in Armut lebten sowie auf die 400.000 andalusischen Familien, die keinerlei Unterstützung erhielten, obwohl alle Familienangehörigen arbeitslos seien. Für jedes Kind müssten die Familien jedoch Kosten in Höhe 100-150 Euro für Schulmaterial für das jetzt beginnende Schuljahr zahlen.

Vor der Aktion hatte die Gewerkschaft die Leitung des Supermarktes informiert, so dass die Aktion relativ geräuschlos ablief. Regierungsstellen kündigten allerdings bereits an, dass man mit aller Härte gegen die Gewerkschaft vorgehen werde. Die Gewerkschaft hofft auf der anderen Seite, dass der Supermarkt das enteignete Schulmaterial als Spende ansieht und von einer Anzeige absieht. Für die Gewerkschaft kam es in erster Linien auf die Öffentlichkeits- und Signalwirkung der Aktion an.

Die Aktion ist mehr als nötig. Mit dem neuen Schuljahr beginnt für viele spanische Eltern das Kopfzerbrechen wie die Schulkosten für die Kinder bezahlt
werden können. Infolge der Wirtschaftskrise haben viele Gemeinden die Beihilfen für Schulmaterial und Schulbücher eingestellt. Auch bisher gezahlte Zuschüsse zum Schulessen wurden herunter gefahren.
Die Vereinigung der Väter und Mütter von Schülern, FAPA, erklärt, dass gemäß der Verfassung die Schulausbildung in Spanien kostenlos sein müsste, dieser Verfassungsgrundsatz aber nie hundertprozentig umgesetzt worden sei.

Die Verbraucherorganisation COU schätzt die durchschnittlichen Schul-Kosten pro Kind auf etwa durchschnittlich 1.874 Euro jährlich. Diese Kosten entfallen auf die Schuluniform (153 €), Sportmaterial (77 €), Schulbücher (209 €), Schulmaterial (85 €) und Einschreibegebühren und Versicherungen (93 €). Hinzu kämen auch noch die Kosten für den Schultransport.

Spanien und vor allem die derzeitige Regierung setzt auf ein Mischsystem aus öffentlichem und privatem Schulwesen. Das private Schulwesen liegt überwiegend in der Hand der katholischen Kirche, die ihr Schulprivileg mit Zähnen und Klauen verteidigt. An den zum Teil mit staatlichen Mitteln unterstützten Privatschulen liegen die Schulkosten zum Teil noch wesentlich höher. Durch jahrzehntelange gesellschaftliche Gehirnwäsche glauben immer noch viele Spanier, dass ihr Kinder bei den Mönchen und Nonnen besser aufgehoben seien. Bei ihnen schlägt die Kostenfalle nun doppelt zu.


Informationsquelle
El SAT se lleva 10 carros con material escolar de un supermercado de Sevilla - El Pais