Montag, 26. August 2013

Das Dorf bleibt in Rio de Janeiro!

In Rio de Janeiro gibt es eine "Aldeia Maracanã", das Maracanã-Dorf. Es liegt auf dem Geländes des ehemaligen Indio-Museums, wo es als Indio-Dorf aufgebaut worden war. Die Regierung des Bundesstaates will es nun abreißen. In Rio de Janeiro wird im Hinblick auf die bevorstehenden großen Sportereignisse Fußball-Weltmeisterschaft und Olympiade besonders viel abgerissen oft ohne Rücksichtnahme auf die Interessen der Bevölkerung. Auch gegen den geplanten Abriss des "Aldeia Maracanã" regt sich Widerstand. Im April dieses Jahre wurden die Indigenen, die das Gebäude besetzt hielten mit Polizeigewalt vertrieben und in den Stadtteil Jacarépagua umgesiedelt. Die Indigenen wollen aber nicht aufgeben, denn für sie handelt es sich beim Dorf um ein Gut des kulturellen Erbes.


Gestern kam es unter dem Thema "Wiederaufforstung des Aldeia Maracanã" zu neuen Demonstrationen. Die Aktivistinnen und Aktivisten des "Aldeia Maracanã" beschreiben den Grund für ihre Aktion wie folgt: "Direkt nach der gewaltsamen Entfernung der Indigenen und ihrer Unterstützer aus dem "Aldeia Maracanã" fing der Bundesstaat Rio de Janeiro auf Befehl seines Gouverneurs Cabral an, nicht nur einen großen Teil der zum Indio-Museum gehörenden Fläche zu roden, sondern auch Flächen im gesamten Stadtteil Maracanã. Nicht nur dass dieser staatliche Vandalismus eine kulturelle und umweltpolitische Respektlosigkeit bedeutet, so soll nun ein großer Teil des zuvor bewaldeten Gebietes den wirtschaftlichen Interessen des neuen privaten Konzessionärs des Sportkomplexes von Maracanã dienen."


Die Protestierenden wollen, dass das Gebäude des Museums und das Dorf in eine Universität umgewandelt werden und zwar in eine Universität der Techniken und Kenntnisse der indigenen Völker. Die Unterstützer wurden aufgerufen mit Pflanzen und Gartenschaufeln anzurücken und mit der Wiederaufforstung des von den Baumaschinen zerstörten Geländes zu beginnen. Kommentar auf Facebook: "Die Wiederaufforstung des Aldeia Maracanã wurde symbolisch durch die Kinder als Sinnbild für die Geister, die in den Pflanzen wohnen und sie beschützen, gestartet. Die Protestversammlung heute ist sehr schön! Viele Pflanzen wurden gebracht, um mit der Arbeit zum Aufbau der indigenen Universität zu beginnen!"

Siehe auch:
50 Familien gegen Trump und das Großkapital, ein ungleicher Kampf


Informationsquelle:
Venha Ajudar no Reflorestamento da Aldeia Maracanã! -CMI Brasil


Samstag, 24. August 2013

Ein männlicher Kuss und seine Folgen

Der Fußballer Emerson Sheik, Stürmer des Clubs Corinthians von São Paulo, sorgte vor kurzem für Aufregung in Brasilien. Nach einem gewonnen Spiel seines Clubs über Curitiba begab er sich in das Restaurant seines Freundes Isaac Azar. Dort kam er auf eine Idee, die sein Freund Isaac wie folgt beschrieb:

"Gestern war Emerson mit seiner Verlobten bei mir. Ich und einige Freunde waren da und wir haben vereinbart: Wir werden einmal provozieren. Wir wollen doch mal sehen wie groß die Vorurteile noch sind". Gesagt getan, die beiden setzten sich gegenüber und küssten sich intensiv auf die Lippen. Per Handy wurde das aufgenommen und über Instagram in der brasilianischen Internet-Welt verbreitet. Es war also eine Provokation, um die Vorurteile in der Gesellschaft gegen Homosexuelle zu testen. Der Versuch war gelungen, denn vor allem die Fußball-Fans reagierten in einer aggressiven Weise mit homophoben Vorurteilen gegen den küssenden Fußballer.

Im Grunde hat sich im brasilianischen Fußball bezüglich der Toleranz gegenüber Homosexuellen nicht viel getan. Der brasilianische Fußballverband sieht kein Problem und die Profi-Clubs zeichnen sich auch durch Passivität aus. Emerson Sheik beschreibt die Situation:
"Man muss sehr mutig sein, um seine Freundschaft ohne Angst vor den Vorurteilen der anderen zu feiern. Man muss schon sehr locker sein, um seinen Sieg so zu feiern, mit einem entschlossenen Gesicht, mit einem Freund, der dich immer unterstützt hat. Heute ist ein spezieller Tag.  Wir haben gewonnen, wir sind einen Schritt näher an den führenden Mannschaften. Es ist ein Tag, den man im besten Restaurant São Paulo's mit dem besten Freund der Welt, Isaac, feiern sollte. Ach ja, ich hab's schon fast vergessen, falls ihr wieder dumme Scherze wegen des Fotos machen wollt, schaut es im Internet vorher noch einmal an, damit ihr keine Zweifel habt".


Der Erzieher und Autor einer Dissertation mit dem Titel "Ich singe, trinke und streite ..... Freude meines Herzens: Männliche Lebensläufe in den Fußballstadien", Gustavo Andrada Bandeira, erklärt den Stand der Dinge in Brasiliens Stadien wie folgt: "Die Fußballclubs, die Sportpresse und andere Aktivisten, die mit dem Fußball zu tun haben, legitimieren die Homophobie, indem sie seine Existenz totschweigen. Weil die homophoben Beschimpfungen nicht getadelt werden, werden sie für selbstverständlich gehalten. Unsere großen Clubs habe alle etwa die gleiche Geschichte. Ich sehe im Moment keinen brasilianischen Fußball-Club, der politisch Flagge zeigt, dass er anders denkt."


Vielleicht gibt dieser herzhafte Kuss tatsächlich einen Anstoß zum Nachdenken.


Informationsquelle:
Sheik comemora vitória do Corinthians com selinho em amigo
É hora de discutir a homofobia no futebol - BrasilAtual

Montag, 19. August 2013

Sommertheater um einen toten König

Der selbsternannte König der Roma in Rumänien, Florin Cioabă, ist tot. Gestorben ist er während seines Urlaubs in der Türkei, in Antalya, an einem Herzinfarkt. Seit Tod füllt scheinbar wieder einmal ein Sommerloch in Rumänien. Der Journalist Florin Olteanu beobachtet mit Schaudern das Theater, das Medien und Politiker mit dem Toten veranstalten. Er schreibt:

"Ich möchte vorab feststellen, dass ich vollen Respekt vor diesem Herrn (Florin Cioabă) habe und ich möchte der betroffenen Familie und seinen Freunden mein Beileid ausdrücken, aber ich kann das jetzt losgetretene Theater in Politik und Medien nicht mehr ertragen. Der Präsident, der Ministerpräsident, die Fachminister, alle haben die derzeitigen Probleme vergessen und haben sich in den letzten Tagen bei Hilfsangeboten an den Schwerkranken überboten. Horden von Helfern haben Ratschläge gegeben wie etwa, dass  Sinan Pascha (türkischer Feldherr aus dem Mittelalter) Blut spenden solle. Und all das im Fernsehen. Der eine rief den Arzt und die Familie an, andere überschlugen sich in der Zusicherung eines Luftransportes für den Erkrankten, andere wollten mit der Waffe in der Hand die von nationaler Hysterie ins Schlingern gebrachte öffentliche Ordnung wiederherstellen, damit die Beerdigungsfeierlichkeiten des großen Verstorbenen durchgeführt werden konnten. Dazu kam noch die gegenseitige Anblafferei zwischen Victor Ponta und Elena Udrea an der Tür des Hofes von Cioabă. Einen Moment habe ich gedacht, ich befinde mich in Nordkorea und Kim Jong Il ist gestorben. "

Ja, warum das Theater? Für die Politiker ist das ein Fischen nach den Wählerstimmen der Roma. Für die Medien ist das ein willkommenes Spektakel im Sommerloch. Für die Sache der Roma bringt es nichts, es sind die falschen Freunde, die sich hier melden. In den Beileidsbekundungen – auch von Staatspräsident Traian Băsescu – wird unterstrichen, dass sich Florin Cioabă insbesondere für die Einschulung der Roma-Kinder eingesetzt hat. Auch seine Tätigkeit als Pastor der Pfingstlergemeinde wird gelobt, er habe versucht, die Roma für ein christliches Leben zu gewinnen.

Informationsquelle
„Ciobizarea” României - Adevarul
„Roma-König“ Florin Cioabă in der Türkei gestorben - ADZ

Sonntag, 18. August 2013

Maria Dolores, die Vertuschungskünstlerin in Nöten

Maria Dolores de Gospedal ist Generalsekretärin der spanischen Regierungspartei Partido Popular (PP). Sie ist 48 Jahre alt und bekleidet daneben auch das Amt der Präsidentin der autonomen Region Castilla-La Mancha. Sie ist die erste Frau, die zur Generalsekretärin der PP gewählt wurde. Sie hat Rechtswissenschaft studiert und war auch als Staatsanwältin tätig.

Als Präsidentin von Castilla-La Mancha hat Sie sich den Ruf einer eisernen Austeritätspolitikerin erworben. Ihre Sparmaßnahmen gingen größtenteils zu Lasten der Geringverdiener, für sich selbst verhielt sie sich eher generös. So kam Sie ins Gerede, weil sie zeitweise durch Ämterkumulation zu einem Monatsgehalt von 200.000 Euro kam. Unbeliebt bei denen, die unter ihrer Politik zu leiden haben, gewann sie in den Augen der Reichen und Mächtigen an Bedeutung, bei denen Sie inzwischen als eine Frau mit dem Potenzial zu Führungsaufgaben in Spanien gilt.

Als Generalsekretärin der PP ist Sie naturgemäß dafür zuständig, die Tatsachen so zu verdrehen und in ihr Gegenteil zu verkehren, dass das geschönte Bild von Regierung und Partei keinen Schäden erleidet. So sind ihre umstrittenen Sprüche zahlreich und zeugen eher für wenig Verständnis für die Anliegen des normalen Volkes. Vorrang hat allein die Partei, die sie mit Zähnen und Klauen vor jeder Anschuldigung bewahren will. Und von denen gibt es zur Zeit eine ganze Menge. Der Filz mit der Bauindustrie in der Regierungszeit der PP bis zum Jahr 2004 schwappt inzwischen so hoch, dass die Brühe der Machenschaften kaum unter dem Deckel zu halten ist.

Inzwischen ist es nicht mehr zu leugnen, dass der bis 2010 im Amt befindliche Schatzmeister der Partei, Luis Barcenas, im hohen Masse korrupt war und sein Umfeld in der PP gut an seinen schwarzen Kassen, gefüttert mit Bestechungsgeldern der Bauindustrie, mit verdienen liess. Bis vor kurzem verteidigte Frau Gospedal den ehemaligen Schatzmeister mit großem Getöse und drohte allen mit Verleumdungsklagen, die schlecht über ihn redeten. Inzwischen sitzt Herr Barcenas in Untersuchungshaft, man hat ihm bereits nachgewiesen, dass er Millionen Euro in die Schweiz geschafft hat und jetzt packt er in seiner Not aus. Plötzlich ist Dolores de Gospedal zutiefst enttäuscht von ihm. Plötzlich hat sie keine Ahnung mehr, was der Schatzmeister getrieben hat, obwohl sie als Generalsekretärin ab 2008 seine Vorgesetzte war und danach 8 Monate die Schatzmeistertätigkeit vertretungsweise übernommen hatte. Barcenas soll völlige Freiheit in der Ausübung seiner Schatzmeistertätigkeit gehabt haben. Keiner hat ihm rein geredet, keiner der Parteigewaltigen hat irgendetwas von schwarzen Kassen gewusst. Blöd nur, dass Barcenas immer wieder mit Briefumschlägen voller Bargeld als Extrazahlung für die geringverdienenden Parteigrößen bis zu Ministerpräsident Rajoy ankam. Kein Wunder, dass nach dem ersten publik werden des Skandals man Barcenas noch klammheimlich ein Büro, Sekretärin und einen Dienstwagen bei der Partei zu gestand sowie eine hohe Abfindung. Der Mann weiß einfach zu viel.

Die Leugnungs- und Verdrehungskünste von Maria Dolores sind also im Moment im höchsten Masse gefragt. Aber auch die Geduld des sonst noch recht obrigkeitshörigen spanischen Volkes ist inzwischen an seinen Grenzen angelangt. Ablenkungsmanöver sind dringend erforderlich wie das Schüren der Spannungen um Gibraltar. Vielleicht kann man sich so retten und hoffen, dass positive Meldungen zur Wirtschaftslage den Zorn des Volkes einschläfert. Dsa kann aber auch ein riskantes Spiel werden, bei dem vor allem die Karriere von Maria Dolores de Gospedal Schiffbruch erleiden könnte.


Informationsquelle
Cospedal se desmarca de las cuentas del PP y del trato dado a Bárcenas -El Pais

Mittwoch, 14. August 2013

Sururu auf Kinderschweiss gebetttet

Im Nordosten in Brasilien ist Sururu ein beliebtes Gericht in den Restaurants und Bars von Recife, der Hauptstadt Pernambucos. Bei der Sururu handelt es sich um eine Muschelart, die vergleichbar der Auster schmeckt und die vor allem in Südamerika vorkommt. Normalerweise werden die Sururu mit Kokosmilch zubereitet und oft zusammen mit Mandioka-Mehl und Limetten gegessen. Von der Soße glauben die Pernambucanos, dass diese belebende Wirkung auf das Sexualleben hätte.

Dort wo die Altstadt von Recife über das Mündungsgebiet der 4 Flüsse Capibaribe, Tejipió, Jordão und Pina in die südlichen Stadtgebiet der Stadtteile Pina und Boa Viagem übergeht gibt es im Mündungsgebiet seichtes Meerwasser mit Schlamm, in denen die Sururu gut gedeiht. Der Fang der Sururu ist Tätigkeitsfeld der Anwohner des Mündungsgebietes. Seit Jahrzehnten üben die Anwohner schon im Kindesalter diese Tätigkeit aus. Da eine Person alleine den Familienunterhalt nicht sicherstellen kann, wurden die Kinder zur Mitarbeit mitgenommen. Dadurch wurde die Beschäftigung der Kinder beim Fang immer mehr zur Gewohnheit.

In der Regel beginnt die Tätigkeit mit der Ebbe. Erwachsene und Kinder müssen bis zu 5 m tauchen, um die Sururu zu ernten. Oft geraten sie dabei in Lebensgefahr. Der jugendliche Muschelfänger Gustavo erklärt, dass er schon oft genauso vielen Kindern wie Erwachsenen das Leben retten musste. Kinderarbeit ist auch, die geernteten Sururu mit den Füßen aus dem Schlamm zu stampfen, sie zu waschen, wie sie das nennen. Diese Tätigkeit ist sehr anstrengend und dabei verletzen sie sich oft durch Schnittwunden, die ihnen die scharfkantigen Muscheln zufügen. Einen Arzt können sich die Familien nicht leisten, zur Linderung werden die Füße bei Flut ins Wasser gehalten, das Salzwasser verschafft Linderung.

Der 15-jährige Muschelfänger Gustavo erzählt: "Wir verkaufen das Kilo zu 5-6 Real das Kilo. Zur Zeit bekommen wir weniger, da müssen wir mehr arbeiten. Mit dem was wir verdienen können wir wenigstens überleben. " Das Geld gibt Gustavo für den Kauf von Bekleidung aus und den Rest gibt er zu Hause ab. Er lebt mit seiner Mutter und zwei Schwestern von 12 und 6 Jahren zusammen. Gustavo hat in der 5. Klasse die Schule verlassen. Er will aber nicht auf ewig vom Muschelfang abhängig sein. "Ich bin noch ein Jugendlicher. Wenn ich groß bin möchte ich mir eine bessere Arbeit zu suchen. Ich möchte gerne Fußballspieler beim Sport-Club sein".

Von einem besseren Leben träumen noch viele Kinder in Brasiliens Nordosten, die schon in frühen Jahren arbeiten müssen. Ein Präsidential-Erlass aus dem Jahr 2008 bezeichnet die Tätigkeit beim Muschelfang eingeschlossen das Tauchen als eine der schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Gemäß dem Erlass sind die Kinder und Jugendlichen, die beim Muschelfang tätig sind, auf Grund schwieriger klimatischer Bedingungen "unangemessener Haltung und ständig sich wiederholenden Bewegungen ausgesetzt; es gibt viele Unfälle mit den Schneide- und Aufbrechgeräten; unregelmäßige Arbeitszeiten, die von den Gezeiten abhängig sind; tiefe Wasser belasten die Kinder." Als Folge werden Hautverletzungen, vorzeitiges Altern, Hautkrebs, Dehydrierung, Atemwegserkrankungen, Müdigkeit, Muskelschmerzen an Armen und Wirbelsäule, Verletzungen, Schlafstörungen und Ertrinken angeführt.

Die Wirklichkeit bestätigt die präsidentialen Erkenntnisse. Der Blog "Meia Infancia" (halbe Kindheit) berichtet: "Schon Jungen und Mädchen müssen bei ihren Tätigkeiten tauchen, so wie es beim Muschelfang üblich ist und sie gehen dabei das Risiko ein zu ertrinken oder das Trommelfell zu verletzen oder sie erkranken an Krankheiten wie Lungenembolie, Ohrenentzündung, Sinusitis und  Gleichgewichtsstörungen. Die Arbeit im Schlamm und Morast setzt die Kinder und Jugendlichen bei Schnittverletzungen dem Kontakt mit Exkrementen aus, die zu schweren Infektionen und Krankheiten wie Nierenschäden, Bronchitis, Dermatitis, Leptospirose unter anderen Krankheiten führen können".

Wahrhaft erschreckende Aussichten. Das kulinarische Erlebnis Sururu ist in Recife mit dem Leiden vieler Kinder erkauft.

Informationsquelle
Crianças catam sururu que abastece quiosques e restaurantes do Recife - Blog Meia Infancia

Sonntag, 11. August 2013

Sommertheater auf einer rumänischen Autobahnbaustelle

Irgendetwas läuft im Land nicht richtig? Der Staatspräsident hat es zufällig erfahren und krempelt die Ärmel hoch? Er fährt zum Tatort und regelt zumindest verbal das Problem? So Staatspräsident Traian Basescu, der sich auch gern als Volkstribun bezeichnen lässt, als er hört, dass der Autobahnausbau Richtung Rumäniens Westen ruht. Natürlich weiß er das schon seit Jahren, denn der stockende Ausbau der Autobahn ist ein Dauerbrenner in der rumänischen Politik, aber es gibt ja nicht schöneres als eine Strafpredigt Richtung Regierung, vor allem wenn man mit dieser über Kreuz liegt. Zudem ist es die preiswerteste Art das Macher-Image gegenüber der Bevölkerung zu stabilisieren, auch wenn die Autobahn deswegen keinen Meter weiter gebaut wird.

Es geht um die Autobahn, die von Sibiu / Hermannstadt an den Grenzort Nadlac führen soll. Sie ist Teil des paneuropäischen Verkehrskorridors IV (Dresden-Istanbul). Sie erreicht von Ungarn aus am Grenzort Nadlac Rumänien und führt an der Stadt Arad vorbei Richtung Siebenbürgen. Insgesamt handelt es sich um ein Teilstück von 330 km, dessen Ausbau in einem undurchsichtigen Verfahren vor 10 Jahren an den amerikanischen Konzern Bechtel vergeben worden war. Fertiggestellt sind inzwischen 83 km, das bedeutet 25% der Strecke. Im Moment läuft gar nichts, denn der beteiligte österreichische Straßenbaukonzern Alpine ist insolvent.

Am Mittwoch ist Staatspräsident Basescu an die still ruhende Autobahnstelle gereist, um dann vor den mitgereisten Medienvertretern die Regierung abzuwatschen. Was da passiere, sei ein Ausdruck des Unvermögens, besser gesagt des schlechten Regierens, erklärte er. Die Regierung müsse endlich aufwachen. Sie  müsse jetzt intervenieren, damit die Arbeiten weitergehen und die versprochenen EU-Mittel für den Ausbau abgerufen werden könnten. Das mit dem insolventen Bauunternehmen könne man schon lösen, denn Insolvenz bedeute ja nicht, dass die Firma nicht mehr arbeite.

Der Verkehrsminister, Dan Şova, meint, dass das nicht seine Schuld sei. Die Verträge hätte seine Vorgängerin, damals noch von der Partei des Präsidenten, unterschrieben. Den Vorwurf schlechten Regierens falle damit auf die Vorgängerregierung zurück. Bezüglich der von der insolventen Alpine auszubauenden Strecke müsse man in Absprache mit der EU-Kommission eine neue Ausschreibung machen. Alles andere, dass man auch so weiter arbeiten könne, sei ein präsidiales Märchen.



Informationsquelle
Lungul drum al autostrăzii A1 către Vest -Romania Libera

Freitag, 9. August 2013

Sommertheater um Gibraltar, weil es passt

300 Jahre ist es her, dass im Vertrag von Utrecht Spanien seinen südlichsten Zipfel, Gibraltar, in Spanien el Peñón genannt, an das Vereinte Königreich abtreten musste. Seither ist es ein ewiger Zankapfel zwischen den beiden Ländern. Das britische Empire, dem die Zugehörigkeit Gibraltars zu Großbritannien zu verdanken ist,  ist inzwischen im Orkus der Geschichte verschwunden. Was bleibt sind kleine Inseln und lästige Reste des britischen Imperialismus wie eben Gibraltar.

Eigentlich kein Problem sollte man sich sagen. Spanien und das Vereinigte Königreich sind im selben Verteidigungsbündnis (NATO) und in der politischen Gemeinschaft der Europäischen Union miteinander verbunden. London hat schon größere Kröten wie zum Beispiel die Aufgabe Hongkongs geschluckt, warum also nicht bezüglich des kleinen Zipfels, der spezialisiert ist auf Zigarettenschmuggel und Beherbergung von hinterzogenen Steuergeldern, eine Schlussstrich zu ziehen und die Felsen Spanien zurück zu geben. Natürlich ist für die Briten Gibraltar ein wichtiger strategischer Marinestützpunkt, den man aber doch mit ein bisschen gutem Willen auch zusammen mit den Spaniern betreiben könnte. Eine solche Lösung scheint aber immer noch nicht möglich zu sein.

Deshalb auch diesen Sommer wieder: Die spanische Regierung steckt in erheblichen Nöten, sie hat einen Bestechungsskandal bis in die höchsten Kreise am Hals. Wenn's zu eng wird sucht man sich einen Nebenkriegsschauplatz und der ist diesmal wieder Gibraltar.

Gibraltar hat im Juli 70 Betonblöcke in der Nähe seines Hafens im Meer versenkt. Man wolle damit ein künstliches Riff aufbauen, um das Wachstum der Fischpopulationen zu fördern. Für die Spanier war das eine Maßnahme, um den spanischen Fischer in der Bucht von Cádiz den Fischfang unmöglich zu machen. Die spanische Regierung spricht davon, dass Gibraltar damit vollendete Tatsachen schaffe, ohne das nach den EU-Regeln zum Umweltschutz vorgeschriebene Konsultationsverfahren zu beachten. In diesem Zusammenhang machen die Spanier darauf aufmerksam, was sie alles außerhalb der versenkten Betonblöcke an Gibraltar nervt: Das Bunkering und Betanken von Schiffen außerhalb des Hafens, die Beihilfe zur Steuerhinterziehung, der nicht durch den Vertrag von Utrecht gerechtfertigte Bau und Betrieb eines Flughafens, die Förderung des Zigarettenschmuggels, Aufrufe zur Gewalt gegen spanische Polizisten von Internet-Seiten von Gibraltar aus, die Präsenz von Nuklear-Unterseebooten im Hafen von Gibraltar.

Die Folge: Spanien schikaniert die Zugänge nach Gibraltar, droht die Erhöhung der Fahrpreise von Fähren an und verspricht minutiöse Untersuchungen von Steuerbetrugsfällen. Es gibt stundenlange Wartezeiten beim Grenzübergang zwischen La Linea de la Concepción und Gibraltar. Die spanische Regierung stellt klar, dass dies im spanischen Interesse geschehe und erklärt: "Wir werden nie unsere Fähigkeit und unser Verantwortlichkeit bezüglich der Verteidigung der Sicherheit und Interessen der Spanier vermindern, aber unser Wille zum Dialog mit allen befreundeten Ländern wird zweifellos fortgesetzt." Inzwischen hat die spanische Regierung den Vorschlag der EU-Kommission angenommen, in Kürze eine Expertengruppe in die Region um Gibraltar entsenden zu wollen, die zwischen den Streitparteien vermitteln soll.

London schickte darauf trotzdem ein paar Kriegsschiffe Richtung Gibraltar los, selbstverständlich völlig harmlos gemeint, denn diese sollten dort nur einen technischen Stopp einlegen. Ungewöhnlich allerdings, dass zwei Tage zuvor der Chefminister Gibraltars von Großbritannien die Entsendung von Kriegsschiffen gefordert hatte, die die Grenzverletzungen der Spanier unterbinden sollten.

So gerechtfertigt das Anliegen der Spanier sein mag, die Aufregung kommt nur zur falschen Zeit. Viele Spanier sehen im Hochspielen des Gibraltar-Problems ein Ablenkungsmanöver der Regierung Rajoy, der mit der Affäre um den ehemaligen Schatzmeister der Partido Popular, Barcenas, das Wasser bis zum Hals steht. Da denkt man sich, was den Briten ihre Falklandinseln sind, das ist für uns Gibraltar: Jederzeit gut für ein gigantisches Ablenkungsmanöver. Ob die eigenen Staatsangehörigen inzwischen nicht schlau genug sind, um nicht darauf hereinzufallen?


Siehe auch:
Die Bucht von Algeciras wird zur Kloake


Informationsquelle
Soberanía, tabaco, bloques, fraude y gasolineras flotantes irritan a España - El Pais
Gibraltar row: Spanish PM promises to protect his country's interests - The Guardian

Mittwoch, 7. August 2013

Schottlands Kinder sollen gälisch sprechen oder doch besser deutsch?

"Plana Cànain Nàiseanta Gàidhlig" bedeutet soviel wie "Nationaler Gälischer Sprachplan". Das schottische Parlament hat 2005 mit einem Gesetz zur gälischen Sprache den Rahmen für die Förderung des Gälischen gesetzt. Jetzt soll nach dem Willen der schottischen Regierung umgesetzt werden, was man mit dem Plan bezweckte. Das Ziel des Planes ist es, in Zukunft bei den Behörden zweisprachige Dienste anbieten zu können, englisch und gälisch. Dazu braucht man auch Menschen, die die Sprache beherrschen.

Angefangen werden soll in der Grundschule. Dort soll Gälisch für alle Kinder gelehrt werden. Nicht unbedingt zur Freude aller Eltern, von denen viele meinen, ihre Kinder sollten erst einmal anständig englisch lernen und dann vielleicht deutsch oder französisch. Sie wollen, dass Gälisch erst einmal in Umgebungen gelehrt wird, in denen noch teilweise gälisch genutzt wird. Also in abgelegenen Landgegenden.

Die Sprecherin der Nationalen Elternforums erklärte: "Wir unterstützen weitgehend das 2+1 Programm. Wir denken, dass Schottland noch nicht genug für das Erlernen fremder Sprachen tut. Sollte Gälisch eine der "plus 2"-Sprachen sein, wäre das schön. Wie auch immer, die Wirklichkeit ist so, dass es immer noch schwer ist Lehrer zu finden, die französisch oder deutsch können und viele Eltern meinen, dass es notwendig ist deutsch zu lernen." Das 1+2-Modell lehnt sich an Vorgaben der Europäischen Union an, nach denen jedes Kind neben seiner Muttersprache 2 Fremdsprachen lernen sollte.

Den Verantwortlichen in der schottischen Regierung ist klar, dass eine Sprache, die weitgehend verschwunden ist, nur sehr schwer wieder in der Breite zum Leben erweckt werden kann. Der Verantwortliche für den gälischen Sprachplan will deshalb erst einmal die Infrastruktur für den Gälisch-Unterricht stärken und die Ausbildung von Lehrkräften für die gälische Sprache forcieren. Für 2017 sollen dann ca. 800 Schüler im Bereich der Mittelschulen mit dem Gälisch-Unterricht auf einer höheren Stufe fortfahren.

Die schottische Regierung hatte 2011 einen Bericht zum Stand des Sprachunterrichts im 1+2 - Schema in Auftrag gegeben. Die Arbeitsgruppe fasste ihre Beobachtungen so zusammen: "Es ist ersichtlich, dass junge Leute durch den derzeitigen Unterricht nicht immer genug herausgefordert und motiviert werden, eine fremde Sprache zu lernen. Aber in einer globalisierten Welt ist es für junge Leute in Schottland immer mehr erforderlich mehr als eine Sprache zu lernen. Die Empfehlungen unseres  Berichtes wollen dazu beitragen, eine Umkehr von der vorherrschenden Meinung, dass es reicht nur englisch zu können, zu bewirken."


Informationsquelle
Plan to teach Gaelic in every Scots primary school - The Scotsman


Samstag, 3. August 2013

Rumänen regen sich über ausländische Bären-Mörder auf

Ein Volk lässt sich leichter emotionalisieren, wenn man ihm vermeintliche, das eigene Land schädigende Ausländer präsentieren kann. Egal, ob das in Großbritannien, der Schweiz oder Deutschland passiert, man suhlt sich im Glück, einen Sündenbock gefunden zu haben, der von den eigenen Unzulänglichkeiten ablenkt. So auch in Rumänien. Zur Zeit läuft da eine Geschichte, die eigentlich zu Recht den Titel "Viel Lärm um nichts" tragen könnte.

Auf Facebook wurde ein Übeltäter in Form eines Schotten ausfindig gemacht, der Jagdreisen für den Herbst nach Rumänien zum Abschuss von Braunbären für 4.500 Euro anbot. Ein Bild war auch dabei, auf dem ein Mann lachend hinter einem totgeschossenen Bären posierte. Eine Frau in Temesvar hatte diesen Facebook-Eintrag mitbekommen und eine Welle der nationalen Empörung gegen den Schotten organisiert. Sie schrieb dem Schotten eine E-Mail, in der sie ihn anflehte: "Bitte, morde nicht unsere Bären. Warum machst du so etwas? Ist das das Einzige, was dir Freude macht im Leben?". Sie erhielt vom Schotten postwendend eine Antwort: "Klar wir werden alle Bären töten, alle Vögel des Donaudeltas, alle Bergvögel, alle Wildschweine und alle Hirsche. Ihr seid ein billiges Land, mit billig zu habenden Führern, mit korrupten Politiker und das verdient ihr auch". Danach war Feuer unter dem Dach!

Der arme Schotte wusste wohl nicht wie ihm geschah. Von der Zeitung "Adevarul" kontaktiert, erklärte er: "Wir organisieren keine Jagden in Rumänien, das Foto stammt aus Alaska. Die Menschen bei euch haben alles erfunden, inklusive der Mail, die ich jener Frau geschrieben haben soll. Ich habe nie geschrieben, dass ihr ein billiges Land seid, mit schlechten Führer undsoweiter. Alles ist ein Missverständnis, aber wenn ich ehrlich sein will, finde ich das recht lustig". Anschließend hat er sein Facebook-Konto aufgelöst, weil ihm die aus Rumänien schwappende Welle der Empörung doch zu viel war.


Auf Facebook hatte der Aufschrei "Rettet unsere Braunbären" ein Ziel: "Jetzt kommen die Ausländer, um  unsere Bären zu ermorden" und "Abscheulich, die Ausländer morden unsere Tiere, weil wir ein billiges Land sind". Die Tierschützer benutzen die Gelegenheit zu einem weiteren Aufschrei: "Der Bär ist in Gefahr". Eine Rumäne nutzte das ominöse Bild mit dem getöteten Bären zu einer Fotomontage, auf dem der Bär mit dem abgerissenen Kopf des Jägers im Maul gezeigt wurde. Der Kommentar dazu lautete: "Stoppt den Ochsen, der unsere Bären tötet". Mit dem Bild schaffte er es sogar ins Fernsehen. Wie sich nachträglich herausstellte stammt das vom Schotten ins Facebook übernommene Foto aus einer amerikanischen Jagdzeitschrift, die über eine Bärenjagd in Alaska berichtete.

Eine solche Empörung über ein solch kleines Würstchen, der es wagt sich über Rumänien lustig zu machen, schafft ein nicht oft erlebtes Gemeinschaftsgefühl unter den Rumänen. Vereint gegen den Feind von außen, sei der Anlass noch so unbedeutend.

Die Zeitung Adevarul hat den "Sommer-Empörungssturm" benutzt, um folgende Schlussfolgerungen zu ziehen:

"1. Die Bärenjagd in Rumänien wird weitergehen. Dieses Jahr werden ungefähr 250 bis 300 Bären legal abgeschossen, egal, ob die Kugel von rumänischen oder ausländischen Jägern stammt.

2. Der amerikanische Bürger, dessen Bild übel mitgespielt wurde, kann gegen den Schotten gerichtlich vorgehen, weil er sein Bild zu kommerziellen Zwecken verwendet hat und den Rumänen, weil er sein Bild benutzt hat und auch noch dazu gesetzt hat "von Mihai Morar".

3. Der Zivilgeist der Rumänen lässt sich zu leicht auf falsche Probleme umlenken. Dieser Tage hatte Minister Dan Şova angekündigt, dass man den Vertrag mit der amerikanischen Firma Bechtel nicht auflösen könne, weil man das Original nicht mehr finde. Der Schaden für Rumänien beträgt 1,4 Milliarden Euro. In einem normalen Land würde der Minister wegen einer solchen peinlichen Entschuldigung sofort unter dem Druck empörter Bürger stehen. In Rumänien ist die Erklärung so gut wie unbeobachtet über die Bühne gegangen. Die Bürger waren mit der Bärenrettung und mit der Beschimpfung eines anonymen Schotten beschäftigt, der im Internet geschrieben hat, dass wir ein 2-Pfennig-Land sind.

4.    Ein neuer Typ von Journalismus hat die Grenze zwischen denen, die Nachrichten anbieten und denen die sie empfangen, überschritten. Manchmal ist das gut so, manchmal ist es aber auch verheerend. Lasst die Bären sein, rettet die Presse!"

Siehe auch:
Im Bucegi attackieren die Bären
Warum attackieren die Bären?
Die Rumänen sollen Braunbären lieben, aber nicht besitzen



Informationsquelle
Zeci de mii de români, păcăliţi de anunţul unui impostor. „Am vrut să râd de ei”. Adevărul din spatele pozei care a înfierbântat România


Freitag, 2. August 2013

Wie die Schweizer sich selbst feiern

Der 1. August ist der Schweizer Nationalfeiertag. Es war gestern ein sehr heißer Tag zum Feiern. Bundesrat Schneider-Amman erfreute sich bereits um 9 Uhr morgens an der heimeligen Atmosphäre auf dem Bauernhof. 400 Bauernfamilien hatten zum “Buure-Zmorgä” eingeladen, für viele eher denglisch gebildete Schweizer nannte sich das “Brunch beim Bauern”. Es gab knuspriges Brot, Rösti, Eier vom Hof und frische Milch.

Was wäre ein Feiertag ohne Poltiker-Reden: SVP-Bundesrat Ueli Maurer klagte in Biel, die Schweiz sei in letzter Zeit unter Druck gesetzt und erpresst worden, aber sie werde siegen wie “David gegen Goliath”. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf meinte dagegen, es bringe nichts, Feindbilder heraufzubeschwören. Die Schweiz stehe nicht am Abgrund. Bundesrätin Simonetta Sommaruga erinnerte daran, dass die Welt nicht untergeht, wenn einschneidende Veränderungen anstehen und erinnerte an die Einführung des Frauenstimmrechts 1971, wo zuvor auch Weltuntergangsstimmung herrschte. CVP-Präsident Christophe Darbellay rief in Saas-Balen zum Patriotismus auf und schimpfte Aussenminister Burkhalter einen «Nachgeber-Minister» gegenüber der EU. Der Super-Schweizer und SVP Nationalrat Christoph Blocher hat Angst vor fremden Richtern und sieht die Schweiz in einem Wirtschaftskrieg. Dabei greift er auf den Stand des Jahres 1291 zurück, wo die europäischen Großmächte den Schweizer Urkantonen ans Leder wollten. SP-Bundesrat Alain Berset war der Meinung, dass die Schweiz nicht von Feinden umzingelt sei und gab die Losung “Rückbesinnung und Fortschritt” aus. Maya Graf, Präsidentin des Nationalsrats und Grüne aus Basel, sprach sich für eine Demokratie aus, die von allen getragen werde und darum alle miteinbeziehe. In der Schweiz funktioniere die Demokratie sehr gut, in vielen Ländern sei sie aber nicht selbstverständlich.

Kommentarschreiber Alois mag sie nicht mehr hören, die Politiker: “Ja die Schweiz existiert für mich nicht mehr, sie hat sich schon abgeschafft ! Ich habe mir keine einzige Rede von unseren Bundesräten angehört, weil sie jedes Jahr über sogenannten Zusammenhalt redet, den es gar nicht mehr gibt !” Ein anderer hat eine Vision: “1. August 2035. Der Kt. BE und weite Teile der CH sind jetzt total globalisiert, keine eigenen Hotelbesitzer mehr, total verarmt und mit tausenden von Arbeitslosen. Die Zuschüsse an diejenigen haben sich von 1,2 Mia. verdreifacht. Die CH möchte jetzt der EU beitreten und hat ein Gesuch eingereicht. Die Aufnahme scheitert aber am Veto Kosovo. Von nun an gilt überall der 3. Land Status.”

Die Schweiz ist weiterhin zerrissen und der Hauptstreitpunkt ist immer noch die Stellung der Schweiz in oder außerhalb der Europäischen Union. Wenn man die Zeichen der Zeit richtig liest, dann zeichnet sich aber doch langsam ein Blick für mehr Realismus in der Europa-Politik bei der Schweizer Bevölkerung ab. Nachdem nun das Steuergeheimnis nur noch eine Ruine ist, kann man sich in der Tat auf sinnvollere Werte konzentrieren und dazu gehört, dass die Schweiz mitten in der Europäischen Union liegt und man mit ihr zusammen leben muss, ob man das will oder nicht. Dass man mit Ironie Politik machen kann, zeigte eine kleine Gruppe von Demonstranten beim Auftritt von Bundesrat Maurer, der sich in der Regierung ums Militär kümmert: “Sie trugen Militäruniformen und Clownnasen und waren mit Wasserpistolen bewaffnet. Sie stellten sich hinter Maurer auf und liessen ein paar Papierflieger steigen. Die Wasserpistolen kamen nicht zum Einsatz.” In der Schweiz steht eine Abstimmung zur Abschaffung der Milizarmee an. Für die Rechten ist diese Abstimmung ein Sakrileg, aber so funktioniert sie halt, die Schweizer Demokratie.