Dienstag, 26. März 2013

Der Frühling kommt und Barcelona putzt seinen Strand auf

Baden am Strand von Barcelona ist etwas für besondere Liebhaber. Die Großstadt, Hochhäuser und die Stadtautobahn “Ronda litoral” sorgen für würzige Luft und die Flüsse Besós im Norden und Llobregat im Süden für “sauberes” Wasser. Die Müllverbrennungsanlage an der Mündung des Besós rundet die Skyline ab. Der nahegelegene Industriehafen mit seinen Öltanks und Güteranlagen dürfte auch nicht dafür sorgen, dass die Wasserqualität steigt.

Trotzdem, Barcelona hat einen Strand mit einer Länge von 4,5 km, der benutzt wird. Damit man den auch genießen kann, hat die Stadtverwaltung eine Aktion für die Frühlingssaison gestartet. Der Strand wird überwacht und er wird Dienste zur Vorbeugung, Bürger- und Erholungsinformationen bieten. Die Säuberung des Strands wird verstärkt, die Stadt wird mehr Säuberungsbrigaden los schicken, die morgens, mittags und abends für Sauberkeit sorgen. Tote Ratten am Strand oder weggeworfene Spritzen von Drogenabhängigen werden also seltener vom Badenden angetroffen werden. Die Zahl der Abfallkörbe wird verfünffacht, es sind 67 öffentliche Toilettenplätze, 14 davon für Behinderte und 89 Duschen vorhanden. In den letzten Wochen wurde zudem fleißig der Sand umgepflügt, damit er “durchlüftet wird und die Sonne ihn desinfizieren kann”. Die Winterstürme haben zudem schwer am Sandbestand gezehrt, neuer musste zugeführt werden.

An diesem Wochenende werden auch die neun vorhandenen Strand-Bars geöffnet, die von 9 Uhr bis Mitternacht ihre Dienste anbieten werden. Die Vorsaison dauert bis 31. Mai, am 1. Juni soll die Hochsaison beginnen, dann werden die Öffnungszeiten ausgeweitet.

Im vergangenen Jahr hatte der stellvertretende Bürgermeister noch erklärt, dass die Wasserqualität an Barcelonas Strand “exzellent” sei und das Baden empfohlen werde. Da rieb sich doch mancher verwundert die Augen und der Stadtvertreter musste diese Empfehlung erklären: “Der Grund dafür, dass das Wasser besser ist wie in anderen Jahren, liegt nicht daran, dass man weniger Schweinereien entdeckt hat, nein im Gegenteil in diesem Jahr 2012 waren es noch mehr wie 2011 und 2010, sondern es liegt daran, dass es in den letzten Monaten wenig geregnet hat und die Windrichtung vorteilhaft dafür gesorgt haben, dass die Strände in einem tollen Zustand sind”. Wie beruhigend, dass Wind und Trockenheit so etwas regeln! Ob das für die Nutzer so beruhigend ist?

Informationsquelle
Empieza la temporada de playas de Barcelona – El Periódico

Sonntag, 24. März 2013

Der Staatspräsident schreibt einen Abschiedsbrief an seine Partei

Die Karriere des rumänischen Staatspräsidenten Traian Basescu ist eng verbunden mit der Demokratischen Partei (PD), die sich später zur Liberaldemokratischen Partei (PDL) umbenannte. Dieser Partei hat er jetzt einen Brief geschrieben, in dem er die Trennung von ihr von Tisch und Bett erklärt. Nachstehend gebe ich den Brief in einer etwas rustikalen Übersetzung wieder:

“Den zu Ende gehenden Parteitag der PDL habe ich aufmerksam zur Kenntnis genommen. Ich glaube, dass ich bisher mit dieser Partei ehrlich umgegangen bin. Ich habe erklärt, dass wir nach diesen Wahlen getrennte Wege gehen. Die Art und Weise wie diese Partei uns zu verstehen gegeben hat, was sie unter Demokratie versteht, bringt mich aber jetzt dazu diese Trennung als definitiv und auf Dauer anzusehen. “Auf Wiedersehen Demokratische Partei”, heute haben wir uns getrennt. Ihr werdet für mich kein Mühlstein um den Hals mehr sein, genauso wie ich für euch keinen Mühlstein mehr sein werde. Ich werde mich dem Aufbau anderer Lösungen auf der Rechten widmen, mit ehrlichen Menschen, mit Menschen, die nicht mit den Urnen abhauen, mit Menschen, die das demokratische Recht gegenüber dem Gegner akzeptieren. Ich möchte auch, dass ihr wisst, dass ich nichts tun werde, um ein Stück der Scherben der PDL mit mir zu nehmen. Die PDL hat gezeigt, dass sie nur auf der demokratischen Bahn gehalten werden kann, solange sie einen autoritären Führer hat. Kaum, dass sie das Gefühl haben allein zu sein, fängt der FSN-Flügel mit einem Streit an und der Parteitag  ist der Beweis, dass 50% der Partei noch in der rechthaberischen FSN verankert sind. Auf Wiedersehen PD, auf Wiedersehen PDL. Wir haben uns heute definitiv getrennt. Geht euren Weg, ich den meinen”.

Alles deutet auf eine verbitterten Staatspräsidenten hin auf Grund des Liebesentzugs durch seine Ex-Partei. Als Außenstehender mit Kenntnissen dieses Landes stehe ich wieder einmal vor einem rumänischen Buch mit sieben Siegeln und versuche zu verstehen, was da los ist. Die hier als Brandstifterin beschuldigte FSN ist die Front der Nationalen Rettung. Im Dezember 1989 löste sich die Kommunistische Partei Rumäniens auf und ein Teil der ehemaligen KP-Mitglieder gründete die Frontul Salvării Naționale (FSN, Nationale Rettungsfront) unter der Führung von Iliescu und übernahm die Macht im Land. Aus der Front entstand später durch Abspaltung in den neunziger Jahren unter Petre Roman die PD. Für Basescu also jetzt die alten “roten Socken”? Hintergrund des Gezeters ist, dass auf dem derzeitigen Parteitag der PDL der von Basescu ungeliebte Vasile Blaga wieder zum Vorsitzenden gewählt wurde. Blaga war mehrfach Minister und früherer Wahlkampfchef von Basescu. Die PDL war nicht zuletzt durch die hohen Verluste bei den letzten Parlamentswahlen hoch zerstritten. Zwei Frauen kämpften um den Vorsitz gegen Blaga: Elena Udrea, als ehemalige Beraterin Basescu’s mit diesem eng verbunden und Monica Macovei, Abgeordnete des Europaparlaments. Elena Udrea beschuldigt Blaga mit schmutzigen Tricks den Vorsitz der Partei erobert zu haben. Sie soll im 2. Wahlgang die Mehrheit bekommen haben. Blaga beschimpft wiederum Udrea als schlechte Verliererin und Monica Macovei will keine Funktion in der Führung der Partei übernehmen.

Vasile Blaga verteidigt sich so: “Ich weiß, dass es schwer ist zu verlieren, ich habe 2011 auch verloren, aber ich habe niemals die Korrektheit und Loyalität der Kollegen bezweifelt. Weder war ich im Hotel bis 12 Uhr nachts, noch habe ich Gratis-Essen ausgegeben. Die Dinge sind jetzt abgeschlossen. Ich werde mich keiner zweifelhaften Loyalität aussetzen, nachdem ich das mitgemacht habe. Die Mannschaft muss jetzt den Wiederaufbau der Partei durchführen. Es gibt ein Leben nach dem 23. März”.

Ein Leben ohne den Staatspäsidenten.

Siehe auch:
Die schöne Elena
Sex statt Wahrheit, wo ist die Gürtellinie?
Ponta und Basescu wollen friedlich zusammenleben und höflich zueinander sein

Informationsquelle
Vasile Blaga, VICTORIE cu SCANDAL. Blaga, către Elena Udrea: Lucrurile sunt încheiate. Nu-mi pui la îndoială loialitatea după ce ai umblat peste tot – Romania Libera

Mittwoch, 20. März 2013

Ein Rassist, Sexist und Homophober als Präsident der Menschenrechtskommission

Im brasilianischen Abgeordnetenhaus gibt es eine Kommission für Menschenrechte und Minderheiten. Zum Präsidenten dieser Kommission wurde vor kurzem der Pastor Marco Feliciano von der evangelikalen “Kirche der Versammlung”, einem Mitglied der Sozialchristlichen Partei Brasiliens (PSC), gewählt.

Pastor Feliciano stammt nach eigenen Angaben aus einer einfachen Familie aus Orlandia (Bundesstaat São Paulo). Er gibt an gelernter Buchhalter zu sein, mit 8 Jahren träumte er davon Bischof zu werden und mit 11 Jahren konvertierte er zum evangelischen Glauben. Er hatte den tiefen Wunsch in seinem Herzen, Gott näher kennen zu lernen und studierte deshalb an einer theologischen Hochschule namens FAETEL (bei Aufruf der Webseite erhält man die Meldung “Diese Website ist momentan als verdächtig eingestuft und kann Ihren Computer beschädigen”), danach bildete er sich am “Hosianna-Seminar” weiter, einer Bibelschule und machte dort den Doktor “Divinity Mestrado” (Göttliche Meisterschaft) in Theologie. Er schrieb in Folge 18 Bücher und ist zur Zeit Pastor-Präsident (Pastor Presidente) der evangelikalen Kirche “Assembleia de Deus Catedral do Avivamento” (Versammlung Gottes Kathedrale der Erweckung). Alles deutet auf eine Sekte mit Predigern hin, die ihre Schulung us-amerikanischen Evangelikalen verdanken. Vor kurzem wurde ein neuer “Tempel” eröffnet und bombastisch wird die Einweihung von der Sekte wie folgt beschrieben: “Der Himmel öffnete sich und Gott war bei der Einweihung dabei”.

Feliciano sitzt also im brasilianischen Parlament, das ihn unter “Pastor Marco Feliciano” in seinem Verzeichnis aufführt: “Beruf: Conférencier, Unternehmer, Pastor. Partei PSC (Sozialchristliche Partei)”. Er ist in Brasilien bekannt dafür, dass er die Bürger und Bürgerinnen schwarzer Hautfarbe als “Verdammte” bezeichnet und beim Gedanken an Schwule und Lesben ihm der Hals schwillt. Und ausgerechnet er ist vom brasilianischen Parlament nun zum Präsidenten der Kommission der für Menschenrechte und Minderheiten gewählt worden. Das nennt man den Bock zum Gärtner machen. Ausgekungelt wurde er von den Mehrheitsparteien in einer nicht öffentlichen Sitzung, weil angeblich bei einer öffentlichen Wahl Proteste drohten. Den Sitz hatte man seiner Partei zugestanden, die Feliciano nominierte und trotz der bestehenden Bedenken auch daran festhielt. Auch die Tatsache, dass gegen Feliciano in dieser Sache ein Strafverfahren beim Obersten Gerichtshof Brasiliens läuft, hielt sie nicht davon ab.

Ein Teil der Parlamentarier war über diese Wahl erzürnt und droht vor den Obersten Gerichtshof zu ziehen, weil die Wahl in einer nichtöffentlichen Sitzung erfolgte. Noch wütender sind Teile der brasilianischen Gesellschaft, auch in der evangelischen Kirche in Brasilien. In einem offenen Brief schreiben 150 Pastoren: “Der Rahmen für die Wahl des Präsidenten der Kommission war deprimierend. Es geht hier nicht darum den kürzlich gewählten Präsidenten grundlos zu verurteilen, sondern man muss seine verschiedenen öffentlichen Kommentare über Schwarze, Homosexuelle und Indigene zur Kenntnis zu nehmen, die es Menschen, die sensibel für Menschenrechtsthemen sind, unmöglich machen seine Politik zu unterstützten.” Die Pastoren haben erklärt, dass sie eine Kampagne gegen die Wahl von Feliciano machen werden. In verschiedenen brasilianischen Städten kam es zu Demonstrationen gegen die Wahl. Feliciano beeindruckt das nicht. Er sagt, er respektiere die Demokratie, aber er werde dem Druck der Öffentlichkeit nicht weichen.

Die brasilianische Abgeordnete Jean Wyllys erklärt in einem Interview das widersprüchliche Verhalten des Parlaments: “Was wir zur Zeit in der Kommission für Menschenrechte und Minderheiten erleben, ist ein breites politisches Spiel im Kampf um Macht, in den die Parteien PT, PSDB und PMDB verwickelt sind. Es gibt einen kleinen Teil der Medien, die diesen Streit in der Kommission als Folklore darzustellen versuchen. Sie versuchen das als einen Streit zwischen mir und Marco Feliciano hinzustellen, indem sie behaupten, dass ich gegen ihn sei, weil er ein Christ ist. Aber mein Problem ist nicht die Tatsache, dass er evangelischer Pastor ist. Es geht um eine politische Frage: Es gibt eine Streit zwischen religiösen Fundamentalisten und fortschrittlichen Abgeordneten, die im Dialog mit den sozialen und linken Bewegungen stehen”. Nach Ansicht von Wyllys gibt es eine christliche Rechte, die stark mit dem konservativen Teil der brasilianische Gesellschaft, vor allem der Großgrundbesitzer, verbunden ist und deren Ziel es ist im Parlament eine Menschenrechtspolitik, die die Einbeziehung der Minderheiten zum Ziel hat, zu verhindern. Der Abgeordnete Bolsonaro, bekannt für die Verteidigung der Diktatur und seine Attacken gegen Schwarze und Homosexuelle, begrüßte das Ergebnis auf jeden Fall mit breitem Grinsen. Wyllys erklärt, dass 11 der 18 Mitglieder der Kommission Pastoren seien, davon kämen 6 von der christsozialen Partei. Diese Übermacht der Religiösen sei dem Verzicht der größten Parteien PMDB und PSDB auf ihre Sitze zu verdanken.


Informationsquelle
Deputados querem reverter domínio conservador na Comissão de Direitos Humanos – BrasilAtual

Montag, 18. März 2013

Die Zukunft des Tourismus: Spanien im Krankenhaus genießen

Das spanische öffentliche Gesundheitswesen leidet unter einer Privatisierungswelle durch die Regierung. Entlassungen von Personal und Schließung von Krankenstationen sind an der Tagesordnung. Das bringt doch einige auf neue Gedanken wie man mit der Gesundheit doch noch Geld machen könnte. Ins Ziel geraten Gesundheitstouristen. Wie schön könnte es sein, sich an der Costa del Sol die Zähne ziehen zu lassen und Meer und Sonne dabei zu genießen? Das denken jetzt auf jeden Fall die spanischen Tourismusexperten und setzen ihre Hoffnungen auf die vermögenden Kranken und Gebrechlichen aus dem Ausland.

Laut der Zeitung El Pais wirb die amerikanische Reiseagentur “Medical Tourism Corporation” mit folgenden Worten für einen Krankenurlaub in Spanien: “In Spanien gibt es nicht nur Stierkämpfe, Flamenco, exotische Strände und viel Sonne. In den letzten Jahren hat das Land durch sein exzellentes ärztliches System, das eine Behandlung zu niedrigen Kosten und hoher Qualität für Patienten aus der ganzen Welt bietet, an Bedeutung gewonnen.” Laut dieser Agentur gehören zu den Stärken des spanischen Angebots die niedrigen Kosten. Die Patienten könnten leicht 30% bis 70% sparen. Während in Großbritannien z.B. eine Nasenoperation 3.450 bis 4.600 Euro koste, sei sie in Spanien für 2.700 Euro zu haben. Eine Knieoperation könne bis zu 60% billiger sein.

Während es bisher schon Angebote für Schönheitsoperationen gab, wollen die Spanier jetzt auf dem klassischen Gesundheitsmarkt mit Angeboten in den Bereichen orthopädische Chirurgie, Traumtologie, Herzoperationen und Krebsbehandlungen ins Geschäft kommen. Vor allem an der Costa del Sol will man auf den Gesundheitstourismus  setzen. Krankenhäuser mit privaten Angeboten gibt es bereits in Málaga. In dieser Stadt wurde vor kurzem eine Stiftung mit Namen “Fundación Málaga Health” gegründet, die private Krankenhäuser, ein augenärztliches Institut und Reiseagenturen zusammen bringt. Der Vertreter der Stiftung erklärt den Zweck: “Unsere Absicht ist es, Málaga auf diesem Sektor bekannt zu machen, eine Datenbank mit den Daten der Krankenhäuser, Hotels und Reiseagenturen aufzubauen und all die Informationen zu sammeln, die ein ausländischer Patient, der sich gerne hier operieren lassen möchte, braucht.”

Die Initiatoren des Angebots an der Costa del Sol träumen von einen Jahresumsatz von 300 Millionen Euro. Die meisten Kunden erwarten sie aus Großbritannien und den Niederlanden, aber auch von Menschen aus dem Maghreb oder aus Russland. An der Costa Blanca, in Alicante und Benidorm, setzt man eher auf die Deutschen und Niederländer. Auch hier gibt es bereits Angebote für Gesundheitstourismus z. B. das Hospital Clinica Benidorm. Hier gibt es ein Behandlungspaket, das vor allem Niederländern angeboten wird: “Knie- und Rückenoperation inklusive 3 Wochen Rehabilitation zu Lasten der Krankenversicherung in einer Pension in Benidorm, mit einem wesentlich angenehmeren Klima für die Erholung nach einem solchen Eingriff wie in Holland.” Glückliche Holländer, ein niederländische Versicherung hat ein Abkommen mit dem Krankenhaus, so dass die Kosten in dem angenehmen Klima dem Kranken nicht zu sehr auf dem Magen liegen und der Urlaub tatsächlich eine Erholung wird.

Informationsquelle
Para operarse, venga a España – El Pais

Sonntag, 17. März 2013

Rumänische Ungarn: Gut genug, um Steuern zu zahlen?

Im Herzen Rumäniens liegt das Szeklerland. Die Heimat der ungarischen Minderheit in Rumänien. Seit längerem kämpfen sie um mehr Autonomie innerhalb des rumänischen Staates, manchmal auch mit tatkräftiger Hilfe aus Budapest. Eigentlich wollen sie aber nur mehr Autonomie innerhalb des Staates, in dem sie leben. Die Partei der Ungarn, die UDMR, war des Öfteren an Regierungen in Bukarest beteiligt und hat die gesamtstaatlichen Interessen ohne exzessiven Forderungen nach Unabhängigkeit vertreten. Trotzdem werden die Ungarn von ihren rumänischen Mitbürgern misstrauisch beäugt und jeder Wunsch nach mehr Autonomie stößt auf geballtes Misstrauen der Zentralisten in Bukarest.

Der Bürgermeister der Stadt Sfântu Gheorghe, Antal Arpad, hat dieser Tage seinem Ärger über die mangelnde Anerkennung der ungarischen Minderheit durch die rumänische Regierung und Gesellschaft in einer Rede Luft gemacht. Sfântu Gheorghe, deutsch St. Georg, ungarisch Sepsiszentgyörgy, ist die Hauptstadt des Kreises Covasna, dessen Einwohner überwiegend Szekler Ungarn sind.

Wörtlich erklärte Bürgermeister Arpad: “Wir sind es satt, gut für Rumänien zu sein, wenn es darum geht Steuern zu bezahlen oder wenn wir olympische Medaillen für dieses Land gewinnen. Wir wollen aber nicht spüren, dass wir in diesem Land nicht erwünscht sind, dass uns unsere Symbole verweigert werden, dass wir gehindert werden in unserer Muttersprache zu sprechen. Wir sind ein wertvoller Teil dieses Landes und wir wollen, dass die Mehrheitsbevölkerung uns respektiert. In letzter Zeit haben wir oft genug gehört, dass wir doch von hier weggehen sollen, wenn wir unbedingt unsere Symbole nutzen wollen, damit wir anderswo die Gelegenheit dazu haben. Oft genug haben wir gehört, dass wir, falls wir wollen, dass unsere Muttersprache als offizielle Regionalsprache anerkannt wird, wenn wir Autonomie wünschen, dass wir dann von hier abhauen sollen. Damit das für alle Welt klar ist: Wir werden nie gehen! Weder in die Mongolei, noch nach Ungarn! Das hier ist unser Heimatboden, das hier ist unser Land. Wir haben das Recht, unsere Fahne aufzuhängen! Wir haben das Recht unsere Muttersprache zu nutzen, wir haben das Recht auf Autonomie!”.

Das sind klare Worte von Arpad. Er führte des weiteren aus, dass die Regierung behaupte, dass das Szeklerland wirtschaftlich sich nicht selbst versorgen könne und vom Geld der Regierung abhängig sei, aber die einzige Investition der Staatsmacht habe in den letzten 23 Jahren darin bestanden, in Sfântu Gheorghe ein neues Gebäude für die Polizei zu bauen. “Hilft das bei der Entwicklung unserer Region?”, fragt Arpad und fügt dazu, dass das verbreitete Märchen des “armen” Szeklerlandes” falsch sei. Deshalb ruft er seine Landsleute auf, dass sie Vertrauen auf sich selbst haben  und vor niemandem Angst haben sollten.

Die Rede hielt Arpad am “Tag der Ungarn weltweit”, an dem 3.000 Personen sowie der Vizepräsident Ungarns Semjen Zsolt teilnahmen.

Siehe auch:
Wenn aus Miercurea Ciuc Csikszereda wird
In Rumänien regt sich der Föderalismus
Die Szekler wollen eine Botschaft bei der EU in Brüssel eröffnen
Informationsquelle
Antal: Ne-am săturat să fim buni pentru România doar când vine vorba de plata impozitelor – Romania Libera

Donnerstag, 14. März 2013

London ist überzeugt: Den Schotten werden die Militärs davon laufen

Der Kampf um die Abstimmung zur schottischen Unabhängigkeit ist bereits im Gange, obwohl sie erst im Jahre 2014 durchgeführt wird. Londoner Politiker versuchen die Vorzüge eines Verbleibs Schottlands im Vereinigten Königreich (UK) bei jeder Gelegenheit herauszuheben und drohen vor Erpressungen entsprechend dem Motto “ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt” nicht zurück. Vor kurzem war es der britische Verteidigungsminister Philip Hammond, der in bester Londoner Regierungsarroganz die Schotten belehrte, dass ihnen, falls sie sich für die Unabhängigkeit entscheiden würden, die Soldaten davon laufen würden.

In seiner Rede in Edinburgh beschrieb Hammond die britische Armee als der Gipfelpunkt der Attraktivität: “Die britischen Streitkräfte sind in der der Lage die besten und fähigsten Rekruten für sich zu gewinnen, weil sie in der Lage sind aufregende und herausfordernde Karriere-Möglichkeiten zu bieten, mit Möglichkeiten an Operationen in Übersee teilzunehmen und mit der Gewissheit in einer der besten und respektiertesten Armeen der Welt tätig zu sein.” Ausgehend von dieser Gewissheit hält er den schottischen Unabhängigkeitsfreunden vor: “Die Nationalisten halten es für selbstverständlich, dass diejenigen Soldaten, die zur zur Zeit in den “schottischen” Regimentern dienen, dies auch für eine schottische Verteidigungsarmee tun würden. Aber wer weiß, wie viele Schotten in einem neuen Staat als Teil einer schottischen Armee dienen würden? Sie würden mit Sicherheit nicht den Bruchteil der Möglichkeiten für Übersee-Einsätze und –Training haben, noch die Vielfalt an Erfahrung und den Zugang zu Qualitätsgeräten, mit denen sie zur Zeit ausgestattet sind”.

Die Alternative wäre also, dass schottische Soldaten zu Hause bleiben dürfen und bei den internationalen Abenteuern der Londoner Regierung – siehe Irak-Krieg – nicht ihr Leben aufs Spiel setzen müssten. Wäre doch eine gute Alternative. Die schottische Regierung hat sehr geharnischt auf die Rede Hammond’s in Edinburgh reagiert. Die Rede hätte er auch in London halten können, dann hätte man dem Steuerzahler die Reisekosten erspart, ist ihre Meinung. “Man hätte es ihm nachgesehen, wenn er gekommen wäre und demütig um Verzeihung gebeten hätte für all die Heuchelei und Zerrbilder. Er hätte eine der seltenen Möglichkeiten gehabt zu erklären, warum es eine gute Idee ist, Milliarden Pfund dafür auszugeben, um gegen den Widerstand aller Teile der schottischen Gesellschaft, Massenvernichtungswaffen in der Clyde zu versenken”, erklärte Angus Robertson, Abgeordneter in Westminster und Fraktionsführer der Scottish National Party (SNP) und stellt ihm seine Ansicht entgegen: “Die Wahrheit ist, dass die Unabhängigkeit attraktive Karrieremöglichkeiten für Soldaten bieten wird, die es zur Zeit sie nicht gibt. Allzulange haben Schotten in den Streitkräften des UK ihre ganze Karriere außerhalb Schottlands verbracht, weil es keine angemessene Posten für ihren Rang oder ihre Kenntnisse gab. Das wird sich signifikant zum Besseren ändern nach der Unabhängigkeit. Das Personal wird wesentlich mehr Sicherheit über den Standort haben. Übungen vor Ort, Ausbildung in der Heimat und mit Nachbarn und den Alliierten und auch internationale Beteiligung an von den Vereinten Nationen beschlossenen Missionen werden eine attraktive Karriere-Möglichkeit bieten”.

Die Unabhängigkeit Schottlands würde eben auch der Abschied vom Weltreich des britischen Empire bedeuten. Den Schotten fällt das weniger schwer, den Nachkommen der eher in England zu vorortenden Imperialisten und Kolonialisten schon eher.

Siehe auch:
Ein unabhängiges Schottland bedeutet auch ein atomwaffenfreies Schottland

Informationsquelle
Join the Navy and see the Clyde: Hammond mocks Scots defence force – HeraldScotland

Mittwoch, 13. März 2013

50 Familien gegen Trump und das Großkapital, ein ungleicher Kampf

Der Milliardär Donald Trump hat gemeinsam mit dem Olympischen Komitee den Plan die Olympiastadt Rio de Janeiro zu einem Quell guter Profite zu machen. Am heruntergekommenen Hafen von Rio de Janeiro sollen die “Trump Towers” gebaut werden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meldet in ihrem Wirtschaftsteil: “Rechtzeitig vor den Olympischen Spielen 2016 will der amerikanische Immobilieninvestor Donald Trump fünf Hochhäuser im Hafenviertel der brasilianischen Großstadt errichten. Die Gebäude mit jeweils 38 Stockwerken sollen auf einer Fläche von 332000 Quadratmetern Büros und Wohnungen enthalten und zum Kern eines neuen Viertels im gegenwärtig heruntergekommenen Hafengebiet werden. Geplant sind auch Fußgängertunnels, Fahrradwege, Gas- und Stromversorgung und Fiberglasnetze für die Kommunikation.” Die FAZ verschweigt aber auch nicht, dass für diese Projekt 1.000 Menschen umgesiedelt werden müssen und bezeichnet dies als eine “politische Herausforderung”.

Die betroffenen Menschen wehren sich. Im Quilombo das Guerreiras haben 50 Familien im Jahr 2006 ein heruntergekommenes Gebäude besetzt, das bereits 20 Jahre leer stand. Sie haben das Gebäude gereinigt und in Selbstverwaltung übernommen, die Wohnungen verteilt und bilden seither einen Raum für öffentliches Wohnen, das für andere Hausbesetzungen in Rio beispielhaft wurde. In regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen wird über Organisation und Funktionieren des besetzten Gebäudes gesprochen. Alle Bewohner haben dabei ein Rederecht. Die Entscheidungen werden einvernehmlich getroffen und Arbeitsgruppen werden gebildet, um anstehende Aufgaben zu erledigen. Alle Bewohner beteiligen sich am Unterhalt des Gebäudes und weiterer Aktivitäten. Inzwischen ist das Gebäude auch zu einem Ort kultureller Ereignisse geworden. Bekannt sind die Juni-Feste mit Live-Musik, Jahrmarkt und Essensangebot. Am Jahrestag der Besetzung wird gefeiert und Besucher werden mit Musik, Fotoausstellungen und von den Bewohnern selbst hergestellten Speisen unterhalten. Von Unterstützern werden im Gebäude Kurse für Kinder und Jugendliche gegeben, es gibt Veranstaltungen mit Musik, bildender Kunst, Literatur, Kino und der Herstellung von Kinderspielzeug. Im Gebäude gibt es eine Bibliothek, die auch als Arbeitsplatz für die Bewohner dient.

Stadtnaher Wohnraum in Rio ist für viele Brasilianer nicht bezahlbar. Deshalb die Favelas, deshalb besetzte Häuser. Zusammen mit den olympischen Spielen kommt die Immobilienspekulation und das große Geschäft, da zählt das Schicksal einer kleinen Gruppe Menschen, die ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen hat, wenig. Die Stadtverwaltung hat bereits mit der Umsiedlung von Menschen, die der Olympiade im Weg sind, begonnen. Neben Luxushotels müssen sie Schnellstraßen, Bahnhöfen, Golfplätzen und Einkaufszentren und Gewerbeparks weichen. Der Blog “Passa Palavra” schreibt dazu: “Der Hafenbereich ist jetzt ein heiß begehrter Ort und es gibt ein Projekt dafür: Porto Maravilha (wunderbarer Hafen). Das Ziel dieses Projektes ist es die Gegend in einem Prozess der Gentrifizierung aufzuwerten, indem die “unerwünschte” Bevölkerung, die dort wohnt – Arbeiter mit niedrigem Einkommen, Obdachlose – systematisch vertrieben wird, so dass die Gegend für die Immobilienspekulation “frei” und “sicher” verfügbar wird. Die Immobilienpreise sind bereits gestiegen. Damit wird verhindert, dass eine Gesellschaftsschicht, die traditionell in diesem Bereich gewohnt haben, dies nicht mehr tun kann und sie in Viertel weit außerhalb des Zentrums der Stadt verschoben wird, wo die Menschen weder Zugang zu Arbeit noch zu Dienstleistungen haben.”

Die brasilianischen Medien schreiben, dass die Bürger bei der Stadtplanung nicht beteiligt werden. Im Gegenteil, sie werden einfach ignoriert oder gegebenenfalls zum Schweigen gebracht. Vor drei Jahren wurde ein Wohnprojekt für die Bewohner des Quilombo das Guerreiras ins Spiel gebracht, das sich “Quilombo Gamboa” nannte. Dieses Projekt versickerte aber im Behördendschungel und kam nicht von der Stelle. Diese Probleme haben die Mächtigen der Wirtschaft nicht, ihre Projekt werden schnell und unbürokratisch abgesegnet.

Die Bewohner des Quilombo haben viele Unterstützer, aber ihr Kampf wird vermutlich aussichtslos sein. Das Recht auf Wohnen hat keinen Wert gegen das Recht reicher Milliardäre und des Finanzkapitals.

Siehe auch:
Steinreicher Trump sauer über Windräder an seinem Golfplatz

Informationsquelle
Quilombo das Guerreiras: futuros à deriva e a reivindicação de um porto – Passa Palavra
RJ - Abraço na Quilombo das Guerreiras – cmi brasil

Sonntag, 10. März 2013

Britische Konservative werden zu gnadenlosen Menschenrechtsverächtern

Entweder sie haben keine Ahnung oder treiben ein ganz gefährliches Spiel. Die regierenden britischen Tories wollen vielleicht aus der EU austreten, das hat der damit erpresste Rest Europas inzwischen begriffen. Seit neuestem wollen sie sich aber auch nicht mehr von der Europäischen Menschenrechtskonvention terrorisieren lassen. Die britische Innenministerin Theresa May erklärte vor kurzem in einer Rede vor Parteimitgliedern ihre Bauchschmerzen: “Wir müssen die Menschenrechtsgesetzgebung stoppen, wenn sie mit unserer Fähigkeit zur Kriminalitätsbekämpfung und Einwanderungskontrolle kollidiert. Das ist der Grund für unser Versprechen, dass die nächste konservative Regierung die Menschenrechtscharta kündigen wird und wir sollten sehr vorsichtig unsere Beziehung zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte prüfen und die Konvention, die von ihm durchgesetzt wird. Wenn Straßburg ständig die Tore verschiebt und die Deportation solch gefährlicher Männer wie Abu Qatada verhindert, dann sollten wir fragen, weshalb wir eigentlich Zeichnerstaaten der Konvention sind? Begrenzen wir wirklich den Missbrauch der Menschenrechte in anderen Ländern? Ich bin skeptisch”.

Wer jetzt denkt, es geht um einen weiteren Fußtritt in Richtung Europäische Union, der irrt sich. Die Menschenrechtskonvention ist vom Europarat ausgearbeitet worden. Der Europäische Menschengerichtshof ist ein durch die Konvention eingerichtetes unabhängiges Gericht. Er ist keine Institution der Europäischen Union. Dem Europarat gehören fast alle europäischen Länder an, auch solche, die nicht Mitglied der EU sind wie Russland, die Schweiz oder die Türkei. Alle Länder des Europarats haben die Menschenrechtskonvention gezeichnet. Großbritannien war eine treibende Kraft als nach dem 2. Weltkrieg der Europarat gegründet wurde. Wikipedia (englisch) schreibt, dass die Menschenrechtscharta mit kräftiger Hilfe des Vereinigten Königreichs erstellt wurde und sie dazu gedacht war bürgerliche Freiheiten zu bieten um “eine effektive politische Demokratie” zu gewährleisten, ausgehend von der starken Tradition für Freiheit und Unabhängigkeit im Vereinigten Königreich.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat europaweit einen guten Ruf als Schützer der Menschenrechte. Seine Entscheidungen sind nicht immer unumstritten, die Kritik kommt oft aus Ländern, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen wie z. B. Russland. Russland hat bei unliebsamen Entscheidung deshalb auch schon des Öfteren mit einem Ausscheiden des Landes aus dem Europarat gedroht. Nun schließen sich die britischen Konservativen solchen Ländern an. Weil ihnen einige Gerichtsurteile nicht passen, drohen sie ganz einfach mit Austritt. Vermutlich handelt es sich hier auch nur um eine Drohung oder besser gesagt um eine Erpressung des Gerichts, in Zukunft für wohlfährige Gerichtsurteile im Sinne der britischen Regierung zu sorgen.

Die Menschenrechte haben seit George W. Bush’s Krieg in Afghanistan keine Priorität mehr. Die konservativen Denkfabriken haben das ideologische Fundament für die Missachtung der Menschenrechte geschaffen und die Öffentlichkeit mit ihrer Propaganda sturmreif geschossen. Folter gehört ja inzwischen wieder zu den Grundrechten amerikanischer und britischer Geheimdienste. Frau May ist entweder eine bösartige Tatsachenverdreherin oder sie ist dieser Gehirnwäsche erlegen. Terrorismusbekämpfung ist die billige Ausrede, um den Bürger und Bürgerinnen wieder die schwer erkämpften Menschenrechte nehmen zu können. Zwar sprechen die Konservativen oft und laut großspurig über weniger Staat und mehr Freiheit, aber diese Maske lässt man inzwischen fallen, es ist die Freiheit der Banken und Großkonzerne, der Vermögenden und Reichen, um die es ihnen geht. Damit das Volk nicht kapiert was abläuft, drischt man auf dem Gaul “Europa” herum, die Skandalpresse klatscht dazu und ist bei jeder Tatsachenverdrehung zur Hand. Der schamlose Egoismus britischer Tories und der verzweifelte Versuch damit Wahlen zu gewinnen wird trotzdem keinen Erfolg haben. Den Schnitt werden die noch radikaleren Rattenfänger ganz rechts außen machen.

Siehe auch:
Wir hassen die Europäische Union und wünschen ihr einen baldigen Tod
Informationsquelle
Theresa May's speech leaves Tories in no doubt – she's after the top job – The Independent

Samstag, 9. März 2013

Ein gebrechlicher König mit mangelnder Einsicht

Nun ist er schon wieder operiert worden, König Juan Carlos von Spanien. Diesmal sind ihm Bandscheiben entfernt worden. Innerhalb eines Jahres war es bereits die 4. Operation. Durch die Operationen und die anschließenden Reha-Maßnahmen ist der König in einer schwierigen Situation seines Landes nur noch bedingt einsatzfähig. Juan Carlos ist jetzt 75 Jahre alt. Während in Holland die Königin einsichtig aus Altersgründen auf ihren Thron verzichtet und der Stellvertreter Gottes ebenfalls zu dieser sensationellen Einsicht kam, scheint Juan Carlos auf seinem Sessel zu kleben. Sein Sohn Felipe, der zukünftige Thronfolger, ist inzwischen 45 Jahre alt und wäre durchaus in der Lage die Aufgaben zumindest vorläufig wahrzunehmen.

Juan Carlos wird voraussichtlich die nächsten 6 Monate nicht einsatzfähig sein. Der operierende Orthopäde meint, dass es noch sehr harter Arbeit bedürfe, um ihn wieder fit zu machen. In der spanischen Öffentlichkeit wächst das Unbehagen, zumal das Ansehen der Monarchie in den letzten Monaten durch Skandale, insbesondere des Schwiegersohns Urdangarin und seiner Ehefrau Prinzessin Cristina, schwer gelitten hat. Hinzu zeichnet sich einer neuer Skandal ab, indem die deutsche Freundin des Königs, Corinna zu Sayn-Wittgenstein, während Jahre kostenlos im vom spanischen Staat dem König zur Verfügung gestellten Anwesen, das für Corinna und ihren Sohn zuvor auf Staatskosten renoviert wurde, wohnte.

Eigentlich sieht die spanische Verfassung vor, dass bei einer zeitweisen Dienstunfähigkeit der Kronprinz die Amtsgeschäfte übernehmen kann. Da der König wohl dazu selbst keine Anstoß gibt, tut auch die Regierung nichts. Statt dessen tanzen die Regierungsmitglieder in der Klinik an. Dazu schreibt die Zeitung "Pùblico”: “Die Prozession der politische Führer und der staatlichen Institutionen im königlichen Krankenzimmer in der Klinik “La Milagrosa” in Madrid ist nicht spontan, sondern gehorcht einer sorgfältigen Strategie des Königlichen Hauses (Casa Real), das damit ein Bild weitergeben will, dass Juan Carlos seine Funktionen genauso ausübt wie wenn er in seinem Büro im Zarzuela-Palast sitzen würde.”

Juan Carlos hat zu verstehen gegeben, dass er nicht abdanken wird. Bei all dem Durcheinander wäre das für ihn persönlich eine dumme Entscheidung, denn laut der spanischen Verfassung ist die “Person des Königs unverletzbar und keiner Verantwortlichkeit unterworfen” (Art. 57 Abs. 3).Das heißt, er kann als König nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Das gilt aber nur solange er König bleibt. Deshalb wird er sein Amt wohl auch bis zum bitteren Ende behalten wollen. Für Spanier, denen in letzter Zeit Opfer jeder Art abgefordert werden, keine gute Nachricht.

Siehe auch
Spanische Monarchie: Heiteres Elefanten jagen und betrügerisches Geschäftsgebaren

Informationsquelle
PP y PSOE impiden la regencia del príncipe por la incapacidad del rey – Pùblico

Donnerstag, 7. März 2013

Statt Autogramme gab’s Vergewaltigung, aber es waren doch gute Jungs

Die brasilianische Musikgruppe “New Hit” aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia gab am 26. August 2012 in der Kleinstadt Ruy Barbosa, ebenfalls Bahia, ein Konzert. Zwei junge Frauen wollten von den Band-Mitgliedern ein Autogramm haben und der Band zu ihrem Geburtstag gratulieren. Im Fahrzeug der Band wurden sie dann brutal vergewaltigt und ein Militärpolizist schaute dabei zu.

Im Februar dieses Jahres kam es zur ersten Gerichtsverhandlung in Ruy Barbosa. Die Gerichtsverhandlung fing zwar an, wurde aber gleich auf September verschoben. Die Band gibt weiterhin Konzerte im brasilianischen Nordosten. Die Vergewaltigung hat ihre Berühmtheit und den Andrang zu den Konzerten noch befördert. Für die Opfer beschämend, dass die Justiz nicht dazu in der Lage war, die Vergewaltiger trotz klarer Beweislage ins Gefängnis zu bringen.

Auch die brasilianischen Frauen lassen sich nicht mehr alles gefallen. Sie protestieren bei Konzerten der New Hit und gegen die Unfähigkeit der Justiz solche Taten zu ahnden. Eine Gruppe der protestierenden Frauen hat dazu in einem Blogbeitrag u.a. folgendes geschrieben: “Die Möglichkeit, dass Vergewaltiger wieder einmal frei bleiben und die Opfer eingesperrt werden hat uns dazu gebracht uns einige Fragen zu stellen: "Warum enden in einem Land, in dem alle 3 Minuten eine Frau vergewaltigt und in den letzten zehn Jahren 43.700 Frauen ermordet wurden, nur 2% der Verbrechen gegen Frauen mit einer Verurteilung?Warum werden in einem Rechtsstaat wie Brasilien viele Rechtfertigungsgründe für eine Nichtverurteilung der Aggressoren akzeptiert, wenn Frauen von Männern eingesperrt, vergewaltigt, verbrannt werden? Sie hat’s verdient, sich hat sich gewehrt, sie war einverstanden? Der Fall New Hit hat wieder einmal den Schwerpunkt auf die vermeintliche Schuld des Opfers gelegt.”

Im weiteren Verlauf wird geschildert wie wenig gerade in der Bevölkerung das Bewusstsein für Sexualverbrechen entwickelt ist. Die Teilnehmerin an einer Protestaktion schildert folgenden Vorfall: “Als wir vor der Konzerthalle mit geballten Fäusten lautstark protestierten, sagte eine Frau zu mir: Mein Kind, warum soviel Wut auf diese Jungs. Sie haben etwas falsches getan, aber sind sie nicht gute Jungs? Ich lächelte sie an und antwortete: “Nein, gnädige Frau, das sind keine guten Jungs. Neun Männer vergewaltigten zwei Mädchen. Was sie erlebten war Folter. Während eine mit Gewalt penetriert wurde, wurde sie von einem anderen festgehalten, der masturbierte und ihr versuchte den Penis in dem Mund zu stecken. Sie erhielt Schläge ins Gesicht und auf den Hintern. Sie blutete. Im gleichen Augenblick wurde das andere Mädchen im danebenliegenden Bad abwechselnd vergewaltigt.” Die Frau war schockiert. Sie bat mich aufzuhören. Ich schaute ihr fest in die Augen und sagte: “Ist das Respekt für das Leben der Frauen, Respekt für Menschlichkeit. Ist unser Kampf nicht gerecht?” Sie war sprachlos.

Brasilien ist ein Land im Wandel. Paternalistisch geprägt hatten bisher die Männer das Sagen und Frauen hatten grundsätzlich zu kuschen. Es gibt einige Justizskandale, wo geradezu abenteuerlich zu Gunsten Freundinnen und Ehefrauen mordender Männer entschieden wurde. Zur Zeit läuft in Brasilien der Prozess gegen den Torwart Bruno, der beim Fußball Club Flamengo spielte und der seine Freundin nach neuestem Geständnis von Verwandten ermorden ließ, die dann die Leiche zerstückelt und den Hunden zum Fraß vorgeworfen hatten. Aus dem brasilianischen Nordosten, dem Bundesstaat Pernambuco, berichtet der Blog für öffentliche Sicherheit, dass die Gewalt gegen Frauen in dieser Region wieder beunruhigend zugenommen habe. Im Januar dieses Jahres wurden allein in Pernambuco 20 Frauen ermordet. Die Landesregierung will jetzt eine Kampagne starten, mit der sie Frauen ermuntern will, Fälle der häuslichen Gewalt früher bei der Polizei anzuzeigen. Nach Informationen der Landesregierung ertragen Frauen durchschnittlich 5 Jahre Gewalttätigkeiten ihres Lebenspartners bis sie sich zu einer Anzeige bei der Polizei entschließen. Die Polizei hat aber in dieser Region einen schlechten Ruf, kein Wunder, dass die Betroffenen sich nicht zu einer Anzeige entschließen können.

Indien tauchte vor kurzem wegen einer brutalen Vergewaltigung sternschnuppenhaft in den Nachrichten der internationalen Medien auf, obwohl dort Gewalt gegen Frauen genauso Alltag ist wie in Brasilien. Wie in Indien nehmen auch in Brasilien die Frauen ihr Schicksal jetzt in die eigenen Hände und versuchen durch Proteste, Demonstrationen und politische Aktionen eine Veränderung im Bewusstsein der Bevölkerung und bei Politikern und Richtern zur Gewalt gegen Frauen zu erreichen.

Siehe auch
Ist Torwart Bruno ein Mörder?

Informationsquelle
Feministas protestam no julgamento do New Hit – cmi brasil
Crimes contra mulheres seguem sem freio em Pernambuco - Blog Segurança pública

Montag, 4. März 2013

Rassistische Narren stören das deutsch-brasilianische Motto: „Wo Ideen sich verbinden”

Die in Dresden lebende brasilianische Sambatänzerin Denise Souza war von einer Freundin eingeladen worden, mit nach Radeburg zum dortigen Karnevalsumzug zu kommen. Dort tanzte Denise Souza zwischen dem Fahrzeug des Weinböhlaer Prinzenpaares und einem sich anschließenden Gespann mit Freunden des Weinböhlaer Vereins. In diesem Wagen soll es dann während des Umzugs zu Übergriffen gekommen sein, berichtet die Sächsische Zeitung. Nach Aussagen der närrischen Sachsen auf dem Wagen, sei die Frau regelrecht ausgerastet, habe Gläser und Flaschen auf dem Tisch umgeworfen und Anwesende mit Alkohol begossen, weil man sie nicht - aus verkehrstechnischen Gründen - wie von ihr gewünscht, vom Wagen heruntersteigen lassen habe. Drei Männer hätten sie daraufhin zu einem späteren Zeitpunkt vom Wagen geworfen.

Die brasilianische Nachrichtenagentur Afropress hat den Fall jetzt aufgenommen. Ihr schildert Denise Souza den Vorfall so: Sie sei von Mitgliedern der Karnevalsgruppe attackiert worden. “Ich wollte nicht zu ihrer Ware werden, drei Männer, Mitglieder der Karnevalsgesellschaft, für die ich aufgetreten bin, bekannte Männer und mächtig im Land, haben mich physisch angegriffen. Ich habe um Hilfe geschrien, aber die Umstehenden haben diese Rufe ignoriert. Eine unbekannte Frau hat dann auf meine Rufe reagiert und die Polizei gerufen, die sich aber weigerte zu kommen. Deshalb habe ich mich an einem Ort, 20 km entfernt, bei der Polizei gemeldet und Anzeige erstattet. Zuerst wollte ich über diesen erniedrigenden und beschämenden Vorfall nicht sprechen, aber auf Raten meiner Freunde machte ich ihn öffentlich. Viele von uns Ausländern weigern sich zu glauben, dass es so etwas hier gibt und dass wir vorsichtig sein müssen, damit wir nicht zu Opfern werden.”

Der Vorfall scheint unter den in Deutschland lebenden Brasilianern für viel Aufregung zu sorgen. Afropress zitiert eine seit 20 Jahren in München lebende Brasilianerin mit der Aussage, dass die Gewaltanwendung gegen die Brasilianerin zu denken gebe. “Wir erwarten, dass die Behörden vorbeugend tätig werden”.

Die Journalistin Rafaela Carrijo schrieb in einem Bericht für Afropress: “Ich verteile diese Nachricht, um andere Brasilianer über die Gefahr zu informieren. Ich möchte, dass Gerechtigkeit geschieht und grausame Handlungen wie diese nicht wieder den Ruf von Deutschland beschmutzen, das heutzutage eines der europäischen Länder ist, das die meisten Initiativen für die Integration der Ausländer ergreift.” Mit Denise Souza hatte sie bereits einmal ein Interview geführt und sie sagt: “Ich konnte mich von der Integrität ihrer Arbeit in Deutschland überzeugen. In der Reportage, die ich gemacht habe, hat sie darauf hingewiesen, dass das Leben für eine schwarze Frau in diesem Land, aber insbesondere in Dresden, wo es aktive Neo-Nazi-Gruppen gibt, von Unsicherheit für das tägliche Leben geprägt ist”. Rafaela Carrijo erinnert dann noch daran, dass der Kampf gegen Rassismus und Gewalt geführt werden sollte, bevor es zu spät sei, insbesondere auch jetzt aus Anlass des Deutschland+Brasilien-Jahres, einer Initiative, die die Freundschaft und die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern stärken sollte.

Ja tatsächlich, es gibt das vom Auswärtigen Amt und anderen staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen in Deutschland initiierte Programm “2013-2014 Deutschland+Brasilien”, das unter dem Motto steht “Wo Ideen sich verbinden” und der Sinn der Initiative wird so erläutert: “Die Initiative dient der Vertiefung und Ausweitung der deutsch-brasilianischen Beziehungen. Zugleich will das Jahr die Sichtbarkeit unserer Zusammenarbeit erhöhen und Anstöße für neue Kooperationen geben. Deutschland und Brasilien feiern ab Mai 2013 ein Festival der Ideen, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten.” Es bleibt zu hoffen, dass die Initiative sich nicht nur auf die Wirtschaftsbeziehungen bezieht, sondern auch zur Verbesserung der menschlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern und zum Kampf gegen Rassismus und Fremdenhass beiträgt.

Informationsquelle
Brasileira na Alemanha é alvo de racismo e violência sexual – Afropress
Rafaela Carrijo Jeckle - Matéria Brasil Show - Mosaico Baiano –Youtube

Samstag, 2. März 2013

Massentierhaltung: 1.000 Kühe für den größten Kuhstall Frankreichs

Seit 2011 gibt es das Projekt “1.000 Kühe” für das Dorf Drucat bei Abbeville im Nordwesten Frankreichs. Jetzt wird es ernst. Der größte Kuhstall Frankreichs soll gebaut werden. Die Präfektur hat die Baugenehmigung erteilt, allerdings beschränkt auf 500 Kühe. Antragsteller ist das Unternehmen “SCEA Côte de la Justice”. Das Unternehmen lässt sich von der präfekturalen Beschränkung nicht beeindrucken, denn es geht davon aus, dass mit der Baugenehmigung eine zukünftige Erweiterung des Betriebs nicht ausgeschlossen ist.

Gegen diesen gigantischen Stall hat sich eine Bürgerinitiative in Drucat gebildet. Sie nennt sich “Novissen”. Der Name ist eine Abkürzung für “Unsere Dörfer kümmern sich um ihre Umwelt” (“NOs VIllages Se Soucient de leur Environnement”) und ausgesprochen kann der Begriff auch als “nos vies saines (novissen)” verstanden werden und das bedeutet “Unsere Leben gesund”. Die Bürgerinitiative hält das Projekt für eine Gefahr für die Gesundheit, Sicherheit, Umwelt und Beschäftigung. Zudem stelle sich auch die Frage des Tierschutzes und zeige wie sehr sich hier das ganze System pervetiere. Morgen will Novissen in Paris bei der Landwirtschaftsmesse demonstrieren. Die Bürgerbewegung wird nicht allein sein. Alle großen Umweltorganisationen, die Grünen und weitere Parteien rufen zur Teilnahme an der Demonstration auf. Die Bewegung verlangt von der Regierung das Verbot einer intensiven Massentierhaltung. Dabei bezieht sie sich nicht nur auf den Mega-Kuhstall, sondern auch auf weitere Massentierhaltungsprojekte in der Region wie Erweiterung einer Hühnerzuchtanlage und gegen die Schweineställe in der Region von Pas-de-Calais, wo tausende von Schweinen gehalten werden.

Vertreter der industriellen Landwirtschaft scheinen in Frankreich Morgenluft zu wittern, denn nicht nur im Nordwesten, sondern auch in der Bretagne sind Großprojekte geplant. Dort will ein chinesisches Unternehmen eine Fabrik für Milchpulver bauen. Angeblich weil die Milchindustrie in China ein schlechtes Image habe und sie sich mit Produktionsstätten in Frankreich ein bessere Image geben will. Die Chinesen schwören auch, dass ihnen der Preis egal sei, Hauptsache Qualität. Der Vertrag zu Milchbelieferung wurde mit der bretonischen Kooperative Soodial abgeschlossen. Die wittern allerdings inzwischen auch Unrat. Unter der Hand haben sie erfahren, dass die Chinesen der Meinung sind, dass die bretonische Milch zu teuer wäre und das die Preise demnächst “wettbewerbsfähiger” werden müssten.

Die grüne Algenpest in der Bretagne scheint schon wieder vergessen. 2010 schrieb die Süddeutsche Zeitung: “Es ist vor allem das von der Schweinezucht und der Agrarwirtschaft mit Nitraten und Pestiziden verseuchte Grundwasser, das an die Küste sickert und die Algen sprießen lässt” und “die Dämpfe über dem Algenteppich weisen bisweilen eine Konzentration des Gases auf, die das in der Industrie erlaubte Limit um das 200-fache überschreitet. Bei der Bevölkerung scheint da schon etwas hängen geblieben sein, aber in der Welt der industriellen Agrarwirtschaft und ihrer dienstbaren Behörden scheint das keine Rolle zu spielen.

Informationsquelle
Après la méga laiterie de Carhaix, bientot des usines de 1000 vaches en Bretagne? – leblogdejeudi
Grande manifestation à PARIS le dimanche 3 mars 2013 – Novissen
DRUCAT (80) Ferme des 1000 Vaches : Novissen montre les cornes – Courrier Picard

Freitag, 1. März 2013

Lärm treibt inzwischen auch Spanier auf die Barrikaden

Spanier sind lärmgewohnt. Die Wohnungen sind hellhörig, die Kneipen haben Fenster und Türen offen, die Menschen betrinken sich gerne auf dem Gehweg, Mopeds ohne Schallschutz knatterten durch enge Gassen, Musik hört man gerne in voller Lautstärke und vor dem Fernseher des Nachbarn hat man erst Ruhe, wenn die Nationalhymne ertönt. Alte Bräuche geraten aber in Spanien immer mehr ins Wanken. Der Stierkampf ist schon nicht mehr, was er mal war und jetzt beginnen die Einheimischen auch noch lärmempfindlich zu werden. Es gibt eine Generation, die durch den Dauerbeschuss mit Lärmkaskaden die Gnade der Schwerhörigkeit genießt, weshalb die Lärmempfindlichen es im Kampf für die Stille nicht leicht haben.

Andalusien gehört in Spanien zu den Lärm-Paradiesen, wo bis vor kurzem die Bevölkerung den Lärm als gottgegeben hinnahm. Langsam organisiert sich aber der Widerstand gegen die Lärmproduzenten. Im kleinen Städtchen Coria del Rio an den den Ufern des Guadalquivirs wagten entnervte Bürger den Kampf gegen einen Bar-Besitzer, den sie wegen eines Deliktes gegen die Umwelt auf Grund des Lärmes des Fernsehers, des Tischfußball-Spiels und des Bingo-Apparates anzeigten. Alles Geräte, die in der Tat in Andalusien Ruhebedürftige in den Wahnsinn treiben können. Vor Gericht verlangte der Staatsanwalt forsch 4 Jahre Gefängnis für die Krachmacher, die er während des Prozesses auf 10 Monate absenkte. Die Kläger forderten allerdings 12 Jahre Gefängnis für jeden der 3 Angeklagten. Der Richter schien jedoch eher von der Partei der Schwerhörigen zu sein, denn er sprach die Angeklagten frei.

Noch einmal haben also die Lärm-Terroristen gesiegt. Interessant ist aber die  Begründung, denn endlich einmal müssen die Gerichte sich Gedanken über dieses Thema machen. Im Urteil ist zu lesen, dass “es übertrieben sei, dass ein Fernsehgerät, eine “Maschine zur Erholung” (“maquina recreativa” nennt man in Spanien beschönigend dauerdudelnde Glücksspielautomaten) und ein Tischfußball-Gerät zur akustischen Kontaminierung führten” wie es das über der Bar lebende Ehepaar behauptete. Der Verteidiger der Beschuldigten war zufrieden und meinte, dass das Gericht nur dem Umstand Rechnung getragen habe, dass außer den normalerweise in einer Bar befindlichen Geräte keine sonstigen Lärmquellen gegeben habe. Er meint zudem, dass die Geräusche nicht von der Bar verursacht wurde, sondern auf den starkem Verkehr und dem mit dem Verkehr üblicherweise verbundenen Lärm von der Hauptstraße, an der die Bar liegt, herrühre.

Da half es auch nicht , dass einer der Kläger nachweisen konnte, dass er sich wegen des Lärmstresses in medizinische Behandlung begeben musste. Bei ihm wurde “allgemeine Angstzustände und Herzrhythmusstörungen” diagnostiziert. Das Gericht erinnerte daran, dass das Strafrecht bei geringfügigen Angelegenheiten nicht angewendet werden sollte und dass gerade bei solchen Anzeigen der Drang zur Übertreibung bestehe. Es soll auch Anwohner gegeben haben, die sich von dem Lärm aus der Bar nicht belästigt gefühlt hätten, andere wiederum hätten gemeint, dieser Lärm sei halt normalerweise von einer Bar zu erwarten. Es mag sein, dass hier das Strafrecht fehl am Platze ist. Diese Art des Lärmes kann man auch mit Ordnungsstrafen versuchen in den Griff zu bekommen. Kein Weg führt aber daran vorbei, dass Spanien ein echtes Lärmproblem hat. Da viele alte Bräuche, die der Erholung dienten wie die tägliche Siesta, inzwischen der Wirtschaftseffizienz geopfert wurden, werden die gestressten Menschen, die nicht einmal nachts ihre Ruhe finden, bald in größerer Zahl auf die Barrikaden gehen. Im Internet gibt es z.B. eine nationale Plattform gegen den Lärm, sie beschreibt ihre Ziele so: “Verteidigung der Ruhe und Schaffung eines Bewusstseins, dass Lärm die Gesundheit schädigt”. Eine positive Nachricht gibt es für Sevilla: Die Stadt hat heute eine Verordnung gegen akustische Kontamination, Lärm und Vibrationen erlassen. Die lärmgeplagten Bürger werden es der Stadt danken.


Informationsquelle
Absuelto el dueño de un bar que había sido denunciado por el ruido del televisor y el futbolín – Diario de Sevilla