Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom Januar, 2012 angezeigt.

Banker, die nichts gelernt haben

Zumindest nichts aus dem Finanzdesaster der vergangenen Jahre. Gewöhnt an hohes Einkommen und Boni für Aktivitäten, von denen man nicht weiß, ob sie die Welt noch ein bisschen mehr an den Abgrund bringen, stellen sie weiterhin dreist ihre Forderungen. Sie verlangen vielleicht nicht mehr so viel, aber gemessen an den Durchschnittsgehältern ist die Vergütung im Hinblick auf den bisher angerichteten Schaden immer noch astronomisch hoch.

Stephen Hester ist Vorstandsvorsitzender der Royal Bank of Scotland (RBS). Nachdem der allseits jahrelang bewunderte Fred Goodwin diese Bank in eine desaströse Pleite getrieben hatten, von der sie nur mit Hilfe von Milliarden Steuerzahlergelder gerettet werden konnte, hat er als ein weiterer forscher und vermutlich uneinsichtiger Finanzmanager die Sanierung der Bank im Auftrag des größten Anteilseigners, des britischen Staates, übernommen. Hester verdient im Jahr bei der RBS 1,2 Millionen £ (ca 1,4 Millionen €). Zudem bekam er 10,4 Millionen Aktien der R…

Allianz für ein sozialliberales Rumänien

Die Parteienlandschaft in Rumänien ist immer noch sehr ungefestigt. Meistens ist nicht ganz erkennbar, wo die Parteien eigentlich programmatisch stehen. So mag es einen Außenstehenden doch verwundern, dass sich zu Beginn des vergangenen Jahres zwei Parteien zu einer Allianz zusammen gefunden haben, die theoretisch eigentlich eher Kontrahenten sind. Es handelt sich um die “PARTIDUL SOCIAL DEMOCRAT (PSD)” und die “ALIANȚA DE CENTRU DREAPTA PARTIDUL NAȚIONAL LIBERAL – PARTIDUL CONSERVATOR (PNL-PC)”. Die deutschen Bezeichnung lauten “Sozialdemokratische Partei” und “Allianz des rechten Zentrums Nationalliberale Partei – Konservative Partei”. Vom Namen her eigentlich die typischen Opponenten in westlichen Demokratien. Ihre Allianz nennen sie nun “Uniunea Social Liberală (USL)”, auf Deutsch “Sozialliberale Koalition”. Wer weiß, ob die deutsche Geschichte hier Pate stand!

Am 5. Februar 2011 unterzeichneten die beiden Parteien ein gemeinsames Protokoll über ihre Zusammenarbeit. Sie bilden de…

Plastikbeutelkrieg in São Paulo

Auch Brasilien stöhnt unter überbordenden Plastikmüll. Dabei hat man die Einkaufsbeutel aus Plastik, die man in brasilianischen Supermärkten zu Hauf und gratis bekommt, als Mitschuldige für den Müll ausgemacht. São Paulo will deswegen der Plastiktasche an den Kragen. Seit gestern gilt ein Verbot für die Ausgabe von Plastikbeuteln in den Supermärkten. Die Maßnahme wurde auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Bürgermeister von São Paulo, Gilberto Kassab, dem Gouverneur des Bundesstaates, Geraldo Alckmin und der Vereinigung der Supermarktbetreiber von São Paulo (Apas) beschlossen. Danach soll es keine umweltschädlichen Plastikbeutel mehr geben, sondern nur noch “ökologische”, für die man bezahlen muss.

Was anderswo durchaus möglich ist, scheint in São Paulo zu einem kleinen Volksaufstand zu führen. Die Gewerkschaften der chemischen Industrie haben zu Protestdemonstrationen gegen das Verbot aufgerufen. Sie sind der Ansicht, dass das Verbot nur die Gewinne der Supermärkte steigere und …

Bürgermeisterin von Valencia im Sumpf der Luxusgeschenke

Deutschland hat seine Affäre “Wulff”, in der kleine Aufmerksamkeiten, die aber in gehäufter Form erfolgt sind, den Bundespräsidenten ins Schwitzen bringen. Valencia’s Bürgermeisterin Rita de Barberá hat ebenfalls die Medien am Hals. Seit neuestem wollen diese wissen, wie viele Luxus-Handtaschen sie in ihrer Amtszeit geschenkt bekommen hat.

Die 64-Jährige ist seit 1991 Bürgermeisterin der drittgrößten Stadt Spaniens. Sie ist Mitglied und hochrangige Funktionärin der Partido Popular, der derzeitigen Regierungspartei in Spanien. Stadt und die autonome Region Valencia, deren Hauptstadt Valencia ist, sind so gut wie pleite und müssen inzwischen von der Zentralregierung am Leben erhalten werden. Region und Stadt sind schon seit längerem in der Hand der Partido Popular. Zahlreiche Korruptionsskandale haben zwar zu Rücktritten geführt, aber zu keinem Machtwechsel. Gehen musste der Präsident der autonomen Region, Francisco Camps. Er hatte sich zu viel von zwielichtigen Personen schenken lass…

Barcelona vergällt Alkoholliebhabern die frische Luft

Die Stadtverwaltung Barcelona plant eine Änderung ihrer Verordnung über “ziviles Verhalten”. Nach dieser Vorschrift war es bisher untersagt, in der Öffentlichkeit Alkohol in Flaschen und Blechdosen zu sich zu nehmen. Diese Beschränkung auf die Art des Behältnisses schaffte aber vielfache Ausweichmöglichkeiten, denen jetzt auch an den Kragen gegangen werden soll. Alkoholische Getränke dürfen demnächst ungeachtet des Behältnisses, in welchem sie genossen werden, in der Öffentlichkeit Barcelona’s nicht mehr zu sich genommen werden.

Der Sprecher des zuständigen Bürgermeisters für Sicherheit, Joaquim Forn, rechtfertigte die geplante Maßnahme damit, dass kein Behältnis diskriminiert werden dürfe. Die bisherige Beschränkung auf Blechdosen und Glas habe keinerlei Sinn gemacht. Es müssten auch Plastikflaschen und Verbundverpackungen mit einbezogen werden. Im Jahr 2011 habe es 27.000 Anzeigen wegen Alkoholgenusses in der Öffentlichkeit gegeben, was zeige, dass eine solche Verordnung funktioni…

Demonstranten, Vandalen und die rumänische Regierung

Friedliche Demonstrationen in Bukarest sind in den vergangenen Tagen aus dem Ruder gelaufen. Gewalttätige Hooligans vor allem aus dem Fußballbereich haben die Demonstrationen benutzt, um ihre Zerstörungswurt auszutoben. Die Polizei hat die Gelegenheit genutzt, alles zu verprügeln, was auf der Straße war. Die Protestierer hatten vor allem gegen die geplanten Privatisierungen im Gesundheitsbereich demonstriert.

Rumänische Kommentatoren sind entsetzt über die Tatsache, dass auf diese Weise keine “Demonstrationskultur” im Land entstehen kann, wenn diese sofort von irgendwelchen Chaoten missbraucht wird. Die Regierenden können bei dieser Gewalttätigkeit leicht die Protestaktionen verdammen und die Protestbewegungen diskreditieren. Die Kommentatoren befürchten, dass es den westlichen Regierungen leicht fallen wird angesichts der Zerstörungen, sich mit der Regierung in Bukarest zu solidarisieren. “Wenn die Vandalen nicht existiert hätten, hätte man sie erfinden müssen. Zum Glück existieren …

Der FIFA sind die Brasilianer zu gemütlich bei der WM-Vorbereitung

Noch 2 1/2 Jahre bis zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Aus diesem Anlass wird der Generalsekretär der FIFA, Jérôme Valcke, dieser Tage zu einem offiziellen nach Brasilien kommen und sich über den Stand der Vorbereitungen informieren. Schon jetzt hat er erkennen lassen, dass Brasilien beim geplanten Gesetz zur Weltmeisterschaft (Lei Geral da Copa) einen schnelleren Gang einlegen sollte. Das Gesetz befindet sich immer noch im Entwurf-Stadium, das Parlament trödelt noch rum.

Das Gesetz werde zur “Basis für den brasilianischen Erfolg” bei der WM werden, erklärt Valcke. Der Gesetzentwurf enthält einige Bestimmungen, um die noch gestritten wird. Es geht vor allem um die Eintrittspreise, einmal für die Brasilianer und auf der anderen Seite für Ausländer und um reduzierte Preise für Rentner und Studenten. Zudem geht es auch um die Möglichkeit des Verkaufs von alkoholischen Getränken in den Stadien. Dazu gab es öffentliche Anhörungen in den jeweiligen brasilianischen Bundesstaaten u…

Sevilla ist eine Stadt, wo man leicht betrogen und ausgetrickst wird

Das ist nicht meine Meinung, sondern die eines alten Hochschullehrers, der seit 47 Jahren in Sevilla lebt und sich an der Universität Sevilla einen Ruf als Spezialist für moderne Geschichte gemacht hat. Es handelt sich um Professor Álvarez Santaló. Er ist jetzt 73 Jahre alt und wurde in Jerez geboren. Er ist somit ein waschechter Andalusier. Eines seiner bekanntesten Werke ist eine Arbeit über “Soziale Marginalisierung und Mentalität in West-Andalusien (Marginación social y mentalidad en Andalucía Occidental).

In einem Interview mit dem Diario de Sevilla wurde er unter anderem gefragt, was seine Sicht von Sevilla sei. Seine Antwort lautete: “Es gibt zu viele Flaschenparties auf offener Strasse (botellones) und eine Decke von schlechter Erziehung, dieselbe, die es auch im Rest des Landes gibt. Überall gibt es Leute, die herumschreien. Was hier aber einzigartig ist, ist die Menge an Tricks, wir sind sehr geneigt über Tricks weiter zu kommen. Sevilla ist eine Stadt, die von Betrügereie…

Brasilien will eine neue Mobilität

Brasilien ist die aufstrebende Wirtschaftsmacht in der Welt und hat alle Chancen demnächst unter den ersten fünf Wirtschaftsmächten der Welt aufzutauchen. Abgesehen davon, dass die soziale Lage weiter Teile der Bevölkerung sich noch nicht in dieser Spitzenstellung widerspiegelt, bringt auch der steigende Wohlstand erhebliche Probleme, die die Brasilianer inzwischen zu spüren bekommen. Es geht um die Mobilität, den Verkehr, der bisher hauptsächlich durch den Individualverkehr geprägt ist. Das Auto ist auch des Brasilianers liebstes Kind. Die Folge sind tägliche Staus in den brasilianischen Metropolen. In São Paulo und Rio de Janeiro kommt der Verkehr immer mehr zum Stehen statt dass er die Fortbewegung gewährleistet.

Aus diesem Grund hat die brasilianische Regierung jetzt einen Mobilitätsplan beschlossen, der sich “Política Nacional de Mobilidade Urbana (PNMU)” (Nationaler Plan für urbane Mobilität) nennt. Das Ziel des Plans ist, die Ausweitung des öffentlichen – nicht motorisierten –…

Will England Schottland schnell los werden?

Großbritanniens Premierminister David Cameron reitet einen scharfen Galopp. Nachdem er sich in der Europäischen Union auf stramme Art und Weise ins Abseits gestellt hat, will er jetzt die Unabhängigkeits-Nörgler in Schottland los werden. Der schottische Ministerpräsident Alex Salmond bereitet nämlich ein Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands vor. Allerdings lotst er seit längerem den günstigsten Augenblick dafür aus. Diese Möglichkeit will ihm jetzt der forsche Herr Cameron aus der Hand schlagen. Ultimativ hat er die schottische Regierung aufgefordert, ein Referendum in den nächsten 18 Monaten abzuhalten. Das Ergebnis würde die britische Regierung anerkennen. Sollte das Referendum aber erst nach den 18 Monaten abgehalten werden, werde die Regierung diese nur als Volksbefragung ansehen ohne bindende Wirkung für eine Umsetzung.

Die Schotten reagieren leicht allergisch auf die Londoner Allüren, ihnen das Tempo für ihre Unabhängigkeit vorschreiben zu wollen. Die stellvertretende Mini…

Spanischer Industrieminister gibt sich als Atomminister

José Manuel Soria López, geboren 1958, gehört der Regierungspartei Partido Popular an. Seit 1999 war er Regionalpräsident der Kanarischen Inseln. Er hat einen Hochschul-Abschluss als Betriebswirt. Nach dem Regierungswechsel wurde er am 22. Dezember zum neuen Minister für Industrie, Energie und Tourismus ernannt. In dieser Funktion ist er auch für die spanische Atompolitik zuständig.

Vorsichtig lässt die neue Regierung nun bezüglich ihrer zukünftigen Politik zur Nutzung der Atomenergie die Hüllen fallen. Soria gibt in ersten Gesprächen entsprechend seinem Hintergrund als Betriebswirt bezüglich der Atomkraft das Motto aus, man muss die Zitrone auspressen, solange es sie noch gibt. Atommeiler sollen also laufen bis sie auseinanderfallen oder ein paar Landstriche unbewohnbar gemacht haben. Laut Soria will man zwar auf eventuelle Sicherheitsbedenken des handzahmen spanischen Nuklearsicherheitsrat (CSN) hören, aber man ist sich doch sehr sicher, dass der wie gewünscht jedes Risiko runterspi…

Milliardär erpresst Rumänien mit Bulgarien

Ioan Niculae, geboren 1954, ist ein rumänischer Geschäftsmann. Ihm gehört die Firmengruppe “InterAgro”. Wikipedia (rumänisch) beschreibt seine Situation wie folgt: “Er besitzt Unternehmen mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro (Zahlen von 2007). Er besitzt ungefähr 50.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche und ist einer größten Getreideanbauer Rumäniens. InterAgro verfügt über eine Silo-Lagerkapazität von 700.000 Getreide sowie 450.000 Tonnen in Lagerhallen. Des weiteren besitzt er 170 Hektar Weinberge. Die von Nicuale seit 2004 in der Landwirtschaft realisierten Investitionen in Rumänien werden auf 100 Millionen Euro geschätzt.” Niculae soll ehemaliger Securitate-Offizier sein. Auf der Forbes-Liste der reichsten Personen der Welt im Jahr 2010 belegt er den 880. Platz und ist damit der dritte Rumäne, der auf dieser Liste erscheint. Einem rumänischen Journalisten hatte er einmal erzählt, dass er sein Vermögen dadurch gemacht habe, dass er die vor der Revolution 1989 gemachten Erkennt…

Düstere Aussichten für Strandbewohner

Die Universität São Paulo forscht über das Ansteigen des Meeresspiegels an der Küste des brasilianischen Bundesstaates São Paulo. Professor Paolo Alfredini hat jetzt erste Forschungsergebnisse vorgestellt, die auf erhobenen Daten von 1944 bis 2007 beruhen. Danach ist der Meeresspiegel in einem Jahrhundert um 74 cm gestiegen. Dabei wurde eine Beschleunigung in den letzten Jahrzehnten festgestellt, die Alfredini auf die Klimaerwärmung zurückführt. Wenn es so weitergehe, werde das Meer noch in diesem Jahrhundert um 1 Meter steigen.

Mit verheerenden Folgen für die Küste von São Paulo. Ein Strandstreifen von etwa 100 m wird verschwinden. Das bedeutet, dass Bauwerke, die in der Nähe des Strandes gebaut wurden, in Gefahr geraten. “Die Brandung wird näher an die Strandstraßen heranrücken und städtische Siedlungen gefährden. Sie wird Befestigung schwächen und Mauern zerfallen lassen. Abwasserkanäle und –rohre in der Nähe des Strandes können abgedeckt werden oder brechen”, warnt Alfredini.

E…

Wenn nur noch ein Nuklearfriedhof das Dorf rettet

Das Dorf Villar de Cañas in der Region Mancha hat die ehrenvolle Aufgabe, das vorläufige spanische Atommüll-Endlager (ATC) zu beherbergen. Das hat die spanische Regierung in den letzten Tagen des vergangenen Jahres entschieden. Eine Entscheidung, die der Bürgermeister in der einzigen Bar des Ortes wie ein Sieg feierte: “Wir haben in der Lotterie gewonnen, aber für jeweils 60 Jahre”, freut er sich.

Beim Bauern Segundo Rubio hält  sich die Freude über die Entscheidung sehr in Grenzen. Er lebt von der Landwirtschaft im Ort. Eine schwierige Arbeit, die immer mehr zur Landflucht beiträgt. So hat der Ort in den letzten 20 Jahren ein Viertel seiner Bevölkerung verloren. Segundo Rubio äußert sich deshalb sarkastisch zum Glück des Ortes, den Atom-Friedhof zu bekommen: “Sie sagen, dass wir den Nuklear-Friedhof bekommen. Einen Friedhof haben wir hier schon, weil der Friedhof, das ist das einzige, was hier funktioniert: Immer mehr Todesfälle und nur noch eine Geburt im Jahr”. Die Angst vor einem…