Donnerstag, 29. Dezember 2011

Diese Weihnachten mehr Briten hinter Gittern als je zuvor

Mehr Briten als je zuvor haben diese Weihnachten hinter Gittern verbracht. Eine Gesamtzahl von 87.393 Gefangenen saß in den Gefängnissen von England und Wales. Das sind ungefähr 4.000 mehr als vergangenes Jahr. Nie zuvor befanden sich derart viele Menschen in britischen Gefängnissen. Der britische Gefängnisdienst veröffentlichte diese Zahlen, nachdem Kritiker die Entwicklung im Strafvollzug als weder gerechtfertigt noch nachhaltig bemängelt hatten. Ein Sprecher erklärte: “Wir haben eine signifikante Erhöhung der Anzahl der Gefangenen seit Sommer, mit einer starken Erhöhung in Folge der öffentlichen Krawalle.”
 
Die Präsidentin des “Prison Reform Trusts”, Juliet Lyon, erklärte dazu: “ Wenn es der Regierung nicht gelingt, die Gefängnisse für gefährliche und gewalttätige Gesetzesbrecher zu reservieren, werden die Kosten für den Steuerzahler im Jahr 2012 explodieren. Jetzt sind viele Menschen hinter Gittern, die besser Verantwortung für sich selbst übernehmen und für ihre Familien sorgen sollten, indem sie unbezahlte Arbeit verrichten oder ihren Opfern helfen. In manchen Fällen wäre es besser, wenn sie sich einer Behandlung wegen Drogen- oder Alkoholmissbrauch unterziehen würden”.
 
Die Verantwortlichen für die Gefängnisverwaltung sehen das nicht so tragisch. Den kräftigen Zuwachs bezeichnen sie als “herausfordernd”, aber beherrschbar. Die Kapazitäten würden systematisch ausgebaut, so dass es genug Plätze für diejenigen, die zu Gefängnisstrafen verurteilt werden, gäbe. Zudem würden 2012 zwei neue Gefängnisse in Betrieb genommen. 
 
Informationsquelle:
More people behind bars in Britain this Christmas than ever before – The Guardian

Dienstag, 27. Dezember 2011

Barcelona: Gratis-Parken für Brave statt nachhaltige Mobilität

Barcelona besitzt eine “Area Verde” , auf katalanische “Area Verda”. Übersetzt bedeutet dieser Begriff, dass es sich um eine “Grünfläche” handelt. Falls man das mit einem Park verwechseln sollte, dann wird man enttäuscht. Bei diesem Begriff handelt es sich um die Parkplatzregelung der Stadt. Die Stadtverwaltung beschreibt den Begriff wie folgt: Die “Area Verde” wurde in Barcelona im Mai 2005 eingerichtet. Sie setzte den Schwerpunkt der Stadtverwaltung auf eine Politik der nachhaltigen Mobilität. Es handelt sich um ein integriertes System, das das Parken auf der Straße wie auf den Grünflächen regelt. Insbesondere geht es um die blauen Zonen, die Plätze zum Laden und Entladen, Motorradparkplätze und andere reservierte Flächen.

Seit einiger Zeit hat Barcelona ein sehr dem motorisierten Verkehr zugetanes neues Stadtparlament. Verkehrsbeschränkende Maßnahmen der Vorgänger-Verwaltung werden nach und nach – man hatte es schließlich im Wahlkampf versprochen – zurückgenommen. Neuestes Geschenk an die Autofahrer: Alle Fahrzeughalter, deren Fahrzeuge in Barcelona zugelassen sind und die im letzten Jahr keine Verkehrsstrafe erhielten, dürfen im kommenden Jahr gratis parken! Nach ersten Berechnungen handelt es sich um etwa 70% der Bewohner Barcelonas, die in den Genuss dieses Geschenkes kommen. In Fahrzeugen ausgedrückt sind es 153.000 Fahrzeuge die kostenfrei in der Stadt abgestellt werden dürfen. So sieht ein Anreiz zur Autobenutzung in der Stadt aus.

Für die Stadtverwaltung ist der finanzielle Verlust angeblich verkraftbar. Schließlich werden im Gegenzug die Tarife für den öffentlichen Nahverkehr um 10% erhöht. Nachhaltige Verkehrspolitik sieht anders aus. Die neuen Verantwortlichen in der Stadtverwaltung sind Gefangene ihrer eigenen Wahlpropaganda. Die Vorgänger hatten erkannt, dass ohne Einschränkung des privaten Verkehrs der Weg endgültig ins Chaos führt. Die Stadt ist schon seit Jahren im Würgegriff des motorisierten Verkehrs. Die herrschende politische Kurzsichtigkeit widerspricht allen sinnvollen Verbesserungen des Stadtverkehrs Hohn und wird noch teuer von der Stadt bezahlt werden müssen.

Siehe auch:
Barcelona und das motorisierte Zweirad
Dicke Luft in Madrid und Barcelona
"Maldita Diagonal!" oder wie macht man Barcelona lebenswerter

Informationsquelle:
Barcelona regala el área verde a los buenos conductores – El Periódico

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Neue Chancen für Rumäniens Waisenkinder

In der nachkommunistischen Zeit hat der Ruf Rumäniens auch wegen vieler verwahrloster und ihrem Schicksal überlassener Waisenkinder sehr gelitten. Der Diktator Ceausescu hatte jede Geburtenkontrolle verboten und mit dieser Politik das Desaster der ungewünschten Kinder provoziert. Das Nach-Ceausescu-Rumänien hatte alle anderen Prioritäten nur nicht das der Waisenkinder. Erst unter internationalem Druck hatte man sich diesem Problem zugewandt. Eine der Bedingungen für den EU-Beitritt war eine menschenwürdige Behandlung der Waisenkinder.

Es hat sich manches gebessert, aber ab März soll die Situation noch besser werden. Dann soll es ein neues Adoptionsgesetz geben, das die Adoptionen erleichtern soll. Seltsamerweise stehen bisher vielen Waisenkindern auch viele rumänische Interessenten für Adoptionen zur Verfügung. Das Verfahren für eine Adoption ist aber derart bürokratisch, dass es nur zu wenigen "offiziellen" Adoptionen kommt. Das rumänische Amt für Adoptionen (ORA) schätzt, dass etwa jährlich 1.000 Säuglinge in den Geburtsstationen von den Müttern für eine Adoption freigegeben werden. Wegen des ineffektiven Adoptionsrecht haben bisher oft kinderlose Ehepaare "unter Hand" das Kind über die Geburtsstation "adoptiert" mit allen rechtlichen Problemen, die dieses Verfahren mit sich brachte. Da diese Eltern nicht psychologisch getestet und auf die Annahme des Kindes von geschultem Personal vorbereitet wurde, kommt es oft zu Dramen um das Kind, zumal manche Mütter das Kind gegen Geld abgegeben haben. Des öfteren passiert es, dass die Mutter ihren Entschluss bereut und nach ein oder zwei Jahren das Kind zurück haben wollen. Dem soll jetzt vorgebeugt werden, indem die DNA des Kindes genommen und in Zweifelsfällen mit dem DNA der vermeintlichen Eltern verglichen wird.

Nach dem bisherigen Adoptionsrecht wurde, wenn eine Frau ihr Kind nicht haben wollte, umständlich und zeitraubend nach Verwandten gesucht, die bereit gewesen wären, das Kind aufzunehmen. Nach dem neuen Recht wird, wenn nicht innerhalb von 2 Monaten adoptionswillige Verwandte gefunden werden, das Kind zur Adoption an geeignete Interessenten freigegeben. Wenn die Mutter das Kind ausgesetzt oder im Krankenhaus im Stich gelassen hat - rumänische Krankenhäuser waren bisher nicht ermächtigt die Identität der Mutter festzustellen - wird das Kind sofort zur Adoption freigegeben.

Viele rumänische Interessenten haben Vorurteile gegen behinderte Kinder, Roma-Kinder oder Kinder, die bereits älter als 4 bis 5 Jahre sind. Oft erklären sie bereits im Adoptionsverfahren, dass sie ein solches Kind nicht adoptieren wollen. Leider bilden gerade solche Kinder die Mehrheit der zur Adoption Freigegebenen. Bisher war es Ausländern, die oft solche Vorurteile nicht haben, untersagt, rumänische Kinder zu adoptieren. Das Gesetz soll jetzt so geändert werden, dass eine Adoption möglich ist, wenn ein Teil des Adoptionspaares die rumänische Staatsangehörigkeit besitzt. Der Grund für dieses immer noch restriktive Verfahren ist nach Angaben von Verantwortlichen, dass es sehr viele rumänische Interessenten gäbe und diese Vorrang hätten.

Da die Adoption bisher eher rechtlich als ein "Akt christlicher Nächstenliebe" behandelt wurde, war das Kind nach der Adoption nicht einem leiblichen Kind gleichgestellt. Das soll mit dem neuen Gesetz dahingehend geändert werden, dass das adoptierte Kind den leiblichen Kindern gleichgestellt wird.

Informationsquelle:
"Revoluţia adopţiilor": Problema orfanilor, rezolvată după 20 de ani? - Romania Libera

Montag, 19. Dezember 2011

Neuer spanischer Regierungschef: ¡Ahorrar, ahorrar, ahorrar!

Der neue spanische Regierungschef, Mariano Rajoy, hat bei seiner Amtseinführung die Pläne der neuen Regierung vorgestellt. Hauptmotto ist das Sparen, was man in Spanien “ahorrar” nennt. Die Stichworte sind Haushaltsdisziplin, Haushaltsstabilität, Finanzreform und Arbeitsmarktreform. Der öffentlichen Dienst soll nach dem Motto “Eine Zuständigkeit, eine Verwaltung” reformiert und soll “redimensioniert” werden, die Arbeitsabläufe vereinfacht und dadurch die Kosten gesenkt werden. Die spanischen Nationalisten aus den regionalen Autonomien wittern hier schon auf diesem Weg einen Versuch der Stärkung des Zentralstaates. Fürs erste will er 16,5 Milliarden Euro einsparen, um das Haushaltsdefizit zu senken. Damit übertrifft er zumindest verbal die Vorgängerregierung, die nur 10 Milliarden einsparen wollte.

Auch die öffentlichen Medien stehen im Zielfeuer. Fernsehen und Radio sollen in der Verwaltung gestrafft werden. Die regionalen Fernsehsender sollen nach Möglichkeit privatisiert werden.

Das Finanzsystem soll restrukturiert werden, in dem die Banken gezwungen werden, ihre Aktiva, vor allem im Immobilienbereich, realistisch zu bewerten. Für die Banco de España soll es neue Regeln geben, damit sie beweglicher auf die Finanzprobleme reagieren kann.

Die Wirtschaft soll wieder angekurbelt werden, indem die kleineren und mittleren Unternehmer die Mehrwertsteuer erst entrichten müssen, wenn die Rechnung auch bezahlt ist. Unternehmer bekommen 3.000 Euro, wenn sie erstmalig einen Beschäftigten anstellen. Die Rentner und Rentnerinnen dürfen sich freuen, sie bekommen trotz klammen Staatskassen mehr Geld. Am Renteneintrittsalter will er nicht kratzen – gottseidank hat die Vorgängerregierung dieses bereits auf 67 Jahre hochgesetzt -, dafür soll Frührentnern das Leben schwer gemacht werden und die Rente selbst auf dem Weg über die stärkere Anrechnung von unzureichenden Beitragszeiten gekürzt werden. Bei den spanischen Feiertagen sieht es auch schlecht aus, hier soll die Anzahl im Hinblick auf Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz neu festgelegt werden. Insbesondere die in Spanien beliebten “puentes”, d.h. wenn ein Feiertag auf Donnerstag fällt gleich den Freitag noch als “Brücke” zum Wochenende mitnehmen, soll der Garaus gemacht werden.

In der Energiepolitik will er die Kosten senken. Spanien habe für die Konsumenten die dritthöchsten Energiekosten Europas. Wie die neue Regierung das schaffen will, darüber muss sie noch nachdenken, weil das sehr kompliziert ist.

Spannend wird es im Erziehungsbereich. Die Spanier sollen nämlich in Zukunft bilingual groß werden. Das heisst, dass spanische Kinder neben ihrer Muttersprache auch gleich englisch lernen. Die lokale Sprache der Autonomie kommt dann noch als dritte Sprache hinzu. Was werden die Katalanen, Basken, Galizier gegen diesen Versuch der Rücksetzung ihrer Muttersprache sagen?

Der neue Regierungschef warnt: “Wir müssen Reformen machen, große Reformen, aber wir müssen an mehr denken als nur das Defizit zu vermindern, indem wir darüber nachdenken, was Spanien in 20 Jahren brauchen wird. Es geht nicht darum, das Spanien, das einmal war wieder herzustellen. Diese alte Nation muss sich reformieren mit einem doppelten Ziel: Arbeit schaffen, unsere Schulden zahlen und eine zivilisierte Gesellschaft bleiben”.

Informationsquelle:
Rajoy subirá pensiones, recortará 16.500 millones y eliminará los puentes – El Pais
Discurso de investidura: Rajoy ahorrará 16.500 millones, eliminará puentes y prejubilaciones – La Vanguardia

Sonntag, 18. Dezember 2011

Brasilien empört sich über gewalttätige Krankenschwester

“Ich bin eine ruhige Person, liebe meinen Ehemann, meine Kinder und meine Hunde. Krankenschwester aus Liebe”, so charakterisiert sich die 22-jährige Camilla Correa Alves de Moura Araújo dos Santos in ihrem Twitter-Profil. Sie lebt in Formosa, 80 km von der Hauptstadt Brasilia entfernt.

Ein Nachbar filmte sie dabei, wie sie ihren kleinen Hund der Rasse Yorkshire, 2 Jahre alt, im Beisein ihrer 3-jährigen Tochter in der Wohnung zu Tode prügelte. Brasilianische Medien beschreiben die Szene wie folgt: “Das Video dauert 3 Minuten und 26 Sekunden und zeigt wie die Frau gegen das Tier an verschiedenen Stellen des Körpers inklusive den Kopf tritt. Einer der Tritte schleudert ihn weg. Die Frau handelt ganz ruhig, ohne zu schreien. Das Kind steht bei der ganzen Szene in der Ecke einer Veranda und scheint verängstigt zu sein über das, was es da sieht. Das Tier will vor den Schlägen fliehen, wird aber eingefangen und von neuem geprügelt. Gequält und zitternd wird es unter einen umgestülpten Eimer gequetscht”.

Der Nachbar filmt das ohne einzugreifen. Das Video liegt jetzt als Beweismaterial bei der Polizei. Nach Kenntnisnahme des Videos begab sich die Polizei zur Wohnung der Krankenschwester. Die Polizisten fanden das Tier noch lebend vor und brachten es zur Verterinärstation von Formosa. 2 Tage später starb das Tier an den Verletzungen.

Die Täterin wurde zur Polizei zitiert und musste ein Protokoll unterschreiben. Die Strafen für Tierquälerei sind in Brasilien nicht besonders hoch. Das Strafgesetzbuch sieht Gefängnis von 3 bis 6 Monaten oder eine Geldstrafe vor. Die Strafe kann um das 6-fache erhöht werden, wenn das Tier dabei stirbt. Im Fall von Camilla kommt jedoch strafverschärfend hinzu, dass sie die Tierquälerei in Gegenwart eines Kindes begangen hat. Deswegen kommen noch Vorschriften der Minderjährigenschutzes dazu.

Brasiliens Medien regen sich schon seit Tagen über den Fall auf. Das  Video ist auf Youtube zu sehen und jeder erregt oder ergötzt sich daran, je nachdem. In einem Land, in dem die alltägliche Gewalt – gegen Menschen und Tiere - immer noch überall präsent ist, verwundert einem die Aufregung. Ist es nur Sensationshascherei oder wirklich Interesse am Tierschutz?

Informationsquelle:
Um país contra uma enfermeira – Pernambuco.com

Freitag, 16. Dezember 2011

Tagelöhner gehen dem Grafen auf den Wecker

Wie ich bereits in meinem Beitrag “Adliger Springreiter drischt auf Andalusier ein” berichtet habe, hat sich der Graf von Salvatierra, Cayetano Martínez, verächtlich über die Arbeitsmoral andalusischer Landarbeiter geäußert. Seine Äußerungen haben für erhebliche Aufregung vor allem in Andalusien gesorgt, da sie auch im Zusammenhang mit weiteren Beschimpfungen aus dem spanischen Norden getätigt wurden.

Jetzt haben sich 500 andalusische Tagelöhner zu den Landwirtschaftsgütern des Grafen bei Carmona aufgemacht. Sie wollen dem Großgrundbesitzer eine Liste mit “tausenden von Tagelöhnern” überreichen, die gerne auf seinen Gütern arbeiten würden. Die Protestaktion wird vom Sindicato Andaluz de Trabajadores (SAT; Andalusische Arbeitergewerkschaft) organisiert. SAT beziffert die Größe der Güter des Grafen auf 8.000 Hektar in Andalusien. Sie verteilen sich auf 12 Landwirtschaftsgüter in den Provinzen Sevilla und Córdoba. Der Sprecher der Gewerkschaft, Diego Cañamero, erklärte, dass sie mit der Aktion die Würde der Landarbeiter und des andalusischen Volkes wiederherstellen wollen. Bei den Vorwürfen handle es sich um Vorurteilen, die Andalusier seien ein fleißiges Volk, das mit eigenen Händen und Anstrengung vorankommen wolle.

Bei denjenigen, die den Andalusiern diese Vorwürfe machen würden, handle es sich um eine bestimmte Unternehmer-Gruppe, in vorderster Front Großgrundbesitzer, deren Wirken bisher unproduktiv war und die nie Reichtum geschaffen, sondern das Geld sofort für andere Zwecke verbraucht hätten. Cañamero erinnerte daran, dass den Großgrundbesitzern 50% des Bodens Andalusiens gehöre und dass sie dafür 1.600 Millionen Euro an Subventionen bekämen. Die Arbeiter wollten jetzt mit ihrer Aktion Cayetano Martinez zeigen, dass die faulen Andalusier bereit wären, zu arbeiten und dass sie dafür seien, dass die Hilfen für die Landbevölkerung verschwinden, wenn er bereit wäre, ihnen seinen Grund und Boden zu geben. Ein Abgeordneter der IU (Vereinigte Linke) rief zu einer “Agrar-Revolution” auf, weil die bisherige Landwirtschaftspolitik nur den Großgrundbesitzern geholfen haben, egal ob sie etwas auf den Gütern produziert hätten oder nicht. “Sie erhalten große Summen nur deswegen, weil sie Land besitzen, ein Recht, das sie in Zeiten der Reconquista durch Blut und Feuer erhielten”, erklärte er.

Cayetano Martinez hat sich doch etwas erschrocken über die Aufregung, die seine Andalusier-Beschimpfung hervorgerufen hat. Peinlich ist ihm und sicher auch einigen Konservativen, die demnächst die spanische Regierung bilden werden, dass wieder einmal die völlig ungerechte Vermögensverteilung in Spanien ins Scheinwerferlicht geraten ist. Vor allem Andalusien ist von den adligen Großgrundbesitzern untereinander aufgeteilt worden. Dem normalen Volk blieb nur noch der karge Status eines Tagelöhners bei den Herren. Nicht umsonst gab es in Andalusien Dörfer, die den Namen “ruta de los pueblos del hambre” (Straße der Hungerdörfer) trugen. Wenn es dem hohen Herrn gefiel, keine Tagelöhner einzustellen, dann mussten sie halt hungern.

Informationsquelle:
Unos 500 jornaleros acceden a la finca de Cayetano de Alba – Publico.es

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Brasiliens letzte Raucherparadiese werden geschlossen

Die brasilianische Staatspräsidentin Dilma Rousseff hat am vergangenen Donnerstag das Gesetz zum Verbot des Rauchens in öffentlichen Räumen und zur Einschränkung der Tabakwerbung unterzeichnet. Somit müssen nun auch die letzten Raucherecken in den Restaurants und Kneipen, in Brasilien “fumódromo” genannt, geschlossen werden. Offen ist nur noch, wie viel zu bezahlen ist, wenn man trotzdem raucht.

Ab 2016 müssen die Zigarettenpackungen auf der Frontseite über ein Drittel der Fläche eine Warnung vor den gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Rauchens tragen. Bisher wird nur auf der Rückseite gewarnt. Werbung für Tabakwaren ist jetzt völlig verboten. Umstritten war die Möglichkeit, dass Tabakfabrikanten weiterhin bei öffentlichen Veranstaltungen zwar nur unter dem Namen der Firma und nicht des Produkts Werbung machen können. Eine Reihe der Abgeordneten wollten diese Möglichkeit weiterhin aufrecht erhalten. Dagegen legte die Präsidentin ihr Veto ein. Der Gesundheitsminister rechtfertigte diese Maßnahme damit, dass Brasilien sonst gegen internationale Verträge verstoßen würde.

In den vergangenen Jahren haben bereits die Regierungen der Bundesstaaten von Rio de Janeiro und São Paulo das Rauchen in geschlossenen Räumen verboten. Mit dem neuen Gesetz gilt diese Regelung brasilienweit.  Gemäß der neuesten Statistik des Gesundheitsministeriums sind 15,1% der erwachsenen Bevölkerung Brasiliens Raucher. 1989 lag dieser Anteil noch bei 34,8%. Brasilien ist der zweitgrößte Tabakproduzent weltweit. 2010 wurden 668 Tonnen Tabak geerntet, der zum größten Teil exportiert wurde.

Siehe auch:
Brasilianischer Tabak macht arm und krank

Informationsquelle:
Dilma sanciona lei que proíbe fumódromo em todo o país – Folha

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Adliger Springreiter drischt auf Andalusier ein

Cayetano Martínez de Irujo, Conde de Salvatierra (Graf von Salvatierra), ist ein bekannter Springreiter in Spanien. Adliger Geburt - er ist jüngster Sohn von Cayetana Fitz-James Stuart, Herzogin von Alba und Berwick, und von Luis Martínez de Irujo - hatte er sich nicht den Mühen eines Berufslebens aussetzen müssen, sondern konnte gleich nach seiner Schulausbildung mit dem Pferdesport anfangen und diesen zu seiner Beschäftigung machen. Im Reitsport war er mäßig erfolgreich, beste Platzierung war mit der spanischen Mannschaft der 4. Platz bei der Olympiade von Barcelona.

Ansonsten verfügt er und seine Familie noch über große Ländereien in Spanien. Ererbter Reichtum, für den er keinen Finger krumm zu machen brauchte. Vor ein paar Tagen hat der Graf von Salvatierra ein Interview gegeben, bei dem er seinem Frust über die faulen Andalusier freien Lauf gelassen hat. Er besitzt große Ländereien in Andalusien und der normale Andalusier hat bestenfalls das Recht als Tagelöhner für einen miserablen Lohn auf seinen Ländereien zu arbeiten. In dem Interview beklagt er sich, dass die jungen andalusischen Landwirte keine Lust hätten zu arbeiten. In Nordspanien wäre das anders, dort wären die Leute viel fleißiger. Wörtlich: “Wenn du siehst, dass die jungen Leute nicht die geringste Lust haben voranzukommen, dann ist das sehr schwerwiegend. Das passiert nur in Andalusien. Ganz ehrlich. Das passiert weder im Norden Spaniens noch im Zentrum. Nicht einmal in der Extremadura gibt es das”, versichert Cayetano Martinez. Er ist der Meinung, dass dieses Volk Subventionen für die landwirtschaftliche Produktion nicht verdient, da das Geld ohnehin in der nächsten Bar vertrunken werde.

Mit diesen Äußerungen hat er in Spanien eine Welle der Kritik losgetreten. Die Kommentatoren sehen die Diskrepanz zwischen einem Menschen, der seinen Reichtum in die Schoss gelegt bekam und nie arbeiten musste und den Leuten gerade auf dem Land in Andalusien, wo der Großgrundbesitz der Adelsfamilien, dem normalen Sterblichen nur erlaubt, als Tagelöhner oder bestenfalls Bediensteter den Boden zu bearbeiten.

Bei den Subventionen sieht es natürlich ganz anders aus, wenn man selbst Begünstigter ist. Die Familie derer von Alba erhält jährlich für ihre 25.000 Hektar Land 3 Millionen Euro von der EU. Das hält er für ganz normal, denn man dürfe bei den Hilfen keinen Unterschied im Bezug auf Namen oder Titel machen. Zudem seien die Hilfen notwendig, weil die landwirtschaftliche Produktion, von der 250 Familien abhängig seien, defizitär gewesen sei. Vermutlich war die Produktion defizitär, weil die adlige Familie den größten Teil des Geländes für ihr Jagdvergnügen stillgelegt hat.

Das “Auf-Andalusier-Eindreschen” hat Konjunktur in Spanien. Besonders intensiv kommt dies aus der rechtskonservativen Ecke und regional von den ohnehin zu grenzenloser Arroganz neigenden Madrilenos und Katalanen. Traurig ist, dass in diesem Spiel auch die sonstigen Spanier meinen, ihre Vorurteile austoben zu können. Ein Leser der Zeitung “El Pais” beschreibt treffend wie damit genau das erreicht wird, was die Mächtigen und Reichen gerne erreichen wollen: “Das traurige ist, dass ein solcher Artikel Diskussionen zwischen den Andalusiern, den Basken und Katalanen provoziert, wenn es doch auf der Hand liegt, dass wir alle gleichmäßig beschissen werden. Man muss ja nur mal sehen, von wem diese Vorurteile kommen (Politiker, Aristokraten, Millionäre), um zu verstehen, dass es ein “sie” und ein “wir” gibt, das nicht von deiner Region abhängt…. Wie lange beißen wir noch in diesen Angelhaken? “Teile und du wirst herrschen”, sagt das Sprichwort…”

Siehe auch:
Auf Andalusier eindreschen im spanischen Wahlkampf beliebt

Informationsquelle:
Cayetano Martínez de Irujo: 'En Andalucía la gente joven no tiene ganas de progresar' – El Mundo
Vagos, analfabetos, subvencionados... Y ¿qué más? – El Pais

Dienstag, 13. Dezember 2011

Suizid in Frankreich

In Frankreich kommt auf 50 Todesfälle ein Suizid. 5,5% der Franzosen zwischen 15 und 85 Jahren behauptet, bereits einmal ein Suizid versucht zu haben. Nach einer Studie des “Bulletin épidémiologique hebdomadaire (BEH)” ist diese Tendenz seit 2000 weitgehend stabil. Es ist nur eine leichte Steigerung in den vergangenen Jahren festzustellen.

Frauen sind bei den Suizidversuchen in der Mehrzahl. 7,6% haben es schon versucht, während es bei den Männern nur 3,2%. Dafür sind die Männer dafür bei den tatsächlich erfolgten Selbsttötungen in der Mehrzahl. Sie benutzen auch die gewalttätigeren Mittel, um zum Erfolg zu kommen (Erhängen, Feuerwaffen u.ä.). Besonders gefährdet sind weibliche Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren und männliche Jugendliche von 20 bis 25 Jahren.

Im Jahr 2009 zählte man 10.464 Selbsttötungen in Frankreich. Die hauptsächlichen Gründe sind Depressionen, geistige Verwirrung und Alkoholismus. Eine wichtige Rolle spielen aber auch erlittene Gewaltakte, Isolation, Arbeitslosigkeit.

Wissenschaftler schlagen zur Prävention eine besser Ausbildung in den psychiatrischen Berufen vor. Wichtig halten sie auch eine Einschränkung des Verkaufs von Feuerwaffen. “Man schätzt, dass es in Frankreich 10 bis 20 Millionen Feuerwaffen gibt. Der Besitz einer Waffe verkürzt die Nachdenkphase, wenn jemand vorhat, seinem Leben ein Ende zu setzen”, erklärt ein Kenner der Materie.


Informationsquelle:
Un Français sur vingt a tenté de se suicider – Le Figaro

Sonntag, 11. Dezember 2011

Staatspräsident rät vom Kauf holländischen Gemüses ab

Der rumänische Staatspräsident Traian Basescu begab sich gestern Abend in einen Bukarester Supermarkt und tätigte da seine Einkäufe. Dabei wurde er scheinbar von einem Tross Journalisten begleitet, die seine Worte nach Beendigung der Einkäufe begierig aufnahmen. In erster Linie war der Stein des Anstoßes holländisches Gemüse. Sein Warenkorb sah ansonsten wie folgt aus: Käse, Mineralwasser, Dekoration für den Weihnachtsbaum und eben Gemüse.

Nach Darstellung der Zeitung “Romania Libera” äußerte er sich zu seinen Einkäufen wie folgt: “Ich glaube, dass es gut wäre, wenn wir kein holländisches Gemüse mehr kaufen.” Gefragt, ob die Preise gestiegen seien antwortete er: “Sie sind gestiegen, auch beim Gemüse. Es gibt kein rumänisches Gemüse mehr. Ich hätte es vorgezogen türkisches oder spanisches Gemüse zu kaufen, wenn es kein rumänisches gibt. Ich glaube es wäre gut, wenn wir kein holländisches Gemüse mehr kaufen würden.” Dann holt er aus: “Wir sollten ehrlicher und selbstsicherer sein, sollten uns nicht selbst geißeln, schlecht von uns sprechen oder Komplexe haben. Das ist nicht wahr! Wir sind eine große Nation, die siebte der Europäischen Union, eine Wirtschaftsleistung die viel besser ist als bei vielen anderen. Wir müssen einfach mehr Selbstvertrauen haben. Ich sage euch was: Wenn wir über uns selbst im Fernsehen schlecht reden, dann nehmen das die Botschaften für bare Münze und berichten das an ihre Ministerien. Die sprechen nicht mit den Leuten, die berichten das, was sie im Fernsehen sehen.”

Was ist denn nun in den Staatspräsidenten gefahren, wird der unbedarfte Leser fragen. Es ist ganz einfach: Die Niederlande haben Rumänien schwer beleidigt. Wieder einmal wurde der Schengenbeitritt Rumäniens von der EU verschoben. Diesmal waren die bösen Buben nicht die Franzosen, sondern die nur noch die Niederländer. Und diesmal waren sie das einzige EU-Land, das gegen einen Beitritt Rumäniens zum Schengenabkommen sein Veto eingelegt hat. Der Staatspräsident wird deutlich: “Wenn ihr euch die Beschlüsse anseht, auch wenn die Niederlande etwas anderes behaupten, dann kann ich euch sagen, dass Interventionen, die gemacht wurden, gegen die Position der Niederlande gingen. Das hat auch der Präsident der europäischen Kommission bestätigt. Er hat gesagt, dass Rumänien und Bulgarien das Gesetz und den Vertrag respektiert haben. Diejenigen, die den Vertrag nicht respektiert haben sind die Niederlande. Dies hat auch der Präsident des Rates und andere Ratsmitglieder bestätigt. Es geht hier um einen Missbrauch durch die Niederlande!

Siehe auch:
Rumänische Verärgerung über die Holländer wegen Schengenblockade
Argumente gegen Schengenbeitritt Rumäniens sind an den Haaren herbeigezogen

Informationsquelle:
Băsescu, după ce a făcut cumpărături într-un supermarket: Am încercat să evit zarzavaturile olandeze – Romania Libera

Samstag, 10. Dezember 2011

Warum sich David Cameron zum Pudel macht

Tony Blair wurde wegen seiner bedingungslosen Treue zu George W. Bush, dem er auch bei den dicksten Lügen brav folgte, auch Bush’s Pudel genannt. Es gibt im Vereinigten Königreich den Begriff “Balfours Pudel (engl.: Balfour's Poodle)”. Laut Wikipedia handelt es sich um ein politisches Schlagwort in der Rhetorik des Vereinigten Königreiches. Mit ihm belegen vor allem Politiker und Journalisten Personen oder Institutionen, deren Haltung oder Handlungsweise als in armseligerweise untertänig und folgsam gegenüber einer bestimmten anderen Person oder Institution betrachtet werden.

Kein Wunder, dass sich auch der derzeitige Premierminister David Cameron auf dem besten Wege befindet, sich zum Pudel zu machen. Mit seinem gestrigen Veto gegen die Änderung des EU-Vertrages hat er sich dazu auf den Weg gemacht. Im Prinzip hat er nichts gegen die vorgeschlagenen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Maßnahmen, Hauptsache sein Land hat damit nichts zu tun. In einer Pressekonferenz erklärt er, dass es gar nicht so schlimm sei, wenn das Vereinigte Köngreich nicht mehr hundertprozentig bei der EU mitmacht: “Die britischen Interessen in der Europäischen Union – die Märkte offen halten, unsere Güter und Dienste zu verkaufen mit Regeln, bei denen wir immer noch ein großes Mitspracherecht haben – all diese Dinge sind (trotz Veto) geschützt”. Besonders großen Wert legt Cameron auf die Unantastbarkeit des Finanzzentrums London. Jenes Finanzzentrum, das eifrig mitgeholfen hat, dass britische Banken bankrott gingen, Großbritannien vor einem riesigen Schuldenberg steht und die Welt seit 3 Jahren von einer heftigen Krise geschüttelt wird. Cameron macht sich also zum Pudel der Londoner Finanzwelt. Er macht sie und ihre Steuerschlupflöcher auf einigen karibischen Inseln unter britischem Besitz unantastbar. Eigentlich eine Unverschämtheit, die die Welt so schlucken soll. Das ganze wird verbrämt mit dem Allgemeinbegriff “britische Interessen”. Es sind die Interessen einer geldgierigen Minderheit. Vielleicht würde eine Finanztransaktionssteuer, vor der diese “Dienstleister” soviel Angst haben, weil sie ihren Profit in Gefahr sehen, dabei helfen, Großbritanniens Jugendliche Arbeitsplätze zu beschaffen und den Studenten ein Studium zu ermöglichen, das sie bezahlen können. Man müsste vielleicht jetzt nicht im Rahmen des Schuldenabbaus, die Sozialleistungen für die Ärmsten kürzen, sondern könnte auch hier für ein würdiges Leben sorgen. Aber das sind wohl keine “britischen Interessen”.

Lassen wir eine britische Stimme zu Wort kommen: “Cameron’s Seite an Seite mit den ein Prozent, mit den fetten Katzen, von denen wir schon wieder vergessen haben, dass sie uns den ganzen Schlamassel eingebrockt haben, sollte nicht als Überraschung betrachtet werden. Wie wir bereits im Frühjahr berichtet haben, hat sich die Abhängigkeit der Tory-Partei verdoppelt in der Zeit, in der Cameron vom Führer der Tory zum Premierminister wurde. Das Geld, das die Tories von der City bekamen, hat sich mehr als vervierfacht.”

Den britischen Bürgern kann man vorerst mit Kriegsrethorik Sand in die Augen streuen. Wie lange das funktioniert bleibt dahingestellt. Die Zukunft wird zeigen, ob Cameron als Pudel der Finanzwelt in die Geschichte eingehen wird.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Spaniens Empörte gehen für eine Person und eine Stimme auf die Straße

Die spanische Bewegung “Democracia real ¡YA!” (Wirkliche Demokratie sofort!) ruft in Madrid zu einer Kundgebung unter dem Thema “Eine Person, eine Stimme” (¡Una persona, un voto!) auf. Die Kundgebung soll am 18. Dezember in Form eines Protestmarsches, der an der Plaza del Sol enden wird, stattfinden.

Worum geht es? Der Blog der Bewegung, “Toma la calle”, beschreibt die Forderung. Ich gebe sie hiermit teilweise wieder:

“ Die Qualität einer Demokratie bemisst sich an der Fähigkeit seiner Institutionen, den Willen seiner Bürger zu vertreten. In Spanien haben sich nach drei Jahrzehnten demokratischen Zusammenlebens die Institutionen abgenutzt und repräsentieren uns nicht mehr. Das verfassungsmäßige Recht auf ein allgemeines, freies, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht ist tatsächlich weder gleich noch frei. Es ist nicht gleich, weil die Stimme einen verschiedenen Wert hat, je nachdem wo das Stimmrecht ausgeübt wurde und welche Partei man gewählt hat. Es ist nicht frei, weil der Bürger sich oft gezwungen sieht, eine “nützliche” Stimme abzugeben, wenn er nicht ohne Repräsentation bleiben will. Auf diese Art ist der politische Pluralismus wie er in der Verfassung vorgesehen war, der Logik des Zweiparteiensystems gewichen.

In einer fortschrittlichen Demokratie verfangen die Entschuldigungen, die der Regierbarkeit durch eine Mehrheit über die Minderheit den Vorrang geben, nicht. Die Zeit, in der die Stabilität von der Anhäufung der Macht statt von Verhandlungen und Dialog abhing, ist vorbei. Die Zeiten der Immobilität der großen Parteien gegenüber der Korruption und der Spekulation, des Tages, an dem der weniger schlechte Kandidat gewählt werden muss und die Zeiten des “und du auch” und der Anspannung sind vorbei. Die demokratische Kultur in diesem Land muss sich ändern und deshalb müssen wir die Art und Weise ändern, in der wir unsere Repräsentanten wählen.

In diesen Jahren ist die Bürgerschaft dieser Situation überdrüssig geworden, hat immer mehr vom Zustand die Nase voll gehabt und hat sich schließlich empört. Wir sagen es schon seit einiger Zeit: Das aktuelle Wahlsystem ist unhaltbar und ungerecht. Wir sind für eine Reform, die eine proportionale parlamentarische Repräsentation gemäß den Wünschen der Spanier möglich macht und die die ideologischen und territorialen Unterschiede wiederspiegelt. Wir fordern von der nächsten Regierung und dem neuen Parlament, dass sie auf die Bürgerschaft hören, wir fordern die akademischen Welt und die Kommunikationsmedien auf zu dieser Debatte beizutragen und laden die gesamte Zivilgesellschaft auf für diese legitime Forderung zu demonstrieren.”

Informationsquelle:
Toma la calle - El 18 de diciembre, nuestra consigna: ¡Una persona, un voto!

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Frankreich: Atomkraftwerke nicht kontrollierbar

Am Nikolaustag erlebte die französische Atomindustrie wieder einmal eine böse Überraschung. Allen Beteuerungen über die hundertprozentige Sicherheit ihrer Kraftwerke zum Trotz gelang es einem Team von Greenpeace innert kürzester Zeit auf das Gelände des AKW Nogent zu gelangen und die Kuppel zu besteigen. Somit war bewiesen worden, dass eben doch geschieht, was nicht geschehen darf. Nicht auszudenken, wenn tatsächlich jemand mit terroristischen Absichten versucht ein AKW anzugreifen. Greenpeace hatte die Aktion nur vorgenommen, um zu beweisen, dass es mit der immer wieder beteuerten absoluten Sicherheit nicht weit her ist.  Frankreich hat viele AKW’s und scheinbar ist es so, dass je mehr dieser Hochrisiko-Anlagen vorhanden sind umso zahlreicher die Nachlässigkeiten werden.

Aber damit nicht genug. Anfang Dezember verlangten 2 Abgeordnete, Mitglieder des Ausschusses für Energiefragen, von der Behörde für Nukleare Sicherheit (ASN) die Simulation eines Nuklearunfalls im Stil von Fukushima im AKW Paluel. 1 Abgeordneter erschien persönlich im AKW, um die Simulation zu begleiten. Der fiktive Alarm begann um 22 Uhr. Um 22:30 Uhr hatten die Verantwortlichen ein Problem: Sie konnten den Schlüssel für einen Schaltkasten zur elektrischen Versorgung nicht finden. Angeblich war er in “Auftrag gegeben” und deshalb nicht auffindbar. Gegen Mitternacht traf die Interventionsgruppe im Elektroraum des Reaktors Nr. 1 ein, um festzustellen, dass die Beschreibung in den Handbüchern nicht mit den Kennzeichnungen des Elektroschalters übereinstimmten. Daraufhin wollten sie sich um die elektrischen Schaltungen des Reaktors Nr, 3 kümmern, um festzustellen, dass der Raum nicht nummeriert war. Der Abgeordnete bemerkte: “Es war nicht klar, ob die Schlüssel schlecht beschriftet oder wir am falschen Ort waren, weil der Raum nicht nummeriert war. Das war wenig hilfreich”. ASN hielt danach fest: “Die Übung ergab zahlreiche Fehler……Lücken”.

In einem anderen Fall wollte der Senator Bruno Sido, Vizepräsident des OPECST (Parlamentsausschuss für Energiefragen), von den Betreibern des AKW Blayais eine Auskunft zu Notfallmaßnahmen haben. Seine Frage war: “Welches ist das Kriterium, welches zur Abschaltung von Wasserpumpen im Falle einer Überschwemmung führt?” Es brauchte eine halbe Stunde und die Hinzuziehung von 4 Personen, um eine solche Lage zu beurteilen. Die Techniker suchten im Handbuch unter dem Stichwort “Pumpe” eine Antwort auf die Frage, die sich allerdings unter dem Wort “Überschwemmung” versteckte. Die Frage war im Fall von Blayais sehr realitätsnah, denn dieses AKW stand 1999 am Rand einer Katastrophe. Die Behörden arbeiteten damals bereits an Plänen für die Evakuierung der Stadt Bordeaux.

Beim nächsten Unfall werden vermutlich die Summe von Nachlässigkeiten und vertuschten Sicherheitsproblemen den Ausschlag geben. Auch wenn die französischen Politiker wieder einmal eine Verschärfung der Sicherheitsvorschriften und deren Überwachung fordern. Die Überwachung darf aber nie soweit gehen, dass ein AKW in Frage gestellt wird. Schließlich ist die Atomenergie für Frankreichs Staatspräsidenten immer noch eine Schlüsselindustrie im Land, die nicht in Frage gestellt werden darf.

Siehe auch:
Pfusch bei AKW-Bau in Frankreich
Deutscher Atomausstieg sorgt für Unruhe in Frankreich
Bald ein französisches Tschernobyl?

Informationsquelle:
La passoire nucléaire – AgoraVox

Montag, 5. Dezember 2011

Spanien erklärt sich zum Transplantations-Weltmeister

Zwischen den 23. und 25. November wurden in Spaniens Krankenhäusern 94 Transplantationen durchgeführt. Dies ist ein neuer Rekord und Fachleute sehen damit Spanien in der Weltspitze bei der Anzahl der Transplantationen. Für die 94 Transplantationen gab es 39 Spender und 42 Krankenhäuser waren daran beteiligt. Bei 53 handelte es sich um Nierentransplantationen, 23 mal ging es um die Leber, 8x Lunge, 6x Herz, 3x Milz und einmal Darm.
 
Rekordverdächtig soll auch die Anzahl der Beteiligten Krankenhausabteilungen sein, die Organe entnahmen und / oder die Transplantation durchführten.
 
Ein Leserkommentar bei Publico.es gibt vielleicht eine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet Spanien so transplantationsfreudig ist: “Vorab, ich freue mich für die Patienten, die eine Transplantation bekommen. Wir sollten aber jetzt nicht in eitlen Stolz und Selbstgefälligkeit verfallen. Spanien befindet sich in einer Spitzenstellung bezüglich der Zahl der Operationen dank der Anreize, die das Krankenhauspersonal in Form von Prämien für eine Transplantation erhält. Dieser Umstand macht mich weniger glücklicher, sondern eher ängstlich bezüglich der behaupteten iberischen Großzügigkeit.”
 
Als weiterer Grund für die gestiegene Zahl der Transplantationen wird von spanischen Ärzten die Einführung “der sich kreuzenden Transplantationen” bei Nierenspenden genannt. Seit Einführung dieses Programms seien die Transplantationszahlen steil nach oben gegangen. Bei “der sich kreuzenden Transplantation (trasplantes cruzados)” handelt es sich um Paare, die sich nicht kennen, in denen das gesunde Mitglied des Paares, dessen Niere sich mit dem nierenkranken Partner nicht verträgt, seine Niere in einer Kette spendet, so dass letztendlich über die Kette auch der Kranke eine verträgliche Niere erhält. Daneben gibt es noch sogenannte “Samariter” (Samaritanos), die sich als Zwischenlager anbieten, falls jemand in der Kette ausfällt. Dieser Job hört sich höchst gefährlich an, aber trotzdem sollen sich in Spanien bereits 70 Personen als “gute Samariter” gemeldet haben.
 
Informationsquelle:
España bate un nuevo récord de trasplantes: 94 en 72 horas – publico.es
La donación de órganos aumenta un 8,2% en los ocho primeros meses del año – El Pais

Samstag, 3. Dezember 2011

Cariocas protestieren: Hände weg vom Maracanã!

In Rio de Janeiro werden in den nächsten Jahren sportliche Großereignisse stattfinden, die jetzt schon ihren Schatten vorauswerfen. Es sind dies vor allem die Sommer-Olympiade 2016 und die Fußball-WM 2014. Ein Haufen Geld wird bewegt, um die Stadt auf die Ereignisse vorzubereiten. Dabei wird auf die Belange der Einwohner von Rio, der Cariocas, oft wenig Rücksicht genommen. Entscheidend sind die Ansichten der Politiker und Sportfunktionäre, die es selbstverständlich finden, dass Bürger und Bürgerinnen notfalls Nachteile in Kauf nehmen müssen.

Um die Politik zu kontrollieren, wurde in Rio ein “Comitê popularRIO Copa & Olímpiadas” (Volkskomitee RIO Fußball-WM und Olympiade) gegründet. Das Komitee erklärt seine Gründung wie folgt: “Die Erfahrung der Panamerikanischen Spiele 2007 zeigt uns das Unvermögen der brasilianischen Regierung zur Einrichtung eines demokratischen und transparenten Prozesses über die Verwendung der öffentlichen Mittel und das Unvermögen ein wirksames Forum zu errichten, das der Gesellschaft eine Plattform bietet, bei der Durchführung der Ereignisse mitzusprechen. Das Resultat sind verwahrloste Sportstätten, Spiele, die nur im privaten Bereich etwas bringen, aber keinerlei positive Ergebnisse für die Gesellschaft zum Beispiel durch soziale, stadtplanerische und umweltorientierte Verbesserungen für die Stadt zur Folge haben”.

Vor kurzem hat die Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro verkündet, dass sie das “Symbol” des brasilianischen Fußballs, das Maracanã-Stadion in Rio privatisieren will. Grund genug für das Komitee jetzt zur Tat zu schreiten. Mit der Einleitung einer Kampagne unter dem Thema ““O Maraca é nosso!”” (das Maracanã gehört uns!) hat es für heute zu einer Demonstration aufgerufen. Ziel der Kampagne ist es in diesem Zusammenhang folgende Punkte zur Diskussion zu stellen:
Gegen Verschwendung öffentlicher Gelder: Von 1999 bis 2006 wurden 400 Millionen R$ zu Renovierung des Stadions im Hinblick auf die WM 2014 investiert. Jetzt wurde alles auf den Kopf gestellt und entschieden ein neues Stadion zu bauen, das mehr als 1 Billion R$ kosten soll.
Gegen die Privatisierung. Nach erheblichen Investitionen der Steuerzahler soll das Stadion privatisiert werden nach dem Motto, die Schulden für den Staat und den Gewinn für die Privatwirtschaft. Das Komitee ist der Meinung, dass das Stadion dem Volk gehört und nicht verkauft werden kann.
Gegen die Elitisierung des Stadions. Schon heute kann sich kaum mehr ein Carioca den Stadionbesuch leisten. Ein großer Teil des Stadions ist nur noch mit teuren Sitzplätzen ausgestattet.
Gegen eine Europäisierung des Maracanã. Das neue Stadion berücksichtigt nicht das Verhalten der brasilianischen Fußballanhänger, das in Mobilität, Musik und Tanz besteht. Numerierte Sitze, abgeschlossene Sektoren lassen keine Spontaneität und Begeisterung mehr zu.
Gegen ein charakterloses Maracanã. Das Stadion ist ein historisches und kulturelles Denkmal und soll jetzt in ein für “VIP’s” reserviertes Gebiet mit Shopping-Center umgewandelt werden.
Neue Wohnungen für enteignete Anwohner. Die Rechte von Anwohnern mit geringem Einkommen wurden verletzt, um gigantische Parkplätze zu bauen. Es ist eine wichtigere Pflicht diesen Leuten eine anständige Wohnung zu besorgen als Parkplätze für Autos zu schaffen.

Siehe auch:
Brasilien im Würgegriff der Fußball-Weltmeisterschaft 2014
Fußball-WM 2014 bringt nicht nur eitel Sonnenschein

Informationsquelle:
Torcedores fazem manifestação em frente ao Maracanã no sábado -

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Homo-Ehe soll Schottlands Unabhängigkeit gefährden

Im Jahr 2009 hat eine Gruppe schottischer Homosexueller eine Petition an das schottische Parlament gerichtet, mit dem Anliegen, dass die Homo-Ehe in Schottland eingeführt wird. Die Petition wurde auch von der anglikanischen Kirche und der Kirche von Schottland unterstützt. Der Petitionsausschuss des schottischen Parlaments forderte die schottische Regierung danach auf, mitzuteilen, ob sie dem Antrag nachkommen und die Homo-Ehe einführen werde. Im September dieses Jahres kündigte die schottische Regierung eine Konsultation dazu an und erklärte, dass sie für die Einführung der Homo-Ehe auf ziviler Ebene sei. Die Antragsteller hatten auch die Einführung der Möglichkeit einer kirchlichen Heirat beantragt, wofür sich aber die schottische Regierung nicht zuständig sieht.

Gegen die Homo-Ehe in Schottland wurde jetzt eine Initiative gegründet, die sich “Scotland for Marriage” nennt. Herausragende Vertreter dieser Initiative sind der ehemalige Führer der SNP (schottische Nationalistenpartei) Gordon Wilson und der katholische Kardinal Keith O’Brien aus Glasgow. Wilson erklärt seinen Widerstand gegen die Homo-Ehe damit, dass damit die schottischen Wähler, die in Kürze in einem Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands abstimmen sollen, durch eine kleine Minderheit mit speziellen Wünschen vor den Kopf gestoßen würden und dass damit die Entscheidung für die Unabhängigkeit gefährdet werden könnte. Wörtlich sagte er: “Die kleine grotesk geringe Minderheit, eine arrogante Lobby für Homosexuelle will als Brückenkopf eine andere Gleichheit aufbauen, unabhängig davon wie zerstörerisch dies für die Gesellschaft sein wird.” Und der Kardinal erklärte dazu: “Der Vorschlag (der Regierung) ist eine groteske Unterminierung eines allgemeinen Menschenrechts, und ich bin sicher, dass ich damit für viele Menschen in Schottland spreche, wenn ich das sage. Die Institution Heirat ist sicher im Laufe mehrerer Generationen beschädigt worden. Aber die Heirat existierte immer, um Männer und Frauen zusammen zu bringen, damit aus dieser Verbindung Kinder geboren werden, die eine Mutter und einen Vater haben. Wenn die schottische Regierung dieses universell anerkannte Menschenrecht zerstören will, dann wird sie das Vertrauen, das Menschen jeden Glaubens und auch Ungläubige auf sie gesetzt haben, zerstören und seine Intoleranz wird Schottland in den Augen der Welt beschämen.”

Starke Worte des Herrn Kardinals und des Vertreters der Konservativen Flügel der SNP. Ob wirklich ein Bürger oder Bürgerin wie von der Initiative gewünscht diese Frage mit der Unabhängigkeitsfrage verbindet?

Informationsquelle:
The Campaign for Human Rights at Glasgow Uni
Wikipedia (englisch) - Same-sex marriage in the United Kingdom