Dienstag, 29. November 2011

Barcelona und das motorisierte Zweirad

Motorräder und Mopeds machen inzwischen 23% des Fahrzeugparks von Barcelona aus. Im Jahr 2001 hatten sie noch einen Anteil von 17%. Sie sind dominierend im Verkehr und gleichzeitig die größten Unfallverursacher. Täglich gehen in der Stadt 17 Motorradfahrer zu Boden. Während die allgemeinen Unfallzahlen im Verkehr zwischen 2007 und 2010 um 17,5% gesunken sind, sind die Unfälle beschränkt auf die Zweiräder im gleichen Zeitraum um 1,7% gestiegen. Die Verkehrspolizei in Barcelona erklärt dazu, dass die Wahrscheinlichkeit eines Verkehrsunfalls bei den Motorradfahrern um 13 bis 17 mal höher ist wie beim übrigen Verkehr. Von den 39 Toten bei Unfällen im Straßenverkehr waren 2010 19 Motorradfahrer, also fast die Hälfte der Verkehrstoten.

Im Jahr 2004 wurde in Spanien die Regelung eingeführt, dass Autofahrer mit dreijähriger Fahrpraxis einen Führerschein für ein Motorrad bis 125 cbm erhalten konnten. Den Führerschein nannte man B+3. Er entwickelte sich immer mehr zu einem Hauptproblem, denn die Unfallzahlen bei den Motorrädern gingen danach erheblich nach oben. Jetzt ist man der Meinung, dass wegen Fehlens einer entsprechenden Schulung für Motorräder dieser Führerschein keine gute Idee war. Wer Autofahren kann, der kann noch lange nicht gut Motorradfahren. Also den Führerschein B+3 wieder einstampfen? Geht wohl nicht, da das für ganz Spanien gilt und allein für Barcelona wohl kaum umsetzbar ist.

Als eine der Hauptunfallursachen für Motorradunfälle wurden überhöhte Geschwindigkeit und Alkoholkonsum festgestellt. Die breiten Avenidas wie Avenida Diagonal oder Aragón laden zu förmlichen Rasen ein. Die Hälfte der in schwere Unfälle verwickelten Fahrer hatte zudem Alkohol im Blut. In Spanien darf man zur Zeit noch 0,60 mg/l Alkohol im Blut haben. Es gibt Bestrebungen diese Grenze auf 0,15 mg/l herabzusetzen. Als weitere Ursache wurde ausgemacht, dass viele Fahrer einen offenen Helm benutzen. Ein geschlossener Helm würde die Zahl der schweren Verletzungen nach Ansicht von Fachleuten vermindern. Eine Verschärfung der Strafen ist in Diskussion. Vor allem wird überlegt, ob man dem Betroffenen bei schweren Verstößen nicht das Motorrad für eine bestimmte Zeit entzieht.

Informationsquelle:
Urgencias (reales) de las motos

Sonntag, 27. November 2011

Die Himba und der Glücklichkeitsfaktor

Im Kaokoveld im Nordwesten von Namibia leben die "Himba", ein Herero-Stamm. Ein Reiseführer schreibt, dass sie ihre bisherige Lebensweise im Gegensatz zu anderen Herero-Stämmen beibehalten haben. Sie leben in kleinen Clans, sind Hirten und Halbnomaden und besitzen hauptsächlich Rinder, aber auch Ziegen und Schafe.
 
Es gibt Tourismus, der uns Zivilisationsmenschen diese glücklichen Menschen, von denen es vielleicht noch 10.000 gibt, zeigen und zum Nachdenken anregen soll. Die namibische Regierung sieht in ihnen allerdings keine glückliche Menschen, sondern nur arme Menschen, die man glücklich machen muss. "Die sogenannte traditionelle Lebensweise der Himba, die in den westlichen Ländern immer so hoch gehalten wird, ist aus Armut geboren. Warum haltet ihr in Europa Armut für schützenswert?", soll ein namibischer Politiker gefragt haben.
 
Südlich von Opuwo, der Hauptstadt des Kumene Distrikts: In einem staubtrockenen Tal mit dornigen Büschen und Mopane-Bäumen hämmert eine junge Himba-Frau mit einem Knüppel auf einen dürren Baumstamm ein. Erster Kontaktversuch, man will wissen, was sie den vorhat. Dem himba-kundigen Führer erklärt sie, dass sie Brennholz schlagen muss. Bei der herrschenden Hitze keine leichte Aufgabe, auch ihr steht der Schweiß auf der Stirn. Sie weist der Touristengruppe den Weg zu ihrem Dorf. Das Dorf besteht aus ein paar kreisrunden Hütten, das von einem Zaun von Baumstrümpfen und Ästen geschützt wird. Der Dorfvorsteher sitzt im Schatten eines kleinen schattenspendenden Bäumchens auf einem unbequemen Campingstühlchen. Er hat sich bereit erklärt, dass die Gruppe der Weiß-Gesichter sich sein Dorf anschauen kann. Etwas ermattet ist er auch zu einem Meinungsaustausch bereit. Er ist der Gründer des Dorfes, sein Vater war ebenfalls Dorfhäuptling. Er darf mehrere Frauen haben, die erste wird ihm von seinem Vater aufs Auge gedrückt, die weiteren darf er sich selbst aussuchen. Das Dorf ist also auch gleichzeitig seine Familie. Die Frauen sitzen arbeitend und schwatzend unter schattenspendenden Dächern. Bei den Besuchern interessiert ihn vor allem Familienstand und Anzahl der Kinder. Über die geringe Anzahl des weißen Nachwuchses ist er äußerst erstaunt. Wie man das denn schaffe, dass man kein Kind, nur eins oder zwei habe, will er wissen. Von der Pillenwirtschaft hat er noch nichts gehört, findet aber diese Möglichkeit höchst interessant. Außer ihm sieht man keine Männer im Dorf. Sie sind alle mit dem Vieh auf Futtersuche. Das Wasser wird von einem lachenden Mädchen auf Eseln von einer weit entfernt liegenden Wasserquelle herangeschafft. Die Aufgabe findet sie nicht schwer und es mache ihr Spaß. Sie erklärt auch, dass es für die Erledigung der Aufgaben im Dorf keinen Plan gebe, jeder wisse, was er zu tun habe. Eine Herde Ziegen stürzt sich auf die Wassereimer. Die jungen Mädchen verlesen Mais und zerstampfen ihn. Eine alte Frau sieht gelangweilt an den Fremden vorbei, KInder quengeln. Die große Eintracht scheint im Dorf zu herrschen. Es gibt weder Fernsehen, Radio noch sonstige zivilisatorische Errungenschaften und die Leute scheinen trotzdem glücklich und zufrieden zu sein.
 
Zurück nach Opuwo: Auch hier sind die auf Grund ihrer mit einer rotbraunen Farbschicht eingecremten Körper unverkennbaren Himbas überall zu sehen. Hier scheinen sie aber weit von dem Glück eines kleinen Dorfes entfernt zu sein. Bettelnd ziehen einige durch die Straße, viele versuchen hartnäckig, Schmuck an den Käufer/in zu bringen. Es sind diejenigen, die der Versuchung der Zivilisation nicht widerstehen konnten. Die Welt der Konsumgüter hat von ihrem Geist Besitz ergriffen. Dazu gehört, dass viele alkoholabhängig werden. Das Glück der Dörfer liegt weit weg, ein Zurück gibt es wohl nicht mehr. Hat sich ihr Leben verbessert?
 
Nun plötzlich scheint denjenigen, die sie mit ihrer Zivilisation korrumpiert haben, die Erkenntnis zu kommen, dass man sie eigentlich davor schützen muss. Es gibt Stimmen, die die Himba vor den Gefahren der Zivilisation – erkennend, dass sie uns nur Wohlstand, aber wenig Glück gebracht hat - bewahren möchten. Eine Art Park, in dem sie nach ihren Sitten und Bräuchen leben könnten schwebt ihnen vor. Das wird vermutlich nicht funktionieren, letzte intakte Strukturen, die den Menschen kein Leben der großen Güter, aber Zufriedenheit bieten, werden durch den Sog der zivilisatorischen Errungenschaften zerstört. Keine guten Aussichten für die letzten Himbas.

Freitag, 4. November 2011

Heroin beliebteste Droge in rumänischen Gefängnissen

In den rumänischen Gefängnissen führt in der Hitliste der konsumierten Drogen das Heroin. Dies sind die Ergebnisse einer Studie aus diesem Jahr. Nach Heroin kommt Kokain und Haschisch. Weniger beliebt sind Amphetamine und LSD. Im Vergleich dazu steht die rumänische Gesellschaft in erster Linie auf ethnobotanischen Produkten, gefolgt von Haschisch, Ecstasy. Erst an vierter Stelle kommen hier Heroin und Kokain.

Wie kommt das Rauschift nun überhaupt in die Gefängnisse? Nach Ermittlungen des ärztlichen Dienstes der rumänischen Gefängnisverwaltung wird es in Gewürzkissen versteckt, im Zuckerguss von Gebäck oder in Konservendosen in das Gefängnis geschmuggelt. Beliebt ist auch der Medikamentenmissbrauch. Einige sind in Apotheken ohne ärztliche Verschreibung erhältlich oder man kauft diese über Verschreibungen für andere Personen. Hinsichtlich dieser Möglichkeiten gibt es einen Tauschhandel unter den Gefangenen. Des weiteren sind Schmuggelmedien Honiggläser, Schokoladenverpackungen oder manchmal wird das Rauschgift auch in den in Rumänien beliebten Sarmale (Kohlrouladen) versteckt.

Aber irgendwer muss das “Schmuggelmedium” in die Gefängnisse bringen. Gemäß der Studie haben 34,3% der Gefangenen das Rauschgift von außen über Familienangehörige oder Freunde erhalten, 23,4 % haben den Stoff von Mitgefangenen erworben. 16,3 % der Gefangenen haben angegeben, dass sie die Drogen von Gefängniswärtern erhalten haben und 5,5% vom medizinischen Personal. Bei der Untersuchung wurde festgestellt, dass der Schmuggel über Freunde und Familienangehörige gegenüber dem Vorjahr erheblich zugenommen hat.

Der Standardtyp des Drogen konsumierenden Gefangenen ist männlichen Geschlechts, zwischen 25 und 34 Jahre alt, unverheiratet oder getrennt lebend, mit gehobener Schulausbildung. Bei der Verhaftung war er Student oder Schüler und hat in Bukarest gewohnt. 31,3 % der Befragten (328 Personen) haben zu gegeben, dass sie Straftaten begangen haben, um an Drogen zu kommen. Bei den Straftaten führen Diebstähle und Überfälle. Viele wurden zu Drogenhändlern.

Die rumänische Gefängnisverwaltung ist jetzt zur Eindämmung des Drogenkonsums dazu übergegangen, eingehende Pakete zu durchleuchten. Konnten die Gefangenen bisher fast monatlich ein Paket bekommen, wurde dies jetzt auf 4 Pakete  im Jahr reduziert. Die Besuchsregelung wurde bisher nicht verändert.

Informationsquelle
Romania Libera - Heroina - cel mai consumat drog din penitenciare. Vezi noile metode de introducere a stupefiantelor în locurile de detenţie

Mittwoch, 2. November 2011

Spanische Bahn bietet bald drahtloses Reisevergnügen

Die spanische Bahn RENFE beabsichtigt, bald in allen Schnellzügen, insbesondere aber in den Hochgeschwindigkeitszügen des AVE, den Computernutzen gratis eine Drahtlosanbindung (WiFi) zu ermöglichen. Bisher gab es in spanischen Zügen kaum eine Möglichkeit in den Zügen sich drahtlos mit dem Internet zu verbinden.

Gratis wird dieser Service, weil sonst nach den Erfahrungen des Direktors für Technologie von RENFE das Interesse der Nutzer gering sein wird. Er erläutert dies so: “Das haben wir in unserem Land klar. Wenn man zahlen muss, dann ist das für die Nutzer schon nicht mehr “WiFree” und damit lässt das Interesse der Passagiere erheblich nach. Unsere Umfragen haben ergeben, dass von 90% der Interessenten nur noch 20% interessiert wären, wenn sie zahlen müssten”.

Der Service wird nach und nach eingeführt. RENFE verfügt über 1.200 Züge, die entsprechend ausgestattet werden müssen. Aber sogar Vorort-Züge (Cercanias) sollen dann über Drahtlosverbindungen verfügen. Damit die Nutzer angesichts dieses großzügigen Angebots nicht wegen der Schwäche der Akkus auf den schwarzen Bildschirm ihrer Geräte starren müssen, sollen auch Steckdosen zum Aufladen der Geräte in die Waggons eingebaut werden.

Informationsquelle
El Pais - Los trenes de Renfe tendrán conexión a Internet gratis

Dienstag, 1. November 2011

Rio’s Mörder-Miliz treibt Abgeordneten ins Ausland

Die Milizionäre, in Brasilien “Milicianos” genannt, sind Mörderbanden, die überwiegend aus Polizisten oder ehemaligen Polizisten bestehen. Sie dominieren in schmutzigen Geschäften in Rio de Janeiro, terrorisieren die Bevölkerung und bringen missliebige Menschen einfach um.

Im September entdeckte der Geheimdienst der Militärpolizei ein Komplott gegen den Abgeordneten Marcelo Freixo. Die Milizionäre hatten beschlossen ihn umbringen zu lassen. Ein ehemaliger Feldwebel der Militärpolizei, genannt Carlão, der zu den Berufskillern der Miliz im westlichen Rio de Janeiro gehört, soll den Auftrag bekommen haben, den Abgeordneten für 400.000 R$ (ca. 163.000 Euro) zu exekutieren. Das geplante Attentat wurde von mehreren Bürgern den Sicherheitsbehörden anonym angezeigt. Am 28. September versammelte sich eine Gruppe von Milizionären in der Favela Cidade de Deus, um das weitere Vorgehen zur Ermordung des Abgeordneten zu besprechen. Am 13. Oktober kamen 50 Führer der Milizen, die mehr oder weniger den westlichen Teil Rio de Janeiro’s kontrollieren, zusammen, um den Mordplan im Detail auszuarbeiten. Die bevorstehende Ermordung wurde dann von den Kriminellen vorab mit einem großen Gelage gefeiert.

Die Indizien für die bevorstehende Ermordung sind so beängstigend, dass Marcelo Freixo jetzt erklärt hat, dass er - auch auf Anraten von “Amnesty International” - bis auf weiteres mit seiner Familie in das Ausland gehen wird. “Meine Familie ist verängstigt. Es handelt sich um eine Mafia, die bereits eine Richterin tötete und die nicht zögern wird, auch einen Abgeordneten umzubringen”, erklärte Freixo.

Marcelo Freixo steht auf einer Todesliste der Miliz an erster Stelle. Freixo war Vorsitzender des parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Parlaments von Rio de Janeiro über die Milizen. Der Untersuchungsausschuss ermittelte im Jahre 2008 225 Personen als Mitglieder der kriminellen Vereinigung, unter ihnen viele Zivil- und Militärpolizisten, Feuerwehrleute und Politiker. Einige von ihnen bekamen Gefängnisstrafen. Die Drohungen gegen ihn nahmen zu, nachdem er vor kurzem seine Kandidatur als Kandidat seiner Partei, der PSOL, als Bürgermeister von Rio bekannt gab. Die Drohungen gegen ihn werden auch in Verbindung zur Ermordung der Richterin Patricia Acioli im August diesen Jahres gesehen.

Solche mutige Leute in Rio de Janeiro werden leider von den Staatsorganen nur unzureichend geschützt. Der Soziologe Ignacio Cano von der Bundesuniversität Rio de Janeiro macht klar: “Es ist die Pflicht des Staates Personen, die gegen das organisierte Verbrechen kämpfen, zu schützen. Wenn wir es zulassen, dass jene Mitglieder der Justiz oder Legislative, die ihre Arbeit gut machen und das Verbrechen bekämpfen, eingeschüchtert werden, dann gibt es für unsere Gesellschaft keine Hoffnung mehr. Es ist wichtig, dass der Abgeordnete oder irgend eine andere Autoritätsperson, die in Ausübung ihrer Arbeit bedroht werden, den höchsten Schutz bekommen, der möglich ist, so dass sie nicht mehr eingeschüchtert werden können.”

Siehe auch:
Rio de Janeiro im Griff der Milizen
Saubere Beschützer oder rettet mich vor der Bürgerwehr!

Informationsquelle:
BrasilAtual - Deputado que combate milícias no Rio terá de deixar o Brasil