Freitag, 30. September 2011

Spanisch, das keiner versteht, sorgt für Aufruhr

Die Andalusier bevölkern Südspanien. Während in einigen Regionen die Zentrifugalkräfte nach Unabhängigkeit schreien und vor allem das Baskenland und Katalonien ständig das dicke Brett der Distanzierung von ihren iberischen Schwestern und Brüdern bohren, sind die Andalusier recht brave Spanier. Sie sind zwar stolz auf ihre Region, aber es sind in erster Linie die folkloristischen Werte, die ihre Selbstidentität darstellen. Sie haben auch keine eigene Sprache, die ein Grund für einen Zwist darstellen könnte. Insofern kann der spanische Zentralstaat mit Andalusien und seiner Hauptstadt Sevilla zufrieden sein.

Nur, Andalusier sprechen ein Spanisch, das manche – auch Spanier - nicht so gut verstehen. Wir würden es vielleicht als Dialekt bezeichnen, bei den Spaniern, vor allem denen aus Kastilien, gilt es als schlechtes Spanisch. Die Kastillier in Madrid, die meinen, dass das “Castellano” eigentlich das richtige Spanisch ist, sehen demzufolge etwas hochmütig auf ihre Landsleute im Süden herunter. Andalusisch gilt in Spanien als bäurisch, proletenhaft.

Nun hat es sich wieder einmal einer erlaubt, einen hochmütigen Satz über die Andalusier und ihr undeutliches Sprechvermögen vom Stapel zu lassen. Es war der Präsident der katalanischen Landesregierung, Artur Mas, der sich gestern mit dem Satz unbeliebt machte: “Dort sprechen sie ein Spanisch, sicherlich, aber manchmal versteht man sie nicht”. Mit diesem Satz bezog er sich auf Málaga, Sevilla und La Coruña. Letztere Stadt liegt in Galicien. Die katalanischen Abgeordneten von der Partei CiU klatschten sich bei diesem Satz ihres Präsidenten auf die Schenkel, denn auf die Andalusier eindreschen ist in Katalonien sehr beliebt.

National-Spanien war empört. Der Regierungssprecher in Madrid, José Blanco, erklärte, dass solche Sprüche den Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens überhaupt nicht dienlich seien. Der Präsident der Autonomie Andalusien, José Antonio Griñán, verlangte eine Entschuldigung von Mas und erklärte: “Es ist nicht das erste Mal, dass der katalanische Präsident verächtlich von Andalusien spricht. Das zeigt einen gewissen Überheblichkeitskomplex, der meines Erachtens grundlos ist.”

In der Sitzung des katalanischen Parlaments, in dem die ominösen Worte fielen, ging es um die Durchsetzung der katalanischen Sprache an den Schulen Kataloniens und die Anerkennung der katalanischen Abschlüsse in Gesamtspanien. Der katalanische Regierungschef fühlt sich missverstanden und erklärt die Sache so: “Die vielen Aufrufe an den Rest des spanischen Staates, dass man auf die legitimen Anforderungen Kataloniens eingehen solle, zeigen wenig Echo, aber im Gegensatz dazu hat man Zeit “eine gewöhnliche und unschuldige Bemerkung”  in völlig übertriebener Form aus dem Zusammenhang zu reißen.”

Kleine Ursache, große Wirkung? Der katalanische Präsident hat sich inzwischen für seine Äußerungen entschuldigt.

Siehe auch:
Schrecklicher Lapsus eines spanischen TV-Sprechers
Diskriminiert Katalonien die spanische Sprache?
Marsé ist für Zweisprachigkeit


Informationsquelle:
Mas se disculpa por su frase sobre el acento andaluz y gallego – El Periódico

Donnerstag, 29. September 2011

Der Kampf gegen das Fräulein

“Fräulein”, das klingt in Deutschland nach fernen Zeiten. Die “keine Frau”, das “Fräulein” ist hierzulande schon längst unter die Räder gekommen. Bis in die 70er Jahre war es die förmliche Anrede für unverheiratete Frauen. Die Bewegung der 68er und die Feministinnen haben dann diesen Begriff aus der Behördensprache und auch der Gesellschaft herausgekämpft.

Unser Nachbarland Frankreich hat diese Entwicklung seltsamerweise nicht mitgemacht. “Mademoiselle” das französische Wort für “Fräulein”, damit hat der französische Charmeur die Damen umworben und ihnen mit diesem Begriff Jugend und Frische suggeriert. “Madame”, das war doch eher die reife Matrone oder gestrenge Dame, die diesen Nimbus der Jugend nicht mehr hatte. Insofern haben vermutlich gerade jüngere Französinnen in der Bezeichnung “Mademoiselle” eine Schmeichelei gesehen und an dem Begriff nichts Unrechtes gefunden. Auch in Frankreich steht die Mademoiselle für die “unverheiratete Frau”.

Inzwischen hat sich aber auch die französische Gesellschaft weitgehend geändert. Es gibt viele Paare, die gar nicht mehr heiraten, sondern einfach so zusammen leben und Kinder haben. Die 40-jährige Mutter von 1, 2 Kindern findet es inzwischen doch diskrimierend für die Behörden immer noch den Status einer “Mademoiselle”, eines “Fräuleins”, zu haben. Auf amtlichen Dokumenten, die den Zivilstand abfragen, müssen sie immer noch kennzeichnen, ob sie eine “Madame” oder eine “Mademoiselle” sind.

Damit soll nach einer neuen Aktion von französischen Feministinnen jetzt Schluss sein. Ihre Webseite macht klar Schiff: “Haben sie sich niemals gefragt, warum man einen ledigen Mann nicht “Mondamoiseau” nennt, was “männliche Jungfrau” bedeutet? Das ist nicht erstaunlich, diese Unterscheidung ist nämlich für die Frauen reserviert….. In der Tat, im Frankreich des Jahres 2011 unterliegen Männer und Frauen nicht derselben Einstufung: Einheitliche Kennzeichnung  für die Männer, doppelte Kennzeichnung für die Frauen! Deshalb lancieren die Bewegung “Osez le féminisme” (Feminismus wagen) und die “Chiennes de garde” (Wachhündinnen) eine Kampagne mit dem Titel “Mademoiselle, das Kästchen zuviel”, um daran zu erinnern, dass die Unterscheidung Madame / Mademoiselle weder schmeichelhaft noch verpflichtend ist. Und überhaupt, dass sie ein Zeichen des ordinären Sexismus ist, der immer noch in unserer Gesellschaft vorherrscht.”

Die französische Medien haben diese Kampagne umfangreich zur Kenntnis genommen. Vermutlich wird dies der “Mademoiselle” den Todesstoß versetzen.

Informationsquelle:
Ne les appelez plus mademoiselle ! – Le Parisien

Dienstag, 27. September 2011

Drohen auf dem Balkan Pogrome gegen Roma?

Die Ereignisse in Bulgarien, wo nach einem tödlich verlaufenen Verkehrsunfall 3 Häuser eines prominenten Roma in Flammen aufgingen, lassen schlimmes für die Roma-Minderheit befürchten. Unfallverursacher war eine Neffe eines wohlhabenden Roma mit Namen Kiril Raşkov, im Dorf Katunitza. Nach den Ausschreitungen in Katunitza kam es bis heute zu gewalttätigen Demonstrationen gegen Roma und auch die türkische Minderheit in mehreren bulgarischen Städten. Roma-Viertel müssen von einem Großaufgebot der Polizei geschützt werden.

Wer ist denn nun Kiril Raşkov, der der Auslöser dafür war, dass nun wieder einmal alle in einen Topf geworfen werden. Laut den Bulgaren ist er ein Rumäne. Dies behauptet auch der Vertreter der Roma-Minderheit in Katunitza. Ein traditioneller Gerichtshof der Roma hat Raşkov inzwischen zum Tode verurteilt. Raşkov selbst soll sich als ein “König” der Roma bezeichnet haben. Bei seiner Familie war er “König Kiro”. Diese Selbsternennung passiert bei den Roma relativ schnell, sobald einer der ihren zu Wohlstand gekommen ist. Geboren wurde er 1942 in Plovdiv als eines von 8 Kindern. Er war zwar der Kleinste, aber auch der Durchsetzungskräftigste der Familie. Illegale Geschäfte brachten ihn ins Gefängnis, brachten ihm aber auch die Bewunderung des lokalen Mafioten “Zar Gogo” ein, der ihn nach Kräften förderte. Dieser “Zar Gogo” nannte sich ebenfalls “König” und besaß 5 Häuser, eine Fabrik und mehrere Angehörige, die in den Gefängnissen saßen.

Ein mächtiger Mann wurde Kiril im Gefängnis. In der kommunistischen Zeit Bulgariens wurde er siebenmal zu insgesamt 30 Jahren Gefängnis verurteilt. 1984 wurde er wegen des Besitzes von Gold und Fremdwährung verurteilt. In seinem Haus wurden damals Geldmittel im Gegenwert von heute 2 Millionen Euro gefunden. 1989 gründete er in  der Nähe des Dorfes Katunitza eine Alkoholfabrik mit dem Namen “König Gogo”. 4 Jahre später wurde er wegen “Schwarzbrennerei” verhaftet, kam aber gegen eine Geldstrafe von 10.000 Dollar wieder frei. 1998 gründete er die Partei “Freies Bulgarien”. Die Partei sollte die Interessen der Roma in Bulgarien vertreten, aber auch Alphabetisierungskurse für Roma organisieren. Am 17. Januar 1998 explodierte vor einem Club eine Bombe. Drei seiner Anhänger wurden deswegen verhaftet, aber es kam zu keiner Anklage. 2010 explodierte eine Bombe vor der Kaffeestube des ehemaligen Bürgermeisters des Ortes. Dieser gab Kiril die Schuld, man konnte ihm aber nichts nachweisen. Kiril wurde auch mehrfach der illegalen Besetzung von Grundstücken und Abholzungen im Gemeindewald beschuldigt.

Mehrere Skandale sind mit ihm verbunden. So zum Beispiel wurde sein Sohn, genannt “Prinz Angel” in London wegen Diebstahl verhaftet. Kurz darauf soll Kiril illegal ein Hotel in Plovdiv gebaut haben. Im Juli 2007 beging die Ehefrau eines Neffen im Palast von Kiril in Katunitza Selbstmord. Kiril fiel in dieser Zeit auf, weil er ein sehr säumiger Schuldner war. 2010 wurde ein anderer Neffe wegen Vandalismus und Drohungen gegen einen Journalisten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Und nun passierte vor kurzem dieser Unfall, der zu den Gewalttätigkeiten der letzten Tage führte. Ein Kleinbus, in dem Verwandte von Kiril Raşkov transportiert wurden, überfuhr einen 19-jährigen Bulgaren, der seinen Hund ausführte. Der junge Mann verstarb an der Unfallstelle. Der Fahrer floh vom Ort des Unfalls. Die Eltern und Freunde des Verstorbenen stürmten daraufhin das Haus von “König Kiro” und im Gefolge kam es zu den Ausschreitungen.
Die Stimmung gegen die Roma auf dem Balkan ist nicht gut. Auch etwas seriösere Zeitung wie der rumänische “Adevarul” berichten gerne über Protzsucht und illegale Tätigkeiten dieser Minderheit. Positive Beispiele und auch die Tatsache, dass Roma die Integration in die Gesellschaft vieler Balkan-Länder sehr schwer gemacht wird, fallen dagegen unter den Tisch.  Hinter den Aktionen gegen die Roma in Bulgarien stecken auch Kriminelle, die auf dieser Welle gerne ihr Süppchen kochen möchten. Die Polizei hat 120 Personen im Zusammenhang mit den Ausschreitungen festgenommen. Von diesen waren 29 bereits polizeibekannt, weil sie wegen Vandalismus und Gewalttätigkeiten vorbestraft sind.

Die Roma sind auf jeden Fall alarmiert. Svetlin Raikov, bulgarischer Roma, Führer einer Organisation, die für ethnische Diversität kämpft, warnt dass die Ausschreitungen zunehmen werden, wenn die lokalen Behörden nicht Maßnahmen dagegen ergreifen. “Die Roma in Sofia haben sich mobilisiert, einige haben sich bewaffnet. Sie bereit auf die Straße zu gehen, um ihre Rechte zu verteidigen. Wenn die Behörden nicht einschreiten, kann es zu sehr hässlichen Situationen kommen”, erklärt Raikov und fährt fort: “Wir wollen dass die EU eine klare Botschaft an die Regierung und Politiker in Sofia richtet, dass die Roma nicht im Wahlkampf instrumentalisiert werden”. Er erinnert daran, dass Bulgarien sich im Wahlkampf um das Präsidentenamt und für die Gemeindewahlen befindet. Raikov glaubt, dass die Anti-Zigeuner-Aktionen in Katunitza organisiert sind. “Man braucht einige Tausend Euro um ungefähr 2.000 Menschen zu mobilisieren und sie einige dutzend Kilometer zu transportieren, nur damit sie demonstrieren.”

Nach offiziellen Zahlen leben in Bulgarien 250.000 Menschen der Ethnie Rom, aber inoffiziell sind es nach Schätzung von Raikov 800.000.

Siehe auch:
Europas Zigeuner als Sündenböcke
Eine Roma, die nicht in das Weltbild von Populisten passt
Die Paläste und das luxuriöse Leben der Roma von Hunedoara

Informationsquelle:
Adevarul - Cine este Kiril Raşkov, despre care se spune că e din România, şi de ce este numit "rege"

Samstag, 24. September 2011

Bush macht Kumpel Aznar zum Goldgräber

Wer erinnert sich noch an die Szene, in der der damalige spanische Ministerpräsident José María Aznar auf den Azoren dem damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush bedingungslose Gefolgschaft im Irak-Krieg schwor? Und das gegen den Widerstand des überwiegenden Teils der spanischen Bevölkerung. Dabei war auch der britische Premier Tony Blair. Die drei sind in Spanien als das “Trío de las Azores” (Trio von den Azoren) in die Geschichte eingegangen. Aznar war derjenige, der sich damals neben  Bush am schärfsten für den Krieg aussprach und auch unbedingt den Gipfel auf den Azoren haben wollte, wohl damit er als großer Staatsmann in die Geschichte eingehe.

Alles lief dann ein bisschen anders. Die Spanier gaben Aznar bei den Wahlen 2004 den Laufpass. Seither zehrt er von seiner Freundschaft zu Bush,  der ihm erst einmal eine Honorarprofessur an der Universität Georgetown verschaffte. Dort trug er wegen seiner miserablen Englischkenntnisse zur Erheiterung der Spanier bei. In Spanien kursieren mehrere Videos im Internet mit seinen holprigen Vorträgen. Der Bush-Clan sorgte jetzt erneut dafür, dass Aznar keine finanzielle Not leidet. Er wurde dieser Tage zum internationalen Direktor des multinationalen Bergbaukonzerns Barrick Gold ernannt. Barrick Gold ist auf die Goldförderung spezialisiert und bekannt für bedenkenlose Ausbeutung der Bodenschätze zu Lasten der Umwelt. George W. Bush ist in dem Konzern “Ehrenbeisitzer des internationalen Vorstandes des Unternehmens” und gleichzeitig ein herausgehobenes Mitglied im Vorstand der Aktionärsvereinigung.

Aznar ist bisher nicht als Umweltschützer aufgefallen. Eine der größten Umweltkatastrophen in Spanien fällt in die Zeit seiner Regierung. Es handelt sich um die Havarie des Öltankers Prestige, bei der weite Teile der Küste Nordwestspaniens geschädigt wurde. Die Regierung Aznar zeichnete sich durch das Herunterspielen der Katastrophe aus und daraus folgend die Unfähigkeit mit den richtigen Maßnahmen der Katastrophe entgegen zu treten. Vermutlich ist es jetzt seine Aufgabe international die schlechte Umweltbilanz von “Barrick Gold” schön zu reden. Diese Unternehmen hat sich bisher durch die hemmungslose Nutzung von Schwermetallen wie Cyanid und Quecksilber ausgezeichnet, das weltweit in verschieden Abbauregionen zu schweren Schäden der Umwelt und Gesundheitsschäden in der Bevölkerung geführt hat. Wegen der Umweltschäden auf der Mine Pogera in Papua-Neuguinea hat der Regierungspensionsfonds der norwegischen Regierung verfügt, dass die Aktien des Unternehmens nicht im Fonds geführt werden dürfen.

Ein weiteres Vorstandsmitglied von “Barrick Gold” ist der Venezolaner Gustavo Cisneros. Cisneros wird der versuchte Umsturz im Jahr 2002 in Venezuela angelastet, bei dem auch Aznar seine Finger im Spiel gehabt haben soll.

Siehe auch:
Vom Ministerpräsidenten zur Lachnummer

Informationsquelle:
Aznar, nuevo fichaje de la minera Barrick Gold – Diagonalweb

Freitag, 23. September 2011

AKW Angra III vor Gericht

akw angra 3Der Verband der Rechtsanwälte Brasiliens (OAB) will den Baubeginn für das Atomkraftwerk in Angra dos Reis, Angra III, stoppen. Er hat eine Klage beim obersten Bundesgericht (STF) in Brasilia eingereicht mit dem Antrag, dass die Bauarbeiten an Angra III wegen Verstoß gegen Verfassungsgrundsätze vorläufig eingestellt werden sollen.

Die Klage wird damit begründet, dass die Nuklearenergie ein Sicherheitsrisiko darstellt. Dies hätten die bereits erfolgten schweren Unfälle im Bereich der Nuklearenergie mit dem Tod von tausenden Personen und der Vergiftung der Umwelt, die bis heute noch andauerten, bewiesen. Deshalb müsse bei Anwendung dieser Technologie höchste Vorsicht angewandt werden. Dabei bezieht sich der OAB ausdrücklich auf den schweren Atomunfall in Fukushima in diesem Jahr. Auf Grund dieses Ereignisses würden viele hochentwickelte Industriestaaten ihre Atomprogramme revidieren oder auf weitere Aktivitäten verzichten. Der Beginn der Bautätigkeit erfordere zudem einen Beschluss des Nationalkongresses so wie dies in der Verfassung vorgeschrieben sei.

Der Präsident des OAB, Ophir Cavalcante, verwies des weiteren auf Studien, die beweisen, dass Brasilien die Atomkraft nicht benötigt. Es gäbe viele andere Möglichkeiten der Stromproduktion im Land, die kein Risiko für Menschen und das Gleichgewicht in der Umwelt bedeuteten.

Siehe auch:
Energiehungriges Brasilien hat unstillbaren Appetit

Informationsquelle:
Jornal do Brasil - OAB vai ao STF contra retomada da construção da Usina Nuclear Angra 3

Donnerstag, 22. September 2011

Entente cordiale gegen die Griechen

Griechenland ist hochverschuldet und bereitet Europa nun schon seit Monaten Kopfzerbrechen. Mit viel Geld muss / will man dem Land helfen. Manche der EU-Staaten eher widerwillig, andere erwecken zumindest den Eindruck, dass man sich ganz der Solidarität verpflichtet fühlt und zur Rettung Griechenland bereit ist,  sein letztes Hemd zu geben.

So Frankreich. Die französischen Medien und Politiker haben sich bisher über die widerspenstigen Länder mokiert. Auf der einen Seite wurde das Bild der Mittelmeerländer mit Frankreich an der Spitze gezeichnet, ein Frankreich, das generös, solidarisch und visionär ist und die kapiert haben, dass man in der Krise ausgabefreudiger sein muss und auf der andern Seite des Rheins die Germanen, egoistisch, berechnend und ohne Verständnis für die Feinheiten der Finanzmärkte.

An der Basis sieht es allerdings ganz anders aus. Die französischen Bürger und Bürgerinnen unterscheiden sich in nichts von deutschen, wenn es um die Angst um den eigenen Geldbeutel geht. Nach einer Umfrage des Insituts Ifop für die Zeitung “Dimanche Ouest France”, die am 18. September veröffentlicht wurde sind 68% der Befragten gegen eine Erhöhung des finanziellen Beitrags Frankreichs zur Griechenlandrettung. Nur 32% sind einverstanden. Von denen die einverstanden sind, sind allerdings nur 5% uneingeschränkt mit den Zahlungen einverstanden. Der Anteil derjenigen,  die vollständig gegen jede finanzielle Beteiligung sind liegt dagegen bei 30%.

Blogger “Le Taulier” erklärt uns das Resultat:
68% der Personen die gegen die Entscheidung zur Erhöhung der Griechenland-Hilfe sind, bedeuten eine klare und massive Verweigerung. Aber ich habe einige Besonderheiten entdeckt, die mich amüsiert haben:
  • 58% der Männer und 76% der Frauen sind gegen diesen Plan! Wer sagt hier, dass die Frauen Politik mit mehr Desinteresse betreiben?
  • 67% der 18-24-jährigen und 51% die älter als 65 Jahre sind sind gegen den Hilfeplan! Wer hat gesagt, dass die Jugend solidarisch empfindet. Vielleicht sagen sich die Alten, dass sie im Falle eines Konkurses Griechenlands diese 15 Milliarden nicht zurück bekommen und dass ihre Lebensversicherungen vollgestopft mit griechischen Anleihen sind.
  • 81% der Arbeiter und 49% der leitenden Angestellten sind gegen die Hilfe! Das Volk mag es gerne sozial, aber nur wenn es zu seinem Vorteil ist. Sie denken weniger daran, dass sie nichts zu verlieren haben für den Fall, dass die Banken bankrott gehen, was bei den leitenden Angestellten nicht der Fall ist.
  • 90% der Wähler der FN (Front National) und 83% der LO (Lutte ouvrière) und NPA (Nouveau Parti Anticapitaliste) sind gegen die Hilfe. Die Extremisten treffen sich. Sicherlich aus demselben Grund, die Ersten, weil sie xenophob sind und die Zweiten, weil dann der große Abend, von dem sie träumen, schneller kommen wird, wenn ein Staat der Eurozone bankrott geht. Um ehrlich zu sein darf man die Überzeugung vieler Wähler nicht unterschätzen (und nicht nur die von der extremen Linken), dass dieser Hilfeplan weniger zur Rettung Griechenlands als zur Rettung der Banken dienen soll”.
  
Informationsquelle:
Grèce: Les Français aussi égoïstes que les Allemands?
Les Français et l’aide à la Grèce

Mittwoch, 21. September 2011

Rumänische Verärgerung über die Holländer wegen Schengenblockade

Das rumänische Parlament hat heute fast einstimmig eine Erklärung bezüglich des Schengen-Beitritts verabschiedet. In der Erklärung zeigen sich die Parlamentarier empört über das Verhalten einiger EU-Mitgliedsstaaten, die den Beitritt Rumäniens torpedieren. “Die Abgeordneten-Kammer Rumäniens sieht mit Besorgnis und missbilligt die Entscheidungen, die von Parlamenten und Regierungen einiger EU-Mitgliedstaaten zur Blockierung unseres Schengen-Beitritts beschlossen wurden.”, steht in der Erklärung. Nach Ansicht der Parlamentarier hat Rumänien alle Bedingungen für den Beitritt erfüllt. Sie weisen auch noch einmal die anderen EU-Mitgliedstaaten daraufhin, dass die Rumänen europäische Staatsbürger sind mit vollen Rechten auf dem Gebiet der Europäischen Union. Sie halten die Verletzung dieser Rechte für eine gravierende Beeinträchtigung der Grundrechte, die die Basis für den Aufbau Europas bilden. Durch Blockadepolitik würde ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen.

Eigentlich hatte die EU den Rumänien zugesagt, dass Rumänien im März dieses Jahres Schengen beitreten könne, wenn alle Voraussetzungen erfüllt seien. Der Beitritt zu diesem Datum wurde von Frankreich und auch Deutschland mit etwas windigen Argumenten verhindert. Trotzdem sollte der Beitritt noch in diesem Jahr erfolgen. Inzwischen scheinen sich aber weitere Länder, insbesondere die Niederlande quer zu legen. Der vor kurzem neu ernannte rumänische Außenminister Leonard Orban sieht die Lage inzwischen so pessimistisch, dass er vermutet, dass der Beitritt auf Jahre hinausgeschoben wird. Die Schuld gibt er dem Umstand, dass alle EU-Länder dem Beitritt zustimmen müssten und daher jedes Land von der Notwendigkeit des Beitritts überzeugt werden müsse. Der rumänische Präsident Traian Basescu sieht in den Niederlanden die Speerspitze des Widerstandes hinter dem sich andere Länder verstecken.

Der Kleinkrieg eskaliert: Rumänien verfügte vor kurzem einen Importstopp für holländische Blumensamen. Dutzende von Lastwagen aus den Niederlanden wurden vom Zoll aufgehalten. Die rumänischen Behörden behaupteten, dass die Samen gefährliche Bakterien enthalten würde. Adrian Zaharia, ein Wissenschaftler der Universität Cluj / Klausenburg, erklärte gestern, dass diese Behauptung jeder Grundlage entbehre und erklärt die Hintergründe: “In diesem Zusammenhang muss festgestellt werden, dass die Gründe für den Importstopp aus Holland darauf zurückzuführen sind, dass sich die Niederlande dem Beitritt Rumäniens zum Schengenraum widersetzen. Holland ist einer der wichtigsten Exporteure für Blumensamen und die Entscheidung der rumänischen Regierung soll die holländischen Geschäfte erheblich stören. Eigentlich ist es nicht möglich diese Importe zu blockieren, da innerhalb der EU der freie Warenverkehr gilt. Deshalb bleibt nur noch die Möglichkeit auf gesundheitlich Bedenken auszuweichen. Die rumänische Regierung hat diesen Weg gewählt und erklärt, dass die Blumensamen gefährlich für die Gesundheit sind.”

Siehe auch:
Argumente gegen Schengenbeitritt Rumäniens sind an den Haaren herbeigezogen

Informationsquelle:
Romania Libera - Există cu adevărat "bacteria olandeză"?
Romania Libera - Băsescu avertiza din iunie că Olanda a devenit "vârf de lance" împotriva aderării la Schengen

Montag, 19. September 2011

Klamme Kassen bedrohen schottisches Eisenbahnprojekt

Die “Borders Railway” ist Großbritanniens längstes neues Eisenbahnprojekt. Es soll über eine Strecke von 30 Meilen (ca. 50 km) die schottische Hauptstadt Edinburgh mit der südlichen Tweed-Region verbinden. Die schottische Grenzregion zu England, Scottish Borders genannt, ist eine Region ohne Eisenbahnverbindung. Das Tweed-Tal und seine Ortschaften werden von keiner Eisenbahn versorgt. Die früher bestehende Verbindung, genannt “Waverley Line”, wurde 1969 stillgelegt. Von der Eisenbahnverbindung erwartet die schottische Regierung eine Möglichkeit zu einer besseren wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Region. Zudem sollen auf diese Weise die verstopften Straßen entlastet werden. Es ist Schlüsselprojekt im Investitionsprogramm der schottischen Regierung und soll auch die Transportinfrastruktur umweltfreundlicher machen.

Die Vorbereitungen zum Bau begannen im März 2010. Seither klemmt es an allen Ecken. Die Kostenschätzungen stiegen rasant innerhalb kürzester Zeit. Eigentlich hätten die Hauptarbeiten dieses Jahr begonnen werden sollen, aber die verantwortlichen Stellen wären jetzt froh, wenn der Startschuss im kommenden Jahr erfolgen würde. 2 Finanzierungsgesellschaften sind inzwischen ausgestiegen und die Dritte verlangt ausufernde finanzielle Beteiligung der schottischen Regierung. 60 Millionen Pfund (ca. 69 Millionen Euro) sind bereits für die Vorarbeiten verbraten worden. Insgesamt schätzt man die Kosten jetzt zwischen 235 und 295 Millionen Pfund, das wäre dreimal höher als zu Beginn geschätzt.

Somit rückt der Fertigstellungstermin für die “Border Railway”, eigentlich geplant für 2014, in die ferne Zukunft. Schuld ist das schlechte wirtschaftliche Klima in Großbritannien und demzufolge die leeren Staatskassen. Ein weiteres Verkehrsprojekt, die Strassenbahn von Edinburgh, leidet ebenfalls unter erheblichen Finanznöten und kommt nicht richtig voran. Transport Scotland, die nationale Transport-Agentur Schottlands, musste vor kurzem mitteilen, dass sie das Tram-Projekt in Edinburgh übernehmen wird. Damit gerät das Haushaltbudget der Agentur völlig aus dem Ruder und die “Border Railway” wird noch lange auf ihre Fertigstellung warten müssen.

Siehe auch:
Eine Tram für Edinburgh?

Informationsquelle:
New threat of soaring costs over flagship train link – The Scotsman

Sonntag, 18. September 2011

Brasilianischer Generalstaatsanwalt kritisiert Belo Monte-Projekt als vorgestrig

Felício Pontes Júnior ist der brasilianische Generalstaatsanwalt und in dieser Funktion oberster Berater der brasilianischen Regierung in Rechts- und Verfassungsangelegenheiten. Er ist auch ein heftiger Kritiker des weltweit umstrittenen Staudammprojekts Belo Monte im Amazonasgebiet. Gegen den Bau des Staudamms hat er bisher 12 Rechtsverfahren eingeleitet.

Er ist der Ansicht, dass das Staudammprojekt noch aus der Zeit der Militärdiktatur stammt. “Sie haben ein vor 30 Jahren geplantes Wasserkraftwerk bis in die heutigen Tage gerettet. Das ist unmöglich, wenn man die seither abgelaufene Entwicklung in der Politik betrachtet und trotzdem halten sie noch in ihrer Planung zur Energieversorgung an einem veralteten Projekt wie diesem fest”, erklärte er vor kurzem auf einer Diskussionsveranstaltung in São Paulo und fügte hinzu: “Der brasilianische Energiesektor wird immer noch von Leuten geführt, die seit Jahrzehnten dort das Sagen haben”.

Er vertritt auch die Meinung, dass sich Brasilien mit seiner Politik im Gegensatz zu Ländern befinde, die die gleichen Voraussetzungen hätten, aber auf die verschiedenen Arten der alternativen Energien setzten. “Die brasilianische Regierung besteht darauf, dass die Wasserkraftwerke sauberen und billigen Strom produzieren. Das stimmt aber nicht. Der Strom ist nicht sauber wegen der Umweltschäden, die er verursacht und er ist auch nicht billig, weil die sozialen und umweltbedingten Kosten nicht in den Kostenvoranschlag aufgenommen wurden”, warnt Pontes Júnior.

Nach Angaben der Betreibergesellschaft von Belo Monte, Norte Energia, wird der Stausee eine Fläche von 503 qkm bedecken. Laut dem Generalstaatsanwalt werden aber nicht die Einwirkungen, die durch die 100 km lange Umleitung des Rio Xingu entstehen und die Vernichtung von 5.300 qkm Regenwald infolge des Projekts in Betracht gezogen. Ganz davon abgesehen werden die Beeinträchtigungen für die Bewohner der Region nicht miteingerechnet. Er gibt zu Bedenken: “Wieviel kosten die 100 km der großen Schleife des Rio Xingu, die zerstört werden? Was kosten die Dutzende von Fischarten, die aussterben werden?  Vielleicht wird uns die Geschichte deshalb verurteilen, weil wir nichts für die kommenden Generationen übrig gelassen haben”.

Im August hat das öffentliche Ministerium (MPF) des Bundesstaates Pará einen Prozess zum Stopp des Staudammprojekts eingeleitet. Es argumentiert damit, dass die Auswirkungen des Projekts die Rechte der Natur, die durch die Bundesverfassung geschützt sind, verletzt. Die Legitimität des Verschwindens eines beachtlichen Teil der Biodiversität in einer Region wird damit erstmals von einer Rechtsinstitution in Brasilien in Frage gestellt.

Informationsquelle:
Belo Monte resgata projeto 'retrógrado' de 30 anos

Samstag, 17. September 2011

Spanische Banken und der Verbraucherschutz


Spanische Banken haben sich zwar globalisiert, aber im eigenen Land gewisse Verhaltensweisen noch nicht abgelegt, die in die Zeit der Diktatur zurückreichen. Eines der wesentlichen Elemente dieser Zeit war die Geheimnistuerei der Obrigkeit, die in weite Teile der Wirtschaft ausstrahlte. Der Bürger hatte dem Machthabern zu dienen und nicht umgekehrt. Seine Majestät der Beamte konnte vom Volk nur über Mittelsmänner für teures Geld zu Aktionen bewegt werden.

Ähnlich verhielt es sich bei Banken, die man möglichst nur in gebeugter Haltung betreten haben sollte und sich in lange Schlangen vor der Kasse einstellen musste. Und wehe die Visage des Kunden passte dem Kassierer nicht, dann kam es vor, dass er von plötzlichem Unwohlsein geplagt, die Kasse für einige Zeit zumachte.

Nun, die schlimmsten Zeiten sind auch in den spanischen Banken vorbei, aber geblieben ist die Geheimniskrämerei bei der Gebührenberechnung. Der Kunde hat zu zahlen, was die allmächtige Bank in ihrer Weisheit von ihm verlangt. Eine transparente Gebührenberechnung gibt es nicht und da der spanische Staat den Verbraucherschutz nicht so ernst nimmt, musste erst die EU-Kommission in Brüssel energisch werden. Sie verlangt nun von der spanischen Regierung, dass sie für Transparenz im Bankenwesen sorgt.

Der spanische Journalist José Aguilar von der Zeitung "Diario de Sevilla" begrüßt das mit zorniger Ironie: „Wenn das zuständige Ministerium von den Banken verlangt, dass sie ihre Gebühren und Kommissionen öffentlich machen müssen, dann bedeutet das auch, dass jeder sie verstehen kann. Es darf nichts versteckt werden, von dem, was sie dem Kunden abverlangen, nur um mit seinem eigenen Geld Geschäfte machen zu können. Der Kunde soll im vorn hinein wissen, was auf ihn zukommt, damit er entweder auf ein Bankgeschäft verzichten oder gleich die Bank wechseln kann. Der Text soll so sein, dass es jeder versteht und nicht so platziert werden, dass er unter einer Menge Reklame und Kleingedrucktem nicht entdeckt werden kann. Die Liste der Gebühren muss öffentlich zugänglich ausgehängt werden. Bisher war das der Willkür eines jeden Filialdirektors überlassen worden, mit einem fatalen Resultat. Das Ministerium, das die Richtlinien ausarbeiten wird, sei gesegnet, aber nur wenn es darauf achtet, dass die Vorschriften eingehalten werden. Sicher werden auch damit die spanischen Banken weiterhin die teuersten Europas bleiben. Sie kassieren ja für Alles, aber wenigstens wissen wir dann wofür und womit sie uns quälen. Für manche sind das nur ein paar Euro, aber da wir ca. 20 Millionen sind, kommt da eine ganze Menge zusammen, die von den Banken kaltblütig abkassiert werden. Und man glaube ja nicht, dass sie im Laufe der Wirtschaftskrise ihren Griff auf den Kunden abgemildert haben. Da das Darlehensgeschäft völlig in die Binsen ging, haben sie ihre Gebühren zum Ausgleich kräftig erhöht. Nach Aussagen der Nationalbank von Spanien (Banco de España) wurden die Bankgebühren die letzten 6 Monaten zwischen 8% und 35% erhöht. Die Banco de Espana ist wenigstens die einzige Bank, die uns – wenn auch mit schlechten – Informationen versorgt. Die anderen provozieren uns nur.“

Donnerstag, 1. September 2011

Pferdekrieg im Donaudelta

Mitteilung der Tierschutzorganisation “Vier Pfoten”: Einem VIER PFOTEN Expertenteam ist es gelungen, 22 der Pferde, die im Mai illegal gefangen wurden, in ihren natürlichen Lebensraum in Cardon nahe Letea zurückzubringen. 19 weitere Tiere befinden sich noch in Braila, wo ein politisches Tauziehen in Gange ist, das darüber entscheidet, ob auch sie nach Letea gebracht werden können. VIER PFOTEN kümmert sich nun mit Nachdruck darum, sicherzustellen, dass auch sie bald wieder in die Freiheit entlassen werden können. Im Moment überwiegt allerdings die Erleichterung, dass der schwierige Transport erfolgreich über die Bühne ging, da er das Ende einer langwierigen, oft dramatischen Rettungsaktion, einleitet.”

Die wilden Pferde stammen aus dem Donaudelta. Die Aktion läuft in Rumänien unter dem Titel “Skandal der wilden Pferde von Letea”. “Vier Pfoten” hat die Pferde vor einiger Zeit von einem Schlachthof gerettet und in die Dobrudscha zurückgeführt. Weniger erfreut waren die Bewohner des Dorfes Letea. Sie beschuldigten Vier Pfoten, die Pferde gestohlen zu haben und sich in ihre Geschäfte einzumischen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Tierschützern und den angeblichen Eigentümern, so dass die Polizei einschreiten musste.

Nach rumänischen Presseberichten hat Vier Pfoten die Pferde im Lastwagen überführt und in ein umzäuntes Gelände gebracht. Die Dorfleute von Letea bestehen nun darauf, dass sie die Pferde aus dem umzäunten Gelände holen und verkaufen werden. Die hätten auch entsprechende Eigentumsbescheinigungen für die Pferde. Vier Pfoten behauptet hingegen, dass die Pferde von einem Verein gekauft wurden. Die Gemeindeverwaltung sagt, dass im Agrar-Register die Tiere mit einem anderen Eigentümer verzeichnet seien und dass sie nicht verkauft worden wären.

Pikant ist, dass die rumänische Tourismus-Ministerin Elena Udrea mit dem Verein Vier Pfoten eine Vereinbarung abgeschlossen hat, die eine Förderung des Schutzes der wilden Pferde im Donaudelta vorsieht. Ebenso typisch ist, dass in Rumänien der eine Politiker/in was sagt und andere das genaue Gegenteil tun. Der Direktor des Veterinärdirektion des Kreises Tulcea ist sauer, weil Vier Pfoten das Gelände, auf das die Pferde gebracht wurden, missbräuchlich nutze, denn das Gelände sei für veterinärmedizinische Aktivitäten im Delta vorgesehen. Der Bürgermeister der Gemeinde C.A. Rosetti, zu der Letea gehört, beschuldigte die Ministerin den Tierschützern ein Gelände zur Verfügung gestellt zu haben, das ihr gar nicht gehöre. Sie habe angeblich versprochen, dass sie Vier Pfoten auffordern werde, ein anderes Gelände zu suchen. Der Präfekt des Kreises Tulcea wiederum bemängelt, dass seine Behörde keine Genehmigung zur Rückführung der Pferde nach Letea gegeben habe. Er befürchtet, dass sich der Streit zwischen den Tierschützern und den Dorfbewohnern noch verschärfen werden. Er wirft Vier Pfoten vor, dass seit dem Skandal im Frühjahr, die Vereinigung nicht mehr wie versprochen mit den lokalen Behörden zusammengearbeitet habe, um das Problem der Pferde von Letea zu lösen.

Die Behörde in Tulcea erklärt des weiteren, dass sie von den Pferdeschützern umgangen wurde, denn sie verlangten von ihnen, dass die Gesetze hinsichtlich der Biodiversität des Donaudeltas respektiert werden, nicht nur die der wilden Pferde. Deshalb hätte sich die Präfektur dem Abschluss eines Protokolls über Zusammenarbeit zwischen dem Tourismusministerium und Vier Pfoten zur Förderung des Tourismus im Delta widersetzt. Die Ministerin habe dies ignoriert. Aus diesem Grund wird die Tourismusministerin beschuldigt, dem Verein dabei geholfen zu haben, dass 41 Pferde von einem Bauernhof in Brăila entkommen konnten. Die Ministerin trage mit diesem Verhalten zu einer Wiederbelegung eines kontroversen europäischen Projektes im Wert von mehreren Millionen Euro bei, das auf den Schutz dieser Pferde abzielt und ihrer Eingliederung in das Tourismusangebot abzielt. Das Projekt sei von der Vereinigung Vier Pfoten initiiert worden.

Wer hat Recht?

Siehe auch:
Die schöne Elena
Wie das Donaudelta ruiniert wurde
Verdursten im Donaudelta

Informationsquelle:
Elena Udrea a reaprins scandalul cailor din Letea – Romania Libera
Vier Pfoten