Mittwoch, 31. August 2011

Pfusch bei AKW-Bau in Frankreich

Das Kernkraftwerk Flamanville liegt an der Westküste der französischen Halbinsel Cotentin am Ärmelkanal. Das Kernkraftwerk umfasst zwei Druckwasserreaktoren und liegt etwa 20 Kilometer südlich der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague.

Seit 2004 wird auf dem Areal ein weiterer Reaktor gebaut, dieses mal ein Druckwasserreaktor der dritten Generation (Europäischer Druckwasserreaktor, EPR). Das Datum der endgültigen Inbetriebnahme wurde ständig verschoben, jetzt hofft man, dass die Stromproduktion im Jahr 2016 beginnen kann. Bisher schätzt man die Kosten auf 6 Milliarden Euro.

Wenn das mal reicht! Die französische Atomsicherheitsbehörde ASN hat in den letzten Monaten mehrfach die Rohbauten des künftigen Reaktors beanstandet. Das Satire-Magazin “le Canard enchaîné” hat heute enthüllt, dass vom 2010 bis August 2011 vier scharf gehaltene Briefe an EDF, den Bauherrn, abgesandt wurden, in der die Qualität mehrerer lebenswichtiger Konstruktionsteile des zukünftigen Reaktors kritisiert wird. Die Inspektoren sollen Löcher in den Betonstützen und Fehler in den Wänden der Abklingbecken für das radioaktive Material gefunden haben. Vergangene Woche hatte ASN mitgeteilt, das anlässlich einer Inspektion “Abweichungen” und “Schwachstellen” gefunden wurde. EDF wurde daraufhin aufgefordert “große Anstrengungen zu unternehmen, um die Qualität der Konstruktion sicherzustellen.”

Aber wir sollten beruhigt sein: Reaktor-Konstrukteur AREVA freut sich über die Fortschrittlichkeit des neuen Projekts: “Der EPR™ ist ein großer fortschrittlicher Druckwasserreaktor. Er wurde von AREVA entwickelt, um dem Bedarf der Energieversorger weltweit für eine neue Generation von Kernkraftwerken mit nochmals verbesserter Sicherheit und Wirtschaftlichkeit – auch als Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung – gerecht zu werden. Als einziger Reaktor der Generation III+ befindet sich der EPR™ im Bau: Er wird gegenwärtig in Finnland, Frankreich und China errichtet.”

Informationsquelle:
EPR de Flamanville: le gendarme du nucléaire relève des malfaçons dans le gros oeuvre

Dienstag, 30. August 2011

Die Kikos schwärmen aus und bekehren

Kiko Argüello ist ein hundertprozentiger Katholik, seiner Berufung nach Künstler und Gründer des “Neukatechumenischen Weges” (Camino Neocatecumenal). Abgekürzt werden seine Anhänger “Los Kikos” genannt. Seine Bewegung hat er in der 60er Jahren in Spanien gegründet. Heute manifestiert sie sich so:

“Ich bin nicht verückt! Der Herr hat mir gesagt, du musst mir 20.000 Priester für China vorbereiten. Und hier sind 300.000!” Eine große Menge Jugendlicher, die Kiko Argüello während des katholischen Weltjugendtages in Madrid zuhören, springen auf und rennen zum Altar von Cibles. Dieses Spektakel zeigte sehr gut den Stil und die Effektivität des Camino Neocatecumenal, der Armee der neuen Evangelisierung der Katholischen Kirche in der Welt.

Ist sie eine katholische Sekte? Die beste Veranlagung dazu hat die Gruppierung. Eine Mischung aus Hysterie und Massenpsychose, ein Führer – Argüello wird auch gerne “lider” (Führer) genannt –, Geheimnistuerei, das sind die besten Voraussetzungen für eine fanatische Gruppierung, die man Sekte nennen kann. Zumindest bei der vorzitierten Messe in Madrid stand der spanische Kardinal Rouco Varela lächelnd daneben, denn die “Kikos” haben versprochen, dass ab sofort 5.000 junge Männer und 2.300 Mädchen in eine Besinnungsphase eintreten werden, um sich für den Beruf eines Priester oder Nonne zu entscheiden. Nachwuchs braucht die spanische Kirche ja, egal woher. Zwar erkennen erfahrungsgemäß bestenfalls 10% ihre “Berufung”, aber an diesem Abend geht es um die Show: “Hier sind wir, bereit für Christus” ruft Arguello aus.

Die “Kikos” sind inzwischen zu einer Macht in der katholischen Kirche herangewachsen. Dem “Opus Dei”  sollen sie schon den ersten Rang abgelaufen haben. Der Vatikan hat die Statuten der Bewegung 2002 genehmigt. Die Bewegung soll missionieren, nicht nur bei den Ungläubigen, sondern auch bei den “lauen” Katholiken und anderen christlichen Religionen. Dabei gehen sie ähnlich wie die Evangelikalen in den USA vor. Ihre Stärke liegt in der Mobilisierung der Massen. Die spanischen Kirchenfürsten können sich auf die “Kikos” verlassen, am Weltjugendtag haben sie mit ihren Massen für die Jubelorgien gesorgt und sie sind bei Demonstrationen gegen die Regierung ein verlässlicher Stoßtrupp.

Inzwischen nehmen sie weltweit die Bischöfe in die Zange, um sie auf den rechten Weg zu bringen und im Vatikan gewinnen sie immer mehr an Einfluss. Der Papst, dem die Evangelisation sehr am Herzen liegt, schätzte die Bewegung, bekommt aber inzwischen wohl doch kalte Füße. Er bemängelt bei ihnen “Lehr- und Liturgiefehler” und auch den übertriebenen Führerkult.

Die “Kikos”, deren Ursprung in den Armenvierteln von Madrid liegt, haben kein Vermögen. Sie leben von “Almosen”. Man weiß nicht wie sie intern funktionieren. Seit der Anerkennung ihrer Statuten weiß man etwas mehr von ihnen, es soll aber äußerst schwierig sein, Zugang zu ihren Treffen zu bekommen. Der Führerkult ist unübersehbar, eine interne Opposition gibt es nicht.

Eine ehemalige Angehörige der Bewegung berichtet: “Ich bin beim “Camino” wegen einer Familienkrise eingetreten. Mein Ehemann war drogenabhängig und ich wusste nicht, was ich tun sollte. In meiner Pfarrei gab es eine Gemeinschaft und es ist wahr, dass die mir sehr geholfen haben. Am Anfang war alles gut. Aber im Laufe der Zeit merkten wir, dass wir nur noch unter uns waren, dass wir einen Teil unseres Lohnes abgeben mussten und nicht mit anderen Personen von ausserhalb über unsere Gottesdienste sprechen durften.” Fast alle, die die Bewegung verlassen haben, wollen nicht über ihre Zeit bei den “Kikos” sprechen. Die Armee der neuen Evangelisierung verfügt unter den Abtrünnigen nur über sehr wenig Sympathie.

Siehe auch:
Botschaft an die spanische Jugend: Glaubt an Christus und alles wird gut!
Die empörte Jugend bereitet sich auf den Papst vor

Informationsquelle:
El ejército de la nueva evangelización – público.es

Freitag, 26. August 2011

Kaiowá und Guarani haben die Nase voll

Die brasilianischen Indio-Völker der Kaiowá und Guarani haben sich in diesen Tagen im Indio-Gebiet Passo Pirajú, in der Gemeinde von  Dourados des Bundesstaates Mato Grosso do Sul versammelt und ein Manifest verabschiedet, das ich hiermit teilweise wiedergebe:

“Die Völker der Kaiowá und Guarani haben viel Besuch bekommen durch den MPF, FUNAI (brasilianische Behörde für Indios), von Vertretern der Bundespolizei und der Bundesregierung und Abgeordneten, die sich unsere Forderung zur endgültigen Festlegung unserer Gebiete angehört haben. Wir werden keinen Rückschritt in unseren Rechten akzeptieren. Die Behörden FUNAI und MPF haben uns über den Fortgang der Identifizierung unseres Territoriums informiert und sagten, dass ein Teil der Berichte dazu noch in diesem Jahr erscheinen würde und ein Teil zu Beginn des kommenden Jahres. Seit der TAC (eine Art Schlichtungsvereinbarung) durch den MPF und FUNAI 2007 unterschrieben wurde, haben sie uns auf jedem Aty Guasu (Versammlung der Indios) erzählt, dass die Fristen eingehalten werden, aber dies ist nie geschehen. Unser Volk glaubt diesen Versprechungen nicht mehr und wir tolerieren es nicht, weiterhin an der Nase herumgeführt zu werden und Entwicklungen hinzunehmen, die unsere Rechte verletzen. Wir wollen, dass die Berichte jetzt im offiziellen Gesetzblatt der Union veröffentlicht werden, noch in diesem Jahr 2011.

Infolge der Nichterfüllung des Gesetzes mit der Garantie für unsere Territorien, leben wir mit der Situation einer ständigen Gewalt in unseren Dörfern. Dutzende unserer Führer wurden ermordet, ohne dass irgendjemand bestraft wurde. Die Straflosigkeit führt zu neuen Aggressionen und Toten gegen unser Volk. Wir verweisen auf die kürzliche Gewalttat gegen unsere Brüder von Terena de Miranda, wo ein Schulbus angezündete wurde und die Schüler und der Fahrer dabei schwer verletzt wurden.

Wir weisen auch daraufhin, dass während unserer Aty Guasu mit Datum von gestern (23. August) gegen 22:30 Uhr eine Schiesserei gegen hunderte von Mitgliedern unseres Volkes begann, in einem klaren Versuch uns einzuschüchtern und zu terrorisieren. Die Schüsse kamen aus einem bekannten Ort, der sich Rancho Toca do Lobo nennt und in der Nähe unseres Territoriums liegt. Er wurde von einem Gutsbesitzer eingerichtet und war eigentlich für die Polizei von Douradas bestimmt. Wir haben das schon mehrfach angezeigt und werden es weiterhin tun.

Wir fragen uns: Was werden die Behörden angesichts hunderter von Augenzeugen tun, um die Aggressoren festzunehmen und zu bestrafen und mit ihnen zusammen den Gutsbesitzer, der die Anwesenheit der Aggressoren an diesem Ort zuließ. Oder soll ein weiterer Indio sterben bis sich etwas tut? Dies macht uns glauben, dass die Behörden sich  nicht besonders um unsere Völker sorgen, sondern eher ein schändliches Desinteresse zeigen.

Wir Völker der Kaiowá Guarani sind dabei, das uns geschichtlich gehörende Territorium zurückzuholen und dafür müssen wir Gewalttätigkeiten von Gutsbesitzern und lokalen Pistoleros erleiden, so wie es vergangene Woche bei tekohá Mbakarak und Puelito Kue in der Gemeinde Iguatemi geschah. Wir sind ein Volk mit großer Stärke, Spiritualität und Hoffnung, die von unserer Erfahrung und unserem Leiden auf der Suche nach unserem Land gezeichnet ist.

Sie haben den Reichtum unserer Natur zerstört, unsere Flüsse und Wälder, um Soja und Zuckerrohr anzubauen und Viehzucht zu betreiben. Ein Ochse in Mato Grosso besitzt wesentlich mehr Land als ein Indio der Kaiowá und Guarani. Sie behandeln unser Volk mit Rassismus und Vorurteilen. Sie kennen nicht unsere Kultur und unsere Kenntnisse der Bearbeitung unseres Landes. Sie verstehen nicht, dass die Erde für uns heilig und kein Konsumobjekt ist, kein Handelsprodukt, dass Gewinn produzieren soll. Was wir heute erleben ist in erster Linie Gewalt und das Fehlen von Nahrungsmitteln, weil uns unser Boden und der Wald fehlt. Wir wollen, dass unsere Territorien festgelegt werden! Außerdem wollen wir, dass die Bundesregierung in unserem Territorium Projekte zur Wiederherstellung der Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung fördert. Bundesmittel werden benötigt zur Produktion von Nahrungsmitteln, Wiederaufforstung und Erholung der Erde, Zugang zu Gerätschaften, Wissen und Technologie. Wir werden unsere Territorien wieder besetzen, damit unsere Wälder wieder wachsen und unsere Bäche wieder fließen. Sie werden es nie schaffen, uns zum Schweigen zu bringen oder zu erreichen, dass wir mit unserem Kampf um unser Land aufhören!

Die Regierung Lula hatte 8 Jahre, um ihre Versprechungen zu erfüllen und hat nichts getan! Dilma hat bisher auch nichts getan. Der Gouverneur André Puccinelli ist berühmt dafür, dass er unsere Recht nicht anerkennt. Die betrügen, belügen uns und machen uns Hoffnungen. Sie haben aber keine Ahnung wie wir uns fühlen auch wenn wir ihnen dazu schon mehrere Dokumente und Klagen übergeben haben.

Von der Justiz können wir nichts erwarten. Es ist eine Schande für die Welt Hunderte von Menschen vom Rand der Straße durch Gewaltanwendung der Polizei und Gutsbesitzer vertreiben zu lassen, gegen jedes Menschenrecht wie sie in internationalen Gesetzen und unserer Verfassung garantiert sind. Die Justiz verteidigt nur die Interessen eines halben Dutzend reicher Gutsbesitzer und der Politiker von Mato Grosso do Sul. Wir wollen, dass die Gerichte und der Nationalrat der Justiz eine gesonderte und spezielle Struktur für die Lösung der indigenen Problematik aufbauen, mit der auf unsere Anliegen eingegangen wird. Dies gilt auch für die Bundespolizei.

Die Bewegung der Indios versteht, dass die Lösung der Landfrage entsprechend den Vorgaben der Verfassung durchgeführt und dass ein Regelwerk für die Entschädigungen nach der Landübergabe der indigenen Territorien sorgen muss. Deshalb soll der Nationalrat der Justiz über die Kommission, die zur Lösung der indigenen Problematik in Mato Grosso do Sul geschaffen wurde, sich jetzt sofort daran machen, ein unverzügliche Lösung für die indigenen Territorien mit der Festlegung deren Grenzen zu finden. Gleichzeitig soll er Regeln für die Entschädigung der derzeitigen nicht-indigenen Bewohner, die diese Gebiete verlassen müssen, erlassen.”

Dourados-MS, Terra Indígena Passo Pirajú, 21 August 2011.

Informationsquelle:
MANIFESTO DO POVO KAIOWÁ E GUARANI - ATY GUASU - TERRA INDÍGENA DE PASSO PIRAJÚ. – cmi brasil

Mittwoch, 24. August 2011

Warum der 23. August für die Rumänen wichtig sein soll

“Der 23. August ist unter zwei Gesichtspunkten für die Rumänen wichtig. Am 23. August 1939 wurde der berühmte Ribbentrop-Molotow-Pakt in Moskau unterzeichnet. Der Vertrag war ein Markstein in der europäischen Geschichte und im Geheimprotokoll zum Vertrag wurde Bessarabien erwähnt. Dieser Pakt bereitete für die Rumänen den psychologischen Schock des Sommers 1940 vor. An zweiter Stelle hat Rumänien am 23. August 1944 im 2. Weltkrieg die Seite gewechselt und kämpfte jetzt zusammen mit den Alliierten gegen die ehemaligen Verbündeten, die Deutschen.” Dies ist die Darstellung des Geschichtsprofessors Mihai Manea, der bedauert, dass dieser Tag für die Rumänen kein Festtag mehr ist.

Heutzutage weiß die Mehrheit der rumänischen Jugendlichen nichts mehr über diesen Feiertag. Geschichtsprofessor Manea bedauert, dass die Rumänen damit ein gesellschaftliches Gemeinschaftsgefühl über einen nationalen Feiertag verloren haben. Die Rumänen erinnern sich an diesen Tag als den Tag, an dem sie dem geliebten Führer Nicolae Ceausescu zujubeln mussten.

Damit die Jugend wieder auf die Spur kommt, berichtet er nochmals davon wie es damals war als dieser Tag ein großer nationaler Feiertag war: “Der 23. August war bis 1989 der rumänische Nationalfeiertag. Die junge Generation sollte wissen, wie sehr man sich für die Feiern vorbereiten musste. Es war eine Riesen-Show zur Glorifizierung des Führers. Schüler, Künstler und Fabrikarbeiter waren verpflichtet an den Manifestationen zu Ehren des Diktatorenehepaars teilzunehmen. Ich erinnere mich, dass ich über den Fliegerplatz (Piaţa Aviatorilor), wo die Ehrentribüne stand, gekleidet in einen roten Trainingsanzug mit einer riesigen Standarte paradieren musste. Die Standarte war so groß und schwer, dass ich sie mit beiden Händen halten musste. Die Strecke musste ich mehrmals in derselben Form passieren. Die aktiven Genossen waren sehr aufmerksam, dass alles perfekt ablief”.

Diese Erzählung dürfte die jungen Rumänen eher erschrecken. Sie tröstet nun der Geschichtsprofessor damit, das nach der Huldigung an den großen Diktator damals für die Teilnehmer die große Sause begann: “Nach den Manifestationen begann das wahre Fest. Entlang der Straße gab es tonnenweise Mici (gegrillte Hacklfleischröllchen), Eugenii (Keks mit Schokoladenfüllung) und Pepsi. Ich habe meine Standarte irgendwo stehen lassen und mich über die Mici hergemacht. Am Tag danach hat mich kein Mensch mehr gefragt, wo ich die Standarte gelassen haben. Irgendwie hatte man sich nach den Manifestationen von den Jubelparaden abgekoppelt und sich nur noch jenes Tages erfreut. Der 23. August blieb in Erinnerung als ein Tag der Musik und der gegrillten Köstlichkeiten. Vielleich ist dies jetzt ein idyllische Bild für viele, aber diejenigen, die in den Stadions in der kommunistischen Zeit gearbeitet haben, werden diesen Feiertag nie vergessen”.

Informationsquelle:
Cum se sărbătorea 23 august înainte de 1989. Care este semnificaţia zilei

Dienstag, 23. August 2011

Der Geisterflughafen am Fuß der Pyrenäen

Huesca ist eine Stadt in der spanischen autonomen Region Aragón. Sie liegt am Fuß der südlichen Zentralpyrenäen und ist stolzer Besitzer eines Flughafens. Dieser wurde vor 4 Jahren eingeweiht, die spanische Regierung hatte dafür 40 Millionen Euro ausgegeben.

Die Entwicklung der Passagierzahlen, die Huesca ansteuerten nahm allerdings eine deprimierende Entwicklung. Im vergangenen Monat Juli landeten hier nur 15 Passagiere. Vor lauter Schreck ist auch noch die letzte Fluggesellschaft, die Huesca bisher anflog, die Fluglinie “Pyrenair”, abgesprungen und hat seine Flüge nach Huesca eingestellt. 20 Beschäftigte des Flughafens warten seitdem gelangweilt auf Kundschaft. Trotzdem will AENA, der Betreiber spanischer Flughäfen, das Personal vorläufig halten.

Dabei war alles ganz anders gedacht. Die verantwortlichen Politiker träumten von Huesca als einen wichtigen Verbindungsknoten der die Zentralpyrenäen mit der Welt verbinden sollte. Man hoffte vor allem auf Touristen, die im Rahmen von Gruppenreisen die Pyrenäen kennen lernen wollten. Wobei besondere Erwartungen auf den Winter gelegt wurden, wo man auf Schi-Touristen für  die Schi-Stationen in den Pyrenäen hoffte. Es blieb bei der Hoffnung. Auch Versuche der Regierung von Aragón, einen Flug wöchentlich von London nach Huesca zu garantieren, führte zu einem finanziellen Fiasko.

Zudem gab es noch einen Schildbürgerstreich beim Bau des Flughafens. Der naheliegende Segelflughafen kam der Hauptpiste zu nahe. Bei der Planung wurde dies nicht berücksichtigt. Später verlangte die Flugsicherungsbehörde eine neue Piste für die Segler, was noch zusätzliche Kosten verursachte.

Die Zukunft des Flughafens hängt nun in der Luft. Aragón hat eine neue Regierung. Die konservative Partido Popular hatte die lokalen Sozialisten abgelöst. Sie erklärt nun, dass der Flughafen ein noch zu lösendes Problem sei. Dabei gehe man davon aus, dass es sich um ein Problem “von speziellem Interesse” handle.

Informationsquelle:

Aena mantiene el aeropuerto de Huesca pese a que sólo acogió a 15 viajeros en julio

Sonntag, 21. August 2011

Balconing - idiotisch, aber gut fürs Internet

Das neueste prickelnde Ferienerlebnis von Jugendlichen an spanischen Ferienorten ist das “Balconing”. Unter Anfeuerungsrufen ihrer Kumpane springen Jugendliche aus ihren Hotelzimmerballkonen und versuchen dabei das unten liegende Schwimmbecken zu treffen. Selbstverständlich sind die Handys auf Video geschaltet und halten diese denkwürdige Tat für die Öffentlichkeit im Internet fest.


Auf den Balearen haben es auf diese Weise 3 Jugendliche dieses Jahr geschafft, sich aus dem Leben zu befördern. 10 sind dabei schwer verletzt worden. In der Regel haben die Betroffenen dabei noch eine große Restmenge Allkohol im Blut gehabt. Während früher Touristen unfreiwillig über die niedrigen spanischen Balkonbrüstungen fielen, wird diese Barrikade jetzt freiwillig genommen. Der letzte Fall war der einer 20-jährigen Italienerin, die aus dem 4. Stock ihres Hotels sprang und das Schwimmbecken nicht traf. Sie weilt nicht mehr unter uns.


Besonders beliebt ist die Mutprobe bei den Alkoholexzessen in Mallorca und Ibiza. Die Verantwortlichen sind ratlos. Etwas “unscharf” erklärt die balearische Regierung, dass man zusammen mit dem Hotelgewerbe Maßnahmen überlege, da diese Exzesse auch den Ruf des Tourismus auf den Balearen schädigen würden. Weit ist man bei den Überlegungen aber nicht gekommen, denn schließlich verdient man auch an den Alkoholexzessen und dem Touristenpöbel, der an nichts anderes denkt, als sich einmal richtig auszutoben. Langfristig ruiniert man mit dieser Art von Tourismus seinen Ruf. Man hat es schon einmal gehabt auf den Balearen als man dann dem Billigtourismus den Kampf angesagt hat. Aber das hat man schon längst wieder vergessen.


Somit sind Vorschläge wie Vergitterung der Balkone auf Ablehnung gestoßen, denn man könne die Touristen doch nicht einsperren. Ein guter Rat ist aber doch da und der wäre, dass man die Jugendlichen in ihren Heimatländern besser aufklären solle, dass Balkonspringen gefährlich sei. Bescheidene Frage: Sind die Jugendlichen wirklich so doof, dass sie das nicht wissen? Wie wäre es stattdessen mit Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch? Die spanische Industrie für Hochprozentiges ist doch äußerst erpicht auf hohe Verkaufszahlen. Denn Alkohol gibt es in Überfülle. Der “Schnapps” muss irgendwie an den Mann gebracht werden. Vermutlich ist er ganz einfach zu billig.

Juan Luis schreibt auf der Seite “Espana, por descubrir”: “Logischerweise gibt das ein sehr schlechtes Bild von den Balearen unter anderem, weil die Touristen denken, das ist etwas Erlaubtes und sie kommen deswegen nicht mehr auf die Inseln. Deswegen versucht man von Seiten der Balearen aus dem entgegen zu wirken, obwohl man weiß, dass es nicht leicht ist, jemanden davon abzuhalten, vom Balkon zu springen. Es gibt Personen, die sich der Gefahr dieses Tuns nicht bewusst sind, insbesondere, wenn sie betrunken sind.

Und hier noch eine Meinung eines Lesers der Zeitung “El Pais”: “Die Balearen sind das Touristen-Puff par excellence in Europa. Diese Typen machen, was sie wollen und tun so wie wenn die Inseln ihnen gehören würden. Es ist schade, dass sich nicht mehr von diesen Kretins umbringen!! Nebenbei: Ich wohne in Palma, im Viertel Son Armadans.”

Informationsquelle:
El 'balconing' vuelve a matar en Baleares – El Pais

Donnerstag, 18. August 2011

Rio de Janeiro im Griff der Milizen

Zwar hat Rio de Janeiro im Kampf gegen die Bandenkriminalität Fortschritte gemacht, aber eine andere kriminelle Gruppierung, die aus den Kreisen der Polizei kommt, hat die Stadt weiterhin bestens im Griff. Es sind die Milizen, die zu großen Teilen aus Polizisten oder Ex-Polizisten bestehen. Man schätzt, dass noch ungefähr 130 Stadtbezirke von Rio durch die Milizen kontrolliert werden. Sie sind im Drogenhandel tätig und terrorisieren in ähnlichem Stil wie die Drogenbanden die Bevölkerung.

Am vergangenen Freitag wurde in Rio die Richterin Patricia Acioli erschossen. Sie war 47 Jahre alt und bekannt für ihre harte Linie gegenüber kriminellen Polizisten und wurde deshalb auch der “schwere Hammer” genannt. Sie wurde mit 21 Schüssen umgebracht als sie ihr Haus in Niterói betrat. Die Munition, mit der sie erschossen wurde, waren Kaliber 45 und 40. Diese Art von Munition wird exklusiv von der Armee und der Polizei in Brasilien benutzt. “Die Nutzung dieses Kalibers ist so etwas wie eine Unterschrift. Die Mörder wollten uns damit sagen, dass das Verbrechen von den Milizen begangen wurden. Sie wollten eine Warnung hinterlassen”, schätzt ein Polizist, der nicht genannt werden will, die Sachlage ein.

Patrícia Acioli arbeitet seit 1999 im 4. Strafgerichtshof von São Gonçalo, einer der gewalttätigsten Gemeinden der Metropolregion von Rio. Ihr Schwerpunkt war Bekämpfung der Milizen und der Todeskommandos sowie der illegalen Ausbeutung von Passagiertransporten. Es ist bekannt, dass diese Bereiche überwiegend von Polizisten und Ex-Polizisten betrieben wurde. Die Richterin interessierte sich vor allem auch für Fälle, in denen sich Polizisten bei Verhaftungen wegen Widerstandes auf Notwehr beriefen, um so ihre Gegner leichter exekutieren zu können. In diesem Zusammenhang verurteilte sie mindestens 60 Polizisten in den letzten 10 Jahren.

Der geplante Anschlag auf die Richterin war der Polizei bekannt. Es waren Telefongespräche abgehört worden, in der die “Mafia de Vans” (Mafia der Kleinbusse), die den illegalen Personentransport in São Gonçalo beherrschte, den Mordplan ausheckte. Die Chefs dieser Mafia saßen alle in Untersuchungshaft und trotz der Drohungen gab sie einem Antrag auf Freilassung nicht statt. Eigentlich hatte sie eine Leibgarde von 6 Sicherheitsbeamten, die aber zum Tatzeitpunkt seltsamerweise nicht anwesend waren.

Die Untersuchungen haben inzwischen ergeben, dass man mit ziemlicher Sicherheit das Verbrechen den Milizionären zuschreiben kann. Der Präsident der Richtervereinigung von Rio bestätigte, dass mindestens 12 Personen an dem Verbrechen teilgenommen hatten. Er fügte hinzu: “Die Richterin wurde ein Opfer von kriminellen Organisationen und eines Strafprozess-Systems, bei dem die Verbrechen abgeurteilt werden und durch die Vordertür hinausgehen, zusammen mit der Familie der Opfer”.

Für Kenner ist die Situation in Rio besorgniserregend. Besonders besorgniserregend, weil die Kriminellen von Politikern im Rahmen von “Schutz-Geschäften” gedeckt werden. So befinden sich in Rio zur Zeit Politiker wie der Ex-Abgeordnete Natalino José Guimarães  und sein Bruder, sowie der Stadtabgeordnete Jerônimo Guimarães Filho,  Jerominho genannt, in Haft. Sie wurden festgenommen, weil sie Mitglieder der Miliz “Liga da Justiça” (Liga der Justiz), die ihr Tätigkeitsfeld im Westen von Rio hatte, waren.

Siehe auch:
Nach der Schlacht ist vor der Schlacht
Saubere Beschützer oder rettet mich vor der Bürgerwehr!
Informationsquelle:
Assassinato de juíza expõe desafio das milícias do Rio à autoridade do Estado

Dienstag, 16. August 2011

Bürgerinitiative gegen Goldgräber

In “Roșia Montană”, einem Ort im zentralrumänischen Apuseni-Gebirge, gibt es Gold. Gold, das die Firmengruppe “Roșia Montană Gold Corporation” (RMGC; größtenteils im Besitz eines kanadischen Bergbaukonzerns) im Tagebau abbauen will. Das Projekt ist höchst umstritten. Die rumänische Regierung ist allerdings dem Konzern voll zu Diensten.

Nicht so Umweltgruppen und Teile der Bevölkerung. Dieser Tage trafen sich viele Bürgerinnen und Bürger auf dem “Fân Fest” und verabschiedeten nach gemeinsamen Debatten und Treffen eine Resolution mit der Forderung “Rettet Roșia Montană”. Sie stellen dabei fest, dass das Bergbauprojekt eine wertvolle Landschaft unwiderruflich zerstören wird. Sie stellen auch fest, dass es genügend Alternativen gibt, um die Region voran zu bringen. Sie heben dabei 3 Punkte hervor:

1. Der besondere Wert der Landschaft von Roșia Montana würde es ermöglichen die Region zum kulturellen, natürlich und immateriellen Erbe der Menschheit zu erklären. Die Region ist bereits vielfach von nationalen und internationalen Organisationen ausgezeichnet worden. Diese Organisationen haben die rumänische Regierung aufgefordert, die Region von der UNESCO zum Kulturerbe ausrufen zu lassen. Die rumänische Regierung hat diese Forderungen bisher ignoriert. Ein Erhalt der natürlichen Potentiale der Region würde eine nachhaltige Entwicklung möglich machen und Arbeitsplätze für die Bewohner zu schaffen.

2. Der zukünftige Betreiber RMGC ist bekannt für seine Lügen. Er hat die Massenmedien manipuliert. Mit viel Geld wird versucht, die öffentliche Meinung zu kontrollieren und kritische Stimmen zu unterdrücken. Die lügenhafte Propaganda wurde bereits vor die ethische Kommission der rumänischen Rates gebracht. Aus diesem Grund wurde auch die größte Protestveranstaltung Rumäniens, das “Fan Fest”, von den rumänischen Medien weitgehend totgeschwiegen.

3. Die bisherigen Arbeiten der RMGC finden weitgehend illegal statt. Der Nationalrat für Archäologie hat die Genehmigung zum Beginn der Arbeiten im Cârnic-Massiv erteilt, obwohl ein laufendes Gerichtsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Für den Umbau der Straßen innerhalb des Projekts wurde von der rumänischen Regierung ein neues Bergbau-Gesetz durch den Senat gepeitscht, über das das Abgeordnetenhaus im Herbst abstimmen soll. Das Gesetz wichtige Bestimmungen über den Schutz kultureller und nationaler Güter außer Kraft. Großen Teilen der Bevölkerung in der Umgebung des Tagebaus werden Einspruchsrechte genommen.

Gegen die Bürgerinitiative traten etwa 500 Mitglieder der Bergbaugewerkschaft an. Sie sprechen der Bürgerinitiative das Recht ab, für die Region zu sprechen. Die Argumente der Minenarbeiter beziehen sich nur auf die Möglichkeit, Geld zu machen. Die Nachteile für die Region werden nicht wahrgenommen.

Siehe auch:
Nach Chemieunfall in Ungarn Zähneklappern in Rumänien

Informationsquelle:
Declaraţia comună de la Roşia Montană – Adevarul

Montag, 15. August 2011

Korruption auf brasilianisch

Blogger Fabio Mayer gibt in seinem Blog einen aufschlussreichen Bericht über das Phänomen der brasilianischen Korruption unter dem Titel “Das brasilianische Volk sorgt sich nicht um die Korruption”. Seine Erläuterung dazu gebe ich nachstehend übersetzt wieder:

“Die Korruption in Brasilien ist eine Angelegenheit der Angehörigen der mittleren und höheren Gesellschaftsklassen, die Zeitungen und Zeitschriften lesen oder sich auf Nachrichtenseiten im Internet informieren, in denen politische Vorgänge in Blogs und sozialen Netzwerken debattiert werden. Die große Mehrheit des Volks diskutiert diese Themen nicht und macht sich auch keine Gedanken dazu. Die Masse des Volkes, die große Mehrheit der Menschen ist unfähig einen Korrupten zu identifizieren und noch weniger ihre Existenz der Inkompetenz eines Regierenden, sei es nun Lula oder Fernando Henrique Cardoso und noch weniger Dilma Roussef, deren Haltung gegenüber dem Angriff auf die öffentlichen Kassen wesentlich offener und ehrlicher ist als bei ihren Vorgängern, zuzuordnen.

Im Hinblick auf eine gute wirtschaftliche Situation, der leichten Möglichkeit auf Kredit irgendwelchen Plunder zu kaufen, interessiert sich die Volksmasse eine feuchten Kehricht um die Korruption. Das Volk springt, wo es möglich ist auf den “Zug der Fröhlichkeit” auf, der mit öffentlichen Geldern finanziert wird, um die Leute bei Laune zu halten. Es tut dies, weil es von Kindsbeinen an die falsche Einstellung gelernt hat, dass es gut ist sich an den Staat anzulehnen, um damit der Arbeit aus dem Weg gehen zu können. 

Der Brasilianer kümmert sich nicht um die Korruption, auch wenn die Präsidentin Dilma Roussef an Popularität verliert, und wenn ein Teil der Bevölkerung in irgendeiner Form sich vom wirtschaftlichen Fortschritt abgeschnitten fühlt oder zumindest psychologisch den Effekt der internationalen Wirtschaftskrise merkt, auch wenn die Krise hier bei uns noch nicht voll durchgeschlagen hat.

Die Korruption ist nicht und war nie auf der politischen Agenda des Durchschnittsbrasilianers, der nie aufgehört hat, Politiker mit anrüchiger Vergangenheit zu wählen und der, wenn er die Möglichkeit hat, nicht auf Attacken gegen den Staat und seine öffentlichen Gelder verzichtet, nur um persönlichen Vorteile daraus zu ziehen.”

Informationsquelle:
O POVO BRASILEIRO NÃO SE PREOCUPA COM A CORRUPÇÃO – Blog Fábio Mayer

Samstag, 13. August 2011

Großbritanniens wildgewordene Kinder

Eine erstaunte Welt schaute in den vergangenen Tagen auf Großbritannien, wo Minderjährige ganze Stadtteile in Angst und Entsetzen versetzten. Man war es nicht gewöhnt, aus dem Land des von Margret Thatcher auf Kapitalismus getrimmten Volkes schlechtes zu hören. Dass die Finanzkrise Großbritannien besonders hart traf, war schon ein Zeichen, dass man dort die Falschen hochgepäppelt hatte. Die Absahner, Abzocker und die schon immer Reichen machten ihren Reibach und das hielt so lange an, wie die breiter wertende Mittelklasse auch noch ihre Almosen abbekam. Nachdem das ganze Gebäude der hochgelobten neuen Dienstleistungsgesellschaft ins Wanken geriet, kamen auch sofort die alten Risse der Insel-Gesellschaft wieder zu Tage.

Die Unruhen, die letzte Woche von Tottenham ausgingen, einem Stadtteil mit der höchsten Arbeitslosen-Rate Londons, waren auf die Erschießung eines 26 jährigen Schwarzen durch die Polizei zurückzuführen. Der Anlass wirft einen bezeichnendes Licht auf den Stand der zwischenrassigen Beziehungen in dem Land. Schwarze haben dort die Chance 26 mal öfter festgehalten und untersucht zu werden als Weiße. Das “Anhalten und Untersuchen” (stop-and-search) ist auf Grund eines Gesetzes aus dem Jahre 1994 jederzeit möglich. Es war damals zu Bekämpfung von Fußball-Hooligans erlassen worden. Auf Grund dieses Gesetzes kann die Polizei jederzeit ohne konkreten Verdacht Personen festhalten und untersuchen. Wurden 1997/98 noch 7.970 Stop and Search-Aktionen verzeichnet, stieg die Zahl 2007/08 steil auf 53.250 und auf 149.955 im Jahr 2008/09 an. Die Zahl der dabei festgehaltenen Schwarzen erhöhte sich in diesem Zeitraum um mehr als 650%.

Schon diese Entwicklung zeigt, dass etwas “faul” ist im Königreich. Umso spektakulärer, dass die verantwortlichen Politiker die Geschehnisse nur auf ein paar wildgewordene Teenager, die man mit aller Härte bestrafen will, zurückführen. Andere sind der Ansicht, dass sich nicht viel in Großbritannien geändert hat. Die Polizei ist rassistisch und gewalttätig und wie die neuesten Enthüllungen im “News of  the World”- Skandal zeigen, nicht abgeneigt, sich von gesellschaftlich mächtigen Gruppen korrumpieren zu lassen. Die Mär vom freundlichen “Bobby” stammt ohnehin aus beschönigenden Englisch-Lehrbüchern. Wer in den letzten Jahrzehnten einmal ein englisches Fußballspiel besuchte, könnte die erschreckende Erfahrung gemacht haben, dass die berittene Polizei ohne erkennbaren Grund auf eine in Schlange zur U-Bahn aufgestellte Menge einprügelte. Egal, ob man nun nur ein friedlicher Mensch waren, der zur U-Bahn-Station wollte oder ein randalierender Fußballanhänger, der Knüppel traf alle.

Am Tag nach der schlimmsten Nacht der Zusammenrottungen wurde Darcus Howe, ein aus Trinidad stammender 67 Jahre alter Journalist und Zeitungsherausgeber von einer schnöseligen Reporterin in den BBC-Nachrichten interviewt. Howe hatte die Frechheit nicht die von der BBC-Journalistin erwartete Verdammung der Unruhen herunterzuleiern. Er zog eine Verbindung von den Aufständen im mittleren Osten und fügte hinzu, dass er vor kurzem seinen Sohn fragte,  wie oft er von der Polizei angehalten und durchsucht wurde. Worauf ihm dieser antwortete, dass dies so oft passiert sei, dass es sich gar nicht lohne, sie zu zählen. Nachdem die Journalistin nicht bekam, was sie wollte wurde sie pampig und sagte ihm: “Sie haben wohl selbst schon an Zusammenrottungen teilgenommen, wenn ich sie richtig verstanden habe. Haben sie selbst schon teilgenommen?” Worauf Howe empört antwortete: “Ich habe nie an einer einzigen Zusammenrottung teilgenommen. Ich war bei einer Demonstration dabei, die in einem Konflikt endete. Bitte haben sie etwas Respekt für einen alten westindischen Neger und hören sie auf damit, mich als Plünderer und Gewalttäter hinzustellen. Sie hören sich richtig idiotisch an – haben sie bitte Respekt.” Die BBC entschuldigte sich später für den Ausrutscher ihrer Moderatorin.

Aber das Verhalten von Medien und Politikern zeigt doch, wohin der Hase laufen soll. Alles war eine einmaliger Vorfall und die Täter müssen die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Dann Deckel drauf und hoffen, dass es nicht so schnell wieder kracht. Ursachenforschung? Das ist nicht so beliebt, denn man würde dann erkennen, dass die soziale und wirtschaftliche Struktur des Landes auf wackligem Fundament steht. Ein neues Fundament würde harte Einschnitte nicht nur bei den ohnehin Perspektivlosen erfordern.

Informationsquelle:
We all own the violence – NewStatesman

Montag, 8. August 2011

Die Paläste und das luxuriöse Leben der Roma von Hunedoara

Es gibt nicht nur arme Menschen der Ethnie Roma, sondern auch sehr reiche. Und es gehört zur Tradition dieses Volkes, Reichtum zu zeigen. Eine besondere Vorliebe hat man für alles, was glitzert und blinkt. In der rumänischen Stadt Hunedoara haben sehr reiche Roma ihre Paläste gebaut. Sehr zum Unwillen der lokalen Bevölkerung, die in der ehemaligen Stadt der rumänischen Stahlindustrie eher ums Überleben kämpfen muss.

Die Roma schrecken auch vor keiner Protzerei zurück und greifen tief in die Kiste des Kitsch, wenn es darum geht, ihren “Palast” zu bauen. Schlossähnliche Türme müssen auf jeden Fall das Gebäude zieren. Vergoldete Symbole am Gartenzaun sollen königlichen Glanz ausstrahlen. Die Stadtverwaltung von Hunedoara hat erklärt, dass für alle Paläste Baugenehmigungen vorliegen. Auf Vorwürfe der Stadtbewohner, dass einige Roma in den Palästen von Sozialhilfe leben würden, erklärte die Stadtverwaltung, dass dies nicht zutreffe.

Oft ist der Roma-Palast aber auch nur Blendwerk. Außen imposant und im Innern fehlen Heizung und sanitäre Anlagen. Manche sind auch nicht an das Abwassernetz angeschlossen, so dass das Häuschen mit dem eingeschnitzten Herz mitten im Hof für die dringendsten Bedürfnisse gebraucht wird.

Versuchen wir hinter die Vorstellungswelt eines solchen vermögenden Roma aus Hunedoara zu kommen. Z. B. lebt da ein 25-jähriger Roma, der “Superman” heißt. Mit diesem Namen wurde er getauft im Bezug auf den gleichnamigen Film. Superman hat bereits einen Sohn, der denselben Namen bekommen hat und jetzt “Superman junior” genannt wird. Sein Name hat ihn unter den Roma-Bewohnern der Paläste berühmt gemacht. Superman wohnt in einem der schönsten Paläste seiner Siedlung, mit einer Umzäunung aus Marmor, Verzierungen und in gelber Farbe bemalt. Superman senior war nicht zu Hause als Reporter der Zeitung “Adevarul” seinen Palast besuchten. Seine Mutter erzählte, dass Superman in Deutschland arbeite. Stolz erklärt sie den Reportern, dass sie beim Sieg über den Kommunismus mitgeholfen habe, indem sie ihrem Sohn diesen kapitalistischen Namen gab. Letiţia Marc, Verantwortliche für den “Verein der Zigeunerfrauen für unsere Kinder” (“Asociaţiei Femeilor Ţigănci pentru copiii noştri”), erklärt warum die Roma für ihre Kinder die Namen von Berühmtheiten aussuchen: “Durch den Namen hoffen die Roma-Eltern unbewusst, dass man die Qualitäten der Helden aus der Promi-Welt mit denen ihrer Kinder verbindet. Dies ist eine Praxis, die man vor allem bei den armen Roma-Familien findet, es ist eine ihrer Moden”.

Dieser Tage schaut Hunedoara mit einer Mischung aus Ärger und Missgunst auf die Palastbewohner. Sie feiern die Hochzeit von Bruce Lee Gutuie,  17 Jahre alt. Er trägt eine vergoldete Krawatte, seine Braut ist ebenfalls 17 Jahre alt. Ein Dutzend Luxusfahrzeuge stehen im Hof des Palastes. Die Heiratszeremonie ist an die Hofvorgaben des Buckingham-Palaste angelehnt.

Dass ein solches Verhalten Aggressionen erzeugt, ist keine Wunder. Gleich wird gefragt, woher das ganze Geld für den Protz kommt und es schleicht sich der Verdacht ein, dass es wohl kaum rechtmäßig erworbenes Vermögen ist. Für Roma, die für die Integration in die Gesellschaft kämpfen, ist dieses Verhalten ein Schlag ins Gesicht. Und viele Rumänen bäppeln damit ihren Zigeunerhass auf. Dabei sind auch die Palast-Roma nur Repräsentanten einer rumänischen Gesellschaft, in der nach der Revolution neureiche Protzer aus allen Gesellschaftsschichten das Bild bestimmten. Das blendet man dann gerne aus.

Siehe auch:
Eine Roma, die nicht in das Weltbild von Populisten passt
Ich bin kein Roma!
König Cioabă hält Gericht

Informationsquelle:
Iată cum petrec cei mai bogaţi romi în cartierul palatelor din Hunedoara – Adevarul

Sonntag, 7. August 2011

Die empörte Jugend bereitet sich auf den Papst vor

Am vergangenen Dienstag meinte die Polizei in Madrid auf dem Hauptplatz der Stadt, der Puerta del Sol, für Ordnung sorgen zu müssen. “El Sol” wie der Platz in verkürzter Form genannt wird, wurde in den letzten Monaten zum Zentrum der Bewegung 15-M, wo vor allem die frustrierte Jugend Spaniens, die sich auch “Los Indignados” (die Empörten) nennen, ihren Zorn und Wut über ihre Perspektivlosigkeit und die Unfähigkeit der spanischen Politiker zum Ausdruck brachte. Im Rahmen der Demonstrationen wurden den Protestierenden zugesichert, dass sie einen Informationsstand am “Sol” errichten dürften, wenn sie den Platz von ihrer darauf errichteten Zeltstadt befreiten. Was sie schließlich auch getan hatten. Um so erstaunlicher nun am vergangenen Dienstag das Verhalten der Polizei: Plötzlich wurde das ganze Areal rund um die Puerta del Sol abgeriegelt, der Informationsstand aufgelöst und die wenigen Anhänger der Bewegung vertrieben. 3 Tage durfte das Areal nur noch unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen betreten werden. Die Räumungsaktion soll auf Drängen der Polizeiführung erfolgt sein, die der Ansicht war, dass die Überwachung des Platzes in der bisherigen Form personell nicht mehr durchführbar war.

Die “Empörten” der 15-M gingen nach dieser Polizeiaktion erneut auf die Barrikaden. Wie nach einem Schlag auf den Bienenkorb erwachte die vor sich hin dümpelnde Bewegung zu neuem Leben. Inzwischen haben sie sich den Informationsstand auf dem “Sol” wieder zurückgeholt und Kommissionen tagen auf den Zufahrtsstraßen des Platzes, die sich jetzt auf den Papstbesuch zum Weltjugendtag Mitte August in Madrid vorbereiten. Die am gestrigen Samstag auf der Straße tagenden Jugendlichen nennen ihre Versammlung “II FORO SOCIAL 15M INTERCALLES”, das 2. Straßen-Sozialforum. Dabei wird ein Protestkalender zur Begleitung des Papstbesuches erstellt. Dazu wird ein Kreuzweg gehören mit den Forderungen der Bewegung, Informationsstände für die PilgerInnen und eine Konkurrenzveranstaltung zur Eröffnungsfeier des Weltjugendtages am 16. August. Das könnte den Papst und seine PilgerInnen sonst noch erwarten: Im Gespräch sind Papierflieger, Luftballons und Seifenpumpen. Spannender wird sein, welche Forderungen die Bewegung stellen wird. Hauptpunkte werden die Erziehungspolitik, die Kürzungen im Staatshaushalt, die Jugendarbeitslosigkeit, die Zwangsräumung von Wohnungen, aber auch außenpolitische Probleme wie der Israel-Palästina-Konflikt sein.

Für die Organisatoren des Weltjugendtages gibt es offensichtlich noch keine Bedenken, dass die Verbrüderung von Papst und Jugend aus dem Ruder laufen könnte. Auf der Webseite des Weltjugendtages hat immer noch Selbstbeweihräucherung Priorität: ““Die Bühnengestaltungen des Weltjugendtages werden jung, fröhlich und modern sein, und verfolgen das Hauptziel die Anwesenheit des Papstes zu unterstreichen, unter mehr als 1 Millionen Jugendlichen, die ihn in Madrid erwarten.”

Ob sich Spaniens 15-M mit den salbungsvollen Worten, die der Papst mit der Aufforderung zur Teilnahme am Weltjugendtag an die kroatischen Jugendlichen gerichtet hatte, zufrieden geben wird? Diese, seine Worte werden sich die spanischen Jugendlichen zu Gemüte führen dürfen: “Eure Jugend ist eine Zeit der Erweiterung eures Blickfeldes großer Horizonte, intensiv erlebter Gefühle und auch eine Zeit der Angst vor schwierigen und nachhaltigen Entscheidungen, den Schwierigkeiten, die das Studium und die Arbeit mit sich bringen und die Angst vor den Fragen bezüglich des Mysteriums des Schmerzes und des Leids.“  Der Papst hat Jesus als Antwort auf die Frage nach diesen Sehnsüchten dargestellt, als Antwort auf „das Verlangen nach einem Leben, das es Wert ist, gelebt zu werden“.

Ihre eigenen Politiker dürften den "Empörten" garantiert nicht mit solchen Worthülsen kommen!

Siehe auch:
Botschaft an die spanische Jugend: Glaubt an Christus und alles wird gut!

Informationsquelle:
Los indignados se preparan para la visita del Papa a Madrid – El Pais
#Acampadasol

Samstag, 6. August 2011

Töten kostet nichts am Amazonas

Wie leicht man missliebige Landsleute in den Wäldern des Amazonas umbringen kann zeigte vor kurzem erneut die Ermordung es Ehepaars José Cláudio Ribeiro da Silva und Maria do Espírito Santo, die beide für für den Erhalt des Regenwaldes im Amazonas kämpften. Die brasilianische Justiz ist bei der Suche nach den Mördern noch nicht weit gekommen. Die Regierung hat als Konsequenz die “Operation Verteidigung des Lebens” (Operação Defesa da Vida) ins Leben gerufen, mit dem zur Zeit versucht wird, bedrohte Personen in der Region zu schützen. So wurde vor kurzem die Landwirtin Claudelice Silva dos Santos und ihre Familie unter starkem Polizeischutz in Sicherheit gebracht.

Todesdrohungen sind in der Amazonas-Region an der Tagesordnung. Die Leute sollen so eingeschüchtert werden  und wenn sie keine Ruhe geben, werden sie kurzerhand umgebracht. Nach einer Studie der Kommission der Land-Pastorale CPT (Comissão Pastoral da Terra) wurden 2010 34 Landarbeiter in Brasilien umgebracht, 30% mehr als vergangenes Jahr. Grund für die Ermordung waren mehrheitlich Landstreitigkeiten, einige um Wasserquellen. Nach Angaben des Innenministerium gab es in den letzten 10 Jahren 219 solcher Morde. Dazu gab es nur 4 Verurteilungen und in 37 Fällen wurde nicht einmal ein Ermittlungsverfahren eröffnet.

Das schlimmste Versagen der Sicherheitskräfte und Polizei kann man am Massaker von Eldorado dos Carajás im Bundesstaat Pará sehen, das vor 15 Jahren stattfand. Dabei wurden 19 Landlose ermordet und bisher kein einziger Täter dingfest gemacht. Verurteilt wurden zwar als Organisatoren des Massakers der Oberst Mário Colares Pantoja (228 Jahre Gefängnis) und der Major José Maria Pereira Oliveira (154 Jahre), aber trotz Verurteilung laufen sie bis heute frei herum. Als Ausnahme von der Regel kann man lediglich den Landwirt Vitalmiro Bastos de Moura heranziehen, der für den Auftragsmord an der amerikanischen Missionarin Dorothy Stang verurteilt wurde und tatsächlich im Gefängnis sitzt.

Die Aussichten, dass sich die Situation ändert, sind trotz der “Operation Verteidigung des Lebens” trübe. Die nationale Sekretärin für Umwelt des Gewerkschaftsverbandes CUT erklärt warum: “Seit Jahrzehnten zeigen wir die Verbrechen an. Jedes Mal, wenn ein bekannter Führer ermordet wird, gibt es kurzfristig eine nationale und weltweite Empörung und nach einem Monat scheint es, dass die Situation wieder dem Vergessen anheim fällt. Die Staatsmacht ist in Amazonien nicht präsent. Es besteht ein Chaos. Das Incra (Institut für Kolonisierung und Landwirtschaft) funktioniert nicht. Es gibt keine Strukturen in den Siedlungsgebieten, die Straßen sind miserabel und es gibt Streitigkeiten zwischen den Holzfällern. Die Liste der Straflosigkeit ist lange. Dabei gibt es dahinter nur wenige, die den Auftrage für den Mord geben und diejenigen, die ihn ausführen.”

In den meisten Fällen bedeutet eine Zeugenaussage gegen einen Mörder in Amazonien, dass man damit seine eigene Sterbeurkunde ausstellt. Ein amerikanischer Journalist berichtet, dass bei der Totenmesse für das ermordete Ehepaar die Anwesenden sogar Angst hatten zu weinen.

Die brasilianische Regierung bemüht sich, die Situation zu ändern. Aber Amazonien bleibt in weiten Teilen eine gesetzlose Region, wo das Recht des Stärkeren gilt.

Informationsquelle:
Medo na floresta – Brasil Atual

Montag, 1. August 2011

Achtung Spanien: Krank werden im August nicht empfehlenswert

Im August funktioniert Spanien nur noch auf Sparflamme. Entweder man verdrückt sich an die Küste oder zu Verwandten aufs Land. Natürlich wollen auch die Völker des europäischen Nordens unbedingt die spanische Hitze genießen und so vervielfacht sich die Bevölkerung in der Regel in diesem Monat rund um die spanischen Küstengewässer.

Selbstverständlich möchte auch das medizinische Personal nicht auf den Urlaub verzichten. Deshalb wird es in diesem August besonders eng bei der medizinischen Versorgung in Spanien. Neben dem üblichen “Ferien-Engpass” kommt in diesem Jahr auch noch hinzu, dass dem spanischen Gesundheitssystem kräftig die Mittel gestrichen worden sind. Hatte man früher Aushilfskräfte für die Ferienzeit einstellen können, so geht man jetzt dazu über stattdessen Krankenhausbetten still zulegen und somit das Versorgungsangebot zu verkleinern. Die Anzahl der Krankenhausbetten werden um ca. 20% vermindert. Wir es zu  eng, wird ein Klappbett, das sogenannte “C-Bett” in einem anderen Zimmer aufgestellt, auch wenn sonst viele Zimmer leer stehen. Das Pflegepersonal verweist dann ungnädige Patienten auf den Engpass.

Nach Schätzungen der im Gesundheitssystem vertretenen Gewerkschaften und Ärztevertretungen wird der alljährliche “Ferien-Engpass” dieses Jahr wegen der Streichungen auf Grund der Wirtschaftskrise und dem riesigen Defizit des spanischen, nationalen Gesundheitssystems, das auf 10 Milliarden Euro geschätzt wird,  verschärft. Die Notfallärzte versprechen deshalb ihren Landsleuten zusätzlich einen “heißen” Herbst. In diesem August wird die logische Folge die Verlängerung der Warteliste für einen Arzttermin sein. Für die Touristen kann sich das auch negativ auswirken. Insbesondere für die Region Valencia und Murcia werden  Probleme erwartet, da man sich dort bisher nicht auf den Ansturm der Badetouristen vorbereitet hat.

Informationsquelle:
Prohibido enfermar en agosto – Publico.es