Donnerstag, 30. Juni 2011

Deutscher Atomausstieg sorgt für Unruhe in Frankreich

akw stilisiertNachdem der Deutsche Bundestag den Atomausstieg endgültig zementiert hat, beginnt in Frankreich eine Diskussion, die von “weiter so mit Atom” bis “Aussteigen und zwar sofort” geht. Die französischen Atomprofiteure versuchen natürlich das alte Spielchen mit Kosten und Angst. Frau Lauvergeon von Nuklearkonzern Areva tut die Entscheidung etwas despektierlich als “politisch” ab. Womit sie sagen will, dass diese weder Hand noch Fuß hat. Deswegen hält sie das auch eher für eine Finte und erwartet, dass bis 2022 die Deutschen die Atomkraftwerke schmerzlich vermissen und noch einmal das Ruder herumreißen werden.

Hätte man von ihr anderes erwartet? Nein, denn für sie und ihre Industrie bedeutet ja schließlich die Nuklearenergie Geld und Macht. Das Risiko trägt ja eh der Staat und der wird ja auch für den jahrtausende strahlenden Müll bezahlen. Nun, die französische Regierung sitzt nun auch auf eine Ross, von dem sie nicht so schnell herunterkommt. Man hat sich eine Nuklearindustrie herangepäppelt, ohne die man meint, nicht mehr überleben zu können. Der Regierungschef, François Fillon, will die deutsche Entscheidung zwar respektieren, aber nicht zu seiner eigenen und damit auch der Frankreichs machen. Für ihn ist die Atomenergie immer noch die Energie der Zukunft.

Für den Industrieminister, Eric Besson, ist das ohnehin keine Frage, denn “Frankreich arbeitet seit einem halben Jahrhundert mit der Atomenergie und heute produziere diese 80% der Elektrizität in Frankreich. Und dann wiederholt er eine Aussage, die er bei jeder Gelegenheit herunterbetet: “Diese Wahl (für die Atomenergie) bleibt, weil Frankreich so eine starke energetische Unabhängigkeit erreicht hat: Frankreich verfügt deshalb über eine Elektrizität, die 40% billiger ist als der Durchschnitt anderer europäischer Länder. Zum Beispiel zahlen die deutschen Haushalte für ihre Elektrizität doppelt soviel”. Eine reichlich unverfrorene Behauptung und es bleibt abzuwarten, ob die Franzosen weiterhin darauf hereinfallen. Die drückende Last der Endlagerung wird der Steuerzahler neben den bereits geleisteten Subventionen zahlen müssen. Ein schwerwiegender Nuklearunfall ist in den Köpfen französischer Politiker immer noch nur in der Ukraine oder in Japan möglich. Die lachende Atomindustrie darf deshalb, ohne für Schäden im Ausmaß von Fukushima aufzukommen. weiterwursteln.

Bei den Sozialisten, bisher auch Befürworter der Nuklearlösung, ist aber Nachdenken eingekehrt. Sie sehen das deutsche Projekt des Ausstiegs mit Wohlwollen. Ihr Sprecher, Benoît Hamon, erklärt: “Der Ausgangspunkt ist unter Deutschen und Franzosen unterschiedlich. Wir sind viel abhängiger von der Atomenergie als die Deutschen. Wir müssen unsere Verspätung gegenüber Deutschland aufholen und in die erneuerbaren Energie investieren.” Die Genralsekretärin, Martine Aubry, ist da etwas präziser: “Es gibt ein Vorher und ein Nachher nach Fukushima. Ich persönlich glaube, dass wir aus der Atomenergie aussteigen sollten. Wir Sozialisten haben einen gemeinsamen Beschluss gefasst, aus der Abhängigkeit von Atom und Erdöl auszusteigen und wir denken, dass wir es nicht so wie der Präsident machen sollten, der tut wie wenn nichts gewesen wäre, sondern dass wir jetzt sofort ein Dialog mit den Experten, den Wissenschaftlern, anfangen sollten.”

Die französischen Grünen sind ohnehin der Meinung, dass man dem deutschen Beispiel folgen sollte. Der Kandidat als Präsidentschaftsanwärter der Grünen, Nicolas Hulot, hat die deutsche Entscheidung begrüßt. Daniel Cohn-Bendit fordert jetzt eine Öffnung zu einer breiten Debatte in Frankreich.

Die französischen Atomskeptiker werden zudem immer mehr. Die Bevölkerung verschließt immer weniger die Augen vor den Gefahren dieser Technik, die angesichts der gehäuften Masse an Atomkraftwerken in Frankreich die Wahrscheinlichkeit von schwerwiegenden Unfällen angesichts Tschernobyl und Fukushima steigen lässt. Insbesondere merkt man, dass aus dem Bereich der Atomindustrie Lügen und Vertuschungen an der Tagesordnung sind. Man weiß zwar inzwischen, wie riskant diese Technik ist, aber die Verantwortlichen wollen den immer schneller fahrenden Zug nicht mehr aufhalten. Eine verantwortungslose Politik starrt wie das Kaninchen auf die Schlange und hofft jeden Tag darauf , dass diese nicht zuschnappt.
Siehe auch:
Bald ein französisches Tschernobyl?
Stromlücke dank Atomkraftwerken?

Informationsquelle:
Sortie du nucléaire : la décision allemande provoque espoir et inquiétudes en France – Le Monde

Mittwoch, 29. Juni 2011

Ein Fluss stirbt, weil sich keiner für ihn interessiert

Wenn man von Nordosten über Barcelona auf den Flughafen von Barcelona zusteuert, überquert man, kurz bevor das Flugzeug auf der Piste aufsetzt, eine Flussmündung. Es ist das Delta des Flusses “Llobregat”. Der Llobregat entspringt in den Pyrenäen, wo er noch mit seiner türkisgrünen Farbe das Herz der Menschen erfreut. Im Großraum Barcelona ist es mit seiner Farbenpracht zu Ende. Umrahmt von 2 Autobahnen steuert er seiner Mündung ins Mittelmeer in der Nähe des Flughafens von “El Prat de Llobregat” zu.

Eigentlich ist sein Delta ein geschütztes und wertvolles Feuchtgebiet. Aber leider ist es mit dem Schutz nicht weit her. Er ist umrahmt von Industrieanlagen, einem großen Industriehafen mit Erdölspeichern. Dazu kommt der Flughafen, der inzwischen mit 3 Pisten protzt und das Mündungsdelta und die südlichen Strände voll im Griff hat.

Um den Zustand des Gewässers kümmert sich das Projekt ILMAR, deren Sprecherin jetzt die Öffentlichkeit warnt: “Das Gewässer ist verpestet und das Delta ist so ausgeplündert, dass der Meeresgrund nicht mehr in der Lage ist sich biologisch zu regenerieren. Die Verschmutzung und die Invasion fremder Spezien bedrohen das Ökosystem des Meeres, das durch die Bautätigkeit der letzten Jahre ohnehin stark in Anspruch genommen wurde.” Die Biodiversität der Tier- und Pflanzenwelt des Deltas sind in höchster Gefahr.

Was hat man dem Llobregat in den letzten Jahren nicht alles zugemutet: Er wurde umgeleitet, der daneben liegende Hafen wurde auf seine Kosten vergrößert, die dritte Piste des Flughafens El Prat wurde gebaut und eine Entsalzungsanlage wurde in die Feucht- und Strandgebiete des Deltas gebaut. Das Meer vor dem Delta befindet sich in einem äußerst schlechten Zustand. Seine Qualität ist die schlechteste an der katalanischen Küste.

An der katalanischen Küste sieht es ohnehin schlecht aus. In den letzten Jahren hat sich die Qualität des Meerwasser nicht verbessert, sondern dank der von Menschenhand verursachten Umweltverschmutzung erheblich verschlechtert. Der Direktor der “Fundació Mar” (Stiftung Meer) berichtet, dass etwa ein Viertel des Meeresgrundes an der katalanischen Küste sich in einem Risiko-Zustand befinden. Leider hätten die Behörden kein Interesse, die Biodiversität zu bewahren und dafür Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Stiftung unterhält ein Netz von 19 Kontrollstellen auf dem Meeresgrund. Auf Grund dieser Kontrolle konnte bereits der schädliche Einfluss der Freizeit-Schifferei und die Verbringung zusätzlichen Sandes an die Strände festgestellt werden. Die Kontrollen ergaben auch, dass die Situation am schlimmsten in der Provinz Tarragona ist. Der Grund sind große Schiffe, insbesondere Tanker, die den Hafen von Tarragona anlaufen. Gerade die Tanker bringen eine große Verschmutzungsgefahr mit sich. Zudem gibt es in Tarragona große Produktionsstätten der chemischen Industrie, deren Einleitungen ebenfalls das Meer stark belasten. Zudem gab es in den letzten Jahren aus diesem Bereich, wo 40% der spanischen petrochemischen Industrie angesiedelt sind, mehrere Störfälle. Zwar laufen deswegen bereits mehrere Strafverfahren gegen die Verursacher, aber bisher ist es zu keiner Verurteilung gekommen. “Es handelt sich um die am meisten geschädigte und ungeschützteste Meereszone Spaniens”, erklärt der Direktor der Fundació Mar. Nach einer Mitteilung von Greenpeace fließen in die  katalanische Küste 42% der verschmutzten Gewässer Spaniens.

Man muss es leider sagen: Das Interesse am Erhalt der Natur im Großraum Barcelona ist äußerst gering. Nicht nur bei den Politikern, sondern auch den Bürgern.  Wirtschaftliche Interessen und die Verkehrsinfrastruktur haben absoluten Vorrang. Dem opfert man die Lebensqualität und tauscht sie gegen vermeintliche zivilisatorische Vorteile. Die Menschen werden aber damit nicht glücklicher. Eingepfercht sitzen sie in einer Stadt aus Stein und Straßen und wenn der Wind einmal ungnädig ist und die dreckige Luft nicht aus der Stadt bläst, stehen sie kurz vor dem Erstickungstod.

Informationsquelle:
El delta del Llobregat agoniza - El Pais

Montag, 27. Juni 2011

Europa hat kein Herz für Brasilianer

Viele Brasilianer möchten gerne nach Europa, werden aber nicht hereingelassen. Nach Angaben der europäischen Grenzagentur Frontex wurde im Jahr 2010 6.072 Brasilianern in den Ländern der europäischen Union die Einreise verweigert. Sie stellen damit einen Anteil von 12% der Nationalitäten, denen die Einreise verweigert wurde. Seit 2008 die Statistik von Frontex geführt wird, stellten die Brasilianer jedes Jahr die größte Gruppe von Ausländern, die nicht in ein EU-Land einreisen durften.

Besonders beliebt bei den Brasilianern sind die Länder Spanien, Portugal und Frankreich. Allein 30% der Einreiseverweigerungen fallen auf Spanien. Im vergangenen Jahr wurden auch 13.369 Brasilianer entdeckt, die sich illegal in einem Land der EU aufhielten. Bei den illegalen Aufenthalten lagen die Brasilianer an 6. Stelle der Nationalitäten.

Etwas seltsam ist diese Entwicklung schon, wenn man bedenkt, dass die Brasilianer für den Schengen-Raum kein Visum benötigen, zumindest, wenn sie nicht länger als 90 Tage bleiben und keine Arbeit aufnehmen wollen. Es wäre deshalb interessant zu erfahren, warum einer derart großen Anzahl von Brasilianern die Einreise verweigert wurde. Jede brasilianische Zeitung verbreitet heute diese Agenturmeldung, ohne dem Problem auf den Grund zu gehen. Da die Problematik bereits seit längerem existiert, muss ich auf einen bereits veralteten Bericht aus dem Jahr 2009 zurückgreifen. Damals erklärten in der EU ansässige Brasilianer, dass sie fast täglich mit den Vorurteilen gegen sie konfrontiert würden. Am frustrierendsten seien die Abschiebungen von spanischen Flughäfen. Wenig freundliche Worte finden sie auch für die Ausländerpolitik Frankreichs, die sie als offen rassistisch bezeichnen. Sogar brasilianische Spitzen-Fußballer hätten schon Erfahrungen mit rassistischen Europäern gemacht.

Im Grund genommen gibt es einen einfachen Grund für die Einreiseverweigerung. Brasilianer mit Geld sind in Europa in höchstem Masse willkommen, aber nicht die Habenichtse. Europäische Einwanderungskontrolleure scheinen aber einen 7. Sinn dafür zu haben, welcher Brasilianer kein Geld in der Tasche hat und für Akte der Nächstenliebe hält er sich nicht für zuständig.

Brasileiros foram os mais barrados nas fronteiras aéreas da UE – Folha

Mittwoch, 22. Juni 2011

Botschaft an die spanische Jugend: Glaubt an Christus und alles wird gut!

Der Präsident der spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Rouco Varela, scheint mit der neuen spanischen Bewegung der “Democracia Real ya!”, auch “Movimento 15-M” genannt, nicht klar zu kommen. Vielleicht ist er einfach zu alt dafür. Für ihn kommen die Demonstrationen und Unzufriedenheit vor allem der jungen Spanier aus ihrem mangelnden Glauben an Christus. Deswegen ist sein Urteil über die Demonstranten auch gnadenlos: “Sie haben zerbrochene Lebensläufe. Weil sie nicht an Christus glauben und nur materialistisch denken, müssen sie scheitern, sind unzufrieden und rebellieren.”

Während eines Gottesdienstes erklärte er heute: “Der Verlust der christlichen Tradition betrifft vor allem die Jugend, wie wir das in diesen Tagen am Phänomen des 15-M an der Puerta del Sol beobachten konnten.” Der Kirchenmann hat bereits früher erklärt, dass das Problem der Jugend nicht in den wirtschaftlichen Problemen läge, sondern “in ihrer Seele, in ihrem Herzen”. Er empfiehlt den Protestierern ihr Gewissen zu prüfen und an Herzensgüte zu wachsen. “Sie sollen nicht nur rechtliche, wirtschaftliche und soziale Reformen suchen, sondern auch an die letzten Dinge denken.”

In dem vorerwähnten Gottesdienst wird er noch unpräziser, indem er seine Gottesdiener auffordert, “unsere Priesterschaft innerhalb unserer Mission zu leben und das Mysterium der Kirche als Priester dieses Moments, in dem das Gotteskind dem Menschen das Leben gibt, zu leben, um noch effektiver im Dienst am Menschen und der Jugendlichen unserer Zeit zu sein.” Ob er mit diesen Worten die Jugend erreichen wird?

Vom 16. bis zum 21. August wird der Weldjugendtag (WJT) in Madrid stattfinden. “Das Hauptanliegen des WJT ist, den Jugendlichen aller Welt die Botschaft Jesu Christi zu verkünden. Der Weltjugendtag ist eine Initiative der katholischen Kirche der Evangelisierung von großem ökumenischem Ausmaß”, beschreiben die Organisatoren ihren WJT. Was könnte mehr stören als eine politisierte Jugend? Auf der Webseite des WJT geht es ganz unpolitisch zu. Da interessieren so Themen wie “Das Prinzenpaar von Asturien versprach Hilfe und äußerte Vorfreude auf den WJT und seine soziale Bedeutung” oder "Die Madrider Gasthäuser in emsiger Vorbereitung auf den WJD”. Wer wohl die Nachrichten auf diese Webseite setzt? Irgendeine verkalkte Kirchenbürokratie im Vatikan?

Rouco Varela soll sich in letzter Zeit sehr mit Angriffen gegen die sozialistische Regierung – sonst sein Lieblingsfeind – zurückgehalten haben. Vermutlich weil diese so brav bei der Vorbereitung des WJT mitgeholfen hat. Dafür wollen sie auch vom finanziell geplagten spanischen Staat kein Geld. Nachricht auf der WJT-Webseite: “Der WJT sorgt für einen wirtschaftlichen Zuwachs in Spanien von rund 100 Millionen Euro”. Danke, lieber Gott, werden die spanischen Politiker sagen.

Aber die Jugend, die Bewegung des 15-M, lässt die sich von diesen mystischen Sprüchen und Unterstellungen gegen sie domestizieren? Eine Auswahl an Kommentaren in der Online-Zeitung “Publico.es”:
“Wir sind nicht so kaputt wie die Jugendlichen, die deine Sekte von Pädophilen schamlos missbraucht hat. Ich werde dir in der Hölle begegnen, Rouco!”
“Das ist Opium für das Volk!”
“Dieser Mann ist jedes Mal weiter weg von der Wirklichkeit in der Welt.”
“Rouco, du weißt nicht, was du sagst. Es wäre für alle schön, wenn du dich dem Gebet widmen und ansonsten schweigen würdest. So hättest du weniger Zeit, um dein klar faschistisches Gedankengut bekannt zu geben.”

Siehe auch:
Soll er doch kommen, der Ratzinger
Der Vatikan, die spanische Regierung und die spanischen Bischöfe

Informationsquelle:
Rouco dice que los jóvenes del 15-M tienen "sus vidas rotas" – Publico.es

Montag, 20. Juni 2011

Aggressiv und voller Vorurteile: Der rumänische Autofahrer

Rumänische Autofahrer, vor allem männlichen Geschlechts, sind aggressiv und es fehlt ihnen jedes Gefühl für ein rücksichtsvolles Verhalten im Straßenverkehr. Zudem ist er voller Vorurteile. So zum Beispiel halten die Bukarester Fahrer jedes Fahrzeug aus den umliegenden Landkreisen Ilfov oder Giurgiu für fahrende Zeitbomben. Ein Rumäne warnt bei einer Fahrt durch Deutschland seinen Mitfahrer vor deutschen Fahrern mit einem Kennzeichen, das aus 3 Buchstaben besteht. Die kämen alle vom Land und hätten keine Ahnung, wie man Auto fährt. Weiter geht es mit den Frauen, die in Rumänien nach der Meinung der Macho’s oft den Schminkspiegel mit dem Lenkrad verwechseln.  All diese Vorurteile sind ein guter Grund, um sich das Recht herauszunehmen, andere Fahrer zu belästigen und zu beschimpfen.

Besonders unangenehm ist die Situation in Bukarest. Laut dem Präsidenten der Taxifahrer gibt es dort zwei Typen von Fahrern, die guterzogenen und die Rüpel. Die meisten Fahrer würden der zweiten Gruppe angehören. Sie parken, wo es ihnen gerade passt, fahren chaotisch und sind in letzter Zeit von Mal zu Mal aggressiver. Zum großen Teil sei dies auf die schlechte und unzureichende Straßen Infrastruktur zurückzuführen, die die Nerven der Menschen strapaziere.

Nach einer Studie aus dem Jahr 2010 sind 80% der Fahrer unzufrieden mit den Straßen. Die gleiche Anzahl fährt auch aggressiv. 20% sagen von sich selbst, dass sie Raser seien. Sie sind auch der Meinung, dass sie als gute Fahrer die Verkehrsgesetze missachten können. 75% geben an, dass sie von anderen Fahrern beschimpft wurden. 50% geben an, dass sie häufig die Hupe benutzen und 25% geben zu, dass sie schon andere Verkehrsteilnehmer beschimpft haben. Kenner meinen, dass die Fahrer durch die Wirtschaftskrise noch mehr gestresst und nervöser geworden seien. Die Landbevölkerung ist mehrheitlich der Meinung, dass sich ohne Sicherheitsgurt besser fährt. Dafür halten sie sich eher an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit und sind höflicher. In Bukarest und in Siebenbürgen hat man mehr Zutrauen zum Sicherheitsgurt. Dafür trifft man die meisten Rüpel in Bukarest und im Banat an.

Die Statistik zerstört im übrigen den Mythos, dass die rumänischen Frauen nicht Autofahren können. Sie verhalten sich wesentlich besonnener und vorsichtiger im Straßenverkehr und sind an wesentlich weniger Unfällen beteiligt. In Rumänien gibt es 70% Männer und 30 % Frauen mit Führerschein. Die Männer waren 2010 an 83,5% der Unfälle beteiligt, bei denen es zu 2.431 Toten und 7.588 Verletzten kam. Im selben Zeitraum haben Frauen nur 1.684 schwere Unfälle (16,5%) verursacht, bei denen 365 Menschen ums Leben kamen und 1.500 verletzt wurden. Der Betreiber einer rumänischen Fahrschule erklärt die Situation: “Die Frauen sind bereit zu lernen und sie sind vorsichtiger, während die Männer versuchen, etwas neues auszuprobieren, neue Lösungen zu finden, die oft wesentlich gefährlicher sind. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ca. 5% der Frauen begabtere Fahrerinnen als die Männer sind.”

In den ersten Monaten dieses Jahres wurden nach Polizeiangaben 55.000 Führerscheine einbehalten und 1,12 Millionen Bussen verteilt.

Siehe auch:
Rumänische Raser zivilisieren, aber wie?

Informationsquelle:
Şofer pe străzile din România

Samstag, 18. Juni 2011

Ein Journalist, eine Zeitung

köppel weltwocheEine früher durchaus lesbare Wochenzeitung in der Schweiz, die Weltwoche, scheint zu einem Verlautbarungsorgan des geltungssüchtigen Chefredakteurs Köppel zu degenerieren. Köppel war auch einmal Chefredakteur der Tageszeitung “Die Welt” und gilt in den deutschen Medien als Sprachrohr der Schweiz. Keine Sendung mit Schweiz-Bezug, in der nicht der Allround-Schweizer Köppel auftritt.

2001 übernahm er die damals als linksliberal geltende Wochenzeitung “Die Weltwoche”. Aus dem linksliberalen Blatt machte er ein rechtskonservatives Kampfblatt. Grundsätzlich verfügt Köppel über ein durch nichts zu beeinträchtigendes Selbstbewusstsein, das ihn zu Rechthabereien jeder Art veranlasst. Damit ist er das Hans-Dampf-in-allen Gassen seines Blattes. Es gibt nichts, wozu er nicht meint Stellung nehmen zu müssen.

Die Webseite der Weltwoche von heute spricht dafür Bände. Ein paar Beispiele:
Roger Köppel zum Fall Kachelmann.”
“Die SVP fordert das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU zu kündigen, wenn man sich in den Neuverhandlungen nicht einigen sollte. Statt bessere Vorschläge zu machen, dreschen die anderen Parteien einfach auf die SVP ein, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Der Bundesrat entscheidet diese Woche über die Zukunft der Atomkraftwerke in der Schweiz. Die Diskussion über den Ausstieg wird mit viel zu viel Anti-Atomkraft-Nostalgie geführt, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Wenn man die Berichterstattung über das Ja zur Mundart in Zürcher Kindergärten anschaut, hat man das Gefühl, das Abstimmungsresultat habe uns in die düstersten Zonen der Heimattümelei versetzt. Die Sache ist viel weniger kompliziert, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Die Weltwoche hat die Arbeitslosenstatistiken der letzten Jahrzehnte untersucht und ist auf sehr beunruhigende Befunde gestossen: Die Schweiz ist Wirtschaftskrisen viel stärker ausgesetzt als früher, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Mit den neuen Vorschriften für die Grossbanken im Zusammenhang mit der Too-Big-to-Fail-Problematik wird der Bundesrat in eine zentrale Aufsichtsrolle gestellt. Es kommt zu einem Overkill der Regulationsbehörden, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”

Das sind die gesammelten “sagt Chefredaktor Roger Köppel”-Kommentare auf der Webseite eines Tages. Man kann also bei diesem Mann von einer fast paranoiden Geltungssucht sprechen. Deshalb ist es umso bedauerlicher, dass er in Deutschland als kompetenter Gesprächspartner für Schweizer Angelegenheiten angesehen wird. Auch sein Rechtskonservatismus ist recht durchsichtig und billig. Man wird das Gefühl nicht los, dass er diesen nicht aus Überzeugung braucht, sondern um im Gespräch zu bleiben.

Deshalb, liebe deutsche Medien, verschont uns mit Herrn Köppel!

Freitag, 17. Juni 2011

Energiehungriges Brasilien hat unstillbaren Appetit

Brasilien, der südamerikanische Schwellenstaat, dessen Dynamik man im alten Europa bewundert, will wachsen. Noch gibt es einen großen Teil der Bevölkerung, der von einem Wohlstand im europäischen Maßstab meilenweit entfernt ist. Aber dieser Teil der Bevölkerung will auch etwas vom Wohlstandskuchen haben. Deshalb setzt die brasilianische Politik erst einmal auf Expansion des Energiekonsums, denn schließlich winken die Ölfunde in den Tiefen des Atlantiks vor der langen brasilianischen Küste und die Wasser des Amazonas, wo es immer noch Flüsse gibt, die man mit einem elektrizitätsproduzierenden Staudamm versehen kann. Fachleute gehen davon aus, dass Brasilien seinen Energieverbrauch bis 2020 um 60% steigern wird.

Wie Wasserkraftwerke haben vorerst oberste Priorität in der brasilianisches Energiepolitik. Im nächsten Jahrzehnt sollen noch 24 Wasserkraftwerke gebaut werden, 10 davon in der Amazonas-Region. Sie sollen auf Grund ihrer Größe 15.000 der 18.000 Megawatt produzieren, die von 2016 bis 2020 in der brasilianischen Stromproduktion neu eingeplant sind. Das größte Staudammprojekt ist das von São Luís do Tapajós, das 6.130 Megawatt produzieren soll. Es produziert damit mehr als doppelt soviel wie das Werk von Jirau in Rondonia, wo es vor kurzem einen Arbeiteraufstand wegen schlechter Arbeitsbedingungen gegeben hatte. Die großen Wasserkraftprojekte wie Belo Monte und eben vorgenanntes Werk in Rondonia sind immer stärker umstritten und stehen im Mittelpunkt brasilianischer und internationaler Kritik. Auch Regierungsstellen geben inzwischen zu, dass diese gigantischen Projekte einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt und die dort wohnenden Menschen, insbesondere der indigenen Bevölkerung haben. Dabei verletzt Brasilien auch nationale Gesetze und internationale Vereinbarungen. “Unsere Gesichte ist leider nicht die, gesetzliche Regelungen zu respektieren, sondern sie zu missachten”, erklärt ein Fachmann die Situation.

Es gibt jedoch eine erneuerbare Energiequelle, die in Brasilien in letzter Zeit einen erheblichen Aufschwung genommen hat. Es ist die Windkraft. Die Stromproduktion von dieser Energiequelle soll sich in den nächsten 10 Jahren um das 14-fache erhöhen. Gesmar Rosa dos Santos, Forscher am Institut für angewandte Wirtschaftsforschung (Ipea), glaubt, dass die Aussichten für die Windenergie sich in den nächsten Jahren erheblich verbessern werden. “Man weiß inzwischen, dass das Windkraftpotential sehr groß ist. Man hat eine Planung mit einer gewissen Sicherheitsmarge gemacht, aber die Möglichkeiten sind viel größer, wenn der private Sektor mit Macht auf den Markt drängen wird”, erklärt er. Im Hinblick darauf, dass man damit eine “saubere” Energiequelle zur Verfügung und nicht mit den sozialen Problemen und Umweltbeeinträchtigung zu kämpfen hat, sieht er hier die größten Wachstum Möglichkeiten.

Aber man verzichtet ja nicht gerne auf Großprojekte, mit denen die Energiemonopole das Geschäft im Griff behalten. Der Präsident der Unternehmens für Energieforschung (EPE) ist der Ansicht, dass die Wasserkraft weiterhin Priorität haben wird, aber die Energie aus Windkraft und Biomasse aufholen werden. Dabei könnte Brasilien viel besser dastehen. Nach Ansichten des Präsidenten der brasilianischen Gesellschaft für Erneuerbare Energien und Umwelt (Abeama) hätten viele Probleme vermieden werden können, wenn die Regierungen mehr Anreize für alternative Energien gegeben hätten. Er ist der Meinung: “Weil es billiger ist, verwüstet man. Sie werden Amazonien erledigen, weil sie produzieren müssen. Ich würde nicht auf eine Investition in die Wasserkraft verzichten, aber ich würde auch Anreize für eine Investition in die Solarenergie geben, denn auf dem Sektor sind wir noch sehr zurück.”

Trotz des hohen Anteils an Wasserkraft setzt Brasilien immer noch zu einem großen Teil auf Energiegewinnung aus klimaschädlicher Produktion, insbesondere thermische Kraftwerke, die mit Kohle und Öl betrieben werden. Strittig sind bezüglich der Folgen für die Klimaerwärmung auch Biomasse-Kraftwerke, für die eine Steigerung der Poduktion bis zu 9.000 Megawatt vorgesehen ist.

Und die Nuklearenergie? Die Katastrophe von Fukushima hat die brasilianische Regierung insofern beeindruckt, dass man vom Plan des Baus von neuen Atomkraftwerken abgerückt ist. Wenigstens vorläufig. Befürworter dieser Techniker geben sich optimistisch, dass man die Regierung von diesem Weg wieder abbringen kann. Der Präsident des staatlichen Unternehmens für Energieforschung (EPE), Maurício Tolmasquim, beschreibt warum: “Wir müssen bedenken, dass Brasilien hier ein großes Potential hat, den Vorgang der Anreicherung von Uran beherrscht und das sechstgrößte Vorkommen von Uran auf der Welt hat. Somit sollten wir uns dieser Technologie nicht verschließen.” Die Atomkraftwerke von Angra dos Reis, Angra 1 und Angra 2 produzieren derzeit 2.007 Megawatt. Bis 2016, wenn Angra 3 den Betrieb aufnimmt, soll die Leistung auf 3.412 Megawatt erhöht werden.

Informationsquelle
Energia eólica avança no Brasil, mas fontes tradicionais mantêm prioridade – Brasil Atual

Montag, 13. Juni 2011

Rumänien schafft sich ab

Niedrige Geburtenrate, einer der höchsten Sterberaten Europas, geringe Lebenserwartung und ungebremste Auswanderung machen Rumänien zu schaffen. Das nationale Statistikamt spricht von einer drastischen Reduzierung der Bevölkerungszahl im Jahr 2011 im Vergleich zur letzten Volkszählung im Jahr 2002. Im Jahr 1990 hatte Rumänien noch 23,2 Millionen Einwohner, 2009 waren es 2 Millionen weniger und von 2009 bis heute gab es noch einmal einen Verlust von 3 Millionen.

Im Oktober dieses Jahres wird es in Rumänien eine Volkszählung geben. Die Statistiker sprechen bereits jetzt von zu erwartenden deprimierenden Ergebnissen. Der Präsident des nationalen Statistikamtes (INS), Vergil Voineagu, erklärt, dass sich mit Sicherheit eine drastische Verminderung der Bevölkerungszahl verglichen mit der Volkszählung von 2002 ergeben werde. "Der Einfluss der Verminderung der Bevölkerungszahl wird schwerwiegende Folgen auf die demografischen Indikatoren, den Arbeitsmarkt sowie die damit verbundenen anderen sowohl mikro- wie makroökonomischen Indikatoren haben", erklärt er. Nach Ansicht eines Politikwissenschaftlers der Universität Bukarest könne man froh sein, wenn das Ergenbnis eine Einwohnerzahl von 18 Millionen sei, aber er befürchte, dass die Zahl noch kleiner werde.

Die Geburtenrate in Rumänien ist erschreckend niedrig. Gab es 1990 noch 314.746 Geburten im Jahr, waren es 2009 nur 222.388 mit fallender Tendenz im letzten Jahr. Die Ehepaare in Rumänien wollen inzwischen wie in den Industriestaaten des europäischen Westens nur noch kleine Familien. Die Frauen sind bei Geburt ihres ersten Kinders immer älter. Inzwischen liegt das Alter der Mutter bei Erstgeburten bei 27,6 Jahren. Mit 9,9 Geburten pro 1.000 Bewohner liegt Rumänien unterhalb des europäischen Durchschnitts. Dagegen gibt es ein hohe Sterberate. 2010 gab es 260.000 Todesfälle, was eine Sterberate von 12,1 auf 1.000 Bewohner bedeutet. Dazu zählt auch eine Kindersterblichkeit, die zu den höchsten in der EU gehört. 79% der Todesfälle sind auf Erkrankungen der Atemwege und Tumore zurückzuführen. Die Lebenserwartung der Rumänen liegt bei 73,5 Jahren.

Aber nicht nur die geringe Geburten- und hohe Sterberaten sind am Rückgang der Einwohnerzahl schuld. Die Rumänen wandern auch scharenweise aus ihrem Land aus. Von 1992 bis 2002 haben 700.000 Rumänen das Land verlassen. Seither sind es jährlich geschätzte 10.000 Rumänen, die ihr Glück ausserhalb der Grenzen suchen. Fast 60% der Auswandernden sind Frauen. Die Rumänen wollen auch nicht mehr heiraten. Gegenüber 2010 gab es 13% weniger Heiraten. Gleichzeitig werden die Heiratswilligen älter. Die Männer sind im Durchschnitt bei der Heirat 31 Jahre, die Frauen 28 Jahre alt.

Die Folgen sind, dass Rumänien mit einer rapide "vergreisenden" Gesellschaft zurecht kommen muss und damit ganz neue Herausforderungen auf das Land zukommen.

Informationsquelle:
Cum dispare populaţia României - m.adevarul.ro

Samstag, 11. Juni 2011

Barcelona macht Jagd auf Nackte

Barcelona bereitet sich auf die neue Sommersaison mit einem Angriff auf nackte Haut vor. Ab 15. Juni gibt es eine städtische Verordnung die Nudismus und Semi-Nudismus bestraft. Was das genau sein soll, unterliegt dem subjektiven Empfinden des Polizisten. Diese haben die Gelegenheit bereits benutzt, um Strafen zu erteilen. Die Strafen erfolgen in Form von Geldbussen, die zwischen 120 und 500 Euro liegen können. Die Straftäter haben sie vor allem - wen wundert's - in den Strandvierteln dingfest gemacht. Mit der neuen Norm soll erreicht werden, dass der kommende Sommer in Barcelona ein angenehmer wird.

Abgesehen von der Jagd auf gar nicht oder Leichtbekleidete soll Barcelona durch Aufstockung des Polizeipersonals um 210 Beschäftigte sicherer gemacht werden. Die neuralgischen Zentren der Stadt wie Rambla, Gràcia, der Park Güell und die Springbrunnen von Montjuïc sollen neben den Stadtstränden stärker überwacht werden. Mit Spezialdientsten sollen die großen Feste der Stadt wie die Johannisnacht (Sant Joan am 23. Juni), das Stadtteilfest von Gràcia und das Fest der Stadtpatronin, der Mercé, sicherer gemacht werden. Durch die Straßen bummelnde Polizeipatrouillen sollen den Touristen ein Gefühl der Sicherheit geben. Aufpassen und einschreiten sollen sie gegen Personen, "die ein Verhalten zeigen, das störend für das Zusammenleben ist oder zu Beschädigung öffentlicher Räume führt".

Die Stadt will den Sommer aber nicht nur mit Strafen und Moral verbessern, sondern auch durch Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel vor allem Richtung Strand. Zudem sollen die Fahrradwege überarbeitet und renoviert werden. Die Feuerwehr wird sich verstärkt um die Hügel der Collserola im Westen kümmern und versuchen Waldbränden, verursacht durch unvorsichtige Bürger, vorzubeugen während die Rettungsdienste sich verstärkt an den Stränden um Ertrinkende kümmern werden. Am 15. September hat der Spuk ein Ende und Barcelona kehrt nach Rücknahme der Personalverstärkung in den alten Schlendrian zurück.

Wie die Kommentare in der Zeitung El Periódico zeigen ist die Meinung der Leser geteilt. Xavier schreibt: "Und was ist denn Halbnacktheit? Ein Teil der Eier bedeckt, das andere draußen? Eine Brust an der Luft? Oder hängt das davon ab, ob der Polizist heiss genug ist? Die sind alle verrückt geworden. Ich nehme einmal an, dass wir Männer in Shorts gehen können mit ein Top, das den Bauch zeigt, nicht wahr! ES LEBE DIE INQUISICION!!"

Joaquin findet das hingegen gut: "Das ist ein unpopuläre Massnahme, aber sie ist notwendig und ich begrüsse sie. Warum soll ich mich auf den Schweiss setzen, den ein anderer auf dem Sitz hinterlassen hat? Und zu allerletzt, die Alten, die 100% nackt herum laufen und einen braunen Strich auf dem Sitz hinterlassen und den ein anderer dann auch noch abbekommt."

Und nun noch die offizielle Seite: "Die Verordnung verstösst gegen höhere gesetzliche Regelungen. Das Strafgesetzbuch sieht keinen Straftatbestand dafür vor, dass man nackt herum läuft", erklärt der Präsident des katalanischen Nudistenclubs. "Die Stadtverwaltung erklärt, dass sie damit die Moral regeln wollte. Es ist nicht ausreichend zu sagen, dass es mir nicht gefällt, wenn jemand nackt herumläuft, um eine solche Verordnung vom Stapel zu lassen".

"Die Verordnung regelt nicht, wie man angezogen sein soll", erklärt die Stadträtin für Sicherheit, die aber warnt, dass Nudismus und und Semi-Nudismus "keine Verhalten sind, die in Barcelona akzeptiert werden". Für die Stadträtin "ist es kein großes oder kleines Problem. Wir geben damit nur den Wünschen einer großen Mehrheit der Bürger eine juristische Grundlage".

In irgendeiner der üblichen Umfragen sind vor kurzem die Spanier zum witzigsten Volk der Erde gekürt worden. Auf jeden Fall sind sie Meister der Realsatire!


Informationsquelle:
La ordenanza contra el nudismo se cobra las dos primeras multas-Barcelona-El Periódico
Barcelona inicia su campaña de advertencias contra el nudismo - nudista.es

Freitag, 10. Juni 2011

Rumänien will sich neu organisieren

Man mag es Verwaltungsreform nennen, aber es steckt auch ein bisschen das Abrücken vom zentalistischen Staat dahinter. Präsident Traian Basescu macht Druck. Er will, dass Rumänien neu organisiert wird. Bisher hat das Land 41 Kreise (Judetze). In Deutschland würde man diese Verwaltungseinheit als "Kreis" bezeichnen, in Frankreich als "Provinz". Der radikale Vorschlag des Präsidenten besteht nun darin, dass Rumänien statt der 41 Kreise in Zukunft aus 8 Regionen bestehen soll.

Und so erklärt es der Staatspräsident: "Ich bin der Meinung, dass die Reorganisation in 2 Etappen ablaufen soll. Seit 1990 haben wir tausende Gesetze gemacht. Das Gesetz über die administrative Aufteilung Rumäniens stammt aber aus dem Jahre 1968. Es ist interessant, dass seit den 21 Jahren nach der Revolution der Inhalt dieses Gesetzes nicht verändert worden ist. Die Vorgehensweise ist nicht einfach. Ich schlage deshalb den politischen Parteien vor, dass wir bis zu den Wahlen im Jahr 2012 die neue territoriale Aufteilung entscheidungsreif vorbereiten. Ich glaube, dass wir bis 2012 alles notwendige tun können,  um eine geschmeidigere und effizientere örtliche Verwaltung schaffen zu können." Nach seiner Meinung sollte aus den 41 Kreisen 8 Regionen geschaffen werden, die den derzeit 8 europäischen Entwicklungsregionen entsprechen sollten. Und warum hält er das für notwendig: "In den 41 Kreisen gibt es viele Funktionäre, riesige Ausgaben, riesige Bürokratie. Jeder, der die einfache Rechnung aufmacht, stellt fest, dass dies wirtschaftlich eine große Summe an Mitteln bedeutet, die besser anderswo verwendet werden könnten. Die Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass die Staaten zwei Punkte haben, an denen sie verwundbar sind: Große Ausgaben für das Funktionieren des Staates und politische Demagogie, die zu einem übertriebenen System der sozialen Absicherung sowohl von Standpunkt der Begünstigten wie vom Standpunkte der Finanzmittel des Staates aus geführt haben. Wer aus der Krise nicht lernt, dass er seine Staatsausgaben reduzieren muss und dass die sozialen Programme nur denen zugute kommen sollen, die sie notwendig haben, der macht einen großen Fehler". Zusätzlich erwartet der Regierungschef von der Reorganisation eine effizientere und gründlichere Nutzung von Regionalmitteln der europäischen Union.

Seltsamerweise gibt es hier kein Wort zu einem anderen Grund für die territoriale Reorganisation: Einige Regionen, insbesondere die der ungarischen Minderheit, möchten gerne wesentlich mehr Selbständigkeit in der Verwaltung ihrer Regionen. Deshalb steht auch die UDMR, die Partei der Ungarn, diesem Projekt sehr kühl gegenüber. Die Partei, die auch an der Regierung beteiligt ist, erklärt, dass sie kein Projekt der territorialen Reorganisaton unterstützen werde, wenn dabei gleichzeitig nicht darauf verzichtet werde, die Repräsentanz der ungarischen Gemeinschaft in einem Superkreis zu verwässern und dies entgegen den historischen und wirtschaftlichen Realitäten.

In der rumänischen Presse kursiert bereits eine Karte: Danach gäbe es vom Namen her so unpolitische Regionen wie "Zentrum", "Nordwest", "West", "Südwest-Oltenien", "Süd-Muntenien", "Südost", "Nordost" sowie die Hauptstadt "Bukarest". Warum nicht die historischen Regionen wie  zum Beispiel "Szeklerland (Tinutul Secuiesc)", "Siebenbürgen (Ardeal)", "Banat", "Walachei", "Dobrudscha", "Bukowina", "Moldau", "Maramuresch"? Klingt schöner, aber hat zuviel Zündstoff.

Informationsquelle:
Băsescu: Este clar că există un consens că ţara trebuie reorganizată administrativ. Vezi declaraţiile preşedintelui despre referendumul Capitalei şi aderarea la Schengen - Mediafax
România lui Traian Băsescu are opt judeţe - Evenimentul Zilei

Mittwoch, 8. Juni 2011

Wer ist Gleisi Hoffmann?

Gleisi Hoffmann senadoraAntonio Palocci war Leiter des Präsidentschaftsamtes, genannt Casa Civil, der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. In dieser Funktion hatte er den Titel eines “Chef-Ministers”. Gestern musste er zurücktreten, weil ihm Bereicherung im Amt – sein Vermögen hatte sich in 4 Jahren verzwanzigfacht - vorgeworfen wurde.

Neue Leiterin und damit Ministerin der Casa Civil wurde Gleisi Hoffmann. Gleisi Hoffmann, geboren 1965, ist eine deutschstämmige Brasilianerin. Sie stammt aus Curitiba und ist verheiratet mit dem Kommunikationsminister Paulo Bernardo. Sie ist Mitglied der Regierungspartei PT (Partido do Trabalhadores; Partei der Arbeiter). Von der Ausbildung her ist sie Juristin mit dem Spezialgebiet öffentliche Organisation und Finanzverwaltung. Ihre politische Karriere begann sie als Landesministerin im Bundesstaat Mato Grosso du Sul und danach in der Stadtverwaltung von Londrina / Paraná. 2002 gehörte sie zur Mannschaft der Übergangsregierung von Ex-Präsident Lula.

Danach wurde sie Finanzdirektorin beim Wasserkraftwerksbetreiber Itaipu Binacional. Sie rühmt sich in dieser Funktion viele soziale Projekte unter anderem auch für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, gefördert zu haben. 2006 war wurde sie Kandidaten der PT für Paraná im Bundessenat. Obwohl damals noch politisch unbekannt, gewann sie auf Anhieb 45% der Wählerstimmen in Paraná. 2010 kandidierte Senatorinnen-Amt, das sie dann auch mit großer Mehrheit gewann.

Auf ihrer Webseite erklärt sie, dass es ihr Ziel sei, der Gemeinschaft zu dienen und sich für die Verbesserung des Alltagslebens der Menschen einzusetzen, für die soziale Sache, die Gleichberechtigung der Geschlechter zu kämpfen. Sie will sich auch für die Bewahrung der Umwelt einsetzen und zu Errichtung eines demokratischeren und gerechteren Staates beitragen.

Neben Präsidentin Dilma Rousseff sitzt nun eine weitere Frau an den Schaltstellen der Macht in Brasilien.

Informationsquelle:
Conheça a Senadora
Gleisi Hoffmann – Wikipedia portugiesisch

Sonntag, 5. Juni 2011

Spanien entdeckt das Land der Killerbakterie

Selten hat Deutschland die Aufmerksamkeit der Spanier in einem Ausmaß wie in diesen Tagen, wo die gefährliche Darm-Bakterie EHEC für Aufregung sorgt, so auf sich gezogen. In seriösen Medien spricht man von dem "EHEC-Erreger", in anderen von der Killerbakterie. Auf jeden Fall vermutete man seine Herkunft zuerst in spanischen Salatgurken. Damit wurde Spanien von der eigenen Bauchnabelschau und all den wirtschaftlichen und politischen Problemen abgelenkt und man richtete seinen Blick auf den mächtigen EU-Partner im Norden. Da Spanier nicht so gerne außerhalb ihrer Landesgrenzen verreisen, ist die Kenntnis der Nachbarstaaten nicht gerade sehr tiefgehend.

Man entdeckt ganz neue Seiten an Deutschland: "Deutschland ist kein Land für Lastwagenfahrer" steht in einem Bericht der Zeitung "El Pais". Journalisten machen sich jetzt auf den Weg nach Deutschland, setzen sich neben die Lastwagenfahrer und erleben plötzlich eine neue Welt. Die Reportage-Serie lautet von "El Ejido nach Hamburgo". El Ejido in der Provinz Almeria ist das Zentrum der spanischen Gemüseproduktion. Journalist Fernando fährt mit Gabriel, dem Rumänen, die Tour nach Hamburgo. Sein Bericht endet zur Zeit 20 km vor Hamburg, wo er in einem Stau stecken blieb. Die Annäherung an Deutschland beschreibt er so: "WIR SIND IN DEUTSCHLAND ANGEKOMMEN! Gabriel und Ismael entscheiden sich, normale Straßen zu befahren. Für das bisschen Abwechslung ist man dankbar. Ab der Grenze bleiben uns noch etwa 600 km". Zuvor staunt er: "Wir überqueren die Mosel. Die Wahrheit ist, dass diese Reise, abgesehen davon, dass sie eine authentische Höchstleistung in Logistik ist, mir ganz neue Ideen für zukünftige Ferien gibt". Er nimmt also Abschied vom typischen Deutschlandbild des Durchschnittsspaniers, das darin besteht, dass in Deutschland ständig düstere Wolken hängen und man mit sibirischen Kältegraden zu kämpfen hat.

Um auf die Schlagzeile, dass Deutschland kein Land für Lastwagenfahrer ist, zurückzukommen: Ein Lastwagenfahrer schildert seine Erlebnisse. Parkplätze ohne WC und Duschen, keine Parkmöglichkeiten, Lieferstellen, wo man pünktlichst hinkommen muss, sonst fährt man mit der Fracht zurück. Hier verdunkelt sich natürlich wieder das Deutschlandbild der Spanier. Nun gibt es in Spanien auch bald in jeder Kleinstadt einen Discounter namens Lidl oder Aldi. Sie sind der Inbegriff billiger Lebensmittel verbunden mit deutscher Versorgungspräzision. Was läge da näher, als ein Boykott gegen diese Handelsketten wegen der Verdächtigung spanischer Gurken vorzuschlagen? Versucht, getan. Händeringend springen da die Gemüseproduzenten aus Almeria in den Ring: "Macht so etwas nicht! Man prügelt sich doch nicht mit seinen Kunden!". Der Landwirt José Antonio Lirola erklärt die Situation: "Wir sind nicht daran interessiert, uns mit Deutschland zu streiten, denn das ist das Land, das am meisten bei uns kauft". In der Tat geht eine Drittel der Produktion aus Almeria nach Deutschland.

Aber auch die Spanier haben nun Angst vor ihrem Gemüse. Wie anders soll man es verstehen, wenn die Landwirtschaftsgenossenschaften in Sevilla über Verlust in Höhe von 7 Millionen Euro klagen. Der interne Konsum soll um 30% zurückgegangen sein und der Export um 60%.


Informationsquelle:
Destino Hamburgo - El Pais
"Nada de boicot al Lidl, ¿te vas a pelear con tu cliente? - Publico

Freitag, 3. Juni 2011

Deutscher Atomausstieg trifft auf rumänisches Unverständnis

"Warum wollen die Russen, dass die Deutschen ihre Atomkraftwerke schließen", fragt die renommierte rumänische Zeitung "Adevarul". Die Zeitung fährt dann fort: "Wir sollten nicht vergessen, wer davon (vom Atomausstieg) profitieren wird. Die Antwort: Die anderen Energiequellen, hauptsächlich das Naturgas. Und wer ist der Hauptlieferant Deuschlands? Russland. Es ist offentsichtlich, dass Deutschland wesentlich mehr russisches Gas kaufen wird, um sich aus dieser Quelle für die Energieproduktion zu versorgen". Danach deckt die Zeitung auf, dass die Gaspipeline in der Ostsee und deren Betreiber, die Gesellschaft Nord Stream, an einer hohen Auslastung ihrer Pipeline mit russischem Gas interessiert ist. Und schließlich sei niemand anderes Leiter des Nord Stream Projekts als der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder. Impliziert seien ebenfalls die deutschen Firmen E.on und Wintershall und man werde sehen, dass in Deutschland in nächster Zeit neue Gaskraftwerke entstehen würden. Natürlich werde Deutschland auch auf erneuerbare Energien setzen. Diese wären aber zu teuer und deswegen würden die Investitionen in diese Technologie bald zurück gehen. Im Gegensatz dazu setze Frankreich voll auf Kernenergie und sei auch deshalb der größte Exporteur von Strom in Europa. Dann holt die Zeitung zu ihrem Fazit aus: "Das, was die Deutschen, die sich über diese Entscheidung freuen, noch nicht kapiert haben, ist, dass der Energiepreis nach der Schließung der Atomkraftwerke substantiell steigen wird. Dies deshalb, weil die Atomenergie die billigste Energie nach der Wasserkraft ist." Und sie fügt hinzu: "Jetzt wird Deutschland aus Tschechien und Frankreich, wo massiv Atomstrom produziert wird, Strom importieren müssen, deshalb ist die Entscheidung zum Atomausstieg nur ironisch zu verstehen".

Eine andere rumänische Zeitung, die Romania Libera, begibt sich auf ähnliches Terrain. Ihre Schlagzeile lautet. "Deutschland gibt dem Druck irrationaler Umweltschützer nach". Für die Politik der deutschen Regierung hat sie den Titel: "Realpolitik gegen die Realität (Realpolitik contra realitate)". Der Verzicht Deutschlands, der größten Volkswirtschaft in Europa, auf die Atomenergie, sei von anderen Ländern mit Erstaunen und Ironie aufgenommen worden. Als Zeugin wird die Chefin des französischen Atomkonzerns Areva, Anne Lauvergeon, angeführt. Und natürlich wird auch von ihr das Argument aufgenommen, dass Deutschland jetzt Atomstrom importieren müsse. Deshalb werde sich bis 2022, dem Jahr des endgültigen Atomausstieges, den Deutschen noch die Augen aufgehen, wenn sie sehen wie der Strompreis hochschnellen würden. Romania Libera sieht Deutschlands Rettung nur noch in den Atomkraftwerken Tschechiens und Frankreichs sowie im Bau neuer Kohlekraftwerke. Die Windenergie könne nur mit riesigen Subventionen am Leben erhalten werden.

Erstaunlich wie wenig man in Rumänien die Diskussionen und Bemühungen in Deutschland bezüglich der erneuerbaren Energien und zur Energieeffizienz zur Kenntnis genommen hat. Dass man sich dabei auf längst entlarvte Atomlügen bezüglich Stromexport und Kosten der Atomkraft beruft, verschlimmert die Sache nur noch. Dass man kein Wort zur Gefährlichkeit der Atomkraft verliert, obwohl man in Japan wieder einmal ein Exempel dafür bekommen hat, gibt einem in einem Land, das ebenfalls Kernkraftwerke in einer stark gefährdeten Erdbebenzone betreibt, doch sehr zu denken. Ein Land. das wertvolle Energie über marode Fernheizungen und nicht wärmegedämmte Plattenhochhäuser geradezu verschleudert. Auch bei den Villen-Neubauviertel in Bukarest spielt die Energieeffizienz nur eine untergeordnete Rolle. Lieber investiert man in glitzernde Kristall-Lüster. Die letzte Rettung wird bei der ach so billigen Atomernergie gesucht. Es sind die aus kommunistischen Zeiten weitergepflegten Allmachtsphantasien, dass es Energie gibt, die unbegrenzt vorhanden und immer billig zu haben sein wird, die immer noch in den Köpfen der rumänischen Elite herumspuckt. Tschernobyl, das Rumänien auch erheblich getroffen hatte, ist ein Produkt dieser grenzenlosen Atomgläubigkeit gewesen. Erstaunlich ist nur, dass auch in der Jetztzeit dieses Gebet immer noch herunter geleiert wird. Die verbohrte Art und Weise, bestimmte Techniken aus Bequemlichkeit nicht in Frage stellen zu wollen, ist der beste Beweis dafür, dass Rumäniens Elite in Forschung und Wirtschaft noch lange am Tropf von Auslandsinvestitionen hängen wird. Wer nicht bereit ist, innovativ auf veränderte Lebensbedingung zu reagieren, wird ein Dinosaurier bleiben, der in sein eigenes Verderben rennnt.

Siehe auch:
Bis dass der GAU uns scheidet
Fukushima zeigt der Atomindustrie ihr fehlendes Verantwortungsgefühl
Drittes rumänisches AKW soll nach Transsilvanien

Informationsquelle:
Adevarul - De ce vor ruşii ca Germania să-şi închidă reactoarele nucleare
Romania Libera - Germania cedează în faţa presiunii ecologiste iraţionale

Mittwoch, 1. Juni 2011

Stromlücke dank Atomkraftwerken?

statistik stromimport frankreich mit ballonDer französische Energieminister Eric Besson hat heute angekündigt, dass sich am 9. Juni Experten der Energiewirtschaft treffen werden, um die Konsequenzen des deutschen Atomausstiegs für Frankreich zu besprechen. Durch die Stillegung von 7 Atomkraftwerken verliere Deutschland 10% seiner elektrischen Produktion, was bedeute, dass Deutschland keinen Strom mehr exportieren könne oder sogar welchen brauche.

Die deutsche Entscheidung beraube deshalb Frankreich einer Möglichkeit, Strom zu importieren. Der Ausstieg könne deshalb bereits kurzfristige Konsequenzen haben. Besson wies daraufhin, dass Frankreich im Sommer üblicherweise Strom aus Deutschland importiere. “Auch wenn wir global gesehen eher exportieren, importieren wir auch Elektrizität aus Deutschland und unser Elektrizitätsexport nach Deutschland hat die letzten Wochen um 50% zugenommen”, kommentierte Besson die Sachlage.

Nach Ansicht der französischen Organisation “l'Observatoire du nucléaire” (Nuklearbeobachter) ist diese Behauptung nicht stichhaltig. Die Organisation erklärt, dass Frankreich seit 2004 Strom aus Deutschland importiert. 2010 habe Deutschland nach nachprüfbaren Statistiken der französischen Stromnetz-Verwaltung RTE 16,1 TWh exportiert und dafür von Frankreich 9,4 TWh erhalten. Damit habe Frankreich 2010 6,7 TWh von Deutschland importiert und dies sei gleichbedeutend mit der Jahresproduktion eines Atomkraftwerks. Dass Frankreich einen globalen Überschuss beim Stromexport habe liege daran, dass die Schweizer nachts mit billigem französischen Atomstrom die Stauseen, die als Speicher benützt werden, füllen würden. Nach Ansicht des Nuklearbeobachters lügt man in Frankreich gerne in die eigene Tasche, wenn man behauptet, dass Deutschland ohne den französischen Atomstrom nicht aus der Atomkraft aussteigen könne. Wenn dieses Argument widerlegt sei, dann höre man immer wieder, dass die Deutschen das nur mit schmutzigen Kohlekraftwerken schaffen. Nach Ansicht des Nuklearbeobachters muss man dann die Leute fragen: “Wir können über die Verschmutzung gerne sprechen, aber zeigt nicht die Katastrophe von Fukushima, dass die Atomkraft genauso schmutzig ist wie die Kohle? Dieses Argument rechtfertigt auf jeden Fall nicht die Lügen über den Stromexport”.

Die Ängste des Ministers sind begreiflich. Frankreich erlebt zur Zeit eine lange Trockenperiode. Die Flüsse haben einen niedrigen Wasserstand. Da die Atomkraftwerke den Flüssen Wasser entnehmen und es aufgeheizt wieder zurückleiten, müssen sie ihre Produktion einstellen, wenn der Wasserstand zu gering oder die Wassertemperatur zu hoch ist, weil dann die Wasserfauna und –Flora geschädigt würde. Sollte die Dürre weiter anhalten, müsste ein AKW nach dem andern in Frankreich abgeschaltet werden. Hinzu kommt, dass auch die Wasserkraftwerke nur noch teilweise mit voller Kraft arbeiten.

Siehe auch:
Bald ein französisches Tschernobyl?

Informationsquelle:
L'arrêt du nucléaire en Allemagne, sujet de préoccupation en France
Eric Besson ment en direct sur France-info - OBSERVATOIRE du NUCLEAIRE