Freitag, 29. April 2011

Hochzeit des Jahres erfreut die Hofschranzen und ärgert Republikaner

Die Briten haben zur größten Gaudi-Veranstaltung des Jahres angesetzt, indem sie die Hochzeit eines Prinzen namens William mit einer jungen Frau namens Kate heute mit Pomp und Gloria feierten. Da darf niemand fehlen, auch in Deutschland nicht. Alles bricht in untertänigste Hofberichterstattung aus und manch einer will darauf sein Süppchen kochen. Zeit für einen Rundblick, ob man anderswo ebenso freudig erregt ist.

In Rumänien überschlägt sich die sonst etwas seriösere Tageszeitung "Adevarul" in ihrer Online-Berichterstattung: "Minute für Minute bei der königlichen Hochzeit auf adevarul.ro: William und Kate haben sich auf dem Balkon des Bukingham-Palastes geküsst." In einer weiteren Spalte wird der Leser aufgefordert: "Verfolgen sie ab 11 Uhr die Bilder der Jahrhundert-Hochzeit auf Web-TV und die spezielle Ausgabe, in der Spezialisten und VIP's das Ereignis kommentieren". Natürlich ist auch die königliche Familie aus Rumänien zur Hochzeit eingeladen und man lauscht ihren Kommentaren. König Michael ist überwältigt, weil er noch nie soviele Menschen bei einer königlichen Hochzeit gesehen hat. Prinz Radu, ein in die beschäftigungslose rumänische Königsfamilie eingeheirateter ehemaligen Securitate-Offizier, erklärte die Hochzeit für ein ganz wichtiges Ereignis, das auch Auswirkungen auf Rumänien haben werde. So ganz haben die Ex-Monarchen die Hoffnung auf die Rückkehr der Monarchie nach Rumänien nicht aufgegeben.

Auch die britische Tageszeitung "The Guardian" lässt es sich nicht nehmen, das Brimborium Minute für Minute seinen Lesern zu schildern. Die Kommentare der Leser, gegen Mittag waren es schon über 1.000, sind allerdings überwiegend ätzend. Einen zitiere ich hier stellvertretend: "Ich versuche irgendeinen Platz zu finden, egal wo, wo ich den Tag verbringen kann, ohne mit diesem Müll belästigt zu werden. "The Guardian", der unter seiner Leserschaft sicher eine hohe Anzahl an Republikanern hat, ist kein solcher Platz". Ein anderer fordert jetzt bereits den "Scheidungs-Blog".

Die spanische "El Pais" hängt die Sache wesentlich tiefer. Zwar berichtet man auch hier von der "Boda Real" aus "Londres", aber Pais-Webseite wird nicht erdrückt von dem Ereignis. Natürlich ist auch die königliche Familie aus Spanien dabei. Auf dem offiziellen Bild sieht Prinz Felipe wie Ali Baba aus, der in einer wenig vetrauenerweckenden Uniform steckt. Bei Gemahlin Letizia wird bemängelt, dass sie einen "Retro-Hut", Stil 20er Jahre trägt. In der katalanischen Zeitung "El Periódico" stehen einige hässliche Leserkommentare. Einer bedauert, dass sich der Brauch der französischen Revolutionäre, den Königlichen den Kopf abzuschlagen, nicht ausgebreitet habe.

In Brasilien widmet sich "O Estadão" so nebenbei einem "Life-Blogging" aus London, wo man auch natürlich das Geschehen minutiös notiert. So großes Aufsehen scheint das Ganze aber nicht zu erregen. 2 Kommentaristen verlieren sich auf der Seite, wovon einer bemerkt: "Die britische Familie erhält die größte Sozialhilfe der Welt! P.S. Weiss jemand, wozu eine königliche Familie gebraucht wird?" Auch die Zeitung "Diario de Pernambuco" im brasilianischen Nordosten verwöhnt die Leser mit ein paar Tratschgeschichten zur Hochzeit. Gesellschaftsreporter Joao Alberto darf in einem Blog über die Geschehnisse berichten, halt so wie man über die Ereignisse der brasilianischen hohen Gesellschaft berichtet: Untertänigst und ergeben und alles etwas zu wichtig nehmend.

Noch einmal zurück über den Atlantik nach Schottland. "The Scotsman", die konservative Zeitung in Schottland, zeigt sich auch nicht gerade übertrieben monarchisch. Man berichtet zwar auch im Life-Blog, aber wenn man nicht genau hinschaut, kann man die Hinweise auch übersehen. Ein schottischer Leser erklärt uns, wie man die Sache in Schottland sehen sollte: "Der Enthusiasmus für die königliche Familie ist bei den Schotten geringer als bei den Engländern, egal was man im schottischen Fernsehen sieht. Die zeigen alles, genauso wie die Zeitung alles über das Ereignis schreiben, egal, ob sie dies im Kontakt mit ihren Zuschauern oder Lesern tun oder nicht. Diese Zeitung (The Scotsman) ist in der Tat ein gutes Beispiel wieweit sie von der Mehrheit der Schotten entfernt sind. .... Die Tatsache, dass mit den Einkommenssteuern der Schotten, Nordiren und Waliser das Wohlergehen dieser Familie finanziert werden muss, ist besonders bitter in diesen schwierigen Zeiten."

Bei den französischen Republikanern der Zeitung "Libération" muss man ganz schön scrollen, um auf die Nachricht des Tages zu stossen. Auch "Le Monde" berichtet nur das Nötigste. Auf "Agoravox" fragt Pierre-Alain Reynaud zu Recht: "Braucht man diesen Prunk in einer Zeit, wo überall auf der Welt Leute an Hunger sterben?"

Hunger ist aber nicht sexy, blaublütige Hochzeit schon!

Dienstag, 26. April 2011

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch die Ansicht des CSN (Nationalrat für nukleare Sicherheit), der soeben eine international geforderte Überprüfung durchgeführt hat, um der Gesellschaft das nötige Vertrauen zu geben".

14. April 2011, Mitteilung des Nationalrats für nukleare Sicherheit: "Im Atomkraftwerk Ascó I (Tarragona) kam es zu einem mitteilungspflichtigen Zwischenfall. Es gab einen Brand von ca. 3 Minuten in einer elektrischen Schaltstelle des Nebengebäudes. Das Feuer wurde von der Betriebsfeuerwehr gelöscht. Die Sicherheitssysteme wurden nicht beschädigt und alle Geräte funktionieren". Das AKW Ascó hatte für dieses Jahr bereits 5 meldepflichtige Vorfälle.

Fukushima und das Gedenken an Tschernobyl bringen auch die Spanier zum Nachdenken. Beim Nuklearforum herrscht betretenes Schweigen. Sachliche Berichterstattung über Fukushima, Erklärungen wie ein Atomkraftwerk funktioniert, aber kein Versuch, Rückschlüsse auf die eigenen Risiko-Anlagen zu ziehen.

Der Gedanke, dass wir keinen Atomstrom mehr haben sollten, scheint aber für viele unerträglich. Im Artikel der Zeitung "El Pais" dürfen die Finanzanalysten Arturo Rojas und José A. Herce am 19. März über die Frage "Können wir auf die Atomernergie verzichten?" nachdenken. Das Nachdenken führt zu einem einseitigen Argumentieren Pro-Atomkraft, die ich nachstehend in Kurzfassung wiedergebe:

"Der Fortschritt in der Nukleartechnik ist herausragend, besonders im Bereich der Sicherheit. Deshalb sind unsere Atomkraftwerke geeignet, ihre volle Leistung solange es geht zu erbringen. Wobei fortlaufend die Sicherheit verbessert wird. Die gute Leistung unserer AKW's hat im vergangenen Jahr beigetragen, dass weniger Kohlendioxid ausgestossen wurde. Die Atomkraftwerke sind fundamental wichtig im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Bezüglich des Umweltschutzes gibt es keinerlei Probleme bei einer Laufzeitverlängerung, ausser denen die bereits aktuell sind wie die Einlagerung der Atommülls. Im Gegenteil werden durch die Laufzeitverlängerung die relativen Umweltkosten gesenkt. Die AKW's tragen zu einer Verminderung des Strompreises bei. Es wird erinnert, dass, da die AKW nicht einfach an- und abgeschaltet werden können, der Strom sozusagen zum Null-Tarif angeboten wird. Das bringt Vorteile für alle und vor allem für die Industrie, die damit ihre Wetbewerbsfähigkeit stärken kann. Die Atomkraftwerke sind wichtige Arbeitgeber. In einigen Provinzen und Gemeinden sind sie die größten Arbeitgeber. Steuereinnahmen werden fehlen."

Da klappern einem die Zähne! Selbstverständlich muss der einfache Bürger angesichts eines solchen Szenarios sagen, dass er lieber das Rest-Risiko auf sich nimmt als dass sein ganzer Wohlstand mit dem fehlenden Atomstrom baden geht. Derartig einseitig denkende "Finanzanalysten" verfügen über ein sehr deformiertes Denken, mit dem man die Zukunft mit Sicherheit nicht meistern kann. Deren Argumentation liefert uns alternativlos der Atomindustrie aus. Dabei hat gerade Spanien die Chance alles besser zu machen: Wind und Sonne sind in einem Maße vorhanden, der die Atomenergie uninteressant macht. Es bräuchte eben nur Leute, die den Mut haben, die Weichen neu zu stellen.

Siehe auch:
Fukushima zeigt der Atomindustrie ihr fehlendes Verantwortungsgefühl

Informationsquelle:
El Pais: ¿Podemos prescindir de la energía nuclear

Samstag, 23. April 2011

Frankreich erklärt Stiere töten zum Kulturerbe

Die Franzosen sind die Schnellsten! Es ist das erste Land, bei dem der Stierkampf als immaterielles Kulturgut der UNESCO anerkannt ist. In Frankreich gibt es den Stierkampf seit dem 19. Jahrhundert. Er wird in Südfrankreich praktiziert.

Es ist somit nur eine begrenzte Region in Frankreich, die dem Stierkampf frönt. Umso empörter sind die Stimmen derjenigen, die gegen den Stierkampf kämpfen. Es gibt die "Alliance Anti-Corrida", die empört ist über diese Entscheidung. Sie hat eine Erklärung dazu veröffentlicht, die ich hiermit weitergeben möchte:

"Eine derartige Eintragung (in die Liste der immateriellen Kulturgüter) wäre ohne eine vorherige Zustimmung des französischen Staates nicht möglich gewesen. Am 9. Juli 2010 hat uns der Leiter des Ministerbüros (Minister für Kultur) erklärt: "Bis heute gibt es keinen offiziellen Antrag der UVTF (Vereinigung der französischen Stierkampf-Städte) bei diesem Ministerium im Hinblick auf eine Kandidatur"! Auf telefonische Nachfrage präzisierte er, dass es keinerlei Chance für eine Zustimmung der französischen Regierung zu diesem Projekt geben werde.

Genauso wie Museumsgegenstände und historische Monumente, die lebenden Krippen oder die französische Küche als Kulturgüter anerkannt werden, so ist die französische Regierung als erste und einzige bereit, eine Aktivität als immaterielles französisches Kulturgut anzuerkennen, das strafrechtlich im Land verboten ist und für das es Ausnahmen nur an einigen Orten gibt. Wie kann unser Kulturminister, der den Auftrag hat, die grossartigen Werke unseres Volkes bekanntzumachen und die Schaffung von Kunstwerken und des Geistes zu fördern, das Überleben eines archaisches Überbleibsels, die darin besteht ein Schauspiel der Folterung eines Tieres darzustellen, unterstützen?

Für die Verantwortlichen der Stierkampf-Lobby, denen schon der Wind ins Gesicht geblasen hat, handelt es ich darum, das sich verschlechternde Image wieder zu vergolden, weil die öffentlichen Subventionen und die Zuschauer fehlen. Für die Alliance Anticorrida ist die Zustimmung des Staates das Eingeständnis, dass Wir uns nur nach den Erwartungen und der Meinung der Mehrheit der Franzosen zu richten haben. Das ist für uns auch ein Anreiz den Kampf fortzuführen."

In Sevilla und Madrid hat man die Nachricht mit Befriedigung aufgenommen. Schließlich steht nach dem Stierkampfverbot in Katalonien dieser blutige Brauch auch in Spanien am Pranger.

Vielleicht sollte die UNESCO - wenn schon die Regierungen nicht genug Verstand haben - gegen die Aufwertung solch barbarischer Bräuche einschreiten. Schließlich gibt es noch andere nicht minder brutale Volksbräuche, die man, nur weil sie schon seit alters her gepflegt werden, als Kulturerbe anerkennen müsste.

Siehe auch:
Kataloniens Stiere können aufatmen

Informationsquelle:
Les infos - Alliance Anticorrida

Freitag, 22. April 2011

Nova Friburgo 100 Tage nach dem Desaster

Die Tagesschau berichtete am 28. Januar: "Gut zwei Wochen sind seit der großen Flut aus den Bergen vergangen. Die Menschen sind immer noch wie betäubt. In den betroffenen Städten wie Teresópolis oder Nova Friburgo sind ganze Viertel verschwunden. In Coiabá ist eine Siedlung mit 120 Häusern einfach nicht mehr da, begraben unter einer vier Meter hohen Schlammschicht.

Eine Katastrophe, die inzwischen aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Wie es weitergeht, interessiert jetzt nur noch die Betroffenen. Eine Bestandsaufnahme für Nova Friburgo hat "A Voz da Serra" (AVS; Die Stimme der Berge) heute veröffentlicht. Danach ist die Stadt immer noch dabei, die unmittelbaren Spuren der Flut zu beseitigen. Noch sind Traktoren und Lastwagen dabei, die Schäden aufzuräumen. Trotzdem keimt in der Stadt wieder das Gefühl der Hoffnung auf.

Vom am stärksten betroffenen Stadtteil, Córrego Dantas, bericht AVS, dass jetzt der viele Schlamm langsam verschwindet, LKW's Erde wegfahren und der Fluss gereinigt wird. Die Anwohnerin Maria das Dores Klein erklärt die Situation: "Gottseidank können wir jetzt sagen, dass wir wieder ruhiger leben. Endlich funktioniert das Abwassernetz wieder, wir haben Licht und Wasser. Das ist das, was für uns wichtig ist. Ich habe mich schon an den Staub gewöhnt und dass kein Autobus vorbeikommt, aber das Wichtige ist jetzt, dass das Viertel wieder aufgebaut wird." Die Stadt beabsichtigt in diesem Stadtteil jetzt einen Naturpark einzurichten. Dies stösst auf Widerspruch bei einem lokalen Unternehmer: "Das bedeutet, dass die nicht bebaubare Fläche erheblich erweitert wird. Das ist utopisch und kostet einen Haufen Geld", ist seine Ansicht.

Im Stadtteil Jardim Califórnia, wo 16 Menschen ums Leben gekommen sind, sind die Schlamm-Berge immer noch präsent und der Staub ein ständiger Begleiter. Viele Anwohner beklagen sich über die schlechte Beleuchtung der Straßen, die für den Abriss markierten Häuser, die nicht bezogen werden dürfen und sich in einen Brutherd für Mücken, die das Dengue-Fieber verbreiten, verwandeln. Zudem steige die Gefährdung durch Kriminelle und die Zunahme des Mülls im Viertel.

Der Stadtteil Riograndina, durch den der Fluss Rio Grande fließt, war von Erdrutschen weniger betroffen, dafür wurden viele Häuser überschwemmt. Auch hier sind viel Häuser schwer beschädigt und für den Abriss gekennzeichnet, aber in letzterer Hinsicht hat sich bisher nichts getan. Ein Anwohner erklärt die Situation: "In mein Haus ist viel Wasser eingedrungen. Wir konnten einige Sache retten, aber wirklich wichtig ist, dass ich und meine Familienangehörigen wohlauf sind. Aber bei jedem Regen habe ich Zweifel, ob ich das Haus verlassen soll oder nicht, wir haben dann immer viel Angst".

Auch in anderen Stadtteilen sind die Folgen des Unglücks noch gut sichtbar. Die Anwohner bemängeln eine nicht funktionierende Strassenbeleuchtung, nicht geräumte Straßen, die für den Verkehr nicht passierbar sind, fehlende Müllabfuhr und einen öffentlichen Nahverkehr, der noch sehr eingeschränkt ist. Weil der Müll nicht abgeholt wird, fangen die Anwohner an, diesen auf der Straße zu verbrennen.

Vom Stadtteil Lazareto wird berichtet, dass er einem Geisterviertel gleicht. Aufgewühlte Erde, Schutt, Bauruinen, Möbel, Kleider, Haushaltsgeräte und Spielzeug liegen herum. Bisher hat sich nur eines daran geändert: Der Wald kommt zurück und erobert sich das Viertel.

Langsam kehrt der Alltag wieder zurück. Trotzdem ist für die Bewohner die Situation noch bedrückend und der Schrecken sitzt ihnen tief in den Knochen.

Siehe auch:
Lerne die Katastrophe kennen

Informationsquelle:
AVS Nova Friburgo - Tragédia em Nova Friburgo completa cem dias nesta sexta

Mittwoch, 20. April 2011

Rumänien ist Frankreich zu Diensten

Entsprechend einer Ankündigung des französischen Innenministers Claude Gueant aus Anlass eines Treffens mit seinem rumänischen Amtskollegen, Traian Igaş, wird Rumänien Frankreich bei der Verbrechensbekämpfung durch Entsendung von Richtern und Polizisten unterstützen. Diese sollen überwiegend in Paris eingesetzt werden und bei der Aufklärung von Delikten, die von rumänischen Staatsangehörigen in Frankreich begangen werden, der französischen Polizei zur Hand gehen.

Der französische Innenminister bezeichnete dies als einen wichtigen Schritt in der Verbrechensbekämpfung, da es in Frankreich eine hohe Anzahl an strafbaren Taten gebe, die von Rumänen begangen würden. Er ist auch der Ansicht, dass in der gegenwärtigen Situation die Vergehen der Rumänen das Bild dieses Landes in Frankreich negativ beeinträchtige und damit die traditionell guten Beziehungen zwischen den Ländern leiden. Die Kriminalität der Rumänen in Frankreich sei deswegen besonders belastend, weil mehr als 50% der Straftaten von Jugendlichen und Kindern begangen würden, die von kriminellen Banden geleitet würden.

So werden ab Mai 11 weitere rumänische Polizisten - einige befinden sich bereits seit einiger Zeit in Frankreich - in Paris die französische Polizei unterstützen. Im zweiten Schritt sollen auch rumänische Richter entsandt werden, um dem Einsatz der Polizei mehr Gewicht geben zu können. Die Arbeit einer bereits früher gegründeten gemischt besetzten Gruppe zur sozialen Integration von rumänischen Kindern hat sich laut Gueant sehr gut bewährt. Rumänien habe bei der sozialen Integration der Kinder große Fortschritte gemacht und er sei überzeugt, dass diese Zusammenarbeit noch mehr Früchte tragen werde.

Nach den Verstimmungen der letzten Monate zwischen den Politikern der beiden Länder bot Gueant jetzt Rumänien Unterstützung beim Schengen-Beitritt an. Eine kleine Bedingung hat er dabei: Rumänien soll akzeptieren, dass seine Polizisten von Experten aus Frankreich, Deutschland und Großbritannien im Beriche der Grenz- und Luftverkehrskontrolle weitergebildet würden.

Endlich mal etwas anderes zum populistischen "Rumänen raus"-Gezeter! Verstärkte Zusammenarbeit und Koordination bringt viel mehr als Abgrenzung und gegenseitige Schuldzuweisungen. Dies ist der Weg, auf dem man Europa sicherer machen könnte.

Siehe auch:
Schengen raubt Rumänien das Zollpersonal
Rumänien ab 2011 Schengenland?
Argumente gegen den Schengenbeitritt Rumäniens sind an den Haaren herbeigezogen

Informationsquelle:
Magistraţi români, detaşaţi la Paris pentru a stopa infracţiunile comise de conaţionalii noştri - Justiţie > EVZ.ro


Dienstag, 19. April 2011

Wird der Gewehrkugel-Express zum Milliardengrab?

Der "Trem-Bala", übersetzt "Gewehrkugel-Zug", ist Brasiliens ehrgeiziges Projekt eines Hochgeschwindigkeitszuges, der die Städte Rio de Janeiro, Campinas und São Paulo verbinden soll. Das Projekt ist noch nicht richtig gestartet und schon gibt es warnende Stimmen, dass die Schnellbahnverbindung nur mit hohen Kosten gebaut werden kann. Trotzdem hat jetzt der brasilianische Senat mit 44 gegen 17 Stimmen die Finanzierung abgesegnet. Die Regierung erwartet Kosten in Höhe von 20 Milliarden R$ (ca 8,3 Milliarden Euro). Die Abgeordnetenkammer hatte bereits letzte Woche zugestimmt. Die Präsident Dilma Rousseff muss die Beschlüsse jetzt noch in Kraft setzen. Die Versteigerung der Konzession soll im Juli stattfinden.

Es gibt allerdings schon eine verbreitete Skepsis bezüglich der Kosten und des Sinns des Projektes. Fachleute schätzen, dass die tatsächlichen Kosten in der Regel um 45% über den geplanten Kosten liegen. Die geplanten Gesamtkosten liegen bei 33 Milliarden R$ (15 Milliarden Euro), aber Skeptiker schätzen, dass es mindestens 50 Milliarden werden (22 Milliarden Euro). 20 Milliarden R$ soll der brasilianische Staat per Kreditaufnahme übernehmen und 10 Milliarden R$ soll von privaten Investoren erbracht werden. Für das Projekt wurde eine neue staatliche Organisation gegründet, die sich "Empresa de Transporte Ferroviário de Alta Velocidade (ETAV)" (Eisenbahntransport-Unternehmen für Hochgeschwindigkeitszüge), an der sich auch private Investoren beteiligen können.

Ein Fachmann, der im Beirat des Senates sitzt, schildert, was man mit dem Geld auch machen könnte: "Mit 20 Milliarden R$ könnte man zum Beispiel ein Wasserkraftwerk von der Größe von Belo Monte bauen, 8.300 km Eisenbahnlinien für den Güterverkehr, 12 Millionen Menschen in den Städten an das Abwassernetz anschließen oder das U-Bahnnetz einer Stadt wie São Paulo verdoppeln. Ist es soviel öffentliches Geld wert, für ein Zugprojekt wie den "Trem-bala" verwendet zu werden?", fragt sich der Experte. Das Projekt bringe auch erhebliche Zielkonflite mit der wirtschaftlichen und sozialen Politik der brasilianischen Bundesregierung. Politiker aus Brasiliens Nordosten haben auch bereits gefordert, dass man genausoviel Geld in die Infrastruktur ihrer Region investiert.

Man darf sich zurecht fragen, ob Brasilien nicht besser in eine Infrastruktur investiert, die allen etwas bringt. Der Hochgeschwindigkeitszug ist ein Prestigeobjekt, das demnächst den staunenden Besuchern der Fußballweltmeisterschaft oder Olympiade das moderne Brasilien vor Augen führen soll. Dem durchschnittlichen Brasilianer wird das nicht viel bringen, er hat zur Zeit noch ganz andere Sorgen.

Blogger Fabio Mayer dückt sich so aus: "Der Trem-bala ist nichts anderes als ein Alptraum, der sich bald in einen unzugänglichen weißen Elefanten verwandeln wird. Vermutlich werden wir die Bahnverbindung nie bezahlen können und sie wird auch bis 2018 nicht fertiggestellt. Und das passiert alles mit Geld, das besser und unmittelbarer in den Bau von Flughäfen, Bahnhöfen und Straßen investiert würde. Dann würde man schnell und umfassender praktische Ergebnisse sehen.
Das brasilianische Volk wird davon nicht profitieren, denn das wird ein Produkt der ersten Welt sein, der Stolz der Nation, von dem es aber nichts haben wird."


Siehe auch:
Südamerikanischer Tigerstaat kämpft mit Durchfall

Informationsquelle:
Senado aprova financiamento para o trem-bala - O Globo

Trem-bala pode custar até 45% mais que o previsto

Sonntag, 17. April 2011

Harte Zeiten für Atheisten

Ab Morgen beginnt sie wieder, die Karwoche, in Spanien "Semana Santa" genannt. Die Christen denken an den Leidensweg Christi und feiern diesen vor allem bei den Katholiken mit Prozessionen. Öffentlichen Prozessionen. Gerade in Spanien kann kaum jemand den religiösen Kulten auf öffentlichen Straßen entkommen. Das gefällt einigen nicht, denn eigentlich gibt es ein gewisses Neutralitätsgebot des Staates. Der hält aber seine schützende Hände über die "Nazarenos", die an den Prozessionen teilnehmenden Kapuzenmänner. Schließlich ist die ganze religiöse Folklore auch ein großes Geschäft, das man sich gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten nicht verderben lassen sollte.

Es gibt aber auch Spanier, denen das alles zuviel ist. So wie manche Deutsche in Karnevalszeiten aus den Hochburgen der Narren fliehen, so möchten auch einige Spanier von dem ganzen religiösen Primborium nichts wissen. Stellvertretend hier eine Frusterklärung des Ignacio Irujo im Blog "Por la boca muere el pez":

"Leider müssen wir diese unsere lärmenden Nachbarn, die sich darauf spezialisiert haben an Prozessionen mit sadomachistischen Szenen teilzunehmen, sich als Götzen verkleidend und unsere Straßen füllend, ertragen. Sie belästigen uns derzeit fast jeden Tag und wir ertragen es, weil wir so demokratisch sind und akzeptieren, dass jeder frei ist, Sachen zu feiern, die ihm gefallen. Das stösst uns natürlich auf, denn das wird auch mit unsern Geldern bezahlt oder aus Mitteln, die für andere kulturelle Veranstaltungen nicht zur Verfügung stehen. Und es stösst uns noch mehr auf, weil dies alles früher als Pflicht angesehen und von einem mörderischen und diktatorischen Staat abgesegnet wurde. Und wir dachten mit der Wende zur Demokratie würden die Dinge etwas abgemildert. So ist es leider nicht. Nicht zufrieden damit, wollen sie auch noch Abweichler fertig machen. Alternative Veranstaltungen werden während der Leidenszeit ihres Freundes verboten. Veranstaltungen mit Pilgermotiven, die den Touristen nicht gefallen hätten. Die Ankündigung einiger Nazis, dass sie Hostien an die Scheiss-Atheisten verteilen würden, haben dazu geführt, dass man die Prozession der Atheisten verboten hat. Die Semana Santa sehen sie als immaterielles Erbe an  und wer sich daran vergeht, dem schlagen sie das Gesicht ein. Obwohl entsprechend den Vorschriften eine Genehmigung für dieses Straßenfest am kommenden Donnerstag beantragt wurde, hat sich ein Richter erdreistet auf Veranlassung der Nationalkatholiken ein Strafverfahren gegen die Antragsteller zu eröffnen mit der Begründung eines Deliktes gegen die religiösen Gefühle, Anstachelung zum Hass wegen Glaubensmotiven und unerlaubter Demonstration.

Es reicht. Dieser Angriff von Leuten, die Experten in der Belästigung anderer sind, ist nicht normal. Es ist nicht logisch, dass sie dafür straffrei bleiben. Wir haben hier schon das Recht verteidigt, gegen Gott zu argumentieren, weil die Blasphemie in einer demokratischen Gesellschaft mit freier Meinungsfreiheit kein Delikt sein kann. Es gibt nichts Heiliges, das der Kritik entzogen werden kann."

Der Gesinnungsterror, der von rechtskatholischen Kreisen in Spanien ausgeübt wird, nimmt in der Tat zu. Kein Wunder, dass der tiefe Riss in der spanischen Gesellschaft immer noch sichtbar ist. Das "immaterielle Erbe" der katholischen Könige und des Franquismus lastet noch schwer auf der Gesellschaft und vergiftet das Verhältnis zwischen gesellschaftlichen Gruppen.

Siehe auch Blogbeiträge:
Endlich in Sevilla: Gleichberechtigung unter den Kutten
Massenpanik in Sevilla

Informationsquelle:
Por La Boca Muere El Pez

Freitag, 15. April 2011

Wir sind ein unzivilisiertes Volk

Aurelia Marinescu ist 77 Jahre alt, ehemalige Lehrerin und Autorin des rumänischen Bestsellers "Handbuch des guten Benehmens von heute". Den Bestseller hat sie 1995 geschrieben. Sie ist der Ansicht, dass die Rumänen bisher kein gutes Benehmen gelernt haben. In einem Gespräch mit der Zeitung Evenimentul Zilei erklärt sie sich:

"Ich bin enttäuscht, dass die Rumänen in den letzten 20 Jahren zwar gelernt haben, wie man Würste aus Pleşcoi isst, wie man entgrätete Forelle kauft, wie man Spargel nach 4 Rezepten zubereitet, aber sie haben die elementaren Dinge nicht gelernt. Wir wissen nicht, dass man püntklich zu einem vereinbarten Treffen kommen muss, dass man kein Papier auf den Boden schmeisst.... Es geht nicht um gutes Benehmen von A bis Z oder von A bis B. Bevor ich lerne, wie ich Fisch oder Suppe essen soll, muss ich lernen, dass man an der Tür anklopft und dass man auf die Antwort wartet und vieles ähnliche mehr. Leider ist das unser grosses Problem - wir sind unzivilisiert".

Ein hartes Urteil der alten Dame. Aber sie führt das noch etwas weiter aus. Auf die Frage nach der Jugend, ob die nicht schon einen höheren Zivilisierungsgrad erreicht habe, meint sie: "Geh mir mit der Jugend von heute!" Sie ist der Ansicht, dass die Jugend von heute nicht gut erzogen wurde. Die Jugend von heute seien von Jugendlichen aus der Epoche Ceauşescu erzogen worden. Damals hätten Mutter und Vater gearbeitet, das Kind wurde mit dem Schlüssel um den Hals auf der Straße gelassen. Auf der Straße spielten sie zwischen Müll und Ratten und Mülltonnen und lernte die Flüche von anderen Kindern. Die daher stammenden schlechten Gewohnheiten kenne jeder. "Sie können das in unserem öffentlichen Nahverkehr beobachten. Warum sieht man die alte Frau nicht oder die Schwangere, wo es normal wäre, dass man ihnen den Platz überlässt".

Frau Marinescu ist der Ansicht, dass die Rumänen sich weniger über das fehlende Benehmen aufregen sollen und stattdessen sich mehr darum kümmern sollten, wie man sich gegenüber seinem Mitmenschen verhält und dabei in Betracht zu ziehen, wie man von diesem selbst behandelt werden möchte. Nach ihrer Meinung ist die öffentliche Meinung nicht solidarisch, um gegen das schlechte Benehmen anzugehen, sondern man ist sich einig bei Streitereien, Verleumdungen. "Man macht mit Hass Politik, man spielt den bösen Mann. Wir sind Egoisten und wir handeln demzufolgen nur für unseren eigenen Vorteil",

Dafür, dass die Rumänen zivilisierter werden wollen, spricht der Erfolg ihres Handbuchs. Der rumänische Titel lautet "Codul bunelor maniere astăzi". Das Buch ist 1995 erschienen. 1999 erschien die 2. Auflage, 2005 die dritte. Insgesamt wurden 250.000 Exemplare verkauft. Der Traum von Aurelia Marinescu ist, dass das Buch zum Schulbuch wird.

Der Kommentar eines Lesers zeigt, dass Rüpelhaftigkeit noch weit verbreitet ist: "Ich habe zwar nicht den ganzen Artikel gelesen. Sie können aber auch nur Schlechtes schreiben ... ein unzivilisiertes Volk! Warum kann sich die 77-jähre Alte nicht um ihren Garten kümmen, so wie es auch andere in ihrem Alter tun?"

Informationsquelle:
"Suntem un popor necivilizat" - Interviu > EVZ.ro

Mittwoch, 13. April 2011

Brasilien rüstet ab und die Waffenindustrie verdient daran

Der Amoklauf in einer Schule in Rio de Janeiro vor ein paar Tagen, der 12 Kindern das Leben kostete, hat in dem so gewalterprobten Brasilien einen Schock verursacht. Seither wird wieder über einen Abbau des Waffenarsenals im Land geredet.

Der Justizminister José Eduardo Cardozo hat jetzt angekündigt, dass eine bereits geplante Kampagne zur Entwaffnung vorgezogen wird. Sie soll am 5. Mai beginnen, ist allerdings nicht die erste ihrer Art. Bereits im Jahr 2009 wurde eine solche Kampagne durchgeführt und dabei wurden 40.000 Waffen eingesammelt. Der Minister ist hoffnungsfroh: "Ich bin überzeugt, dass wir bei Durchführung dieser Kampagne eine hochgradige Reduzierung der Todesrate haben werden. Sie wird sich in Brasilien um mehr als 50% reduzieren. Eigentlich hatten wir vorgesehen, mit der Kampagne erst im Juni zu beginnen, aber auf Grund der Tragödie in Rio haben wir uns entschlossen, diese vorzuziehen. Wir werden diese Kampagne zusammen mit der Zivilgesellschaft durchführen."

Wie das funktionieren soll, kann man am Beispiel des Bundesstaates Pernambuco erkennen. In Pernambuco wird ein Komitee auf der Grundlage der Vorgaben des Justizministerium eingerichtet. In diesem sind Vertreter der Zivilgesellschaft, Sicherheitskräfte und die öffentliche Verwaltung vertreten. Die Kampagne nennt sich hier "Kampagne für die freiwillige Abgabe von Waffen und Munition" und wird CEVAM abgekürzt. Das Komitee wird Orte für die Waffenabgabe einrichten. Personen, die eine Waffe freiwillig abgeben, erhalten zwischen 100 R$ und 300 R$ (45 bis 130 Euro) je nach Kalibergröße der Waffe. Die Waffe wird in Gegenwart des bisherigen Besitzers mit einem Vorschlaghammer zerstört. Am Ende eines Tages holt die Bundespolizei die Reste der Waffen zur endgültigen Zerstörung ab. 

Es gibt in Brasilien ein Gesetz, das sich "Estatuto do Desarmamento" (Entwaffnungsgesetz) nennt. Es wurde 2004 vom damaligen Staatspräsidenten Lula da Silva erlassen. Im Gesetz wurden Regelungen erlassen, wer und unter welchen Bedingungen Waffen tragen durfte. Im Oktober 2005 wurde ein Referendum abgehalten, bei dem die Brasilianer über eine Verbot des Waffenhandels abstimmen konnten. Die Mehrheit der Brasilianer lehnte daraufhin ein Verbot ab.

Insofern ist es mehr als fragwürdig, von der Abrüstungskampagne viel Erfolg zu erwarten. Vermutlich werden auf diese Art und Weise ein paar alte Schrottflinten verschwinden und Platz für Neukäufe machen. Der brasilianische Waffenhandel wird seine Freude daran haben. Die zwölf getöteten Kinder von Rio wird man schnell wieder vergessen und die landesübliche Selbstjustiz mit Waffen wird weitergehen.

Informationsquelle:
Notícias - Gazeta Online - Governo Federal decide antecipar campanha pelo desarmamento
Diario de Pernambuco - Pernambuco ganha comitê do desarmamento
Wikipedia portugiesisch - Estatuto do Desarmamento


Montag, 11. April 2011

Umweltaktivisten werden in Spaniens Provinz terrorisiert

Letztes Wochenende wurde das Büro der spanischen Umweltgruppe "Ecologistas en Acción" (EA) in Cáceres von unbekannten Tätern verwüstet. Die Täter verbrannten Bücher und zerstörten Computer. Die EA ist vielen in der Hauptstadt der Extremadura ein Dorn im Auge, weil sie unerschrocken gegen die Umweltzerstörung in dieser Region kämpft. Bereits vor der Zerstörung des Büros wurden einzelne Mitarbeiter mit Drohungen eingeschüchtert, wobei das Haus einer Mitarbeiterin mit Leuchtraketen beschossen wurde. Bei einer Diskussion über die Atompolitik in Valencia de Alcántara wurde von mehreren Personen versucht, Mitglieder der EA am Sprechen zu hindern.

In Cáceres hat die EA viele Feinde, weil sie gegen ein Siedlungsprojekt im Naturschutzgebiet Isla Marina de Valdecañas kämpft und vor dem obersten Gericht der Extremadura eine Annullierung des Projekts erreichen konnten. Die Regierung von Extremadura hatte zuvor per Rechtsverordnung das Bauprojekt als ein Projekt von regionalem Interesse für Tourismus und Gesundheit erklärt und damit die Bebauung freigegeben. Man sollte sich in Spanien nicht mit der Bau-Mafia anlegen. Das kann sehr gefährlich werden. Wie der Fall "Gürtel" zeigt, sind die Politiker im Griff dieser Mafia. Sie werden von diesen bestochen, schauen weg, wenn illegale Siedlungen gebaut werden und genehmigen dann, wenn diese stehen, achselzuckend - man kann ja schließlich die Bewohner jetzt nicht mehr vertreiben - die illegal errichteten Bauten. Man braucht viel Mut, gegen diese Praktiken aufzustehen und zu kämpfen. Nach dem Gerichtsurteil hat die Regierung von Extremadura jetzt einfach das entsprechende Gesetz geändert und nun Teile des Naturschutzgebietes für "bebaubar" erklärt.

Spanische Politiker sind immer noch nicht frei vom Gedankengut und Verhaltensweisen der Franco-Diktatur. Bürger sind für sie "subditos", "Untertanen", die sich nach Möglichkeit nicht in ihre Geschäfte einzumischen haben. Ein Großteil der Bürger hat das auch verinnerlicht und so ist es leicht, sie entsprechend zu manipulieren. Der Schriftsteller und Journalist Antonio García Fuentes beschrieb den Zustand vor kurzem sehr treffend: "Der Spanier hat die Etappe des Untertanen noch nicht überwunden und schlimmer noch, er hat immer noch das Leibeigenen-Gen."

Deswegen haben es Bürgerorganisation wie die der "Ecologistas en Acción" schwer, ihre berechtigten Anliegen zu Gehör zu bringen. Der Vorfall in Cáceres wird sie von ihrem Weg nicht abbringen. In einer Presseerklärung schreibt EA: "Das waren Handlungen, die man ohne Übertreibung als mafiös und einschüchternd bezeichnen kann und die zeigen, welche faschistische Verhaltensweisen in Cáceres vorhanden sind. Es ist die Verantwortung der Regierung und der lokalen Verwaltungen, die entsprechenden Massnahmen zu ergreifen, um die Meinungsfreiheit der Bürger Extremaduras zu gewährleisten. Wir werden unsere Arbeit fortführen und eine neue Ethik in den Beziehung zwischen den Menschen und den anderen Lebewesen und ihren Lebensräumen verteidigen. Unsere Organisation wird nicht aufhören, gegen Handlungen, die die Umwelt schädigen und gravierende Situationen sozialer und ökologischer Ungerechtigkeit mit sich bringen, vorzugehen. Nicht die Inbrandsetzung unserer Büros noch die Drohungen werden uns von unserer Arbeit für eine gerechtere, nachhaltiger und demokratischen Welt abhalten."

Asaltan nuestra sede en Cáceres - Ecologistas en Acción

Sonntag, 10. April 2011

Das Motorrad: Objekt der Begierde und Tatwerkzeug

Aus dem brasilianischen Bundesstaat Pará an der Amazonasmündung berichtet der Diario do Pará über den Motorrad-Terror auf den Straßen des Bundesstaates. Der Diebstahl von Motorrädern, die Umfrisierung durch spezialisierte Banden, die Nutzung des Motorrades für Hinrichtungen und Überfälle sind der Alltag in dieser Region. Nach Angaben der Polizei erfolgen die Diebstähle nur um das gestohlene Fahrzeug in anderen Regionen wieder zu verkaufen. Besonders betroffen von den Diebstählen ist der Großraum der Hauptstadt Belém.

Die Polizei berichtet, dass die sich auf dieses Delikt spezialisierenden Banden wie folgt vorgehen: "Das ganze läuft in 4 Etappen ab. Zuerst wird dem Halter das Motorrad per Überfall auf der Straße oder durch Diebstahl abgenommen. In der zweiten Etappe übernimmt ein Hehler das Motorrad und schickt es, drittens, an einen Mechaniker in einer Werkstatt, den man "Pino" nennt. Der "Pino" frisiert das Motorrad um, indem er die Fahrgestellnummer und das Kennzeichen ändert. Der vierte im Bunde ist der "Dute", er hat die Aufgabe die Dokumente des Motorrades so zu fälschen, dass man nicht mehr erkennen kann, dass es gestohlen wurde, sondern aussieht wie ein legal erworbenes Fahrzeug." Die Käufer können meistens dann nicht mehr erkennen, dass das Motorrad aus einem Diebstahl stammt. Die beliebtesten Modelle für den Diebstahl sind die Motorräder Honda Broz, Honda CG125 und  Honda Fan 150.

Das Motorrad wird aber nicht nur gestohlen, es ist auch ein beliebtes Tatwerkzeug. In vielen Mordfällen verübt der Täter seine Tat vom Motorrad aus. Die Polizei erklärt, dass in 60% der Mordfälle das Motorrad benutzt wurde. Es ermöglicht in den oft verstopften und schwer zugänglichen Straßen einen leichteren Zugang und eine schnellere Flucht. Auf diese Weise regeln kriminelle Banden ihre Machtkämpfe oder werden auch wohlhabende Bürger erschossen. Die problematischsten Viertel von Belém sind die Stadtteile Icuí - Guajará und 40 Horas sowie die Gemeinde Ananindeua.

Die Polizei tut was sie kann, um das Phänomen zu bekämpfen. Sie sagt aber, dass sie ohne Mitarbeit der Bevölkerung nicht voran kommt und fordert diese auf, die Diebstähle sofort anzuzeigen und über verdächtige Werkstätten, Häuser und Grundstücke zu berichten, die für die "Bearbeitung" von gestohlenen Motorrädern in Frage kommen.

Informationsquelle:
DOL - Diário Online - Quadrilhas barbarizam sobre duas rodas

Freitag, 8. April 2011

Eine Roma, die nicht in das Weltbild von Populisten passt

Georgiana Răducanu ist 24 Jahre alt. Sie ist eine Roma und stolz darauf eine solche zu sein. Gar nicht einfach in einem Land wie Rumänien, wo Roma oft diskriminiert und als Taugenichtse angesehen werden. In der Schule gehörte sie zu den Besten. Es ist schwergefallen, das Kompliment der Lehrerin, "wie gut du lernst, sage ja nicht, dass du eine Zigeunerin bist" zu akzeptieren. Sie war es gewöhnt auf ihrem Bildungsweg schikaniert zu werden, trotzdem hat sie ein Studium der Soziologie und Sozialdienste abgeschossen und alle Prüfungen bestanden. Jetzt hat sie die Aufgabe, Arbeitsplätze an Roma zu vermitteln, ein frustrierender Kampf in einer Welt voller Vorurteile.

Ihre Mutter hatte unter den gleichen schweren Bedingungen ein Lehrerstudium hinter sich gebracht. Sie war das Vorbild für ihre Tochter. Sie ist jetzt Erzieherin in einem der ersten bilingualen Kindergarten in Săruleşti, in denen die Roma-Kinder auch ihre eigene Sprache pflegen können.

Georgiana hatte Glück. Sie konnte früh eine Beschäftigung in dem aus Mitteln der EU geförderten Zentrum "Amare Rromentza" finden. Das Zentrum ist eine Nichtregierungsorganisation, das sich in Rumänien um die Entwicklung der Roma in allen Bereichen der Gesellschaft kümmert. Über das Zentrum bekam sie ein Stipendium und konnte damit studieren. Jetzt arbeitet sie auch an einem zweiten EU-Projekt für die Integration von Roma mit.

Sie kennt die Probleme, mit denen auch erfolgreiche Roma konfrontiert werden. Es ist die subtile Art der Diskrimierung in der Form, dass das Lehrpersonal ihnen suggeriert, dass sie "atypische" Roma sind und man ihnen nahelegt, zu verleugnen, dass sie "Zigeuner" sind  Für die rumänische Mehrheitsgesellschaft wäre es schrecklich zugeben zu müssen, dass Roma durchaus Potential haben, wenn dieses nur auch gefördert wird. Aber nicht nur die Rumänen leben gerne mit ihren Vorurteilen, auch in Deutschland stossen hochdotierte Politiker vom Schlage eines Sarrazin gerne Minderheiten in den Kreis unbelehrbarer Völker und begründen dies mit einem "Gen", das ihnen anhaftet. Auf jeden Fall hat sich Georgiana gegen alle diese Vorurteile durchgesetzt. Sie bekennt sich zu ihrer Zugehörigkeit zum Volk der Roma, auch wenn es ihr Nachteile bringt. Sie kämpft jetzt dafür, dass allen Roma eine Möglichkeit zum Wechsel gegeben wird. Ein Recht auf Bildung. Sie weiss aber zu gut, dass das nicht leicht wird. Sie glaubt, dass ohne eine gemeinsame Anstrengung aller Staatsinstitutionen und nicht nur die von Nichtregierungsorganisationen erforderlich ist, um dieses Ziel zu erreichen. Und sie macht sich keine Illusionen, denn ein realistischer Zeitraum für die Umsetzung der vollen Integration der Roma liegt nach ihrer Ansicht bei 50 bis 60 Jahren.

Zur Zeit kann man auch gut ausgebildeter Roma sein und keinen Arbeitsplatz finden. Dafür braucht es keine Diskriminierung. Die rumänische Wirtschaft bietet zur Zeit den jungen Leuten keine Perspektiven. Georgiana hat 5 Jahre mitgewirkt, Arbeitsplätze für Roma zu finden. Sie sagt: "2006 konnten wir noch 30 Personen jährlich auf dem Arbeitsmarkt unterbringen, zu Zeit überhaupt niemanden. Wir stehen vor einer schwierigen Situation. Als noch mehr Arbeitsplätze angeboten wurden, war es wegen der Diskriminierung schwierig die Leute unterzubringen. Jetzt haben wir kaum noch Arbeitsplatzangebote und die Weigerung der Wirtschaft, Leute ohne Berufserfahrung einzustellen. Alle verweigern sich der Frage: Wann sollen diese jungen Leute denn Erfahrung erwerben?"

Georgiana berichtet, dass inzwischen viele Roma liebend gerne ihre Kinder in die Schule schicken würden. Was diese Kinder da erwartet beschreibt sie so: "Wenn ein Roma-Kind in die Schule geht, dann sieht es erst einmal, dass andere ihm vorgezogen werden, dass man es vorzugsweise in die letzte Bank setzt und möglichst allein, während andere paarweise zusammensitzen. Viele Roma möchten ihre Kinder gerne in die Schule schicken, aber das System verhindert das. Ich bestreite nicht, dass es noch einen kleinen Teil der Roma gibt, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollen".

Der 8. April ist der Welttag der Roma.


Sie auch:
Ich bin kein Roma!

Informationsquelle:
"Ce bine înveţi, nici nu zici că eşti ţigancă!" - Social > EVZ.ro

Mittwoch, 6. April 2011

Sind die Deutschen Heuchler, wenn es um ihre Stromversorgung geht?

Bernard Laponche, Nuklearphysiker und Experte in Energiepolitik, stand den französischen Lesern der Zeitung Le Monde für Fragen über die Energiepolitik in einem Chat zur Verfügung. Eine der Kernaussagen von Bernard Laponche war, dass bisher in Frankreich alle Vorwände gut waren, um die Entwicklung der erneuerbaren Energien zu begrenzen.

Unter anderem wurde er auch gefragt:

"Deutschland will aus der Atomkraft aussteigen. Es ist stolz auf sein Energiemodell, das auf der Kohle, dem Öl ...... und dem Import französischen Atomstroms beruht! Kann man da nicht von Heuchelei sprechen?" Aus dieser Frage ist zu erkennen, wie wenig viele Franzosen vom Nachbarn auf der andern Rheinseite wissen. Zeit für Bernard Laponche einiges klarzustellen:

"Diese Frage enthält viele Fehler. Zum Ersten, dass Deutschland sich hauptsächlich aus Öl und dem Import von Strom versorgt. Frankreich importiert mehr Strom aus Deutschland als dieses von Frankreich importiert. Insofern haben wir eher ein Heuchelei auf französischer Seite, die Strom aus Quellen importiert, die CO2 verursachen. Zweitens: Bezüglich des Ölverbrauchs pro Bewohner verbraucht Frankreich etwas mehr Öl als Deutschland. Die Kohle wird in Deutschland oft für die Stromproduktion genutzt und erbringt 40% der Energieversorgung. Verglichen mit 80% Atomstrom in Frankreich. Auf der andern Seite gibt es die erneuerbaren Energien. Deren Anteil lag 1991 im Jahr der Wiedervereinigung bei 4% der Elektrizitätsversorgung Deutschlands. Heute liegt ihr Anteil bei 18% und das Ziel bis 2020 ist 35%. Dann liegt der Anteil der Erneuerbaren höher als die Stromversorgung durch die Atomkraftwerke, die bei 30% liegt. Frankreich hatte 1991 einen Anteil der Erneuerbaren von 11 %, zurückzuführen auf die in früheren Zeiten gebauten Wasserkraftwerke. Heute liegt dieser Anteil bei nur 14%. Man sieht also sehr gut, dass sich Deutschland auf die Reise gemacht hat Richtung Vorrang der Energieeffizienz auf der einen Seite und einem noch stärkeren Ausbau der Erneuerbaren auf der anderen Seite."

Und was soll Frankreich tun, um vom Atomstrom los zu kommen. Der Leser Orel fragt dazu: "Welche Glaubwürdigkeit geben sie den Vorschlägen zum Ausstieg Frankreichs aus dem Atomstrom bis 2050 wie er insbesondere von der sozialistischen Partei und der Partei "Europe Ecologie-Les Verts" (Grünen) vertreten wird?"

Die Antwort von Bernard Laponche: "Bezüglich der derzeit vorgeschlagenen Politik bin ich der Meinung, dass sie sich klar ausdrücken muss, d.h. es muss eine Priorität für die Energie- und Elektrizitätswirtschaft erklärt werden. Unter diesen Bedingungen ist es glaubwürdig, dass das Energiesystem tiefgreifend geändert und nach und nach der Anteil des Atomstroms in der Elektrizitätproduktion heruntergefahren werden kann, bis in einigen Jahrzehnte ganz auf ihn verzichtet werden kann und der Hauptteil der Elektrizität aus erneuerbaren Energien stammen wird. Die Glaubwürdigkeit eines solchen Ziels beruht darauf, dass Programme zur energetischen Sanierung von Gebäuden, des öffentlichen Verkehrs, der Züge und bei Geräten und Industriemaschinen gestartet werden."

Aus den vielen Fragen lässt sich erkennen, dass die Franzosen eher Angst haben, dass sie von Photovoltaik-Anlagen erdrückt oder Windrädern erschlagen werden als dass ihnen ein Atomkraftwerk um die Ohren fliegt und ihre Lebensgrundlagen verseucht. Aber man sieht auch ein großes Interesse, durch kompetente Fachleute neue Lösungen zu finden, die nachhaltig für eine Lösung der Energieprobleme der modernen Welt sorgen.

Informationsquelle:
"Tous les prétextes ont été bons pour limiter le développement des énergies renouvelables" - LeMonde.fr

Dienstag, 5. April 2011

Landvolk will Brasilia stürmen

Die Lobby der Landwirte in Brasilien hat für heute eine Großdemonstration in Brasilia angekündigt. Im Abgeordnetenhaus soll nämlich über das von dem Abgeordneten Rebelo vorgelegte Waldgesetz (Código Florestal) entschieden werden. Die Landwirte und Großgrundbesitzer fürchten, dass Umweltschützer im letzten Moment Änderungen am Gesetz erreichen. Der Abgeordnete Homero Pereira gehört zu den Mitorganisatoren der Demonstration. Er sagt wohin die Reise gehen soll: "Wir müssen das neues Waldgesetz jetzt durchsetzen. Die Entscheidung verschieben oder vertagen dient niemandem. Im Gegenteil, wir werden alle verlieren. Es gibt viele Punkte zu lösen, aber im Grundsätzlichen müssen wir vorankommen. Brasilien hat sich verändert, die Bevölkerung ist gewachsen, wir können diesen Faktor nicht ignorieren".

Warum sind die Landwirte so für das Gesetz? Der Abgeordnete Rebelo verteidigt seinen Vorschlag damit, dass das derzeitige Waldgesetz 90% der grundbesitzenden Landwirte in die Illegalität versetzt. Deshalb schlägt er im neuen Waldgesetz Maßnahmen vor, die den Landwirten eine rechtliche Sicherheit geben und sie bezüglich der illegalen Waldzerstörungen bis 2008 amnistiert. Nach einer Studie sind 30% der landwirtschaftlichen Flächen in Brasilien gegen die gesetzlichen Regelungen entstanden. Die Studie weist auf das Problem hin: "Es existiert eine Kultur der Respektlosigkeit gegenüber dem Gesetz in unserem Land, die insbesondere durch Straflosigkeit und Korruption gefördert wird. Die Illegalität ist auch mit den strukturellen Problemen der Umweltbehörden und der Schwäche der Rechtsprechung verbunden.

Es geht also darum, dass die Regierung die Waldzerstörungen vor allem im Amazonasgebiet nachträglich billigt, damit die Übeltäter ungestraft davon kommen.

Kein Wunder, dass die Landwirte so dahinter her sind, dass das Gesetz jetzt schnell durch das Parlament gepaukt wird. Sie erklären ihre Mobilisierung zur Großdemonstration damit, dass in der vergangen Woche 28 Umweltschutzorganisationen und die Vertreter von 32 Papier- und Zelluloseproduzenten 16 Änderungen zum Gesetzesentwurf vorgeschlagen hatten. Zusätzlich habe die neugegründete "Parlamentarische Front für eine familiäre Landwirtschaft" Änderungen verlangt.

Informationsquelle:
Reforma do Código Florestal precisa ser orientada para evitar desmatamentos, diz Imazon
Frente Parlamentar da Agropecuária - Ruralistas preparam mobilização nacional pelo Código Ambiental




Montag, 4. April 2011

Spanien hat 47,1 Millionen Einwohner und vergreist

Laut einer Studie der Europäischen Kommission hat Spanien beste Chancen bis 2050 das Land in Europa zu sein, dessen Bewohner den höchsten Altersdurchschnitt haben. 2050 werden auf 10 Berufstätige 6 Rentner kommen. Die Abhängigkeitsrate wird von heute 24,3% auf dann 58,7% steigen. Das würde bedeuten, dass die spanische Abhängigkeitsrate 20% über dem EU-Durchschnitt liegen würde.

Die Studie zeigt auf, dass die Wirtschaftskrise in Spanien dazu geführt hat, dass die Einwanderung, die 2008 und 2009 noch sehr hoch war, eingebrochen ist. Stattdessen wandern jetzt viele Ausländer wieder aus Spanien aus. Es handelt sich insbesondere um Rumänen, Marokkaner und Lateinamerikaner, die Spanien verlassen.

Die Europäische Kommission geht zwar davon aus, dass Spanien die Wirtschaftskrise wieder überwinden wird, dass es aber nicht mehr zu den Zuwachsraten vergangener Jahre kommen wird. Die derzeitige Geburtenrate in Spanien liegt bei 1,4 Kind pro Frau und liegt damit unterhalb des europäischen Durchschnitts von 1,6 und ist weit davon entfernt eine Geburtenrate von 2,1 zu erreichen, die nötig wäre, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten. Auch bekommen die spanischen Frauen ihre Kinder mit 31,7 Jahren später als der europäische Durchschnitt (29,7 Jahre). Dafür haben die spanischen Frauen eine sehr hohe Lebenserwartung. Mit im Schnitt 84,9 Jahren liegen sie in Europa (82,4 Jahre) an der Spitze. Auch die Männer liegen mit 78,7 Jahren über dem europäischen Durchschnitt von 76,4 Jahren. Die Lebenserwartung soll in den nächsten Jahren noch steigen mit gravierenden Folgen für die Rentenversicherung. Muss Spanien heute noch 10,4% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Rentenzahlungen verwenden, werden es 2060 15,1% sein.

Heute sind auch die neuesten Zahlen des nationalen Statistikinstitutes INE bekannt gegeben worden. Danach hat Spanien zur Zeit 47,1 Millionen Einwohner. Gegenüber dem Vorjahr sind dies 0,3% mehr. Die Zahl der Ausländer beträgt 5,7 Millionen, davon kommen 2,4 Millionen aus der europäischen Union. Die Rumänen sind mit 864.278 Personen die größte Ausländergruppe vor den Marokkanern mit 769.920. Abgeschlagen folgen die Briten, Equadorianer, Kolumbianer und die Deutschen.

Informationsquelle:
La Vanguardia - España se convertirá en uno de los países más envejecidos de la UE
El Pais - La cifra de extranjeros empadronados apenas se mueve

Sonntag, 3. April 2011

Der rumänische Bauer fürchtet sich vor dem Ozonloch und Fukushima

Reporter der Zeitung "Adevarul" haben sich auf den Weg gemacht, um zu erfahren, was die rumänische Landbevölkerung so über die Lage der Welt denkt. Sie haben dabei herausgefunden, dass die derzeit am heftigsten diskutierten Themen unter den Bauern die drohenden radioaktiven Wolken von Fukushima und das Ozonloch sind. Das Ozonloch verursacht ihnen nach ihren Angaben Atemnot, da es ihnen den Sauerstoff nimmt. Die Ratschläge der Spezialisten bezüglich des Schutzes dagegen, halten sie für völlig ungeeignet. Dazu kommt noch die Sorge um die radioaktive Strahlung des havarierten Kernkraftwerks in Fukushima.

Also zwei Bedrohungen auf einmal. Die Ozonschicht, die sich nach Ansicht vieler Institute um 50% verringert haben soll, betrifft die rumänischen Bauern unmittelbar. Sie fürchten Gesundheitsschäden, da sie oft und lange in der Sonne arbeiten müssen. Dabei fühlen sie ihre Sorgen von den Verantwortlichen nicht ernst genommen. Ratschläge wie die Benutzung von Sonnenbrillen und Sonnenschutzcreme halten sie für blödsinnig. Denn schließlich würden sie nicht mit geöffneten Augen in die Sonne schauen, ob ein "ultravioletter Lichtschein sich aus den Wolken zwängt, um ihren Schädel zu verbrennen".

Die rumänischen Landbewohner sind aufmerksame Beobachter des Weltgeschehens. Und so ist ihnen nicht entgangen, dass die vor kurzem bekanntgegebene Vergrösserung des Ozonlochs auf der nördlichen Hemisphäre, gravierende Folgen für sie haben könnte. Beschwichtigungen der rumänischen Meteorologen, dass das Ozonloch Rumänien nicht betreffen werde, werden nicht mehr geglaubt. In dem Geschäft mischen allerdings auch "UFOlogen" und "Hellseher" mit, die den Rumänen auch prophezeit haben, dass sich eine radioaktive Wolke aus Fukushima über ihnen installieren wird. Da die Rumänen immer noch sehr abergläubisch sind, wird letzteren eine höhere Kompetenz als den Wissenschaftlern zugetraut. Die rumänischen Meteorologen hatten mitgeteilt, dass in den nächsten Tagen eine "ungefährliche" radioaktive Wolke Rumänien passieren werde, die Konzentration aber so gering sei, dass keine Gesundheitsgefahr bestehe.

Der 60-jährige Bauer Gheorghe Manolache hat vor nicht Angst: "Geh mir weg mit den verseuchten Wolken. Ich habe in meinem Leben viel schlimmere Dinge gesehen und hab keine Angst gehabt, was soll ich mich vor einem Loch so hoch im Himmel ängstigen? Ich habe einiges darüber gehört, aber unsere Leute sagen, dass das nicht bei uns passiert. Auf jeden Fall, noch stehe ich vor meiner Tür, noch gehe ich ins Haus und komme heraus und so vergeht der Tag. Ich gehe nicht aufs Feld, denn ich habe mein Land verpachtet und andere bearbeiten es. Ich fühle mich wie ein Großgrundbesitzer! Ich habe mir noch keine Creme ins Gesicht geschmiert, damit in ich in meinem Alter noch weiß werde. Ich habe verstanden, dass das Ozonloch etwas gefährliches ist, weil es uns den Sauerstoff nimmt. Ich atme tief ein und spüre, dass ich nicht mehr wie bisher atme".

Ein Vater, 40 Jahre alt, mit 2 Kindern sieht das etwas anders als der alte Herr: "Im Fernsehen sagen sie nur dummes Zeug. Haben sie nicht gesehen, was für einen Nebel wir heute morgen hatten? Keine Ahnung, woher der gekommen ist? Von der radioaktiven Wolke, das können sie mir glauben! Hören sie mir gut zu, in unserem Gebiet befindet sich die radioaktive Wolke oder erstreckt sie sich über das ganze Land? Im Herbst werden wir vergifteten Wein trinken!". Seine kleine Tochter fällt ihm ins Wort: "Sei ruhig Papa, es ist nicht gefährlich. Hast du nicht gehört, dass es nur gefährlich wird, wenn die Radioaktivität durch Regen auf den Boden kommt?". Ein Zuhörer meint: "Wenn es so gefährlich ist, warum nehmen wir uns nicht gleich das Leben?".

Die Mischung aus aufmerksam wahrgenommenen Nachrichten, missverstandenen wissenschaftlichen Ergebnissen vermengt mit dem landesüblichen Aberglauben und wilden Gerüchten, sorgt für tragikomische Szenen im rumänischen Landleben.


Informationsquelle:
Adevarul - REPORTAJ Ţăranul român şi "gaura radioactivă"

Freitag, 1. April 2011

Der Wind treibt Spanien voran

Die Windenergie hat in Spanien im März dieses Jahres erstmalig den ersten Platz bei der Stromerzeugung eingenommen. Nach den Zahlen des "Red Eléctrica de España (REE)" (Stromnetz Spaniens) wurde über die Windkraft im März 21% des Bedarfs abgedeckt mit eine Leistung von 4.738 GWh. Das bedeutet eine Steigerung von 5% gegenüber dem März 2010. Die erneuerbaren Energien haben insgesamt im März 42,2% des spanischen Bedarfs abgedeckt. Gegenüber 2010 bedeutet dies ein Rückgang. Im März 2010 betrug der Anteil der Erneuerbaren 48,5%. Der Rückgang ist vor allem auf eine geringe Leistung der Wasserkraftwerke zurück zu führen.

Die Windenergie gewinnt in Spanien immer mehr an Bedeutung. Sie ermöglicht eine Stromerzeugung, die die Umwelt nur wenig belastet, CO2 einspart und die spanische Zahlungsbilanz entlastet. Wer schon einmal von den lausigen Winden Zentralspaniens zerzaust wurde, weiß, welches Potential Spanien in diesem Bereich hat. Die spanische Windkraftindustrie weist mit Stolz daraufhin, dass sie im März genügend Strom produziert hat, um den Verbrauch eines Landes von der Größe Portugals befriedigen zu können. Dank der Windkraft konnte Spanien im März auf den Import von Kohle und Öl im Wert von 250 Millionen Euro verzichtet werden. Gleichzeitig wurde eine Kohlendioxidemission in Höhe von 1,7 Millionen Tonnen vermieden. Auf Grund dieser hohen Stromproduktion durch die Windkraft hatte Spanien 2010 erstmalig einen positiven Exportsaldo nach Frankreich. José Donoso, der Präsident der Windkraftindustrie AEE erklärt dazu: "Dieser historische Rekord, den unsere Windkraftindustrie erreicht hat, zeigt dass diese Energieart, abgesehen davon sie aus eigenen Mitteln produziert wird, sauber ist und ständig wettbewerbsfähiger wird, in der Lage ist, 13 Millionen spanische Haushalte zu versorgen".

An zweiter Stelle der spanischen Stromproduktion steht die Nuklearenergie mit 19% Anteil. Der Aufwind bei der Windkraft zeigt den Spaniern, dass es auch ohne Atomkraft geht. Die spanische Atomindustrie wird aber ihren "Goldesel" mit Zähnen und Klauen verteidigen, auch wenn ihre Atommeiler schon mehrfach ihre Gefährlichkeit bewiesen haben. Dies zeigt auch die Diskussion um den Schrottmeiler "Garoña", dessen Schliessung vor kurzem von der spanischen Regierung für 2013 verfügt wurde. In der naheliegenden Gemeinde Valle de Mena, wo die Gemeindevertreter schon mehrmals für eine vorzeitige Schließung des Atomkraftwerkes votiert hatten, finden demnächst Wahlen statt. Der stärkste Konkurrent und Anwärter auf den Bürgermeisterposten ist ein Angestellter des Atomkraftwerks, der als "Unabhängiger" zu den Wahlen antritt. Nominiert wurde er allerdings von der atomfreundlichen spanischen Oppositionspartei PP. Für die derzeitigen Gemeindevertreter ist dies eine typische Aktion des Kraftwerkbetreibers Nuclenor, der sich damit "folgsame" Volksvertreter kaufen wolle, die keinen Ärger machen, wenn die Lauftzeitverlängerung doch noch einmal möglich werden könnte. Wie die PP die Sachlage sieht, erklärt die Aussage ihrer Abgeordneten Sandra Moneo: Sie wirft der regierenden sozialistisichen Partei PSOE vor, den Schliessungsbeschluss für Garoña "allein aus politischen Motiven getroffen zu haben", es sei "eine launenhafte, unreife, unverantwortliche und einer demokratischen Regierung unwürdige Haltung". Diese deftigen Sprüche gab sie am 23. Februar von sich. Am 11. März brachte das Erdbeben und der Tsunami in Japan mit all seinen Folgen die Politik durcheinander. Seither eiert auch die Partido Popular in der Frage der Sicherheit der Atomkraft herum. Wer soll solchen Leuten aber glauben, dass sie es wirklich ernst meinen?


La energía eólica se coloca por primera vez en marzo como principal fuente de generación eléctrica · ELPAÍS.com