Montag, 28. Februar 2011

Spanische Verkehrspolitik - das kommt mir spanisch vor

Während die neu gewählte - konservative - Regierung Kataloniens alles daran setzt, von der Vorgängerregierung beschlossene Geschwindigkeitsbeschränkungen auf den Straßen rückgängig zu machen, beschliesst die Regierung in Madrid nun das Gegenteil: Ab 7. März darf auf spanischen Autobahnen nur noch höchstens 110 h/km gefahren werden. Vorübergehend, wie Ministerpräsident Zapatero beschwichtigend mitteilt.

Trotzdem schlagen die Wellen im Land hoch. In Internetumfragen der Zeitung spricht sich die überwiegende Mehrheit gegen die Geschwindigkeitsbeschränkung aus. Der spanische Verbraucher wittert bei so etwas Unrat. Die Stimme eines Kommentators im Internet: "Es gibt keine Einsparung, wenn ich 10 km/h langsamer fahre. Die Regierung spekuliert nur auf die Einnahmen aus den Bußen, die jetzt wegen zu schnellen Fahrens verhängt werden. Wenn sie genug eingenommen haben, werden sie wieder die alte Regelung herstellen".

Dabei meint es die Regierung doch nur gut. Lassen wir Ministerpräsident Zapatero das in zusammengefassten Worten erklären: "Liebe Spanier, das ist doch nur eine vorübergehende Massnahme, um Energie zu sparen. Neben mir sitzt der katarische Minister Hamad bin Jassim bin Jaber bin Muhammad al Thani, dem ich die Maßnahme so erklärt habe: Spanien ist hochgradig von Ölimporten abhängig und es ist doch wohl nicht zuviel verlangt, in Kauf zu nehmen, dass man mal 10 oder 15 Minuten irgendwo später ankommt, nur weil man 10 km/h weniger fahren darf. In besser entwickelten Ländern wie Norwegen oder Großbritannien gibt es dieses Limit schon länger und trägt neben der Energieeinsparung dazu bei, Leben zu retten und die Umweltverschmutzung zu senken. Zudem wird durch die verminderte Nachfrage bald der Benzinpreis sinken."

Danke, Herr Zapatero. Aber warum ist dann die Maßnahme nur vorübergehend, wenn mit ihr Leben gerettet werden kann und die Umweltverschmutzung gesenkt wird?

Der katalanische Innenminister Felip Puig scheint die Antwort zu wissen: "Das ist eine ineffektive Entscheidung und nur den Zuschauerrängen geschuldet", ist seine Meinung. Er ist ohnehin der Ansicht, dass die Spanier viel zu langsam fahren. Wenn es nach ihm geht wird die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h auf 130 km/h hochgesetzt. Bestätigt in diesem Wunsch wird er durch die deutsche und französische Verkehrspolitik, wobei das bei den Deutschen sogar "freiwillig" sei. Zähneknirschend wird er sich aber der Direktive aus Madrid beugen. Er will es aber so billig als möglich machen und die Verkehrsschilder nicht ersetzen sondern mit Klebern den geänderten Verhältnissen anpassen. Zudem hat er wenig Vertrauen in seine Landsleute: "Ich will die neue Regelung nicht in Frage stellen und die Verantwortung der Bürger dafür, aber ich glaube nicht, dass viele wirklich 110 km/h auf den Autobahnen fahren werden".

Ich schließe mich seinen Zweifeln an. Wenn man den Bürgern schon einmal klar gemacht hat, dass bisherige Geschwindigkeitsbegrenzungen unsinnig sind, wird man ihnen jetzt kaum begreiflich machen können, dass man nun doch vom Gaspedal runter muss. Da hilft nur, wenn auf Grund der Ereignisse in Nordafrika der Benzinpreis noch einmal einen kräftigen Sprung nach oben macht. Dann werden viele Spanier freiwillig ihre Geschwindigkeit reduzieren.

Informationsquelle:
La Vanguardia - Zapatero espera que el límite de los 110 km/h dure "el menor tiempo posible"

Sonntag, 27. Februar 2011

Wie evakuiert man seine Staatsangehörigen aus Libyen?

Vor der libyschen Küste sammeln sich Schiffe der Marine aller europäischen Länder. Militärische Transportflugzeuge stehen bereit. Sie sollen die vielen Staatsangehörigen, die in der libyschen Erdölindustrie beschäftigt sind, in Sicherheit bringen. Aber wie macht man das, denn Libyen ist ja immer noch ein souveränes Land?

Großbritannien macht es auf jeden Fall so: Die BBC berichtet, dass die RAF am Samstag Evakuierungsflüge in Gebiete gemacht habe, die als "relativ sicher" gelten, weil die Landepisten von einer Miliz und den Sicherheitskräften von Ölgesellschaften gesichert würden. Unter diesen Umständen haben zwei Transportflugzeuge des Typs Hercules 150 britische Staatsangehörige evakuiert. Die Fregatte HMS Cumberland der Royal Navy steuert zur Zeit Bengasi an, um dort Evakuierungen vorzunehmen. Das britische Außenministerium (Foreign Office) teilt dazu mit: "Die HMS Cumberland wird am Sonntag 27. Feburar in Bengasi anlegen, um die zurückgebliebenen Staatsangehörigen abzuholen. Diejenigen Staatsangehörigen, die ausreisen möchten, mögen bitte das Foreign Office anrufen." In Tripoli verlässt sich das Foreign Office auf die Ungarn: "Ungarn hat eine Charter-Flug vom Internationalen Flughafen in Tripolis für Sonntagmorgen, 27. Februar, organisiert. Es können auch britische Staatsangehörige an diesem Evakuierungsflug teilnehmen. Wenn sie diese Möglichkeit nutzen wollen, dann kommen sie bitte um 09:30 Uhr zum letzten Polizei-Chekpoint, der die Straße zum internationalen Flughafen Tripolis blockiert. Halten sie Ausschau nach einem Minibus mit eine Europaflagge und kontaktieren sie die ungarischen Offiziellen." Auch Rumänien gibt laut Verlautbarung des Foreign Office heute noch einigen Briten eine Chance zum Ausfliegen: "Die rumänische Regierung schickt für heute Nachmittag ein Flugzeug. Darin wird noch Platz für ungefähr 40 EU-Bürger sein".

Wenn man es nicht zum Flughafen oder in den Hafen schafft, was dann? Es bleibt der Landweg. Dazu gibt das Foreign Office folgende Auskunft: "Die Straße nach Tunesien ist zur Zeit offen. Britische Botschaftsangehörige befinden sich an der tunesischen Grenze, um britischen Staatsangehörigen, die auf diesem Weg ankommen, zu helfen. Wir haben Berichte über gewalttätige Zwischenfälle entlang dieser Strecke. Sie sollten deshalb diese Option nur mit größter Vorsicht nutzen und nur am Tage."

Rumänien ist bereits am Samstag mit einer Militärmaschine Hercules C 130 in Tripolis gelandet und konnte laut Auskunft des rumänischen Konsuls 41 Rumänen, 20 Bulgaren, 3 Slowenen und 3 Serben auf diese Weise evakuieren. Eine weitere Maschine des Typs C-27 J SPARTAN steht in Malta und wartet auf weitere Weisungen des rumänischen Verteidigungsministeriums. Man grübelt zur Zeit noch darüber, wie man 186 rumänische Staatsangehörige von den Ölfeldern von Ghademesch, Sarir Wellfield und Sarir Plant evakuiert. Auf jeden Fall ist das rumänische Außenministerium (MAE) aktiv: "Auf Grund der beim ohne Unterbrechung arbeitenden Krisenzentrum eingegangen Mitteilungen und Informationen werden in Realzeit Lösungen für Evakuierungen auf dem Landweg ausgearbeitet. Wir werden die Informationen in dem Moment öffentlich machen, in dem die Evakuierung der rumänischen Staatsangehörigen aus den Konfliktzonen nicht mehr in Gefahr ist."

Die Liste der evakuierenden Länder liess sich beliebig fortsetzen. Erstaunlich wieviele ausländische Staatsangehörige in diesem Land leben, das jetzt vor einem revolutionären Umbruch steht.

BBC News - Libya rescue: UK forces to continue mission
Adevarul - MAE: 41 de români evacuaţi din Libia. Se depun eforturi pentru aducerea în ţară a încă 44 de români aflaţi la Benghazi

Freitag, 25. Februar 2011

Brasilianischen Jugendlichen droht oft ein gewaltsamer Tod

Das brasilianische Justizministerium hat vor kurzem seinen Jahresbericht 2011 zur "Landkarte der Gewalt" (Mapa da Violência 2011) veröffentlicht. Danach sind basierend auf den Zahlen der Todesfälle für das Jahr 2008 die Mehrheit der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren durch Gewalt ums Leben gekommen. Im Klartext: Sie sind umgebracht worden.

Entsprechend den geschätzten Zahlen des Statistischen Amtes IBGE gab es in Brasilien im Jahr 2008 ungefährt 34,6 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Sie repräsentieren etwa 18,3% der insgesamt 189,6 Millionen Einwohner Brasiliens. 1980 betrug die Anzahl dieser Jugendlichen noch 25,1 Millionen bei einer Gesamteinwohnerzahl von 118,7 Millionen Menschen. Der Anteil der Jugendlichen in der Bevölkerung war damals mit 21,1% höher wie heutzutage.

Die Sterberate der brasilianischen Bevölkerung fiel auf Grund der höheren Lebenserwartung von 633 auf 100.000 Einwohner im Jahr 1980 auf 568 (auf 100.000) im Jahr 2004. Die Sterberate bei den Jugendlichen veränderte sich aber im Gegensatz zur allgemeinen Lebenserwarrtung nicht. Während 1980 128 Jugendliche auf 100.000 Einwohner starben waren es 2008 133 Jugendliche. Die Sterblichkeitsrate in dieser Altersgruppe hat also im Gegensatz zur der der Gesamtbevölkerung zugenommen.

Studien, die in São Paulo und Rio de Janeiro durchgeführt wurden, zeigen dass Epidemien und ansteckende Krankheiten - während mehrere Jahrzehnte häufigste Todesursache unter Jugendlichen - nach und nach durch sogenannte "externe Gründe" ersetzt wurden, vor allem Verkehrsunfälle und Tod durch Mord und Totschlag. In der restlichen Bevölkerung werden nur 9,9% der Todesfälle "externen Ursachen" zugerechnet. Bei den Jugendliche sind externe Ursachen zu 73,6% ursächlich für den Tod. Während bei der Gesamtbevölkerung nur 1,8% der Todesfälle durch Gewalt verursacht sind, sind Mord und Totschlag bei 39,7% der Jugendlichen für den Tod verantwortlich.

Dabei handelt es sich um einen gesamtbrasilianischen Durchschnitt. In einigen brasilianischen Bundesstaaten sterben mehr als die Hälfte der Jugendlichen durch kriminelles Handeln. Weitere 19,3% der Jugendlichen sterben in Verkehrsunfällen, 3,9% begehen Selbsttötung.

Im Zeitraum von 1998 bis 2008 stieg die jährliche Mordrate in der Gesamtbevölkerung von 41.950 auf 50.113 Fälle. Trotz Bevölkerungswachstum ist damit auch die Mordrate von 1998 bis 2008 leicht von 17,2% auf 17,8% gestiegen.


Informationsquellen:
Ministerio da Justica - Mapa da Violência
Folha - Violência é responsável por 63% das mortes de jovens no país

Mittwoch, 23. Februar 2011

Spanien erinnert sich an den 23-F

Gedenktage in Spanien werden auf den Tag und den ersten Buchstaben des Monats abgekürzt. Das Jahr braucht man nicht zu erwähnen, denn auch so wissen die meisten, um welchen Gedenktag es geht.

"Ich war damals 7 Jahre alt und ich habe nicht verstanden, warum plötzlich meine Freunde nicht nach Hause kamen, warum es so lange Gesichter gab und das Telefon ohne Unterlass läutete. Kein Mensch war auf der Straße zu sehen und das einzige, was ich kapiert habe, war, dass ich heute nicht im Mittelpunkt stand". Dies berichtet ein Leser der Zeitung La Vanguardia, die ihre Leser aufgerufen hatte, zu beschreiben, wie sie den 23. Februar 1981 erlebt haben.

Der 23. Februar vor 30 Jahren, das war noch einmal ein Schrecksekunde für die langsam in Gang gesetzte Demokratisierung Spaniens. An diesem Tag überfiel eine Gruppe der paramilitärischen Guardia Civil das spanische Parlament angeführt von Oberst Tejero. Zu diesem Zeitpunkt fand die Wahl von Calvo-Sotelo zum Ministerpräsidenten statt. Die Aktion nannte sich "Operation Galaxia" und sollte per Putsch das Militär wieder zurück an die Macht bringen. "Alles auf den Boden" brüllte Tejero. Die Abgeordneten befolgten den Befehl nur der General Guitérrez Mellado und der bisherige Ministerpräsident Adolfo Suárez blieben stehen. Es war 18:25 Uhr am späten Nachmittag, Spanien hielt den Atem an. Nie war das Radio beliebter als in dieser Nacht. Die Nacht der Ungewissheit, ob den Spaniern eine neue Diktatur drohte. Erst am Morgen erschien der König im Fernsehen und erklärte, dass er den Putsch ablehne.

Damit brach dieser in sich zusammen, denn auf "König und Vaterland" wollten sich die Putschisten berufen. Der Hauptdrahtzieher der Aktion war der General Jaime Milans del Bosch. Nach jetzt freigegebenen Unterlagen schickte König Juan Carlos dem General in dieser Nacht ein Telex, in dem er diesem befahl, die Panzer aus Valencia abzuziehen und sich zu ergeben. Dieses Telex wurde einen Monat nach dem Ereignis vom damaligen Verteidigungsminister in einer geheimen Sitzung des Parlamentes vorgelesen und danach als Geheimdokument in den Archiven abgelegt. Im Telex warnte der König Milans vor den Konsequenzen seiner Tat und gab zwischen den Zeilen zu erkennen, dass er einen Bürgerkrieg wie 1936 befürchte. Er schrieb: "Ich schwöre, dass ich nicht auf die Krone verzichten, noch Spanien verlassen werde. Wer micht absetzen will, ist bereit, einen Bürgerkrieg zu provozieren und er wird dafür auch verantwortlich sein". Milans del Bosch bekam die Mitteilung kurz nach der Fernsehansprache des Königs zu Gesicht. Er musste zu seiner Überraschung feststellen, dass der König im Fernsehen dasselbe sagte, was er ihm auch per Telex mitteilte. In diesem erhielt er auch den Befehl: "Ich befehle dir, dass du Tejero aufforderst, dass er mit der Aktion aufhört. Zuerst Spanien, und dann die Krone".

Der dickliche Mann mit dem Schnäuzer, Antonio Tejero, hatte durch die mutige Reaktion des Königs ins Leere gegriffen. Gegen ihn und seine Mittäter Milans del Bosch und  Alfonso Armada wurde umgehend ein Strafverfahren eingeleitet und sie wurden zu jeweils 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Armada wurde auf Grund seines Alters auf Betreiben des Militärs 1988 begnadigt. Tejero wechselte 1993 in den erleichterten Vollzug ebenso wie Milans del Bosch im Jahr 1990, der 1997 gestorben ist, ohne seinen Umsturzversuch zu bereuen. Die Haftstrafe für Tejero wurde 1996 auf Bewährung ausgesetzt.

Der Revolverheld Tejero geniesst heute sein Leben an der Costa del Sol. Er soll nichts bereut haben, hält sich aber mit öffentlichen Erklärungen zurück. Im Gefängnis soll er das Malen als Hobby entdeckt haben.

Informationsquelle:
El Mundo, Tejero, 25 años después
El Periódico, El Congreso desclasifica nueva documentación inédita del 23-F
La Vanguardia ¿Qué hacías tú el día del intento de Golpe de Estado del 23-F?

Montag, 21. Februar 2011

Lebensmüder Staatsanwalt legt sich mit rumänischem Mafia-Boss an

Es ist viel Hochachtung im Meinungsartikel des Journalisten Eugen Chelemen dabei, wenn er schreibt, dass der Staatsanwalt, der am Wochenende den bekannten Kopf einer mafiaähnlichen Bande verhaften liess, den Mut eines Verrückten gehabt haben muss. Verhaftet wurde Sandu Anghel, genannt Bercea Mondial, wohnhaft in der Stadt Slatina in Südrumänien in der Oltregion. Dieser Mann konnte bisher nach Belieben Politiker und Würdenträger bestechen und demnach schalten und walten wie er wollte. Das Pikante ist, dass Bercea Mondial, ein Roma ist und von seiner Sippe mit lautem Geschrei verteidigt wird.

Zu den bekannten Politikern und Würdenträgern, denen man enge Beziehungen zu Bercea Mondial nachsagt,  gehören Theodor Stolojan (ehemaliger Finanzminister und Abgeordneter im Europaparlament), Maria Huza (ehemaliger Leiterin des Gerichts Bukarest), Gheorghe Bernciu (ehemaliger erster Staatsanwalt am Gericht des Kreises Olt), Mircea Băsescu (Bruder des rumänischen Staatspräsidenten).

Man hat schon oft versucht, Bercea Mondial ins Gefängnis zu bekommen. Dank seiner Beziehungen ist es jedoch bisher nicht gelungen, ihn zu verurteilen. Deshalb hat der Staatsanwalt es diesmal auf neuen Wegen versucht, ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Er ist wegen Mordversuch verhaftet worden. Er soll einen Neffen mit dem Messer verletzt haben. Der Neffe musste wegen der Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Lassen wir noch einmal Eugen Chelemen den Sachverhalt erklären: "Der Staatsanwalt muss den Mut eines Verrückten gehabt haben, als er die Verhaftung von Bercea Mondial wegen eines banalen Messerstichs veranlasste. Und das unter den Bedingungen, in denen Bercea zusammen mit seiner Familie in 119 Fällen in den letzten 5 Jahren strafrechtlich verfolgt wurde. Keine dieser Anklagen hat zu einer Verurteilung geführt. Und Achtung: Er wurde nicht wegen Hühnerdiebstahl gesucht, sondern wegen schwerwiegender Verbrechen: Steuerhinterziehung, Bestechung, Geldwäsche, Betrug, Hinterziehung der Mehrwertsteuer, Fälschung, Diebstahl, betrügerischer Bankrott, Überfall, Mordversuch und Vergewaltigung! Der große Herr Mondial wundert sich über das Motiv der Festnahme: "Nicht das ganze Land hat mich verhaftet, sondern Mama und meine Brüder!" So ist es, wichtigen Untersuchungsrichtern des Landes ist es nicht gelungen seiner habhaft zu werden, aber nach seinen eigenen Worten ist dasselbige "einige Dummköpfen" jetzt gelungen."

Der Roma-Abgeordnete im rumänischen Parlament, Nicolae Păun, hat wenig Sympathien für den wichtigtuerischen Sippenführer. Er sagt, dass er und auch andere Vertreter der Roma unglücklich sind über die Art wie der Fall in der Presse behandelt wird. Über Bercea Mondial kann er sich nur noch tief ironisch äussern: "Wir sind sehr enttäuscht, dass ihr Rumänen unseren Weltführer ("mondial" ist mit "weltweit" zu übersetzen) verhaftet habt. Das habt ihr nur getan, weil ihr neidisch seid, dass ihr nicht einen solchen Weltführer habt. Das Gericht in Slatina hat überhaupt kein Recht, ihn zu verurteilen. Das kann nur eine hohe europäische Instanz machen. Denn schließlich bedeutet "mondial", dass er sich vorbereitet, intergalaktische Bedeutung zu erlangen. Er will in den Weltraum abheben und fühlt sich nur gegenüber den intergalaktischen Roma verantwortlich!". Auf die Frage, was Bercea Mondial bei den Roma denn so beliebt mache: "Seine Verbindungen zu hochrangigen Politikern. Wenn es ihm gelungen ist, alle zu korrumpieren, dann ist er ein Gauner auf Weltniveau! Er hat sogar den Bruder von Băsescu, Stolojan, Richter des obersten Gerichtshofes, kurzum alle Rumänen bestochen. Ist er dann nicht ein Weltführer?"

Eugen Chelemen ist skeptisch, ob das 120. Strafverfahren jetzt erfolgreich sein wird.

Informationsquelle: Adevarul
Mondial, familia Băsescu şi subvenţiile pentru sus-puşi

Sonntag, 20. Februar 2011

Antequera soll europäisches Exzellenz-Zentrum für Bahntechnik werden

Antequera, die andalusische Kleinstadt knapp 40 km nördlich von Málaga und von dieser Stadt, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, durch ein hohe Gebirgskette getrennt, ist für eine große Aufgabe vorgesehen. Hier soll nämlich eine Teststrecke für Hochgeschwindigkeitszüge entstehen. "Der Eisenbahnring wird Antequera in eine Hauptstadt der Technologie verwandeln", so und ähnlich titelt die spanische Presse.

Das spanische Ministerium für Infrastrukturaufgaben (Ministerio de Fomento) beschreibt das Projekt wie folgt: "Der Eisenbahring für Versuchs- und Experimentierzwecke in Antequera ergänzt das Zentrum für Eisenbahntechnologie (Centro de Tecnologías Ferroviarias (CTF)), das dem Technologiepark von Andalusien in Málaga angegliedert wird. Es wird sich um eine weltweit einzigartige Einrichtung im Bereich der Eisenbahn-Innovation handeln." Das Projekt wurde am 18. Februar vom zuständigen Minister José Blanco der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Eisenbahnring, bei dem es sich um das größte Versuchsgelände in diesem Technikbereich handeln soll, wird von der spanischen Regierung mit 344,45 Millionen Euro bezuschusst.  Die Regierung erhofft sich von dem Projekt einen starken Impuls für die Wirtschaftsentwicklung der Region und rechnet mit dem Entstehen von 7.000 neuen Arbeitsplätzen. Gleichzeitig soll Spanien damit zum weltweiten Technologieführer in der Eisenbahntechnik werden.

Die Arbeiten zur Erstellung der Teststrecke sollen 2011 beginnen und in etwa 4 Jahren beendet werden. Zwei Teststrecken sollen entstehen. Der Hauptring soll 55 km lang sein mit internationaler Spurweite. Die Züge sollen darauf mit einer Geschwindigkeit bis 520 h/km getestet werden. Sie soll eine Gerade von 9 km umfassen und Kurven mit großem Radius. Damit soll die Strecke eine Homologisierung von Hochgeschwindigkeitszügen bis zu 380 km/h möglich machen. Auf einem zweiten Ring sollen Züge, die für eine Geschwindigkeit von 220 km/h ausgelegt sind, auf einer Strecke mit internationaler und iberischer Spurweite getestet werden können. Weitere 5 km Strecke sind vorgesehen, um städtische Transportmittel wie Metro und Straßenbahn Sicherheitstests gegen Entgleisungen unterziehen zu können.

Damit alles Sonnenschein in Andalusien? Nicht ganz. Es gibt auch hier Leute, die nicht grenzenlos begeistert sind. Eine Bürgerwegung von Anliegern der Teststrecke hat sich bereits gebildet. Sie ist zusammengesetzt aus politischen Parteien, Landwirten und Bürgern. Der Generalsekrekretär des Verbandes der Landwirte der Provinz Málaga (Asaja) warnte, dass das Infrastrukturprojekt die produktivste Zone der Provinz Málaga zerstöre und er forderte, dass man die Installationen an einen Ort hinsetze, an dem es nicht nötig sei, hunderte von Unternehmen zu zerstören, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Organisation, die sich auch bei der Europäischen Union beschweren will, forderte, dass "man den den gesunden Menschenverstand anwenden solle: Wir sind nicht gegen die Einrichtung eines Eisenbahnrings, aber dieser Ort ist der am wenigsten geeignete, den es in Spanien gibt".


Informationsquelle:
Ministerio de Fomento - José Blanco y Cristina Garmendia presentan el proyecto del mayor anillo ferroviario del mundo

Blanco: 'El anillo ferroviario convertirá a Antequera en capital tecnológica' | Andalucía-Málaga | elmundo.es

Freitag, 18. Februar 2011

Boykottiert Zermatt!

"Verträumte Bergwelt, ungetrübtes Panorama und Tiefschneehänge soweit das Auge reicht – welcher Ski-Fan träumt nicht davon, hier Spuren zu hinterlassen?" Mit diesen Worten stachelt die Firma "Swiss Helicopter" unausgelastete und reiche Schifahrer zu einem Vergnügen der besonderen Art an.

"Verträumte Bergwelt?", fragen wir uns verwundert, wenn der Helikopter krachend seine Kreise um die Berge dreht. Bei "verträumt" denken wir doch eher an Jodler auf den Blumenwiesen der Alpen, an Alphörner und die Stille der Bergwelt. Das ist dem Schweizer auch lieb und gut, aber das Geld ist ihm noch lieber. Dafür nimmt er Krach in Kauf gegen den anderswo Bürgerbewegungen auf die Barrikaden gehen.

Vierwaldstättersee: Vom Bürgenstock aus der schöne Blick auf den blau-grünen See. Ein Alpen-Panorama der Spitzenklasse, aber was soll dieser ständige Fluglärm über dem See? Ungetrübt von Schönheiten der Natur üben Flugzeuge, bei denen die Lärmemission ganz unten auf der Qualitätsskala steht, ihre Loopings. Sie geben Gas, lassen sich fallen und steigen mit viel Krach wieder auf. Auf Dauer ist der Wanderer genervt. Er hat etwas anderes erwartet. Der Grund: Die Pilatus Pilatus Flugzeugwerke, der wichtigste Flugzeughersteller der Schweiz. Am Unternehmenssitz in Stans werden Trainings- und kleinere Mehrzweckflugzeuge hergestellt. Und diese Firma hat scheinbar einen Freibrief bei der Lärmbelästigung.

Am Brienzersee im Berner Oberland: Gerade eben hat man diesen schönen See und das Alpenpanorama genossen und schon wird man von einem Donnern beunruhiigt. Zwischen den Berghängen zwei Düsenjäger, die in das Tal hineinfliegen. Sie bleiben nicht allein, ständig folgen neue. Die Schweizer Armee hat dort einen Flugplatz und beim Üben legt sie sich keine Beschränkungen auf.

Und weil der Lärm keine Rolle spielt hat man noch das Heliskiing erfunden. Ein völlig nutzloses Freizeitvergnügen für einige Egomanen. Von sinnloser Umweltverschmutzung ganz zu schweigen. Aber Swiss Helicopter erzählt uns, wo der Spass liegt: "Swiss Helicopter bringt Sie schwerelos bergauf und lässt Sie in die Bergwelt eintauchen, zum Beispiel auf der Ebneflue auf über 4000 Meter über Meer. Die Jungfrau und der Eiger sind Ihre Begleiter, wenn Sie jauchzend talwärts brettern und sich vom Spiel mit dem weissen Element berauschen lassen."

Aber es gibt einige Schweizer, die nicht mehr jauchzen, aber dafür die Nase voll haben: Im April 2010 reichten der VerkehrsClub der Schweiz, der WWF, Pro Natura und Mountain Wilderness eine Petition mit 14 000 Unterschriften ein, die vom Bund ein Verbot solcher Flüge auf Gebirgslandeplätze in und am Rand von Schutzgebieten fordert.

Am Beispiel Zermatt, wo es jährlich 2.000 bis 4.000 Flüge im Jahr gibt, kann man studieren, welche Widerstände es gibt: "Ganz anderer Meinung waren die Air Zermatt, die Gemeinde Zermatt, die Verbände der Bergführer, Skilehrer und Hoteliers sowie die Walliser SAC-Sektionen. Unterstützt vom Staatsrat, forderten sie den Bund auf, die fünf bisherigen Gebirgslandeplätze beizubehalten. Zudem sollten Helikopter den vor einigen Jahre aufgehobenen Landeplatz Trift wieder benutzen dürfen, um Skifahrer nach der Abfahrt vom Aeschhorn aufzunehmen. Als Entgegenkommen an Ruhe suchende Berggänger sah ihr «Kompromissvorschlag» vor, in den Sommermonaten keine kommerzielle Flüge auf den Alphubel, den Monte Rosa und das Aeschhorn durchzuführen.

Ob dem Ruhe Suchenden Berggänger - von denen es sicher mehr gibt als Heliskier - damit gedient ist? Das Verhalten der Gemeinde Zermatt wäre ein guter Grund für alle Bergliebhaber diesen Ort zu boykottieren!

Informationsquelle:
Tagesanzeiger - Krach im SAC wegen Heliski-Flügen in Zermatt




Donnerstag, 17. Februar 2011

Auf was die Rumänen noch vertrauen

Kirche und Armee sind die beiden Institutionen, die bei den Rumänen das meiste Vertrauen genießen. Nach einer neuesten Umfrage fällt aber auch bei diesen die Zustimmung. Die Umfrage wurde im Zeitraum 2009 bis 2011 durchgeführt. Die neueste Ausgabe datiert vom Januar 2011.

Der Kirche vertrauen nach der neuesten Umfrage 81,9% (2009: 89,3%) und der Armee 63,5% (2009: 71,1%). Damit liegen diese Institutionen noch weit über den politischen Vertretern des rumänischen Volkes. Der Präsident bringt es gerade mal auf 13,9%, das Parlament auf 11,4% und die Regierung auf 8,9%. Sie werden übertroffen von den Massenmedien, denen immerhin 44,2% des Volkes vertrauen.

Der Soziologe Vasile Dâncu erklärt dazu, dass das Vertrauen der Bevölkerung in Armee und Kirche von den Besonderheiten der rumänischen Gesellschaft bestimmt wird. "Die Menschen haben kein besonderes Vertrauen in staatliche Institutionen, es existiert keine machtvolle zivile Gesellschaft und alles in unserer Umgebung genießt kein Vertrauen. So werden Kirche und Armee psychologisch zu Institutionen, die Sicherheit bieten". Der Soziologe glaubt auch, dass einige, die ihr Vertrauen in die Kirche erklären "simuliertes Verhalten" zeigen. Womit er wohl sagen will, dass manche Rumänen denken, dass es besser ist, sich nicht mit den von der Kirche vertretenen höheren Mächten anzulegen. "Viele Menschen sprechen mechanisch über diese Sache. Der Nachweis religiösen Verhaltens ist nicht sehr evident", erklärt Dâncu. Die Haltung gegenüber Präsident, Parlament und Regierung zeige die kritische Einstellung der Menschen gegenüber der Macht. "Bei der Befragung durch Interviewer glaubten die Befragten, dass sie mit ihrer Antwort die Arbeit der Regierenden bewerten sollten", erklärt es sich der Soziologe. Verschiedene Skandale der letzten Zeit hätten das Vertrauen erschüttert.


Informationsquelle: Adevarul - Nici Biserica, nici Armata nu mai sunt ce-au fost

Mittwoch, 16. Februar 2011

Klimaanlagen mit Klimaanlagen bekämpfen

In einem Land, in dem die Hitze im Sommer unerträglich werden kann, gibt es inzwischen auch Klimaanlagen zuhauf, die für Abkühlung sorgen sollen. So in Spanien und insbesondere Madrid. Muss man an einem heißen Tag Gebäude mit Klimaanlagen passieren, die ihre Abluft auf die Straße abführen, hat man das Gefühl einen Hitzeschlag zu bekommen. Drin wird runtergekühlt bis jedermann freiwillig etwas wärmeres anzieht und draussen wird einem jede Illusion auf eine Erfrischung genommen.

Dieser Zustand hat dazu geführt, dass das spanische Umweltministerium eine Untersuchung zur Frage "Wieweit erwärmen die Klimaanlagen in unseren Städten die Temperaturen insgesamt?" finanziert hat. Die Studie in Form einer Doktorarbeit liegt jetzt vor und die Antwort lautet: Für eine Stadt wie Madrid können die Klimaanlagen die Temperaturen in der Stadt im Sommer um 1,5 bis 2 Grad nach oben treiben. "Der Preis für eine angenehme Temperatur im Innern ist eine Erhitzung der städtischen Atmosphäre", geben die Forscher bekannt.

Die Untersuchungen wurden an Hand eines Modells in Madrid am 30. Juni und 1. Juli 2008 durchgeführt. Dabei stellten die Forscher fest, dass dieser Effekt sich nicht zur heißesten Tageszeit zeigt, sondern erst am späten Nachmittag und in der Nacht. Zu dieser Tageszeit gibt es die höchste Mortalitätsrate, die mit dem verlängerten thermischen Stress erklärt wird.

Eine ähnliche Studie soll mit denselben Ergebnissen auch in Houston durchgeführt worden sein. Die Schlussfolgerung: Klimaanlagen setzen einen Teufelskreis in Gang, in der die durch Klimaanlagen verursachten höheren Temperaturen mit noch mehr Klimaanlagen bekämpft werden.

Informationsquelle:
¿Cuánto calientan la ciudad los aires acondicionados? · ELPAÍS.com

Montag, 14. Februar 2011

Brasilien im Würgegriff der Fußball-Weltmeisterschaft 2014

Die Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien kommen nur stockend voran. Die Kosten explodieren und die Termine werden nicht eingehalten. Jetzt hat sich der brasilianische Rechnungshof (TCU) mit dem Thema befasst. Sein Bericht ist wenig erfreulich weder für die Veranstalter noch für den brasilianischen Steuerzahler.

Der Rechnungshof bemängelt, dass die Städte, die als Austragungsorte vorgesehen sind, mit Planungsmängeln kämpfen, die Arbeiten bisher erst auf dem Papier stehen und die Kosten bereits jetzt gegenüber den geplanten Beträgen ins Unermessliche steigen. Der Rechnungshof befürchtet, dass bei der WM dieselben Fehler gemacht werden, die auch bei den panamerikanischen Spiele 2007 in Rio de Janeiro gemacht wurden. Damals führte eine verfehlte Planung zu einer panikartigen Verschwendung öffentlicher Gelder kurz vor Beginn der Veranstaltung.

Besonders schlecht sieht es beim Projekt des neuen Maracanã-Stadions in Rio de Janeiro aus. Dort soll das Endspiel stattfinden. Eigentlich sollte der Neubau für 600 Millionen R$ (ca. 266 Millionen Euro) über die Bühne gehen, inzwischen ist der Neubau aber nicht mehr unter 705 Millionen R$ zu haben. Der Rechnungshof sieht irreguläre Vorgänge bei den Ausschreibungen. "Es gibt keinerlei Sicherheit, dass Kalkulationen für die Vertragsunterlagen, die von einem Basis-Kostenvoranschlag ausgehen, die wirklichen und wahren Kosten des Projekts abbilden", beschreibt der Bericht des TCU die Situation.

An den andern 12 Austragungsorten sieht es auch nicht viel besser aus. Bei der Hälfte der Stadien gab es bereits eine Kostenüberschreitung von 1 Milliarde R$. Bei einigen Stadien, die ohne öffentliche Gelder finanziert werden, ist das Problem, dass die Ausführung der Arbeiten bereits erheblich verzögert ist. In Porto Alegre und Curitiba haben sie noch gar nicht begonnen.

Dem brasilianischen Steuerzahler wird da schwarz vor Augen: "Wir marschieren mit großen Schritten auf den Zeitpunkt zu, an dem infolge der Verzögerungen und Vertragsänderungen der Notstand ausbricht und die öffentlichen Kassen gestürmt werden", schreibt Blogger Fabio Mayer.

Informationsquelle:
Folha.com - Esporte - TCU aponta erros e diz que Copa pode repetir fracassos do Pan - 11/02/2011

Samstag, 12. Februar 2011

Kirchenfürsten nehmen Beispiel an des Diktators Größenwahn

Vor einigen Tagen haben im Bukarest die Arbeiten für die Errichtung der größten orthodoxen Kirche in Rumänien begonnen. Sie wird den Namen "Catedrala Mântuirii Neamului" (Kathedrale der Vergebung der Nation) tragen und wird im Garten des Parlamentspalastes stehen. Der Parlamentspalast ist der neue Name für Nicolae Ceausescu's gigantomanisches Werk des "Palastes des Volkes". Die Kathedrale soll hinter dem Größenwahn des Diktators nicht zurückstehen.

Sie wird so groß sein, dass sie auf einer Seite den Palast des Parlaments verdecken wird. Mit ihren Dimensionen wird sie das Gesamtbild des Parlamentspalastes nachhaltig verändern. Sie wird im byzantinischen Stil gebaut mit einer Höhe von 100 Metern und einer Raumkapazität für 5.000 Gläubige. Sie soll ein Erdbeben von 8 Grad auf der Richter-Skala überstehen können und für mindesens 1.000 Jahre haltbar sein. Die Kathedrale wird 14 Aufzüge haben und 700 Parkplätze. Jeweils links und rechts der Kathedrale wird es Gebäude geben, die jeweils klerikale Gläubige und auf der anderen Seite für die Laien aus aller Welt vorgesehen sind. Ein weiteres Gebäude soll als sozial-medizinisches Gebäude für kranke Pilger und für Alte dienen. Es ist das größte Bauprojekt in Rumänien seit 1990.

Das Ganze wird ungefähr 200 Millionen Euro Kosten. Die rumänische Regierung wird 10 Millionen dazu beitragen. Papst Johannes Paul II soll im Namen der katholischen Gläubigen für den Bau eine Spende von 100.000 Euro locker gemacht haben. Der Rest soll mit Hilfe eines Bankkredites finanziert werden. Die Bauarbeiten werden ungefähr 4 Jahre dauern.

Ein Unwohlsein beschleicht manch einen in Rumänien, wenn die Popen des Landes mit einem solchen Projekt den Anschein eines bereits vergangen geglaubten Größenwahnes erwecken. Wer wird denn den Bankkredit letztendlich bezahlen? Die Gläubigen oder der Steuerzahler? Und das in einem Land, in dem es zwar 18.700 Kirchen gibt, aber nur 4.700 Grundschulen.

Aus diesem Grund gibt es eine Kampagne gegen eine Beteiligung des Staates am Kathedralenbau. Sie wird organisiert von der "Säkular-humanistischen Vereinigung Rumäniens" (Asociaţia Secular-Umanistă din România (ASUR)) unter der Devise "Stoppt den Kathedralenbau". In einer Presseerklärung erläutert sie ihren Widerstand: "Unter anderem kritisieren wir das Problem des Baus einer exzessiven Anzahl von neuen Krichen, oft bezahlt aus dem Staatsbudget oder dem von Gemeinden. Das Problem wird noch mehr zugespitzt, wenn es um ein ein Projekt pharaonischen Ausmaßes wie die Kathedrale in Bukarest handelt, die man mit Steuergeldern finanzieren will."

Für die orthodoxe Kirche ist sie "ein Geschenk für die Ewigkeit" an die Gläubigen.

Siehe auch:
Wer baut heute noch Kathedralen?

Informationsquelle:
Adevarul Catedrala Mântuirii Neamului va schimba definitiv aspectul centrului Bucureştiului. În bine sau nu ?

Freitag, 11. Februar 2011

Brasilianische Alkoholiker fangen jung an

In Brasilien haben laut einer Erhebung des Zentrums für Alkohol, Tabak und andere Drogen (Cratod São Paulo) 40% der alkoholabhängigen Jugendlichen vor ihrem 11. Lebensjahr mit dem Trinken angefangen. Die Mehrheit hatte ihren ersten Kontakt mit alkoholischen Getränken innerhalb der Wohnung oder in Gegenwart von Familienangehörigen.

Zwei Beispielfälle: Johnny berichtet: "Ich trank eine Flasche Wein pro Tag, dann wechselte ich aber zum Zuckerrohrschnaps. Ich rauchte viele Zigaretten und nahm auch Drogen. Bevor ich mit dem Alkohol anfing, war ich der beste Schüler der Klasse. Dann hörte ich auf zu studieren. Mein Leben wurde zur Hölle. Ich habe mich entschlossen, eine professionelle Hilfe anzunehmen als mir klar wurde, dass ich sterben könnte". Madalena trank literweise Zuckerrohrschnaps täglich und wurde so zu einer Erwachsenen mit Alkoholproblemen. Durch den Missbrauch verlor sie ihren Ehemann und die beiden Kinder, die aus der Stadt wegzogen und keinen Kontakt mehr zu ihr haben. Nach einem Selbstmordversuch wurde ihr klar, dass es an der Zeit war, Hilfe zu suchen. Sie ist in einer Intensivtherapie, die 40 Tage dauert.

Am meisten zu denken gibt die Tatsache, dass die Jugendlichen bereits als Kinder angefangen haben zu trinken. Nach der Erhebung war bei 39% dieser Fälle bereits der Vater ein exzessiver Trinker; bei 19% war es die Mutter und bei 11% der Stiefvater. Aus der Erhebung ergibt sich auch, dass nach dem Kontakt mit Alkohl und Tabak, die Hälfte der Abhängigen mit dem Haschisch-Konsum anfing. Der "Vorbild-Effekt" ist prägend für die Kinder sagen die Fachleute: "Das Kind ahmt das nach, was der Erwachesene macht. Und der Jugendliche trinkt weiter, weil er glaubt dann ein Erwachsener zu sein." Aber die Grundeinstellung zum Alkohol ist in Brasilien auch zu nachsichtig. Die Alkoholwerbung im Fernsehen ist exzessiv und die Regierung tut nichts dagegen. Dabei weiss man, dass die sozialen Schäden durch die Werbung erheblich sind. Ein Fachmann meint dazu: "Für die Regierung ist es schwierig, in den Kampf gegen den Alkohol zu investieren wie es beim Tabakkonsum war, denn das alkoholische Getränk belästigt ja nicht die Person, die neben dem Trinkenden steht".

Der brasilianische Blogger Fabio Mayer kommentiert das für uns: "Auf Grund der von der Zeitung "Estadao" geschilderten Umstände wundert es mich nicht, wenn die Gewalt außer Kontrolle ist. Brasilien ist viel zu nachsichtig gegenüber dem Alkohol und noch mehr gegenüber den Eltern, die den Alkoholkonsum ihrer Kinder zulassen. Wenn durch ein Wunder irgendein Vormund oder sogar die Polizei ein alkoholisiertes Kind oder Jugendlichen aufgreift und die Eltern ruft, dann passiert nichts. Niemand wird verhaftet, niemand kommt vor das Gericht. Es bleibt eine Unterhaltung unter Idioten, voll mit Klischees von Frieden, Liebe, Zuneigung, Verantwortung usw... Da niemand gefangen genommen wird, niemand bestraft, dauert es nicht einmal 15 Minuten bis das Kind wieder auf der Straße ist und sich mit Alkohol besäuft, wohl wissend, dass die Wahrscheinlichkeit verhaftet zu werden, nicht mehr vorhanden ist. Was soll's, in einem Land, wo die Mehrheit der Bevölkerung es für lustig hält, das Kleinkind am Bier kosten zu lassen, kann man nichts besseres erwarten."


Dos jovens viciados em álcool, 40% começaram a beber antes dos 11 anos - vida - Estadao.com.br

Mittwoch, 9. Februar 2011

Wie Barcelona dem Erstickungstod entgehen will

Ein metereologisches Hoch schenkt Barcelona in diesen Tagen neben schönem Wetter auch eine Luftverschmutzung in Rekordhöhe. Alle Werte liegen zur Zeit weit über den von der EU vorgegebenen Grenzwerten. Das Hoch wird sicher auch wieder mal verschwinden, doch das grundsätzliche Problem bleibt. Barcelona ist eine hochgradig luftverschmutzte Stadt. Und die Experten sind der Ansicht, dass die lokale Verwaltung unfähig für eine grundlegende Änderung in der Politik zur Reinhaltung der Luft ist. Bestes Beispiel ist die Rücknahme der Geschwindigkeitsbeschränkung von 80 h/km auf allen innerstädtischen Schnellstrassen des Großraums Barcelona. Die neue Landesregierung hat der Autofahrerlobby dieses populistische Geschenk  zu Lasten der Umwelt gemacht. Schliesslich hatte man im Wahlkampf vollmundig gegen die von der Vorgängerregierung eingeführte Regelung gewettert. Und dies, obwohl die Landesregierung (Generalitat) wissenschaftliche Berichte vorliegen, dass die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu einer spürbaren Verbesserung der Luftqualität in der Stadt geführt hatten.

Der Normalbürger, der dafür mit Atemwegserkrankungen die Krankenhäuser füllt, hat diese Lobby nicht. Die neue Regierung setzt in ihrer "Weitschtigkeit" noch eins drauf: Der Direktor des katalanischen metereologischen Dienstes wurde entlassen, weil er mit der Aufhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung nicht einverstanden war und dies auch öffentlich kundgetan hat.

Diese Kopflosigkeit angesichts der Herausforderungen entsetzt die Fachleute. Nach Ansicht von Professor José María Baldasano von der polytechnischen Universität Kataloniens wird das Fehlen einer energischen Antwort durch die Regierung dazu führen, dass die Politik in nicht allzu weiter Zukunft zu noch viel drastischeren Massnahmen werde greifen müssen als eine einfache Reduzierung der Geschwindigkeit. In den europäischen Kapitalen wie Berlin, London und Stockholm gäbe es bereits Zonen, wo die Durchfahrt für Fahrzeuge verboten sei. Bald müsse sich Barcelona für ähnliche Massnahmen entscheiden."

Die Stadtverwaltung von Barcelona bereitet nun einen ganz neuen Plan vor, mit dem sie für bessere Luft sorgen will. Er nennt sich Plan für Energie, Klimawechsel und Luftqualität 2011-2020 (Plan de Energía, Cambio Climático y Calidad Ambiental 2011-2020). Die neuen Massnahmen sehen wie folgt aus: Es sollen mehr Taxi-Standplätze geschaffen werden, damit die Taxis nicht immer leer auf der Suche nach freien Plätzen in der Stadt herumirren. Im Hafen soll die Schadstoff-Emissionen der Schiffe gesenkt werden. Diese liegen nämlich im Hafen und betreiben während der Liegezeit Generatoren zur Stromerzeugung mit ihrem dreckigen Dieselöl. Fahrzeuge, die Waren in die Stadt bringen, sollen nur noch Elektrofahrzeuge sein.

Kein Wort zur Einschränkung des Strassenverkehrs, des mit Abstand größten Luftverschmutzers. Kein Wort zum innerstädtischen Müllverbrennungsungeheuer am nördlichen Stadtstrand. Diese Müllverbrennungsfabrik ist für das Stadtbild genauso dominierend wie die Katedrale "Sagrada Familia". Und weil das so praktisch ist und man den Müll nicht in Griff bekommt, plant man eine neue Müllverbrennungsanlage im Süden der Stadt, wobei man sich für eine Billigversion entschieden hat. Greenpeace und die spanische Umweltbewegung haben mehrfach auf die hohe toxische Emmission der derzeitigen Anlage hingewiesen.

Ob so Zukunft nachhaltig gestaltet wird?

Siehe auch:
Dicke Luft in Madrid und Barcelona
"Maldita Diagonal!" oder wie macht man Barcelona lebenswerter
Geschwindigkeitsbeschränkung halbiert Zahl der Todesfälle in Barcelona

Contaminación sin freno · ELPAÍS.com

Dienstag, 8. Februar 2011

Schengen raubt Rumänien das Zoll-Personal

Vielleicht gab das Schengen-Zögern bezüglich der Aufnahme Rumäniens in den Schengenraum zum März den Ausschlag. Die Regierung hat jetzt zum Rundumschlag gegen korrupte Grenzbeamte ausgeholt. Heute sind 40 Grenzpolizisten und 20 Zöllner in den westrumänischen Kreisen Timiş und Caraş-Severin verhaftet worden. Hauptbetroffen waren die Grenzkontrollpunkte Stamora Moraviţa und Naidăş. Bei der Aktion wurde überfallartig gehandelt. Um 6 Uhr früh wurden die beiden Zollämter von bewaffneten und maskierten Polizisten umstellt und für 2 Stunden geschlossen. Zuvor waren bereits Anfang Februar an der rumänischen Ostgrenze in Siret ein größere Razzia erfolgt, bei der ebenfalls einige Dutzend Grenzbeamte verhaftet wurden. Ihnen wird Bestechlichkeit und Schmuggel vorgeworfen. Der Schlag gegen korrupte Beamte wurde von der Nationalen Antikorruptionsagentur vorbereitet.

Bei den heutigen Verhaftungen an der Westgrenze wurden die Zollstationen und Wohnungen der Grenzer durchsucht und Beweismaterial beschlagnahmt. Die Grenzkontrollstellen waren bereits mehrere Monate beobachtet worden. Schwerpunkt der Anklage ist ebenfalls Bestechlichtkeit und Schmuggel, insbesondere Zigarettenschmuggel aus Serbien. Pro Schmuggelladung sollen 5.000 Euro bezahlt worden sein, die die Grenzbeamten unter sich aufgeteilt hatten.

Für Kenner sind dies vermutlich nur Bauernopfer. An die dicken Fische ist man mit diesen Aktionen nicht herangekommen. Die rumänische Zoll-Mafia ist hierarchisch aufgebaut. Die Gewerkschaft der Polizisten und Grenzbeamten "Pro Lex" stellt die Hierarchie der Zoll-Mafia wie folgt dar:
  • die unmittelbar beteiligten Grenzbeamte vor Ort sind die "pionii" (Bauern beim Schachspiel);
  • dann kommen die Geldeinsammler, in der Regel die Schichtleiter, Leiter des Zollämter, Gewerkschaftsführer, die "caii" (Pferde) genannt werden;
  • danach kommt derjenige, der das ganze Geschäft koordiniert, in der Regel ein Gewerkschaftsführer oder ein Direktor in der Zollverwaltung. Diese Person hat den Namen "Nebunul" (Der Verrückte);
  • Die Spitzengruppe fängt mit dem "Tura" (Sultan) an, in der Regel ist er ein Direktor der Zollverwaltung;
  • ihn überwacht "Regina" (Königin), die / der ein wichtiges Mitglied der Partei ist, die bei der Ernennung der Zolldirektoren mitentscheiden kann;
  • und ganz an der Spitze steht "Regele" (der König). Wer hier der Drahtzieher ist, darüber rätseln sogar Eingeweihte.
Die Gewerkschaft Pro Lex erklärt, wo die Korruption blüht: "Entgegen der öffentlichen Meinung war im Hinblick auf die gezahlten Bestechungsgelder vor dem Beitritt zur EU die Situation bei den Zollbehörden im Innern des Landes günstiger, aber nach dem Beitritt zur EU wurde die Gebührenabgabe wichtiger als Zollgebühren. Das Geld kommt aus der täglichen Sammlung beim Kleinverkehr und bei Waren, die der Menge oder dem Wert nach geringer eingestuft wurden. Ebenso auch daraus, dass man falsche Tarife angewendet hat und die Differenz kassiert hat. Die auf diese Art eingezogenen Summen sind sehr klein im Vergleich zum Profit des Bestechers auf Grund der nicht bezahlten Gebühren. Der Schaden für den Staatshaushalt kann nicht in Zahlen bemessen werden. Mit dem Geld, das damit dem Staat entzogen wurden, hätten man auf die derzeitigen Einsparungen im Haushalt und die Kürzung der Renten verzichten können. Rumänien ist für den Wechsel nicht vorbereitet. Die Medien sind nicht in der Lage, die Namen in diesem Schachspiel herauszufinden. Das Repressionssystem der Zoll-Mafia funktioniert und im Hinblick auf die eigene körperliche Unversehrtheit empfehlen wir niemandem den Versuch, dieses Puzzle zusammenzusetzen. Das, was bei der Bevölkerung ankommt, ist nur der politische Streit, aber keine Fakten."

Die Antikorruptionsbehörden sollten deshalb jetzt nicht rätseln, sondern tatkräftig bis in die obersten Ränge durchgreifen. Nur so bleiben die Bemühungen zur Korruptionsbekämpfung auch glaubhaft. Auf die weitere Entwicklung kann man gespannt sein.

Siehe auch:
Rumänien ab März 2011 Schengenland?
Argumente gegen Schengenbeitritt Rumäniens sind an den Haaren herbeigezogen

60 de poliţişti şi vameşi, ridicaţi în urma descinderilor din Timiş şi Caraş-Severin. Cele două vămi erau monitorizate de mai multe luni - VIDEO, FOTO - Mediafax

Sonntag, 6. Februar 2011

Garzón erklärt sich und Berlin wird es als erstes erfahren

Der umstrittene, aber auch mutige und oft angefeindete spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón steht im Mittelpunkt eines Dokumentarfilms der katalanischen Regisseurin Isabel Coixet. Im Film antwortet Garzón auf die Fragen des Schriftstellers Manuel Rivas. Der Film dauert 84 Minuten. Er wird im Rahmen der Berlinale in Berlin in der Abteilung "Spezielle Ereignisse" gezeigt werden.

Baltasar Garzón geht in dem Film auf seine ersten Schritte als Richter ein. Nächste Woche kann er auf sein 30-jähriges Jubiläum als Richter zurückblicken. Er erinnert sich an seine Freund, die bereits gestorben sind wie der Richter Giovanni Falcone, an dessen Beerdigung er 1993 teilgenommen hatten und dessen Unbestechlichkeit und Hartnäckigkeit seine weitere berufliche Tätigkeit beeinflussten. Er legte sich dabei in Spanien mit mächtigen Gruppen an und arbeitete viele Skandale juristisch auf. Hohen Bekanntsheitsgrad erlangte er weltweit, nachdem er in London die Festnahme des chilenischen Ex-Diktators Augusto Pinochet durchsetzte.

Inzwischen ist er zum Hassobjekt der spanischen Rechten geworden, weil er es wagte, ein Untersuchungsverfahren gegen die Mörder des spanischen Bürgerkriegs einzuleiten und gleichzeitig mit Nachdruck auch das Verfahren im Skandal "Gürtel", in den die Aznar-Regierung und die spanische Oppositionspartei Partido Popular zutiefst verwickelt waren, engergisch betrieb. Im Film erklärt er dazu folgendes:
Zur Jagd auf ihn im Fall "Gürtel": "Der Zeitpunkt, an dem der sogenannte Fall "Gürtel" ans Tageslicht kam, war für mich ein entscheidender Wendepunkt. Von diesem Zeitpunkt an begann die Hetzjagd in gewissen Medien gegen mich. Es begann eine Hetze und gnadenlose Verfolgung sowohl in meinem Privatleben wie auch in meinem Beruf. Ich wurde mit Anzeigen und ständigen Klagen überzogen, nur weil ich schwerwiegende Verbrechen der Geldwäsche untersuchte. Das war schließlich meine Pflicht als Richter."
Zu den Verbrechen des Franco-Regimes: "Was mich sehr aufmerksam machte, war, dass es 70 Jahre nach dem Bürgerkrieg keine Organisation gab, die ein Verzeichnis oder Dokument hatte, wo die Opfer, deren Zahl und die Orte verzeichnet waren. In einigen Autonomien gab es das, auch einige Nichtregierungsorganisation haben es getan, aber auf Staatsebene existierte nichts dergleichen."

Während des Gesprächs hatte Garzón emotionale Momente. So fragte er sich: "Wo zum Teufel soll eine Zahlung der Banco de Santander an mich hergekommen sein (ein entsprechender Versuch einer Unterstellung, dass er Geld von dieser Bank bekommen haben soll, wurde gemacht)? Bei Gott, was soll das? Warum? Warum heisse ich Garzón?". Es war ein Moment des Zorns und des Schmerzes, der ihn auch überkam als er von seiner Familie sprach, von seinen Kindern, denen er sein Buch "Un mundo sin miedo" (Eine Welt ohne Angst) widmete.

Garzón ist zur Zeit mit einem befristeten Auftrag am Internationalen Gerichtshof von Den Haag beschäftigt. Abgeschoben hatten den Unbequemen seine Richterkollegen, die mit windigen Gründen versuchten, ihn mit einem Disziplinarverfahren zum Schweigen zu bringen. Ein beschämendes Kapitel spanischer Justizgeschichte.


Siehe auch:
Der Fall "Gürtel" - Spaniens Rechte zittert
Die spanische Justiz unfähig vor den Scherben der Vergangenheit
Justiz bringt spanische Faschisten in Hochstimmung

Informationsquelle:
La película de Baltasar Garzón · ELPAÍS.com

Freitag, 4. Februar 2011

Das Versagen der französischen Diplomatie hat System

Es gab noch Zeiten, in denen ein angehender Diplomat, welchen Landes auch immmer, nur ein richtiger Diplomat war, wenn er französisch sprach. Zugegeben, das hat sich spätestens seit dem Ende des 2. Weltkrieges geändert. Aber immer noch erwartet man von der hohen Schule der französischen Diplomatie mehr als von den Vertretern anderer Länder.

Alles Schnee von gestern: Die jüngsten Fehler des Außenministeriums geben zu ernsten Überlegungen bezüglich des Versagens der französischen Diplomatie Anlass. Das "Quai d'Orsay" ist ein gescheitertes Ministerium, erklärte der abberufene französische Botschafter im Senegal im Juli 2010. Die Politiker Alain Juppé und  Hubert Védrine verlangten: "Hört auf das "Quai d'Orsay" zu schwächen. Die beiden ehemaligen Minister verlangten, die Sparpolitik im Ministerium sofort zu beenden, denn: "Der Effekt ist verheerend, dieses Instrument ist im Begriff vor die Hunde zu gehen, das sieht man in der ganzen Welt. Alle unser Partner nehmen das so wahr. Denn in der Welt des multipolaren Wettbewerbs, wo jeder ständig mit einer großen Anzahl von Gesprächspartner verhandeln muss, die man sehr gut kennen sollte, hat Frankreich mehr denn je Bedarf nach Informationsmitteln und Analysekapazitäten.

Diese Aufrufe erfolgten Mitte letzten Jahres und die Entwicklung dieser Tage haben gezeigt wie richtig die Vorwürfe sind. Frankreich hat von der kommenden Revolte in Tunesien gar nichts gemerkt, obwohl laut den in Wikileaks veröffentlichten Berichten der amerikanischen Botschaft bereits im Jahr 2008 die Verärgerung der tunesischen Bevölkerung gegen die korrupte Mafia-Regierung Ben Ali bekannt war.

Einer, der es kennen muss, der ehemalige Premierminister Dominique de Villepin, erklärte in einem Interview, dass einige "Traditionen" im Quai d'Orsay dazu geführt hätten, dass die französische Diplomatie auf einem Auge blind war: "Die ungeschriebene Regel für die Botschafter in den arabischen Länder und in Afrika lautete, dass sie keinen Kontakt mit der Opposition aufnehmen, sondern aufmerksam gegenüber den Machthabern im Hinblick auf die prioritäre Politik der Stabilität agieren sollten. Das Beispiel des abberufenen Botschafters im Senegal hat gezeigt, dass die Repressalien sonst sehr schnell angewendet werden. Man muss diese Regel ändern, unsere Botschafter müssen in Kontakt mit der Zivilgesellschaft treten können, ihre Kontakte im Hinblick auf das Geschehen und das Wissen eines jeden ausweiten können."

Für Kenner hat der Niedergang der französischen Diplomatie und die Bedeutung des Außenministeriums mit der Wahl Nicolas Sarkozy's zum Staatspräsidenten im Jahre 2007 begonnen. Sie war gekennzeichnet von einer Entmachtung der Diplomaten. Die Präsidialverwaltung übernahm schleichend die Kompetenzen für die Aussenpolitik und konzentrierte sie beim Staatspräsidenten. Der Drang zu einer unabhängigen Politik wurde zugunsten einer stärkeren Anlehnung an die USA aufgegeben. Neokonservative im Umfeld des Staatspräsidenten bestimmen jetzt die Politik und Sarkozy hat ihnen mehr oder weniger das Aussenministerium ausgeliefert. Sie hatten den Ehrgeiz, den großen Vorbildern aus der Ära Bush nachzueifern und dabei wurde das Fachwissen einer ganzen Generation von Experten, vor allem bezüglich der arabischen Welt, marginalisiert, weil deren Fachwissen und Ratschläge nicht ihr Weltbild passten. Ein hoher Beamter aus dem Außenministerium erklärt die Situation so: "Alles, was die Außenpolitik betrifft, wird im Elysée gemacht. Der Verantwortliche dort ist Jean-David Levitte, ein richtiger Computer auf Füßen, mit einem konservativen und giscardo-zentristischem Elektronenhirn. Aber das ist keiner von der harten Rechten oder ein Neo-Konservativer, der uns erklärten könnte, warum man Diktatoren bis zur letzen Minute verteidigt".

Dieses System degradiert das diplomatische Personal nur noch zu Jasagern. Kritik und anderlsautende Vorschläge sind nicht mehr erwünscht und werden gegebenenfalls mit einem Karriereknick bestraft.

Die Ereignisse in Tunesien ist ein hervorragendes Beispiel für diese Politik. Weil er die Entwicklung in Tunesien nicht richtig behandelt hatte, wurde der Botschafter in Tunis abberufen und durch den "Sarkoboy" der ersten Stunde, Boris Boillon, ersetzt, was ein ehemaliger Diplomat zu folgendem Kommentar veranlasste: "Das ist ein gutes Beispiel dieser Machtanhäufung im Präsidialamt. Man fragt schon gar nicht mehr im Quai d'Orsay an, um einen fähigen Repräsentaten zu finden, um auf die Notwendigkeiten des Tunesien von  heute zu reagieren. Man setzt einen Repräsentanten Sarkozy's hin, der nichts mit Frankreich zu tun hat, aber mit dem Clansystem des Präsidenten verbunden ist. Das wirft man jetzt einigen Staatsmännern vor, die heute die Macht aufgeben müssen. Das ist eine Umkehrung des Funktionierens des Staates!"


Informationsquelle:
Marianne2 Monde arabe : nos diplomates sont-ils myopes ?

Donnerstag, 3. Februar 2011

Endlich in Sevilla: Gleichberechtigung unter den Kutten

Revolution in Sevilla's Karwochen-Folklore: An den Prozessionen der mit Spitzmützen und Kutten auftretenden Gläubigen, die man bisher "Nazarenos" nannte, müssen jetzt auch "Nazarenas", also das weibliche Geschlecht zugelassen werden. Dagegen hatten sich bisher einige Pfarreien heftigst gewehrt.

25 Jahre hat es gedauert, bis die Gleichheit in allen Pfarreien von Sevilla hergestellt wurde. Begonnen hat der Kampf gegen die Männerherrschaft im Jahr 1986. 1997 gab es einen weiteren Fortschritt mit neuen Diözesanvorschriften. 2001 drängte Kardinal Amigo, der damalige Erbischof von Sevilla, in einem Hirtenschreiben erneut auf  eine endgültige Beteiligung der Frauen in allen Pfarreien. Denn einige Pfarrein hatten es bis heute verstanden, sich dem Druck der Modernisierung zu entziehen. Jetzt ist aber endgültig Schluss damit: Erzbischof Asenjo hat in einem Dekret festgelegt, dass volle Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen herrsche. Theoretisch gab es diese Gleichberechtigung schon länger, aber die männliche Seite hatte den Frauen mit einem einfachen Trick die Teilnahme verweigert: Sie teilten ihnen keine Plätze in der Prozessionsgruppe zu.

Mit dem Dekret antwortete der Erzbischof nun auf die Bitten verschiedener Frauen, die gerne als Nazarenerinnen an den Prozessionen teilnehmen wollten, mit folgenden Worten: "Als Hirte der Kirche von Sevilla, kann ich diese Bitte nicht ignorieren, sondern nehme mit Interesse die Anträge der vielen Schwestern auf, die auf erhebliche Schwierigkeiten in ihren Pfarreien stossen, wenn sie gleichberechtigt mit ihren Brüdern an den Prozessionen, diesem so frommen Instrument der Heiligenverehrung, teilnehmen möchten".

Mit einem Dekret musste man also die verhärteten Herzen männlicher Christen "aufpickeln", sonst hätte sich in Sachen Gleichberechtigung wohl gar nichts getan. Mit geballter Gesetzeskraft musste noch einmal Selbstverständliches festgehalten werden, dass nämlich "völlige Gleichberechtigung zwischen den Mitgliedern der Pfarreien und Bruderschaften in der Erzdiözese herrschen müsse, ohne irgendwelche Diskriminierung auf Grund des Geschlechte und dabei sei eingeschlossen die Teilnahme an den Büsserprozessionen als ein Akt des externen Gottesdienstes".

Der Rechtsanwalt Joaquín Moeckel, ein Kenner des Karwochen-Geschäfts in Sevilla hat dazu eine klare Meinung: "Das Dekret ist armselig und kommt viel zu spät. Mit diesem Dekret wurden zum dritten Mal die Regeln geändert. Aber es kommt zu spät. Es ist zuviel Zeit vergangen. In dieser Zeit haben sich die Pfarreien zerstritten, es gab viele Probleme und Diskussionen zwischen den Gläubigen. Und der Inhalt des Dekretes ist armselig, sehr armselig. Und das bei den großen Juristen, die es im Erzbistum bis vor kurzem gab".

Siehe auch:
Der Wiederauferstandene geht ohne Erlaubnis
Verregnete Semana Santa in Sevilla

Informationsquelle:
Diario de Sevilla - Nazarenas en todas las cofradías

Mittwoch, 2. Februar 2011

Rumänische Unterstützung für Mubarak

Florina Sidhom, eine Rumänin, die seit 14 Jahren in Ägypten lebt ist sauer auf die Demonstrationen gegen den ägyptischen Staatschef Mubarak. "Mubarak ist ein Held, ein großer Patriot" erklärt sie der rumänischen Zeitung "Evenimentul Zilei". Florina ist Balett-Lehrerin und verheiratet mit einem ägyptischen Biologen, der eine Reinigungsfirma besitzt. Beide sind besorgt, was passieren wird, wenn Mubarak fallen wird. Sie sind überzeugt, dass damit das Land destabilisiert wird.

Florina ist überzeugt, dass Mubarak weder ein Dieb, noch ein Feigling wie der tunesische Ben Ali ist. In ihrem Lob kennt sie keine Grenzen: "Hosni Mubarak ist ein Kriegsheld, ein großer Patriot". Zwar ist sie und ihre Familie auch dafür, dass er sich von den Staatsgeschäften zurückziehen, aber als "Symbol" gleichzeitig präsent bleiben sollte. Der derzeitige Vizepräsident Omar Suleiman solle die Staatsgeschäfte übernehmen. Im übrigen dürfe man dem Druck der Straße nicht nachgeben. Die Jugend, die jetzt so protestiere, wäre vom Ausland manipuliert.

Von El Baradei, der sich jetzt zum Oppositionsführer stilisiere, hält ihre Familie nichts. Der wäre ein Verräter. Wenn er im Herbst bei den Präsidentschaftswahlen kandidiere, werde er haushoch verlieren.

Die Leserkommentare auf ihre Lobreden zu Mubarak dürften ihr nicht gefallen. Sie sind zynisch bis völlig unter die Gürtellinie und zeigen, welcher Fremdenhass bei manchen Rumänen anzufinden ist. So tobt ein gewisser "Maracine": "Du schamlose Anhängerin der Muselmanen. Halt's Maul und wasch den muselmanischen Schmutz. P.S. Ich verstehe christliche Frauen nicht, die sich in das Maul der Muselmanen begeben und den Schmutz der Muselmanen, Araber, Schwarzen, Pakistaner und Inder waschen." Manch einer stellt auch eine gerade Linie zwischen Anhängern von Nicolae Ceausescu und solchen Rumänen wie Florina her, die wieder einmal meinen, einen Diktator unterstützen zu müssen.


Informationsquelle:
Româncă din Cairo: "Mubarak e un erou, un mare patriot" - Internaţional > EVZ.ro

Dienstag, 1. Februar 2011

José Sarney bleibt den Brasilianern erhalten

Eigentlich dürfte es ihn politisch nicht mehr geben, den José Sarney. Der ehemalige Präsident des brasilianischen Senats ist heute, am 1. Februar erneut zum Präsidenten des Senats, gewählt worden. Es ist seine vierte Amtszeit.

Sarney ist 1930 geboren. Er war im politischen Brasilien Senator, Abgeordneter und auch der erste demokratisch gewählte Präsident nach der Militärdiktatur. Er gehört der Partei PMDB an, die im Senat die Mehrheit stellt und ist im Nationalkongress der älteste noch aktive Politiker. Nebenbei ist er auch Schriftsteller und dadurch auch Mitglied der brasilianischen Akademie für Literatur (Academia Brasileira de Letras)

Schadlos hat er einige Skandale überstanden, zuletzt der "Geheimakten"-Skandal (atos secretos). Es ging um Verschleuderung öffentlicher Gelder und Günstlingswirtschaft. Deshalb gab es im letzten Jahr 11 Anträge im Senat mit dem Ziel seiner Amtsenthebung. Er hat das schadlos überstanden. Er ist jetzt sogar fast einstimmig erneut zum Präsidenten des Senats gewählt worden.

Sarney machte in seiner ersten Rede nach der Wiederwahl den Eindruck, dass die Wahl ihm eine Last ist, denn er sprach davon, dass es für ihn ein "persönliches Opfer sei, das Kommando des Hauses für weitere 2 Jahre zu übernehmen". Er bestätigte aber, dass dies sein letztes Mandat im Senat sei. Mit belegter Stimme erklärte er: "Diese Amtsübernahme hat den Geschmack eines Abschieds, denn es wird mein letztes Mandat sein. Ich werde diesem Haus noch einmal mit voller Hingabe dienen, das bedeutet, dass ich ihm ein Teil meines Lebens und ein Teil meiner Liebe geben werde. Ich wollte das Amt des Senatspräsidenten nicht haben, denn man muss auch den hohen Preis für die Ausübung des Amtes zahlen. Ich sehe dies als eine Verpflichtung für die Institutionen, für die Unabhängigkeit der Legislative, besonders unseres Hauses, das niemals irgendeiner anderen Macht unterworfen werden oder vom nationalen Interesse getrennt werden kann."

Ob das die Brasilianer kapieren, was er da meint? So werden sie halt den Opa ZéZé noch zwei Jahre ertragen und seinen ausufernden Geschichten lauschen.

Siehe auch:
Atos secretos - Korruption auf brasilianisch
Braslianischer Senatspräsident erklärt den Brasilianern den Ausbruch des Eyjafjallajökull
Roseana Sarney entmachtet Jackson Lago und geht auf Krankenurlaub

Informationsquelle:
Folha Online, José Sarney é reeleito presidente do Senado
Jornal do Brasil - País - Sarney é reeleito presidente do Senado