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Es werden Posts vom Juli, 2011 angezeigt.

Was Barcelona Stuttgart voraus hat

Morgen wird der Tunnel, in dem der Hochgeschwindigkeitszug AVE Barcelona queren wird, auf seiner letzten Stelle durchbrochen. Der Tunnel führt durch die Stadt und wird Barcelona an das französische Hochgeschwindigkeitsnetz anschließen. Er ist 5,6 km lang und hat “nur” 179,3 Millionen Euro gekostet.

Dabei war er nicht unumstritten. Er führte zum Beispiel unter Gebäuden von Weltruhm wie die Kathedrale “Sagrada Familia” durch. Es gab einigen Protest in Barcelona und auch Versuche, das Projekt über die Gerichte zu stoppen. Um so verwunderlicher das Triumphgeheul der Journalistin Cristina Buesa von der Lokalzeitung El Periódico. Ihr Bericht klingt wie vom ausführenden Unternehmen bezahlt. Sie stellt fest: “Die Katastrophen-Weissagungen der Anwohner und was noch schlimmer ist, von verantwortlichen Politikern und kirchlichen Würdenträgern wurden endgültig von der Realität widerlegt: Der Tunnel für den AVE unterhalb des Stadtteils Eixample wurde in weniger als einem Jahr gebohrt ohne das ger…

Die bärtigen Fundamentalisten von Odessa

Vor kurzem kam es zu einem Zwischenfall an der Grenze zwischen der Republik Moldau und der Ukraine. Leidtragende waren nicht nur Moldauer, sondern auch rumänische Staatsbürger, die zur Einweihung einer orthodoxen Kirche in das ukrainische Dorf Camîşovca reisen wollten. Das Dorf hat eine mehrheitlich rumänischsprachige Bevölkerung. Der ukrainische Zoll hinderte etwa 100 Personen am Grenzübertritt. Darunter waren Journalisten und Angehörige von rumänischen Nichtregierungsorganisationen. Nach mehreren Stunden Wartens konnte die Gruppe dann einreisen.

Orthodoxe Kirchen sind Nationalkirchen, so z.B. die russische Orthodoxie, die griechische oder die rumänische orthodoxe Kirche mit ihrem Patriarchen in Bukarest. Obwohl die bärtige Männergesellschaft der Kirchenhierarchie bei allen gleich aussieht und das Primborium ebenfalls dasselbe ist, scheint jeder einen anderen Gott zu haben. Sie nennen sich zwar alle Christen, aber in erster Linie sind sie Nationalisten. Und als solche sucht man nicht …

USE–es ist Zeit für die Briten sich abzusetzen

Iain Martin von der Online Ausgabe der britischen Zeitung Daily Mail kreiert eine neue Abkürzung. USE, das sind für ihn die “United States of Eurozone”, die “Vereinigten Staaten der Eurozone”. Der neueste Griechenland-Pakt der EU hat ihn in höllische Aufregung versetzt. Zwar anerkennt er, dass die Griechenlandunterstützung dringend erforderlich war, da sonst eine gewaltige Rezession in den EU-Ländern zu befürchten gewesen wäre, aber so wie es nun ablief vermutet er deutsch-französischen Unrat.

Für ihn ist es klar, dass jetzt die Länder der Eurozone politisch mehr zusammenrücken werden. Für Mr. Martin bedeutet das, dass Deutschland und Frankreich nun den andern Ländern ihre Wirtschaftspolitik aufdrücken werden im Ausgleich dafür, dass sie die ärmeren Staaten Südeuropas unterstützen. Dafür müssten diese dann nach deutschen Regeln leben, mit harten Einschränkungen bei den Ausgaben. “Das ist eine Wende von historischer Bedeutung, dies ist der Weg, den die beiden mächtigsten Führer in Eur…

ENSIger Versuch störrische Deutsche zu überzeugen

Dr. Georges Pillen spricht wie ein Pferdeflüsterer auf die Mitglieder des Kreistages Waldshut-Tiengen ein. Er ist Direktor im ENSI, dem schweizerischen Institut für Nuklearsicherheit. Er soll den deutschen Nachbarn verkaufen, dass die an der Grenze liegenden Schweizer Kraftwerke die sichersten der Welt sind, denn der Kreistag ist im Begriff eine Resolution gegen die Schweizer Atomkraftwerke zu beschließen. Während die Dampffahne des Waldshut gegenüberliegenden Atomkraftwerks Leibstadt sich in den Fenstern des Kreistages spiegelt, versucht Dr. Pillen nun das Unmögliche. Assistiert wird er von Dr. Schulz und dem vom ENSI engagierten Medienprofi Andrea Müller. Anhand einer beruhigenden Präsentation schildert Piller wie scharf das ENSI auf die Schweizer AKW’s aufpasst. Seine Behörde ist sich sicher, dass die AKW’s in der Schweiz die sichersten auf der der Welt sind. Aus Fukushima habe man sofort gelernt und die Sicherheitsanforderungen hoch gesetzt. Dass er damit zugibt, dass die AKW’s vo…

Brasilianischer Tabak macht arm und krank

Brasilien produziert 700 Tonnen Rauchwaren im Jahr, mehr als 80% sind für den Export bestimmt. Die Tabakindustrie hat einen Umsatz von 15 Milliarden R$ (ca 6,5 Milliarden Euro). Das wenigste davon bleibt bei den kleinen Tabak-Produzenten Brasiliens hängen. 9 vpn 10 Tabakbauern pflanzen den Tabak auf eigenen Äckern an. Die Hauptproduktion konzentriert sich auf Südbrasilien und in der Regel auf Flächen, die nicht größer als 20 Hektar sind.

Die Bauern erhalten ihre Aufträge von einem Agenten der Tabakindustrie, der Instruktor oder Koordinator genannt wird. In der Regel beginnt eine fatale Abhängigkeit des Tabakanbauers von der Tabakindustrie in dem Moment, in dem er einen “Ankauf-Verkauf-Vertrag” unterschreibt. Damit akzeptiert er, dass er nur diejenigen Samen sät, die er von seinem Vertragspartner erhält. Er muss ein “technologisches Paket” mit den vom Agenten  zusammengestellten Pestiziden übernehmen.  Mit der Unterzeichnung des Vertrages mit dem Tabakunternehmen verliert der Tabakbau…

Der spanische Wasserkrieg treibt seltsame Blüten

Die Meerwasserentsalzungsanlage von Torrevieja bei Valencia ist die modernste und größte Entsalzungsanlage Europas. Sie hat eine Produktion von salzfreiem Meerwasser in Höhe von 240.000 m3 pro Tag. Die Qualität des entsalzten Wassers soll dabei so gut sein, dass es für landwirtschaftliche Bewässerung jeder Art und für die Trinkwasserversorgung taugt. Sie soll nach modernsten Umweltgesichtspunkten errichtet worden sein und mit Solar- und thermischer Energie betrieben werden. Der Betreiber Acuamed teilte vor kurzem mit, dass die Anlage völlig mit erneuerbaren Energien betrieben werden kann. Die Lagerung der Salzrückstände soll keinerlei Gefahr für die Bioflora oder –fauna bedeuten.

In den Bau der Meerwasserentsalzungsanlage wurden 300 Millionen Euro investiert, davon stammen 55 Millionen aus Zuschüssen der Europäischen Union. Seit 2007 ist die Meerwasserentsalzungsanlage fertiggestellt und hat trotzdem bisher keinen Tropfen Meerwasser entsalzt.

Grund ist, dass die Regierung der autono…

Entsetzen in Frankreich: Nationalfeiertag ohne Militärparade

Dieses Entsetzen verursachte die vor kurzem zur Präsidentschaftskandidatin der französischen Grünen nominierte Eva Joly. Sie erklärte am gestrigen Nationalfeiertag beim Vorbeimarsch einer Kolonne von Militärfahrzeugen auf der Place de la Bastille: “Ich habe davon geträumt, dass man diesen militärischen Vorbeimarsch durch ein Défilé der Bürgerschaft ersetzen könnten, wo man Schulkinder, wo man Studenten, wo wir auch unsere älteren Bürger zusammen erleben könnten in einer Atmosphäre des Zusammenseins, bei dem wir die Werte feiern, die uns vereinen.” Für sie gibt es einen Widerspruche zwischen der Militärparade und den Reden, die die ehemaligen Widerstandskämpfer auf dem Platz gehalten haben. “Dies ist ein Symbol Frankreichs als Kolonialmacht. Es scheint mir an der Zeit zu sagen, dass die Militärparade keinen Platz mehr hat bei den Symbolen des 14. Juli. Ich glaube, dass die Armee ihren Platz haben soll, aber nicht beim 14. Juli auftreten sollte.” Sie verweist auf die Nationalfeiertage v…

Atomalarm in Almaraz, was tun?

Vergangene Woche sprangen in Almaraz, in der spanischen Provinz Caceres, die Lautsprecher an. Öffentliche Lautsprecher gibt es an diesem Ort für den Fall einer gefährlichen Havarie im nahegelegenen Atomkraftwerk. Vergangene Woche bekamen die Bewohner also plötzlich die Durchsage zu hören: “Nuklearer Unfall, begeben sie sich zu ihrem Sammelpunkt”. Zum Glück gingen die Lautsprecher einfach so los, “sin motivo”, ohne Grund. Aber der Fall war dann doch symptomatisch für das Verhalten nach einem wirklichen Unfall: Die Bewohner sind ahnungslos, die Kommunikationsmöglichkeiten funktionieren nur bedingt und im Ernstfall weiß keiner, was er eigentlich tun soll: Somit herrschte das Chaos.

Das Zentrum für Risikoforschung der  Autonomen Universität von Barcelona (Universitat Autònoma de Barcelona; UAB) hat im Gefolge der Atomkatastrophe von Fukushima die Notfall- und Evakuierungspläne an den Standorten der spanischen Atomkraftwerke im Hinblick auf ihre Tauglichkeit überprüft. In Spanien gibt es 6…

150 km zu Fuß gegen die Korruption

Wer kennt Piauí, wer kennt Teresina? Piauí ist flächenmäßig der drittgrößte Bundesstaat des brasilianischen Nordostens und Teresina ist seine Hauptstadt. Sein wichtigster Fluss ist der Rio Parnaiba und ein kleiner Küstenstreifen von knapp 70 km gehört auch noch Piauí. Sein Klima ist tropisch und semi-arid. Der überwiegende Teil des Staates ist staubtrocken und die Bevölkerung entsprechend arm.

Wo Armut herrscht, herrscht auch viel Unwissenheit. Die Bevölkerung kennt ihre Rechte nicht und die Herrschenden und Mächtigen sind nicht bereit, sie darüber aufzuklären. Das fördert die Selbstbereicherung und Korruption einiger Weniger. Nun gibt es im Brasilien von heute Aktionen, die versuchen, dem Volk seine Rechte nahe zu bringen und gegen die Korruption zu protestieren. Eine diese Maßnahmen ist der Marsch gegen die Korruption, der am Mittwoch von der Hauptstadt Teresina aus starten und bei dem aktive Piauienser 150 km zu Fuß in ihrem Bundesstaat zurücklegen werden.

Die Gruppe “Força-Tarefa …

Rumänische Donaufischer zwischen Resignation und Galgenhumor

Dieses Jahr ist wieder einmal ein schlechtes Jahr für die Donaufischer. Da wo die Donau die Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien bildet und in der Nähe der rumänischen Stadt Giurgiu und gegenüberliegend das bulgarische Russe, leben Fischer, die der Zeitung Evenimentul Zilei erzählten, wie das bei ihnen so läuft.

Marin Gheondea, auch bekannt als “Macaroane”, ist 51 Jahre alt und  besitzt ein Boot, mit dem er seit 30 Jahren den Fischen in der Donau nachstellt. Seine Einkünfte aus dem Fischfang sind im Laufe der Jahre erheblich gesunken. Dieses Jahr ist seiner Ansicht nach das schlechteste, das er erlebt hat. Er fängt Brassen, Wels und Karpfen. 3 Kilo Brassen konnte er an diesem Tag fangen. Dafür bekommt er 3 Lei das Kilo (70 Cent). In Bukarest auf dem Markt wird derselbe Fisch für 12 Lei das Kilo verkauft. Er verkauft einen Teil, einen anderen isst er selbst. Er macht sich eine Borş (gesäuerte Fischsuppe) und eine “Plachie” (Brasse mit viel Zwiebel und Pflanzenöl im Ofen gebacken). Ma…

Spanischer Wähler wird zum Verzweiflungstäter

Die Partei mit den besten Wahlaussichten für die Parlamentswahlen in Spanien, die spätestens im nächsten Jahr stattfinden werden, ist die konservative PP (Partido Popular / Volkspartei). Der Regierungspartei PSOE (Partido Socialista Obrero Español / Sozialistische Arbeiterpartei) hat die Wirtschafts- und Finanzkrise schwer auf den Magen geschlagen. Die miserable wirtschaftliche Situation wird ihr angekreidet, obwohl die Grundlage für den Absturz bereits von der Vorgängerregierung, die von der PP gestellt wurde, gelegt wurde. Gelegt insofern als der große spanische Aufschwung überwiegend auf einem Bauboom beruhte. Ganz Spanien wurde mit Bauprojekten zugepflastert bis die damit erzeugte Blase im Gefolge der Finanzkrise mit einem lauten Knall platzte. Die spanische Bauindustrie war ein Meister der Korruptionsbeherrschung. Viele Bauprojekte waren nur möglich, weil Würdenträger der damals regierenden PP kräftig geschmiert wurden. Zusammen mit der Bau- und Immobilienindustrie bildete sie ei…

Brasiliens neue Vision für Straftäter

Der Rechtsanwalt und Rektor der Universität Unorp, Eudes Quintino, berichtet über die Einstellung der Brasilianer zu Straftätern, dass der überwiegende Teil des brasilianischen Volkes es für gut hält, dass Vorbeugehaft verhängt wird und die Täter in den Gefängnissen weggeschlossen werden. Er leitet diese Einstellung aus der Rechtstradition des portugiesischen Königreiches ab, wo jemand, der die Gemeinschaft schädigt, sofort ins Gefängnis geworfen wurde ohne eine Chance, eine Strafe auf Bewährung zu bekommen und frei zu bleiben. So sind die Brasilianer der Ansicht, dass bei Straftaten die sofortige Herstellung der Sicherheit an erster Stelle steht und an zweiter die exemplarische Bestrafung des Täters.

Brasilien gehört zu den Ländern mit den höchsten Kriminalitätsraten der Welt. Brasilianische Gefängnisse sind überfüllt. Ständig kommt es zu Gefängnismeutereien. Die Politiker sind ratlos, man redete zwar häufig über notwendige Reformen im Strafvollzug, aber getan hat sich nicht viel. Nu…

Abitur-Desaster in Rumänien

Seit Tagen berichten die rumänischen Medien über den Ablauf des “Bac”, das unserem Abitur entspricht. Das Abitur ist in Rumänien zentralisiert, alle Abiturienten schreiben die gleichen Arbeiten, zum gleichen Zeitpunkt und haben denselben Prüfungsstoff. Für das BAC 2011 wurden 2.600 Polizisten eingesetzt, die an den Gymnasien, wo die Prüfungsarbeiten abgelegt wurden, für Ruhe und Ordnung sorgten. Scharfe Maßnahmen gab es zur Verhinderung von Betrügereien, teilweise wurden in den Prüfungsräumen Videokameras eingesetzt.

Jetzt ist alles vorbei und Rumänien guckt fassungslos auf seine Abiturienten. In manchen Kreisen sind 60% der Schüler durchgefallen! Schlimm ist, dass diese Entwicklung seit Jahren nach unten geht. Auch diesmal heißt es wieder: Es war das schlechteste Abitur der Geschichte! In zwei Schulen in Bukarest hat kein einziger Schüler die Abiturprüfungen bestanden. “Der Gipfel der Schande”, titeln die rumänischen Medien, die jetzt eine Rumänien-Karte veröffentlichen, wo große Te…

Das gefährliche Leben einer Mauteintreiberin in São Paulo

Der brasilianische Bundesstaat São Paulo hat eine neue Einnahmequelle. Es sind dies die Mautgebühren für die Autostraßen. In den letzten Jahren wurden immer mehr mautpflichtige Autostraßen eingerichtet.

Gerade auf Gegenliebe stößt die neue Mautpolitik bei den Bewohnern der Megalopolis São Paulo und ihrem Umland nicht. Gegenüber den Geldeintreibern an den Mautstellen flippen die Fahrer der Öfteren aus. Deshalb ist es nicht gerade ein leichter Job, an den Kassen zu sitzen. Die Arbeiterin Tairini Figueiredo ist zum Beispiel an der Mautstelle Barueri, 20 km vom Zentrum São Paulo’s entfernt, beschäftigt. Hier gibt es 90 Mautkabinen. Manche Arbeiterinnen müssen aber auch auf der Straße arbeiten. Tairini’s bevorzugte Beschäftigung ist aber, den Autofahrern, die an den Kabinen Probleme haben und den fließenden Verkehr behindern, zu helfen. Geschickt schlängelt sie sich durch die nicht ungefährlichen Autokolonnen. Aus der Sicht eines Amateurs besteht die Mautstelle aus einem Meer an Asphalt u…