Freitag, 31. Dezember 2010

Der letzte Tag im Jahr und seine Sorgen

In Rumänien fragt sich die Zeitung Evenimentul Zilei: "Silvester 2011, Was ziehen wir an, welche Schuhe und welches Zubehör". Für die Rumänen ist es klar, dass man sich am letzten Tag des Jahres rausputzen muss. Während die Männer sich da wohl nicht so viel Gedanken machen, scheint den Rumäninnen das Thema erhebliches Kopfzerbrechen zu machen, denn man will ja stilgerecht auftreten. Die Zeitung hat aber einen Ratschlag im Zeitgeist: "Freuen sie sich meine Damen, für die Feier zur Jahreswende sind sie modisch gekleidet, wenn sie sich Röcke aus der Garderobe der Großmutter aussuchen. Wenn sie eine elektrisches Kleid wählen, dann bitte ganz in schwarz oder in grellen Farben".

Die Rumänen haben genügend Sorgen bezüglich des kommenden Jahres, aber erst einmal wird gefeiert. Den Spaniern vergeht das Feiern, wenn sie daran denken, was im kommenden Jahr auf sie zukommt. Die Zeitung El Periódico aus Barcelona hat heute die Schlagzeile "Gutes Neues Jahr?" und dann: "Höhere Preise und niedrigere Einkommen zu Beginn des Jahres. Die Gehälter werden sich bestenfalls leicht erhöhen, ganz eingefroren oder verkürzt. Strom, Bahn, Gas, Flugzeug, Metro und die Autobahngebühren werden ab Januar teurer." Da kann einem ja wirklich das Feiern vergehen.

In Rio de Janeiro hat man andere Sorgen. Ausgerechnet heute soll es regnen. Der abergläubische Bürgermeister hat zwar den die telepathischen Medien des Kaziken Cobra Coral angefleht, dafür zu sorgen, dass es nicht zu schlimm kommt. Cobra Coral ist für die abergläubischen Cariocas ein Zauberer, der angeblich die Macht besitzt, das Wetter zu beinflussen. Dessen Beschwörungen beeindrucken die wissenschaftlichen Meteorologen allerdings nicht, hartnäckig prognostizieren sie Regen für heute Abend. So wird das tolle Feuerwerk über Rio buchstäblich ins Wasser fallen. Die fliegenden Händler in der Stadt haben sich auf jeden Fall umgestellt. Sie haben jetzt überwiegend Regenschirme im Produktangebot.

Allen meinen Lesern wünsche ich ein Gutes Neues Jahr 2011!


Mittwoch, 29. Dezember 2010

Tränenreicher Abschied: Muito obrigado Lula!

Der brasilianische Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva, genannt "Lula",  hat sich entschieden, seinen Abschied vom Amt in seinem Heimatstaat Pernambuco im brasilianischen Nordosten zu nehmen. Am 31. Dezember endet seine Amtszeit und Dilma Rousseff wird am 1. Januar Präsidentin Brasiliens. Vor 8.000 Pernamucanern hielt er gestern in Recife seine Abschiedsrede. Der Abend verlief sehr emotionsgeladen. Lula standen laut den Beobachtungen des "Diario de Pernambuco" dreimal die Tränen in den Augen.

Er kann auf ein bewegtes und erfolgreiches Leben zurückblicken. Angefangen hat es in Pernambuco, wo er in der Kleinstadt Garanhuns im Sertão geboren wurde. Vor der Trockenheit und dem Hunger in der Region floh seine Mutter mit den Kindern nach São Paulo wie viele Nordestinos es damals taten. Als Kind verkaufte er Gemüse und Früchte, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Mit 14 Jahren liess er sich zum Mechaniker ausbilden. Damit begann seine Karriere bei der Metallarbeitergewerkschaft, mit der er dann durch historische bedeutsame Streiks Aufsehen erregte und mit der er dann 1979 die PT, die Partei der Arbeiter, gründete. 2002 wurde er brasilianischer Präsident und erfreut sich bis heute einer hohen Beliebtheit bei seinen Landsleuten.

Was Wunder, dass man dann an so einem Abend wehmütig und emotional wird. Nur so kann man es sich erklären, dass er sehr hochgreifende Vergleiche zieht, was seinen Werdegang betrifft. Zum Beispiel erklärte er: "Es ist nicht normal, dass ein "Retirante" (so werden die aus dem Hungergebiet des Nordostens fliehenden Bauern genannt) vor dem Hunger flieht und später Präsident der Republik wird. Das war ein Fingerzeig Gottes". Auch etwas anderes hat ihm zu denken gegeben: "Ich erinnere mich an einen Tag, an dem eine Frau mir sagte, dass sie mich nicht wählen wird, weil ich ihr alles wegnehmen werde. Was sollte ich dieser Frau wegnehmen? Ich sagte zu meiner Frau Marisa: "Ich bin erschrocken. Ich sass in  einer Baracke und eine Person, die nichts besass, hatte Angst vor mir". Marisa sagte mir dann: "Gib nicht auf, eines Tages wirst du sie überzeugen" und das geschah dann im Jahre 2002."

Der Diario de Pernambuco beendet seinen Bericht mit folgenden Worten: "Zwei Sätze markierten den Schlussteil seiner Rede: "Wir müssen lernen uns an uns selbst zu erfreuen, es muss uns gelingen uns gegenseitig zu respektieren, an uns zu glauben, denn wer an sich glaubt wird nie verlieren". Dies war ein emotionaler Rückblick eines Menschen, der nach 8 Jahren Amtszeit als Markenzeichen seine Beharrlichkeit hatte. Und noch ein anderer Satz von ihm: "Jetzt gilt es die Genossin (companheira) Dilma Rousseff zu unterstützen, denn sie wird noch viel Besseres für Pernambuco tun". Aber neben der Bitte um Unterstützung für die gewählte Präsidentin gab er mit den den Worten "Glaubt ja nicht, dass ihr mich los sein werdet" zu verstehen, dass er weiterhin in der Öffentlichkeit präsent bleiben wird."

Siehe auch Blogbeiträge:
Dilma Rouseff und ihr Fan Hugo Chávez
Auf eine Tasse Kaffee mit dem Präsidenten
Der Kampf des Dreigestirns um die Präsidentschaft

Informationsquelle:
Na despedida, lágrimas | Diario de Pernambuco - O mais antigo jornal em circulação na América Latina

Montag, 27. Dezember 2010

Mit Freixenet und Shakira ins Neue Jahr



Eingeklemmt zwischen dem meditteranen Gebirgszug des Penedes und dem Klosterberg Montserrat liegt nicht unweit von Barcelona der Ort Sant Sadurni d‘Anoia. Die Kleinstadt trägt den Titel der „Sekt-Hauptstadt” Spaniens. Das sprudelnde alkoholische Getränk nennt man hier „Cava”, nachdem die Franzosen den Katalanen missgünstig untersagt hatten, es „Champán” (Champagner) zu nennen. Inzwischen hat „Cava” aber einen so guten Ruf erworben, dass es sogar in Mitteleuropa schon als eigenständiger Produktbegriff angesehen wird.

Nicht ganz unschuldig daran ist die größte Sektkellerei Spaniens, die Firma Freixenet. Mit immer größeren Werbeaufwendungen hat es die Firma geschafft, in allen Supermärkten dieser Welt vertreten zu sein. Manche fragen sich, woher die Kellerei eigentlich das viele Rohmaterial her bekommt. Bestimmt stammt nur ein Teil aus Katalonien. Zwar gibt es vor allem in den Bergen des Penedes sehr viele Weinberge, aber die Ernte wird nicht nur von Freixenet verwendet. 20 bis 30 km südlich liegt die Stadt Vilafranca del Penedes, die neben Sekt auch auf Wein spezialisert ist und eine weitere bekannte Kellerei mit der Firma Torres besitzt. Daneben gibt es in dieser Region noch eine Menge kleinere und mittlere Kellereien.

In der Größe kommt allerdings keine an die Firma Freixenet heran. Gegen Jahresende fängt das Geschäft an zu boomen, denn kein Jahresende ohne den Cava, inzwischen weltweit. Damit das so ist und so bleibt wird im letzten Monat des Jahres die Stimmung angeheizt: Das Warten auf den Weihnachtswerbespot mit irgendeinem Weltstar zum Jahresende versetzt die Spanier in Spannung. Um diesen Werbe-Clip entwickelt der Sekt-Händler bereits im Herbst eine außerordentliche Geheimnistuerei. Und wenn dann der Schleier gelüftet wird, brechen alle in Ah und Oh aus. Dieses Jahr hat die Glamour-Sängerin Shakira die Ehre. Natürlich wird Ende November nur eine kurze Vorschau auf ihren Werbe-Auftritt gezeigt. Richtig in die Vollen geht es erst kurz vor Weihnachten.

Die von Freixenet geimpfte Presse darf dazu die Hofberichterstattung machen. Die berühmte Sängerin Shakira wird Katalanisch lernen, erfahren wir dann, und dass Shakira eine halbe Million ihrer Werbegage Obdachlosen vermachen wird. Und zum Schluss ihres Clips bringt sie wie es seit Jahren bei Freixenet üblich ist, einen „brindis“, einen „Trinkspruch“ mit dem Produkt „Carta Nevada“ auf das Neue Jahr aus. Sie lässt uns hoffen, dass „auch im Neuen Jahr die Sonne herauskommt und scheinen wird wie nie zuvor“.

3,5 Millionen Euro investierte das Unternehmen dieses Jahr in die Weihnachtswerbekampagne. Prost 2011!!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Und die Erde tat sich auf: Eine Stadt droht verschluckt zu werden

Kurz vor Weihnachten schlechte Nachrichten für die Kleinstadt Ocna Mureş im Kreis Alba von Zentralrumänien. Wikipedia berichtet: "In der Nähe der Stadt befindet sich ein großes Salzvorkommen, das bis in die 1980er Jahre hinein ausgebeutet wurde. Als die Stollen mit Wasser geflutet wurden, brach die darüberliegende Deckschicht zusammen und zerstörte große Teile der Innenstadt." Seit heute rächen sich erneut die Sünden der Vergangenheit, aus denen man scheinbar nichts gelernt hat.

In der Nähe eines Plus-Supermarktes tat sich heute Morgen ein großes Loch auf. Das Loch hatte einen Durchmesser von 10 Metern. Der Bürgermeister der Stadt erklärt den Einsturz dadurch, dass mehrere Stützmauern der unterirdischen Gänge des Salzbergwerkes eingebrochen waren. Die Stadt sei von einem unterirdischen Netzwerk von Bergwerkstollen durchzogen, die sich inzwischen mit Wasser gefüllt hätten. Der Plus-Markt sei sofort geschlossen und von der Elektrizitätsversorgung abgehängt worden. Die Erde werde in unheimlicher Geschwindigkeit von größer werdenden Rissen durchzogen, die inzwischen bereits das Gebäude der Finanzverwaltung erreicht hätten. Die Stadt hat den Notstand ausgerufen und eine Überwachungsstelle organisiert.

Soweit der Stand heute morgen. Inzwischen ist um 14:30 Uhr OZ der Supermarkt im Erdboden verschwunden. Um 15:30 Uhr hat ein Hubschrauber bei einem Kontrollflug festgestellt, dass bereits mehrere Häuser dabei sind zusammenzubrechen. In der Nähe des Lochs gibt es Wohnblocks, die akut einsturzgefährdet sind. In einem Block gibt es über 200 Wohnungen. Die Kreisverwaltung hat sich inzwischen zu einer grossangelegten Evakuierung entschlossen. Man befürchtet, dass die ganze Stadt von der Erde verschluckt werden könnte. Der Präfekt der Kreisverwaltung erklärte, dass der Einbruch derart schnell voranschreite, dass man nur ohnmächtig zusehen könne. "Alles was wir zur Zeit machen können, ist die Gefahrenzone zu isolieren und die gefährdeten Gebäude zu evakuieren", eklärte er. Die evakuierten Personen würden in Schulen oder dem lokalen Krankenhaus untergebracht.

Was ist die Ursache? Um die Mittagszeit veröffentlichte das lokale Komittee für Notfallsituationen folgende Erklärung: "Das Ereignis erklärt sich durch einen Wassereinbruch, der von einer Bohrsonde der Firma S.C. Salina aus Ocna Mureş verursacht wurde. Die Bohrung fand etwa 100 m vom Supermarkt entfernt statt, das Loch entstand in ungefähr 10 m zum Markt. Der Krater wird sich wegen dem Druck des austretenden Wassers vermutlich vergrößern. Zur Zeit versuchen  Spezialisten der Firma S.C. Salina, den Druck abzubauen."

Eigentlich hatte man die Katastrophe schon einmal erlebt, warum wird dann in unmittelbarer Nähe des Ortes wieder auf gefährlichste Art und Weise die Salzmine ausgebeutet? Auf die Antwort kann man gespannt sein.

Informationsquelle:
Alunecare de teren la Ocna Mureş - Din ţară > EVZ.ro
Se surpa pamantul sub orasul Ocna Mures, Ocna Mures Online


Montag, 20. Dezember 2010

Einsame Weihnachten in Barcelona

Auch Spanien gehört zu den europäischen Ländern, in denen die Gesellschaft immer mehr vergreist. Zudem gibt es das frühere Zusammenleben mehrerer Generationen in einer Familie immer weniger. Die Folge ist, dass viele Menschen allein leben. An Weihnachten erinnert man sich gerne daran, dass sich eigentlich wenigstens an diesen Festtagen alle Menschen in Gesellschaft befinden sollten.

In Barcelona gibt es ungefähr 70.000 Menschen, die über 70 Jahre alt sind und alleine leben. Davon sind über die Hälfte Frauen. Die Zeitung "El Periódico" berichtet darüber und schreibt: "Es gibt keine schlimmere Krise in der modernen Gesellschaft als die Einsamkeit und keine schlimmere Armut als die Armut der Gefühle." Die Wohlfahrtsverbände in Barcelona berichten, dass viele alte Menschen in der Stadt isoliert leben und dass für sie Weihnachten zu einer deprimierenden Erfahrung der Einsamkeit führt. Deshalb versuchen die Wohlfahrtsverbände sich gerade in diesen Tagen verstärkt um die alten Menschen zu kümmern.

Die Sozialdienste bemängeln aber die geringe finanzielle Ausstattung des Dienstes. Viele Hilfebedürftige hätten eine Rente, die es ihnen nicht erlaube, die Leistungen selbst zu bezahlen. Die Situation werde sich noch verschärfen, denn wenn zur Zeit 5% der Barceloneser über 80 Jahre alt seien, müsse man bis 2050 mit einem Anteil von 11% rechnen.

Oriol Alsina, Direktorin der Organisation "Amics de la Gent Gran" (Freunde der alten Menschen) warnt: "Die Situation ist unsere Ansicht nach sehr besorgniserregend, man muss sich mehr bewusst machen, was Einsamkeit bedeutet. Viele ältere Menschen haben alle sozialen Bindungen verloren, Framilie, Arbeit, Freunde und ein Gesellschaftsleben. Deshalb müssen wir vor allem das soziale Netz wieder verstärken. Ein ähnliche Ansicht vertritt ein Vertreter der Caritas. Er weist daraufhin, dass viele älter Menschen Weihnachten mit "Resignation, Schmerz und Angst" erleben. "Resignation, weil sie sehen, dass sie ihre Fähigkeit zu kämpfen, eingebüßt haben; Angst, weil sie sehen dass ihre Einkünfte ständig kleiner werden und Schmerz, weil die Versprechungen der Verbesserung ihre wirtschaftlichen Situation sich nicht erfüllen und weil sie ständig stärker von anderen abhängig werden.

Das Gefühl der Einsamkeit werde noch verstärkt durch das Dauerbombardement mit Weihnachtsstimmung in den Geschäften und Fernsehen, erklärt Magdalena Blasco von der Fundació Avismón. Dies treffe vor allem ledige Frauen, die weniger als 400 Euro verdienen und keine familären Bindungen mehr haben. Deshalb würde ihre Organisation gemeinschaftliche Essen für diesen Personenkreis organisieren, was für viele Betroffenen die einzige Gelegenheit im Jahr sei, aus der Wohnung zu kommen.

Verstärkt werden soll auch der Dienst "Teleasistencia". Dies ist ein staatlicher Dienst, der rund um die Uhr telefonisch erreichbar ist. Er vermittelt zwischen dem Bedürftigen und den Hilfsorganisationen wie z. B. das Rote kreuz. So etwas wie eine Notfallnummer für alte Menschen. Ein Verantwortlicher der Stadtverwaltung rühmt diesen über die Telefonleitung gebotenen Sozialdienst: "Der Dienst bietet eine personalisierte, menschliche und warmherzige Aufmerksamkeit, der sehr auf das gefühlsmässige Wohlergehen der Menschen zu diesen speziellen Tagen Rücksicht nimmt."

Und was machen einsame Deutsche in Barcelona? Wenn es ganz schlimm kommt, dann kann man den  "Deutschen Hilfsverein", der sich auch die Betreuung von Senioren und Kranken zum Ziel gesetzt hat, in Anspruch nehmen. Der Verein lebt ausschließlich von Spenden der deutschen Kolonie in Barcelona.

Informationsquelle:
Las oenegés se vuelcan para paliar la soledad navideña de los mayores - Barcelona - El Periódico

Samstag, 18. Dezember 2010

Brasilien am Rande der Vollbeschäftigung

In Brasilien klopft man sich dieser Tage kräftig auf die Schultern. Nach neuesten Zahlen des statistischen Amtes (IBGE) liegt die Arbeitslosenquote nur noch bei 5,8%. Damit nähert sich Brasilien einer Arbeitslosenquote, die so niedrig ist, dass man von Vollbeschäftigung sprechen kann. 2002 lag die Arbeitslosenquote noch bei 12,9%. Spitzenreiter bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze ist Rio de Janeiro, das São Paulo vom Spitzenplatz verdrängt hat. In Porto Alegre ist allerdings die Arbeitslosenquote so niedrig, dass in dieser Region der Zustand der Vollbeschäftigung bereits erreicht ist. Ein Sprecher des IBGE erklärte: "Nie war der Arbeitsmarkt so gut wie dieses Jahr, nicht nur bezügliche der Arbeitslosenquote, sondern auch gegenüber der Qualität der neugeschaffenen Arbeitsplätze".

Der durchschnittliche Reallohn im Monat liegt bei R$ 1.516,70 (ca 670 Euro). Gegenüber letztem Jahr bedeutet dies eine Steigerung von 5,7%. Davon blieb aber nur ein Minus von 0,8%, weil die Inflation die Steigerung wieder zunichte gemacht hatte. Die Inflation wächst also schneller als die Lohnsteigerungen. Das Arbeitsplatzangebot stieg am stärksten in den Bereichen Erziehung, Gesundheit, soziale Dienste, öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung (7,7%) und bei anderen Dienstleistungen (6,7%). Ein Rückgang war beim Angebot an Hauspersonal festzustellen (-4,6%).

Brasilianische Wirtschaftswissenschaftler befürchten jetzt, dass die Inflation sich noch beschleunigen wird. Luiza Rodrigues von der Santander Bank vertritt die Ansicht: "Wegen des Fehlens qualifizierten Personals im Land werden die Unternehmer jetzt versuchen sich gegenseitig die Angestellten abzuwerben. Diese Ausgaben werden auf die Preise umgelegt werden und damit werden Produkte und Dienstleistungen teurer".

So ganz glauben mag man das nicht. Wenn ein Land immer noch mit einem Programm "Zero Fome" gegen den Hunger in der Bevölkerung kämpfen muss, da wird doch eigentlich eine Vollbeschäftigung noch in weiter Ferne sein.

Informationsquelle:
Brasil está a caminho do pleno emprego | Últimas notícias | Diario de Pernambuco - O mais antigo jornal em circulação na América Latina

Freitag, 17. Dezember 2010

Schlecht gelaufen: Auto mit Oma weg

Unter der Rubrik "Es geschah in Rumänien" berichtet die Zeitung "Evenimentul Zilei" von einem Fall in der Stadt Targoviste, aus dem man wieder sehen könne, wie dumm und stupid die öffentlichen Ordnungskräfte ihren Dienst verrichten.

Eine 90-jährige Frau wurde von ihrer Familie im Auto zum Einkauf mitgenommen. Die behinderte alte Frau blieb, während die Familie einkaufen ging, im Auto sitzen.  Am falsch geparkten Fahrzeug spazierte zufällig ein Polizist vorbei, der den Abschleppdienst alarmierte. Der Abschleppdienst transportierte das Fahrzeug mit der darin sitzenden alten Frau auf einen Parkplatz ausserhalb der Stadt.

Der Neffe sah, dass das Fahrzeug mit Oma abgeschleppt wurde. Er berichtet: "Die Oma hat sich sehr erschreckt. Sie verstand nicht, wohin sie gebracht wurde. Mit der wenigen Kraft die sie hatte, hat sie die Tür des Autos zugemacht als sie sah, dass es auf den Abschleppwagen gehoben wurde. Sie fragte, was sie machen solle und die Angestellten erklärten ihr, sie solle auf ihrem Platz bleiben und es sich gemütlich machen."

Die Tochter empört sich: "Als wir das Auto parkten stand da der Polizist, der meinem Lebensgefährten noch die Hand gegeben hat. Wir sind in den Superkmarkt und als wir nach 15 Minuten heraus kamen, war kein Auto und keine Mama mehr da. Ich habe gedacht, ich muss sterben. Nach eineinhalb Stunden haben wir Auto und Mama gefunden. Sie sass noch im Auto drin. Ich konnte sie heraus holen, nachdem ich die Strafgebühr bezahlt hatte. Die Angestellten der Abschleppfirma erzählten mir, dass sie sich amüsiert hätten als sie die alte Frau im Auto gesehen haben. Aber keiner hat sich nach ihrem Befinden erkundigt."

Die offizielle Stellungnahme der Polizei: "In Ausübung seiner Dienstpflichten hat ein Beamter der Verkehrspolizei gesehen, dass das Fahrzeug, in dem die Alte sass falsch geparkt war und er benachrichtigte den Abschleppdienst. Auf Grund des auf dem Auto liegenden Schnees haben die Arbeiter der Abschleppfirma die darin sitzende Person weiblichen Geschlechts nicht gesehen und sie haben das Fahrzeug mitgenommen".

"Ihr seid alles Lügner", kann auf diese Ausrede die Tochter nur antworten. Sie will jetzt die Justiz mit dem Fall ihrer Mutter beschäftigen.

Der Leser "Strong arm of the law" meint in einem Kommentar: "Es ist ganz einfach, § 189 des Strafgesetzbuches, Freiheitsberaubung. Ich erwarte, dass die Staatsanwälte zur Verhaftung schreiten". Die Geschichte hat viele Leser aufgewühlt, die Kommentare sind zahlrich und überwiegend zu Lasten der Polizei.

Das Vertrauen der Rumänen in ihre Polizei liegt immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau.

Siehe auch Blogbeitrag:
Polizei im Poker-Rausch

Informationsquelle:
Povestea bătrânei ridicate cu tot cu maşină - Din ţară > EVZ.ro

Dienstag, 14. Dezember 2010

Wer ist Victor Ponta?

In der rumänischen Oppositionspartei PSD (Partidul Social Democrat) kracht es zur Zeit gewaltig. Dabei ist die PSD die größte Oppositionspartei und hat bereits mehrfach Regierung und Präsidenten in Rumänien nach der Diktatur gestellt. Der letzte Präsidentschaftsanwärter der PSD, Mircea Geoană, der nur knapp dem derzeitigen Präsidenten Traian Basescu im vergangenen Jahr unterlegen war, wurde jetzt für 6 Monate von seinen Parteiämtern suspendiert. Diese Suspendierung soll eine strenge Verwarnung für die Querschüsse von Geoană gegen die Parteilinie sein.

Dahinter steckt aber auch ein Machtkampf mit dem derzeitigen Präsident der PSD, Victor Ponta. Victor Ponta hatte das Amt des Präsidenten der PSD im Februar dieses Jahres von Geoană übernommen. "Ich bedaure, dass wir in diese Situation gekommen sind, es ist nicht unsere Schuld, aber heute mussten wird das Thema abschließen. Mircea Geoană muss sich entscheiden, ob er in der Partei bleiben will. Die Strafe ist ein klares Signal und ich hoffe, dass Herr Geoană das verstanden hat", erklärte Ponta gestern nach dem Parteibeschluss gegen Geoană.

Wer ist nun dieser Mann der starken Worte: Victor Ponta ist Vertreter der neuen Generation von rumänischen Politikern. Geboren 1972 hat er den Fall der Ceausescu-Diktatur nur von der Schulbank aus erlebt. Er studierte Rechtswissenschaft in Bukarest. Das Studium schloss er 1995 ab. Bis 2002 war er Staatsanwalt, zuletzt beim obersten Gerichtshof, in der Abteilung Anti-Korruption und Strafverfolgung. 2003 macht er den Doktor in internationalem Strafrecht. 2001 ging er in die Politik und wurde 2003 zum Präsidenten der jungen Sozialdemokraten gewählt. 2006 wurde er zum Vizepräsidenten der Partei gewählt, einen Posten, der er schon kurz zuvor inne hatte. In der Zeit von 2001 - 2004 als die PSD die Regierung stellte, war er Staatssekretär und Chef des Kontroll-Corps der Regierung. Zwischen Dezember 2008 und Oktober 2009 war er Minister für die Beziehungen zum Parlament.

Ponta hat eine umstrittene Karriere in der PSD hinter sich. 2007 gab es sogar Versuche, ihn aus der Partei auszuschließen. Er rebellierte gegen die alte Garde und gegen die in seinen Augen inkompeteneten und kompromittierten Politiker. Dabei gab es auch Zweifel an ihm als Saubermann. 2006 übernahm er die Verteidigung eines Geschäftsmannes, der wegen vielfacher Wirtschaftsvergehen angeklagt war. Ein Gericht in Bukarest hat ihm schließlich die Verteidigung des Geschäftsmannes verboten mit der Begründung, dass es Abgeordneten verboten ist, Beschuldigte in Geldwäsche- und Korruptionsverfahren zu verteidigen. Die Medien vermuteten, dass der Geschäftsmann der Jugendorganisation PSD umfangreiche finanzielle Unterstützung zukommen lassen hatte.

Ponte genießt zur Zeit die Unterstützung des Urgesteins der PSD, des ehemaligen Präsidenten Ion Iliescu. Der Gewinn des Machtkampfes innerhalb der PSD gibt ihm gute Chancen, in Zukunft eine wichtige Rolle in der rumänischen Politik zu spielen. Immer mehr deutet sich in Rumänien ein Generationenwechsel in der Politik an. Die von der Diktatur unbelastete Generation hat bald die Chance, alles besser zu machen.

Siehe auch Blogbeitrag:
Die schöne Elena

Informationsquelle:
Adevarul, Mircea Geoană a fost suspendat din partid timp de 6 luni. Iliescu l-a făcut "penibil" pe Geoană
Victor Ponta - Wikipedia

Sonntag, 12. Dezember 2010

Natal in Natal oder Weihnachten in den Tropen

Die südliche Hemisphäre unserer Erde nähert sich dem Hochsommer. In den Tropen ist das ja ohnehin egal, so etwas wie Hochsommer hat man das ganze Jahr. In Brasilien gibt es den kleinen Bundesstaat Rio Grande do Norte, der kaum einmal Schlagzeilen weder in Brasilien noch in der Welt macht. Seine Hauptstadt ist Natal, was übersetzt "Weihnachten" heisst. Wenn man einen solchen Namen trägt, ist einem die Hitze wohl egal. Die Kerzen werden bis zum letzten Augenblick im Kühlschrank verwahrt, damit sie wenigstens ein paar Minuten durchhalten bevor sie umkippen und Weihnachten wird gefeiert, auch wenn auf brasilianisch.

Nun, gestern war der große Moment, die Bürgermeisterin Micarla de Sousa zündete in der Nacht in Begleitung des Weihnachtsmannes, den man in Brasilien "Papai Noel" nennt, den Weihnachtsbaum an. Anzünden heisst hier natürlich den Schalter umlegen. Der Weihnachtsbaum von Natal steht in einem Park im Norden von Natal. Das Bürgermeisteramt schildert ihn wie folgt: "Von grüner Farbe, im Spiralformat, 60 Meter hoch und mit 86.000 LED-Lämpchen bestückt". Über tausend Personen wohnten dem Moment bei als Weihnachten offiziell nach Weihnachten (Natal em Natal) kam.

Die Bürgermeisterin rühmt sich:"Ich habe dafür gesorgt, dass die Hauptstrassen im nördlichen Teil der Stadt genauso geschmückt und mit einem Weihnachtsbaum ausgestattet werden wie der südliche Teil der Stadt. Das wird die "Natalenses" und Touristen anziehen und sie werden eine weitere Möglichkeit der Entspannung haben an diesem wichtigsten Fest des Jahres für unsere Stadt."

Ansonsten laufen schwitzende, im nordeuropäischen und nordamerikanischen Stil angezogene, Weihnachtsmänner durch die Stadt, um den Kindern eine Freude zu machen.

Das Fest wird garniert mit kulturellen Attraktionen, vor allem Musik. Das ist dann aber nicht so getragen wie bei unsern Weihnachten, sondern da spielt zum Beispiele eine hip-hop Gruppe namens Carcará na Viagem, Macaxeira Jazz oder es singt der Sänger Sergio Luiz. Die Kunsthandwerker dürfen auf einem speziellen Markt ihre Produkte anbieten.

Weihnachten wird hier übrigens gesponsert: Also danke an die Unternehmen Cosern, Midway Mall, Petrobras, Natal Card und die brasilianische Vereinigung der Hotelindustrie (Associação Brasileira da Indústria de Hotéis (ABIH)).

Informationsquelle:
Prefeitura do Natal

Freitag, 10. Dezember 2010

Diskrimieren gehört sich und sonstige Vorurteile

Der rumänische Nationalrat für die Bekämpfung der Diskriminierung (Consiliul Naţional pentru Combaterea Discriminării; CNDC) hat eine Umfrage in der rumänischen  Bevölkerung durchführen lassen, um den Stand der Bemühungen im Kampf gegen die Diskriminierung feststellen zu können. Das Ergebnis ist alles andere als ermutigend.

84% der Befragten würden nicht aus demselben Glas trinken, aus dem ein Homosexueller oder ein Aids-Infizierter getrunken hat. 72% würden dies nicht tun, wenn zuvor ein Roma aus dem Glas getrunken hat. Ein Viertel der Rumänen ist der Ansicht, dass die Minderheiten ein Problem für das Land sind. Die gleiche Anzahl hat auch noch nichts vom Holocaust gehört. 80% der Befragten hält es für richtig, wenn Menschen auf Grund ihrer Herkunft, sexuellen Orientierung oder Krankheit diskriminiert werden und wenn einer Gruppe von Personen nach ethnischen Kriterien der Zugang zu öffentlichen Räumen verweigert wird. Auch die Weigerung von Ärzten, Roma oder Aids-Kranke zu behandeln halten sie für richtig.

Dabei sind sich die Rumänen weitgehend einig, dass die am meisten diskrimiierten Personen in Rumänien die Roma sind (60%), Aids-Kranke (70%), Homosexuelle (61%) und behinderte Menschen (52%). Auf der anderen Seite glauben 48%, dass die Rumänen da diskriminiert werden, wo sie selbst eine Minderheit sind. Der Mehrheit der Befragten ist es klar, dass Aids-Kranke und Roma auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben und dass sie in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz schecht behandelt werden.

Und wie sehen sie sich selbst? 58% halten sich sich für fleißig, 34% für tolerant, 26% friedlich und großzügig. Auf der anderen Seite halten 32% die Rumänen für streitsüchtig, für 18% sind sie faul und für 16% sind sie unehrlich. Dabei glauben 51%, dass die Roma zusammenhalten, für 21% sind sie mutig und draufgängerisch. 45% glauben, dass die negativen Eigenschaften der Roma ihre Faulheit und Aggressivität sind. Von den Ungarn, die eine ebenfalls große Minderheit im Land bilden, glauben 35%, dass sie zusammenhalten und 24% meinen, dass sie arbeitsam und fleißig sind. Dafür halten 17% sie für intolerant.

Die Judenverfolgung im eigenen Land haben 79% gut verdrängt, denn sie glauben, dass es den Holocaust nur in Deutschland gab. 19% haben noch nie etwas davon gehört, dass es auch in Rumänien Progrome gab.

Siehe auch Blogbeiträge:
Europas Zigeuner als Sündenböcke
Ich bin kein Roma!
Lustig ist das Zigeunerleben
Drogensüchtig in Rumänien

Informationsquelle:
Sondaj: 58% dintre români leagă discriminarea din spaţiul public de faptele preşedintelui Băsescu - Social > EVZ.ro

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Schwangere Weltmeisterin wird verhaftet

Spitzensportler können scheinbar nicht vom Doping lassen. Wie eine Bombe hat in Spanien jetzt die Verhaftung der ehemaligen Leichtathletik-Welt- und Europameisterin über 3.000 m Hindernis, Marta Domínguez, eingeschlagen. Mit ihr zusammen wurden ihr Trainer César Pérez, der Trainer Manuel Pascua Piqueras, Trainer der derzeitigen Europameisterin über 1.500 Meter, Nuria Fernández, und der berüchtigte Dopingarzt Eufemiano Fuentes im Rahmen der "Operation Galgo"verhaftet. Bei den Verhafteten sollen Dopingmittel der neuesten Generation gefunden worden sein. Die Festgenommenen werden auch beschuldigt, anderen Sportlern Dopingmittel besorgt zu haben. Gleichzeitig wird ihnen auch Geldwäsche vorgeworfen.

Marta Domínguez ist auch Vizepräsidentin des Spanischen Athletik-Verbandes  (Federación Española de Atletismo). Sie nimmt zur Zeit nicht an sportlichen Wettkämpfen teil, da sie schwanger ist.  Eigentlich hatte sie die feste Absicht bei den Olympischen Spielen 2011 in London wieder dabei zu sein. Am 17. August 2009 bei den Weltmeisterschaften in Berlin holte sie sich die Godmedaille über 3.000 m Hindernis und lief dabei Jahresweltbestzeit. Sie hatte einen Ruf als ehrgeizige, mutige Athletin, dies es mit den Besten der Welt aufnehmen konnte. Bekannt war sie durch ihre Fähigkeit, immer zu grossen Veranstaltungen in Top-Form zu sein. Sie ist ein Produkt der sogenannte Schule von Palencia, der auch die Athleten Mariano Haro, Santiago de la Parte, Isaac Viciosa, Ana Isabel Alonso, die Brüder Cándido und Javier Alario, Angelines Rodríguez und Dolores Rizo, unter anderem angehörten.

Die Schule von Palencia scheint also auch eine Doping-Schule gewesen zu sein. Ein Doktor, der schon seit Jahren zur Doping-Mafia in Spanien gehört, Eufemiano Fuentes, ist auch wieder voll dabei. Es gibt wohl kaum einen bekannten Sportler in Spanien, der nicht von ihm im Sinne einer Leistungssteigerung kuriert wurde. Trotz erdrückender Beweise wurden die Verfahren gegen ihn immer wieder eingestellt. Entweder waren seine Taten verjährt oder wichtige Zeugen schwiegen im entscheidenden Augenblick.

Ist der spanischen Polizei diesmal ein grosser Schlag im Dopingsumpf gelungen? Mit der Ruhe für Marta Domínguez wird es vorerst vorbei sein. Auf ihrer Webseite verkündet sie noch strahlend zu ihrer frohen Erwartung: "Nach der Mitteilung des spanischen Athletik-Verbandes wollen wir euch auch zu Komplizen unserer Neuigkeiten machen. Jetzt erwartet uns eine Zeit des ruhigen Glücks. Eine neue Etappe. Aber der Wettkampf und das Training bleiben, damit ich, wenn der Moment gekommen ist, wieder loslegen kann." Vielleicht geht es weiter mit "Qaumtrax". Diese Firma wirbt auf der Webseite von Marta Domínguez mit "nutrition" für Sportler. Die Angebote lesen sich wie das Warenlager von Doping-Händlern und die abgebildeten Muskelprotze lassen auf Mittel zur Leistungssteigerung jeder Art schließen.

Was sich der Spitzensport an Lügen und krimineller Energie leistet ist schon erstaunlich. Soll man da noch an saubere Weltmeisterschaften, olympische Spiele glauben?

Informationsquellen:
Detenida Marta Domínguez en una operación antidopaje - Deportes - El Periódico
Marta Domínguez, la mejor atleta española en el punto de mira ideal.es

Dienstag, 7. Dezember 2010

Zoff zwischen Lothringer und Elsässer wegen Nikolaus

Die Badische Zeitung berichtete im Oktober: "Zwischen dem Elsass und Lothringen bahnt sich ein Rechtsstreit um den heiligen Nikolaus an. Bereits 2009 haben sich die lothringische Regionalhauptstadt Nancy und die Gemeinde Saint-Nicolas-de-Port die Bezeichnung „Saint Nicolas“ und drei weitere Begriffskombinationen, die den heiligen Nikolaus enthalten, als Marke schützen lassen. Eric Straumann, Abgeordneter aus Colmar und Präsident des Tourismusverbandes Haut-Rhin (Südelsass), hat nun rechtliche Schritte gegen den Vorgang angekündigt."

In lothringischen Kreisen hat dieser Schritt der Elsässer für erhebliche Verärgerung gesorgt. Sie empfanden das als eine Kriegserklärung. Stellvertrend für den Unwillen der Lothringer steht die Meinung der engagierten Blogger aus Lothringen (Bloggers Lorrains Engagés; BLE), die ich hiermit wiedergeben möchte:

"Aber Achtung, die Elsässer haben gewarnt: Wenn die Lothringer nicht den Antrag auf Markenschutz zurückziehen, werden sie vor die Justiz gezerrt. Au, au, au, da zittern wir aber hier in Lothringen! Eine ganz wahnsinnige Angst haben wir. Geht doch zur Justiz, damit wir noch ein bisschen mehr Spass haben! Die Richter sollen sich in dieser Zeit der Feste am Jahresende auch ein wenig amüsieren! Mit dieser Aktion sind die Elsässer endgültig von Clowns übernommen worden und das Elsass erscheint als eine fette Posse in der Augen aller Franzosen. In der Tat, Lothringen erwartet nichts sehnlicher, als dass es von den Elsässern vor die Justiz gezerrt wird, wo wir dann vermutlich die Entscheidungsschlacht haben werden".

Bei dem gemeinsamen Heiligen namens Nikolaus scheinen die Lothringer keinen Spass zu verstehen. Den scheinen sie  für sich gepachtet zu haben, nicht anders ist zu verstehen, dass man den Begriff als Marke schützen lässt. Schlecht denkt, wer nur den schnöden Mammon hinter dieser Aktion sieht. Die Elässer glauben nun auch, dass sie eigentlich für die Vermarktung des Nikolaus- und Weihnachtskitsches in Frankreich zuständig sind und wollen sich deshalb hier nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Straßburg bringt die Lothringer auf die Palme, indem es sich zur "Capitale de Noël" (Weihnachtshauptstadt) erklärt und führt als Beweis an, dass es mit dem "Christkindelsmärik" den schönsten Weihnachtsmarkt der Welt hat.

Inzwischen scheint auch die Pariser Presse an diesem Streit Gefallen gefunden zu haben, den BLE schreibt: Eigentlich wollten wir auf die fast rassistischen elsässischen Provokationen bezüglich der Pseudopolemik um den Heiligen Nikolaus (der das vermutlich alles konsterniert mit ansieht) nicht eingehen, aber die kürzlichen Erklärungen des einen oder anderen, vor allem in der Pariser Presse, nötigt uns einiges klarzustellen".

Le Post titelt unter der Rubrik "Fight Club": "Schlacht zwischen den Regionen: Sankt Nikolaus entzweit das Elsass und Lothringen".

Irgendwie denkt man an Schilda, denn es ist ein kindischer Streit, der auf christilicher Basis geführt und wegen des im Hintergrund lauernden lieben Geldes in ein Kriegsgeschrei ausartet. Sie haben den gleichen Nikolaus, die gleiche Jungfrau Maria, den gleichen Gott und schlagen sich doch gerne deswegen wie seit Urzeiten die Köpfe ein.

Fröhliche Weihnachten!

Informationsquelle:
Groupe BLE Lorraine » Polémique du Saint-Nicolas-des-Lorrains : ils commencent à nous emmerder !

Montag, 6. Dezember 2010

TAL in den Fußstapfen von Arte

Lateinamerikas Fernsehstationen sind fest in privaten Händen. Die Wirtschaft steuert über ihre Werbeausgaben den Inhalt der Fernsehsendungen und deren Qualität ist demzufolge auch entsprechend. Die Werbung ist nicht eine Begleiterscheinung der Sendung, sondern dominiert den Inhalt. Die öffentlich-rechtlichen Sender, die es auch in Lateinamerika gibt, sind unterfinanziert und laufen nur am Rande mit. Aber mit zunehmender Investition in die Bildung nimmt auch der Anspruch der Bevölkerung an qualitativ guten Fernsehsendungen langsam zu.

In Recife / Pernambuco tagen deshalb heute die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten Lateinamerikas organisiert von TAL, "Televisión America Latina" (spanische Bezeichnung), "Televisão América Latina" (portugiesisch), um über Wege zur Gestaltung eines Qualitätsprogramms für die öffentlichen Sender Lateinamerikas zu diskutieren. TAL ist eine Plattform für den Austausch und die Verbreitung von audiovisuellen Produktionen von 20 lateinamerikanischen Ländern. Nicht gewinnorientiert, vereint TAL bereits heute hunderte von Institutionen aus der Region. Dieses sind öffentliche Fernsehkanäle, Kultur- und Erziehungseinrichtungen sowie unabhängige Produzenten, die Programme - Dokumentationen, Serien und Kurzfilme - durch Vermittlung von TAL untereinander austauschen.

Die Konferenz wird auch von externen Experten beraten, so auch von Markus Nikel, der Philosophie in Hamburg studiert hat, jetzt in Italien lebt und bei der RAI für die Programmgestaltung im Bereich Erziehungs- und Bildungsprogramme zuständig ist.

Beim Treffen in Recife wird unter anderem über die Möglichkeit der Finanzierung von Programmen für die öffentlichen Fernsehanstalten sowie über die Möglichkeiten einer Stärkung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Lateinamerika diskutiert.

In Pernambuco gibt es nur einen öffentlich-rechtlichen Sender. Es ist TV Pernambuco (TVPE). Die Regierung von Pernambuco gründete im März eine Arbeitsgruppe, die aus Mitgliedern der Zivilgesellschaft, die sich für eine Demokratisierung der Kommunikationsmedien eingesetzt haben, zusammengesetzt wurde und die im Dialog mit der Zivilgesellschaft ein neues Profil für den Sender erarbeitete. Sie hat jetzt die Gründung eines pernambucanischen Kommunikationsunternehmens vorgeschlagen, dessen führende Mitglieder aus verschiedenen Bereichen der Zivilgesellschaft zusammengesetzt werden soll, um den pluralistischen Charakter des Senders zu stärken. Nach Ansicht der Arbeitsgurppe werde damit zum ersten Mal in der Geschichte der Kommunikationsmedien des Staates die Möglichkeit für einen Fernsehsender geschaffen, der von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen geführt werde.

Ein guter Ansatz in einem Land, wo die Qualität der Medien nur von den Interessen von Wirtschaftgruppen abhängt.

Siehe auch Blogbeitrag:
"Globo" überall

Informationsquelle:
Encontro // Sintonia entre televisões latinas | Diario de Pernambuco - O mais antigo jornal em circulação na América Latina

Sonntag, 5. Dezember 2010

Leidende spanische Fluglotsen

Die spanischen Fluglotsen haben Spanien dieses Wochenende mit einem wilden Streik ein derartiges Chaos beschert, dass die Regierung das erste Mal seit der Demokratisierung den Notstand ausrufen musste. Das bedeutete, dass die Fluglotsen zur Arbeit gezwungen werden und bei Weigerung vor Militärgerichte gestellt werden konnten. Der Streik wurde daraufhin beendet.

Nicht beendet sind aber die Gründe, die zu diesem Streik führten. Begonnen hat das jahrelange Gezerre im Jahr 1999, das Jahr, in dem zum ersten Mal ein Tarifvertrag für die spanischen Fluglotsen abgeschlossen wurde. In diesem Tarifvertrag wurde eine Arbeitszeit von 1.200 Stunden im Jahr festgelegt und zudem ein Grundgehalt, das jährlich um die Inflationsrate erhöht sich heute auf 140.000 Euro beläuft. Ende 2003 lief der Tarifvertrag aus, zu einer neuen Einigung kam es nicht. Im Laufe der darauf folgenden Jahre wurde auf Druck der Fluglotsen die bisher geltende Arbeitszeit verlängert und alles, was darüber hinausging, wurde als teuer bezahlte Überstunden abgerechnet. Einige Fluglotsen nutzten die günstige Gelegenheit und verdoppelten ihre Arbeitszeit und gingen dafür mit Jahresgehältern von über 300.000 Euro im Jahr nach Hause. Die IATA wies bereits 2006 auf die hohen Kosten der spanischen Flugkontrolle hin.

Bei den Fluglotsen handelt es sich um eine kleine Schar gutausgebildeter Spezialisten, die man nicht innerhalb kürzester Zeit ersetzen kann. Die Regierung beschuldigt die Fluglotsen-Gewerkschaft USCA, diese Situation genutzt zu haben, um für die Fluglotsen umfangreiche Privilegien zu erpressen. Trotz einer erheblichen Steigerung des Flugverkehrs, stieg nicht die Zahl der Fluglotsen. Dafür aber die der Überstunden. Warum nicht mehr Fluglotsen eingestellt wurden: Nach Ansicht der Flughafenverwaltungsbehörde AENA beinflussten die Fluglotsen die Zahl der Einstellungen, weil sie für die Ausbildung zuständig waren. Natürlich waren AENA auch die Kosten für die Fluglotsen zu hoch, weshalb sie ebenfalls kein Interesse an mehr angestellten Fluglotsen hatte.

Der Minister für Infrastruktur, José Blanco, wollte das ändern. Er setzte alles in Bewegung, um die "Privilegien" der Fluglotsen, die in Europa zu den Bestverdienenden gehörten, aber nur eine niedrige Arbeitsproduktivität aufweisen konnten, zu beenden. Im Februar wurde per Gesetz die Jahresarbeitsstunden auf 1.750 Stunden erhöht, eingeschlossen 80 Überstunden, die als normale Arbeitszeit erbracht werden musste. Gleichzeitig wurde aber das Höchstalter für den Fluglotsendienst auf 57 Jahre herabgesetzt. Damit gab es noch weniger Personal und noch mehr Überstunden. Die Regelung wurde dann zwar modifiziert, so dass man unter halbjährlicher ärztlicher Beobachtung auch länger arbeiten konnte.

Seit dem Frühling dieses Jahres gibt es eine Klageflut der Fluglotsen gegen AENA, weil ihnen Beurlaubungsmöglichkeiten (z.B. Erziehungsurlaub) wegen Personalknappheit verboten wurden. Die Zahl der Krankmeldungen stieg steil an. Im vergangenen Monat erschienen in Santiago de Compostela Fluglotsen nicht mehr zur Arbeit mit der Begründung, dass ihr Jahresstundensoll erfüllt sei. Da es auf andern Flughäfen auch nicht anders aussah, war bis Weihnachten der Ausfall des gesamten Fluglotsendienste zu befürchten. Die Stimmung kochte über als bekannt wurde, dass die Regierung beabsichtige, von den Jahresollzahlen die Beurlaubungen für Gewerkschaftstätigkeit, Erziehungsurlaub und Krankheitstage abzuziehen. Damit war der wilde Streik da und mit ihm das Chaos.

Vorläufig hat die Regierung mit brachialer Gewalt für Ruhe gesorgt.

El sueldo y la jornada laboral alimentaron la protesta · ELPAÍS.com

Freitag, 3. Dezember 2010

Italienischer Giftmüll für Andalusien

Der Ort Nerva und die Mülldeponie Nerva liegen in der südspanischen Provinz Huelva nicht weit von den Bergwerken von Rio Tinto in der Sierra Morena. Ehemalige Bergwerke werden hier als Mülldeponie benutzt. Eine idyllische Landschaft, die aber auf Grund ihrer Bodenschätze insbesondere Kupfer und Eisen schon erhebliche Umweltschäden erleiden musste. Wenn schon einmal etwas kaputt ist, dann kann man es ja ruhig noch ein wenig mehr zerstören.

Die Firma Befesa, eine Firma, die sich um Entsorgung von Industriemüll kümmert und auch um die Bearbeitung und Aufbereitung von Wasser, gibt an, dass sie in höchstem Maße ökologisch und nachhaltig arbeitet. Etwa die Hälfte des von ihr bearbeiteten Mülls werde aufbereitet für die Wiederverwendung.

Andalusien wird zur Zeit aufgeschreckt durch Meldungen, dass besagte Firma 80.000 Tonnen Giftmüll aus Italien auf der Mülldeponie von Nerva entsorgen will. Es soll sich um belastete Erde und Bauschutt von abgewrackten Fabriken handeln. Der Müll soll von Genua nach Sevilla verschifft werden und von dort mit Lastwagen nach Nerva gebracht werden. Die andalusischen Umweltschützer sind alarmiert. Sie wollen wissen, ob der Mülltransport mit Müllkrise in Neapel zusammenhängt.

Die andalusischen Umweltschutzbehörden wiegeln ab, der Transport des Industriemülls aus Italien habe überhaupt nichts mit dem neapolitanischen Müll zu tun. In Neapel handle es sich um Hausmüll, der nach allgemeinen Grundsätzen vor Ort entsorgt werden müsse. Über den Transportweg wollen sich die Umweltschutzbehörden nicht auslassen, sicher ist nur, dass der Müll im Hafen von Sevilla entladen wird. Der Transport des Mülls würde alle EU-Regeln erfüllen und unter strikter Kontrolle erfolgen. Ein Sprecher der Behörde erläuterte des weiteren: "Es ist überhaupt keine Neuheit, dass die Mülldeponie von Nerva gefährlichen Müll aus Genua bearbeitet wie auch aus Portugal, Frankreich und anderen Regionen Spaniens. Die Deponie ist im andalusischen Plan für gefährliche Abfälle enthalten. Alles läuft nach europäischen Regelungen und strikten Kontrollen ab."

Die spanische Umeltorganisation "Ecologistas en Acción" berichtete bereits 2006 von Unregelmäßigkeiten auf der Mülldeponie Nerva: "Es ist hervorzuheben, dass diese Deponie für Giftmüll die größte von Spanien ist. Sie ist seit 1998 in Betrieb. In dieser Zeit haben sich 5 Brände wegen Selbstenzündung des Mülls und 6 schwerwiegende Unfälle mit Lastwagen auf den Strassen der Deponie ereignet. Gestank und Staub in der Umgebung der Deponie haben die Vegetation nachhaltig beschädigt und durch die Abfälle wurde das Quellgebiet des Rio Tinto verschmutzt. Das Quellgebiet ist ein Ort öffentlichen Interesses, die Landschaft geschützt und durch Studien der NASA zu einer Region mit internationalem Ruf geworden". Bis heute gibt es regelmäßige Meldungen über giftigen Staub und Unfälle auf der Deponie. Die Deponie selbst war 1998 gegen heftigen Widerstand der lokalen Bevölkerung eingerichtet worden. Die Umweltschutzorganisationen hatten mehrfach gefordert, der Deponie die Lizenz zu entziehen.

Im Oktober diesen Jahres verunglückte ein Lastwagen auf dem Weg zur Deponie. Er hatte 22 Tonnen giftigen Staub geladen und kontaminierte an der Strasse liegende Gärten und ein Haus. Die so verantwortungsvolle Firma Befesa schickte darauf nicht-professionelle Strassenreiniger zur Säuberung der Zone.

Der Giftmüll aus Italien wird mit Lastwagen durch den Großraum Sevilla gekarrt, ob das gut geht?

Siehe auch:
Brot für heute, aber Hunger und Zerstörung morgen


Diario de Sevilla - Nerva acogerá 80.000 toneladas de residuos de Italia el próximo...

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Eine rumänische Tragödie

Doiniţa Alexandra Rahău, 13 Jahre alt, lebte im Dorf Rasova in der Provinz Konstanza. Sie starb im Juni 2009, erschlagen von einem Telefonpfosten.  Nach den angestellten Untersuchungen hatte sie aus herabhängenden Telefonkabeln eine Schaukel gebaut. Der Telefonpfosten brach darauf in Bodenhöhe und erschlug das Mädchen. Unmittelbar nach dem Unglück erschienen die Veranwortlichen der rumänischen Telefongesellschaft Romtelecom, entfernten den Rest des Pfostens am Boden und gaben diesen dem Vater, damit er diese in seiner Scheune verstecke. Die Polizei fand das Beweisstück erst nach einigen Monaten. Dem Vater wurde auf Veranlassung der Direktion von Romtelecom in Konstanza eine Entschädigung von 10.000 Lei in die Hand gedrückt, damit er sein Kind beerdigen konnte.

Nach dem Unglücksfall führte der Sozialdienst eine Überprüfung der Familie des verunglückten Mädchens durch, "Die Eltern arbeiteten und Alexandra begab sich an den Dorfrand, um auf die Kuhherde zu warten und sie dann nach Hause zu bringen. Während der Wartezeit spielte sie mit der improvisierten Schaukel. Sie ist nicht vernachlässigt gewesen oder unbeaufsichtigt.", erklärte der Bürgermeister des Ortes. Man habe aber den Kindern gesagt, sie sollten nicht mehr in der Nähe der Telefonpfosten spielen.

Auf Verlangen des Staatsanwalts wurde eine Expertise über den Zustand der Telefonpfosten in der Gegend erstellt: "Der Telefonpfosten mit der Kennzeichnung 239 des Elektizitätsnetzes in der Gemeinde Rasova, der auch von der Firma SC Enel SA benutzt wurde, hatte die gesetzlich erlaubte Funktionsfähigkeit um 20 Jahre überschritten und hatte nur gegenüber einer normalen Situation genügend Festigkeit. Im Boden war das Holz verfault, was in diesem Fall zum Bruch geführt hat." Die Polizei verhörte den verantwortlichen Direktor der operativen Division Südost von Romtelecom. Im Laufe des Verhörs ergab sich, dass der schlechte Zustand der Telefonpfosten in dieser Region bekannt war. Trotzdem wurden keine Massnahmen zum Ersatz der Pfosten vorgenommen.

Romtelecom hat jetzt ihr Bedauern über den unglücklichen Unfall im vergangenen Jahr erklärt. Sie hat der betroffenen Familie ihr Beileid ausgesprochen und Hilfe angeboten. Gleichzeitig wurde auch den Untersuchungsbehörden jede Unterstützung bei der Aufklärung des Unfalls zugesagt. "Wie erklären, dass dieser Unfall von externen Faktoren verursacht wurde. Der Fall des Telefonpfostens wurde durch die Tatsache verursacht, dass die Kinder aus dem Dorf Draht um den Pfosten gewickelt hatten und diesen als Schaukel benutzten. Nach und nach wurde dadurch die Widerstand der Struktur des Pofsten geschwächt", erklärte ein Sprecher von Romtelecom und fährt fort: "Der betreffende Pfosten war ausserdem zusätzlich im Boden verankert, damit er auch bei einer wiederholten Krafteinwirkung nicht fallen sollte. Es scheint, dass der Pfosten oft benutzt wurde, um Tiere aus dem Dorf daran anzubinden. Das hat natürlich den Widerstand des Pfostens geschwächt und so zu seinem Fall mit beigetragen. Der Pfosten war kurz vor dem Unglücksfall von einem unseren Kollegen begutachtet worden im Hinblick dass der Pfosten versetzt werden sollte. In diesem Fall hätte der Pfosten ein Gewicht von 80 kg ausgehalten.

Soweit so gut. In der Regel hat in Rumänien in einem solchen Fall ein einzelner Mensch keine Chance gegen die Schlamperei eines Konzerns einen Prozess zu gewinnen. Nicht so in diesem Fall: Ein Gericht in Konstanza hat entschieden, dass ein Verfahren gegen Romtelecom wegen fahrlässiger Tötung eröffnet wird. Die rumänischen Medien feiern dies als "Premiere" für das Land. Es sollte Schule machen, denn dann dürfte auch die landesübliche Schlamperei unter dem Druck des Haftungsgedanken stehen und vielleicht zu mehr Verantwortung führen.


Informationsquelle: Adevarul, Constanţa: Premieră - compania Romtelecom trimisă în judecată pentru uciderea din culpă a unei copile de 13 ani

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Nach der Schlacht ist vor der Schlacht

Die Räumung der Favelas "Vila Cruzeiro" und "Complexo do Alemao" von Drogenbanden durch schwerbewaffnetes Militär und Polizei gibt Rio de Janeiro seit langem wieder einmal das Gefühl, dass die Stadt wieder sicherer wird. Es ist gelungen die Banden aus strategisch wichtigen Vierteln zu entfernen. Aber Rio de Janeiro hat noch einen schlimmeren Feind als die Drogenhändler, nämlich die Milizen (milicianos). Diese sind mächtiger als die Drogenhändler, denn kommandiert und organisiert werden sie von Militärs und Ex-Militärs, Polizisten und Ex-Polizisten. Diese haben die Favelas auf den Hügeln den kriminellen Banden abgenommen und kontrollieren inzwischen die Wasserversorgung, die Versorgung mit elektrischer Energie, das illegale Fernsehkabelnetz, den Verkauf von Gas zum kochen sowie Sicherheitsdienste und das Transportwesen.

Inzwischen sind sie in 96 Favelas die Herren über Leben und Tod. Am Anfang wurden sie noch als Kämpfer gegen die Kriminellen von den Bewohnern begrüsst, bald aber wendete sich das Blatt. Sie gingen dazu über, sich ihre Dienste entgelten zu lassen und Schutzgelder zu erpressen. Wer nicht mitmacht wird einfach umgelegt. Der Soziologe Glaucio Ary Soares erklärt es so: "Am Anfang gab es eine unerwartete Unterstützung für die Miliz. Nach und nach begannen aber die neuen Chefs der Favelas Händler und Bewohner zu erpressen, indem sie ihnen Dienste anboten, die sie, ob sie wollten oder nicht, annehmen und bezahlen mussten. Da haben sie dann gemerkt, dass an ihrer Situation sich nur die Herren geändert hatten".

Die Favelas, die von Drogenbanden kontrolliert wurden, wurden als vorrangiges Ziel ausgesucht, weil sie viel stärker der öffentlichen Ordnung schaden konnten. "Sie konnten die Stadt zum Stillstand bringen. Von 200 bis 2009 zündeten sie 800 Omnibusse in Rio an. Das brachte ein hochgradiges Gefühl der Unsicherheit. Die Milizen hat man nicht prioritär behandelt, weil sie weniger störten. Die terroristischen Attacken wurden von den Drogenbanden ausgeübt".

Den Milizen ist schwerer beizukommen. Sie haben Verbindung in alle staatlichen Institutionen. Sie arbeiten mit Kollegen aus der Polizei zusammen, wählten Abgeordnete. Um sie zu bekämpfen braucht Rio eine neue Strategie.

Der Direktor des "Zentrums für Studien zur Kiminalität und öffentlichen Sicherheit" (Centro de Estudos em Criminalidade e Segurança Pública) der Bundesuniversität von Minas Gerais, Claudio Beato, glaubt, dass der Kampf gegen die Milizen die zweite Etappe im Kampf gegen den Terror sein wird. Er werde zu einer Belastungsprobe für das Planungsvermögen der leitenden Sicherheitsorgane von Rio de Janeiro. Und dieses sei bisher sehr schwach ausgebildet. "Die Regierung reagiert nur, sie erkennt nicht, was als Nächstes kommt. Die Gewalt im Drogenhandel ist ein dringendes und sichtbares Problem. Die Milizen sind aber schwieriger zu bekämpfen. Sie befinden sich innerhalb der Polizei, sie haben eine Präsenz in der Politik", erklärte Claudio Beato.

Für den Wissenschaftler ist es klar, dass diese Gruppen auf wirtschaftlichem Gebiet bekämpft werden müssen mit Hilfe der Steuerbehörden und der Behördern zur Bekämpfung von Finanzverbrechen. Schwerpunkt  wäre Delikte wie Erpressung, illegale Ausnutzung öffentlicher Dienst und Glücksspiele.

Damit die Hoffnungen der "Cariocas" nicht eitler Wahn bleiben, müssen die Aktionslinien gegen die Drogenbanden mit denen gegen die Miliz gebündelt werden. Die Sicherheitsbehörden müssen die jetzt zurückgewonnen Favelas dauerhaft befrieden.

Siehe auch Blogbeiträge:
Saubere Beschützer oder rettet mich vor der Bürgerwehr!
Warum mir der Krieg in Rio Hoffnung gibt

Informationsquelle:
Depois dos traficantes, o desafio de acabar com as milícias - Brasil - Notícia - VEJA.com