Donnerstag, 28. Oktober 2010

Die Stadt des Erlösers droht zu ersticken

In der Stadt Salvador / Bahia zirkuliert eine der grössten Fahrzeugflotten Brasiliens. Man schätzt, dass es über 700.000 Fahrzeuge in der Stadt gibt, die 3 Millionen Einwohner zählt. Die Verantwortlichen der Stadt haben bisher totzdem keine Veranlassung gesehen, die Schadstoffkonzentration in der Luft zu messen. Sie ignorieren damit ein brasilianisches Bundesgesetz, das eine Überwachung der Luftqualität in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern vorschreibt. In den nächsten 3 Jahren wird mit einer Zunahme von weiteren 120.000 Fahrzeuge gerechnet.

Dabei ist auch den Brasiliianern bekannt, dass ein Auto im Schnitt 4 Tonnen CO2 im Jahr in die Luft bläst. Das bedeutet somit, dass die vorerwähnte Zunahme an Fahrzeugen in Salvador eine Erhöhung der jährlichen CO2-Emission von 480.000 Tonnen bedeutet.

Den Brasilianern ist auch bekannt, dass die Verbrennung von fossilen Treibstoffen die wichtigste Quelle der Luftverschmutzung ist. Auch dass die Staubpartikel bei den Dieselmotoren höchst gesundheitsgefährdend sind. Eine in Salvador wohnhafte Biochemikerin machte eine der wenigen Studien über die Luftqualität in der Stadt. Die Ergebnisse waren alarmierend. Sie stellte eine hohe Konzentration von Schwermetallen in den Pflanzen der Stadt fest. Unter diesen auch solche mit höchstem Sicherheitsrisiko für Menschen. Neben der gefährlichen Zusammensetzung haben die Partikel noch eine verschärfende Eigenschaft: 60% der untersuchten Partikel waren kleine als 10 Mikrometer. "Diese Partikeln haben einen akute und chronische Auswirkung auf die Atemwege. Sie können zum Beispiel einen Asthmaanfall verschärfen", erklärte die Forscherin.

Am schlimmsten sieht es zu Zeiten des Karnevals in Salvador aus. Es wuden Staubkonzentrationen von 800 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Der von der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Grenzwert liegt zwischen 25 und 50 Mikrogramm.

In Salvador leiden 25% der Jugendlichen an Asthma. Die Stadt liegt damit in Brasilien an der Spitze. Wen wundert es? Da die Stadtverantwortilichen im Tiefschlaf liegen, hilft nur noch die Hoffnung auf die FIFA, denn in Salvador sollen bei der Fußball-WM 2014 Spiele ausgetragen werden. Spätestens dann ist die dicke Luft nicht mehr tragbar.

Informationsquelle: A Tarde, Capital não tem controle da qualidade do ar, contrariando uma determinação legal


Montag, 25. Oktober 2010

Saubere Beschützer oder rettet mich vor der Bürgerwehr!

Bloggerin Fernanda Dannemann vom Jornal do Brasil hat unter dem Titel "Ein Volk, das eine Miliz braucht, ist arm" eine Alltagsbeschreibung aus Rio de Janeiro geliefert, die sehr wirklichkeitsnah die Ängste der Bewohner dieser Stadt beschreibt. Diese Ängste führen dazu, dass die Cariocas wiederum zu Beschützern laufen, die die Spirale der Gewalt antreiben unter dem Vorwand ihnen zu helfen. Die Rede ist von Stadtmilizen oder Bürgerwehren, die sich den Bewohnern einzelner Viertel als Beschützer anbieten. Sie erzählt von einer Freundin, die mehrere Tage ins Krankenhaus musste. Ihre Wohnung befand sich in einem Viertel, in das die Polizei so gut wie gar nicht kam und wo es auch keine Polizeistation gab. Sie fürchtete sich schon sehr in eine Wohnung zurückzukehren, die einige Tage von ihr nicht bewohnt wurde. Nach ihrer Rückkehr nahm ein Nachbar Kontakt mit einem "Miliciano" auf, der auch mit seiner Bürgerwehr ein "Blick" auf ihre Wohnung werfen wollte.

Die "Milicianos", die Bürgerwehr, sind wiederum ein dunkles Kapitel in der Geschichte brasilianischer Großstädte. Mitglieder der Bürgerwehr sind oft Polizisten, die aus dem Dienst entfernt wurden, weil sie Verbrechen begangen hatten. In manchen Stadtteilen haben sie inzwischen die Drogenbanden abgelöst, bei denen viele Bürger ebenfalls "Schutz" gesucht hatten.

Die Bürgerwehr macht keine Umstände, wenn sie meint, einen Kriminellen erwischt zu haben. Vergewaltiger werden von ihnen sofort getötet, Dieben schlagen sie die Füße ab oder die Hände oder sie legen Feuer an seinen Köper. Ein Ehemann, der seine Frau schlägt, bekommt eine Tracht Prügel. Wenn er es noch einmal tut, wird er aus dem Viertel verbannt oder er wird erschossen. Mit solchen Taten verbreiten sie Angst, gewinnen aber auch die Bewunderung der Bewohner. Sie schaffen damit einen rechtsfreien Raum, in dem sie die Herren sind. Sie lassen Diebe und Drogensüchtige nicht in das Viertel. Gibt es einen Überfall sind sie vor der Polizei da. Die Bloggerin hörte, wie einer aus diesem Anlass bezüglich des festgehaltenen Diebes rief: "Gib ihm den Gnadenschuss!" und der Dieb hatte dann das Glück, dass die Polizei doch noch zuvor eintraf und ihr übergeben wurde.

Die Freundin von Fernanda Dannemann war bereits aus einem anderen Viertel geflüchtet. Dort wurde sie eine Nacht lang von Mitgliedern der Bürgerwehr vergewaltigt. Sie beklagt, dass es in diesen Vierteln keine Polizeistationen für Frauen gibt. In anderen Vierteln gibt es diese und sie erinnert sich sehr gut daran, dass sie dort sehr gut betreut wurde. "Sie halfen mir in das Auto zu steigen, um zu einer medizinischen Untersuchung über die Tat zu fahren. Ich erhielt psychologische Betreuung. Ich konnte die Banditen identifizieren, aber ich hatte nicht den Mut eine Anzeige zu machen, weil ich Angst vor Repressalien hatte. Wer wird mich beschützen, wenn sie wieder kommen? Das könnte ich nur machen, wenn ich auf der Polizeistation wohnen würde."

Jetzt ist sie resigniert. Trotzdem sie Opfer der "Milicianos" war, muss sie sich jetzt auf deren Schutz verlassen. "Es ist schade, ich wäre lieber zur Polizei gegangen, denn dann wäre ich niemandem etwas schuldig. Denn hier ist nichts umsonst. Du bist ihnen was schuldig und eines Tages, wenn sie dich um einen Gefallen bitten, kann ich nicht nein sagen. So oder so habe ich mein Ruhe verloren", beschreibt sie resigniert die Situation.

Informationsquelle: Jornal do Brasil, Blog Alma Lavada, Pobre do povo que precisa de milícia

Sonntag, 24. Oktober 2010

Gynäkologe hasst junge Ministerin

Spanien hat eine neue Gesundheitsministerin. Sie heisst Leire Pajín und ist Politikerin der Regierungspartei PSOE. Sie ist 1976 geboren und lebt in Benidorm. Ihre politischen Sporen hat sie im Parlament der autonomen Region Valencia verdient. Sie war Präsidentin der Nichtregierungsorganisation "Solidaridad Internacional" (Internationale Solidarität) und Mitglied bei der "Vereinigung der Freunde des sahaurischen Volkes" in Alicante. 2000 wurde sie in das spanische Parlament gewählt und war damals die jüngste Abgeordnete in der Gesichichte der spanischen Demokratie.

Francisco Javier León de la Riva ist Mitglied der konservativen PP und Bürgermeister von Valladolid. Er ist 1945 geboren, verheiratet und von Beruf Gynäkologe. Auf Grund seinen beruflichen Werdegangs hält er sich für einen Experten in Gesundheitsfragen.

Ihn muss es sehr geärgert haben, dass nun eine junge Frau ein Ministerium führt, für das vermutlich er sich für kompetenter hält. So verlor er seinen Anstand und hetzte gegen die neue Ministerin mit den Worten: "Sie ist ein superschlaues Mädchen, fähig, diskret, sie wird wo immer sie geht Kondome links und rechts verteilen und das Gespött des Gemüsegartens sein. Jedes Mal, wenn ich ihr ins Gesicht sehe und in diesen Schmollmund sehe, denke ich mir das Eine, aber das werde ich jetzt hier nicht erzählen". Bei anderer Gelegenheit als Leire Pajin im Senat mehrere Sprachen bei einer Erklärung benutzte, erklärte er: "Jedes Mal, wenn sie spricht, weiss ich nicht, ob sie dumm in 5 Sprachen ist, aber ich denke mir, das ist wohl so". Danach hat ihm natürlich seine Polemik leid getan und er entschuldigte sich über seinen verbalen Ausrutscher, den er gehabt habe als er "die Gestalt der neuen Ministerin gesehen habe, die ihm vorkomme wie eine Figur aus einem Comic-Heft". War wohl keine so gelungene Entschuldigung.

Die Wogen schlagen nicht nur in Valladolid hoch. In ganz Spanien empört man sich über die machistischen Ausfälle des Bürgermeisters. Zur Zeit findet das Filmfestival von Valladolid statt. Die Teilnehmer am Festival haben gegen die sexistischen Äußerungen des Herrn Bürgermeisters protestiert, die spanische Kulturministerin hat ihre Teilnahme an der Eröffnung abgesagt.

Informationsquellen:
Blog de Leire Pajín
El mundo del cine protesta durante el Festival de Valladolid contra el alcalde de la ciudad · ELPAÍS.com

Samstag, 23. Oktober 2010

Miss Ronde

Die Pummelchen, die weiblichen Übergewichtigen, schlagen zurück. Zumindest in Frankreich. Den Psychotherapeuten Thierry Frezard haben die Leiden der "Rondes" (Runden) im Jahr 2005 derart betroffen gemacht, dass er sich entschieden hat, einen Schönheitswettbewerb für sie ins Leben zu rufen. Auslöser war seine Freundin Virginia, die darunter litt, nicht die Idealfigur zu haben. Da es dergleichen in Frankreich bisher nicht gab, hat er den Schönheitswettbewerk "Miss Ronde France" ins Leben gerufen. Bei der ersten Ausgabe des Wettbewerbs gab es 32 Kandidatinnen. Virginia wurde damals Dritte. Danach roch die Presse Lunte und der Wettbewerb wurde zum Gesprächsthema. Für 2011 meldeten sich Kandidatinnen aus ganz Frankreich. Inzwischen ist die Bezeichnung "Miss Ronde France" urheberrechtlich geschützt. Zuvor gab es Verwechslungen mit ähnlichen Veranstaltungen im kanadischen Québec.

Die Regeln: Die Kanidatinnen müssen die französische Staatsangehörigkeit besitzen und mehr als 6 kg über ihrer Größe (abzüglich 1 Meter) wiegen. Somit kann also eine Frau von 1,50 m Größe nur teilnehmen, wenn sie mindestens 56 kg wiegt.

Jessica Monnier stammt aus Hérimoncourt ist 1,80 groß und wiegt 110 kg. "Et alors?"- Was soll's? Sie ist stolz darauf, darum hat auch sie sich für den Wettbewerb beworben. Sie sagt, dass sie von klein auf rund war. Sie wurden von ihren Mitmenschen deswegen oft gehänselt und beschimpft. Heute ist sie 20 Jahre alt, hat prächtige Augen und immer noch ihre Rundungen, aber das stört sie nicht. "Ich nehme mich wie ich bin. Ich haben einen knackigen Hintern und will den nicht verlieren. Ich habe keinerlei Absichten das zu ändern", erklärt sie. Sie hat die Vorausscheidungen überstanden und wird die Region Franche-Comté am 10. Dezember in Calais beim Finale vertreten.

Informationsquelle: Webseite Miss Ronde France und Journal d'Alsace, Miss ronde « J’ai de bonnes fesses et je n’ai pas envie de les perdre »

Freitag, 22. Oktober 2010

Hochzeitsfeier im Camp Nou mit dem Segen von Barça

Am 18. September passierte im Stadion des FC Barcelona, dem Camp Nou, etwas Ungewöhnliches. In der Halbzeitpause des Spiels Barcelona gegen Sevilla lief eine Frau ganz in Weiß und ein ebenso aufgemöbelter Herr im Anzug auf den Rasen. Ana und Boris aus Polen hatten einen Traum, den sie verwirklichen konnten. Sie heirateten in Barcelona und der FC Barcelona machte es möglich, dass die Hochzeitsbilder auf dem berühmten Rasen des Camp Nou geschoßen wurden.

Das war Auftakt zu einer geschäftstüchtigen Aktion des Fussballclubs, der damit noch mehr Geld in seine Kassen holen will. Man kann jetzt heiraten im Camp Nou mit dem Segen des FC Barcelona, wenn man bereit ist, die Unkosten zu bezahlen. Aber genügend Fußballverückte gibt es ja. Die Aktion ist inzwischen angelaufen und schon gibt es 25 Anträge auf die Fußball-Hochzeit im Camp Nou. Für die Neuvermählten ist der Zutritt zum Rasen des Stadions vorgesehen, wo Barça eine "Cava" (katalanischen Sekt) spendiert. Die Hochzeitsgäste dürfen auch mit auf den Rasen. Dann können Fotos gemacht werden, aus allen vom Hochzeitspaar gewünschten Perspektiven. Auf der Anzeigentafel wird ein Glückwunsch für das Paar erscheinen. Wem das nicht reicht, der darf sich auch mit dem Mannschaftsbus des FC Barcelona transportieren lassen und selbstverständlich ist auch der Kauf von Souvenirs in Form von Fußballhemden des Clubs erwünscht.

Der FC Barcelona scheint aber weniger mit einem Ansturm aus dem Ausland zu rechnen als mit den hartgesottenen "socis i aficionats" (Mitgliedern und Fans) des Vereins, denn auf der Webseite des Clubs findet man das Angebot nur auf Katalanisch. Für die Feiern werden neben dem Foto-Shooting auf dem Rasen, die Stadioninstallationen "La Platea del Camp Nou" und "Hall de Tribuna", die "Sala París" oder "Sala Roma" angeboten, in denen die nach eigener Darstellung hervorragende Stadionküche genossen werden kann. Wenn dabei noch Attraktionen gewünscht werden, kann man die "Cheerleaders" der Basketballabteilung antreten lassen. Glücklich die, die bereits seit einem Jahr Mitglied des Clubs sind. Sie bekommen 15% Rabatt auf die Kosten. Kosten? Eine Kostentabelle gibt es wohlweislich nicht. Interessenten bittet der Club, "sich zu informieren".

Na dann, wer dafür bereit ist: Auf zum "Casament en blaugrana al Camp Nou" - zur "Hochzeit in blau-rot im Camp Nou"!

Informationsquelle: El Periódico, El Barça recibe las primeras solicitudes para casarse en el Camp Nou und FC Barcelona, Casaments en blaugrana al Camp Nou

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Navarra ist für Multikulti

Navarra ist eine spanische autonome Region. Die Hauptstadt ist Pamplona, vor allem bekannt wegen des Festes "San Fermin", an dem die Stiere zum Gaudi vom Halbstarken durch die Straßen getrieben werden.

Navarra hat sich  Gedanken über die auf seinem Gebiet lebenden Ausländer gemacht. In Navarra lebten zum Stichtag 1. Januar 2010 70.931 Ausländer, die ca. 11% der Bevölkerung ausmachen. 66% davon kommen aus nicht-spanischsprachigen Ländern. In Erkenntnis der Tatsache, dass die Kommunikation mit Ausländern, deren Sprache man nicht versteht, sehr schwierig ist, wurde ein Dienst zur sprachlichen und interkulturellen Vermittlung geschaffen. Zuständig waren das Büro zur "Betreuung der Einwanderung" (Oficina de Atención a la Inmigración) der Regierung von Navarra. Über Navarra verteilt wurden 18 Kontaktstellen für Ausländer geschaffen.

Das Programm erstreckte auf sprachliche und landsmannschaftliche Vermittliung für Lateinamerikaner, Magrebiner ( vor allem Marrokko), Afrika südlich der Sahara (Ghana / Senegal) und osteuropäische Länder (Bulgarien und Rumänien). Die Ausländer konnten ihre Sorgen bei diesen Stellen in englisch, französisch, arabisch, bulgarisch, russisch, rumänisch und auf deutsch loswerden. Sogar bei einige lokale Dialekten aus diesen Regionen ware eine Vermittlung möglich.

Die Kontaktstellen wurden in über 7.000 Anfragen um Vermittlung tätig. In 17.259 Fällen wurden die Mediatoren in der Zeit von Juli 2008 bis Juli 2010 sprachlich und interkulturell vermittelnd tätig. Dazu kamen Vermittlungsersuchen von öffentlichen und privaten Organisationen.

Die Regierung von Navarra hält das Programm für einen Erfolg. Über 95% der vorgetragenen Anliegen hätten zur Zufriedenheit beider Parteien gelöst werden können. Gemeinsame Vereibarungen hätten in der Regel die Situation des antragstellenden Ausländers verbessern können.

Informationsquelle: Gobierno de Navarra, El Programa de mediación lingüística e intercultural resuelve favorablemente el 95% de las solicitudes


Dienstag, 19. Oktober 2010

Wenn Pillen nicht helfen

Brasilien hat ein riesiges Problem mit gefälschten Medikamenten. Es ist nicht schwer, in Brasilien an Medikamente zu kommen. Apotheken, in Brasilien "farmacias oder drogarias" genannt, beherrschen die Strassenbilder brasilianischer Städte. Daraus darf man schließen, dass die Brasilianer auch ziemlich wahllos ihr Heil in Pillen suchen.

Die Regierung ist auf jeden Fall inzwischen sehr besorgt über die Entwicklung auf dem Markt der Medikamente. Es gibt kriminelle Banden, die gefälschte Medikamente vor allem aus Paraguay und China importieren. Die brasilianische Gesundheitsbehörde ANVISA hat herausgefunden, dass etwa 20% der verkauften Medikamente im Land aus Schmuggel, Piraterie oder irregulärer Produktion stammen. Man schätzt, dass die Banden inzwischen auf einen Umsatz von 4 Milliarden US-Dollar kommen. Es reicht, in Brasilien im Internet nachzusehen oder auf einen Markt zu einem ambulanten Händler zu gehen, um eine Idee über die Gefährlichkeit der Situation zu bekommen. Neben gefälschten Parfums kann man am Marktstand Tabletten gegen Migräne, Appetitzügler, Vitamine, Aspirin und anderes bekommen. Am häufigsten trifft man auf gefälschte Mediamente gegen Impotenz, Dickleibigkeit und Anabolika. Die Fälschungen sind zum Teil so gut gemacht, dass auch Fachleute Probleme haben, sie zu erkennen.

Die darunter leiden sind Kranke, die bei solchen Produkten Heilung suchen. Sie werden noch kränker oder im besten Fall passiert gar nichts, weil die Pille nur aus Mehl besteht.

Was tun? ANVISA gibt Empfehlungen: Man sollte natürlich nur in "guten" Apotheken einkaufen, wo auch ein gelernter Pharmazeut die Leute berät. Dann gibt es die Möglichkeit auf den Medikamentenpackungen eine Gummierung weg zu rubbeln, unter der dann der Begriff "qualidade" und das Logo des Herstellers erscheint. Zudem sind die Verpackungen versiegelt. Wird das Siegel entfernt erscheint eine Markierung, so dass es nicht einfach möglich ist, diese mit falschem Produkten zu befüllen.

Ansonsten ist jetzt auch die Polizei hinter den Kriminellen her. Heute morgen wurden in einer großangelegten Operation der Bundespolizei 3 Personen verhaftet, die sich mit dem Verkauf von gefälschten Medikamenten über das Internet beschäftigt hatten. Die Polizeiaktion - Tarnname: Panaceia - wurde brasilienweit durchgeführt. Haftbefehle für 20 Personen wurden ausgestellt. Paralell lief eine weltweite Aktion in 44 Ländern, die zu Interpol gehören.

Informationsquelle: Folha Online, PF prende três em operação contra venda irregular de remédios pela internet

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Inkassobüro Merkel

Der Blitzbesuch der Bundeskanzlerin in Rumänien hat eine rumänische Zeitung zu folgender Schlagzeile veranlasst: "Harte Botschaft von Angela Merkel: Die Kanzlerin wird laut, wenn sie Geld haben will". Den rumänischen Staatspräsidenten Traian Basescu und seinen Ministerpräsidenten Boc soll sie ohne große Rücksichtsnahme klar gemacht haben, dass Rumänien seine Schulden gegenüber deutschen Unternehmen zu zahlen habe und sich gegenüber der Abwicklung der Rückübereignungsansprüche der deutschen Minderheit beeilen solle. Unter anderem soll es um Schulden gegenüber der deutschen Firma Max Boegl gehen, die den Auftrag zum Bau des Autobahnteilstücks Medgidia - Konstanza erhalten hatte. Der ehemalige Transportminister hatte sich geweigert zu zahlen, wenn ausländische Firmen die Vertragsbedingungen nicht erfüllten oder schlechte Arbeit ablieferten.

Ansonsten haben die Rumänen bange auf die Ansichten der Kanzlerin zu Rumäniens Schengenbeitritt gewartet. Merkel hatte sich dann auch besorgt gezeigt, dass Rumänien in der Lage sein müsse, seine Grenze als Aussengrenze der EU zu sichern. Scheinbar war sie nicht so überzeugt, dass das die Rumänen auch können. Es geht vor allem um die Grenze zu Moldawien, wo Rumäniens "Schwestern und Brüder" wohnen und die Gefahr groß ist, dass man bei den Einreisebestimmungen "eine Auge zudrückt". Laut Merkel soll die Visagewährung an Rumäniens Grenzen frei von Korruption sein, da sonst der ganze Schengenraum in Gefahr gerate. Klar gemacht hat sie aber, dass das Problem der Roma-Integration keinerlei Rolle spiele bei den Kriterien zum Schengenbeitritt. Ein bisschen Zucker gab es: Rumänien habe bei der Reform der Justiz und der inneren Verwaltung grosse Fortschritte gemacht, aber sei noch nicht am Ende des Wege angelangt.

In Cluj-Napoca / Klausenburg bekam sie an der Universität die Ehrendoktorwürde. Die Bundeskanzlerin meinte dazu: "Die Universität Klausenburg ist ein exzellentes Beispiel für das, was wir in Europa anstreben: Ein Miteinander von Völkern, Kulturen und Sprachen unabhängig von Herkunft und Konfessionen. Hier, an einer der ältesten akademischen Einrichtungen Rumäniens, wird in den Unterrichtssprachen Rumänisch, Ungarisch und Deutsch gelehrt und gelernt. Das Verständnis für andere Kulturen und die Idee eines auf Toleranz gegründeten Europas werden hier in Klausenburg in der Praxis gelebt. Damit leistet die Universität Klausenburg einen wichtigen Beitrag zur Vertiefung und Verbreitung der europäischen Einigungsidee."

Am Freitag kommt Alt-Bundesklanzler Gerhard Schröder nach Bukarest. Er wird einen Vortrag halten über "Quod Vadis Europa? Wirtschaftslösungen der Linken". Zuhören werden ihm die rumänischen Unternehmer.

Siehe auch Blogbeitrag: Rumänien ab März 2011 Schengenland?

Informationsquelle: Time4News, Mesaj dur de la Angela Merkel:  Cancelarul ridica tonul si isi cere banii; Evenimentul Zilei, Mesajul lui Merkel: În Schengen nu este spaţiu pentru corupţie; Advarul, Gerhard Schroeder, în vizită la Bucureşti

Dienstag, 12. Oktober 2010

Pfiffe für den Ministerpräsidenten, zündeln und Fahne schwenken in Melilla

Heute feiert Spanien das "nationale Fest", früher auch "Tag der Rasse" (Dia de la raza) oder auch "Dia de la Hispanidad" (Tag des Spanischtums) genannt. Gelegenheit für alle rückwärtsgewandten und reaktionären Spanier wieder einmal Dampf abgelassen. Traditionsgemäß gab der König heute einen Empfang, dem eine Militärparade vorausging, bei der genauso taditionsgemäß Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero von den Zuschauern ausgepfiffen und beschimpft wurde. Zudem wollte erstmals eine ehemalige Kolonie der Spanier nicht mitmachen, die Fahne Venezuelas fehlte. Die Eliten Südamerikas sind im übrigen nicht so zimperlich, bei ihnen heisst der Tag meistens noch "Tag der Rasse", so zum Beispiel auf der Webseite der argentinischen Regierung.

Den Faschisten der "Falange" kam der Tag wieder einmal recht, um Rabatz zu machen. Ihr Führer, Manuel Andrino, begab sich nach Melilla, um den Marokkanern Dampf zu machen. Die glorreiche spanische Kolonialvergangenheit sollte diesen Muselmanen wieder einmal in Erinnerung gebracht werden. Großmäulig bezeichnete er seine Anwesenheit als eine Demonstration gegen die Aggressionen Marokkos gegen Melilla. Er beschuldigte die letzten spanischen Regierungen sowohl der Sozialisten als auch der Konservativen, nichts für Melilla getan zu haben. Marokko versehe es sehr gut, diese Situation auszunutzen. Marokko ist für ihn das Reich des Bösen, denn Marokko verstehe es ausgezeichnet, Drogenhandel und illegale Einwanderung gegen Melilla einzusetzen. "Stolz auf unsere Vergangenheit, treu zu unserer Erinnerung" ist der Wahlspruch der Falange für den 12. Oktober. Wenn es nach ihnen geht, soll aus der "Hispanidad" eine internationale Gemeinschaft vergleichbar dem britischen Commonwealth werden. Darauf haben die ehemaligen Kolonien wohl nur gewartet! Aber es gibt in der Tat immer noch solche reaktionäre Traumtänzer in Spanien.

Auf der anderen politischen Seite hat die katalanische Partei ERC (Esquerra) heftigst die Anwesenheit des Präsidenten Kataloniens bei der Militärparade kritisiert. Nach Meinung der ERC gibt es an diesem Tag nichts zu feiern, weil es der Tag der Erinnerung an ein Genozid sei. Die Katalanen hätten mit der imperialen Nostalgie nichts am Hut, sie hätten ihren eigenen Feiertag.

Ansonsten war der Tag für die Spanier ein willkommener freier Arbeitstag, den man nicht unnötig mit nationalem Getue aufblasen sollte. Die Händler, die versuchten, an diesem Tag den Spaniern die nationale Flagge zu verkaufen, blieben auf diesen Sitzen. Sie sagen, dass das letzte Jahr schon schlecht war, aber dieses Jahr war wohl miserabel. Das Publikum sparte ansonsten und nutzte die Flaggen, die sie anlässlich der Fußballweltmeisterschaft gekauft hatten.

Siehe auch Blogbeiträge: Pulverfass Melilla und Umstrittener Nationalfeiertag - Dia de la Raza

Informationsquelle: InfoMelilla, La Vanguardia

Sonntag, 10. Oktober 2010

Mehr Evangelikale im brasilianischen Parlament

Die Zahl der Evangelikalen im brasilianischen Parlament nimmt zu. Bei den Wahlen am vergangenen Sonntag sind 28 evangelikale Kandidaten / Kandidatinnen mehr gewählt worden als bei den Wahlen zuvor. Das bedeutet ein Zuwachs von 65% gegenüber der letzten Legislaturperiode. Insgesamt wurden 68 evangelikale Abgeordnete und 3 Senatoren gewählt.

Sie haben eine gemeinsame Interessenvertretung im Parlament, die sich "Frente Parlamentar Evangélica" (Evangelikale parlamentarische Front) nennt. Ihr Präsident ist João Campos (von der Partei PSBD/GO). Schwerpunkte ihrer parlamentarischen Arbeit sind der Kampf gegen die Abtreibung, gegen die Homoehe und gegen die Legalisierung von Drogen.

Die meisten Abgeordneten gehören der Kirche "Assembleia de Deus" (Gottesversammlung) an. Sie ist eine Kirche im Stil der us-amerikanischen Evangelikalen der Pfingstbewegung, die zu Beginn es vergangenen Jahrhunderts anfing, in Brasilien zu missionieren. Auf ihrer Webseite erklären sie ihre Vision und Ziele: "Wir existieren, um Gott zu verherrlichen, um die heilende Liebe von Christus zu verkündigen und dafür zu sorgen, dass wir den Heilige Geist in seiner Fülle empfangen. Wir wollen die Menschen zur persönlichen Begegenung mit Christus bringen, im wachsenden Glauben, in der Gemeinschaft und zum Zeugnis des Wortes Gottes". Einer der einflussreichsten Führer dieser Kirche ist der Pastor Manoel Ferreira aus Rio de Janeiro, der bisher Abgeordneter war, aber nicht mehr kandidierte. Bei den Präsidentschaftswahlen hatte er sich in der Kampagne für Dilma Rousseff engagiert.

Die katholische Bischofskonferenz Brasiliens (CNBB) hat zum Wahlausgang nicht viel zu berichten. Sie will sich neutral verhalten und gab jetzt im Hinblick auf den 2. Wahlgang eine Erklärung ab, die diese Tendenz bestätigt: "Wir bestätigen noch einmal, dass die CNBB für keinen Kandidaten wirbt und wir erinnern daran, dass die Wahl eine freiweillige und bewusste Entscheidung eines jeden Bürgers ist. Angesichts dieser großen Verantwortung fordern wird die katholischen Gläubigen auf, nach ethischen Kriterien zu entscheiden, zu denen wir insbesondere den begingungslosen Respekt gegebenüber dem Leben, zu Familie, zur religiösen Freiheit und zur Menschenwürde zählen".

Diese erneute Bekräftigung der Neutralität ist wohl erforderlich, denn einer hatte sich vor dem ersten Wahlgang nicht daran gehalten. Bischof Luiz Gonzaga Bergonzini aus der Stadt Guarulhos hatte die Kandidatin Dilma Rousseff für nicht wählbar erklärt, da sie sich nicht von der Abtreibung distanziert hat. Damit hatte er für einige Aufregung im Wahlkampf gesorgt.

Informationsquelle: Jornal do Brasil, Bancada evangélica salta de 43 para 71 parlamentares

Freitag, 8. Oktober 2010

Nach Chemieunfall in Ungarn Zähneklappern in Rumänien

Der Chemieunfall in Ungarn, bei dem ein Staudamm mit kontaminierter Flüssigkeit gebrochen ist und einen grossen Landstrich verseucht hat, bringt auch Rumänien ein ähnliches Unglück aus dem Jahre 2000 in Erinnerung als in Baia Mare ein Staudamm mit giftiger Flüssigkeit brach. Der rumänische Umweltminister Laszlo Borbely hat erklärte jetzt in diesem Zusammenhang: "Wir müssen sehr aufpassen und aufmerksam sein wie ich schon oft gesagt habe. Nachdem was in Baia Mare damals und jetzt in Ungarn geschah haben wir klar vor Augen, was ein solcher Unfall bedeutet. Wir haben eine Auflistung unserer kontaminierten Orte und man muss es leider sagen, dass es sehr viele sind in Rumänen, knapp 1.000. Die Umweltbehörden überwachen zusammen mit den zuständigen Behörden diese Orte, wir werden aber auf noch mehr Aufmerksamkeit und Gefahrenbewusstsein drängen."

Vor allem in Oradea und Tulcea gibt es 2 solcher Giftlagerstätten, die sehr gefährlich werden können. Tulcea ist die Hauptstadt des Donaudeltas. Eine Katastrophe an diesem Ort hätte unvorhersehbare Folgen für dieses UNESCO-Biosphärenreservat. Gemäß den Aussagen des Umweltministers werden diese Lagestätten ständig überwacht. In Oradea ist es eine stillgelegte Fabrik, an der sich die Lagerstätte befindet, in Tulcea handelt es sich noch um eine produzierende Fabrik. Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse bestehe keine Gefahr, dass diese Staudämme brechen. Für die Sanierung der kontaminierten Lagerstätten erhält Rumänien Geld vom IWF und aus Fonds der Europäischen Union.

Borbely glaubt übrigens nicht, dass die Katastrophe in Ungarn den rumänischen Teil der Donau verseuchen wird. Sein Motto ist "erst Ernst der Lage zeigen, dann abwiegeln", weil man ja alles so toll unter Kontrolle hat. Der Verantwortliche für die rumänische Wasserversorgung ist allerdings nicht so optimistisch. Seiner Ansicht nach gelangen bereits die ersten Giftstoffe über Ungarn auch in den rumänischen Teil der Donau.

Es gibt da noch andere Stimmen. Die rumänische Partei der Grünen warnt davor, dass ein ähnliches Unglück in einem noch grösseren Umfang möglich sein werde, wenn die rumänische Regierung die Goldgewinnung in den Roşia Montana erlauben wird.  Der dann entstehende Giftsee - das Gold müsste mit Cyanid behandelt werden, das dann in einem Stausee gelagert würde - im Apuseni-Gebirge würde eine wesentlich höhere Gefährdung der Umwelt bedeuten. Sie verlangen nach dem Desaster in Ungarn einen Stop Projektes.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Borbely: „După ce s-a întâmplat la Baia Mare, trebuie să suflăm şi-n iaurt” und EcoMagazin, Dezastrul ecologic din Ungaria s-ar putea repeta la Roşia Montană la o dimensiune apocaliptică

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Ein Clown macht Spass mit Politik

Bei den brasilianischen Wahlen des vergangenen Sonntags kandidierte in São Paulo ein Mann, der über einen beachtlichen Bekanntheitsgrad in Brasilien verfügt. Er nennt sich "Tiririca" und ist von Beruf Clown. Er bekam in São Paulo 1 Million und 300.000 Stimmen. Für manch einen brasilianischen Intellektuellen ein Grund am Geisteszustand seiner Landsleute zu zweifeln.

Natürlich ist Tiririca nicht sein richtiger Name. Der lautet: Francisco Everardo Oliveira Silva. Tiririca erzählt uns von seinem Leben: "Ich wurde im Innern des Bundesstaates Ceará, in einer Stadt namens Itapipoca geboren. Den Übernamen habe ich von meiner Mutter bekommen, die maulig und schlecht gelaunt lebte. Ich habe sieben Geschwister. Mit 8 Jahren habe ich angefangen zu arbeiten, war Verkäufer von Zuckerwatte. Meine Karriere als Clown habe ich im Zirkus begonnen, zuerst als Seiltänzer, Jongleur und Zauberer. Als eines Tages der hauptamtliche Clown nicht im Zirkus erschien, zeigte der Chef auf mich und sagte, du Tiririca machst das jetzt. Das war der Beginn meiner erfolgreichen Clown-Laufbahn. Mit 16 bin ich von zu Hause weg und habe mit meinem eigenen Zirkus eine Tournee durch Ceara gemacht. Bis mir jemand den Zirkus angezündet hat. Das war sehr traurig. Ich musste Hunger leiden, aber ich habe nicht aufgehört zu kämpfen. Mit Hilfe von Freunden konnte ich eine Show aufziehen, mit der ich durch den ganzen Nordosten reiste. Ich trat in Restaurants, Pizzerias, bei Geburtstagen und Festen auf. In den neunziger Jahren hatte ich Glück mit einem Musikstück namens "Florentina". Wir haben eine CD aufgenommen, mit der ich die "goldene Scheibe" gewann. Dadurch wurde ich national und international bekannt. Heute habe ich meine Shows im Fernsehen. Das ist meine Geschichte, mein Leben. Wenn man den Glauben an Gott hat und ehrlich arbeitet, erreicht man seine Ziele. Ich glaube an Gott und deshalb bin ich hier."

Sein Wahlspruch lautet: "Wähle Tiririca, schlimmer als es ist, kann es nicht werden". Das hat wohl viele seiner Wähler überzeugt. Missgünstige hatten versucht ihn mit einem Trick aus dem Rennen zu werfen. Sie verklagten ihn vor dem Wahlgericht mit der Behauptung, dass er weder lesen noch schreiben könne. Scheinbar ist das in Brasilien Wahlbetrug, wenn man so etwas verschweigt. Der Wahlrichter entschied aber für Tiririca mit der Begründung, es gebe keinen Grund für ein Strafverfahren, da bei der Registrierung des Kandidaten festgestellt wurde, dass es keinen Grund für die Nichtwählbarkeit des Kandidaten gebe. Dies beziehe sich auch auf die Beschuldigung, dass er nur eine geringe Bildung hätte oder Analfabet sei.

Jemandem das Recht, gewählt zu werden, abzusprechen, weil er oder sie nicht lesen und schreiben können, das kommt uns unglaublich vor. Es ist aber so, die brasilianische Verfasssung spricht den Analfabeten das passive Wahlrecht ab. Ein Journalist aus Rio bringt es auf den Punkt: "Die Erfahrung zeigt, dass man, um das Parlament zu beschmutzen, sich nicht wie ein Clown anziehen muss. Jene Abgeordnete, die heimlich für abwesende Kollegen im Parlament wählten und dabei erwischt wurden, sahen nicht wie Clowns aus. Sie hatten Anzüge an, genauso wie die Esel vom Haushaltsausschuss, erinnern sie sich? Auch die Geheimakten und Sauereien im Senat wurden von niemandem unterschrieben, der eine rote Pappnase auf hatte."

Damit macht er klar: Lieber ein Hanswurscht als Abgeordneter, der nicht nicht lesen schreiben kann, als die vielen Schmarotzer im Parlament, die zwar lesen und schreiben können, aber sonst nichts taugen.

Siehe auch Blogbeitrag: Brasilianer streiten sich über Wahlplicht

Informationsquelle: Webseite Tiririca, Jornal do Brasil / Blog Rio Acima, Sua excelência, o Tiririca

Dienstag, 5. Oktober 2010

Barcelona im Visier der Wanzen

Eigentlich hat man in Barcelona gedacht, dass es sie nicht mehr gibt. Die Rede ist von den kleinen Biestern, die man Wanzen, bei den Spaniern "chinches", nennt. In Barcelona passiert es immer des öftern, dass man plötzlich nach einer durchschlafenen Nacht mit vielen rotgefärbten Stichen am Körper aufwacht. Firmen, die sich mit Schädlingsbekämpfung befassen, geben für Barcelona Alarm. Die Wanze befinde sich eindeutig wieder auf dem Vormarsch.

Vor allem die Bettwanze fühlt sich wieder wohl in Barcelona's Betten. Besonders beliebt scheinen die etwas preiswerteren Hotels zu sein. Sie tummeln sich auch gerne in Wohngemeinschaften und Wohnungen von Einwanderern.

Dank DDT sollen die Wanzen bereits einmal kurz vor dem Exitus gestanden haben. Nachdem man aber erkannt hat, dass DDT wesentlich gefährlicher als die vergleichsweise harmlosen Wanzenbisse war und man dieses Gift verbot, konnten sich die Wanzenpopulationen wieder erholen, zumal sie inzwischen auch Resistenzen gegen DDT entwickelt hatten. Aber man gibt auch technischen Neuentwicklungen wie Heizung und Klimaanlage die Schuld, die dem Insekt eine angenehme Fortpflanzungsumgebung bieten. Die katalanischen Schädlingsbekämpfer empfehlen deshalb präventive Inspektionen durch Fachleute der Seuchenbekämpfung, Ausbildung des Reinigungspersonals, häufiges Wechseln der Bettwäsche vor allem in Hotels. Die Hoteliers sind der Ansicht, dass das Wiedererscheinen der Wanzen der Globalisierung und der Zunahme von internationalen Reisen zu verdanken ist. Die Wanzen könnten leicht im Gepäck oder in den Kleidern von Touristen mitreisen.

Die katalanischen Schädlingsbekämpfer rücken dem Insekt nach eigenen Angaben mit einem Cocktail an Vernichtungsmitteln auf den Pelz. Über die Zusammensetzung wird nichts verraten.

Wie kann der Tourist feststellen, ob die Wanzen auch bei ihm in Barcelona zugeschlagen haben? Die Ärztezeitung gibt uns eine Hilfestellung zur Diagnose: "Finden sich bei einem Patienten an unbedeckten Körperstellen, meist der Extremitäten, juckende, eher flache Stiche mit Rötungen so groß wie der Nagel des Kleinfingers, ist womöglich eine Wanze unliebsamer Bettgenosse. Ein weiteres typisches Zeichen sind dunkle Tropfen auf der Haut. Dabei handelt es sich um Wanzen-Kot, der während des Stiches abgegeben wird..."

Informationsquelle: La Vanguardia, Aumenta la presencia de chinches en Barcelona

Sonntag, 3. Oktober 2010

Sevilla wird autofrei

Natürlich nicht ganz Sevilla, aber immerhin das historische Zentrum wird von Autos befreit. Nachdem inzwischen eine entsprechende Verfügung im Amtsblatt der Provinz veröffentlicht wurde, kann die Maßnahme innerhalb des nächsten Monats umgesetzt werden. Die Zugangsstrassen zum Zentrum sollen gesperrt und mit entsprechenden Vorrichtungen gegen einfahrende Autos gesichert werden. Die Kontrolle erfolgt mit Videokameras, die die Kennzeichen von einfahrenden Autos erfassen. Zuwiderhandlungen werden mit 90 € bestraft.

Zur Begründung für die Sperrung erklärten die Stadtverantwortlichen: "Die negativen Konsequenzen, die dadurch entstehen, dass täglich im Schnitt mehr als 100.000 Autos in das historische Zentrum von Sevilla fahren, bestehen in der Lärmverschmutzung sowie visuellen und umweltschädlichen Beeinträchtigungen. Wege, die die Fußgänger benötigen, werden von Autos in Beschlag genommen. Der Mangel an Parkplätzen führt zu einem zähflüssigen Verkehr und vielen Staus, beeinträchtigt die notwendigen Be- und Entladungen. Die Lebensqualität für Anwohner und Besucher leidet unter diesen Zuständen. Die Einschränkung des Zugangs vermindert die Luftbelastung und erlaubt es, dem Fußgänger mehr Raum zu geben. Gleichzeitig wird die Pünktlichkeit und Frequenz des öffentlichen Nahverkehrs erhöht. Das historische Zentrum kann damit als Wohnraum zurückgewonnen werden und für den Tourismus und damit auch den Handel wieder attraktiver gemacht werden."

Was in vielen europäischen Städten schon längst Wirklichkeit ist, wird jetzt auch in der engen und verwinkelten Innenstadt von Sevilla umgesetzt. Wer geglaubt hat, dass es leicht war, diese Maßnahme umzusetzen irrt sich. Dem ging ein erhebliches Gezerre, vor allem von Seiten der Geschäftswelt voraus. Man fürchtet erhebliche Rückgänge bei den Umsätzen. Der Kandidat der konservativen Partei PP für den Bürgermeisterposten hat deshalb nach einem Treffen mit Geschäftsleuten erklärt, dass für den Fall, dass er bei den nächsten Kommunalwahlen zum Bürgermeister gewählt würde, er diese Maßnahme sofort wieder rückgängig machen werde. Der derzeitige Amtsinhaber fürchtet sich vor dieser Drohung nicht. Er ist der Ansicht, dass die Massnahme bis zu den nächsten Wahlen in acht Monaten derart gut von den Bürgern angenommen werde, dass auch ein Wechsel im Amt des Bürgermeisters nicht mehr zu einer Rücknahme der Sperrung führen werden. Wer den Gestank, Lärm und die Enge in Sevilla's Altstadt kennt, der kann dieser Meinung nur zustimmen.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, El 'blindaje' del centro será legal desde la última semana de octubre

Samstag, 2. Oktober 2010

Eine Botschaft an alle Polizisten Ecuadors

Der ecuadorianische Präsident und seine Regierung wollten ihrer Polizei ans Leder. Das Besoldungssystem sollte umgestellt werden, einige Zulagen wegfallen. Nach Ansicht der Regierung gab es grosse Ungerechtigkeiten im Bezahlungssystem des öffentlichen Dienstes von Ecuador, die mit dieser Reform ausgeglichen werden sollte. Wem das nicht passte, das waren die Polizisten, die in den letzten Tagen zu Aktionen schritten, die einem Staatsstreich gleich kamen. Der Präsident wurde von Dutzenden meuternden Polizisten angegriffen, als er eine Polizeikaserne besuchte, um mit ihnen über die Proteste zu reden. Correa wurde geschubst und geschlagen. Nach einer Knieoperation vor wenigen Tagen ging er noch an Krücken und konnte den Angriffen nicht ausweichen.

Der ecuadorianische Präsident, Rafael Correa Delgado, berichtet auf der Webseite der Präsidentschaft der Republik Ecuador, dass Elemente der Polizei versuchten ihn zu verletzen und zu ermorden. Das hätten fotografische Beweise und Videos, die während seiner Belagerung in der Polizeikaserne gemacht worden seien, bewiesen. "Als ich in der Polizeikaserne war gab es Polizisten, Pseudo-Polizisten, die mich verprügeln wollten. Sie versuchten mein Knie zu zerschlagen, aber einer meiner Mitarbeiter ging dazwischen. Ihm wurde das Handgelenk dabei gebrochen, aber er konnte verhindern, dass mein Knie getroffen wurde. Sie zielten direkt auf mein Knie genauso wie sie versuchten Tränengasbomben hinter meinem Rücken zu zünden. Sie versuchten den Präsidenten umzubringen."

Correa wurde mehrere Stunden festgehalten. Inmitten heftiger Schusswechsel wurde der 47-Jährige dann von regierungstreuen Soldaten befreit und zum Präsidentenpalast gebracht. Inzwischen hat er die Polizeileitung abgesetzt.

Und was sagt die Polizei? Auf der Webseite der Nationalpolizei steht ein etwas jammernder Aufruf, der aber die Ereignisse nur streift:
"Botschaft an Ecuadors Polizisten"
"Kameraden und Kameradinnen Polizisten, wir erleben einen sehr schwierigen Moment. Aber es ist unsere tiefe professionelle Überzeugung, dass es die Stunde ist, in der eine Seite umgeblättert werden muss, in der wir uns in geistiger Kraft und Opferbereitschaft zum Wohl der ecuadorianischen Gesellschaft erneuern. Dies ist der Grund für unsere geheiligte Arbeit, es ist der Grund, um an unseren feierlichen Eid, die Verfassung zu respektieren, zu erinnern und dabei auch unser Leben für die teuersten Interessen unserer Gesellschaft zu geben, die nach unserer Anwesenheit verlangt, weil wir ihnen als erste die Hand reichen beim Kampf gegen die Kriminalität. Die Ruhe und Gelassenheit müssen auf die Strassen unserer Städte, auf das Land, die Berge, den Wald und die Küste zurückkehren. Es ist die Zeit, dass wir gemeinsam, Offizielle, Klassen und Polizisten, am Aufbau der Kathedrale der institutionellen Respektabilität mitarbeiten.
Auf dass das Thema unserer Behörde "In deiner Unterstützung liegt unsere Kraft" immer das Fundament sei, auf der unsere Union mit der Gesellschaft beruht und für uns Anfang und Ende unseres Dienstes sei."

Informationsquelle: Presidencia de la Republica del Ecuador, Presidente Correa denunció intento de asesinato en su contra und Policia Nacional del Ecuador, “MENSAJE A LOS POLICIAS DEL ECUADOR”