Montag, 30. August 2010

Hilfe Frankreich! Ein Wallone kotzt sich aus

Belgien steht seit Jahren vor einer Zerreissprobe. Der Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen der Flamen und Wallonen scheint nicht mehr kittbar. Hier die Flamen mit ihrer niederländischen Sprache und dort die Wallonen, französisch sprechend und sich dem französischen Kulturkreis zurechnend.

Vor dieser Kulisse kommt im französischen Online-Magazin "Agoravox" ein verzweifelter Wallone zur Sprache. Er titelt: Zu Hilfe Frankreich! Und er fährt fort in Richtung Franzosen: "Ihr seid unsere nächsten Brüder und ihr tut wie wenn nichts wäre, während wir 2 Finger breit davon entfernt sind, zum Kosovo eines Ex-Jugoslawien zu werden, das uns erniedrigt und versucht uns unter sein Joch zu bekommen. Wir sind eure kulturellen Brüder, mehr noch als ein anderer Staat der Frankophonie und ihr hört uns nicht! Schlimmer noch, ihr versteht überhaupt nichts von unseren Problemen..."

Was treiben die Co-Belgier, die Flamen, in seinen Augen: "Sie haben ein furchtbares Klima geschaffen, mindestens einmal im Monat demonstrieren sie unter dem Schutz ihrer Polizei in den Gebieten, in denen sie in der grossen Minderheit sind, mit Rufen wie "Franse ratten buiten" (französische Ratten raus!). Toleranz und Respekt des einen gegen den andern, das gibt es nicht. Der Präsident der Europäischen Univon ist Flame, er schweigt in allen Sprachen. Sein kleiner Bruder, der Mitglied des flämischen Parlaments ist, spricht offen von einer linguistischen Säuberung. Er weiss wohl nicht so genau, was das bedeutet. Wo bleibt Milosevic?"

Und weiter: "Wo werden sie Halt machen? Lieber Gott, wo werden sie Halt machen. Die Antwort ist klar: Niemals und nirgendwo! Nur an dem Tag, wo die Stadt (Brüssel) wieder flämisch ist. La victoire, l’Anschluss." Er geht dann darauf ein, welche Situation die letzten Wahlen gebracht haben: "In Flandern: 20% für die sich offen zur extremen Rechte erklärende Gruppierung. 30% für die extremen Rechten, die wenigstens noch so klug sind, auf den Hitler-Gruss zu verzichten. 10% für Leute ähnlichen Kalibers, die es aber vorgezogen haben auf eigener Liste zu kandidieren. 20% für die katholische Partei. 12% für die Liberalen, die für den Sturz der Regierung verantwortlich waren und etwa gleich viel für die Sozialisten sowie 5% für die Grünen. ..... Die Regierungsverhandlungen liefen dann auch so ab: Ihr akzeptiert alles, was wir verlangen und es macht keinen Sinn zu protestieren, denn man hört euch nicht. Ihr seid nur dreckige wallonische Profiteure und wir haben den Schlammassel eure Faulheit zu subventionieren. Schätzt euch glücklich, dass ihr so nicht ganz zu Untermenschen werdet. ..... Von Bart DeWever, ihrem neuen Führer, der es geschafft hat seine Partei von 5% auf 30% gebracht hat, sagt man, dass er "de slimste man van Vlaanderen" sei. .... Sein Vater war ein notorischer Nazi-Kollaborateur."

Von den wallonischen Politikern hält er auch nichts. Zwar gab es im Wahlkampf eine geeinigte frankophone Gruppe, aber der Sozialist Elio Di Rupo, der den Erfolg im Wahlkampf darauf zurückführen darf, dass er Geld versprochen hatte, das er gar nicht hat, ist nur daran interessiert, Ministerpräsident zu werden. Dafür verkaufe er auch Brüssel, wo die Flamen die absolute Minderheit seien, an die Flamen.

Die Schlussfolgerung: "Wir haben die widernatürliche Allianz zwischen den Sozialisten und der extremen Rechten. Bei euch wäre das nicht möglich. Bei uns ist das Tatsache. Und das noch mit der Teilnahme der Grünen, was überhaupt nicht mehr zu verstehen ist. Nein, in Belgien ist nichts unmöglich! Hilfe, sie sind alle verrückt geworden..."

Trost vom grossen Bruder? Ein Kommentar eines französischen Lesers zu seinem Aufruf: "Mein Kleiner von der andere Seite von Quievrin, das wird sich in den nächsten Jahren alles einpendeln, eure politische Klasse ist genauso eine Null wie die unsere, nur noch etwas mehr verfilzt mit ihren unberechtigten Pfründen und vervielfacht durch einen verdummenden und überbewerteten Föderalismus eines Operettten-Königreichs".

Informationsquelle: Agoravox, Au secours la France !

Sonntag, 29. August 2010

Ich bin kein Roma!

Offiziell gibt es in Rumänien 535.250 Roma, populär auch Zigeuner (ţiganii) genannt. Aber die Führer der Volksgruppe behaupten, dass die Zahlen wesentlich höher liegen. Für die Differenze sind die "Seiden-Zigeuner" verantwortlich, diejenigen, die die Tatsache, dass sie Roma sind, nicht zugeben. Ein kleines rumänisches Dorf steht stellvertrende für diese Situation: Prislop, im Kreis Hermannstadt / Sibiu, zählt nur 300 Seelen, davon sind 95% Roma, nur 15 Personen sind Rumänen. Aber offiziell haben laut letzter Volkszählung sich die meisten für "Rumänen" erklärt. Die Erklärungen lauteten: "Wir sind keine Roma, nur Seiden-Zigeuner, weil wir die Zigeunersprache nicht sprechen. Wir sind Seiden-Zigeuner, weil wir nur rumänisch sprechen. Deswegen haben wir uns als Rumänen bezeichnet."

Die Roma-Vertreter in Rumänien behaupten, dass ihre Zahlen um das 3 bis 4-fache höher liegen als die offiziellen Zahlen. Damit käme man auf 1,5 bis 2 Millionen Roma in Rumänien. Die Angst, sich als Roma zu bezeichnen, führt dazu, dass europäische Programme zur sozialen Integration der Roma nur unzureichend mit Mitteln ausgestattet werden, weil es offiziell eine erheblich geringere Anzahl an Roma in Rumänien gibt als tatsächlich der Fall ist.

Wie erklären das die Roma-Führer in Rumänien? Florin Cioabă, König der Roma in Rumänien und erster Vizepräsident der Weltorganisation der Roma, erklärt das wie folgt: "Es schmerzt mich, dass viele Menschen nicht zugeben, dass sie Roma sind. Diejenigen, die die ethnische Zugehörigkeit nicht anerkennen, halten sich für etwas besseres und für überlegen. Wenn sie nicht mehr mit dem Zigeunerzelt umherreisen und Häuser gebaut haben, glauben sie, dass sie Seiden-Zigeuner sind, was völlig falsch ist. Wir gehören alle dazu." Cioabă ist der Ansicht, dass andere Gründe dazu geführt haben, dass Roma ihre Zugehörigkeit zur Volksgruppe verleugnet haben.  "Die Alten leiden unter dem Trauma des Holocaust, als sie in die Bug-Region deportiert wurden. Anderen hat man 1995 bis 1996 die Häuser abgebrannnt. Andere wiederum glauben, dass man sie, wenn sie sich als "Nicht-Roma" erklären nicht in einen Topf wirft mit denen, die gegen Gesetze verstossen haben. Das ist eine grosse Dummheit, denn ich glaube, dass man vor so etwas keine Angst haben sollte", gibt Cioabă zu bedenken. Bezüglich der Tatsache, dass viele Roma die Roma-Sprache nicht mehr sprechen, meint Cioabă: "Die meisten Roma wurden vor 500 Jahren versklavt, in diesem Zeitraum haben die Herrscher den Roma verboten in ihrer Muttersprache zu sprechen. Wer erwischt wurde, dem wurde die Zunge abgeschnitten. Nur die traditionell lebenden Roma haben es geschafft, Sprache und Gewohnheiten zu bewahren. Die sesshaft gewordenen Roma haben ihre Sprache verloren, weil sie dazu gezwungen wurden. Das heisst aber nicht, dass sie keine Roma mehr sind". Cioabă ist der Ansicht, dass mindestens 20% der rumänischen Bevölkerung Roma sind. "Wir verstehen es nicht uns zu organisieren und wählen zu gehen. Wir wählen Essen und Getränke. Die Roma sind sich nicht bewusst, was es heisst, einen Repräsentanten in den Kommunen zu haben", erklärt er die politische Misere der Roma.

Der Vertreter der Roma im rumänischen Parlament, Nicolae Păun, ist der Ansicht, dass 25% der Parlamentarier im rumänischen Parlament Roma sind. Viele davon sehen für sich keinen Nutzen, sich als Roma zu erklären. Nach Ansicht von Păun haben die "Roma ein extrem schlechtes Image, mit denen sich die Mehrheit der Mitglieder dieser Ethnie nicht identifizieren wollen. Wer sich dazu bekennt, ist sehr mutig. Ein anderes Motiv ist die turbulente ethnische Vergangenheit dieser Ethnie, die dazu geführt haben, dass viele Roma sich nicht mehr zu ihrer Volksgruppe gehörend erklären.

Der Sprecher der "Zivilen Alllianz" (Alianţa Civice) der Roma in Rumänien, David Mark sieht den Sachverhalt so: "Das Stigma, Rom zu sein, ist das hauptsächliche Motiv, dass sich viele Roma nicht zu ihrer Ethnie bekennen. Nach einigen Umfragen ist es bewiesen, dass Roma, die sich zu ihrer Ethnie bekennen, in der Regel ihren Arbeitsplatz verlieren. Die 50 Jahre Kommunismus mit erzwungener Assimilierung haben zum Verlust der Sprache, der Kultur und der Tradtionen geführt. Die Ziffern der Volkszählung sind auch von den Befragern gesteuert worden, die viele Roma gezwungen haben, dass sie sich nicht als Roma erklären".

Alle Führer der Roma, sowohl die politischen wie auch die von Nichtregierungsorganisationen, drängen ihre Volksangehörigen dazu, bei der nächsten Volkszählungen Farbe zu bekennen.

Siehe auch Blogbeitrag: "Rassistische und diskriminierende Kommentare sind nicht erlaubt und werden gelöscht" und Europas Zigeuner als Sündenböcke

Informationsquellen: Romania Libera, Cum au pierdut ţiganii de mătase banii de integrare und "Antiziganismus", Roma in Rumänien

Freitag, 27. August 2010

Todesschwadrone dürfen beruhigt weiter morden

Der Fall des Rechtsanwalts Manoel Mattos, über den ich unter dem Titel "Brasilien: Hinrichtung eines Rechtsanwaltes" im Januar 2009 berichtet habe, scheint sich zu einem Trauerspiel der brasilianischen Justiz auszuweiten. Der brasilianischen oberste Gerichtshof (STJ) sollte schon seit längerem über die Übertragung dieses Falles, dessen Aufklärung in Nordost-Brasilien nicht von der Stelle kommt, an die brasilianischen Bundesbehörden entscheiden. Den Bundesbehörden traut man mehr Unparteilichkeit bei der Aufklärung zu als den Landesbehörden der Bundesstaaten Paraiba und Pernambuco, deren Autoritäten tief in den Sumpf Todesschwadrone verwickelt sind.

Der STJ hätte am 25. August entscheiden sollen, aber statt einer Entscheidung, hat er das Problem noch einmal vertagt. Die Entscheidung soll jetzt am 8. September fallen.

"Anistia Internacional" (brasilianische Organisation von "Amnesty International", AI) hat in einem Brief an den STJ vor der erneut vertagten Entscheidung die Sachlage wie folgt beschrieben: "Der Fall Manoel Mattos, der zur Zeit vor lokalen Gerichten verhandelt wird, liegt inmitten einem Kontext von Gewalt und Einschüchterung, der auch das kürzliche Attentat gegen Maximiano Rodrigues Alves einschliesst, einem Zeugen, der Opfer von 4 Schüssen aus einem Gewehr wurde. Dieses Attentat reiht sich ein in eine lange Geschichte von Drohungen gegen Staatsanwälte und gegen Polizisten, die die Aktivitäten der Todesschwadrone in dieser Region untersuchen. In einer Gegend, in der es ständige Klagen über die Verwicklung von Polizei und Lokalpolitikern in Todeskommandos gibt, ist nach Ansicht von AI kein vertrauenswürdiger Prozess gegen die Täter möglich. Mordfälle wie der von Manoel Mattos und anderer zahlreicher Opfer der Todeskommandos können nur angemessen verfolgt werden, wenn die Kompetenzen den Bundesbehörden übertragen werden."

Die Nichtregierungsorganisation Justica Global (Globale Justiz), die sich ebenfalls um die Verteidigung der Menschenrechte in Brasilien kümmert, schildert die Situation im Grenzgebiet zwischen Pernambuco und Paraiba, wo die Todesschwadrone so gut wie ungestört Menschen umbringen können: "Der Rechtsanwalt Manoel Mattos hat die Tätigkeit von Todesschwadronen an der Grenze zwischen Pernambuco und Paraiba angezeigt. Die Todesschwadrone sind dort seit mehr als 10 Jahren tätig, insbesondere in der Umgebung der Städte Perdras de Fogo und Itambé, die genau an der Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten liegen. Ziel der Tötungsaktionen sind Strassenkinder, vermutete Kriminelle, Homosexuelle und Landarbeiter. Es gibt Hinweise, dass diese Gruppen von Händlern aus der Stadt gefördert werden. Diese Kriminellen definieren sich als Verteidiger der Gesellschaft und als verantwortlich für eine Art "sozialer Säuberung". Sie nutzen die Nähe der beiden Staaten, um straflos zu bleiben, indem sie bei Opfern ihrer Morde, wenn diese in Paraiba durchgeführt wurden, die Leichen nach Pernambuco schaffen und umgekehrt. Die von der Staatsanwaltschaft von Itambé seit 1999 gesammelten Informationen und die Informationen, die eine Untersuchungskommission des brasilianischen Parlaments herausgefunden hat, deuten daraufhin, dass es ein Zusammenspiel und teilweise sogar Teilnahme einiger Polizeistellen und lokalen Gerichtvertreter an den Hinrichtungen gegeben hat. ..... Einige Vertreter der lokalen Behörden, unter ihnen Polizisten und Beamte des Innenministeriums, die den Mut hatten, die Aktivitäten dieser Gruppen zu untersuchen, wurden Repressalien ausgesetzt. " Sie wurden gegen ihren Willen versetzt oder Disziplinarverfahren unterzogen. Damit hat sich ganz klar herausgestellt, dass sie zu verwundbar sind, um ihr polizeilichen und gerichtlichen Aufgaben in diesem Umfeld ausüben zu können."

Man fragt sich, warum ein Oberstes Gericht nicht in der Lage ist, in einer solchen Situation im Sinne der Gerechtigkeit eine schnelle Übertragung der Kompetenzen an unabhängig arbeitende Institutionen zu übertragen. Die Vermutung drängt sich auf, dass diese "Totschlag-Mafia" Verbindungen hat, die sogar das Oberste Gericht im Schneckentempo arbeiten lassen.

Siehe auch Blogbeitrag: Brasilianische Polizei kann die Finger nicht von Selbstjustiz lassen

Informationsquelle: Justica Global, Adiado o julgamento da federalização do assassinato de Manoel Mattos und Anistia Internacional, O Superior Tribunal de Justiça brasileiro tomará uma decisão histórica sobre direitos humanos

Mittwoch, 25. August 2010

Stierkampf dank Steuergelder

Die spanische Gruppe für Umweltschutz "Ecologistas en Acción" hat das Verhalten von spanischen Behörden kritisiert, die trotz fallendem Interesse an Stierkämpfen in Spanien weiterhin mit Steuergeldern den Bau von neuen Stierkampfarenen fördern. Dafür würden sie oft Gelder zweckentfremden, die zum Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und für nachhaltige Projekte gedacht seien. Der Sprecher der Umweltorganisation, Theo Oberhuber, erklärte, dass man damit viele Stierkämpfe künstlich am Leben erhalte gegen die Meinung der Mehrheit der spanischen Gesellschaft.

Nach Mitteilung der Organisation hat sich die Anzahl der Stierkampf-Feste in Spanien von 2007 bis 2009 um fast 30% vermindert. Besonders stark war der Rückgang in den stierkampfbegeisterten Regionen wie Murcia (53% weniger), Valencia (45%), Andalusien (42%), Baskenland (35%), Castilla-La Mancha (31%) und Madrid (26%). Nach einer Umfrage sind nur noch 9,4% der Spanier sehr am Stierkampf interessiert.

Der Staat finanziert gegen diese Entwicklung Stierzüchter, Fan-Clubs für Stierkampf, Stierkampf-Schulen und zum Teil auch den Bau von Stierkampfarenen. Einige Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern fördern den Bau mit Millionenbeträgen zwischen 2 und 5 Millionen. Ein Beispiel ist der Ort Torija in der Provinz Guadalajara. Der Ort hat 1.200 Einwohner gibt aber 2 Millionen Euro für den Bau einer neuen Stierkampfarena für 3.000 Zuschauer aus. Dafür verfügt die Gemeinde aber über keine Kläranlage, noch ein Sozialzentrum oder Kulturhaus. Die Gelder kommen oft aus dem Fond "Plan E" der spanischen Regierung, der eigentlich für nachhaltige Projekte gedacht ist.

Theo Oberhuber dazu: "Man verschwendet öffentliche Mittel, um Stierkampfarenen zu bauen, die nicht rentabel sind, und wo man diese Tiere zu Tode quält, statt dass man die wirklichen Bedürfnisse im sozialen und Umweltbereich befriedigt".

Siehe auch Blogbeitrag: Katalonien's Stiere können aufatmen

Informationsquelle: Ecologistas en Acción, Fondos públicos se despilfarran en la construcción de plazas de toros

Dienstag, 24. August 2010

Heimat der Schläger

Es gibt ein Dorf des Grauens in der Schweiz. Es ist das Dorf Schüpfen. Schweizweit als Heimat der Schläger bekannt. Viele Bewohner trauen sich kaum noch auf die Strasse. Wenn, dann nur noch mit Pfefferspray.

Schüpfen liegt im Kanton Bern. Den Ort bewohnen 3.464 Personen, davon 3.225 Schweizer und 239 Ausländer (Stand: 31.12.2009). Eigentlich alle Voraussetzungen für eine ruhige und übersichtliche Gemeinde. Aber die Dorfbewohner berichten, dass Gewaltdelikte in ihrer Gemeinde schon länger zur Tagesordnung gehören. In der Nacht bewegt sich manche Frau nur noch in männlicher Begleitung. Es ist soweit, dass Besucher aus anderen Teilen der Schweiz den Ort nur noch mit zitternden Knien betreten.

Der Grund ist vermutlich ein Igor L. (22) und ein Amir Z. (14), die wohl zur Gruppe der Dorf-Terroristen gehören. Trotz der etwas unschweizerischen Vornamen sollen sie aber Schweizer sein. Ein Einheimischer, der sich zum Bedrohungspotential äussert, meint man solle sie "nach Sibirien schicken". Die letzte Tat, die man den beiden zuschreibt, empörte die Dorfbevölkerung: Der Wirt vom "Restaurant zum Löwen" wurde brutal verprügelt, einer der Täter soll ihm den Aschenbecher gegen den Kopf gehauen haben, so dass der sich blutüberströmt der Presse stellen musste. Nach dem brutalen Angriff soll Igor in die Saustallbar in Schüpfen gegangen sein, wo er bedient werden wollte als wäre nichts gewesen. Dies obwohl er in der Saustallbar Hausverbot hat. Angeblich soll das alles nur die Spitze eines Eisberges sein.

Der Gemeindepräsident ist, nachdem er den Hauptübeltäter Igor vergeblich versucht hatte, in einem Gespräch zu einem friedlicheren Verhalten zu überreden, verzweifelt. "Wenn er trinkt, vergisst er sich", erklärte er. Nun fragt man sich, warum man in der Schweiz gegen Gewalttäter dieses Kalibers machtlos ist. Der Gemeindepräsident hatte ohne Erfolg bei allen möglichen Stellen Hilfe gesucht. Bei der Polizei, dem Regierungsstatthalter, dem Untersuchungsrichter. "Natürlich wünschen sich viele, dass ein solcher Mensch hinter Schloss und Riegel bleibt. Aber bei unseren Gesetzen ist das halt nicht möglich", sagt der Gemeindepräsident konsterniert.

Der damit befasste Untersuchungsrichter erklärte: "Aufgrund der Informationen, die das Untersuchungsrichteramt von der Polizei erhalten hat, gab es keinen Grund, Untersuchungshaft für den erwachsenen Tatverdächtigen zu beantragen. Dafür waren die gesetzlichen Voraussetzungen nicht gegeben."

Somit muss Schüpfen mit der Hölle der Gewalt leben. Oder sind die Täter doch nicht solche Monster als die sie dargestellt werden?

Informationsquelle: Tagesanzeiger, «Es muss wohl zuerst jemand sterben, bevor etwas passiert»
Berner Zeitung, Schläger von Schüpfen zeigt keine Reue, Löwen-Schläger: Unverbesserlich und doch frei, Ganz Schüpfen fragt sich: Was muss noch alles passieren?

Montag, 23. August 2010

"Rassistische und diskriminierende Kommentare sind nicht erlaubt und werden gelöscht"

Mit dem oben angeführten Satz eröffnet die rumänische Zeitung Evenimentul Zilei eine Diskussion über die Abschiebung von Angehörigen der rumänischen Roma aus Frankreich nach Rumänien. Der Satz ist fettgedruckt und dies ist dringend nötig, denn auch so beteiligen sich einige mit Schaum vor dem Mund an der Diskussion. Wenn man bedenkt, dass das Schlimmste schon gleich nicht veröffentlicht wird, dann kann man sich ausmalen, mit welchen Vorurteilen die Roma in Rumänien zu kämpfen haben.

Eine kleine Auswahl an bereits "gefilterten" Kommentaren:

"Sie stehlen nur, besetzen illegal Grundstücke, sind Analfabeten. Jetzt kommen sie aus Frankreich zurück und lassen sich in deinem Hof nieder. Sie sagen, dass sie in Rumänien vor Hunger sterben werden, womit haben sie aber in Frankreich ihr täglich Brot verdient?"

"Die Rückführung der in Rumänien geborenen Roma (das ist die richtige Bezeichnung!) ist doch nur Rauch in den Augen der Fanzosen. Wenn sie die los werden wollen, sollen sie Betteln und illegale Wohnungsnahme bestrafen und zwar mit einer Gefängnisstrafe! Ein solches Gesetz sollte man auch in Rumänien erlassen."

"Sie gehen nicht in die Schule, zerstören die Schulen, die man für sie gebaut hat, sie respektieren nicht die Gesetze der Staaten, deren Pass sie haben. Ihr Hauptproblem sind alte Bräuche in den sexuellen Beziehungen und Heiraten zwischen Minderjährigen. Sie gehen nicht zu Qualifizierungskursen. Was bedeutet das? Sie sind nicht interessiert zu arbeiten. Ihre Tradition ist das Nomadenleben."

""Rassistische und diskriminierende Kommentare sind nicht erlaubt und werden gelöscht". Dann werdet ihr keinerlei Kommentar hier bekommen! Denn nicht die Zigeuner sind diskriminiert".


Soweit ein paar Kommentare. Grundsätzlich gibt es keine positiven oder etwas ausgewogenere Kommentare. Der Hass ist das dominierende Element. Es gibt Roma in Rumänien, die in ihrem Verhalten diesem Idealbild der Zigeunerhasser entsprechen. Aber wie schon oft in der Geschichte ist das Verhalten einzelner der Grund, ein ganzes Volk in Bausch und Bogen zu verdammen. Es ist auch ein billiger Grund dafür, nichts zu tun, um die Situation dieses Volkes zu ändern.

Dazu braucht man einen langen Atem und keine populistische Augenwischerei wie das zur Zeit in Frankreich der Fall ist. Es gibt einen "Thinktank" der europäischen Roma, der mit europäischer Unterstützung sich Gedanken über die Zukunft der Roma im europäischen Raum macht. Als Aufgabe definiert die Gruppe "Roma und andere Minoritäten darin zu unterstützen, aktive Bürger in ihren Gesellschaften zu werden und die Bevölkerungsmehrheit anzuregen, aktiv an diesem Prozess der sozialen Integration mitzumachen. Die Beteiligung und Veranwortung der ganzen Bevölkerung und der Minoritäten am Aufbau einer offenen Gesellschaft soll gestärkt werden." Dahin ist ein langer Weg, aber man sollte ihn mit Geduld und Ausdauer beschreiten.


Siehe auch Blogbeitrag: Europas Zigeuner als Sündenböcke

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Repatrierea romilor din Franţa, un gest inept şi instinctiv?

Sonntag, 22. August 2010

Der "Mietbauch" als neue Einkommensquelle

Der Drang nach einem Adoptivkind ist ungebrochen. In Brasilien gibt es einen illegalen Markt für Adoptionen, auf dem Interessierte die Adoption inklusive  Rechtsanwaltsunterstützung "im Paket" kaufen können. Man muss nur bereit sein, zwischen 60.000 und 70.000 Euro dafür zu bezahlen.

Angeboten werden solche Adoptionen in der Regel über das Internet. Das Geschäft läuft folgendermassen ab: Man muss einen Vertrag abschliessen, in welchem sich eine schwangere Frau verpflichtet, dem Geldgeber das Kind zu übergeben und zu erklären, dass das Kind von ihm ist. Der Geldgeber muss sich verpflichten, das Geld zu bezahlen. Jeder bekommt eine Ausfertigung des Vertrages, der von einem Rechtsanwalt erstellt wird. Nach Zeichnung des Vertrages kann man von diesem nicht mehr zurücktreten. Wenn das Kind geboren wird, bekommt das Kind eine Geburtsurkunde, in der es als leibliches Kind des Geldgebers erscheint. Diese Version stammt von einer Frau, die bereits mehrfach bezahlte Schwangerschaften durchgeführt hat. In Brasilien wird in diesem Zusammenhang von einem "Mietbauch" gesprochen.

Die im Internet veröffentlichten Anzeigen stammen in erster Linie von Frauen, die behaupten verheiratet zu sein und angeben, finanzielle Probleme zu haben. So eine 20-Jährige aus Santos: "Ich will 35.000 R$ (ca. 17.000 Euro) und jeweils 1.500 R$ für die Verpflegung für jeden Monat der Schwangerschaft. Die Verpflegung muss gesund sein. Ich bin aber verhandlungsbereit". Alle erklären, dass die Befruchtung mit Zustimmung des Partners oder der Familie erfolge und sie bieten einen Vertrag, in einigen Fällen sogar mit rechtsanwaltlicher Unterstützung, an.

Die Vereinigung der brasilianischen Richtern erklärt, dass die Online-Foren ein grosser Markt für die illegale Adoption darstellen. Die Vereinigung warnt aber eindringlich vor dieser Art von Adoptionsmarkt. Alle Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, müssten in das Zentrale Adoptionsregister eingetragen werden. Ohne diese Eintragung sei eine Adoption nicht möglich.

Zumal es hier in den meisten Fälle um eine Adoption im Wege der Urkundenfälschung geht. Das Kind wird als "leibliches" Kind deklariert. Auch viele Ausländer sind oft auf Unwissenheit auf solche Machenschaften hereingefallen und wunderten sich dann, wenn sie sich plötzlich hinter Gittern wiedergefunden haben. Denn bei Ausländern zeigt die brasilianische Justiz oft die Aufmerksamkeit, die sie sonst im Alltag vermissen lässt.

Informationsquelle: Jornal do Brasil, Barrigas de aluguel são oferecidas por até R$ 150 mil na web

Samstag, 21. August 2010

Bist du nicht willig, brauch ich Gewalt

Im Sommerloch ist es wieder einmal an der Zeit, den Blick schweifen zu lassen, um zu sehen wie anderswo man sich bei sommerlichen Temperaturen vergnügt. Während man sich im Schwarzwald aufregt, wenn ein Hallodri ein Sechserpack Bier aus dem Supermarkt klaut und man dies auch für eine berichtenswerte Nachricht für die Zeitung hält, geht es anderswo doch etwas handfester zu.

Zum Beispiel in Madrid, wo scheinbar die Hitze die Gemüter nicht lähmt, sondern in Wallung bringt. Hier starb eine 55-jährige Frau, nachdem sie nach einem geringfügigen Verkehrsunfall sich mit ihrem Gegner in die Haare gekommen war. Dieser, 77 Jahre alt, zückte seine Pistole und erschoss die Frau kaltblütig mit mehreren Schüssen. Auf deren Ehemann schoss er ebenfalls, traf aber nicht. Anschliessend ergriff er die Flucht, wurde aber von einem mutigen Verkehrsteilnehmer verfolgt. Die Polizei konnte ihn dank dieser Mithilfe bald stellen.

Im brasilianischen Nordosten, wo die Hitze das ganze Jahr anhält, ist es selbstverständlich, dass man bei der Erledigung strittiger Fragen noch resoluter ist. Der Blogger Fredson Paiva berichtet aus dem brasilianischen Hinterland von einem Landwit, der mit 2 Schüssen auf seinem Bauernhof erschssen wurde. Die Mörder haben ihm sogar den Finger abgeschossen, der getrennt von der Leiche lag. All dies domunentiert Fredson mit sehr realistischen Bildern. Er darf das, denn er ist so etwas wie der Polizeiberichterstatter von Araripina und geniesst das Vertrauen der Polizei. Zuvor hatte bereits in Araripina ein 16-Jähriger seinen Onkel mit der Pistole bedoht. Er wurde gestört von einem auftauchenden Polizeiwagen, worauf er mit dem Fahrrad flüchtete, aber später festgenommen werden konnte. Seine Pistole hatte er von einem Ex-Häftling erhalten. Nicht weit von Araripina wurden 2 Kriminelle bei der Durchführung von Überfällen gestört. Einer konnte sofort gestellt werden, der Zweite flüchtete um sich schiessend. In Recife wurde ein 17-jähriger Jugendlicher zu Tode geprügelt. Keiner vermisst ihn, keiner kennt die Täter.

In Rio de Janeiro macht man es gleich richtig. Im Stadtteil São Conrado in der Nähe der Favela da Rocinha kam es heute morgen zu einer Schiesserei, nachdem 15 Banditen schwerbewaffnet das Hotel Intercontinental gestürmt und sich mit 30 Angestellten als Geiseln in der Küche verschanzt hatten. Ein Frau starb und 4 Personen wurden verletzt. 9 der Banditen sollen inzwischen verhaftet sein. Das Drama dauert noch an, die Polizei verhandelt über die Freilassung der Geiseln.

Geradezu himmlische Ruhe herrscht in Rumänien. Viele werden es nicht glauben, aber da gab es aus dem Bereich Kriminalität nichts zu berichten. Wobei man davon ausgehen kann, dass der Diebstahl eines Sechserpacks Bier für die Presse nicht erwähnenswert ist. Deshalb muss die Presse auf Autounfälle ausweichen und hier gibt es ein sehenswertes Video über einen Verkehrsunfall auf der Hauptverkehrsstrasse von Bukarest, dem "Magheru", aus dem man lernen kann, dass Rechtsüberholen schwerwiegende Folgen haben kann.

Die Briten entwickeln scheinbar kriminelle Energien, die mit ihrer Einstellungen zum sportlichen Leben zusammenhängen. Der Sport nennt sich "Crash for cash" und bedeutet, dass es in Grossbritannien immer populärer wird, einen Unfall vorzutäuschen, um die Versicherungssaumme zu kassieren. Die Topliste solcher Vorkommnisse soll Nordwest-England anführen, dich gefolgt von London.

Mittwoch, 18. August 2010

Geburtsstation wird zur Flammenhölle

Die Geburtsstation des Krankenhauses "Panait Sârbu" von Bukarest hat eine moderne Abteilung für die Behandlung von Frühgeburten. Sie wurde mit einem Kredit der Weltbank vom rumänischen Gesundheitsministerium auf neuesten Stand gebracht und genügte höchsten europäischen Standards. Das Personal wurde von Fachleuten aus den USA geschult. Die Klinik hat vielen rumänischen Frühgeborenen ein Überleben ermöglicht.

In der Nacht vom Montag auf Dienstag wurde der gute Ruf der Geburtsstation in wenigen Minuten Opfer der Flammen. Durch einen vermuteten Kurzschluss in einer Klimaanlage brach ein Brand in den Räumen für Frühgeburten aus, 4 Säuglinge verbrannten und weitere 7 schweben mit schweren Verbrennungen zwischen Leben und Tod. Eine Gruppe von 10 israelischen Ärzten ist inzwischen in Bukarest eingetroffen. Sie helfen mit, die überlebenden Säuglinge zu retten. Die Geburtsstation musste geschlossen werden, was zu einer Überbelegung in den anderen Krankenhäusern Bukarests führte.

Die Unglücksursache vermutet man bei den nichtisolierten Drähten, mit denen die Klimaanlage mit dem Stromnetz verbunden war. Da es aber auch eine Explosion gab, die nicht von der Klimaanlage ausgegangen sein soll, wird auch noch in andere Richtungen ermittelt. Auch wird überprüft, ob die diensthabende Krankenschwestern ihren Verpflichtungen nachkam. Zwischen dem Ausbruch des Feuers und dem Anruf auf der Notrufnummer 112 sollen 10 Minuten vergangen sein. Drei der Säuglinge befanden sich auf einem Tisch und waren sofort tot. Acht Inkubatoren wurden brennend aus den Räumen gebracht.

Der Leiter der Geburtsstation, Prof. dr. Bogdan Marinescu, nahm zu den Vorgängen in einem Interview Stellung. Er wies noch einmal daraufhin, dass in der Vergangenheit viele Säuglinge aus dem Grossraum Bukarest in seiner Klinik gerettet werden konnten. Das Unglück treffe sie alle sehr schwer, denn sie seien es gewohnt, Leben zu erhalten und nicht zu verlieren. Bei der Ursachenforschung müsse auch beachtet werden, dass das Krankenhaus personell unterbesetzt sei. Es gäbe 34 vakante Posten bei den Ärzten und Krankenpflegern, allein in der Frühgeburtenabteilung würden 7 Stellen offen sein. Der Grund sei, dass im rumänischen Gesundheitswesen zur Zeit keine Einstellungen genehmigt würden. So müssten sie sich oft Ärzte von anderen Krankenhäusern ausleihen, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Der bauliche Zustand des Krankenhauses, habe ihm oft Sorgen gemacht. Sie hätten jetzt 54 Klimaanlagen, damit seien auch der Geburtssaal und die Operationsräume für Neugeborene ausgestattet worden. Die Geräte seien regelmässig kontrolliert und gewartet worden.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, "Fabrica de viaţă Giuleşti", transformată în infern

Dienstag, 17. August 2010

Nadia Comăneci will ihre Securitate-Akte nicht sehen

Nadia Elena Comăneci, geb. 12. November 1961 in Oneşti, ist eine ehemalige rumänische Kunstturnerin. Sie gewann bei den Olympischen Spielen 1976 und 1980 insgesamt fünf Goldmedaillen, drei Silbermedaillen und eine Bronzemedaille. 1989 verlässt sie illegal Rumänien Richtung Ungarn und bittet um Asyl in den USA.

Heute lebt sie in Oklahoma, in den USA, besucht aber oft ihr Heimatland Rumänien, wo sie ein Projekt für benachteiligte Kinder unterhält. Sie will nicht endgültig nach Rumänien zurückkehren. Sie interessiert sich aber sehr für die Geschehnisse im Land und glaubt, dass die Situation wesentlich besser wäre, wenn die Rumänen nicht so negativ wären. Die Vergangenheit interessiert sie nicht, sie will auch ihre Securitate-Akte nicht einsehen.

Der Zeitung "Romania Libera" gab sie jetzt ein Interview, aus dem folgendes zu entnehmen ist: Sie fühlt sich in Oklahoma zu Hause, kommt aber auch gerne nach Rumänien. Rumänien sei das Land, wo sie gross geworden ist. Manchmal hat sie Heimweh. Sie glaubt aber nicht, dass sie an einem bestimmten Ort bleiben kann, da sie sich gerne zwischen verschiedenen Orten bewegt und es schätzt, Freunde mit verschiedenen Auffassungen und Lebensarten zu haben. Die Atmosphäre in Rumänien hält sie im Vergleich zu den USA für furchtbar negativ. Die Rumänen würden an allem rumstänkern und nur die negativen Punkte sehen.

Auf die Frage, ob sie den 40% Rumänen, die glauben, dass es ihnen in der kommunistischen Zeit besser ging, zustimme, erklärte sie: "Vielleicht war das Leben einfacher, man hatte weniger Gelegenheiten, aber die Leute haben kein Selbstvertrauen mehr. Die Menschen wollen besser leben, aber tun nur wenig dafür. Wenn in den Vereinigten Staaten jemand eine Idee hat, dann versuchen Leute in seiner Umgebung seiner Idee zum Erfolg zu verhelfen, während, wenn hier jemand eine Idee hat, seine Mitbürger alles tun, um diese zu demontieren."

Befragt, ob sie nicht ihre Securitate-Akte einsehen möchte, sagte sie: "Nein. Ich habe sie nicht verlangt und habe auch nicht Absicht zu erfahren, ob sie überhaupt exisitiert. Ich glaube, dass sie bereits zerstört wurde, das habe ich wenigstens gehört. Ich möchte auch nicht wissen, ob jemand etwas über mich geschrieben hat. Ich möchte, dass das Bild bestimmter Leute, die meine Freunde waren, nicht getrübt wird. Ich habe in einem System gelebt, in dem jeder versucht hat zu überleben. Jeder hat darauf geschaut, seine Haut zu retten. Wenn irgendeiner meiner Freunde gezwungen wurde, etwas zu sagen, dann verstehe ich das so, dass er es tun musste, aber ich möchte nicht wissen, wer es war."

Informationsquelle: Romania Libera, Interviu cu Nadia Comăneci "Nu vreau să-mi văd dosarul de Securitate"

Montag, 16. August 2010

Europas Zigeuner als Sündenböcke

"Zigeuner - mit diesem Namen verbinden sich viele Klischeevorstellungen, Zigeunermusik, der spanische Flamenco, die virtuose Geigenmusik ungarischer Zigeuner und die Romantik am flackernden Lagerfeuer. Schwerwiegender sind Vorstellungen und Beschuldigungen, die auch heute noch oft bedenkenlos geäußert werden: Die Zigeuner sind Landstreicher, sie sind schmutzig, sie betteln, sie stehlen und sie betrügen.........". Das schreibt Günther Weiss, Sinto und Kriminalhauptkommissar in Kehl.

Er beschreibt uns auch in Kürze ihre Geschichte: "Roma und Sinti leben heute fern von ihrer Urheimat, dem indischen Punjab, einem Gebiet im nordwestlichen Indien und östlichen Pakistan. Von dort verschleppten die Araber bei ihren Eroberungsfeldzügen im 9. und 10. Jahrhundert die Bewohner, um sie als Sklaven und Soldaten gegen die oströmischen Legionen ins Feld zu schicken. Im 11. Jahrhundert nahmen die Moslems bei ihren Feldzügen  ca. weitere  500.000 Zigeuner als Gefangene mit. Die meisten wurden als Sklaven auf den Balkan verbracht. Nach Griechenland, Rumänien, Serbien, Transsylvanien und in der Walachei kamen sie ebenfalls als verkaufte Sklaven."

Und auch diese Information ist wichtig: "Vorwiegend reisen in den Sommermonaten französische, belgische, italienische, britische, sowie Roma aus Norwegen, Schweden und Dänemark mit ihren Wohnwagen als Händler, Handwerker und Kaufleute durch Deutschland und ganz Europa. Frankreich wird diesen Familien durch das Besson-Gesetz gerecht, wonach Kommunen mit mehr als 5000 Einwohnern zur Einrichtung eines Durchreiseplatzes für Sinti- und Romafamilien verpflichtet werden."

Die französische Regierung hat den Roma's inzwischen den Krieg erklärt. Offiziell geht es nur um Kriminelle, aber die Art und Weise der Kampagne gegen die Roma - die internationale Selbstbezeichnung aller "Zigeuner" auf der Welt ist "Roma" - deutet doch auf ein Verfahren hin, das bereits im Mittelalter gang und gäbe war. "1589 erlaubten die Polizeiverordnungen, dass die Polizei den Zigeunern Hab- und Gut wegnehmen und sie des Landes vertreiben darf", schreibt Günther Weiss. Die französische Regierung scheint sich an diese Methode der Roma-Bekämpfung zu erinnern. Unliebsame Roma sollen nach Rumänien und Bulgarien abgeschoben werden, seit neuestem notfalls auf dem Luftweg.

"Le Monde" schreibt heute unter dem Titel "Das fahrende Volk, der Versuch einer Vermischung", dass Staatspräsident Sarkozy versuche, den Romas insgesamt die Kriminalität einiger Weniger anzuhängen. Über rumänische und bulgarische Roma wärme man das alte Vorurteil gegen das "fahrende Volk" wieder auf. Dies sei sehr gefährlich, denn 95% der Romas in Frankreich seien französische Staatsangehörige.

Die rumänische Presse veröffentlichte einen Brief des Präsidenten der Roma in Europa (FADERE), Daniel Tecu, an den französischen Staatspräsidenten, in dem er diesen auffordert, "den von ihm angezettelten Kampf gegen die Romas aus Bulgarien abzumildern". Tecu schreibt:
"Es ist gut, dass die französische Regierung einen Kampf gegen Gewalt und Kriminalität startet. Dieser darf aber nicht mit einem Kampf gegen die Roma verwechselt werden. Wir sollten nicht vergessen, dass die Roma eine Ehtnie ist, die aus Kindern, Müttern, Alten, arbeitenden und ehrlichen Männern besteht, es aber auch Gesetzesbrecher gibt. Die Behörden sollten sich auf die Letzteren beschränken. Alles sollte nach den europäischen Gesetzen unter Berücksichtigung der Menschenrechte ablaufen. Auch die Roma sind Europäer!"

Welche rassistisch-faschistischen Emotionen mit der Kampagne ausgelöst werden, zeigt die Reaktion eines rumänischen Lesers: "Ich hätte die Zigeuner keine Autobahn blockieren lassen (in Bordeaux hatten heute Roma aus Protest eine Autobahn blockiert), mit zwei Panzern hätte ich ihre Karren zerschmettert und alles hätte sich aufgelöst... es hätten auch ein paar Bulldozer, Schwerfahrzeuge genügt, um den Einsatz der Armee zu vermeiden".

Siehe auch Blogbeiträge: Sarkozy spielt mit der sozialen Atombombe, Kampf den Vorurteilen gegen die Roma, Romas in Europa aus französischer Sicht, Lustig ist das Zigeunerleben

Informationsquelle: Günter Weiss, Sinti und Roma seit 600 Jahren in Deutschland, Le Monde, Gens du voyage : la tentation de l'amalgame, Evenimentul Zilei, Romii au protestat la Bordeaux."Aş fi deja mort în România"

Sonntag, 15. August 2010

Pulverfass Melilla

Melilla, spanische Exklave auf dem afrikanischen Kontinent, kocht wieder einmal. Am vergangenen 16. Juli versuchten 4 Marokkaner mit belgischen Pässen in einem offenen Fahrzeug die Grenze zwischen Marokko und Melilla am Kontrollpunkt Beni Enzar zu passieren. Dabei passierte etwas, worüber die Versionen weit auseinander gehen. Die marokkanische Version ist, dass die vier Männer eine Fahne am Auto hatten und die Polizei sie aufforderte, diese wegzunehmen. Als diese sich weigerten, wurden Spezialtruppen angefordert, die auf die Männer einprügelten bis sie fliehen konnten. Die spanische Version besagt, dass die Polizisten von den Männern angegriffen wurden. Sie sollen sich geweigert haben, ihre Papiere zu zeigen, weil sie der Ansicht waren, dass Melilla eine marokkanische Stadt sei.

Für die Marokkaner war es der Beweis, dass die Spanier exzessive Gewalt auf die Grenzgänger ausübten. Seither gibt es Protestaktionen und inzwischen tatkräftige Massnahmen zur Behinderung des Grenzverkehrs. Eine "Koordinierungsgruppe der Zivilgesellschaft von Nord-Marokko" und das "Komitee zur Befreiung von Ceuta und Melilla" verhinderten die Anlieferung von Waren nach Melilla. So wurden Transporte mit Fürchten, Gemüse, Fisch und Seefrüchten festgehalten. Die marokkanische Polizei blieb untätig. Ab Dienstag durften für 48 Stunden marokkanische Frauen, die als Haushaltshilfen in Melilla arbeiteten, die Grenze nicht mehr passieren.

Ein Sprecher der marokkanischen Protestierer erklärte dazu: "Sie zerreissen unsere Pässe und diskrimieren uns, weil wir Marokkaner sind. Seit einem Jahr hat sich die Situation verschlimmert." Die Spanier bestreiten dies. Sie sagen, dass es seit Juni zu machistischen Ausschreitungen von marokkanischen Grenzgängern kam, die weibliche spanische Polizistinnen beschimpften und zum Teil tätlich angriffen. Dafür spricht, dass auf der marokkanischen Seite in Beni Enzar Plakate mit Fotomontagen von gut erkennbaren spanischen Polizistinnen, die von blutigen Händen umgeben waren, aufgehängt wurden, unter anderem auch das Bild einer Polizistin, die nur im Innendienst tätig war.

Der Konflikt schaukelte inzwischen derartig hoch, dass der spanische König am Mittwoch in einem Telefongespräch mit dem marokkanischen König, Mohamed VI, die Situation zu entschärfen versuchte. Bisher ohne erkennbaren Erfolg. Inzwischen war auch der spanische Innenminister zu einem Blitzbesuch in Rabat und versprach seinem marokkanischen Kollegen eine "Infomation" der spanischen Regierung zu den Zwischenfällen bis zum 23. August.

Die Grenze zwischen den Städten Melilla (75.000 Einwohner) und dem marokkanischen Nachbarort Beni Enzar (25.000) passieren täglich mehr als 30.000 Personen. "Diese Grenze hat viel Stress", erklärt ein Taxifahrer, der täglich an der Grenze auf der Seite von Melilla auf Kunden wartet. Sie hat viel Stress, aber manchmal auch viel Normalität. Dieses Wochenende standen die Bewohner Melillas an der Grenze Schlange, weil sie sich an den marokkanischen Stränden erholen wollten. Trotzdem: Die Provokateure warten auf die nächste Gelegenheit, Melilla wird ein Pulverfass bleiben.

Siehe auch Blogbeitrag: Der tägliche Wahnsinn in Melilla

Informationsquelle: El Pais, Arranca el cerco comercial en Melilla pese a la gestión del Rey con Mohamed VI und España aclarará a Rabat dentro de una semana los incidentes de Melilla

Samstag, 14. August 2010

Auf eine Tasse Kaffee mit dem Präsidenten

"Hallo, da draussen in ganz Brasilien. Ich bin Luciano Seixas, wir beginnen jetzt mit der Sendung "auf ein Kaffee mit dem Präsidenten", das Programm des Präsidenten Lula. Hallo, Präsident, wie geht es ihnen? Alles klar?"

So startet eine regelmässige Radiosendung des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Auf Portugiesisch nennt sich die Sendung "Café com o Presidente". Sie wird jeweils am Montag im Rahmen der Sendung "A Voz do Brasil" (Stimme Brasiliens) übertragen. Das Gespräch wird vom Journalisten Luciano Seixas geführt.

Das Radioprogramm "A voz do Brasil" gibt es seit über 70 Jahren. Das Ziel ist es, alle Bürger des riesigen Landes mit Informationen zu versorgen. Die Sendezeit beläuft sich nur auf 60 Minuten. Die ersten 25 Minuten werden von EBC, einem Unternehmen für Kommunikation der brasilianischen Regierung, produziert. Hier wird der Bürger mit den Informationen der ausführenden Gewalt - sprich den Amtsträgern in Brasilia - versorgt. Die restlichen 35 Minuten dürfen die Justiz und die gesetzgebenden Körperschaften zur Belehrung des Bürgers benutzen. Inzwischen "betwittert" die Stimme Brasiliens auch seine Bürger.

Gegründet wurde das Programm zur Zeit des "Estado Novo" (des neuen Staates). Es sollte die Diktatur von Getulio Vargas populär machen und diente wärend mehrerer Jahrzehnte der Regierungspropaganda. Ab 1985 im Rahmen der Redemokratisierung Brasiliens sank die Bedeutung der Sendung. Sie hatte aber immer noch eine weitverbreite Hörerschaft, da alle Radiosender gezwungen waren, das Programm zu übernehmen. 1998 wurde die Sendung modernisiert. "A Voz do Brasil" beschreibt die Änderung wie folgt: "O Guarani" (Nationalhymne) blieb, aber neue Erkennungsmelodien wurden eingeführt, um die Erkennbarkeit zu aktualisieren. Der schwerfällige Text wurde durch eine leichtere Formulierung ersetzt. Der getragene Tonfall wurde abgemildert, indem jetzt eine Frau als Sprecherin fungierte. Das Ziel der Sendung bleibt jedoch die Förderung der Behörden und die Bekanntmachung ihrer Aktivitäten".

Erst 2003 kam es unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zu einer radikalen Reform, bei dem das journalistische Konzept völlig überarbeitet wurde. Die Informationen kamen jetzt nicht mehr von Behörden, sondern wurden von Journalisten erstellt. Die Aufgabe der Sendung war es jetzt, über den Zusammenhang zwischen Politik und den Bedürfnissen der Bevölkerung zu berichten. Endlich durfte im Programm auch der Bürger seine Meinung sagen. Die Nationalhymne gab es plötzlich in einem Mix aus Forró, Samba, Choro, Bossa-Nova, Capoeira und auch Techno.

Freitag, 13. August 2010

Rumänische Raser zivilisieren, aber wie?

Nicht nur hierzulande scheint die Sommersonne den Fahrern auf motorisierten Fahrzeugen die Sinne zu vernebeln. Das Rasen ist zur Zeit besonders beliebt. Natürlich auch in Rumänien, wo Rücksichtslosigkeit und fehlendes Sicherheitsbewusstsein für monströse Unfälle sorgen. Hinzu kommt, dass die Rumänen inzwischen auch bestens motorisiert sind, nur dass die Verkehrserziehung mit der Motorisierung nicht Schritt gehalten hat.

Am vergangen Samstag wurde einer dieser schrecklichen Verkehrsteilnehmer mit 248 km/h auf der Autobahn von Bukarest nach Konstanza erwischt. Das vergangene Wochenende war wieder einmal ein schwarzes Wochenende im rumänischen Verkehr. Ein Mann überschlug sich mit seinem Auto auf einer zentralen Strasse in Bukarest. Er war statt der erlaubten 50 Km/h mit 100 km/h unterwegs. In Westrumänien fuhr ein 23-jähriger auf eine Strasse, auf dem ein Motorradrennen stattfand. 4 Personen wurden verletzt, einer davon schwer. Der junge Mann, Sohn eines bekannten Provinzpolitikers war bereits 24 mal wegen Verkehrsvergehen festgenommen worden. Gestern Nacht rammte ein Fahrer in Bukarest das Preis-Gestell einer Tankstelle und verlor dabei das Leben. Seine mitfahrende Ehefrau liegt schwer verletzt im Krankenhaus. In Südrumänien überfährt ein Mann eine junge Frau und 2 alte Menschen. Einer der Alten stirbt auf der Stelle. Die junge Frau liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem alltäglichen Verkehrshorror auf Rumäniens Strassen. Der Sprecher der Polizei von Bukarest, Christian Ciocan, legt den Finger auf das Problem: "So wie der Mensch sich in der Gesellschaft gibt, so verhält er sich auch im Verkehr". Mangelnde Verkehrserziehung und unzureichende Vorbereitung der motorisierten Fahrer auf die Regeln des Verkehrs seien das Hauptproblem. Die Polizei verlangt eine erhebliche Erhöhung der Strafen und auch Gefängnis für besonders schwerwiegende Verkehrsvergehen. Nur so könnten die Fahrer zu einem zivilisierten Fahrstil gezwungen werden. Dazu müsse die Gesetzgebung geändert werden. Eine erhebliche Reduzierung sei auch erforderlich, da Rumänien sich innerhalb der EU zu einer Reduzierung der Unfälle um 50% verpflichtet habe.

Die Zeitung Evenimentul Zilei fordert ihre Leser zu einer Diskussion auf und fragt; "Sind höhere Strafen die Lösung, um die Verkehrsunfälle zu reduzieren? Wie glauben sie, kann man die rumänischen Fahrer zivilisieren?"

Einer hat es schon ganz klar: "Ihr Strassenmörder schlaft in Ruhe. Die Justiz überwacht euren Schlaf". In dieselbe Kerbe hauen auch andere, denn vor kurzem wurde bekannt, dass viele Verkehrsdelinquenten ihre Strafe nicht zahlen oder für ihre Taten nicht ins Gefängnis müssen. Gerichtsurteile werden nicht umgesetzt oder die Täter kommen mit geringen Strafen davon.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Teribilism pe şosele. Sunt pedepsele severe soluţia pentru a reduce numărul de accidente?

Dienstag, 10. August 2010

Die Rambla befreit von Dieben und Prostitiuierten?

Nachdem im vergangenen Jahr Barcelona ein "schwarzes Jahr" erlebte, was öffentliches Ärgernis im Zentrum der Stadt betraf, scheinen die getroffenen Massnahmen der Stadtverwaltung Früchte zu zeigen. Im vergangenen Jahr wurde an den Touristenbrennpunkten wie auf der Flanierstrasse "Rambla" und im gotischen Viertel derart offensichtlich Prostitution betrieben - auf offener Strasse wurde dem Geschlechtsverkehr gefrönt -, dass die Barceloniner auf die Barrikaden gingen. Das war der Grund für die Stadt den Plan "Rettet die Rambla" für dieses Jahr zu starten.

Die Patrouillen der Polizei, sowohl der Stadt-Polizei wie auch der katalanischen Polizei (Mossos d'Esquadra) wurde erheblich verstärkt. Diebe und Prostituierte sollten durch die starke Präsenz eingeschüchtert werden. Ganz beseitigt wurde die Prostitution damit wohl nicht, aber sie ist nicht mehr derart offensichtlich wie im vergangenen Jahr. Die Prostituierten haben sich wieder in ihren alten Bereiche in den Strassen Sant Ramon und Sant Pau und auf der Ronda Sant Antoni zurückgezogen.

Auch bei Schlägereien und Diebstählen zeichnet sich durch den Polizeieinsatz ein Trend zur Besserung ab. Auf der Rambla, dem touristischen Brennpunkt Barcelonas, sind jetzt 400 Polizeibeamte mehr auf der Strasse und die Gerichte zeigen eine Tendenz, Delikte wie Strassenprostitution und Diebstähle, insbesondere bei Wiederholungstätern mit strengeren Strafen zu belegen. Zur Verbesserung der Situation hat auch beigetragen, dass den Geschäftsinhabern im Zentrum ein Verbindungspolizist benannt wurde, den sie bei Vorkommnissen kontaktieren können.

Der Drogenhandel ist ein weiteres Problem, das mit verstärkter Video-Überwachung und Koordinierung der mit den Drogensüchtigen beschäftigten Behörden bekämpft wird. Dabei gilt auch der Augenmerk illegalen Hausbesetzungen, die in der Regel dazu dienen, um Stützpunkte für den Drogenhandel einzurichten. Auf der Rambla gibt es inzwischen 9 Überwachungskameras, aber die schnelle Reaktion der Polizei auf Ereignisse auf der Strasse soll immer noch mangelhaft sein.

Und mit noch einem Problem kämpft die Polizei: Die fliegenden Händler. Die Rambla ist ein beliebter Ort, den Touristen illegalerweise Waren zu verkaufen. Da es jetzt soviel Polizei gibt, sind auch die Händler findiger geworden. Sie verkaufen statt dem 12-Pack Bier nur noch den 6-Pack oder manchmal auch nur noch dosenweise. Sie sind beweglich und verschwinden sofort, wenn Polizei in Sicht ist und sind genauso schnell wieder da, wenn die Luft rein ist.

Was ist schlechter geworden: Die Anzeigen wegen Alkoholgenuss auf offener Strasse sind gestiegen, die Zahlen haben sich gegenüber 2009 fast verdoppelt. Und: die Rambla scheint zu einem beliebten Klo geworden zu sein. 592 Individuen wurden bei der Erledigung ihres "Geschäftes" auf der Rambla in flagranti erwischt.

Siehe auch Blogbeitrag: Barcelona's Altstadt, wo die Prostitution sich nicht versteckt

Informationsquelle: La Vanguardia, El Ayuntamiento de Barcelona convierte el rescate de la Rambla en prioridad absoluta

Sonntag, 8. August 2010

Die Hautfarbe entscheidet über ein Kinderschicksal

Das brasilianische nationale Adoptionsregister, das erst seit 2008 existiert, hat die Wünsche der Brasilianer bezüglich eines zu adoptierenden Kindes transparent gemacht. Zugleich erstellt es auch eine Statistik über die Anzahl der Adoptionswünsche und der adoptionsfähigen Kinder.

Im März wurden Zahlen veröffentlicht, nach denen knapp 38% der brasilianischen Adoptionswilligen sich ein Kind weisser Hautfarbe im Alter bis zu 3 Jahren für die Adoption wünschten. Zu diesem Zeitpunkt gab es 26.735 Adoptionswünsche und nur 4.578 Kinder und Jugendliche, die für eine Adoption zur Verfügung standen. Von diesen waren 35% weisser Hautfarbe, 45% waren Mischlinge, 17% schwarzer Hautfarbe und knapp 1% Indigene. Somit waren 65% der zur Adoption zur Verfügung stehenden Kinder nicht weisser Hautfarbe. Es klingt etwas befremdlich, Statistiken von Adoptionskindern nach Hautfarbe zu führen. In Brasilien stösst man sich nicht daran, ein gutes Indiz für den alltäglichen Rassismus im Lande,
in welchem noch vergangenes Jahr ein Soziologe das Land mit der Mitteilung schockierte, dass die Ärzte bei schwarzhäutigen Frauen seltener Anasthäsie anwendeten, weil sie der Ansicht waren, dass diese gewöhnt waren, Schmerzen zu ertragen.

Nun scheint sich aber totz der vorgenannten Zahlen eine positive Entwicklung abzuzeichnen: Die Wünsche nach der Adoption von Kindern weisser Hautfarbe hat sich nämlich gegenüber 2008 fast halbiert. 2008 waren es noch 70% der Adoptionswilligen, die eine Adoption von nur weissen Kindern wünschten gegenüber jtzt 38%. Immerhin ist inzwischen knapp 30% der Adoptionswilligen die Hautfarbe der Kinder egal.


Informationsquelle: Folha Online, Cai exigência por crianças brancas na hora da adoção und Luis Nassif Online, Adoção prefere criança branca

Freitag, 6. August 2010

CEPSA ist sich sicher mit der Sicherheit

Am 4. August sind in der Ölraffinerie «La Rábida» bei einem Brand 2 Arbeiter ums Leben gekommen und 2 weitere verletzt worden. Die Ölraffinerie liegt in Südspanien in der Nähe der Hafenstadt Huelva in Andalusien. Sie gehört dem spanischen Erdölmulti CEPSA, der sofort versicherte, dass diese Ölraffinerie "eine der sichersten in Europa" sei. Man habe entsprechende Zertifizierungen, die den hohen Sicherheitsstandard bestätigen würden.

Das Unglück sei eines der schwersten seit dem 45-jährigen Bestehen des Unternehmens. Das Unglück soll passiert sein als ein Lastwagen zwischen den Röhren der Raffinerie manövriert haben soll und gegen ein Rohr stiess, worauf es zu einer Explosion kam. Arbeiter erzählten, dass es vor der Explosion zu einem Gasausbruch kam. Eine riesige schwarze Rauchwolke beunruhigte die Bevölkerung des nahe gelegenen Ortes Palos.

CEPSA will innerhalb einer Woche ein Untersuchungsergebnis des Vorfalls präsentieren. Wenn etwas passiert, was eigentlich nicht passieren durfte, dann weisen die Verantwortlichen schnell daraufhin, dass es sich nur um höhere Gewalt handeln könne und man ein saubere Weste habe. Laut CEPSA hätten Notfallpläne perfekt funktioniert, während die Chemie-Gewerkschaft forderte, dass die Sicherheitsmassnahmen im Unternehmen verschärft werden müssten, um solche Vorfälle vermeiden zu können. Scheinbar gibt es also doch Sicherheitslücken.

Vor einem Jahr noch hatte WWF Spanien das spanische Umweltministerium aufgefordert, die Genehmigung für die Erweiterung der Erdölraffinerie in "La Rábida" zurückzuziehen, nachdem bei einem Unfall ein Tanker die Strände in einer Reichweite von 32 km mit Öl verschmutzt hatte und auch der Nationalpark von Doñana in Gefahr war. Damals waren die Risse an einem Rohr, über das das Erdöl vom Tanker gelöscht wurde, für den Unfall massgebend. WWF berichtet von weiteren solchen Vorfällen in der Ölraffinerie.

Sieht so eine sichere Ölraffinerie aus?

Informationsquelle: ABC de Sevilla, Cepsa sostiene que la refinería es de las más seguras de Europa

Dienstag, 3. August 2010

Sarkozy spielt mit der sozialen Atombombe

Der französische Präsident Sarkozy schlägt um sich. Seine Beliebtheit in Frankreich ist im Sturzflug. Aus diesem Grund hat er sich ein Kampfgebiet ausgesucht, auf dem er meint, verlorene Polularität zurückholen zu können. Es sind die Einwanderer und die französische Integrationspolitik. Am vergangenen Freitag hat er in Grenoble eine Rede gehalten, die französische Medien als "Faustschlag in den Rücken der Republik" bezeichnen. Er schlug vor, unter bestimmten Bedingungen Franzosen ausländischer Herkunft, die französische Staatsangehörigkeit abzuerkennen.

Damit würde er eine 2-Klassen-Staatsangehörigkeit schaffen, in dem es Franzosen gäbe, die eine nicht aberkennbare Staatsangehörigkeit besitzen und andere Franzosen, denen man diese entziehen kann. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon weist auf die möglichen persönlichen Folgen für den Präsidenten, Sohn eines ungarischen Einwanderers und verstrickt in Bestechungsaffären, hin: "Der Präsident muss aufpassen, dass er als Sohn eines Einwanderers nicht die Staatsangehörigkeit verliert, falls er in der Affäre mit den Geschäftskreisen, verurteilt würde". Das französische Recht verbietet allerdings, dass jemand durch den Entzug der Staatsangehörigkeit staatenlos wird. Somit wäre der Entzug der Staatsangehörigkeit nur bei Doppelstaatern möglich.

Der Forscher Patrick Weil, Direktor am CNRS und Autor das Buches "Was ist das, ein Franzose" (Qu’est-ce qu’un Français?), in dem er die Geschichte des französischen Staatsangehörigkeitsrechts beschreibt, erklärte dazu: "Der Widerruf der Staatsangehörigkeit, das ist die Atombombe. Das ist eine sehr seltene Massnahme. Historisch gesehen wurde sie vor allem in Kriegszeiten benutzt. Seit dem 2. Weltkrieg rührt man die Staatsangehörigkeitsfrage nur mit grosser Vorsicht an".

1915 war Frankreich eines der ersten Länder, das einen Entzug der Staatsangehörigkeit von eingebürgerten Personen vorsah, wenn diese "feindlicher" Herkunft waren. Diese Regelung haben sich die Nazis 1935 mit den Nürnberger Gesetzen zum Vorbild genommen. Das Vichiy-Regime hat 1940 eine Kommission gegründet, die 500.000 seit 1927 ausgesprochene Einbürgerungen untersuchen sollte. 15.000 Personen, davon 40% Juden, ist daraufhin "zur  Korrektur der Irrtümer der Vergangenheit" die Staatsangehörigkeit aberkannt worden.

Sarkozy rutscht immer mehr nach Rechts und eignet sich sprachlich Forderungen der "Front National" an, die den Widerruf der Staatsangehörigkeit schon immer im Programm hatte. Inzwischen hat er den Höhepunkt seiner sprachlichen Rechtskurve erreicht und ist auf das Gebiet der extremen Rechten abgerutscht. Da darf nicht fehlen, dass er auch noch in einer perfiden Art und Weise gegen die Sinti und Roma schiesst. Ob ihm das die Franzosen belohnen werden oder doch nicht gleich den Rechtsextremisten Le Pen wählen?

Informationsquelle: AgoraVox, Sarkozy, ce fils d’immigré qui n’aime pas les étrangers

Montag, 2. August 2010

Die Baianerin lebt gefährlich

Im vergangenen Halbjahr 2010 wurde im brasilianischen Bundesstaat Bahia die weltweit höchste Zahl an ermordeten Frauen registriert. Nach einer Erhebung auf der Grundlage der Datenbank des einheitlichen Gesundheitssystems (SUS) ergibt sich, dass in Bahia ein Index von 3,5 zu verzeichnen ist, während der weltweite Durchschnitt bei 2,6 liegt. Aus den Daten der Polizeistatistik ist zu entnehmen, dass von Januar bis Juni 115 Frauen in Bahia ermordert wurden. Das sind 5,4% aller Tötungsdelikte in diesem Zeitraum. In absoluten Zahlen wurden in den 6 Monaten 2.116 Menschen in Bahia umgebracht.

Früher wurden Morde an Frauen in der Regel im Affekt von den Ehemännern, Ex-Ehemännern oder Geliebten verübt. Die neue Entwicklung zeigt aber, dass viele Morde an Frauen inzwischen in irgendeiner Form mit dem Drogenhandel zusammenhängen. Die männlichen Drogenhändler benutzen ihre Freundinnen, Geliebten und auch Schwestern und Mütter, um die Drogen zu verstecken. In Kämpfen zwischen den Drogenhändlern geraten damit immer mehr Frauen in das Ziel der Kriminellen.

Die Situation dieser Frauen schildert die des Drogenhandels angeklagte Euflorzinha Santiago dos Santos, 35 Jahre alt, die mit 16 Jahren unter dem Einfluss ihres Ehemannes mit dem Drogenhandel angefangen hat. "Als mein Sohn 4 Jahre alt war, floh mein "Ex" und liess mich mit den Drogen und dem Kind zurück", erinnert sie sich. Damals wurde sie zum ersten Mal verhaftet. Im Laufe der Jahre erhielt sie weitere Gefängnisstrafen, an denen sie die Schuld ihrem "Ex" gab. Eines schönen Tages wurde dieser von anderen Drogenhändlern ermordet. Jetzt sitzt sie wieder ein, weil nach ihren Angaben nach einer Polizeirazzia ihre Nachbarn geflohen sind und sie auf einem Sack von diesen zurückgelassenen "Crack" sitzen blieb.

Informationsquelle: A Tarde, Maioria dos assassinatos de mulheres está ligada ao tráfico de drogas na Bahia