Freitag, 30. Juli 2010

Rumänien ab März 2011 Schengenland?

Die Rumänen sind es leid, an ihren Grenzen Schlange zu stehen und penibelst kontrolliert zu werden. Deswegen würden sie lieber heute wie morgen dem "Reich der Reisefreiheit", genannt "Schengenland", angehören. Die EU ist auch nicht abgeneigt, diesen Wünschen zu entsprechen. Aber noch ist viel zu tun.

Vorrang hat die Anpassung an das IT-System SIS, das bisher erst zu 65% in Rumänien implementiert ist. Ende Oktober soll die Anbindung stehen und im November und Dezember 2010 die ersten Probeläufe gemacht werden. Desgleichen müssen die notwendigen Infrastrukturmassnahmen für die Einrichtung des SIRENE-Büros rechtzeitig abgeschlossen werden. SIRENE bedeutet "Supplementary Information Request at the National Entry". Die Hauptaufgabe der in allen Schengen-Mitgliedstaaten eingerichteten "SIRENE-Büros" besteht im zwischenstaatlichen Austausch zusätzlicher oder ergänzender Informationen über Ausschreibungen. Es geht also um Koordinierung der Fahndung.

Die rumänischen Flughäfen sind zur Zeit in einer Modernisierungsphase, um die Anforderungen von Schengen erfüllen zu können. Noch am weitesten zurück ist der internationale Flughafen Otopeni von Bukarest. Zur Zeit wird an einem neuen Terminal speziell für Schengenreisende gebaut.  Timişoara ist ebenfalls in der Phase des Umbaus, während in Sibiu / Hermannstadt nur kleine Korrekturen erforderlich sein sollen. Der Flughafen Cluj-Napoca / Klausenburg soll bereits voll den Schengenanforderungen entsprechen und bezüglich Konstanza sieht Rumäniens Regierung auch keine Probleme. Die rumänischen Verantwortlichen im Inneministerium sind überzeugt, dass die Anforderungen termingerecht erfüllt werden.

Vor kurzem gab es Querschüsse aus Frankreich gegen den Schengenbeitritt Rumäniens. Frankreich hat vor kurzem Rumänien zu wenig Anstrengung bei der Integration der Roma vorgeworfen. Der Hintergrund war, dass die französische Regierung erbost über illegale Roma-Lager in französischen Städten war und man drohte, alle Roma nach Rumänien abzuschieben. Da man in Frankreich selbst nicht in der Lage ist, die Roma zu integrieren, hat man kurzerhand alle Schuld der rumänischen Regierung zugeschoben. Rumänien bestreitet, dass der Schengenbeitritt etwas mit der Integration der Roma zu tun habe und verweist darauf, dass die Beitrittsbedingungen rein technischer Natur seien. Rumänien hatte Ende des vergangenen Jahres 6 Polizeioffiziere nach Paris gesandt, die der französischen Polizei bezüglich aggressiver Bettler und von Straftätern mit rumänischer Staatsangehörigkeit helfen sollten.

Der französische Botschafter in Bukarest hat gestern erklärt, dass Frankreich keine Einwände gegen einen Schengenbeitritt Rumäniens habe. Auf ihrer Webseite veröffentlichte die Botschaft an prominenter Stelle die Erklärung bezüglich Frankreichs Haltung zu den "gens du voyage" (dem reisenden Volk) und erklärt, dass es sich nur um eine kleine Minderheit handle, die Ärger mache. In der Erklärung steht aber auch: "Der Regierungschef hat von der Regierung verlangt, dass illegal wohnhafte Ausländer aus osteuropäischen Ländern in ihre Ursprungsländer zurückgeführt werden sollen. Noch vor Ende des Jahres wird ein Einwanderungsgesetz die Ausweisung dieser Personen aus Gründen der öffentlichen Ordnung ermöglichen.

Wie gefährlich die rumänischen Roma nun tatsächlich für Frankreich und Resteuropa sind, erklärt die Zeitung "Le Monde": Von den über 400.000 in Frankreich Registrierten sind 95 Prozent Franzosen und zwei Drittel von ihnen haben einen festen Wohnsitz. Und die ausländischen Roma, die eine Minderheit bilden, sind nicht nur Migranten aus Osteuropa - vor allem aus Rumänien und Bulgarien. Sie stellen auch eine uneinheitliche Gruppe dar, die von einem Land der Europäischen Union ins nächste getrieben wird. ...".

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Ultimele graniţe între România şi zona Schengen und Le Monde, Gens du voyage : la tentation de l'amalgame

Donnerstag, 29. Juli 2010

Die Toreros sind sauer

Die Entscheidung des katalanischen Parlaments, den Stierkampf zu verbieten, hat bei den Stierkämpfern Empörung, Trauer und Enttäuschung hervorgerufen. Die bekanntesten von ihnen haben sich zu Wort gemeldet und ihre Meinung zum Beschluss des katalanischen Parlaments geäussert.

Manuel Benitez, genannt "El Cordobés" meint, dass er beim Eintreffen der Meldung "Lust zu heulen gehabt habe, denn es ist ärgerlich, dass sie etwas zerstören, was funktionierte. Den Politikern, die diese Entscheidung getroffen haben sollte man mit Respekt sagen, dass sie sich mehr auf ihr eigenes Fachgebiet konzentrieren sollten, das voll mit Unkraut sei und von ihnen vorrangig geräumt werden müsste. Es wäre besser, wenn man zum Wohle Aller Lösungen für die Arbeitslosigkeit finden würde, indem man Arbeitsplätze schafft und Fabriken baut. Das sollte sie vorrangig beschäftigen und den Stierkampf in Ruhe lassen, bei dem viele Familien ehrenhaft ihren Lebensunterhalt verdienen. Was soll das eigentlich, die Ausspielung von Menschenrechte und Tierschutz gegeneinander?"

Ein anderer bedeutender Stierkämpfer, Santiago Martin, genannt "El Viti", erklärte, dass ihn die Entscheidung wütend und niedergeschlagen gemacht habe. Gerade in Barcelona habe er viele Stierkämpfe bestritten und gewonnen. "Ich fühle mich ohnmächtig. Ein Mischung aus Wut, Schmerz und Niedergeschlagenheit. Ich kann nicht verstehen, warum die gegenwärtige Regierung derart reaktionär und hirnlos ist, weil sie uns ständig attackieren wie wenn wir Kriminelle wären. Was sie tun, ist auf das eigene Dach spucken, ihre Kultur und ihre Wurzeln. Ein richtige Schande begangen von Schurken."

Soweit "El Viti". Und noch ein pensionierter Torero durfte zu Wort kommen, Pedro Gutiérrez, genannt "Niño de la Capea". Er versucht's mit Zynismus: "Jetzt müssen halt die spanischen Stierkampfanhänger nach Perpignan fahren, um Stierkämpfe zu sehen. Es ist wie mit den Pornofilmen, da mussten sie auch nach Perpignan fahren als diese in Katalonien verboten waren." Und ernster: "Die Entscheidung ist ein Anschlag auf die Freiheit und unerhöhrter Affront gegen die Kultur. Es gibt keine Pluralität in Barcelona. Wenn sich dieses Volk von ihren Politiker freimacht, dann kommt das Verständnis zurück und es gibt kein Verbot".

Und die Leser des "Diario de Sevilla"? Einer verlangt Boykott von allem, was katalanisch riecht. Und er ist damit nicht allein, der Katalanen-Boykott stösst bei den Andalusiern auf Beifall. "Bestiario" ist für das Verbot des Fischfangs, der sei viel schlimmer als das Setzen der "Banderillas". "Pilar" fordert die Toreros auf aus Protest zu streiken und nie wieder einen Stierkampf zu bestreiten.

"Pilar" scheint eine ganz schlaue Diskutantin zu sein, ihr Vorschag wäre doch die grundsätzliche Lösung des Problems!

Informationsquelle: Diario de Sevilla, Las figuras del toreo se rebelan

Mittwoch, 28. Juli 2010

Katalonien's Stiere können aufatmen

Das katalanische Parlament hat heute morgen mit 68 zu 55 Stimmen ein Verbot von Stierkämpfen in Katalonien beschlossen. Die parlamentarische Abstimmung erfolgte auf Grund eines Volksbegehrens, das mit 180.000 Unterschriften das Verbot gefordert hatte. Die Initiatoren des Volksbegehrens feierten den Erfolg mit starkem Applaus.

Auf der Tribüne des Parlaments befand sich auch eine Gruppe um den Stierkämpfer Luis Corrales, die für die Weiterführung der Stierkämpfe gekämpft hatte und nun nach dem Beschluss in tiefe Depressionen verfiel. Der Beschluss fiel erheblich eindeutiger aus als angenommen. Die Befürworter des Stierkampfes wiesen unter anderem daraufhin, dass mit dem Verbot hohe finanzielle Verluste entstünden, die sie auf 400 Millionen Euro bezifferten. Ein Mitglied der konservativen Partido Popular verstieg sich sogar dazu, auf den Widerspruch zwischen der Verteidigung des Tierschutzes und der Abtreibungsbefürwortung einiger Parlamentarier hinzuweisen. Die sozialistische Partei, PSC, gab für seine Mandatsträger die Wahl frei. Auf den Punkt brachte es der Vertreter der Partei ICV (Iniciativa per Catalunya Verds), eine Vereinigung der Linken und Grünen, der erkärte, dass es hier nicht um den Kampf gegen die Stierkämpfer gehe, sondern um eine archaische Form eines Schauspiels zur Unterhaltung des Menschen.

Dass das Verbot so klar durchkam, wird auch auf den Ärger der Katalanen über das Urteil des spanischen Verfassungsgerichtshof zurückgeführt, der vor kurzem Teile der katalanischen Verfassung für verfassungswidrig erklärt hatte. Der Stierkampf ist eine heilige Kuh in Süd- und Zentralspanien, wo das Volk noch fanatisch zum Spektakel steht. Die Katalanen verhielten sich schon immer eher desinteressiert gegenüber dem Stierkampf, der vom Interesse der vielen aus Andalusien nach Barcelona zugereisten "Gastarbeiter" lebte. Somit gab es eine günstige Gelegenheit denen in Madrid eins auszuwischen!

Informationsquelle: El Periódico, VOTACIÓN HISTÓRICA El Parlament prohíbe las corridas de toros

Montag, 26. Juli 2010

"Soziale Säuberung" bei Obdachlosen

Im brasilianischen Bundesstaat Alagoas im Nordosten Brasiliens verzeichnet man in diesem Jahr eine Welle von Morden an Menschen, die obdachlos sind und auf der Strasse leben. Gestern wurde das zehnte Opfer in diesem Jahr, ein 22-jähriger, der an einer Omnibus-Haltestelle in der Hauptstadt Maceió schlief, mit einem Schuss in die Brust getötet.

Augenzeugen berichten, dass der Obdachlose von 3 Männern erschossen wurde, die auf Fahrrädern flüchteten. Nach Angaben der Polizei war das Opfer Drogenkonsument und hatte keinen festen Wohnsitz. Der Beauftragte für Stadtverwaltung verlangte von den Sicherheitsbehörden die Untersuchung der Mordfälle. Er vermutet hinter den Morden ein Todeskommando, das eine "soziale Säuberung" in der Strasse vornehme. Dadurch, dass bisher kein einziger Mord aufgeklärt werden konnte, werde geradezu zu Verbrechen dieser Art ermuntert.

Die Gruppe zur Bekämpfung krimineller Banden im brasilianischen Innenministerium befürchtet, dass die Taten von Gruppierungen mit einem rassistischen Hintergrund vorgenommen werden. "Dieser Bevölkerungsteil ist leicht anzugreifen und einige der Aktionen scheinen nach Art des organisierten Verbrechens geplant zu sein", erklärte ein Sprecher.

Die Mehrzahl der Obdachlosen verdienen ihren Lebensunterhalt mit Betteln. Die Stadtbehörden von Maceio sind der Ansicht, dass Betteln zu einem Geschäft geworden ist und Bemühungen der Sozialbehörden, die Betroffenen von den Strassen zu bekommen, bisher erfolglos waren. Die Stadt Maceio verfügt über 45 Plätze für Obdachlose, aber nach Schätzung der Sozialbehörden gibt es 500 Obdachlose in der Stadt.

Informationsquelle: A Tarde, Alagoas vive onda de assassinatos de moradores de rua und Correio do Povo de Alagoas, Gecoc investiga morte de moradores de rua em Maceió

Sonntag, 25. Juli 2010

König setzt auf Jakob, den Apostel

Das Heilige Compostelanische Jahr (span. Año Santo Compostelano oder Año Santo Jacobeo, als Kurzform oder Logo auch Xacobeo) wird begangen, wenn der Festtag des Hl. Jakobus (25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Das Heilige Jahr ist identisch mit dem entsprechenden Kalenderjahr. Es wird am 31. Dezember des Vorjahres mit der Öffnung einer Heiligen Pforte begonnen.

Heute war es soweit. An diesem Sonntag, 25. Juli, flehte im Rahmen einer Feier der spanische König Juan Carlos in einer persönlichen Ansprache Jakob von Compostela an, doch etwas zu tun, damit Spanien seine Wirtschaftskrise los wird. Zudem soll er auch den Hass, die Gewalt und die Sinnlosigkeit der terroristischen Barbarei ausrotten. Er bitte darum, für Spanien und für die Spanier. Er verspricht ihm dafür, dass Pilger aus allen Ecken Spaniens und dem Rest Europas kommen werden, um ihn zu umarmen. Ganz uneigennützig war sein Flehen nicht, denn er erbat sich auch für sich und seine Familie die Gnade des Schutzes und der Fürbitte von Jakob.

Ihre Majestät bat den Heiligen auch um Folgendes: "Erleuchte unsere Behörden und die verantwortlichen Poliker, Wirtschaftsleute und Personen aus der Gesellschaft, damit sie mit Grosszügigkeit dem allgemeinen Interesse dienen und immer den Zusammenhalt und das Verständnis zwischen Allen fördern, indem sie wirkungsvoll auf die Probleme unsere Bürger eingehen." Hoffentlich erhöhrt der Apostel ihn. Angesichts der Korruptionsskandale aus der Zeit der Machtausübung der strammen Katholiken um José Maria Aznar, siehe Fall Gürtel, würde ich aber dem Apostel eher empfehlen, die Verantwortlichen erst einmal schmoren zu lassen.

Aber darauf kann man wohl nicht hoffen, denn "römisch-katholische Christen und Angehörige der mit Rom unierten Kirchen haben ein Mal pro Heiligem Jahr die Möglichkeit, einen Plenarablass zeitlicher Sündenstrafen zu erwerben, diese Jahre werden deshalb auch Gnadenjahre genannt" beschreibt Wikipedia die Situation. Das heisst wohl, dass all die fehlgeleiteten katholischen Politiker zumindest kirchenrechtlich auf saubere Art ihre Sünden loswerden können. Das geht zwar nicht ganz kostenlos, denn laut Wikipedia gibt es folgende Bedingungen:

"Zur Erlangung dieses vollkommenen Ablasses müssen seitens der Pilger drei Bedingungen erfüllt sein:

  • Besuch der Kathedrale von Santiago de Compostela aus Gründen der Verehrung und in Bußgesinnung
  • Teilnahme an einem Gottesdienst in der Kathedrale sowie Verrichtung des Vaterunsers, des Credos und eines Gebetes in den beiden Intentionen des Papstes für den jeweiligen Monat.
  • Empfang der Sakramente der Buße und der Eucharistie. Dabei soll die Kommunion in der Kathedrale empfangen werden und die Beichte innerhalb von fünfzehn Tagen vor oder nach dem Besuch der Kathedrale erfolgen."
Schön, so ein Plenarablass, das bisschen Beten und Kirchgang müsste doch möglich sein!

Informationsquelle: Diario de Sevilla, "El Rey pide al Apóstol Santiago ayuda para "resolver cuanto antes la grave crisis" und Wikipedia, Heiliges Compostelanisches Jahr

Samstag, 24. Juli 2010

El Dorado in den Karpaten

Milliardäre sind sie, aber nicht in Euro oder Dollar, aber immerhin in rumänischen Lei, die Hirten von Poiana Sibiului. Reich geworden sind sie durch ihre Schafe und die Tatsache, dass der Diktator Nicolae Ceausescu vergessen hat oder es ihm nicht gelungen ist, das Hirtengeschäft und die Schafzucht in den Karpaten in LPG's zu zwingen. Die Hirten konnten weiter privat ihre Geschäfte betreiben. Die Ernährungskrise der 1980er Jahre in Rumänien hat die Taschen der Schafhirten gefüllt. Die Wolle der Schafe konnte zusätzlich unter der Hand für teures Geld verkauft werden.

1990: Rumänien kurz nach der Revolution. Überall sieht man nur ein heruntergekommenes und verwahrlostes Rumänien. Hermannstadt / Sibiu leidet ebenfalls unter dem Zerfall. Die Dorfsystematisierung hat Dörfer zerstört und die Bewohner in hässliche und halbfertige Wohnblocks gezwungen. Insofern kann man die Überraschung verstehen, wenn man auf Schotterstrassen im südlichen Siebenbürgen von Hermannstadt aus in ein Dorf in den Karpaten gelangt, das so völlig der damaligen rumänischen Realität widerspricht. In Poiana Sibiului gibt es feste Häuser, 2 bis 3 Stockwerke hoch, sauber angemalt und auf jedem Dach stehen grosse Satellitenantennen. Es ist das Dorf der Schafhirten, "Ciobani", genannt. Der Häuptling oder Sprecher der Hirten empfängt mit grenzenloser Gastfreundschaft in seinem geräumigen Wohnhaus Gäste in einem Raum, der einer Kreuzung aus englischem Pub und deutschen Kneipe nachempfunden ist. Teurer, aus dem Westen importierter Kitsch ziert die Wände. Sofort wird der Gast mit literweise Wein betrunken gemacht, Wiener Würstchen werden einem bis zum Abwinken in den Mund gesteckt und als Krönung folgt die Vorstellung eines frischen Schafskäses, der es wirklich in sich hat. Das Spitzenprodukt, ein aus fetter Milch gefertigter Käse, wird auch als das Viagra der Hirten bezeichnet. Die Gäste sind entzückt, ob dieses würzigen und schmackhaften Naturprodukts und verstehen langsam, warum es den Hirten von Poiana Sibiului so gut geht. Sie konnten sogar in der kommunistischen Zentralwirtschaft ihre Produkte privat verkaufen, die Bevölkerung hat es ihnen aus der Hand gerissen und so den Wohlstand der Hirten gemehrt. In Rumänien raunte die Bevölkerung vom El Dorado in den Karpaten.

2010: Ende einer Epoche. Es gibt kein einziges Schaf mehr in Poiana Sibiului. Die Schafwirtschaft ist nicht mehr lukrativ, die Wirtschaftskrise hat ihr noch mehr zu schaffen gemacht. Die überwiegende Zeit des Jahres steht das immer noch frisch aussehende Dorf leer. Die Hirten sind mit ihrem Geld weggezogen, sie kommen nur noch einige Wochen im Jahr in ihr Dorf zurück. Man verbringt die Ferien im Ort. Hochzeiten und Begräbnisse bringt die versprengten Hirten wieder zusammen. Den Rest des Jahres wohnen sie verstreut über ganz Rumänien, wo sie ihr Geld in Immobilien und anderswo investiert haben. Die ehemaligen Häuser in Poiana Sibiului werden weiter gepflegt, die luxuriösen Interieurs nach der neuesten Mode gewechselt. In den Garagen stehen die Jeeps, neuen Mercedesse, Audi A 8, BMW's und manchmal auch ein Bentley. Protzerei gehört für die Ex-Hirten zum gesunden Selbstbewusstsein.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Sfârşit de epocă: apusul ciobanilor miliardari din Poiana Sibiului

Freitag, 23. Juli 2010

Die Surucucu beisst bald nicht mehr letal

Die Surucucu, auf deutsch Buschmeister, ist eine Schlange, die in Brasilien vorkommt. Sie soll die gefährlichste Giftschlange Lateinamerikas sein. Das Brasilienportal beschreibt sie wie folgt:

"Die grösste aller südamerikanischen Vipern – sie erreicht eine Länge von mehr als 4 Metern! Ihr Gift ist blutgerinnend und in der Lage, die Aminsäuren lebender Materie aufzulösen, und provoziert so schlimme Blutungen, Ödeme und Wundbrand am gebissenen Glied. Der Angriff auf den Menschen ist selten – die Statistik geht nicht über 3% aller Schlangenbisse. Man findet das Tier in Wäldern zwischen den Bundesstaaten Espirito Santo und Bahia bis hinauf zum Tal des Amazonas und einigen Nachbarstaaten."

Das brasilianische Gesundheitsinisterium verfügt über Daten, die nachweisen, dass das Gift der Surucucu 3 bis 4 mal gefährlicher als das der ebenfalls hoch giftigen Jararaca (Lanzotter) ist. Nach Angaben des Gesundheitsministerium ist die Surucucu an 2% aller registrierten Unfälle mit Schlangen beteiligt. Danach seien es zwar wenige Fälle, aber fast alle gehen tödlich aus.

Deswegen hat man auf der Suche nach einem Serum verstärkt auch nach einem Mittel gesucht, das dem Gift der Surucucu gewachsen ist. Forscher der Universidade Federal Fluminense in Rio de Janeiro haben dabei ein Mittel entdeckt, das die Indios in den Amazonasgebieten schon seit langem als Heilmittel benutzen. Es ist die Rinde des "Barbatimão", das jetzt zur Erstellung eines Serums dienen soll. Es handelt sich beim "Barbatimão" um eien zu den Mimosaceen gehörenden brasilianischer Baum, der über einen hohen Gerbsäuregehalt verfügt. Über diesen Baum will man ein Serum entwickeln, das weniger Nebeneffekte mit sich bringen soll als die bisherigen Seren und gleichzeitig preiswerter herzustellen und wirkungsvoller ist.

Im übrigen empfiehlt das brasilianischen Gesundheitsministerium den Reisenden: "Das Risiko eines Unfalls kann vermindert werden, indem man allgemeine Massnahmen zur Vorbeugung ergreift. In extrem ländlichen Gebieten, bei der Landarbeit und beim Öko-Tourismus gibt es Risiken, vor allem im Norden und zentralen Westen des Landes von Schlangen gebissen zu werden." Auf der Webseite gibt es auch eine Übersicht über die Gesundheitszentren, die über Serum verfügen.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Barbatimão X Surucucu

Donnerstag, 22. Juli 2010

Katholische Kirche will Pinochet's Folterknechte aus den Gefängnissen holen

Die katholische Kirche Chile's hat gestern beim chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera den Antrag auf Begnadigung aller Inhaftierten, die wegen Menschenrechtsverletzungen, begangen während der Militärdiktatur, verurteilt wurden und im Gefängnis sitzen, beantragt. Die Amnestie soll im Zusammenhang mit der 200-Jahrfeier der chilenischen Unabhängigkeit ausgesprochen werden. Aus diesem Anlass haben sich der Kardinalerzbischof von Santiago, Francisco Javier Errázuriz, und der Präsident der Bischofskonferenz, Alejandro Goic, mit dem Staatspräsidenten getroffen.

Die Vertreter der Kirche beantworteten nach dem Treffen keine Fragen der Journalisten, sondern verlasen nur eine Erklärung des folgenden Inhalts: "bezüglich von Verbrechen in Form von Menschenrechtsverletzungen, glauben wir, dass man Milde zeigen kann innerhalb des Rahmens des Rechtsstaates, der verfassungsmässigen Ordnung und der geltenden internationalen Verträge". Man wolle aber die schrecklichen Wunden der Vergangenheit nicht wieder öffnen und auch nicht vorschlagen sie per Gesetz zu schliessen. Die Kirche geniesst die volle Unterstützung der pensionierten Militärs, deren Sprecher, Ex-General Humberto Julio, erklärte: "Wir unterstützen die Aktion der Kirche, da wir wissen, dass sie von einem legitimen Drang nach Gerechtigkeit, humanitären Gründen und der Suche nach Aussöhnung getragen wird."

Während der Diktatur von Augusto Pinochet wurden 3.065 Opositionelle umgebracht, eingeschlossen 1.200 Menschen, die man verschwinden liess. Etwa 600 Militärs, in der Regel pensionierte, wurden wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht gebracht. 70 Personen wurden verurteilt und in speziellen Gefängnissen untergebracht.

Die Opfer sind wütend, ob der Aktion der Kirchenväter. Die Vizepräsidentin der Vereinigung der Familien von verschwundenen Gefangenen, Mireya García, wies den Versuch einer Amnestie der ehemaligen Unterdrücker zurück und erklärte, dass "die Gerechtigkeit nichts mit Gnade zu tun habe" und dass die Täter angemessene Strafen erhielten, die sie in den Gefängnissen abzusitzen hätten. "Im Gnadengesuch der Kirche sehen wir absolut keinen Akt der Frömmigkeit".

Man darf sich schon fragen, was die katholische Hierarchie in Chile dazu treibt, sich für Menschenrechtsverletzer der übelsten Sorte in die Bresche zu werfen. Im gnadenlosen Kampf gegen die Abtreibung kennt die Kirche auf jeden Fall diese Regungen der Gnade nicht und auch ansonsten tut sie sich nicht damit hervor, Menschen in Not ihre Hand zu reichen. Der Verdacht liegt nahe, dass die Verbrechen Pinochet's mit dem Segen dieser Kirchenoberen erfolgte und man jetzt die alten Kumpanen nicht in den Gefängnissen schmoren lassen wollte.

Informationsquelle: Nuevo Herald, La Iglesia pide clemencia para represores en Chile und El Mercurio, Iglesia apela a justicia con clemencia en propuesta de indulto

Mittwoch, 21. Juli 2010

Ehepaar Ceauşescu wurde aus der Gruft befreit

Heute morgen um 7 Uhr machte sich eine Mannschaft des gerichtsmedizinischen Instituts auf dem Ghencea-Friedhof von Bukarest an die Ausgrabung der vermutlichen Überreste des ehemaligen Diktators Nicolae Ceauşescu und seiner Ehefrau Elena. Man ging bisher davon aus, dass auf diesem Friedhof die Überreste des 1989 erschossenen Ehepaares liegen. Die sterblichen Überreste wurden jetzt für eine DNA-Analyse sichergestellt. Das Ergebnis der Analyse wird in etwa 6 Monaten vorliegen. Für die Aktion wurde überfallartig der Zugang zum Friedhof gesperrt, was zu einer Verärgerung der anderen Friedhofsbesucher führte.

Die Exhumierung erfolgte auf Verlangen der Kinder der Ceauşescu's, Zoe und Valentin Ceauşescu, die endlich wissen wollten, ob ihre Eltern wirklich an diesem Ort begraben wurden. Den Antrag stellten sie bereits 2005. Inzwischen ist Zoe verstorben und ihr Ehemann Mircea Oprean hat die weiteren juristischen Schritte vorgenommen. Nach der Ausgrabung erklärte Oprean, dass sie vermuteten, dass es sich tatsächlich um die Überreste des Ehepaares handle, da Kleidungsstücke und Schuhe noch identifizierbar waren. Sollte es sich nicht um die sterblichen Überreste der Ceauşescu's handeln, will der Schwiegersohn Rumänien verklagen und die damaligen Verantwortlichen Iliescu, Voiculescu und Petre Roman vor den internationalen Strafgerichtshof bringen.

Der Ort des Begräbnisses wurde von 1989 bis heute verheimlicht. In dem Grab in Ghencea liegen laut offizieller Mitteilung nur die Leichen von 2 Offizieren.

Informationsquelle: Adevarul, Soţii Ceauşescu au fost deshumaţi după 21 de ani pentru prelevarea de probe ADN. A meritat? und Evenimentul Zilei,
Elena şi Nicolae Ceauşescu, dezgropaţi la cimitirul Ghencea. Ginerele dictatorului: "Înclin să cred că sunt ei"

Dienstag, 20. Juli 2010

Warum verliess Mamadou den Senegal?

Die Gefangenen des Gefängnisses Albalote in der spanischen Provinz Granada haben ein Fenster zur Aussenwelt. Es ist dies ein Blog mit dem Namen "La voz del mako". Der Blog wird mit Beiträgen der Gefangenen geführt und ist Resultat einer Journalismus-Arbeitsgemeinschaft, die vom Sozialamt der Provinz Granada gefördert wird. Natürlich ist das Ganze nicht frei von Kontrolle: Die Beiträge werden unter der Leitung von verschiedenen Monitoren in den Blog eingestellt. Aber der Blog gibt den Gefangenen die Möglichkeit, ihre Gedanken, Ideen und Sorgen auch einem weiteren Kreis bekannt zu machen.

Unter anderem berichtet auch Mamadou, eine Senegalese, der illegal nach Spanien gekommen ist, über sein Schicksal. Sein Bericht gibt dem afrikanischen Einwanderer, von denen wir zumeist nur in betrüblichen Schlagzeilen hören, ein Gesicht. Deshalb habe ich seinen Beitrag übersetzt und gebe ihn nachstehend wieder:

"Ich heisse Mamadou. Ich stamme aus dem Senegal und bin 27 Jahre alst. Ich bin 2005 nach Spanien kommen nach einer langen Fahrt mit einem Boot von Dakar, unserer Hauptstadt, aus. Viele von euch fragen sich, warum wir unser Leben auf dem Meer aufs Spiel setzen, deshalb möchte ich auf diesem Wege meines persönliche Geschichte erzählen.

Im Senegal habe ich eine Ehefrau und Kinder, die ich als Familienoberhaupt ernähren muss. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in meinem Land und das Fehlen von Arbeitsmöglichkeiten haben mich dazu geführt, das Abenteuer einer Reise nach Sapnien auf mich zu nehmen. Ich habe die Geldsendungen gesehen, die Nachbarn regelmässig von ihren Söhnen bekommen haben, die ebenfalls über das Meer nach Spanien ausgewandert waren. Aus diesem Grund habe ich mit meiner Familie beschlossen, dass ich ebenfalls mein Glück auf diesem Wege suche, um ihnen dann helfen zu können.

Meine Eltern, meine sechs Brüder und meine Schwiegereltern halfen mir das Geld zusammen zu bekommen, um einen Platz in dem Boot kaufen zu können.

Nach 7 Tagen Fahrt auf dem Meer, bin ich zusammen mit weiteren Landsleuten, 60 insgesamt, an der Küste der Kanaren gelandet, wo uns die spanische Marine abfing und in ein Internierungszentrum für Einwanderer bracht. Nach 45 Tagen verlegten sie uns nach Miraflores in Madrid, wo sie mich fragten, wohin ich wolle. Sie gaben mir dann eine Fahrkarte für den Autobus, damit ich nach Almeria reisen konnte.

Nach meiner Ankunft in Almeria musste ich um Arbeit in den Gewächshäusern kämpfen und ich hatte dabei viel zu erleiden, denn die Arbeitgeber zahlten nicht das, was vereinbart war und drohten damit, dich zur Ausländerpolizei zu bringen.

Ich habe viel gelitten, denn ich hatte die Verantwortung, meiner Familie, meinen Brüdern, meinen Eltern und Schwiegereltern zu helfen, die von den 200 Euro, die ich ihnen monatlich überweisen konnte, abhängig waren. Es ist sehr hart fast 5 Jahre von Frau und Kindern getrennt zu sein. Meine Frau leidet sehr unter der Einsamkeit und wegen des Gefängnisses und da ich ihr nicht helfen kann ist ihre Not noch grösser.

Im Gefängnis habe ich unabhängig von der Einsamkeit auch unter einer Messerattacke gelitten. In einer Warteschlange für das Essen stritt ich mich mit einigen Verrückten, die über meine Hautfarbe spotteten und zu mir sagten "Hungerleider, jetzt rennst du, um etwas zu essen zu bekommen." Am Tag danach entrissen sie mir das bereits zubereitete Frühstück und verletzten mich mit Messerstichen in den Rücken, Beine und Lippen. Sie haben mich fast umgebracht. Vor kurzem sahen wir uns im Gericht wieder und sie baten mich um Enschuldigung und flehten mich an, dass ich dem Richter sagen solle, dass wir uns gegenseitig angegriffen hätten und so die Sache milder gesehen werden. Ich habe versucht, ihnen zu vergeben, aber ich kann es nicht.

So, das ist die Geschichte von Mamadou. Ich hoffe, dass Gott mir hilft und meinen Traum erfüllt und dass sich für euch auch eure Träume erfüllen. Freiheit für Alle!"

Informationsquelle: El Pais, Los presos de Albolote crean un blog und Blog "La Voz del Mako"

Mittwoch, 14. Juli 2010

Cap Aurora - Urlaub für Nostalgiker

"Der Ort sieht aus wie zu den Zeiten der Kommunisten. Die Hotels sind noch diesselben. Der Sand ist hässlich, das Wasser scheusslich. Hier haben wir das, was von Ceauşescu geschaffen wurde. Was wollen wir noch mehr?". "Hier ist die Küste nicht gepflegt, sie ist vielmehr wild, es gibt Steine und Gras. Die Küste ist hässlich und lächerlich, aber sie ist sehr ruhig". "Ich bin viele Jahre nicht mehr gekommen, während ich in der Ceauşescu-Zeit oft hier war. Es ist das von mir bevorzugte Seebad, weil ich mich hier wie in den Bergen fühle. Wenigstens sieht man hier nicht die Ölfraffinerie von Năvodari".

Das berichten einige rumänische Nostalgiker, die noch in Cap Aurora Urlaub machen. Cap Aurora ist das kleinste Seebad an der rumänischen Schwarzmeerküste. Der Badeort kommt immer mehr herunter, die Touristen bleiben aus und die letzten Hotelbetriebe stehen kurz vor dem Bankrott. Die öffentliche Verwaltung hat scheinbar kein Interesse an Investitionen in den Ort. Der Badeort wurde in den 70er Jahren im Comorova-Wald eingerichtet. 40 Jahre alt sieht er inzwischen eher wie eine Ruinenstadt aus. Die Sitzbänke an den Strassen zerstört, das Pflaster der Gehwege aufgerissen und mit Unkraut übersät. Es ist auch duster nachts im Ort, denn die öffentliche Beleuchtung funktioniert so gut wie nicht mehr.

Aber: Es ist der billigste Ort, um an der rumänischen Schwarzmeerküste Urlaub zu machen. Das ist ein Argument für einige Touristen, doch noch zu kommen. Dabei sind auch noch Nostalgiker, die sich an den in ihrer Jugend in Cap Aurora verbrachten Sommerurlaub erinnern. Einige werden auch noch zwangsverschickt wie pensionierte Lehrer und Militärs, die am Ort ihre Erholungsheime haben. So können 2 Personen schon einmal für 500 Lei (ca. 200 Euro) die Woche Urlaub machen.

Nicht alles ist schlecht, wenn man die Natur wieder arbeiten lässt. Gleich hinter den Hotels beginnen Birken- und Eichenwälder. Das Wasser ist reich an Schwefel und geeignet für die Behandlung von Rheuma-Erkrankungen. Die Wälder sind allerdings sehr belebt, denn in ihnen leben Horden von Strassenhunden, die einem einen Abendspaziergang zur Hölle machen können.

Eine besondere Sehenswürdigkeit sind die Uferbefestigungen, die mit Betonblöcken aus der Gründerzeit verunstaltet sind. Der Strand ist eng und steinig. Geschäfte gibt es nur noch wenige, die einzige Diskothek des Ortes ist vor kurzem abgebrannt.

Lust auf eine Zeitreise? Dann nichts wie nach Cap Aurora!

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Cap Aurora, staţiunea bolnavă de reumatism

Dienstag, 13. Juli 2010

Lula dreht im Park der Wale den Ölhahn auf

Am kommenden Donnerstag wird der brasilianische Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva an der Küste des brasilianischen Bundesstaates Espirito Santo auf der Ölplattform FPSO Capixaba an einer Feier der brasilianischen Petrobras teilnehmen. Gefeiert wird die erste Öl-Entnahme aus dem Pré-Sal, das Öl aus der Tiefsee. Die Plattform steht in einer Meeresregion, die "Parque das Baleias" genannt wird, was soviel wie "Park der Wale" bedeutet.

Der Sturz in den lange ersehnten Ölreichtum wird auch an Land in der Hauptstadt Vitória mit grossem Pomp gefeiert. Die Politiker liegen sich zwar wegen der Verteilung der Einnahmen aus der Ölförderung in den Haaren, aber für diesen Tag gibt man Ruhe und hofft im übrigen, dass der Präsident mit seinem Vetorecht die gierenden Abgeordneten ausbremst.

Petrobras jubelt, dass im "Parque de Baleias" immense Ölreichtümer schlummern. Die Techniker zeigten sich vom Ergebnis der Bohrungen völlig überrascht. Im ersten Grössenwahn beabsichtigten sie dem "Park der Wale" einen neuen Namen zu geben, der wesentlich profaner gelautet hätte: "pólo do pré-sal capixaba". Man spricht von Ölvorräten in Höhe von 4 Milliarden Fass Öl und mehr.

Siehe auch Blogbeiträge:
Endet Brasiliens Ölrausch wie in Louisiana?
Der Fluch des Öls - Olympiade 2016 in Gefahr?

Informationsquelle: Blog Josias de Souza, Folha Online

Montag, 12. Juli 2010

Weltmeister in einem zerrissenen Land

Während in Madrid überschwänglich der Gewinn des Weltmeistertitels im Fussball gefeiert wird, arteten die Feiern in Barcelona in Zerstörung und Schlägereien aus. 21 Personen wurden festgenommen und 74 verletzt. Die Unruhen habe heute früh begonnen. Gegenstände wurden durch die Gegend geworfen, Container und Autos angezündet.

Auch im Baskenland schien der Gewinn der Weltmeisterschaft einige Leute nicht zum feiern, sondern zu Schlägereien zu animieren. In Zarautz wurde eine Person misshandelt und in Deusto wurde ein Anhänger der spanischen Mannschaft verprügelt. In der baskischen Hauptstadt Vitoria wurden ebenfalls feiernde Anhänger der spanischen Mannschaft beschimpft und angegriffen.

Die katalanischsprachige Zeitung "Avui" berichtet, dass die Unruhen in Barcelona von fanatischen Anhängern der "Nation" Spanien ausging, die spanische Embleme schwenkend, Verwünschungen gegen die katalanische Polizei und Katalonien ausgestossen hatten. Die Kommentare zu den Meldungen zeigen, das es Kreise in Spanien gibt, die keinen Grund zum Feiern sehen. Stellvertretend der Kommentar des Lesers David Guinart aus Barcelona: "Das pluralistische Spanien ist tot, der einzige richtige Weg führt zur Unabhängigkeit. Freiheit."

Die Enscheidung des spanischen Verfassungsgerichts gegen die katalanische Landesverfassung hat das Klima noch stärker aufgeheizt. Man spekulierte, dass das Verfassungsgericht absichtlich die Veröffentlichung der Entscheidung in die WM-Phase gelegt habe, damit das "Wir"-Gefühl die Provokation gegenüber den Selbstständigkeitsbestrebungen Kataloniens zu überkleistern hilft. Die Rechnung scheint nicht aufzugehen, denn die Stimmung ist aufgeheizt. Am Samstag fand eine Demonstration gegen die Entscheidung des Verfassungsgericht in Barcelona statt, die in ihrem Umfang alle Erwartungen übertraf.

Wie lange gibt es noch das einzig wahre Spanien der Zentralisten? Wenn wir Glück haben und beide Seiten Einsicht zeigen, wird es ein Spanien der Nationen werden.

Informationsquelle: El Periódico, EN BARCELONA La euforia por el triunfo de 'la Roja' acaba con 21 detenidos y 74 heridos durante la celebración

Sonntag, 11. Juli 2010

EU-Kommissarin hält nichts von Zentralisierung der Katastrophenhilfe

Rumänien wurde in den vergangenen Wochen von heftigen Regenfällen heimgesucht. Grosse Teile von Ostrumänien wurden überschwemmt. In der Stadt Galatz an der Donau ist ein Damm gebrochen. Und das Wasser der Donau steigt und steigt. Cernavoda, wo das einzige Atomkraftwerk Rumäniens steht, ist unter Wasser. Die Presse berichtet, dass der Ort ein einziges Schwimmbad sei. Auch die Schwarzmeerstadt Konstanza kämpft mit dem Wasser.

Die rumänische Regierung hat lange gezögert bis sie endlich die Hilfe von der EU erbeten hat. Das war auch der Grund der Zeitung "Romania Libera" die EU-Kommissarin Kristalina Gheorghieva, zuständig für internationale Zusammenarbeit und humanitäre Hilfe, zum Thema Katastrophenhilfe innerhalb der EU zu befragen.

Gheorgheva erklärte, dass man in der EU-Kommission keine zentrale Institution zur Katastrophenhilfe favorisiere. Dagegen werde versucht, die eigenen Kapazitäten der Mitgliedsländer zur Katastrophenbekämpfung zu verbessern. So habe die rumänische Regierung die Initiative zu einem Hilfegesuch an die Mitgliedsländer ergriffen und präzise Wünsche geäussert. Die andern Mitgliedsländer hätten darauf reagiert und Rumänien die gewünschte technische Hilfe zur Verfügung gestellt. Da dies funktioniere, gäbe es auch keine Veranlassung, die Katastrophenhilfe innerhalb der EU zu zentralisieren. Wenn eine zentrale Katastrophenbekämpfung durch Brüssel erfolgen würde, würden die nationalen Regierungen aus ihrer Verantwortung entlassen und diese würden dann nicht mehr in den Katastrophenschutz investieren.

Auf die Frage, ob nicht wenigstens bei den Prognosen und bei den Warnungen vor bevorstehenden Naturkatastrophen wie Waldbränden oder schweren Unwettern, die EU eine stärkere Rolle übernehmen könne, gab Gheorghieva zu, dass da etwas getan werden müsse. Die EU habe eine kleine Arbeitsgruppe zur Vorbeugung von Katastrophen aufgestellt. Man sei jetzt dabei zu diskutieren, wie man die Mitgliedsländer am besten vor einer bevorstehenden Katatstrophe warnen könne.

Im übrigen sei noch nie das Hilfegesuch der Regierung eines Mitgliedslandes bei Naturkatastrophen abgewiesen worden. Die EU-Kommission sehe ich als Vermittlungsstelle, um eingehende Gesuche an die anderen Mitgliedsländer weiter zu geben.

Kristalina Gheorghieva ist eine überzeugte Verfechterin der Theorie der Klimaerwärmung und diesbezüglich gefragt, ob ihr Aufgabengebiet deswegen nicht immer wichtiger würde, antwortete sie: "Ich hoffe nicht..... Aber wir müssen uns auf die Folgen vorbereiten. Ich sage ihnen: Wir sollten für das Gute beten und uns auf das Schlechte vorbereiten!"

Informationsquelle: Romania Libera, "Sa ne rugam pentru bine, dar sa ne pregatim de rau!..."

Samstag, 10. Juli 2010

Uruguay will Tintenfisch Paul an den Kragen

Tintenfisch Paul im Aquarium von Oberhausen ist eine echte Berühmtheit geworden. Da er mehrfach Ergebnisse von Spielen der Fussball-WM per Fresssteuerung richtig vorausgesagt hat, klappern inzwischen die Zähne bei denen, gegen die er prognostiziert. Für das heutige kleine Finale zwischen Deutschland und Uruguay soll er sich für Deutschland entschieden haben. Das hat den uruguayanischen Trainer Óscar Tabárez auf den Plan gerufen, der in einer Pressekonferenz erklärte, dass man sowohl den "pulpo" (Tintenfisch) wie auch Deutschland besiegen werde.

Wörtlich berichtet die uruguayanische Zeitung "El Observador": "Der berühmte Tintenfisch Paul, der sich in einem deutschen Aquarium befindet, sagte voraus, dass im Spiel um den dritten und vierten Platz der Weltmeisterschaft, die deutsche Mannschaft gewinnen werde. "Wir werden den Tintenfisch widerlegen", erklärte Tabárez mit einem Lächeln".

Das Herz der Spanier hat er indes gewonnen. Ihnen sagt er im Spiel gegen die Niedeerlande den Gewinn der Weltmeisterschaft voraus. "El Pais" berichtet vom Standort des Orakels. "Heute hat Paul keinen Moment gezweifelt. In weniger als drei Minuten hat er sich für die Muschel mit der spanischen Fahne entschieden und die mit der niederländischen ignoriert." Kommentare von Lesern: Ein gewisser "Obelix" schreibt: "Diese Germanen sind verrückt...". Der Leser "otro cabreao": "Heute ist es der Tintenfisch, morgen der Hut von Del Nido, andere mit Knoblauch in den Taschen, wiederum andere beten zu Heiligen oder zu Budu (was auch immer das ist).... ".

Der "Diario de Sevilla" widmet Paul sogar einen Kommentar: "Ich frage mich, ob wir Spanier abergläubisch sind und die sofortige Antwort ist ja. Gestern haben um 11 Uhr vormittags mindestens ein halbes dutzend Fernsehstationen live vom deutschen Aquarium, in dem Paul lebt, über seine Vorhersage berichtet. Und dann haben sich alle daran hochgezogen, dass Paul ohne Zögern sich für Spanien als Weltmeister entschieden hat. ..... Die Spanier sind sehr abergläubisch. Wenn mich jemand um Rat fragen würde, würde ich sagen, dass der Ministerpräsident Zapatero nicht zum Endspiel gehen sollte. Erl läuft Gefahr, dass, wenn Spanien gewinnt, es niemand seiner Anziehungskraft zuschreibt. Aber wenn wir verlieren, dann fragen sich alle, in welcher Form er das Szenario geändert hat, damit das Glück von uns abrückt und sogar die Weissagung des klugen Tintenfischs nicht eintrifft. Und viele werden auf den Präsidenten gucken, ohne Rücksicht. .... Wenn die Voraussage Pauls zutrifft, wird er bei uns in die Geschichte des Aberglaubens eingehen!"

Einen Weltmeister hat Deutschland wenigstens: Paul, der Tintenfisch, König des Orakels!

Freitag, 9. Juli 2010

Dunga macht die Pressefritzen zur Schnecke

Nach dem Ausscheiden der brasilianischen aus der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika, hat sich der Trainer Carlos Dunga jetzt erstmalig der brasilianischen Presse gestellt. Nach der Ankunft in Brasilien hatte er sich in seinem Haus in Porto Alegre verbarrikadiert und die Tage mit seiner Familie verbracht. Die Halbfinalspiele hat er sich nicht angesehen und er hat die Absicht, auch das Endspiel zu ignorieren.

Der Zeitung "O Estado de São Paulo" hat er jetzt ein Telefoninterview gewährt. Dabei hat er erklärt, dass er nichts bereue und dass die Arbeit der "seleção" in Afrika beispielhaft war. Er erklärte, dass Felipe Melo "die Rechnung bezahlte", aber keine Schuld am Ausscheiden trage. Die Niederlage gegen Holland habe ihm sehr weh getan. Er habe Vorschläge, wie man in Zukunft vorgehen müsse. Dann griff er zu einem etwas schärferen Ton gegenüber den Journalisten, die aber positiv vermerkten, das er zu keinem Zeitpunkt respektlos oder ausfallend wurde.

Nachstehend ein paar Antworten Dunga's: "Ich bin jetzt in den Ferien und mit meiner Familie und meinen Freunden zusammen. Was die Zukunft bringt, liegt in der Hand Gottes. Ich habe mir kein Spiel mehr angesehen, habe meine Freizeit nur noch der Familie gewidmet und nur noch die Resultate zur Kenntnis genommen. Ich habe alles getan, was ich tun musste. Sie sagen, dass die Mannschaft zu sehr abgeschottet war. Würde ich in ihre Redaktion kommen, um zu sehen, was sie da treiben? Oder in ihr Haus? Nein. Also darf auch niemand ins Mannschaftslager kommen. Was ich gemacht habe, war Organisation. Aber irgendwer sagt irgendwas oder kritisiert und ihr von der Presse rennt ihm hinterher. Es hat keinen Sinn der Verteidigung die Schuld für die Niederlage zu geben, sie hat uns mehrfach gerettet. Über Kaká sage ich nichts, er hat trainiert wie ein Berserker und ich musste ihn oft bremsen. Wegen meiner Entlassung bin ich nicht sauer, der Präsident des Fussballverbandes hatte mir das telefonisch mitgeteilt bevor die Nachricht im Internet veröffentlicht wurde. Gegen Journalisten habe ich nichts. Die meisten Attacken gegen mich kamen, weil ich keine Exklusiv-Nachrichten vergeben habe. Ich habe nichts gegen ehrenhafte Journalisten, aber niemand kann mich zwingen, mich korrupt zu verhalten oder den Bösewicht zu spielen. Das Spiel gegen die Niederlande werde ich nicht so schnell vergessen. Es wird eine offene Wunde bleiben. Das Spiel wird mir nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Fussball ist mein Leben. Niemand ist darauf vorbereitet zu verlieren, es war Pech. Die Holländer hatten 2 Chancen und machten daraus 2 Tore."

Endlich wollte mal ein brasilianischer Nationaltrainer die Losung in der brasilianischen Flagge "ordem" (Ordnung) und "progresso" (Fortschritt) umsetzen und dann war es auch wieder nicht recht.

Informationsquelle: O Estado de São Paulo, 'Vai ficar uma ferida', diz Dunga

Donnerstag, 8. Juli 2010

Leidgeprüfte Nordostbrasilianer ernten Hohn ihrer Landsleute

Die schweren Regenfälle der letzten Wochen haben in den Bundesstaaten Pernambuco und Alagoas 50 Todesopfer gefordert und über 100.000 Personen obdachlos gemacht. Pernambuco und Alagoas sind Teil des brasilianischen Nordostens, dessen Bewohner gemeinhin "Nordestinos" genannt werden. Der Nordosten Brasiliens gehört zu den Armutsgebieten dieser Welt, während Brasiliens Süden zum Motor des brasilianischen Wohlstands und der Wirtschaft gehört.

Aus den Überschwemmungsgebieten kam ein Hilferuf an alle Brasilianer, den Betroffenen zu helfen. Und es wurde viel geholfen mit Geld- und Sachspenden. Aber die Antwort auf diesen Aufruf zeigte auch eine dunkle Seite in den Beziehungen zwischen Brasiliens Süden und dem Nordosten.

"Orkut", das soziale Netzwerk von Google, ist für die Brasilianer, was für uns das "Facebook" ist. Hier tauschen sich viele Brasilianer aus und es gehört zum guten Ton in diesem Dienst vertreten zu sein. Und gerade da kann man zur Zeit sehen, wie die Vorurteile gegen die Nordestinos gehegt und zur Zeit auch wieder ans Tageslicht gespült werden. Es gibt Kommentare wie "die Nordestinos sollen doch im Schlamm verrecken" oder "sie sollen in ihrem dreckigen Wasser ersaufen". Ein anderer schreibt wiederum: "Im Grunde habe ich Mitleid mit den Nordestinos, in der einen Hälfte des Jahres sterben sie wegen der Trockenheit und in der anderen wegen Überschwemmungen... Vielen Dank, lieber Gott, dass ich kein Nordestino bin!". Bei vielen Kommentaren scheint die Befürchtung durch, dass durch die Überschwemmungen eine neue Wanderbewegung von Nord nach Süd in Gang gesetzt wird. So kommentiert ein Orkutianer: "Leute, mit diesen Überschwemmungen im Nordosten glaube ich, dass diese Quadratköpfe in Massen nach São Paulo kommen werden. Ich bin sehr besorgt deswegen. Die werden uns noch mehr Müll bringen als wir schon haben". Es gibt auch eine Nutzergruppe, die sich "Eu odeio nordestino" (ich hasse den Nordestino) nennt.

Im Nordosten ist man empört über diese Welle an Vorurteilen, Hass und Rassismus, der hier an das Tageslicht gespült wird. Die Landesregierung und Staatsanwaltschaften prüfen, inwieweit man gegen diese Äusserungen strafrechtlich vorgehen kann. Auch rechtliche Schritte gegen Orkut-Betreiber Google werden geprüft.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Orkut: preconceito contra nordestinos

Mittwoch, 7. Juli 2010

Wie das Donaudelta ruiniert wurde

Die Journalistin Alexandra Bogatu widmet in der "Romania Libera" ihren Kommentar dem Donaudelta. Sie bezieht sich auf den Forscher Marian Tudor vom Nationalinstitut für Forschung und Entwicklung des Donaudeltas, der festgestellt hat: "Es ist das einzige Delta der Welt, das zum Biospährenreservat erklärt wurde.... es steht an dritter Stelle in der Welt in der wissenschaftlichen Bedeutung, nach der grossen Great Barrier Riff in Australien und den Galapagos Inseln bei Ecuardor." Und nun stellt sie fest: "Warum haben die Menschen aus dem Delta Staub und Pulver gemacht? Zwischen den Jahren 1950 und 1990 wurde in einer konzertierten Aktion das Delta einer irrationalen Ausbeutung unterworfen, deren Auswirkungen heute noch zu sehen sind und die wir noch lange sehen werden.

Alexandru Bogatu erklärt uns dann, wie das Delta ruiniert wurde. Die Zerstörung lief in 3 Stufen ab. Es begann mit der Nutzung des Schilfs. Dieser Rohstoff wurde unerbittlich ausgebeutet. In Periprava wurde ein Lager für politische Gefangene als Erntearbeiter eingerichtet, wo viele auf Grund der harten Arbeit und unmenschlichen Lebensbedingungen ihr Leben verloren. In Chişcani bei Brăila wurde ein Papierkombinat gebaut, in der das Schilf verwertet wurde. Für die Ernte des Schilfs wurden Spezialgeräte gebaut. Dies waren Maschinen auf Raupen, die die Schilfwurzeln zerstörten mit Folgen für weitere Ernten. Damit wurden auch die Nistplätze der Vögel zerstört. Nachdem der Rohstoff nicht mehr vorhanden war geriet das Papierkombinat in eine Krise.

Die zweite Stufe begann mit der Einführung der Fischzucht. Um die Ernte zu vereinfachen, wurden künstliche Deiche gebaut. Bis es keine Fische mehr gab! Dadurch wurden die natürlichen Zuflüsse zerstört und gleich damit die Unterwasserkultur. Folge war, dass die Bevölkerung drastische Einkommensverluste hatte, da sie auf den Fischfang angewiesen war.

Die dritte Stufe begann als man das Delta für die Landwirtschaft nutzen wollte. Immense Feutgebiete wurden für eine intensive Landwirtschaft trockengelegt. Das Resultat war eine Katastrophe. Weitflächige Nistgebiete für Vögel wurden zerstört. Die Fischproduktion fiel endgültig gegen Null und die landwirtschaftliche Nutzung brachte nicht das, was man von ihr erwartet hatte. Das Delta war innerhalb kürzester Zeit nur noch ein Schatten früherer Zeiten.

Nach 1990 hat sich das geändert. Viele interessierte Menschen haben das Sterben des Deltas begriffen und sich zu Gegenmassnahmen zusammengetan. Es wurde internationale Hilfe erbeten und die neuen Projekte haben mit hohem Aufwand für Veränderung gesorgt. An den Orten Babina, Cernovca, Fortuna können die ersten Veränderungen gespürt werden. Viele Gebiete wurden unter besonderen Schutz gestellt und wo es eine wirtschaftliche Nutzung gibt, strenge Kontrollen vorgesehen. Es bleibt die Hoffnung, dass das Delta sich wieder zu dieser wunderbaren Welt entwickelt, das es einmal war.

Man möchte hinzufügen: Und dass die Menschheit lernt, dass die Zerstörung unserer Naturschätze auch die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen bedeutet.

Siehe auch Blogbeitrag: Verdursten im Donaudelta

Informationsquelle: Romania Libera, Dunăre, Dunăre, drum fără pulbere

Dienstag, 6. Juli 2010

Das nervt die Bewohner Barcelonas

Unter der Telefonnummer 092 der städtischen Polizei (Guardia Urbana) können die Bewohner Barcelona ihren Ärger loswerden und sagen, was sie in der Stadt stört. Die Nummer wurde 2006 eingerichtet und seither wurde der Eingang von 439.620 Anzeigen registriert.

Spitzenreiter bei den Beschwerden in den ersten 5 Monaten dieses Jahres ist der Lärm. Er verhindert, dass viele Barceloneser ruhig schlafen können. In einer anderen Untersuchung liegt der Lärm als Ärgerquelle nur an 2. Stelle. Hier ist es der Müll in der Stadt, der auf's Gemüt geht, gefolgt vom Lärm. Danach folgen Hundeexkremente auf öffentlichen Flächen und das Fehlen von Erziehung. Nicht so ärgerlich empfinden sie die Hausiererei, aufdringliches Betteln und Trickbetrüger.

Solche Ordnungswidrigkeiten werden mit Gedbussen bestraft. Eine gute Einnahmequelle für die Stadt ist die Strafe wegen Urinierens auf der Strasse, hier hat die Stadtpolizei 33.826 mal zugeschlagen und damit ungefähr 10 Millionen Euro eingenommen. Wegen Hausiererei gab es 172.843 Anzeigen, die den Angezeigten jeweils eine Strafe von 500 Euro einbrachten.

Informationsquelle: El Pais, El ruido, lo que más denuncian los barceloneses

Sonntag, 4. Juli 2010

Über die Meerenge von Gibraltar in 7 Minuten

Die andalusische Stadt Algeciras und die spanische Exklave Ceuta auf afrikanischem Boden verfügen seit neuestem über eine regelmässige Hubschrauberverbindung, die beide Orte über die Meerenge von Gibraltar, den "Estrecho", verbindet. Der Hubschrauberlandeplatz in Algeciras wurde heute vom Minister für Infrastruktur, José Blanco, eingeweiht. Damit soll der Tourismus in der Meerenge gefördert werden. Blanco erklärte: "Es handelt sich um eine Infrastrukturmassnahme, die Algeciras mehr öffnet und wettbewerbsfähiger macht".

Der erste Flug startete gestern vom neuen Landeplatz. Der reguläre Flugverkehr wird am 15. Juli beginnen. Es sind 14 Flüge werktäglich hin- und zurück vorgesehen und am Wochenende 6 Flüge. Die Dauer des Fluges wird etwa 7 Minuten betragen und wird einfach 50 Euro und hin- und zurück 80 Euro kosten. Die Linie wird von der Gesellschaft Inaer betrieben. Sie rechnet mit jährlich 22.000 Passagieren.

Blanco lobte die neuen Verbindung als ein zusätzliches Angebot zum Fährverkehr zwischen Ceuta und Algeciras. Damit würde auch eine Alternative geschaffen, wenn bei schlechtem Wetter die Fähren nicht fahren könnten. Es sei beabsichtigt die Infrastruktur für die Provinz Cádiz weiterhin zu verbessern, indem die Eisenbahnverbindung zum Hafen von Algeciras weiter ausgebaut würden und eine zweite Brücke über die Bucht von Cádiz gebaut werde.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, Fomento potencia el desarrollo del Estrecho con un helipuerto que conecta Algeciras y Ceuta

Samstag, 3. Juli 2010

Argentinien am Boden zerstört und Maradona ohne Hilfe Gottes

Die Fussball-WM hat erneut ein lateinamerikanisches Opfer. Diesmal sind es die hoch eingeschätzten Argentinier. Die Zeitung Clarín aus Buenos Aires schreibt: "Die "Selección" wurde bei der Weltmeisterschaft gedemütigt. Deutschland schlug Argentinien mit einem Kantersieg von 4:0 Toren mit einer intelligenten Spielanlage. Die argentinische Mannschaft bekam schon nach 3 Minuten ein Tor und hatte nie eine Antwort. Sie verlor die Gelegenheit, nach 20 Jahren wieder einmal in ein Halbfinale zu kommen."

Der Sturz könnte nicht grösser sein. Vom hohen Favoritensockel ins Nichts. Vor dem Spiel schrieb der Blog "Argentina Mundial Sudáfrica 2010", dass 75% der Argentinier überzeugt sind, dass ihre Mannschaft ins Finale kommt und immerhin 67% glaubten, dass sie Weltmeister wird. Was Wunder, dass die ersten Kommentare schreiben "Deutschland beendet den argentinischen Traum".

Trainer Maradona hatte vor dem Spiel noch erklärt, dass er seinen Spieler gesagt habe, sie müssten auf dem Fussballplatz um ihr Leben kämpfen. Und das, weil es ein Land gebe, das seit langer Zeit keine Freude mehr gehabt hätte und grosse Träume habe. Sie müssten die Deutschen laufen lassen, ohne dass diese an den Ball kämen. Ansonsten ist er ja bekannt, dass er meint, einen guten Draht zum Allmächtigen zu haben. Vielleicht wollte der diesen knutschenden und Rosenkranz schwenkenden Altfussballer loswerden. Als schlechter Verlierer legte der legte sich derweil nach dem Spiel mit deutschen Fussballanhängern an, die er beleidigte und beschimpfte. Er musste von seiner Tochter Dalma davon abgehalten werden, tätlich zu werden.

Was meinen die argentinischen Leser:
"Die Niederlage. Pelé ist besser als Maradona!"
"Vorwärts, vorwärts Deutschland!!! Damit kein Zweifel bleibt, dass der dicke Trainer, abgesehen davon, dass er ein Kokainschnüffler ist, in strategischen Fragen ein Esel ist!"
Und hier noch ein volle Breitseite, die zeigt, dass harte Zeiten auf Trainer Maradona zukommen:
"Ich hoffe nur, dass Spanien diese Nacht durchkommt. Die hispanische Rache käme recht gegen Deutschland. Ich lebe in diesem Land, Spanien, bin Argentinier und ich schäme mich, wenn ich den "mister" reden höre. ER REPRÄSENTIERT UNS NICHT, klar. Er hat fast alles, was der argentinische Sport nicht hat und es ist so, dass dieser Depp uns ausserhalb des Vaterlandes das verkauft: Schlechte Erziehung, Rüpelhaftigkeit und schlechtes Benehmen. Was bleibt ist nur seine fussballerische Qualität, die er einmal hatte."

Also, harte Zeiten für die "Hand Gottes"!

Die Todesstrasse von Szeged nach Temesvar

Eine Autostrasse mit einer breiten "Blutspur", die E68, zieht sich von der südungarischen Stadt Szeged über den Grenzkontrollpunkt Nadlac nach Rumänien. Von dort führt die Strasse über Arad nach Timişoara (Temesvar). Es vergeht kaum ein Tag, an dem die rumänische Presse nicht von schlimmen Unfällen auf dieser Strecke berichtet. Die E68 ist auch die Strasse der rumänischen Gastarbeiter in den westeuropäischen Ländern, die es im Sommer sehr eilig haben, die Ferien zu Hause in Rumänien zu verbringen. Die Eile bezahlen sie oft mit dem Leben.

Von Arad zweigt die Strasse Richtung der Hauptstadt des Banates, Timişoara (Temesvar), ab. Auch diese Verbindung hat den traurigen Ruf einer "Todesstrasse". Gerade heute morgen kam es wieder zu einem Unfall in der Nähe der Ortschaft Biled, der aber relativ glimpflich ausging. Ein Kleinbus mit Rumäninnen, die in Österreich als Altenpflegerinnen arbeiteten, kam in einer Kurve von der Strasse ab und überschlug sich mehrfach. Von den 6 Frauen und dem Fahrer wurde nur eine Frau schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei war der Fahrer mit Vollgas in die Kurve gegangen. Kurze Zeit darauf verunglückte ein Kleinbus nicht unweit von Biled, in dem sich 10 Personen befanden. Alle Passagiere mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Diesmal war der Grund für den Unfall technische Probleme am Fahrzeug.

Der Grund ist auch vielfach mangelnde Verkehrserziehung und -disziplin der rumänischen Autofahrer. "Überhöhte Geschwindigkeit, verkehrswidriges Überholen und Unaufmerksamkeit beim Fahren" sind nach Erkenntnissen der rumänischen Polizei die Hauptursache für die vielen Unfälle. Die Rumänen fehlt das Bewusstsein, das hohe Geschwindigkeit auch hohe Gefahr bedeutet. Inzwischen besitzen sie schnelle Autos, von denen sie glauben, dass sie auch schnell gefahren werden müssen. Nur, die Strassen sind diesem Anspruch überhaupt nicht gewachsen.

Siehe auch Blogbeitrag: Das Blutbad von Scanteia oder wenn Bus-Taxis aufs Gas drücken

Informationsquelle: Adevarul,
Un microbuz cu femei, care îngrijeau bătrâni în Austria, s-a răsturnat pe "şoseaua morţii"

Freitag, 2. Juli 2010

Deprimierte Brasilianer

Aus mit dem Traum von der "Hexa" bei der Fussball-WM. Die Niederlande rissen die Brasilianer aus ihren Träumen. Ein Spieler ist bereits Zielscheibe der Kritik brasilianischer Medien: Der Torwart Julio César - "einen Fehler gibt er zu. Und die andern?" - fragt Jornal do Brasil. "Und die Orange presste Brasilien aus. Hexa jetzt 2014" meint der Diario de Pernambuco. Blogger Cassio Zirpoli sieht es so: "Wir haben alle gekämpft.... Wir haben alle verloren. Hexa wir kommen 2014!".

In São Paulo berichtet bereits "Folha de São Paulo", dass Trainer Dunga die Mannschaft nicht mehr trainieren wird. Leser der Folha Online dürfen ihren Frust loslassen und das geht dann so: "Brasilien ist ohne Bedeutung... Ich bin von Corinthians!!! Ich scheisse auf Brasilien" oder "Unsere Mannschaft ist nun einmal so... es sah aus wie der Bürokratenfussball von 2006". Einer bekommt bei diesen Kommentraren einen dicken Hals und schreibt angewidert: "Eine Sache verstehe ich nicht ..... warum wohnen diese Anhänger, die gegen unsere Mannschaft sind, in Brasilien???? Wenn's ihnen hier nicht gefällt, dann raus mit ihnen".

In Südbrasilien berichtet der "Diario Catarinense" von traurigen Anhängern in Florianópolis unter dem Titel "Trauer in Hauptstadt als Brasilien ausscheidet", um dann hinzu zu setzen "es waren traurige Gesichter. Aber es fehlte dann nicht die traditionnelle Hexenjagd. Alle suchten Schuldige für das Versagen der Seleção".

In der Amazonas-Hauptstadt Manaus strömte das Volk auf die grossen Plätze der Stadt, um gemeinsam das Spiel anzusehen. Entsetzte Gesichter und Tränen nach dem Spiel.

Die Cariocas sind sauer. Das bekam der holländische Konsul zu spüren, der in einem Hotel im Stadtteil Leme von Rio de Janeiro den Sieg seiner Mannschaft feierte. Er wurde von einem Feuerwerk getroffen und erlitt Verbrennungen. Statt ihr Feuerwerk in die Luft zu schiessen, feuern die enttäuschten Anhänger ihre Raketen horizontal ab.

Donnerstag, 1. Juli 2010

Ist Torwart Bruno ein Mörder?

Bruno, 25 Jahre alt, ist Torwart des brasilianischen Clubs Flamengo von Rio de Janeiro. Er hatte eine Geliebte namens Eliza. Eliza wurde von ihm schwanger. Dies gefiel ihm gar nicht und deshalb wollte er seine Geliebte zur Abtreibung zwingen. Im Oktober des vergangenen Jahres wurde sie von Bruno bedrängt. Er wollte, dass sie in seinen Porsche Cayenne steige. Nachdem sie dies nach einigem Zögern getan hatte, erschienen 3 Freunde des Fussballspielers beim Auto und einer übergab Bruno eine Waffe, mit der er Eliza bedrohte. Bruno und seine 3 sauberen Freunde wollten sie dazu zwingen, die verbotene Abtreibungspille Citotec zu nehmen. Nachdem sie die 4 aber überzeugen konnte, dass die Pille nach 4 Monaten keine Wirkung mehr habe, wurde sie freigelassen, nachdem sie zugesichert hatte, noch in der gleichen Woche die Abtreibung in einer Klinik vornehmen zu lassen. Statt in die Klinik ging sie am nächsten Tag zur Polizei. Bruno hatte ihr mit den Worten "wenn ich dich umbringe und irgendwo vergrabe, werden sie dich nicht finden" gedroht. Nach der Geburt des Kindes verklagte Eliza Bruno auf Anerkennung der Vaterschaft.

Seit Anfang Juni dieses Jahres ist Eliza tatsächlich verschwunden. Zuletzt hatte sie Eltern und Freunden gesagt, dass sie mit ihrem Kind auf Einladung von Bruno nach Minas Gerais gehen werde. Inzwischen verdichten sich immer mehr die Indizien, dass sie von Bruno umgebracht wurde. Auch seine Familie scheint in das Verschwinden von Eliza involviert. Seine derzeitige Ehefrau wurde verhaftet, nachdem der 4 Monate alte Sohn von Eliza und Bruno, genannt "Bruninho", in der Wohnung einer Freundin der Ehefrau gefunden wurde. Das Kind war ihr von Bruno zur Obhut übergeben worden, weil Eliza das Kind verlassen habe. Den Tipp für den Verbleib des Kindes bekam die Polizei von einem Freund von Bruno.

Inzwischen hat die Polizei im Fahrzeug von Bruno, einem Land Rover, der nach dem Verschwinden von Eliza beschlagnahmt wurde, Blutspuren gefunden. Bei einer erneuten Hausdurchsuchung wurde ein Rock und ein Flugschein gefunden. Die Polizei geht inzwischen von der Hypthese aus, dass die junge Frau auf dem Grundstück von Bruno umgebracht wurde.

Bruno leugnet die Tat. Sein Club, Flamengo, hat ihn zwischenzeitlich supendiert. Brasilien ist entsetzt, ob der sich abzeichnenden skrupellosen Tat des Torwarts.

Informationsquelle: Veja, Encontrado sangue em sítio e carro de Bruno