Mittwoch, 30. Juni 2010

Sauberes Wasser für Rumänen in weiter Ferne

Der Leiter der rumänischen Wasserverwaltung (Apele Române) Teodor Lucian Constantinescu hat in einem Interview mit der Zeitung "Adevarul" ein tristes Bild der Wasserüberwachung und- aufbereitung in Rumänien gezeichnet. Nach seiner Ansicht erreichen 40% des rumänischen Trinkwassers nicht die von der EU geforderte Qualität. Kläranlagen gibt es so gut wie keine in Rumänien. Und was im Moment noch viel mehr fehlt, ist das Geld, um diesen Zustand zu beheben.

"Alles, was in die Toilette geht, landet in Bukarest ungeklärt in der Dâmboviţa", berichtet Constantinescu über die Abwasserbehandlung in der rumänischen Hauptstadt. Bukarest habe bis heute noch keine Kläranlage. Die Erste wird zur Zeit gebaut. Die Kosten sind immens. In der ersten Bauphase sind bereits 100 Millionen Euro verbaut worden, für die zweite Phase schätzt man die Kosten auf 400 Millionen Euro.

68% der Rumänen haben einen Wasseranschluss, aber nur 53% sind an die Kanalisation angeschlossen. Wenn alle an die Kanalisation angeschlossen werden müssen, schätzt Constantinescu die Kosten auf 30 bis 40 Milliarden Euro.

Ein anderes Thema ist die Überwachung der Wasserqualität. Viele Gewässer sind verschmutzt. Die Überwachung ist eingeschränkt, weil keine Geld für Analyselabors vorhanden ist. Die Verschmutzung des Trinkwassers ist schleichend und schwer zu beschreiben. Auf dem Land gelangen Pestizide und Dünger ins Wasser. Es gibt keine Aufbereitungsanlagen. Die Prüfung der Wasserqualität wird nur gelegentlich vorgenommen, während in westeuropäischen Ländern eine laufende Überprüfung erfolge.

Bis 2015 müsse das Trinkwasser nach Vorgaben der EU einen zufriedenstellende Qualität erreichen. Constantinescu glaubt nicht, dass Rumänien dieses Ziel bis dann erreichen werde. Sein Unternehmen habe zwar Pläne ausgearbeitet, aber die Realisierung scheitere an den fehlenden Mitteln. Bis dahin müsse die Bevölkerung umweltbewusster bei der Müllentsorgung werden.

Constantinescu trinkt das Wasser vom Wasserhahn, aber benutzt mehrere Filter, auch wenn er unterwegs ist. Die Wasserleitungen in Rumänien seien sehr alt. Sie enthielten Rost und Bakterien. Wenn es einen Wasserrohrbruch gäbe, gelange der ganze Dreck ungefiltert in die Leitungen. In den früheren Erdölfördergebieten um Ploiesti sei das Wasser hochgradig mit Erdöl verseucht. In Westrumänien ist das Wasser mit Arsen vergiftet. Der Anteil liegt um das Vierfache über internationalen Grenzwerten.

Informationsquelle: Adevarul, Şef la Apele Române: "40% din ape nu ating calitatea cerută de UE / Tot ce se aruncă acum la WC ajunge netratat în Dâmboviţa" und Arsen în apa potabilă din vestul României: concentraţia depăşeşte de 10 ori limita internaţională

Dienstag, 29. Juni 2010

Katalanen ohne Nation treibt es auf die Strasse

Der spanische Verfassungsgerichtshof in Madrid hat gestern die im Jahr 2006 per Referendum von Katalonien in Kraft gesetzte Landesverfassung, das "Estatut", in einigen Teilen für verfassungswidrig erklärt. Der Gerichtshof bezieht sich vor allem auf die Artikel des "Estatuts", in denen die katalanische Sprache zur Amtssprache für Katalonien erklärt wurde. Insbesondere wurde auch die Präambel des "Estatuts" beanstandet, die Katalonien als eine Nation definiert. Diese Aussage entfaltet nach Ansicht des Verfassungsgerichtshof keinerlei rechtliche Wirkungen.

Obwohl der genaue Wortlaut des Urteil erst in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll, schlagen die Wogen in Barcelona hoch. José Montilla, der Präsident der katalanischen Landesregierung, der "Generalitat", zeigte sich indigniert bezüglich des Urteils. Nicht nur dessen Wortlaut, sondern auch die Art des Zustandeskommens habe ihn irritiert, erklärte er. Dem Urteil war ein monatelanger Kampf zwischen progressiven und konservativen Richtern im Verfassungsgericht vorausgegangen. Er rief die Katalanen zu Protestdemonstrationen auf.

Aus diesem Grund wird am 10. Juli in Barcelona eine grosse Demonstration unter dem Motto "Nosaltres decidim, som una nació" (Wir entscheiden, wir sind eine Nation) stattfinden, zu der alle katalanischen Parteien, Gewerkschaften und soziale Gruppierungen aufgerufen haben. Die Veranstalter haben erklärt, dass die Entscheidung des Verfassungsgerichts eine Aggression gegen das katalanische Volk bedeute.

Siehe auch Blogbeitrag: Brüssel lernt die Katalanen kennen

Informationsquelle: El Pais, El Constitucional aprueba un recorte moderado que permite aplicar el Estatuto und La Vanguardia, 'Nosaltres decidim, som una nació' será el lema de la marcha del 10 de julio

Bild: Die katalanische Partei ERC will Spanien jetzt "Auf Wiedersehen" (adeu) sagen

Sonntag, 20. Juni 2010

Häufiges Fasten hilft der Pilzwirtschaft

"Rumänien ist eines der besten Produktionsländer für Pilzzüchter. Und das deswegen, weil die Religion den Rumänen häufiges und langes Fasten vorschreibt", erklärt ein amerikanischer Finanzberater. Diese Erkenntnis führt dazu, dass es einem rumänischen Landkreis recht gut geht. Dort wurde die Nische gefunden, die auch in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen ein gutes Einkommen möglich macht.

Es ist dies der Landkreis (Judetz) Sălaj in Siebenbürgen, im Nordwesten Rumäniens. Vor der Wirtschaftskrise galt er als einer der ärmsten rumänischen Landkreise in Siebenbürgen. Das hat sich geändert. Die Landwirte in dieser Region haben eine Nische gefunden, die ihnen zu einem guten Einkommen verhilft. Inzwischen ist die Region der grösste Produzent von Büffelmilch und Pilzen in Rumänien. Unterstützt wurden sie von Beratern. Einer von ihnen, Cristian Terza, ein Rumäne, der jetzt in Washington lebt, ist für die eingangs erwähnte Erklärung verantwortlich. Er ergänzte die Erkenntnis über die Vorteile der Pilzzucht durch von der Kirche verordnetes Fasten noch damit, dass Pilze der beliebteste Fleischersatz in den Fastenwochen sei.

Die Pilz-Landwirte haben sich vor allem auf Champignon und Austernpilze (Pleurotus) spezialisiert. Die Hauptstad der Pilze ist Nuşfalău. Allein dort produziert die Firma Boglar Champ jährlich 1.000 Tonnen Pilze. Viele Arbeiter, die in dieser Firma gearbeitet hatten, waren der Ansicht, dass sie die Pilze auch selbst produzieren könnten. Inzwischen gibt es in Nuşfalău über 50 Pilzzuchtbetriebe. Sălaj ist ein sehr bewaldeter Landkreis mit hohen Bergen. Er ist nicht geeignet für den Anbau von Korn. Früher waren es vor allem Kartoffel und Äpfel, die für ein Einkommen sorgten, jetzt hat man ber die Pilze entdeckt. Entscheidend für das Aufblühen dieses Wirtschaftszweiges ist aber auch ein gutes Marketing. Die Produzenten haben Lieferverträge mit den grossen rumänischen Supermarkt-Ketten Billa, Kaufland und Metro abgeschlossen.

Drei Gründe haben die Bewohner von Sălaj für die Pilzproduktion gewonnen: 1. Es ist viel leichter Pilze zu züchten und ernten als z.B. der Anbau von Tomaten oder Gurken. 2. Der Anbau der Pilze ist viel billiger und bringt weniger Risiken mit sich als der Gemüseanbau. 3. Bei Pilzen sind 4 bis 5 Ernten im Jahr möglich. Bei gutgepflegten Anlagen ist pro Quadratmeter ein Ernte von 100 kg Pilzen im Jahr möglich.

Traiasca ciuperci! Es lebe hoch der Pilz!

Informationsquelle: Romania Libera, Afacerile cu ciuperci au învins criza

Samstag, 19. Juni 2010

Ein Priester sieht rot

Father Stephen Dunn von der katholischen Pfarrei Sacred Heart of Jesus (Herz Jesu) im Osten von Glasgow ist auf den Barrikaden. Nachdem Vandalen seine frisch renovierte Kirche attackiert und beschädigt haben, ist er ausser sich. Die Vandalen hatten die neuen Kirchenfenster eingeworfen und mit Luftpistolen beschossen. Und das, nachdem die Renovierung anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Kirche mit einem grossen Gottesdienst zusammen mit dem Erzbischof von Glasgow, Mario Conti, gefeiert worden war.

Seinen Frust lässt er vor den Glasgower Medien ab: "Das ist ganz klar eine sektiererische anti-katholische Tat. Diese Fenster haben wir extra für die Jubiläumsfeier geputzt. Ich selbst und einige Pfarreimitglieder haben die Geländer mit Bürsten gereinigt und wir wurden dabei schon von Hooligans, die zwischen 12 und 16 Jahren alt waren beschimpft und beleidigt. Es ist schade, wenn unsere Gemeinschaft versucht, das Beste zu tun und du hast diese Kiminellen, die versuchen dich zu beleidigen und zu ärgern. Wir sollen in 4 Jahren eine angenehme Stadt sein, weil hier dann die Commonwealth Spiele stattfinden werden. Aber du würdest doch nicht einmal ein Tier hierher lassen, weil du Angst um sein Leben hättest. Schottlands Premierminister Alex Salmond sagt, er will das Sektierertum ausrotten, aber ich sehe keinerlei Wechsel. Ich bin sehr verärgert, dass man diesen Leuten erlaubt, straffrei Kircheneigentum zu beschädigen. Wegen des Europäischen Gesetzes für Menschenrechte kann ich sie nicht davon abhalten, bin ich nicht berechtigt das Pfarreigentum zu verteidigen. Das einzige, was ich tun kann, ist die Polizei rufen."

Father Dunn wollte das auch schon einmal anders lösen. Er nahm einen Jugendlichen, der die Kirche beschädigen wollte, in den Schwitzkasten und hielt ihn fest, bis die Polizei kam. Er wurde damals wegen eines Überfalls angezeigt, der Fall ging an die Staatsanwaltschaft, es kam aber zu keinem Verfahren. Dunn ist seit 2004 Pfarrer in dieser Gemeinde. Er sagt, dass 10 Tage nach seinem Amtsantritt, die Beschimpfungen begannen. Sein Vorgänger soll die Pfarrei verlassen haben, weil der die Beleidigungen nicht mehr ertragen konnte.

Dunn will aber durchhalten. Die Strathclyde Polizei erklärt zu dem Vorfall: "Wir behandeln das als Vandalismus und die Untersuchungen dauern an."

Informationsquelle: The Herald Scotland, Fury over sectarian vandalism at church

Freitag, 18. Juni 2010

Parkhaus bringt Wohnungen ins Wanken

Bewohner von mehreren Wohnblocks des Stadtteils Macarena von Sevilla machten die unangenehme Erfahrung, dass ihrer Wohnungenplötzlich Risse bekamen. Begonnen hatte das etwa vor 2 Jahren. Zum Entsetzen der Bewohner wurden die kleinen Risse immer grösser. Das Entsetzen war besonders gross als in diesen Tagen die Risse sozusagen im Schnellzugtempo wuchsen und in einigen Wohnungen schon Löcher sich breit machten, in die man sogar "einen Kopf reinstecken" konnte.

Nicht genug damit: Auf der neben den Wohnblocks befindlichen Baustelle für ein Parkhaus stand schon seit Jahren ein Kran. Der begann sich langsam aber sicher in Richtung Wohnblocks zu neigen. Die Bewohner packte nun das ganze Entsetzen und sie alarmierten die Feuerwehr. Nun wachten die Behörden endlich auf, die schon mehrfach von den Bewohnern auf die Probleme der Blocks aufmerksam gemacht worden waren. Heute Nacht begann man mit dem Versuch, den Kran zu stabilisieren. Gestern wurden 80 Familien evakuiert. Sie durften nichts mitnehmen, sogar die Haustiere mussten sie zu Hause lassen.

Am 12. Dezember 2007 begann man mit dem Bau des Parkhauses, auf das die Fachschule für das Personal der Krankenpflege draufgesetzt werden sollte. Nach 2 Jahren macht die ausführende Firma Bankrott. Im November 2008 beklagten sich Anwohner bereits über die Risse in den Wohnungen. Während 16 Monaten tat sich in der Bauruine nichts mehr, aber durch die heftigen Regenfälle im Winter sammelte sich immer mehr Wasser im Rohbau. Die Anwohner wiesen die Stadtbehörden bereits im März daraufhin, dass das Wasser auf dem Gelände bis zu 2 Meter hoch stand. Zu diesem Zeitpunkt befürchteten sie deswegen aber eher eine Mückenplage im Sommer. Die Stadtverwaltung informierte die Universität als Bauherrn und diese erklärte, "man habe alles unter Kontrolle".

Nach einer erneuten Ausschreibung der Arbeiten begann vor einem Monat eine neue Firma mit dem Weiterbau und damit begannen die Risse in den Wohnungen das Tempo zu beschleunigen. Heute morgen um 2:30 Uhr rückten dann die Spezialisten an, nachdem die Bewohner über die Notrufnummer 112 wegen des sich vor ihnen verneigenden Krans Alarm geschlagen hatten. Kran und Risse, das war dann doch zuviel. Ein Feuerwehrmann berichtete: "Es gab mehrere Bewohner, die in ihren Wohnung eingeschlossen waren, weil die Türen verklemmt waren. Die Türen mussten mit Brechstangen geöffnet werden". Die Evakuierung begann, die Polizei riegelte das Viertel ab. Um 6 Uhr heute Morgen wurde verkündet, dass der Kran stabilisiert werden konnte.

Die Familien stehen auf den Strassen und wissen nicht, wie es weitergehen wird. Die Suche nach den Schuldigen hat begonnen. Es wird einiges aufzuklären sein!

Informationsquelle: Diario de Sevilla, Cuarenta familias siguen fuera de sus viviendas en la Macarena und Crónica de una noche interminable

Donnerstag, 17. Juni 2010

Rabiate Methode zur Behandlung hyperaktiver Kinder

Im Bundesdistrikt von Brasilien hat eine Lehrerin ein 10-jähriges Kind an den Stuhl gebunden und ihm den Mund mit Tesafilm zugeklebt. Eine Kollegin beobachtete diese Erziehungsmassnahme und alarmierte die Schulleitung, die wiederum die Mutter alarmierte. Die Mutter des Kindes rief die Polizei. Diese stellte fest, dass das Kind tatsächlich auf die vorgenannte Art behandelt wurde. Die Lehrerin wurde wegen Misshandlung und Nötigung festgenommen und verhört. Sie gibt an, dass sie das hyperaktive Kind auf diese Art ruhig gestellt habe, damit es den Unterricht nicht störe.

Brasilianische Studien gehen davon aus, dass 3 bis 5% der brasilianischen Kinder dieses Phänomen anzeigen. Es ist ein Zusammenhang zwischen Konzentrationsschwierigkeiten auf der einen Seite und Verhaltensstörungen oder aggressivem Verhalten auf der anderen Seite zu beobachten. Diesen Zusammenhang gibt es in Brasilien bei 47,8% der untersuchten Kinder. Hyperaktive Kinder sind oft auch depressiv oder leiden an Ängsten und Lernstörungen. Unter den Jugendlichen mit Konzentrationsstörungen gibt es eine höhere Tendez zum Dorgenkonsum, vor allem wenn sie erwachsen werden. Zwischen Verhaltensstörungen in der Kindheit und Drogenmissbrauch als Erwachsene wird ein Zusammenhang gesehen.

Informationsquelle: Jornal do Brasil, DF: professora é autuada por amarrar e tapar boca de criança und Piscosite, Transtornos de Défict de Atenção com Hiperatividade

Mittwoch, 16. Juni 2010

Unterirdisches Wunderwerk dank des Diktators Wahnvorstellungen

"Ich war zweimal im Wasserkraftwerk. Es ist ungeheuer beeindruckend. Abgesehen von den ernormen Kosten ist das Kraftwerk wichtig für Transsilvanien". Dies erklärt der beigeordnete Regionalkommissar für Umwelt der Region Cluj / Klausenburg. Es geht um das Wasserkraftwerk Mărişel im Apuseni-Gebirge, das von Nicolae Ceausescu in seiner megalomanen Phase mit den Selbstversorgungswahnvorstellungen vor 34 Jahren unterirdisch in die Höhlen des Berges bei Mărişel gebaut wurde.

Dieses Kraftwerk sollte im Falle von kriegerischen Auseindandersetzungen die Fabriken in Transilvanien mit Strom versorgen. Es liegt in einer künstlich geschaffenen Höhle eingepasst in das Felsgestein des Berges. Damit auch gar nichts schief geht, falls böse Feinde zum Bombardement Rumäniens übergehen, wurde das Wasserkraftwerk als strategisches Geheimnis gehütet und der Öffentlichkeit bis heute der Zutritt verwehrt. Jetzt durften es erstmals Reporter der Zeitung "Romania Libera" besuchen.

Das unterirdische Kraftwerk ist in der Lage eine Leistung von 220 Megawatte zu erbringen. Die produzierte Menge an elektrischer Energie reicht, um 10 Stalhlwerke zu versorgen oder man könnte damit auch ohne Probleme alle Städte Nord-Transilvaniens mit Licht versorgen. Das Kraftwerk nutzt das Wasser des Sees von Beliş, das in unterirdischen Kanälen zu den Turbinen geleitet wird. Die Anlage hat die Höhe eines zehnstöckigen Gebäudes. Der Zugang ist schwierig. Besucher müssen einen Tunnel von 1 km Länge bis zur Anlage passieren.

Da das Kraftwerk weiterhin vom Staat als ein strategisches Objekt betrachtet wird, ist es sehr schwierig eine Besuchsgenehmigung zu bekommen. Diejenigen, die es aber gesehen haben, sind äusserst beeindruckt. Ein gewisser Stolz ist auch dabei, denn die Anlage wurde nur von rumänischen Ingenieuren und Arbeitern konstruiert und gebaut. Da könnte man doch etwas daraus machen, meint der Bürgermeister von Mărişel. Er spricht sich für eine Öffnung aus, sieht aber auch die problematische Seite einer Öffnung: "Auf der einen Seite verstehe ich, dass die Menschen gerne dieses Wunderwerk der Ingenieurskunst sehen möchten, auf der anderen Seite gibt es ein grosses Risiko. Stellen sie sich vor, was passieren würde, wenn irgendein Verrrückter mit einer Bombe kommen würde, erklärte er.

Das Kraftwerk produziert inzwischen auch Elektrizität für das europäische Stromnetz. "Deswegen sind wir verpflichtet, die Leistung bei 70 Megawatt zu halten und das Kraftwerk zu unterhalten", erklärt der Leiter des Kraftwerks.

Informationsquelle: Romania Libera, Hidrocentrala de taină a lui Ceauşescu

Dienstag, 15. Juni 2010

Brasilien auf der Jagd nach der Hexa

Brasilien greift heute in die Fussballweltmeisterschaft in Südafrika ein. Ein Grund für die Brasilianer, auf die grosse Politik und sonstige Probleme zu verzichten und sich völlig dem Spiel mit dem Ball zuzuwenden. Schliesslich beginnt für sie heute der Kampf um die "Hexa", so nennen die Brasilianer, den "6." Weltmeistertitel im Fussball, den sie in Südafrika gewinnen wollen. 67% der Brasilianer sind auch überzeugt, dass ihre "Seleção" den 6. Titel holen wird.

Dafür verschiebt die Abgeordnetenkammer auch gerne mal eine Abstimmung über die Verteilung der Einkünfte aus dem Erdöl, damit die Abgeordneten ihren Fussballpflichten nachkommen können und in der Lage sind, das Spiel gegen Nordkorea später kommentieren zu können. Schliesslich besteht die brasilianische Mannschaft aus 192 Millionen Spielern. "Wir sind nicht nur eine Mannschaft / Seleção, sondern auch ein Land mit 192 Millionen Spielern. Ein Ort, wo der Fussball viel mehr ist als ein Sport. Heute um 15:30 Uhr brauchen wir gar nicht zu sagen, was passieren wird", schreibt der Diario de Pernambuco.

Blogger Josias de Souza von Folha Online, der sich eigentlich in erster Linie mit brasilianischer Politik beschäftigt, bemerkt schulterzuckend: "Versorgt mit einer täglichen Ration Fussball, interessiert sich Brasilien nicht mehr für etwas Anderes. Es interessiert mehr die Position der Mannschaften in der WM-Tabeille wie die Prognosen von Datafolha. Das trockene Geräusch der Schüsse mit dem Jabulani (WM-Ball) lässt die verbalen Trommeleien zwischen Serra und Dilma (Präsidentschaftskandidaten) als vage und weit entfernt erscheinen. Das ist für mich ein Grund für 2 Wochen den Mund zu halten. Ferien? Nicht eigentlich. Eine patriotische Mission lädt zum Verzicht darauf ein, sich zu verkriechen. Der Reporter wird sich dem Versuch einer Artikulierung auf dem 4. Wege widmen."

Am Amazonas wird von DM24 AM eine Verschwörungstheorie geboren: Die Deutschen spielen bei der Fussball-WM so gut, weil sie den Ball, den Jabulani, bereits bestens kennen. "Während einige den Jabulani schlecht reden, vor allem die Brasilianer, wissen die Deutschen genauestens, was sie mit ihm anfangen können. Man darf daran erinnern, dass der Jabulani von Adidas produziert wirde, einem multinationalen deutschen Unternehmen", schreibt DM24 AM, fügt aber noch hinzu, dass der Ball schon seit 2009 in der Bundesliga erprobt wurde.

Montag, 14. Juni 2010

Jagd auf reiche Rumänen eröffnet

Der Leiter der rumänischen Steuerverwaltung ANAF, Sorin Blejnar, bläst zur Jagd auf reiche Rumänen. Die miserable Haushaltslage verhilft ihm auch zur Unterstützung von seiten der Politik. Die Jagd soll in Form einer "Rasterfahndung" erfolgen. Ins Visier geraten vor allem Reiche, die mit Prestigesymbolen protzen, aber keine Steuern bezahlen. "Ich glaube, dass wir einige Hundert Personen identifizieren werden", erklärt Bejnar und präzisiert: "Das sind Leute mit einer Yacht, einem Ferrari und Eigentum weit über dem Normalen".

Mit Beginn des kommenden Jahres will die Steuerverwaltung nicht deklariertes Vermögen mit 16% besteuern. Auch an den Grundbesitz von Rumänen im Ausland soll herangegangen werden. Das dürfte zwar etwas schwierig werden, weil es diesbezüglich keine Statistiken gibt, aber die rumänische Steuerverwaltung hofft auf die Zusammenarbeit mit den anderen EU-Staaten. Als Beispiel führt er einen rumänischen Staatsbürger, der in Monaco Eigentum im Wert von 18 Millionen Euro hat, an. "Wenn sich herausstellt, dass er in Rumänien für das Vermögen Steuern bezahlt hat und dies nachweisen kann, passiert ihm nichts. Wenn sich aber herausstellt, dass er in Rumänien keinerlei wirtschaftliche Tätigkeit gemeldet hat, die ein solches Vermögen rechtfertigen, dann werden wir ihn genau überprüfen", erklärte Bejnar.

Rumänien plant inzwischen auch die Einführung einer Vermögenssteuer. Das neue Gesetz soll die Überprüfungs- und Kontrollkriterien festlegen. Ausgehen wird man vor allem von Rumänen, die im Luxus leben, denn "wir haben hier einen Widerspruch: Es gibt bei uns viele reiche Menschen, die keinerlei Einkünfte nachweisen können. Davon werden wir sicher einige Hundert finden", glaubt Bejnar. Dabei wolle man auch an das Bankgeheimnis herangehen. Die Regierung plane neue Gesetze, die deren Kontrolle ordne und erleichtere.

Was meinen die wirklich reichen Rumänen zu dieser Massnahme? Ioan Zapodeanu, der laut der Forbes-Liste ein Vermögen von 90 Millionen Euro haben soll erklärt: "Es ist völlig korrekt, dass man Steuern auch von denen einzieht, die sich verstecken. Es gibt zuviele Schlauberger, die im Mercedes herumfahren, sich in Nachtclubs herumtreiben und Sozialhilfe bekommen. Wenn sie krank werden, lassen sie sich in öffentlichen Krankenhäusern operieren und zahlen nichts an den Staat". Zapodeanu hat sein Geld mit Immobilien gemacht. Er meint aber, dass die geplanten 16% Steuern auf das nicht deklarierte Vermögen viel zu niedrig sei. Seiner Meinung nach sollten 50% genommen werden.

Ioan Niculae, dessen Vermögen auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt wird, ist da anderer Meinung. Seiner Ansicht nach werde ein solches Gesetz dafür sorgen, dass das Kapital flüchten werde. Er glaubt auch nicht, dass das Gesetz durchkommt. Sich selbst hält er für einen korrekten Steuerzahler. Er ist an mehreren Chemiekombinaten beteiligt und an Unternehmen im Landwirtschaftsbereich.

Der reichste Rumäne, Dinu Patriciu mit 2,2 Milliarden Euro, schlug eine Amnestie für verstecktes Vermögen vor. Diese Massnahme würde seiner Ansicht nach eine Menge Geld einbringen, wenn die Amnestierten dem Staat eine Steuer zwischen 3,5 und 7% ihres Vermögens zahlen würden.

Wohin flüchtet man mit dem Geld, wenn man eben doch keine Steuer zahlen will? Natürlich in die Schweiz, dem Freund der Steuerhinterzieher. Dorthin haben einige reiche Rumänen ihr Geld in Sicherheit gebracht. Betrüblich ist, dass sogar mindestens 2 Minister der rumänischen Regierung Nummernkonten in der Schweiz haben sollen, die sie der rumänischen Finanzverwaltung nicht angegeben haben. Einer davon soll der Wirtschaftsminister Adriean Videanu sein, der dies aber heftig bestreitet. Oben genannter Milliardär Dinu Patriciu behauptet, dass die Rumänen Konten im Wert von 18 Milliarden Euro in der Schweiz hätten.
Jetzt, wo der rumänische Staat fast pleite ist, hat der IWF seine Unterstützung nur zugesagt, wenn der Steuerbetrug energisch bekämpft wird. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, in denen man in Rumänien den Gewinnlern der "Revolution" und all denen, die sich in Selbstbereichung das Volksvermögen unter den Nagel gerissen haben, tatsächlich einmal die Daumenschrauben anziehen kann. Schliesslich war Steuerbetrug in diesem Land bisher ein Kavaliersdelikt und gegebenenfalls konnte man Probleme mit etwas Backschisch aus der Welt räumen.

Informationsquelle: Gandul, Fiscul caută să taxeze „câteva sute” de români bogaţi, care şi-au ascuns averile prin Europa

Sonntag, 13. Juni 2010

Spanien feiert silberne Hochzeit: Europa hat die Anstrengung gelohnt!

Vor 25 Jahren ist Spanien in die Europäische Union aufgenommen worden. Der damalige Ministerpräsident Felipe González äusserte sich heute im Rückblick darauf: "Heute Morgen hat mich ein Journalist gefragt, ob sich die Anstrengung gelohnt hat. Ja, sie hat sich gelohnt. Nach meiner Meinung waren es die 25 positivsten Jahre des Spaniens von heute".

Am 12. Juni 1985 zitterte man an diesem Tag noch, ob der restaurierte grosse Tisch, an dem die Beitrittsakte feierlich unterschrieben werden sollte, von den Handwerkern rechtzeitig geliefert würde. Er kam noch rechtzeitig und bewies, dass die Spanier zwar an ihrer Unpünktlichkeit noch hart zu arbeiten hatten, dass sie aber auch Meister der "paciencia", der Geduld nach dem Motto "alles wird Gut" waren. Spanien hatte an diesem Tag einen Wendepunkt in seiner Geschichte erreicht. Ein "glücklicher Geburtstag". Für viele Spanier waren in den Jahren von 1962 bis 1985 Europa das Land der Sehnsucht. Das galt für alle soziale Klassen Spaniens. Europa war die Chance, den Bürgerkrieg, die Diktatur und die autoritäre Gesellschaft zugunsten eines Projekts der Freiheit hinter sich zu lassen. Endlich konnte man dem Mief der Franco-Diktatur und der alles beherrschenden Krake der katholischen Kirche entrinnen. Die Gesetze zum Besseren wurden nun von der Gemeinschaft diktiert. Die damalige Regierung der Sozialisten von der PSOE bekam endlich den Rückenwind für Reformen.

Im Bewusstsein, dass Europa eines der wenigen Projekte ist, die alle politischen Kräfte Spaniens eint, erklärte der spanische König heute: "Wenn wir dank Europa vorangekommen sind und schwierige Momente überwunden haben, dann müssen wir jetzt für Europa zusammenstehen und ihm die Führungsrolle und die notwendigen Energien geben, damit es das Gewicht und die Stimme bekommt, die es braucht um die Herausforderungen und die Krisen unserer globalisierten Welt bewältigen zu können".

Joan Tapia, ehemaliger Redakteur der Zeitung "La Vanguardia" und Direktor des spanischen Fernsehens TVE in Katalonien, zieht in der in Barcelona erscheinenden Zeitung "El Periódico" unter dem Titel "Bittere silberne Hochzeit" folgendes Fazit: "25 Jahre sind vergangen. Heute wissen wir, dass Europa uns viel gegeben hat. Es hat moralisch verhindert, dass das Rad noch einmal zurück gedreht werden konnte. Das Verschwinden der Zollschranken machte die Unternehmen wettbewerbsfähiger. Und die Förderungen aus dem Kohäsionsfonds, die Felipe González erreichen konnte, hat die Infrastruktur des Landes total verwandelt. Aber das Wunder kam mit dem Euro. Die einheitliche Währung und mit ihr die erforderliche wirtschaftliche Disziplin beseitigten einen Flaschenhals der spanischen Wirtschaft: Die wirtschaftliche Expanison führte zu Inflation und diese wieder zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Um sie zu bekämpfen und die Peseta zu stärken, erhöhte die Bank von Spanien die Zinsen, was zuletzt zu einer Abwertung der Peseta führte. Mit dem Euro bestimmte die europäische Zentralbank die Geldpolitik und sie orientierte sich an der durchschnittlichen Inflationsrate aller EU-Länder. Seit damals ist Spanien sehr gewachsen. Jetzt am Ende des expansiven Zyklus (1993-2007) und obwohl die Inflationsrate gering ist, ist ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit zu korrigiern. In der EU der 27 sind wir nicht mehr ein Land unter dem Durchschnitt, das auf eine besondere Behandlung hoffen kann und wir müssen das Problem der Wettbewerbsfähigkeit angehen ohne abwerten zu können. .... Unser Problem ist die Umwandlung des Bausektors, aber in unserer Industrie ist die Produktivität sehr hoch und Spanien ist mit Deutschland eine der Exportnationen mit der grössten Dynamik. .... Die wirtschaftliche Perspektiven haben sich verdunkelt, die Arbeitslosigkeit ist von innerhalb von 2 Jahren von 8% auf 20% gestiegen. Deshalb wird die Korrektur sehr hart werden und da wir nicht mehr abwerten und damit unsere Schulden automatisch entwerten können, verwandelt sich Europa für uns vom Land der Verheissung in ein Internat der germanischen Disziplin. Europa ist nicht mehr eine Wette, bei der man immer gewinnt, sondern die Markierung, an der die Flexibilität und die Haushaltsdisziplin die Lebensgewohnheiten ändern können. .... Heute, in der schlimmsten Krise seit 1929 wird die einheitliche Währung nicht von einem mächtigen Staat geschützt, sondern von 27 Staaten mit unterschiedlicher Wirtschaftskultur. Das schlimme ist, dass die grossen europäischen Mächte - Deutschland und Frankreich - sich nicht einig sind. Aus verschiedenen Gründen sind sie weniger entschiedene Europäer wie Helmut Kohl und François Mitterrand in den 80er und 90er Jahren. Wir Spanier sind daran nicht schuld. Aber wir bezahlen dafür. Die Rechnung liegt jetzt auf dem Tisch und Europa verliert an Enthusiasmus. Aber ohne Europa wären wir schlechter dran. Das befreit uns aber nicht davon, erst einmal die Rechnung bezahlen zu müssen."

Informationsquelle: El Periódico, Bodas de plata amargas und El Pais, "Sí, Europa mereció la pena"

Samstag, 12. Juni 2010

Alt und vergessen unter der Sonne Andalusiens

Vor einigen Tagen wurde in Andalusien ein Skandal mit alten Menschen aufgedeckt. Es ging um ein illegales Altersheim in Carmona, in der Nähe von Sevilla, das von einem Ehepaar geführt wurde. In dem Altersheim befanden sich 14 alte Menschen, die mit Medikamenten vollgestopft und schlecht ernährt wurden. Auf Grund von Anzeigen aus der Bevölkerung kümmerte sich die Guardia Civil um den Fall. Zuvor waren bereits Inspektoren der andalusischen Landesverwaltung der Zutritt zum "Heim" von deren Verwaltern verboten worden.

Die Guardia Civil erlebte aber zuerst einmal eine Überraschung, denn als sie das "sogenannte" Altersheim untersuchen wollte, war niemand mehr da. Die Inhaber des Altersheims, die bereits einmal mit einem anderen illegalen Altersheim in das Visier der Ermittler geraten waren, hatten Lunte gerochen und die alten Menschen in ein Haus in dem Dorf La Rinconada, auch in der Nähe von Sevilla, verlegt. Die Guadia Civil konnte aber bald die neue Residenz ausfindig machen. Sie stellte fest, dass auch das neue "Heim" keine Genehmigung für den Betrieb als Altersheim hatte. Das Innere war kaum möbliert. Die Alten befanden sich in einem hygienisch ungepflegten Zustand, schlecht ernährt und ohne Nahrungskontrolle. Die ärztliche Versorgung erfolgte durch die Leiterin, eine ehemalige Krankenpflegerin. Die ärztliche Versorgung war völlig unzureichend und die alten Menschen mit Medikamenten überdosiert. Sie sollen von den Verantwortlichen wie "Sachen" und nicht als "Personen" behandelt worden sein.

Die Landesverwaltung von Andalusien hat nach Schliessung des Heimes die Verantwortung für die Alten übernommen. Sie hat versucht Angehörige ausfindig zu machen, damit diese sich um die Alten kümmern und den formalen Teil der Unterbringung in einem Altersheim erledigen. Ohne Erfolg, kein Angehöriger wollte etwas mit den Alten zu tun haben. Es ging soweit, dass die Sprecherin der Sozialabteilung darauf hinweisen musste, dass zwar die Eltern gegenüber ihren Kindern verantwortlich seien, aber auch die Kinder gegenüber ihren Eltern. Und um die finanziellen Bedenken der Angehörigen zu zerstreuen: Diejenigen der Alten, die mittellos sind, werden auf Kosten der Landesverwaltung untergebracht.

Wird sich noch jemand von der Familie um die alten und vergessenen Menschen kümmern?

Informationsquelle: ABC Sevilla, Maltratados 14 ancianos en una residencia ilegal und Europress, Ningún familiar se hace cargo de los ancianos de la residencia clausurada en Sevilla, a los que atiende Junta andaluza

Freitag, 11. Juni 2010

Geldhungriger Staat wirft Blick auf Schattenwirtschaft

Die rumänische Schattenwirtschaft blüht und steht kurz davor, die 50 Milliardenmarke an Umsatz zu überschreiten. Dies berichtet die Zeitschrift "Capital".

Wie sieht sie denn aus, diese
Schattenwirtschaft. "Capital" schildert den Tagesablauf eines Mittelklasse-Rumänen: 8 Uhr: Er steigt in das Auto und fährt zu seiner Arbeit. 8:20 Uhr: kurzer Halt bei einem Reifendienst, um den Druck in den vorderen Reifen prüfen zu lassen; Kosten: 4 Lei, selbstverständlich ohne Kassenbon (Steuerquittung). 8:40 Auto parken, Gebäck und ein Fruchsaft in der Bäckerei einkaufen; 9 Lei ohne Kassenbon. 08:55 Ankunft im Büro. 18:00 Verlassen des Büros. 18:30 Halt auf dem Markt, Einkauf von Kartoffeln, Tomaten, Zwiebel und Banane; 28 Lei ohne Kassenbon. 18:50 Kauf eines Blumenstrausses für die Ehefrau; 20 Lei, ebenfalls ohne Kassenbon. 19:00 Ankunft zu Hause, Ausbezahlung der Reinigungskraft, die einmal pro Woche bei ihm sauber macht; 75 Lei auf die Hand. 20:30 Ausgang mit der Ehefrau, Besuch einer Gartenwirtschaft, 2 Bier und ein Saft; 20 Lei ohne Kassenbon. Auf der Rückkehr nach Hause Einkauf im Schnellimbiss; 18 Lei, das erstemal an diesem Tag mit Kassenbon. Leider ist aber die Verkäuferin des Imbiss schwarz angestellt.

Eine Studie von
AT Kearney in Zusammenarbeit mit Friedrich Schneider, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Linz, hat ergegen, dass die rumänische Schattenwirtschaft im Jahr 2005 einen Anteil von 35% am rumänischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) hatte. Im Gefolge der Wirtschaftskrise ist dieser Anteil noch um einige Prozente bis heute gestiegen.

Das grosse Ziel der rumänischen Politiker ist es, diesen Markt ans Licht zu holen. Aber wie? Auf jeden Fall könnte man nur an einen Teil der Wirtschaftsleistung der Schattenwirtschaft herankommen. Die Erklärung ist einfach: "Ein Teil der Schattenwirtschaft wird repräsentiert durch die Kriminalität (Drogenhandel, Prostitution, Betrug usw.), die man nicht besteuern kann, sondern höchstens versuchen kann, sie zu eliminieren. In keinem Land konnte bisher die Schattenwirtschaft, unabhängig vom politischen System, ausgerottet werden. Das einzige, was wir machen können, ist den Umfang dieser Wirtschaft zu vermindern", erklärt ein Sprecher der Finanzaufsichtsbehörde ANAF. Rumänien liegt auf einem der vorderen Plätze in Europa bezüglich des Umfangs der Schattenwirtschaft. Besonders beliebt ist die Schwarzarbeit.


Informationsquelle: Capital, Economia neagră atacă pragul de 50 de miliarde de euro
   

Donnerstag, 10. Juni 2010

Türkische Menschenhändler quälen Brasilianer

Mitte April reiste die brasilianische Musikgruppe Gafieira Brasil in die Türkei. Ein türkischer Empresario engagierte sie für Konzerte mit afro-brasilianischer Musik in Istanbul und mehreren anderen türkischen Städten. Das Engagement scheint für die Truppe ein Alptraum geworden zu sein.
Sie meldeten sich bei ihren Angehörigen und baten um Hilfe. Sie seien in einem verlassenen Landhotel in Bodrum wie in einem privaten Gefängnis eingeschlossen worden unter dem Vorwurf, sie hätten einen türkischen Empresario ermordet. Sie fühlen sich betrogen und sehen sich als Opfer eines Menschenhändlerringes. Eigentlich wären ihnen 10.000 US$ pro Monat vorgesprochen worden. Von dem Geld hätten sie bisher nichts gesehen. Inzwischen würden sie nicht einmal genug zu essen bekommen.

Sie hätten in der Türkei auch keine Arbeitserlaubnis bekommen, so wie es der Empresario versprochen habe. Deshalb wären sie von der Polizei 8 Stunden lang festgehalten worden und es wurde ihnen mit Abschiebung gedroht.

Alarmiert von der Angehörigen befasst sich jetzt das brasilianische Generalkonsulat mit dem Fall. Nach Ansicht des Generalkonsuls wurden die Künstler Opfer eines Menschenhändlerrings, der auch im Drogen-, Waffen- und Geldwäschegeschäft tätig ist und Verbindungen nach Sao Paulo und Rio de Janeiro hat. "Auch andere Brasilianer wurden schon Opfer dieser Falle", erklärte der Generalkonsul. Der vermeintliche Empresario Bayran würde von Polizei und Interpol gesucht.

Informationsquelle: Terra, Brasileiros dizem que foram mantidos em cárcere privado na Turquia

Dienstag, 8. Juni 2010

Valencia's Hassliebe zu den Paisos Catalans

Spanien und seine Sprachen. Das, was bei uns spanisch heisst, ist in Spanien das "castellano", die kastilische Sprache. Daneben gibt es auch baskisch, galizisch und katalanisch. Wobei die katalanische Sprache sich wieder aufsplittert in katalanisch, das man in Katalonien spricht, die valencianische Sprache, die im Raum um Valencia, dem País Valencià, gesprochen wird und das Mallorquinische, die katalanische Sprache der balearischen Inseln.

In Spanien liegen sich die verschiedenen Volksstämme, die ihre kulturellen Wurzeln aus der Sprache herleiten, in den Haaren. Wie in Gesamtspanien so ist sich auch der katalanische Sprachraum nicht "grün". Insbesondere gibt es grosse Animositäten zwischen Valencia und Barcelona. Barcelona, die Metropole der katalanischen Kernlande. Wenn es darum geht, möglichst viele katalanisch sprechende Menschen in der Statistik zu haben, wird in Barcelona selbstverständlich auch die Dialektvariante "Valencià" dazu gezählt. Vielen Valencianos geht das gewaltig auf den Keks, von den Katalanen einfach so ihrem Zuständigkeitsbereich zugeschlagen zu werden. Auf der anderen Seite gibt es in Valencia eine konservativ-reaktionäre Rechte, die noch von einem Spanienbild des Diktators Franco träumt und denen jedes Mittel recht ist, Zwietracht zwischen den katalanischsprechenden Völkern zu säen.

In Barcelona ist dieser Tage eine Publikation mit dem Titel "Sud enllà, El País Valencià vist des de Catalunya" ("Dort im Süden, das valencianische Land gesehen von Katalonien) erschienen. In dem Buch sind die Beiträge von 21 katalanischen Autoren veröffentlicht worden. Sie lassen sich über den Zustand der Beziehungen zwischen Katalonien und Valencia aus. Da steht es nicht zum Besten. Der Schriftsteller Martí Domínguez fasst den Stand der Entwicklung in folgenden Worten zusammen: "Es besteht eine konstante und voranschreitende Entfernung, eine Distanzierung, eine Unwille, ein Gefühl, dass wir auf dem Weg sind, nach und nach die Verbindungen zu verlieren, die uns einen. Und das nicht nur, weil es Konflikte zwischen unseren Regierungen über unwichtige Sachen gibt, sondern auch wegen einer gewissen Müdigkeit von Seiten der Eliten Kataloniens. Ein valencianischer Schriftsteller bringt das Hauptproblem auf den Punkt: "Wohnhaft in Katalonien habe ich während 40 Jahren den unruhigen Eifer oder das schlecht versteckte Desineresse beobachtet, mit der die "katalanischen Weisen" auf die "Valencianos" herunterschaut haben".

Eigentlich ist man sich so nah, aber doch wieder so weit. Schaut man sich die Kommentare der Leser der Zeitung "La Vanguardia" an, dann kann man ahnen, mit welchen Ressentiments die katalanischsprachigen Schwestern und Brüder sich bekämpfen:
"Was ist mit Valencia während des Bürgerkriegs passiert? Als die Katalanen über die Grenze abhauten liessen sie die Valencianos im Stich, die Franco im Maestrazgo noch Widerstand leisteten. Wir brauchen Katalonien überhaupt nicht".
"Das valencianische Land leidet an einer Identitätsschizophrenie... Die eigene Identität wurde vom Spanischtum versklavt".
"Valencianos und Katalanen, wir sind verwandte Cousinen und Cousins".
"Die überwiegende Zahl der Valencianos empfinden sich als Valencianos und nicht als Kastillier."
"Wir haben es schon tausendmal gesagt, wir wollen nicht zu Katalonien, wir sind glücklich, Spanier zu sein".
"Die sich in Kastillier verwandelnde Valencianos bekommen das, was das Lied sagt: Sie waschen Gold, um Silber zu kaufen".

Informationsquelle: La Vanguardia, Una obra refleja el cansancio de la intelectualidad catalana por la cuestión identitaria valenciana

Sonntag, 6. Juni 2010

Autolawine sorgt in Recife für Dauerchaos

Recife, die Metropole des brasilianischen Nordostens erstickt im Verkehr. Nach einer Mitteilung der Verkehrsbehörde DETRAN sind inzwischen 500.000 motorisierte Fahrzeuge in Recife angemeldet. Das bedeutet, dass jeder dritter Bewohner der Stadt über einen motorisierten Untersatz verfügt. Das hat Folgen: Recife hat täglich seinen Dauerstau und droht am Verkehr zu ersticken.

Die Zeitung "Diario de Pernambuco" schreibt, dass der Verkehr sein Limit erreicht habe, auch wenn die täglichen Staus teilweise auch auf das Verhalten der Fahrer zurückzuführen sei. Die Stadt ist eine "Geisel des Autoverkehrs" titelt Diario de Pernambuco. Die Zeitung will jetzt in Zusammenarbeit mit der Bundesuniversität von Pernambuco (UFPE) eine Serie über die Probleme des Verkehrs in der Stadt veröffentlichen.

Auf den Hauptmagistralen der Stadt, die Recife von Nord nach Süd und umgekehrt queren, die Avenidas Agamenon Magalhães, Caxangá und Domingos Ferreira ist inzwischen die durchschnittliche Geschwindigketi auf 22 km/h gesunken. Auf einen anderen wichtigen Strasse können des öfteren die 3,3 km nur noch mit einem Schnitt von 8,7 km/h durchfahren werden. Das Doppelte der Geschwindigkeit eines Fussgängers.

Der Professor für Stadtverkehrsplanung Oswaldo Lima Neto skizziert den derzeitigen Zustand: "Unsere Fahrzeugflotte ist offensichtlich kleiner (wie in São Paulo), aber unser Strassennetz ist schlechter und zersplittert. Jeder Recifenser, der in das Stadtzentrum will merkt das. Die Situation verschlechtert sich noch und das nicht in einer linearen, sondern exponentiellen Entwicklung, mit einem Wachsen der Fahrzeugflotte, die über dem Wachstum der Bevölkerung liegt. Ausserdem besitzt São Paulo eine wesentlich besser ausgestattete Verkehrsbehörde, die auf eine solche schwierige Situation vorbereitet ist". São Paulo gilt gemeinhin als die Stadt mit der höchsten Fahrzeugdichte in Brasilien.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, A cidade refém dos automóveis

Samstag, 5. Juni 2010

Wenn alle so fleissig radeln würden wie die Elsässer

Die Zeitung "L'Alsace" macht eine Rechnung auf: "Frankreich würde 17 Milliarden Euro mehr einnehmen, wenn die Franzosen so häufig radeln würden wie die Elsässer". Erstaunlich, dass die Elsässer dem Rest ihrer Landsleute so weit voraus sind. Aber es scheint so zu sein, dass Frankreich zwar das Land der "Tour de France" ist und bei der Anzahl der Fahrräder oder wie man in Frankreich sie nennt, der "Vélos", die sie in ihrem Besitz haben, weltweit an 4. Stelle liegt.

Aber leider sind sie faul, die Franzosen westlich und südlich der Vogesen. Sie radeln pro Jahr und Kopf nämlich nur 87 km und liegen damit abgeschlagen am Ende der europäischen Rangliste, die von Holländern und Dänen mit 800 bis 1000 km pro Jahr angeführt wird. Die Elsässer sind so fleissig wie ihre deutschen Nachbarn, was die Fahrradnutzung angeht. Beide kommen auf eine Jahreskilometerleistung von 250 bis 300 km im Jahr.

Wenn die Franzosen sich da einen Kick geben würden, würde vieles besser aussehen sowohl in der Geschäftswelt wie auch im Gesundheitsbereich. Sie würden weniger wiegen - 20 Minuten Vélo vertreiben 200 Kilokalorien -, würden weniger an Depressionen und Diabetes leiden und auch beim Krebs und kardiovaskulären Erkrankungen müsste man mit 10 bis 25 % weniger Problemen rechnen. Die Verkehrssicherheit würde ebenfalls davon profitieren.

Berechnen wir zusammen mit "L'Alsace" und "Atout France", der Agentur für Entwicklung des Tourismus, die Vorteile: 15,4 Milliarden Euro Einsparungen im Gesundheitswesen. 1,3 Milliarden durch verbesserte Verkehrssicherheit. Gleichzeitig gäbe es einen Boom bei der Velo-Industrie: Das würde 4,2 Milliarden Euro und 34.700 Arbeitsplätze bringen. Der Velo-Tourismus könnte den derzeitigen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro und die Zahl der Arbeitsplätze verdoppeln. Diesselbe Entwicklung wäre beim Velo-Handel zu beobachten.

Und das alles, wenn die Franzosen sich aufraffen könnten wenigstens 300 km im Jahr mit dem Fahrrad zu fahren. Allez hop, auf die Räder, ihr Franzosen!

Informationsquelle: L'Alsace, La France gagnerait 17 milliards d’euros en pédalant comme l’Alsace und Atout France, Spécial économie du vélo (Etude complète)

Freitag, 4. Juni 2010

Bürgermeister von Barcelona garantiert Sommer ohne Prostitution

Der Oberbürgermeister von Barcelona, Jordi Hereu, hat heute bekanntgegeben, dass die Stadt alles tun werde, um Prostitution und Obdachlose aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen. Das soll für den Sommerkampagne vom 15. Juni bis 4. Oktober gelten.

Die Kampagne 2009 endete ja in einem ziemlichen Fiasko, nachdem in den Zeitungen Fotos veröffentlicht wurden, die zeigten, dass Prostitution an öffentlichen Orten in Barcelona ausgeübt wurde. Hereu gibt auch zu, dass es im vergangenen Jahr einige Aspekte gab, die nicht gut waren. Er erklärte: "Wir lassen nicht zu, dass die Prostitution Besitz eines öffentlichen Raumes ergreift und ihn monopolisiert; wir lassen nicht zu, dass an irgendeiner Stelle ein Obdachloser seine Aufenthalt verewigt, das heisst, dass er sich des öffentlichen Raumes bemächtigt". Er gibt aber auch zu, dass er vermutlich sein Ziel nicht zu 100% erreichen wird.

Gleichzeitig verspricht der Bürgermeister, dass die Stadt besser gereinigt und sicherer wird. Die Stadt hat 250 neue Stadtpolizisten (Guardia Urbana) eingestellt. Insgesamt verfügt die Stadtpolizei damit über 1.100 Beschäftigte. Hinzu kommt noch die normale Polizei (Mossos d'Esquadra).

Der Kampf gegen die "fliegenden Händler" habe ebenfalls bereits begonnen und zeitige Erfolge. Die Aktionen zielen besonders auf die Altstadt- und Strandviertel.

Auch dem Lärm wird der Kampf angesagt. Es soll mehr Busse und Fahrradwege in Richtung Strand geben. Informationskampagnen sollen die Aktion begleiten. Einheimische und Touristen sollen mit Flugblättern und Plakaten für Sauberkeit und Ordnung sensibel gemacht werden. Dabei sollen sie auch aufgefordert werden, nicht im Badeanzug in der Stadt herumzulaufen.

Siehe auch Blogbeitrag: Barcelona's Altstadt, wo die Prostitution sich nicht versteckt

Informationsquelle: La Vanguardia, Hereu garantiza que este verano no volverán a darse los problemas con la prostitución de hace un año

Donnerstag, 3. Juni 2010

Die Rumänen sollen Braunbären lieben, aber nicht besitzen

Zu Füssen des Piatra-Craiului-Gebirge (deutsch: Königstein) liegt nicht unweit der Stadt Braşov (Kronstadt) der Ort Zărneşti. Dort wurde vor 2 Jahren ein Reservat für Braunbären gegründet mit dem Namen LiBEARty. Es ist das grösste Reservat für Braunbären mit zur Zeit 51 Tieren. Alle 51 Tiere haben ein eigenes Schicksal. Sie wurden in Zwinger eingesperrt, ihnen wurden Eisenringe um den Hals und in die Nase gelegt, sie mussten über glühende Kohlen laufen, wurden mit Stöcken geschlagen, waren unterernährt, mussten auf Fahrrädern fahren und wurden in enge Röcke gesteckt.

Sie haben Namen wie Hansel und Gretel oder Cristi und Lidia und leben jetzt im Reservat in einem der schönsten Gebirgsformationen der Karpaten, des Piatra Craiului, den Wikipedia wie folgt beschreibt: "Der etwa 25 km lange Kamm verläuft senkrecht zur Hauptkamm der Südkarpaten in Nord-Süd-Richtung. Der höchste Gipfel ist der Piscul Baciului (auch La Om, 2.238 m). Insbesondere nach Westen fällt das Gebirge sehr steil ab. Das Gestein begünstigte die Entstehung einer großen Anzahl von Höhlen und das Gedeihen einer beträchtlichen Pflanzenvielfalt; darüber hinaus gibt es eine vitale Population an Großraubtieren (Wölfe, Bären)." Das Reservat ist 70 Hektar gross und wurde mit Unterstützung der Weltorganisation für Tierschutz (WSPA) eingerichtet.

Der Beginn dieses Reservats hat auch viel mit ausländischen Touristen zu tun. Touristen, die an den Touristenorten Poiana Brasov (Schulerau) und Bran erlebt haben, wie Bären zur Belustigung des Volkes gehalten und gequält wurden. Sie schrieben an die Weltorganisation für Tierschutz und machten diese auf die Zustände in Rumänien aufmerksam. Cristina Lapis, die Leiterin des Reservats, erzählt: "Die Tierschutzorganisation hat mich angerufen und mich gefragt, ob ich mir die gefangenen Bären in der Region Braşov ansehen könne. Ich bin hingegangen und fast krank geworden als ich gesehen habe, wie diese Bären gehalten wurden. Unter miserablen Bedingungen, durchnässt von den Sommergewittern, unterernährt, man warf leere Bierflaschen gegen sie und ihre Lippen waren voll mit Blut. Es waren damals 5 Bären, die in kleinen und schmutzigen Käfigen gehalten wurden".

Die Bären werden oft neben Restaurants und Hotels zur Belustigung des Publikums gehalten und dies trotz eines rumänischen Gesetzes, das die Haltung der Bären in Käfigen verbietet.

Wurden die Tiere von den rumänischen Tierschützern zuerst in den privaten Käfigen betreut, konnte mit dem Reservat eine ganz neue Lebensqualität für die Bären gewonnen werden. Cristina berichtet über Hansel: "Wir haben hier den Hansi (Hansel, der Bruder von Gretel) aus dem zoologischen Garten von Călăraşi. Er ist gross, spielt gerne, liebt es mit einem Stock in den kleinen See zu springen. Er ist lebhaft ganz im Gegensatz zu seiner Schwester, die sehr zurückhaltend ist. Wie können 2 Bären, die unter denselben Bedingungen gehalten wurden so verschieden sein?"

Die Rumänen lieben durchaus ihre Bären. Sie glauben nur, dass man sie als Haustier haben muss. Cristina Lapis erinnert daran, dass die Leute nicht vergessen sollen, dass die Bären wilde Tiere sind, die dafür geschaffen sind, wild zu leben. Die Leute sollen sie nicht füttern, denn die Bären sind sehr schlau, wenn sie merken, dass man das Essen auch auf die einfache Weise bekommt, dann suchen sie nicht mehr. Deshalb ist ihre Meinung: "Ein Bär, den man füttert, ist ein toter Bär. Wir haben zwar viele Forschritte gemacht bei der Rettung der wilden Tiere, aber wenig Erfolg bei der Änderung der Mentalität der Leute. Es gibt soviele Strassenhunde, es gibt soviele Probleme mit der Misshandlung von Tieren. Das rumänische Volk hat kein schlechtes Herz, aber die Interessenlosigkeit tötet auch."

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Românul, stăpân pe ursul din pădure: "A iubi nu înseamnă a poseda"

Mittwoch, 2. Juni 2010

Brasilianische Polizei kann die Finger nicht von Selbstjustiz lassen

Brasiliens Polizei hat sich in den letzten Jahrzehnten durch einen besonderen Hang zu Gewalttätigkeit und Selbstjustiz ausgezeichnet. Die UNO hatte 2008 deshalb gegenüber Brasilien 33 Empfehlungen zum Abbau der polizeilichen Gewalt ausgesprochen. Jetzt ist nach Angaben der Nichtergierungsorganisation "Justiça Global" (Justiz global) am 1. Juni ein neuer Bericht der UNO zur Situation erschienen.

Die wenig erfreuliche Schlussfolgerung der Berichterstatter der UNO ist, dass sich am Verhalten der brasilianischen Polizei nicht viel geändert hat. Die Fälle von Selbstjustiz und Gewalt werden weiterhin als alarmierend bezeichnet. Keine der 2008 ausgesprochenen Empfehlungen wurden bisher erfüllt.

"Der Alltag vieler Brasilianer, besonders derjenigen, die in den Favelas leben, ist weiterhin überschattet von Morden und Gewalt durch kriminelle Banden, Milizen, Todeskommandos und durch die Polizei und dies trotz wichtiger Reformen von Seiten der Regierung", fasst der UNO-Bericht die Situation zusammen. Der Sonderberichterstatter der UNO, Philip Alston, erklärt: "Als ich das Land vor zweieinhalb Jahren besuchte, stellte ich fest, dass die Polizei vermutete Kriminelle und unschuldige Bürger während ihrer "Kriegs-"Operationen in den Favelas exekutierte. Die Operationen in den Favelas waren schlecht vorbereitet und kontraproduktiv. Die Polizei tötet weiterhin ausserhalb ihrer Dienstzeiten in Form von Todeskommandos Bürger, entweder als Resultat der "Überwachung" oder um finanzielle Vorteile zu bekommen. Diese Situation hat sich nicht dramatisch verändert. Die Polizei fährt weiterhin in alarmierendem Umfang fort, Menschen in Selbstjustiz zu exekutieren."

Im UNO-Bericht wird auch der Fall erwähnt, über den ich in meinem Blog unter dem Titel "Brasilien: Hinrichtung eines Rechtsanwaltes" berichtet habe. Der Fall des Rechtsanwalts Mattos in Pernambuco, der vermutlich von einem Todeskommando umgebracht wurde, ist weiterhin ungelöst. Die Übergabe des Falles an die Bundespolizei - die Landes- und Militärpolizei ist in der Regel wenig vertrauenswürdig - sollte vom obersten brasilianischen Gerichtshof STJ entschieden werden. Der lässt sich aber Zeit. Der UNO-Bericht dazu: "Die Anstrengungen, um die Todeskommandos zu bekämpfen, stiessen auf gewalttätigen Widerstand... Der Bericht konnte feststellen, dass es ein Versprechen für Reformen gibt, die es erlauben würden, Fälle von Menschenrechtsverletzungen von den staalichen Behörden des einzelnen Bundesstaates auf die Behörden des Bundes, insbesondere die Bundespolizei zu übertragen. Es ist aber eine Tendenz zu verzeichnen, dass diese Kompetenzübertragungen nicht erfolgt sind. Ein Antrag, den Fall "Mattos" auf der Bundesebene behandeln zu lassen, ist bis heute noch von einem Urteil der Gerichte abhängig."

Siehe auch Blogbeitrag: Selbsternannter Herr über Leben und Tod und Brasilien: Hinrichtung eines Rechtsanwaltes
Informationsquelle: Justiça Global, ONU: Execuções sumárias continuam em grande escala no Brasil

Dienstag, 1. Juni 2010

Aussichten auf spanische Volksfeste ohne Tierquälerei?

Die Kleinstadt Alhaurín el Grande in der andalusischen Provinz Málaga hat ein Volksfest. Alte Tradition ist es, zu diesem Volksfest Jungstiere auf die Strasse zu schicken, damit die Halbstarken sich an ihnen austoben könnten. Ein Vorfall zeigt nun, dass die Spanier gegenüber der Behandlung von Tieren sensibler werden.

Es geht darum, dass in Alhaurin am letzten Wochenende mehrere Jugendliche auf der Strasse einen Jungstier zu Tode prügelten. Schlecht dabei war, dass die andalusische Organisation gegen die Misshandlung von Tieren und der Umwelt (Colectivo Andaluz Contra el Maltrato Animal y Medioambiental) mit einer Videokamera dabei war und die brutale Aktion aufnahm. Einige der Jugendlichen waren betrunken. Die Tierschützer berichteten, dass Bewohner von Alhaurin erzählten, dass es schon seit 3 Jahren zu solchen Gewaltakten gegen Tiere während des Festes kam. Minderjährige hätte zugesehen, aber die Stadtverwaltung sei bisher nicht eingeschritten.

Die Stadtverwaltung versuchte sich herauszureden. Angeblich sei der Stier mit einem anderen Stier zusammengestossen und dabei schwer verletzt worden. Jugendliche hätten sogar dem verletzten Stier helfen wollen. Diese Ausflüchte scheitern aber an der Realität der Videoaufnahmen. Es blieb der Stadt nichts anderes mehr übrig, nachdem die Täter von der Polizei festgestellt werden konnten, als ein Strich zu ziehen unter eine alte Tradition: Es wird auf der Feria von Alhaurin keine Stiere mehr auf der Strasse geben.

Es ist eine positive Entwicklung sogar im stierkampfverrückten Andalusien zu beobachten. Die Spanier, bei denen die Tierquälerei auf Volksfesten lange Tradition hat, werden sensibler. Die Bewegung gegen Tierquälerei wird immer stärker und das Argument der "alten Traditionen" immer schwächer.

Noch zwei Stimmen von Lesern aus der Zeitung "Diario Sur" aus Malaga:
Maricarmen: "Was für eine Schande ist das, was sie diesem armen Tier angetan haben und der Organisator des Festes sollte zurücktreten und dass sie endlich etwas tun, denn bisher haben sie nichts getan gegenüber dieser Schande, die man Volksfest (fiestas) nennt."
Manuel: "Das sind die neuen Barbaren des 21. Jahrhunderts. Wenn sie unbedingst soviel Tierblut haben wollen, dann sollen sie gegeneinander kämpfen und sich selbst umbringen. Die menschliche Rasse ist nicht in Gefahr ausgelöscht zu werden und es bleiben noch genügend schlechte Leute übrig."

Informationsquelle: Diario Sur, Alhaurín el Grande elimina la suelta de vaquillas tras el maltrato a un animal