Dienstag, 29. Dezember 2009

Sex statt Wahrheit, wo ist die Gürtellinie?

Die Bildzeitung brachte es: "Umtriebig, umstritten und ab sofort um einiges mächtiger: Rumäniens Tourismus-Ministerin Elena Udrea (36). Die attraktive Blondine posierte nicht nur halb nackt in Hochglanzmagazinen, sondern kontrolliert jetzt auch das EU-Hilfsbudget für Rumänien in Höhe von 3,7 Milliarden Euro. SIE IST SO SEXY – UND SIE GILT ALS SO KORRUPT!"

Typisch für unser Schlamm-Blatt, dass es mehr an der Unterwäsche als an den Tatsachen interessiert ist. Das Wort "so" muss zur Erhöhung der Dramatik herhalten. Zudem hat die Bild ohnehin bei englischen Zeitungen abgeschrieben, die das Thema bereits früher auf den Tisch brachten. Normalerweise interessiert sich kein Mensch in diesen Kreisen für rumänische Politik, aber wenn da Sex im Spiel ist.......

Elena Udrea habe ich vor kurzem unter dem Titel "die schöne Elena" vorgestellt. Sie ist natürlich wenig erfreut über die Meldungen der Auslandspresse und vermutet hinter dem Ganzen ihre Intimfeindin Alina Mungiu-Pippidi. Wer ist diese Alina Mungiu-Pippidi?

Alina Mungiu-Pippidi ist 1964 geboren, Politikwissenschaftlerin, Journalistin und Schriftstellerin. Sie ist Aktivistin für die Zivilgesellschaft im Rumänien nach Ceausescu. Lehrt unter anderem auch an der "Hertie School of Governance" in Berlin im Bereich "Demokratisierungsstudien". Nach ihrer Promotion 1995 in Sozialpsychologie an der Universität in Iasi, Rumänien, studierte sie Politikwissenschaften an der Havard University. Sie unterrichtete an der Universität in Bukarest und SNSPA in Rumänien. Sie ist somit berufen, den Regierenden in Rumänien auf die Finger zu schauen.

Elena Udrea hat ein Recht auf Antwort und die gibt sie uns, indem sie Frau Mungiu-Pippidi als die Hautpverantwortliche für die Kampagne gegen sie hinstellt. Im Wortlaut:

"Die Artikel haben einen gemeinsamen Punkt, sie beziehen sich alle auf Alina Mungiu-Pippidi, die meine Ernennung zur Ministerin für Regionale Entwicklung und Tourismus als skandalös bezeichnet hat. Frau Mungiu-Pippidi verleumdet mich im Zusammenhang mit Geschäften meines Ehemannes und in diesem Kontext auch mit meiner Beziehung zum Präsidenten Rumäniens. Es ist bedauerlich, dass diese Frau, von ihrer Stellung aus, alles in einen persönlichen Rachefeldzug (Vendetta) umwandelt, indem sie Nachrichten verbreitet, die nicht nur meinen Ruf beeinträchtigen, sondern Rumänien auf internationaler Ebene schaden. Auf diese Weg bitte ich deshalb Frau Mungiu-Pippidi, nicht die akademischen Standards zu verlassen, die sie selbst geschaffen hat und die persönlichen Ressentiments, die sie gegen mich hat, beiseite zu lassen. Dann können wir eine Einschätzung meiner öffentlichen Aktivitäten unter Bezug auf die Tatsachen und nicht auf unbewiesenen Behauptungen vornehmen.

Ich präzisiere hier noch einmal, dass mein Ehemann keine Vorteile von meiner öffentlichen Funktion hat und dass er keinen privilegierten Zugang zu öffentlichen Geldern gehabt hat so wie es in den veröffentlichten Artikeln behauptet wurde. Bezüglich der Beschuldigungen von Oppositionsabgeordneten gegen mich verweise ich darauf, dass die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe nicht anerkannt und deswegen kein Verfahren gegen mich eröffnet hat. Ich unterstreiche noch einmal, dass ich nicht der Korruption angeklagt wurde, wie die vorgenannten Artikel mir unterstellen. ...."

Frau Udrea erklärt dann des Weiteren, dass sie die Gelder der EU-Fonds sachgerecht verwendet habe. Ebenso habe sie nie sich in Intimwäsche fotografieren lassen und es habe sie sehr überrascht, dass die rumänische Presse solche Informationen aufgenommen habe, obwohl diese genau wisse, dass es sich um Lügen handle.

Sie schliesst mit ihrer Stellungnahme: "Nach dem oben gesagten verlange ich von allen rumänischen Redaktionen, die die Falschinformationen aus der internationalen Presse weitergegeben haben, dass sie dies korrigieren und meine Stellungnahme veröffentlichen. Ich möchte keine Vorzugsbehandlung von Seiten der rumänischen Presse, sondern nur mehr Abstand und Objektivität bei der Beurteilung meiner Tätigkeit, die die öffentlichen Interessen betreffen..... Ich informiere sie hiermit, dass ich mich mit dem Recht auf eine Antwort auch an die Redaktionen des EUobserver, UPI und der The Sunday Times gewandt habe".

Informationsquelle: Ziare.ro, Elena Udrea - Drept la replica und Wikipedia englisch, Alina Mungiu-Pippidi

Montag, 28. Dezember 2009

Gigi aus der Bukowina liebt die Touristen

Die Geschichte des Gigi Traciu aus der Bukowina: Von ganz unten hat er angefangen. Zuerst war er Gepäckträger, dann Kurier und später Rezeptionist. Er besuchte eine Reihe von Management-Kursen in Bukarest und danach die Tourismus- und Dienstleistungsfakultät von Suceava. Mit 32 Jahren wurde er Hoteldirektor und schmiss nach kurzer Zeit den Posten wieder hin.

"Ich war da 2 Jahre lang und danach war ich etwas desillusioniert von manchen Arbeiten, vor allem, dass ich meine Kenntnisse nicht anwenden konnte wie ich wollte. Für den richtigen Tourismus arbeiten. Ich habe mich dann entschlossen, dass ich auf eigene Rechnung arbeite", erinnert sich Gigi. Viele seiner Freunde hätten ihn für verrückt erklärt, dass er den sicheren Posten des Hoteldirektors aufgegeben habe und jetzt das "Mädchen-für-Alles" mache. Er sei sein einziger Angestellter, der plant, organisiert und die Touristen auch noch rumfahren müsse.

Er hat sich aber in seiner Entscheidung nicht beirren lassen. Schon bei seiner Arbeit im Hotel hat er gemerkt, dass die Touristen an Reiseführungen interessiert waren, aber die staatlichen Reiseagenturen in den 90er Jahren so etwas nicht anboten. Dabei gibt es in der Bukowina das Weltkulturerbe der Moldauklöster, die schon bald Touristen angezogen haben. Reiseführer und Karten waren auch lange nach der Revolution nicht zu bekommen, so dass ein kundiger Reiseführer Gold wert war. Seine Zielgruppe sind jetzt kleine Touristengruppen aus aller Welt.

Seinen Entschluss, sich selbständig zu machen, hat er nicht bereut. Er liebt seine Touristen, die ihm zu immer neuen Erkenntnissen über die Menschheit verhelfen. Inzwischen hat er sogar einen Grill in seinem Auto und präpariert seinen Kunden unterwegs das Essen. "Wenn wir mal etwas Neues erleben wollen, dann grille ich und wir nehmen das Essen am Ufer eines Baches ein", erkärt er.

Über seine Erfahrungen mit den Touristen kann er viel erzählen: Von den Spaniern, denen er die Übernachtung in einem Kloster besorgte und die nicht schlecht staunten wie sie zum Frühstück neben den üblichen Produkten auch eine Flasche Pflaumenschnaps und eine Flasche Rotwein hingestellt bekamen. "Wie kann man so etwas am Morgen, zum Frühstück machen?", fragten sie ihn und er antwortete "Wenn man davon etwas nimmt hat man Energie für den ganzen Tag!" Die Spanier sollten entzückt ob der Antwort gewesen sein. Dann begleitete er auch ein Gruppe von Franzosen, die zu einem gegebenen Moment in einem Kloster entzückt ausriefen "C’est une autre Roumanie” (das ist ein anderes Rumänien!). Viele würden positiv über die Region sprechen, so etwas würden sie anderswo nicht finden.

Eine malaysische Gruppe führte er 11 Tage durch Rumänien. Die Kinder der Gruppe hatten noch nie Schnee gesehen. Er führte sie zum Karpatensee "Bâlea Lac". Das war im Juni und dort dab es noch 4 Meter Schnee. Die Malaysier waren so entzückt, dass sie eine Nacht da oben bleiben wollten.

Eine Gruppe Holländer konnte sich nicht an den Heu-Stapeln (um Stangen aufgeschichtetes Heu - typsich für die Bukowina) satt sehen. Während der Fahrt baten sie ihn anzuhalten, damit sie sich das Heu näher ansehen konnten. Sie erzählten, dass bei ihnen zu Hause alles zu einem Ballen zusammengepresst werde und sie gar nicht mehr sehen könnten wie schön das aufgeschichtete trockene Gras aussehe. Gigi erzählt weiter: "Viele Touristen kommen zu uns mit der Vorstellung (das haben sie irgendwo gelesen), dass man in Rumänien die Zeit vor 50 Jahren erleben könne. Die Japaner haben mir gesagt: Ich habe gehört, dass man bei ihnen die Zeit um 50 Jahre zurückdrehen kann. Jener Heu-Stapel, jene Pferde, dieser Wagen mit dem Ochsen, den man in der Bukowina und im Maramureş noch sehen kannte, gefällt mir sehr gut." Was die Touristen auch immer erstaune sei, dass man Früchte am Strassenrand sammeln könne. "Zum Beispiel auf dem Weg nach Suceviţa führe ich sie in der Saison zu den Erdbeeren. Auf dem Weg nach Arbore sind es die Maulbeeren. Auf dem Weg nach Putna, im Mai, sind es die Kirschen, jene wunderbaren Kirschen, die wir dann herunterholen, um sie zu geniessen. Die Touristen haben dann viele Fragen wie "warum erschiesst mich keiner?" und ich sage, dass die Früchte am Strassenrand für die Menschen sind. Sie verstehen das nicht, bei ihnen gibt es so etwas nicht, alles ist privat."

Seit vielen Jahren erhält Gigi Briefe von seinen ehemaligen Kunden: "Viele schreiben mir zu Weihnachten, zum Neuen Jahr, das bedeutet, dass sie sich gerne an jemanden in einem Land wie Rumänien, von dem sie oft gar nicht wussten, wo es auf der Weltkarte zu finden ist, erinnern. Das gibt mir den Eindruck, dass etwas sehr Spezielles bei ihnen hängen geblieben ist."

Gigi möchte seinen Beruf nicht mehr tauschen.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Bucovineanul care oferă "o altă Românie"

Sonntag, 27. Dezember 2009

Blutige Weihnachten in Suriname

An den Ufern des Flusses Maroni, in Albina, im südamerikanischen an Brasilien angrenzenden Suriname sind brasilianische Goldwäscher tätig. In der Weihnachtsnacht gegen 22 Uhr kam Panik auf, eine Brasilianerin warnte schreiend ihre Landsleute, dass ein Brasilianer einen Surinamesen getötet habe und diese dafür Rache üben wollten. Ein Grossteil wollte fliehen, wurden aber von einem Auto gestoppt, von dem 6 mit Messern und Macheten bewaffnete Männer sprangen, die brüllten "Wir werden alle Brasilianer fertig machen!"

Die Augenzeugin Regiane sprang in den Fluss und musste mit ansehen wie alle, die sich nicht rechtzeitig retten konnten, von den Männern angegriffen wurden. "Die stürzten wie Tiere auf die Leute. Es waren Kriegsszenen. Schläge, Messerstiche. Ich sah Leute mit total zerschnittenem Gesicht. Sie ergriffen einige Leute im Hotel, verschütteten Benzin und zündeten es an", erzählte sie. Es dauerte mindestens 2 Stunden bis Hilfe kam.

Regiane befand sich erst seit 3 Tagen an diesem Ort. Sie wollte eigentlich weiterreisen, an die andere Seite des Flusses nach Französisch-Guyana. "Jetzt, nachdem wir alles verloren haben, Geld und Kleider, möchte ich so schnell wie möglich Suriname verlassen. Ich bin dankbar, dass ich mit dem Leben davon kam", erklärte sie.

Die überlebenden Brasilianer wurden mit Hilfe brasilianischer Unternehmer in Surinam vorläufig in 2 Hotels in Paramaribo untergebracht. Viele werden vermisst. Die Kollegen vermuten, dass sie sich im Wald versteckt halten. Die Einheimischen sollen die Strasse verbarrikadiert haben.

Wie das brasilianische Aussenministerium jetzt mitteilte, wird die brasilianische Luftwaffe ein Flugzeug nach Suriname entsenden, um den Opfern zu helfen.

Informationsquelle: Folha Online, "Pareciam uns animais", conta brasileira que escapou de ataque no Suriname

Freitag, 25. Dezember 2009

Seltsame Weihnachtsbräuche: Der hungrige Baumstamm

Die Nordostspanier, insbesondere die Katalanen, haben im Weihnachtsmonat einen seltsamen Gesellen in ihrem Haushalt. Es ist der "Tió de Nadal", der "Weihnachtsonkel". "Nadal" ist die katalanische Bezeichnung für Weihnachten. Dieser Weihnachtsonkel ist allerdings ein komisches Wesen: Ein Baumstrunk, der ab 8. Dezember in der Wohnung aufgestellt wird, und regelmässig gefüttert werden muss. Über Nacht bekommt er noch ein Mäntelchen, damit er nicht friert. Fürs Füttern sind die kleinen Kinder, die noch an ihn glauben, zuständig. Aber am Weihnachtstag, also heute, passiert in den katalanischen Haushalten Schreckliches. Gegen Abend wird der "Onkel" ins Feuer gestellt und unter Absingen von "Onkel-Liedern" mit einem Stock in Stücke gehauen.

Der Präsident der katalanischen Landesregierung, José Montilla, verrät heute der Presse, wie er Weihnachten feiert. Er versammelt sich mit seiner grossen Familie, Ehefrau und sieben Kindern. Unter anderem auch Drillinge von 9 Jahren, die den "Tió de Nadal" nicht mehr füttern wollen. "Sie haben klargestellt, dass sie sich nicht mehr veräppeln lassen, sie seien Erwachsen" erklärte der Präsident. Das wäre das Einzige, was sie auslassen, auf den Dicken mit dem weissen Bart und auf die Drei Könige würden sie selbstverständlich warten. In der Wohnung gibt es die Krippe, den Baum und eine Portion extra Freude als die älteste Tochter der Montilla's aus London eintrifft. Am Tisch warten die Kekse, die Turrones, die Weihnachtslieder und die Verse der Kinder. "Alles sehr traditionell".

Informationsquelle; Wikipedia spanisch, Tió de Nadal und La Vanguardia, Los políticos explican sus costumbres en el paréntesis navideño
Bild: Wikipedia spanisch

Mittwoch, 23. Dezember 2009

"El Gordo 78.294" macht Einwanderer glücklich

Die spanische Weihnachtslotterie beglückte die Losnummer 78294 mit einem Geldregen. "Der Dicke", "el Gordo" wie der Hauptgewinn von den Spaniern liebevoll genannt wird, wurde gestern um 11:38 Uhr von Alicia und Yahairo, Schülerinnen der Schule San Idelfonso gezogen. Zu diesem Zeitpunkt hielt Spanien den Atem an und wartete gespannt auf die Nummer.

Und Madrid jubelte. Genauer gesagt der Stadtteil Tetuán in Madrid, ein typisches Arbeiter- und Einwandererviertel. Hier regnete der Hauptgewinn nieder. Nach alter Tradition war das Gewinnos gestückelt in Hunderte von Teillosen. Dafür feiern jetzt viele miteinander, auch wenn der Gewinn sich in Grenzen hält. In den Strassen des Stadtteils knallten bei strömendem Regen die Sektkorken.

Unter den Glücklichen befinden sich auch viele Einwanderer, insbesondere Lateinamerikaner. Zum Beispiel Rafael Lara aus der dominikanischen Republik. Er ist arbeitslos und wohnt seit 7 Jahren in Spanien. Mit einem Lachen auf dem Gesicht zeigte er eine Fotokopie der Nummer 78.294 herum, mit der er 300.000 Euros gewonnen hat. "Wir bezahlen damit unsere Schulden und lösen einige Probleme..." erklärte er. Für andere Gewinner wie Darwin Javier, ebenfalls Dominikaner, und ein Equadorianer, Sabino Calderón, war ganz klar, was sie mit dem Geld machen werden: Ein Teil geht zur Familie nach Equador und mit dem Rest kaufen sie sich "eine Wohnung und ein Auto".

Infromationsquelle: Diario de Sevilla, 78.294, el Gordo de los inmigrantes

Montag, 21. Dezember 2009

Spanier verfetten

Nach einem Bericht des nationalen statistischen Instituts (INE) leiden sechs Millionen Spanier ab 18 Jahre an Fettleibigkeit (Obesitas), das sind 2 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Dies entspricht einem Anteil von 17% an der Bevölkerung. 36,6% leiden an Übergewicht.

Die Probleme mit dem Bauchumfang sind häufiger bei den Männern (18,6% Fettleibigkeit und 44,2 % Übergewicht). Die Frauen leiden zu 15,6 % an Fettleibigkeit und 29,2 % an Übergewicht. Mit zunehmendem Alter verschärft sich die Situation: Bei den Personen ab 65 Jahr leiden 43% an Übergewicht und 24 % sind fettleibig.

Bei den Ernährungsgewohnheiten haben 71% der befragten Personen ab 16 Jahren angegeben, einmal am Tag Gemüse zu essen und 62,8 % essen täglich Früchte. Nur die Hälfte der Jugendlichen von 16 bis 24 Jahren verbraucht täglich Gemüse, während 9 von 10 Personen über 64 Jahre täglich Gemüse zu sich nimmt.

Dafür treiben die Spanier jetzt mehr sportliche Aktivitäten. 62% betätigen ist intensiv oder moderat sportlich während der Woche. 80% der männlichen Jugend betätigt sich sportlich, während bei den Frauen dieser Prozentsatz bei 65% liegt.

Ein Leser kommentiert die Nachricht in der Zeitung La Vanguardia wie folgt: "Ich lebe ausserhalb Spaniens und bin 10 Jahre nicht mehr zurück gekommen. Ich war sehr überrascht, so viele dicke Leute auf der Strasse zu sehen. Früher sah man selten Dicke, heute ist das die Regel".

Informationsquelle: La Vanguardia, La obesidad y el sobrepeso siguen aumentando en España

Samstag, 19. Dezember 2009

Die schöne Elena

"Ich bin 35 Jahre alt und geboren in Buzău. Mein Tierkreiszeichen ist der Widder, alle in diesem Tierkreiszeichen geborenen sind diszipliniert, ergeizig und ausdauernd bis zur Selbstaufgabe. Ich bin sehr loyal und wer mein Vertrauen gewonnen hat, hat eine Freundin fürs Leben gewonnen. Ich bin eine normale Frau, mit einem gewöhnlichen Leben. Wer meint, dass ich täglich Kaviar esse und meine Zeit beim Friseur oder beim Shopping verbringe, irrt sich. Ich habe Freunde, zu denen ich halte. Ich habe eine Mutter, die sich täglich über die Unwahrheiten, die man über mich schreibt, ärgert und die ich versuche, soweit ich es kann, zu trösten. Gelegentlich bin ich aufgeregt, andere Male gestresst. Ich habe Tage, an denen ich mich sehr stark fühle und Tage, an denen ich nicht in Form bin, wie jeder Mensch."

So beschreibt sich Elena Udrea, eine rumänische Nachwuchspolitikerin und bis vor kurzem Tourismus-Ministerin, auf ihrer Webseite. Da sie gut aussieht, hat sie viele Leute an den Fersen kleben, die nicht nur an Politik interessiert sind. Trotzdem, junge Politiker und Politikerinnen wie sie sind 20 Jahre nach dem Sturz des Diktators - zu diesem Zeitpunkt war Elena Udrea ein "Teen" und ging auf die Schule - Rumäniens Zukunft.

Über ihre Kindheit schreibt sie:
"Ich bin in der kommunistischen Zeit aufgewachsen und ich weiss deshalb noch sehr gut, was gefehlt hat. Schokolade war ein Luxus. Ich habe kein Pepsi oder Coca Cola gesehen bis ich 16 Jahre alt war und die Revolution stattfand. Ich habe meinen Anteil an Fleischresten, Eier und Kartoffeln gehabt. Und ich habe auch das Glück gehabt, in einer Familie mit Zusammenhalt zu leben, die versucht hat, auch in jenen schwierigen Zeiten und auf einem bescheidenen Niveau, mir die Dinge zu geben, die ich benötigt habe, sei es nun Kleider und Schuhe oder eine Puppe, so wie sich das jedes Mädchen wünscht. Von Klein auf war ich ein ehrgeiziges Kind. Ich habe das Elite-Gymnasium B.P. Hasdeu in Buzău besucht. Ich erinnere mich an meine Jugend als eine äusserst schwierige Zeit, weil in dieser Zeit die konservativen Werte, in der meine Generation in der kommunistischen Zeit aufgewachsen ist, mit dem neuen Wind der Freiheit bisweilen heftige Auseinandersetzungen brachte."

Sie hat dann Rechtwissenschaft studiert und ist Rechtsanwältin geworden. Sie hat eine eigene Anwaltskanzlei. In die Politik kam sie über die Stadtverwaltung Bukarest, wo sie 2004 Rätin im Generalrat der Stadt (Consiliul General al Muncipiului Bucureşti) wurde und später als Leiterin in die Präsidialverwaltung wechselte. Dort lernte sie den derzeitigen rumänischen Präsidenten Traian Basescu kennen, der zuvor Oberbürgermeister von Bukarest war. "Ich habe den offenen Stil des Herrn Băsescu geschätzt, seine Standfestigkeit und Fähigkeit, die Menschen zu mobilisieren. Er war die ideale Person, um mich umfassend in die Materie der Politik einzuführen", schreibt Elena Udrea. Natürlich trat sie dann auch in die Partei der "Liberal-Demokraten" (PD-L) ein, wo sie zur Zeit Exekutiv-Sekretärin ist.

Zu ihren bisherigen Erfahrungen in der Politik sagt sie: "Ich glaube, dass die unangenehmen Erfahrungen in meiner Karriere als öffentliche Person mich widerstandsfähiger gemacht und ich aus ihnen gelernt habe. Ich bedaure keinen einzigen öffentlichen Auftritt von mir, in dem ich Korruption und die Versuche der Einflussnahme von Entscheidungsträgern gegeisselt habe und ich werde weiter fortfahren über diese Dinge zu sprechen, damit sie nicht zur Normalität werden."

Als Tourismus-Ministerin hat sie versucht, neue Wege zu gehen. Sie hatte es nicht leicht, denn bald wollte man ihr natürlich auch etwas anhängen. Ihr Ministerium soll öffentliche Gelder verschwendet haben und ihr unterstellte man damit, dass sie nicht in der Lage war, das zu kontrollieren. Von einer Parlamentskommission wurde sie in einem Untersuchungsbericht wegen "Missbrauch im Dienst", Handlungen gegen öffentliches Interesse und Interessenkonflikt angeklagt. Die Parlamentskommission hatte den Beginn einer Strafverfolgung gegen sie angeregt.

Nach dem Sturz der Regierung Boc hämten einige, dass ihre Karriere damit wohl am Ende sei. Es wird aber anders kommen: Nach neuesten Gerüchten kommt sie zurück. In der neuen rumänischen Regierung soll sie wieder das Amt der Tourismus-Ministerin übernehmen, aber noch angereichert um das Themenfeld "Entwicklung".

Informationsquelle: Webseite Elena Udrea und rumänische Pressemedien

Freitag, 18. Dezember 2009

Die Menschenrechte haben gesiegt - Haidar ist wieder zu Hause

Aminetou Haidar ist wieder zu Hause in El Aaiún, in der Westsahara. Um 22:23 Uhr kanarischer Zeit verliess sie den Flughafen von Lanzarote. Ein Flugzeug der spanischen Regierung brachte sie nach 32 Tagen Hungerstreik zurück.

Juan Pardellas, der Spezialist für afrikanische Menschenrechtsfragen auf den kanarischen Inseln, kommentiert dies unter dem Titel "Es siegen die Menschenrechte" wie folgt:

"Aminautou Haidar hat gerade der Plattform, den Medien, der internationalen Gemeinschaft dafür gedankt, dass sie Druck auf Marokko und Spanien ausgeübt und damit erreicht haben, dass sie zu diesem Zeitpunkt, bei starkem Wind, bei Regen und einer Kälte, die eigentlich auf dieser Vulkaninsel nicht üblich ist, das Krankenhaus in Lanzarote, in das sie mit Magenschmerzen nach 32 Tagen Hungerstreik eingeliefert wurde, verlassen konnte und sich zum Flughafen Guacimera begeben kann, wo sie ein Flugzeug nach El Aaiún bringen wird, wo sie wieder mit ihren Kindern zu zusammen sein wird.

Es ist dies ein Triumph der Menschenrechte, versicherte Haidar noch vor wenigen Minuten. Aber es ist noch viel mehr. Es bleibt noch abzuwarten, welches Leben Aminatou erwartet, wenn sie wieder mit ihrer Familie zusammen ist. Wer wacht darüber, dass sie sie nicht wieder verprügeln, sie das eine oder andere Mal wieder festnehmen, foltern und sie in die schmutzigsten Gefängnisse stecken...... Es bleibt abzuwarten, was der Sahara und seinen Bewohnern noch passieren wird. Den Preis, der für ihre Rückkehr bezahlt werden muss, müssen wir erst noch kennenlernen. Das Wichtige ist aber im Moment ihre Rückkehr. Morgen werden die Fragen stellen und bestimmt werden wir nie unser Aufmerksamkeit vermindern.
Suerte, Inshallah"

Informationsquelle: El Pais, Haidar ya está en El Aaiún
Blog Héroes de Ébano

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Fome Zero – Null-Hunger gegen Weihnachtsvöllerei

In Brasilien gibt es das Regierungsprogramm „Fome Zero“, was „Null-Hunger“ bedeutet. Die brasilianische Regierung definiert ihr Programm wie folgt: „FOME ZERO ist eine von der Bundesregierung geförderte Strategie, um das Menschenrecht auf angemessene Ernährung für Personen mit schwierigen Zugang zu Nahrungsmitteln sicher zu stellen. Eine solche Strategie beinhaltet die Förderung der Lebensmittel- und Ernährungssicherheit, indem versucht wird, die Bevölkerung die am ehesten vom Hunger betroffen ist, sozial zu erfassen und in das Programm einzubeziehen.“

José Graziano da Silva, Regionalbeauftrager der FAO für Lateinamerika und Karibik geht in einem Beitrag auf der Internet-Seite von „Fome Zero“ auf die Problematik ein. Seine Gedanken gebe ich hier zusammengefasst wieder.

Das Gewissen des 21. Jahrhunderts darf nicht darüber hinweg sehen, dass es, solange es Hunger in der Welt gibt, keine nachhaltige Entwicklung in der Zukunft geben wird. Der Klimawandel trifft die Armen, die von staatlicher Seite vernachlässigt werden und keine Möglichkeit haben, auf destabilisierende Ereignisse zu reagieren, besonders stark. In fast allen Regionen unserer Welt wohnen die arme und Hunger leidende Bevölkerung in Risikozonen, die als erstes von den Umweltkatastrophen betroffen werden.

Durch die klimatischen Veränderungen wird die Intensität und Unvorhersehbarkeit von Katastrophen erhöht. Das ist jetzt bereits sichtbar an den steigenden Kosten für Versicherungen in der Landwirtschaft und dem fehlenden Wasser. Fehlendes Wasser ist ein grosses Hindernis für eine expandierende Landwirtschaft. Dadurch entwickeln sich die Lebensmittelpreise immer sprunghafter.

Schon eine relativ kleine Erhöhung der Welttemperatur führt zu einem Rückgang der Produktivität und wird eine Fläche von circa 110 Millionen Hektar Land, vor allem in der Nähe des Äquators, wo sich die meisten Entwicklungsländer befinden, unbrauchbar machen.
Programme zur Förderung des kleinen Landwirtschaftsproduzenten wurden immer mehr zurückgefahren. Der Anteil der internationalen Hilfe für diesen Bereich ist von 18% in den 80er Jahren auf 5% heutzutage zurückgefahren worden. Warum soll man auch in Zeiten eines reichlichen Lebensmittelangebots knappe Fördergelder für arme Landwirte verschwenden?

Die Antwort darauf haben wir in Form einer Explosion der Lebensmittelpreise im Jahr 2008 bekommen. Und diese Preisexplosion ging vor allem zu Lasten der Hungernden deren Zahl von 873 Millionen auf über 1 Milliarde in den vergangenen 2 Jahren stieg.

Die Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit müssen die entwickelten Länder übernehmen. Strategien zur Hungerbekämpfung können nicht von aussen aufgesetzt werden, sie müssen über einen nationalen Dialog, wenn es sein muss mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, erstellt werden.

Die reichen Nationen müssen weiterhin dazu gebracht werden 0,7 ihres Bruttosozialproduktes für Entwicklungshilfe aufzuwenden und wieder zu einer Förderung der Landwirtschaft entsprechend den 80er Jahren zurück zu kommen. Mit diesen Mitteln müssen die Regierungen zwei enttäuschende Erkenntnisse der letzten Jahre entgegentreten: Der Mythos des Glaubens an die Selbstregulierung der Märkte und die enttäuschten Erwartungen an die internationale Solidarität der 1,1 Milliarden Hungernden entstanden ist.

Am 31. Dezember 2009 werden 28% der Kinder der armen Länder genauso einschlafen wie sie am ersten Tag des neuen Jahres aufwachen werden: Eingewickelt in das erstickende Netz eines Übels, das geheilt werden kann. Die Zerreissprobe zwischen dem Möglichen und Unmöglichen im Fall des Hungers und der Umwelt klagt die Trägheit der Politik an und ruft auf zur Veränderung der Gesellschaft, um zu beweisen, dass die Antworten von Kopenhagen und Rom (Welternährungskonferenz) Teil einer unteilbaren Agenda werden: Das der nachhaltigen Zivilisation.

Informationsquelle: Webseit Zero Fome

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Weihnachtstag 1989, 13:20 Uhr: Der "Prozess" beginnt

An diesem Tag begann der Prozess gegen das Ehepaar Ceausescu oder besser gesagt, die Parodie auf einen rechtsstaatlichen Prozess. In einer Kaserne von Târgovişte. Der diensthabende General Nicolae Militaru telefonierte viermal mit Bukarest: "Ich werden die Ceausescu's schnellstens liquidieren!".

Nach einer medizinischen Untersuchung, durchgeführt im Büro des Kommandanten von Târgovişte, Oberst Andrei Kemenici, wird das Ehepaar Ceausescu in den Gerichtssaal geführt. Hereingeführt wurden sie vom Chef des Fallschirmjägerkommandos, Ionel Boeru. Boeru war bereits zuvor vom General Stănculescu zum Chef des Exekutionskommandos ernannt worden.

Oberst Andrei Kemenici beschrieb die Szene: "Oberst Gică Popa kam in mein Büro und hat den Plan für den Prozess auf einem Blatt skizziert. Die Situation war laut und voll Spannung. Dann kam General Stănculescu hereingestürmt und sagte: "Los, holt sie rein!". Gică Popa war derart durcheinander, dass er besagtes Papier in meinem Büro vergessen hat. Ich habe also den Prozess ohne irgendwelche Vorbereitungen oder Notizen begonnen...".

Kemenici wurde vor dem "Prozess" beauftragt, aufmerksam die Nachrichten aus Bukarest zu prüfen und bei wichtigen Neuerungen Stănculescu zu informieren. Die Militärs trieben zur Eile, weil sie befürchteten attackiert zu werden.

Die sofortige Exekution wurde auch von General Nicolae Militaru, der 80 km entfernt von Târgovişte war, gefordert. Er rief mehrfach an und forderte, dass man sich bei "finalen Lösung" beeilen solle. Während des Prozesses rief er dreimal an und fragte: "Seit ihr noch nicht fertig? Habt ihr das noch nicht erledigt? Sagen sie ihnen, sie sollen sich beeilen! Das soll ein für allemal abgeschlossen werden!".

Dann begann der sogenannte Prozess. Unter dem Druck der Ereignisse lief das in schneller und rüder Form ab. Aber die Staffage war da, Richter, Staatsanwalt, Verteidiger. Der grosse Führer und geliebte Sohn des Volkes war in kürzester Zeit mit seiner allmächtigen Ehefrau tief gefallen und hatte nur noch kurz zu leben. Behandelt wurde er so wie er seine Gegner 25 Jahre lang behandelt hatte.

Informationsquelle: Adevarul, Începe procesul!

Montag, 14. Dezember 2009

Touristen in Sevilla zum Fest des Friedens zu vertrauensseelig

In der Weihnachtszeit wird in Sevilla die Diebstahlquote in der Altstadt wieder erheblich nach oben gehen. Zur Zeit werden der Polizei schon täglich im Schnitt 8 Fälle von Raub oder Diebstahl gemeldet. Der Taschendiebstahl wird in der Regel von Kindern ausgeführt. Die Diebstähle führen sie im Auftrag ihrer Eltern aus, die sie aus der Nähe überwachen. Deshalb kommt es selten zu einer Bestrafung der Täter und die Eltern sind meistens nicht zu fassen. In der Regel sind es ausländische Kinder, oft rumänischer Herkunft.

Der grösste Teil der Opfer sind ausländische Touristen, die meistens vertrauensseeliger sind wie die Sevillanos. Tatort ist oft der Stadtteil Santa Cruz in der Nähe der Kathedrale, aber auch die Einkaufscenter in der Stadt. Die Taschendiebe bevorzugen Menschenansammlungen und Orte, wo die Leute dicht an dicht stehen. Beliebt ist auch, sich als Taubstummer auszugeben und Spenden von den Passanten zu verlangen. Um diesen Eindruck zu verstärken haben sie Mappen bei sich mit dem Emblem einer nationalen Taubstummenvereinigung. Damit sprechen sie die Leute an, bitten um eine Spende, lassen sich den Ausweis des Spenders zeigen und lassen ihn unterschreiben. Der Spender wird abgelenkt und in der Zwischenzeit wird ihm die Geldbörse geklaut.

Daneben gibt es auch den Handtaschenraub, den "tirón", der in der Regel mit einem Moped ausgeführt wird. Der Täter fährt mit dem Moped an das Opfer heran, reisst ihm die Handtasche weg und flieht. Der "tirón" kommt nicht mehr so häufig vor wie die Diebstähle. Die Identifizierung der Täter ist schwierig, da sie in der Regel einen geschlossenen Helm auf haben.

Die Polizei in Sevilla arbeitet mit Gruppen von erfahrenen Polizisten im Altstadbereich von Sevilla, um die Touristen zu schützen. Das Kommissariat von Alameda de Hércules (Altstadt) bearbeitet im Monat etwa 250 Anzeigen, die Erfahrungen zeigen aber, dass diese an Festtagen auf mehrere Hundert steigen werden.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, La Policía registra en el centro ocho denuncias al día por tirones y robos

Freitag, 11. Dezember 2009

Horia Roman Patapievici und der spanische Nebensatz

Horia Roman Patapievici ist ein umstrittener rumänischer Schriftsteller, Physiker und Philosoph. Er schreibt Essays über zeitgeschichtliche Themen. Geboren ist er 1957 in Bukarest. Zur Zeit ist er Leiter des rumänischen Kulturinstituts (Institut Cultural Român), das ähnliche Funktionen wie das Goethe-Institut in Deutschland hat. In den Posten ist er vom rumänischen Präsidenten, Traian Basescu, im Jahr 2005 eingesetzt worden. Ihm wird von vielen Rumänen vorgeworfen, dass er das eigene Land in seinen Publikationen mit Verachtung behandelt.

Er ist Stipendiat des DAAD-Austauschprogramms und war von 1994 bis 1996 Direktor der Abteilung für Deutsch-Studien an der Universität Bukarest. Von 2000 bis 2005 war er auch Mitglied des Nationalrats für das Studium der Securitate-Akten.

Patapievici hat der spanischen Zeitung "La Vanguardia" vor kurzem ein Interview über die rumänischen Präsidentschaftswahlen gegeben und in einem Nebensatz eine Behauptung geäussert, die zur Zeit in Rumänien hohe Wellen schlägt. "La Vanguardia" spricht ihn auf das Video an, das im rumänischen Wahlkampf aufgetaucht ist, auf dem angeblich Traian Basescu ein Kind schlägt. Patapievici antwortet darauf: "Das war eine Sauerei. Ich glaube nicht, dass Basescu den Jungen geschlagen hat, er hat ihn nur gestossen. Sein Fehler war, nicht sofort dementiert zu haben. Das war wie im Fall Bill Clinton mit dem Oralsex... Aber ich weiss auch aus einer guten Quelle, dass man Basescu ein Band angeboten hat, in dem sein Gegner Mircea Geoana beim Oralsex zu sehen ist. Er (Basescu) ist nicht darauf eingegangen und hat sich geweigert, das gegen ihn zu benutzen. Er ist ein ehrlicher Mann, glauben sie mir".

Das dürfte wohl noch einmal ein Schlag unter die Gürtellinie in der rumänischen Politik sein. Die rumänische Presse entsetzt sich und tut so, wie wenn diese Aussage der Wahrheit entsprechen würde. Eine solche Behauptung in die Welt zu setzen ist eigentlich eines Mitglieds der Kommission zum Studium der Securitate-Akten nicht würdig, denn damit kann man Menschen jeder Art von Diffamierung aussetzen. Das geht auch nicht, wenn man den derzeitigen Amtsinhaber über alles liebt!

Aufsehen erregte Patapievici bereits früher, als die rumäniendeutsche Schriftstellerin Herta Müller in einem Offenen Brief der Frankfurter Rundschau vom Juli 2008 an den Leiter des rumänischen Kulturinstituts, Horia Patapievici, der zur Berliner Sommerakademie auch zwei ehemalige Securitate-Mitarbeiter eingeladen hat, protestiert: "Wenn das ICR sich in Deutschland mit diesen Personen präsentiert, wird es sich selbst irreparabel beschädigen, und die deutschen Teilnehmer werden zum Aufpolieren der Denunzianten benutzt. Wie werden die Angestellten des ICR in Berlin den Gästen der Sommerakademie die rumänischen Gesprächspartner vorstellen: Corbea Hoisie - Professor und langjähriger Securitate-Agent, und Sorin Antohi - jahrelang mit gefälschtem Doktortitel und fiktiven Publikationen bei europäischen Universitäten zu Gast, aber wirklicher Denunziant seit seinem 19. Lebensjahr? Und was werden sie der deutschen Presse erzählen? Besser gesagt: Was werden sie alles nicht erzählen?"

Informationsquellen:
La Vanguardia, Patapievici: "Tenemos oligarcas y ejercen un papel desagradable"
Ziare.com, Horia Roman Patapievici
Romania Libera, Patapievici: Basescu are o caseta cu Geoana facandu-i-se sex oral
Perlentaucher / Frankfurter Rundschau

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Der Carioca ist ein Schwein und liebt es, den Müll auf die Strasse zu werfen

Dies behauptet laut Journalisten-Blogger Andre Balocco der Bürgermeister der Stadt an der Guanabara. "Wenn es jemand wissen will, ob die Müllwagen von Comlurb den Müll auf der Strasse verteilen, hier habe ich sie "in Flagranti" erwischt: Vor dem Gebäude, in dem ich wohne, liegen Kartoffelschalen und Krabbenköpfe auf dem Asfalt. Bald werden sie weggeschwemmt und verstopfen die Abflüsse in Copacabana an diesem regnerischen Tag", schreibt Andre Balocco, um dann den Bürgermeister wie oben angeführt zu zitieren. Der Ordnung halber sei hinzugefügt, dass die "Cariocas" der in Brasilien geläufige Name für die Bewohner von Rio sind.

Aber die Inkompetenz der Stadtverwaltung scheine sich ja nicht nur auf das Müllproblem zu beziehen. Das Inkompetenz-Drama spielt sich laut Andre Balocco auch anderswo ab: Strassenbeleuchtung, die auch am Tag brennt und gleichzeitig tagt heute die Stadtverordneten-Versammlung, um zu beschliessen, dass die Elektrizitätsgesellschaft "Rio Luz" Strassenbeleuchtungsgebühren erheben darf. Warum solle man Gebühren bezahlen, wenn die Verwaltung nicht in der Lage sei, ihr Licht am Tag auszumachen? Abgesehen von ökonomischen Verschwenung sei es ökologisch falsch, zumal zur Zeit die ganze Welt daran arbeite, das Bewusstsein bezüglich des Energieverbrauchs im Hinblick auf einen verantwortungsbewussten Umgang zu schärfen. Rio müsste eigentlich ein gutes Beispiel geben, aber das Gegenteil sei der Fall.

Andre Balocco gibt dann zu, dass er nur für die Zona Sul (südliche Stadtteile) von Rio sprechen kann. Er erhalte eine Menge Nachrichten von Lesern, die sagen, dass seine Probleme die eines Privilegierten seien. Licht gäbe es definitiv nicht für alle in Rio. Er fände es deshalb gut, wenn "Rio Luz" den armen Beitragszahlungen die Gründe für die Verschwendung in der Stadt erklären würde. Wenn sie ihm erklären könnten, welchen Grund es für diese Gebühren gäbe und ihn überzeugen könnten, dass es für eine Megalopolis wie Rio normal sei, dass die Beleuchtung auch am Tag an sein müsse, dann würde er sogar diese Gebühr gerne bezahlen. Er befürchtet, dass das aber nicht passieren wird.

Informationsquelle: Blog Cidade Copacabana Jornal do Brasil

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Rumänien: Jetzt ist die Versöhnung an der Reihe

Der alte und jetzt auch neue Präsident Traian Băsescu hat heute erklärt, dass die Wahlanfechtung der unterlegenen Partei PSD beim Verfassungsgerichtshof deren demokratisches Recht ist. Gleichzeitig erklärte er: "Die Zeit des Wettbewerbs ist abgeschlossen und es ist Zeit, dass wir wieder zu den Prioritäten der Bürger dieses Land zurückkommen". Er machte einen Apell an die politischen Parteien und erinnerte sie an ihre Verantwortung. Es sei die Zeit zu einer "Versöhnung" gekommen. Damit hat er jetzt angedeutet, dass er die politischen Parteien gerne zusammenbringen möchte. Den Rumänen hat er zu ihrem Bürgergeist gratuliert, die "massive Teilnahme" an den Wahlen hätten gezeigt, dass die Rumänen Vertrauen in die Demokratie und Institutionen des Staates hätten.

Das bisherige Mandat von Băsescu endet am 21. Dezember. Danach wird er seinen Amtseid vor der Abgeordnetenkammer ablegen. Die sozialdemokratische Partei hat wegen Wahlbetrug Widerspruch gegen das Wahlergebnis beim Verfassungsgerichtshof eingelegt und verlangt die Wiederholung der Wahlen.

Die PSD will für den Fall, dass der Verfassungsgerichtshof Băsescu im Amt bestätigt, gegen den neuen Präsidenten eine Regierung in Koalition mit den Nationalliberalen (PNL) und dem Ungarnverband (UDMR) bilden. Um dies zu erreichen bietet sie den Liberalen den Posten des Ministerpräsidenten an und eine "Kohabitation" mit Traian Basescu.

Auf die neue Regierung wartet harte Arbeit. 10 Dringlichkeitsmassnahmen müssen sofort vorgenommen werden:
  • Verabschiedung des Haushaltes
  • Sofortige Verhandlung mit dem Internationalen Währungsfond (IWF)
  • Entscheidung über die Erhöhung des Mindestlohns
  • Steuererleichterung bei der Umweltsteuer für neue PKW
  • Verlängerung der Massnahmen zum sozialen Schutz der Arbeitslosen
  • Steigerung der Abrufs von EU-Mitteln
  • Lösungen für die Stimulierung der Wirtschaft und öffentlichen Investitionen
  • Restrukturierung des Haushaltes
  • Entwicklung der Landwirtschaft
  • Förderung von öffentlichen und privaten Partnerschaften.
Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Zece măsuri urgente de inclus pe agenda viitorului guvern

Sonntag, 6. Dezember 2009

Zwanzig Jahre nach Ceausescu: Endlich Rumäne sein!

Als rumänischer Staatsbürger hatte man es nicht leicht in Europa. Schikanen an Flughäfen und an den Grenzen im Westen Europas. Sie galten als beliebtes Objekt, an denen sich die Vorurteile der Sicherheitsapparate austoben konnten. Man möchte es gerne laut rufen: Es gibt schwarze Schafe unter den Rumänen, es gibt aber auch viele, die genauso rechtschaffen sind wie andere Menschen in Europa!

Aber lassen wir einmal einen Rumänen zu Wort kommen. Cosmin Silistraru hat unter dem Titel "Auch heute sind wir noch Rumänen, aber jetzt mit Personalausweis...." beschrieben wie es ist, wenn man als Mensch 2. Klasse behandelt wurde und sich jetzt kindlich freut, wenn man nicht mehr erniedrigt wird:

"Es ist viel Zeit vergangen seit damals..... An einem Morgen im Jahr 1992 fuhren wir mit einigen französischen Freunden zur Botschaft Österreichs. Wir wollten zu den Freunden nach Frankreich, aber dafür benötigten wir ein Transit-Visum. Das deutsche Transit-Visum erhielten wir am Abend vorher. Es gab keine Wahl, wir brauchten auch das österreichische Visum. Eigentlich sollte dies keine Problem sein, aber keiner wusste welche Fehler der Beamte der Botschaft in meinem Formular fand. Entweder er fühlte sich unwohl oder hatte Ärger mit seinem Chef oder er war einfach entnervt wegen der Unmenge an Rumänen, die sein Land durchqueren wollten. Ich erinnere mich noch gut an die riesige Warteschlange. Aber wenn wir das Visum nicht bekommen hätten, würden wir zu Hause bleiben mit dem französischen Visum im Pass und dem Pass in der Tasche. Ein anderes Verkehrsmittel stand uns nicht zur Verfügung.

Nach einigen Jahren waren wir in Wien. Ein Freund rief mich an und fragte, ob ich ihm ein Zimmer im Hotel reservieren könne. Er möchte auch mal nach Österreich kommen. Bisher hatte er Rumänien noch nie verlassen. Jetzt konnte er sogar mit Personalausweis reisen. Er wollte Ferien machen und darüberhinaus das Gefühl "nur mit dem Ausweis die Grenze zu überschreiten" vermittelt zu bekommen.

Ich erinnere mich noch oft daran, dass die härtesten Kontrollen bei der Einreise nach Deutschland erfolgten. Ein Auto mit französischem Kennzeichen konnte normalerweise die Grenze leicht passieren. Aber in diesem Fahrzeug sass noch ein weiterer Mann. Bei den vorgelegten Papieren stach den Zöllnern ein Papier besonders ins Auge: Das Meinige. Es begann eine zeitraubende Prüfung. Später habe ich mich daran gewöhnt. Wir mussten den ganzen Kofferraum ausräumen. Ich weiss nicht warum, das passiert immer nachts. Mir war kalt, daran erinnere mich sehr gut. Es war eine Kälte, die man spürt, wenn dich ein geliebter Mensch verlässt.

Zu Beginn der der 90er Jahr erschien eine Nachricht, die mich perplex machte: Man sprach von einigen Menschen aus meinem Land, die in Österreich Schwäne gegessen haben. Es war wahrscheinlich die erste Information in einer Reihe von hässlichen Nachrichten über uns und Rumänien.

1995 wurde ich innerhalb eines Austauschprogramms zwischen Universitäten von einer Fakultät in Schweden eingeladen. Ich bin von Bukarest aus geflogen mit Zwischenhalt in Deutschland. Mit Transit-Visum. Kontrolle an der Flugzeugtreppe, nur für Rumänen. Zwischenlandung in Dänemark. Ich steige zusammen mit einem Dänen aus, mit dem ich mich unterhalte. Vor den Ausgangstüren, Passkontrolle. Der Zöllner kontrolliert meinen Pass, zögert bevor er mir den Pass zurückgibt und fragt seinen Kollegen, ob Rumänen ein Visum bräuchten. Der wusste es auch nicht so genau. Dann plötzlich erinnerte er sich. Sehr höflich gibt mir dann der Zöllner den Pass zurück und sagt zu mir: "Mein Herr, es tut mir leid, aber kann sie nicht ins Land lassen". "In das Land einreisen? Das will ich doch gar nicht! Zeigen sie mir die Tür zum Flugzeug nach Schweden." Sein Gesicht hellte sich auf und er gab mir alle Informationen, die ich brauchte.

Wie ich in Schweden ankam, war es sehr spät, kurz nach Mitternacht. Alle Passagiere haben den Flughafen durch eine Tür mit einem einzigen Grenzer verlassen. Verantwortungsbewusst, man vergisst ja nicht seinen Pass, habe ich mich zur Tür "Non-EU" begeben. Ich war der Einzige. Kein Grenzer weit und breit. Einer der Angestellten des Flughafen rief mir etwas zu und machte Zeichen, dass ich die falsche Tür gewählt hätte. Ich antwortete ihm und schwenkte dabei den Pass: Ich bin Rumäne! Sofort erschienen zwei Zöllner und sagten: "In diesem Fall müssen wir eine Gepäckkontrolle machen!" Kein Problem, mein Gepäck war ein kleines Köfferchen mit ein paar persönlichen Sachen. Sie zogen sich Wegwerfhandschuhe an, untersuchten mich komplett und jedes Ding, das ich bei mir trug. Ganz unten fanden sie dann die Einladung der schwedischen Universität. Ich erinnere mich noch an das Gesicht der Frau, die mein Gepäck so akribisch untersuchte wie wenn sie schreckliche Waffen darin vermutete, wie sie dann plötzlich Schamröte ins Gesicht bekam und mich um Entschuldigung mit den Worten bat: "Warum haben sie nicht sofort gesagt, warum sie gekommen sind? Ihre Kollegen warten draussen, bitte, entschuldigen sie!".

Als mein Freund, der seit 1989 Rumänien noch nicht verlassen hatte, in Wien ankam, war er äusserst .... glücklich! Er erzählte mir das ein und andere Mal wie er an der Grenze angekommen ist, wie er den Ausweis gezeigt hat, wie ihm die Zöllner Zeichen machten, dass er passieren sollte und sie hatten ihn nicht einmal gebeten, den Kofferraum aufzumachen. Er fühlte sich stolz, ein Gefühl, das er seit Jahren nicht erlebt hatte. In der Tat, in Angst gedemütigt zu werden haben wir bisher an der Grenze gehalten und sind stehen geblieben. Rumänien hat etwas für ihn erreicht.

Heute erinnere ich mich noch daran und an viele andere Dinge. An die Momente, an denen ich mich gedemütigt gefühlt habe, Erniedrigung in den Schlangen vor den Botschaften, die Angst, die wir empfanden, wenn wir zu spät an die Grenze kamen und die Transit-Visen in wenigen Stunden ausliefen. Ich erinnere mich noch an die Nervosität, mit dem wir eine "Einladung" aus dem Ausland erwarteten, der Gang zur französischen Botschaft, um ein Visum zu beantragen, von dem wir nie wussten, ob wir es bekommen oder nicht.

Daran erinnere ich mich und ich möchte es nicht vergessen. Ich sage mir, dass mein Land etwas für mich getan hat, für uns. Und dass voraussichtlich der Moment kommt, wo wir im Austausch etwas für es machen können. Dass wir es ändern, wenn auch langsam. Ich glaube, dass wir dass wir jetzt das Gefühl haben: Dass wir Rumänen sind."

Informationsquelle: Ziare.ro, Şi azi sîntem români. Nu doar cu buletinul...

Samstag, 5. Dezember 2009

Doch keine Blogger-Zensur im Sertao

Die von mir berichtete Aktion des Bürgermeisters von Araripina zum Verbot des Blogs von Fredson Paiva wird nicht stattfinden. Fredson Paiva berichtet heute: "In einer vernünftigen und von Verantwortung getragenen Aktion hat der Bürgermeister Lula Sampaio in der Nacht des gestrigen Freitags in einer Versammlung mit seinen Beigeordneten und der Presse im Hotel Boulevard in Araripina seine Strafanzeige gegen diesen Blog zurückgezogen".

Informationsquelle: Blog do Fredson Paiva

Freitag, 4. Dezember 2009

Aminatou Haidar: Marokko's Spiel mit den Menschenrechten und Europa

Aminatou Haidar, auch nur Aminatu oder Aminetu genannt, vermutlich geboren 1966 in Akka Centre, Provinz Tata, Marokko, ist eine saharauianische Aktivistin für Menschenrechte.

Die Westsahara ist ein Territorium an der Atlantikküste Nordwestafrikas, das nach dem Abzug der ehemaligen Kolonialmacht Spanien von Marokko beansprucht und größtenteils besetzt wurde. Marokko betrachtet das in vorkolonialer Zeit in einem losen Abhängigkeitsverhältnis zu ihm stehende Gebiet als Teil seines Territoriums (Quelle: Wikipedia).

Was ist nun los mit Aminatou Haidar?

"Die Zeit" beschreibt die Situation:
Die marokkanische Regierung, die in der Westsahara seit mehr als drei Jahrzehnten regiert und Saharauis planmäßig verfolgt, schikaniert und verhaftet, hat Haidar ihren Pass weggenommen und sie Mitte November auf die benachbarte, vor der afrikanischen Atlantikküste liegende Kanareninsel Lanzarote abgeschoben.
Am 14. November begann Aminatou Haidar auf dem Flughafen der spanischen Urlaubsinsel Lanzarote einen Hungerstreik. Seitdem nimmt die 42-Jährige nur Wasser zu sich und kann sich inzwischen kaum noch auf den Beinen halten. Die Mutter zweier Kinder ist so geschwächt, dass die Ärzte um ihr Leben fürchten. "Ich habe keine Angst vor dem Tod", krächzt sie mit kaum hörbarer Stimme.

Die Spanier haben Animatou die spanische Staatsangehörigkeit angeboten. Sie hat abgelehnt. Spanien, die ehemalige Kolonialmacht der Westsahara, hat alle diplomatische Hebel in Bewegung gesetzt, um eine Rückkehr von Animatou zu erreichen. Die für internationale Beziehungen bei der sozialistischen Partei PSOE zuständige Elena Valenciano hat heute nach einem Gespräch mit einer marokkanischen Delegation die Situation im Fall Haidar als völlig blockiert bezeichnet. Sie sieht keine Möglichkeit mehr zu einerm Abkommen zwischen Spanien und Marokko in der Angelegenheit zu kommen. Der Konflikt wird immer mehr zur Belastung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Aminatou Haidar hat einen Brief an die Abgeordneten des Europaparlaments geschrieben, der am 3. Dezember auf der Blogseite von "Solidarité Maroc" veröfftentlicht wurde. Sie schreibt folgendes:

"Ich schreibe ihnen heute aus einer dringenden Notlage von Lanzarote aus, wo ich einen unbegrenzten Hungerstreik führe, um mein unveräusserliches Recht auf Freiheit und Würde zu verteidigen, insbesondere das Recht unverzüglich in mein Land, die Westsahara, in die Stadt El Aaiun, wo ich meinen Wohnsitz habe, zurückkehren zu können.
Ich bin am 13. November 2009 auf dem Flughafen von El Aaiun festgenommen worden auf der Rückreise von den Vereinigten Staaten, wo ich den Preis "Zivil-Courage in Menschenrechtsfragen" von der Train Foundation bekommen habe.
Während 24 Stunden wurde ich Verhören und Demütigungen ausgesetzt, mein Reisepass und mein Telefon wurden konfisziert. Anschliessend wurde ich am 14 November 2009 mit Waffengewalt von den marokkanischen Besatzungskräften ohne Reisepass nach Lanzarote gebracht. Dort befinde ich mich zur Zeit gegen meinen Willen. Die spanischen Behörden hindern mich ebenfalls daran in die West-Sahara zu meiner Familie zurückzukehren. Ich möchte gerne mit meiner Familie wieder vereint sein, insbesondere meinen 2 Kindern (Hayat, 15 Jahre und Mohamed, 13 Jahre), meiner Mutter und meinen Schwestern von denen ich mit Gewalt getrennt wurde.
Jedesmal, wenn ich in das Europaparlament kam, wurde ich sehr warmherzig empfangen. Es war am Sitz des Europaparlaments, wo ich den « Prix Silver Rose » von SOLIDAR verliehen bekommen habe. Die Freunde des EP haben mir immer ihre Solidarität verkündet, aber jetzt bin ich in einem unbegrenzten Hungerstreik, bei dem ich die Unterstützung der ganzen Welt erhalte unter anderem auch von den Nobelpreisträgern Rigoberta Menchu und Ramos Horta sowie vom Literaturpreisträger José Saramago und ich warte immer noch drauf, dass das Europaparlament interveniert, um mich in meinen Kampf für Würde und Freiheit zu unterstützen.
Die Europarlamentarier können angesichts der Werte, die sie immer verteidigt haben, nicht passiv bleiben vor dieser Frontalattacke gegen die Menschenrechte in der West-Sahara: Ich selbst ausgewiesen, 7 andere Kämpfer für Menschenrechte, die alle gewaltlos kämpfen, aber vor ein Militärgericht geschleppt wurden, weitere 40 Saharaoui, die zur Zeit in marrokkanischen Gefängnissen sitzen, nur weil sie ihre Meinung gesagt haben.
Es ist für die Parlamentarier Zeit zu handeln und meinen Fall als Dringlichkeit im Parlament bekannt zu machen und eine Resolution des Parlamentes, die diese Akte gegen die Menschenrechte, die Würde, internationale Konventionen und Abkommen verurteilt.

Ich fordere folgendes:
Meine sofortige Rückkehr in mein Land, die Westsahara, genaugenommen in die Stadt von El Aaiun, wo ich wohne.
Respektierung meiner Würde als menschliches Wesen, die Rückgabe aller meiner konfiszierten Dokumente und meines Passes.
Die Verurteilung der illegalen Besetzung der Westsahara durch Marokko und seiner Politik der systematischen Verletzung des Rechts.
Ich hoffe, dass sie mir helfen werden."

Ob sie Europa hören wird? Der spanische Journalist Javier Bardem schreibt in der Zeitung "El Pais" im Bezug auf die Saharaui's:
"Wie lassen sie im Stich, überlassen sie ihrem Schicksal in den Händen einer Pseudo-Demokratie wie Marokko. Sie haben Folter und Exil zu erleiden und trotzdem sind sie noch nicht verschwunden -das scheint die Absicht der marokkanischen Regierung zu sein mit Beistand seiner Alliierten in der Moncloa und im Elysée - dank der unerschütterlichen und grosszügigen Hilfe eines Teils der spanischen zivilen Gesellschaft, die in diesem Fall weit über der moralischen Höhe ihrer Regierungen liegt. Was soll man mit ideser dickköpfigen und undankbaren Frau machen? Meine Herren, man muss weniger daran denken, zu vermeinden "einen Alliierten" zu verletzen, weniger an unser Handelsbilanz mit Marokko, in Ceuta und Melilla, und die diplomaitschen Initiative ergreifen, um für ein und allemal die Probleme der Sahara zu lösen."

Informationsquelle:
El Pais, El valor de una persona und Bloqueo total en el 'caso Haidar'
Solidarité Maroc, Aminatou Haidar, militante sahraouie, lance un appel aux députés européens

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Zensur im Sertão: Blogger soll einpacken

Der Blogger Fredson Paiva, den ich als Stimme des brasilianischen Sertão auch in meiner Blogroll aufgeführt habe, berichtet heute, dass der Bürgermeisters seiner Stadt Araripina ihn verklagt hat mit dem Ziel, seinen Blog zu verbieten. Fredson Paiva berichtet folgendes:

"Der Bürgermeister Lula Sampaio hat über seinen Rechtsanwalt, den Direktor der AEDA, Leonardo Cruz, eine Strafklage bei der Polizei von Araripina gegen den Blog von Fredson Paiva eingereicht. Es wird ihm vorgeworfen, einige Themen an die Öffentlichkeit gebracht zu haben, indem er auf die Versäumnisse der Gemeindeverwaltung wie Ansteigen der Mückenplage, defizitäre Müllabfuhr, verspätet ausgezahlte Gehälter von Beamten und von Rechnungen von Lieferanten, Versteigerung von Autos der Stadtverwaltung, ohne die Bevölkerung zu informieren etc. hinweist. Aber zuletzt.... wo sind eigentlich diese Autos? Aus diesem Grund meint der Bürgermeister es wäre gut, gegen den Autor dieses Blogs zu prozessieren und damit gegen die Stimme des Volkes zwischen Araripina und der Welt. Gemäss Leonardo Cruz, Rechtsanwalt von Lula, hat er als Rechtsanwalt jederzeit das Recht einen Blog oder eine Webseite zu schliessen, die schlecht über die Stadtverwaltung von Lula oder ihn als Bürgermeister schreibt. Um deutlicher zu werden: Niemand in der Stadt darf gegen die Verwaltung LULA anstänkern, sondern soll loben, was hier passiert. Jetzt frage ich mich, leben wir in einer Demokratie oder Diktatur? Mit Sicherheit wird die Presse des Bundesstaates (Pernambuco) davon erfahren, denn eine entsprechende Nachricht wurde bereits an die entsprechenden Stellen der Region verschickt. Wenigstens werde ich in dieser Woche nicht alleine zur Polizei gehen, um meine Stellungnahme abzugeben. Einige Anhänger von LULA werden auch da sein und in Kürze werden wir wissen warum."

Araripina liegt im Westen des Bundesstaates Pernambuco. Es gehört zum Distrikt Ouricuri. Es ist etwas 690 km von Recife, der Hauptstadt des Bundesstaates, entfernt und liegt auf einer Höhe von 622 Meter. Es herrscht ein semi-arides Klima und eine jährliche Durchschnittstemperatur von 24° C. Die Niederschläge beschränken sich auf 700mm jährlich. Die Vegetation eignet sicht nur für einen zeitlich eingeschränkten landwirtschaftlichen Anbau. Sie gehört zur Region des "Caatinga".

Die Familie Sampaio, der der Bürgermeister angehört, scheint in Araripina recht gut vertreten zu sein. Ersichtlich ist dies aus der Webseite der Stadtverwaltung von Araripina. Breit ausgewalzt wird da der Tod des Bruders des Bürgermeisters, der bei einer Leber-Transplantation vor kurzem starb. Er war scheinbar eine wichtige Stütze für den politischen Kampf des Bürgermeisters. Aber da gibt es noch 10 weitere Brüder. Den Bürgermeister kennen wir, dann gibt es einen der Stadtrat ist, ein weiterer Arzt, noch einer Landtagsabgeordneter, ein weiterer Zahnarzt und Kapitän bei der Armee. Eine mächtige Truppe in einer solchen Kleinstadt!

Der Verstorbenen stammte aus der pernambucanischen Kleinstadt Exu. Vor nicht allzu langer Zeit bekriegten sich dort zwei Familien: Die Sampaio's und die Alencar's. Ein Alencar ermorderte einen Sampaio und um die Familienehre zu schützen begann ein gegenseitiges Morden. Erst vor ein paar Jahren konnte der Streit beigelegt werden.

Brasilianische Lokalpolitiker sind nicht zimperlich in der Beseitigung politischer Gegner. Und vermutlich ist in der Kleinstadt Araripina ein solcher Blogger für den Bürgermeister so etwas wie eine lästige Fliege. Deshalb gilt Fredson Paiva meine Solidarität und der Wunsch, dass er sich gegen den Bürgermeister durchsetzen wird.

Informationsquelle: Blog do Fredson Paiva

Dienstag, 1. Dezember 2009

Minarette trüben die Aussicht

Mitte November übernahm die Schweiz in Strassburg für ein halbes Jahr den Vorsitz im Europarat.

Sie muss damit vor allem die Menschenrechtskonvention, die wichtigste Basis des Europarats, verteidigen.

Artikel 9 der Menschenrechtskonvention lautet:
Artikel 9 – Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit*

1. Jede Person hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religi­onsfreiheit; dieses Recht umfaßt die Freiheit, seine Re­ligion oder Weltanschauung zu wechseln, und die Freiheit, seine Reli­gion oder Weltanschauung einzeln oder gemeinsam mit ande­ren öf­fentlich oder privat durch Gottesdienst, Unterricht oder Praktizieren von Bräuchen und Riten zu bekennen.
2. Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu beken­nen, darf nur Einschrän­kungen unterwor­fen werden, die gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind für die öffentliche Sicherheit, zum Schutz der öffentlichen Ordnung, Gesundheit oder Moral oder zum Schutz der Rech­te und Freiheiten anderer.

Es wird schwer werden. Die plebiszitäre Schweizer Demokratie hat wieder mal der Politik seiner Repräsentanten das Leben schwer gemacht. Der Souverän hat sich gegen die Menschenrechte des Artikels 9 entschieden und den Muslimen die Minarette an ihren Moscheen verboten.

Wir erinnern uns an die Vorzüge der plebiszitären Demokratie in der Schweiz:

"Was lange währte, wurde am 7. Februar 1971 endlich gut: 66 Prozent der Schweizer Männer sagten Ja zur Einführung des Frauenstimmrechts. Nachdem fast alle europäischen Länder spätestens in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts den Frauen die politische Mitbestimmung zubilligten, mussten die Schweizerinnen 30 Jahre länger darum kämpfen. Denn konservative Geister empörten sich darüber und sahen die Rolle der Frauen, Mütter und Töchter nur am häuslichen Herd. Mit diesen Argumenten wurde die Diskussion um das demokratische Grundrecht lange Zeit vom Tisch gewischt.

Von diesen Neuerungen nichts wissen wollten die beiden Appenzell. Erst 1989 nahm Ausserrhoden das kantonale Frauenstimmrecht an der Landsgemeinde an. Innerrhoden lehnte es auch 1990 noch ab. Im selben Jahr wurde Innerrhoden jedoch, gestützt auf den 1981 eingeführten Gleichstellungsartikel, vom Bundesgericht «gezwungen», die Frauen am politischen Geschehen teilnehmen zu lassen." (Quelle: Schweizer Fernsehen)

"Im März 2002: Noch vor 16 Jahren hatten 76 Prozent der Bürger und alle 26 Kantone einen Beitritt des Landes zur UNO abgelehnt. Jetzt stimmten 54,6 Prozent der Wähler mit Ja. Zwölf Kantone gaben ihre notwendige Ja-Stimme, elf waren dagegen, wie Regierungssprecher Achille Casanova in Bern bestätigte. Damit wird die Schweiz der 190. Mitgliedsstaat der Uno." (Quelle: Spiegel Online)

Wen verwundert es, dass eben das besagte Appenzell der Kanton mit den meisten Befürworten der Verbotsinitiative für Minarette ist? 71% haben dafür gestimmt. Wenn man den Initiatoren glaubt, ging es auch um den Schutz der Frau! Dann waren wieder einmal die Richtigen am Werk.

Aber es ging in der Tat nicht um Minarette. Es ging darum, dass die reaktionären Schweizer ihre Landsleute wieder einmal am Nasenring der Fremdenangst durch die Arena ziehen konnten. Erstaunlich ist, dass dies immer noch gelingt. Für den Scherbenhaufen brauchen die Inititatoren ja nicht einzustehen. Es ist der Vorteil der plebiszitären Demokratie, dass die Verantwortung sich auf die vielen Schultern der Mehrheit verteilt und die findet man, wenn es schief geht, nicht mehr.

Was wird die Schweiz nun in Strassburg machen? ''Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es ein Grundrecht demokratischer Staaten ist, über Fragen zu diskutieren und abzustimmen, die für ihre Gesellschaft von Bedeutung sind, ruft das gestern in der Schweiz über den Bau neuer Minarette abgehaltene Referendum Bedenken hervor, ob eine Volksabstimmung über die Grundrechte Einzelner durchgeführt werden sollte, die durch internationale Verträge geschützt sind'', sagte Thorbjørn Jagland, der Generalsekretär des Europarates, am 30. November. Äusserst peinlich für die Schweizer Diplomatie nun in Grundrechtsfragen in die russische Ecke des Europarats gedrängt zu werden.

Die Schweizer Diplomatie muss die Suppe ihres Souveräns auslöffeln. Die "Tribune de Genève" schreibt: "Die Schweiz konnte des öftern auf die Unterstützung arabischer und afrikanischer Staaten in der UNO zählen und riskiert jetzt isoliert zu werden. Europa wird ihr nicht zu Hilfe eilen. Das ist ein schrecklicher Schlag für die Auswärtige Politik der Schweiz. Das ist das Ende einer Politik der Versöhnung, zu der sie bisher im Menschenrechtsausschuss in der Lage war."

Aber es gibt ja noch Hoffnung: Was lange währt, währt gut?

Informationsquellen: Diverse Schweizer Informationsmedien, Europarat