Samstag, 31. Oktober 2009

Sie wollen Präsident werden

Am 22. November 2009 wählt Rumänien einen neuen Präsidenten. Er ist der Chef des rumänischen Staates und präsentiert Rumänien international. Entsprechend der Verfassung ist er der Garant der nationalen Unabhängigkeit. Er überwacht die Einhaltung der Verfassung und das gute Funktionieren der öffentlichen Verwaltung. Er vermittelt zwischen den Staatsorganen wie auch in der Verbindung zwischen Staat und Gesellschaft. Er ist der Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ist der Vorsitzende des Obersten Verteidigungsrates des Landes. Seine Stellung ist somit nicht nur repräsentativ, sondern er kann aktiv in das Geschehen des Landes eingreifen.

Wer will Präsident werden?

Traian Basescu
Er ist der derzeitige Amtsinhaber und will das weiter bleiben. Er ist Mitglied der Liberaldemokratischen Partei (Partidul Democrat Liberal, PD-L) und 57 Jahre alt.
In der Einleitung zu seinem Wahlprogramm beschreibt er, warum er kandidiert: "Ich kandidiere von Neuem für das Amt des Präsidenten. Ich wünsche mir, dass die Rumänen mich für die Periode 2009-2014 zum Präsidenten wählen. In meinem Programm schlage ich ein besseres Leben vor, mehr Demokratie und Effizienz in einem modernen Rumänien". Seine Schlagworte: "Ich will den Dialog sicherstellen, meine Ideale und Werte mit andern teilen und für die Herstellung des Vertrauens arbeiten!", "Ich möchte eine starke Mittelklasse, mehr Demokratie und geeignete staatliche Institutionen", "Ich möchte mehr Solidarität mit den Bedürftigen und den nachfolgenden Generationen", "Im Wirtschaftsbereich möchte ich mehr Effizienz, mehr Stabilität und Vorhersehbarkteit", "Ich will mehr Wettbewerb!", "Wir schlagen vor, dass Rumänien 2011 Mitglied des Schengen-Raums wird", "Ich will reichere Bauern und urbanisierte Dörfer".

Dan Mircea Geoana
Der grosse Herausforderer. Er ist Mitglied der sozialdemokratischen Partei (PSD) und kandidiert jetzt für eine Parteienbündnis aus der PSD und der konservativen Partei (PC) (Alianta Politica Partidul Social Democrat + Partidul Conservator). Die PSD wird gemeinhin zu den Postkommunistischen Parteien gezählt. Ihr prominentester Vertreter ist der ehemalige Präsident Ion Iliescu.
Mircea Geoană, 50 Jahre alt, war bis 2004 Außenminister. Er konnte Ende 2004 die EU-Beitrittsverhandlungen erfolgreich abschließen. Seit Dezember 2008 ist er Präsident des rumänischen Senats.
Sein Programm ist etwas umfangreicher als das des Amtsinhabers. Er will in den schweren Zeiten der Wirtschaftskrise für die Rumänen erreichen, dass sie Würde und den Stolz Rumänen zu sein, zurückgewinnen. Er blickt auch noch einmal zurück auf die 20 Jahre, die seit der Revolution vergangen sind und bemerkt: "In diesem Jahr sind 20 Jahre seit der Revolution vergangen. Wenn wir genau hinsehen, dann können wir feststellen wie weit wir gekommen sind. Unser Land ist heute Mitglied der europäischen Familie, wir können in Europa und der Welt reisen, wohin wir wollen und wir können sagen, was wir wollen, ohne Angst zu haben, dass wir bestraft werden".
Und nun de Grund, warum er kandidiert: "Ich kandidiere für die Präsidentschaft Rumäniens, weil ich möchte, dass wir zusammen den Weg dieses Landes zu einem besseren Leben wieder finden. Dass wir wieder eine einige Gesellschaft mit unseren nationalen Werten - christliche Familie, ehrliche Arbeit und Solidarität unter den Menschen - werden. Ich schlage vor, dass zum Ende meines Mandates als Präsident Rumäniens, unsere Kinder wieder Vertrauen in die Zukunft haben und ihre Zukunft hier in Rumänien sehen." Er möchte gerne ein "einziges Rumänien" (O Singura Romanie), auf das alle stolz sein können.

George Crin Laurentiu Antonescu
Er ist Mitglied der Partidul National Liberal (PNL) und 50 Jahre alt. Von Beruf Lehrer. Er war zeitweise Minister für Jugend und Sport. Seine erste Ehefrau tötete sich selbst, nachdem sie an Krebs erkrankte.
Sein Programm steht unter dem Schlagwort: "Es liegt in unsere Macht, dass wir die Macht ändern". Er will das Präsidentenamt ändern, vom Richter-Präsidenten zum Präsidenten aller. Ein Präsident, der die Wahrheit sagt. Er will den Wiederaufbau der rumänischen Gesellschaft, die Schulden stoppen und die Wirtschaft stimulieren. Die Gewaltenteilung im Staat soll auch faktisch vollbracht werden und er soll dezentralisiert, entbürokratisiert und dereguliert werden. Für eine glaubwürdige, verantwortungsbewusste und unabhängige Justiz. Er optiert für ein starkes Europa mit effizienten Institutionen und demokratischer Legitimation.

Ovidiu Cristian Iane
Er kandidiert für die rumänische ökologische Partei (Partidul Ecologist Roman, PER). Er ist 39 Jahre alt, Jurist und seit 2008 Mitglied bei der PER. Aufsehen erregte er 2002 als er im Internet eine Dokumentation über das nichtangemeldete Vermögen des damaligen Ministerpräsidenten Adrian Năstase veröffentlichte. Deswegen wurde er verhaftet, aber nach einer Pressekampagne nach 3 Tagen wieder freigelassen.
Ein Programm hat er bisher nicht veröffentlichkeit, aber er ist der Ansicht, dass Rumäniens nur über die Ökologie gelöst werden kann.

Remus Cernea
Er ist der Kandidat der Partei der Grünen (Partidul Verde (PV)). Er ist 35 Jahre alt, hat Philosophie ohne Abschluss studiert. Profiliert hat er sich als Präsident der Humanistischen rumänischen Gesellschaft. In dieser Funktion kämpfte er gegen Diskriminierungen auf Grund des Glaubens oder der Religion und für eine strenge Trennung von Kirche und Staat. Kurz vor der Revolution kämpfte er mit Gleichgesinnten gegen den Personenkult um Ceausescu und nahm während der revolutionären Wirren im Dezember 1989 an Aktionen teil.
Sein Programm besteht aus 22 Gründen, warum er zum Präsidenten gewählt werden sollte. Die derzeitige politische Klasse habe abgehalftert und habe jede Glaubwürdigkeit verloren, deswegen sei eine neue Kraft wie die PV erforderlich. Die Grünen seien eine neue und unverbrauchte Kraft, die nicht durch Korruption und Opportunismus gekennzeichnet sei. Er wird in seinem Programm wenig konkret und endet zum Schluss: "Remus Cernea und die Grünen sind sich bewusst, dass nach all den Enttäuschungen es schwierig ist, das Vertrauen der Menschen in die Politik zurück zu gewinnen; das Einzige, um was wir bitten, ist, dass sie eine vernünftige Überprüfung aller gegenwärtigen politischen Offerten machen und sich der Wahl mit einer Gewissensentscheidung stellen."
Sorin Mircea Oprescu
Oprescu kandidiert als unabhängiger Kandidat. Er ist 58 Jahre alt und Oberbürgermeister der Stadt Bukarest. Bis 2008 war er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei PSD, trat aber aus dieser aus, weil die PSD ihn nicht zum Kandidaten für das Amt der Bukarester OB benennen wollte. Als Unabhängiger Kandidat gewann er dann die Oberbürgermeisterwahlen. Er ist von Beruf Arzt und Professor an der Medizinischen und Pharmazeutischen Universität Carol Davila in Bukarest.
Sein Begründung für die Kandidatur: "Die rumänischen Bürger wollen einen Unabhängigen Politiker im Amt des Präsidenten, der die Parteien und das System der öffentlichen Verwaltung kennt und der von keinerlei anderen Interessen abhängig ist." Die wichtigsten 3 Probleme Rumäniens sind für ihn: "1. wir sind arm, weil wir schlecht regiert worden sind, 2. wir sind schlecht regiert worden, weil wir von korrupten Personen, die nur auf ihre eigenen Interessen geschaut haben geführt wurden, 3. die Korruption exisitiert, weil die Justiz, die staatlichen Institutionen und die öffentliche Verwaltung schlecht funktionieren." Deshalb ist sein oberstes Ziel der Kampf gegen die Korruption. "Die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, die Werte wiederherstellen, Tatkraft und Einheit" damit will er die Rumänen überzeugen.

Corneliu Vadim Tudor
Der Chef der rechtsradikalen Grossrumänien-Partei (Partidul Romania Mare (PRM)) kandidiert erneut für das Amt des rumänischen Präsidenten. Im Jahr 2000 war er zur Überraschung und Entsetzen der Rumänen in die Endrunde gekommen und hatte ein Drittel der Stimmen bekommen. Er ist 60 Jahre alt und jetzt auch Abgeordneter im Europaparlament. Er gehört den Unbelehrbaren aus der Ceauşescu-Ära an, profilierte sich durch Antisemitismus und Hass auf die ungarische Minderheit in Rumänien. Ein Programm für seine Wahl hat er bisher nicht veröffentlicht. Seinem bisherigen Verhalten nach ist er auch der Ansicht, dass er ein solches nicht benötigt. Er bezeichnet sich als "praktizierender Christ" und kämpft für die Vereinigung der Kirchen von Jesus Christus.

Hunor Kelemen
Kelemen kandidiert für die Demokratische Union der Ungarn in Rumänien (Uniunea Democrata Maghiara din Romania (UDMR)). Die Ungarn sind die grösste Minderheit in Rumänien. Kelemen ist 43 Jahre alt und Schriftsteller (ungarisch). Ein veröffentlichtes Wahlprogramm existiert nicht.

Wer kandidiert sonst noch?
Gigi Becali, Präsident des Fussballclubs Steaua, windiger Geschäftsmann in mehrer Affären verwickelt. Er vertritt seine eigene Partei "Neue Generation" (Partidul Noua Generatie).
Constantin Rotaru für die Partei Sozialistische Allianz (Partidul Alianta Socialista). Er ist 54 Jahre alt und vertritt mit seiner Partei einen stramm kommunistischen Kurs.
Eduard Gheorghe Manole, ein unabhängiger Kandidat, 45 Jahr alt, Geschäftsmann.
Constantin Ninel Potirca, unabhängiger Kandidat, 42 Jahre alt. Gehört der Ethnie der Roma an und hat Publikationen über die Roma gefördert.

Informationsquelle: Alegeri.TV
Reblog this post [with Zemanta]

Freitag, 30. Oktober 2009

Der Tag in Brasilien - Bom dia Brasil

Freitag, Sexta Feira, 30. Oktober 2009

Noch ist es früher Morgen in Brasilien. Die ersten Meldungen des Tages erscheinen im Internet. Im Süden, im Bundesstaat Santa Catarina, scheint die Sonne. Der Tag verspricht warm zu werden. Für die Hauptstadt Florianópolis werden zur Zeit 20 Grad C gemeldet. Den "Diário Catarinense" beschäftigt heute bei den Auslandsnachrichten die Situation in Honduras, wo man sich auf ein Abkommen zur Lösung der Krise nach dem Sturz des Präsidenten geeinigt hat. In Santa Catarina selbst ist man dagegen besorgt über die steigende Kriminalität. "Bewaffnete Überfälle in Florianópolis innerhalb der letzten 10 Jahre um 400% gestiegen" lautet die Schlagzeile. Der Anstieg der Gewalt in der Stadt wird als besorgniserregend bezeichnet. Angekündigt wird, dass am nächsten Dienstag der Finne Toni Antti Juhani Hakala sich vor dem Schöffengericht in Florianóplis wegen Mord an der Tänzerin Elisângela Cordovil Coelho wird verantworten müssen.

Etwas nördlicher in São Paulo haben wir zur Zeit 18 Grad C. Auch in São Paulo, hier ist die "Folha de São Paulo" unser Zeitzeuge, befasst man sich mit dem endlich geglückten Abkommen in Honduras. Wichtiger ist aber die Nachricht, dass sich die brasilianischen Energiekonzerne bei den Elektrizitätsrechnungen kräftig zu ihren Gunsten verrechnet haben. Nach öffentlichem Druck haben sie das auch zugegeben und der Verbraucher kann sich auf eine Erstattung freuen. In São Paulo läuft zur Zeit die 33. Internationale Kinomesse (33a Mostra Internacional de Cinema). Für heute Abend wird mit Spannung die Vorführung des Films "Nova York, Eu Te Amo" (New York, ich liebe dich) mit der Schaupielerin Natalie Portman erwartet.

Von São Paulo geht es nach Rio de Janeiro. Hier regnet es heute mit Temperaturen zwischen 19 und 24 Grad C. Auch für das "Jornal do Brasil" ist natürlich Honduras eine Schlagzeile wert. In Rio selbst schockiert die Meldung, dass im Drogenkrieg im Monat September 82 Personen von der Polizei erschossen wurden, 2,7 Tote pro Tag. Der brasilianische Verkehrsminister wird heute das Startzeichen für die "Nationale Verkehrskampagne" (Campanha Nacional de Trânsito) geben. Mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit sollen die Brasilianer auf die Gefahr des Fahrens unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss, auf eine gute Instandhaltung des Fahrzeugs, Respektierung der Zebrastreifen und auf die Anschnallpflicht auch auf den Rücksitzen hingewiesen werden. Ansonsten gibt der Zustand der Bibliotheken in Rio de Janeiro Anlass zur Sorge. Sie werden von der öffentlichen Verwaltung vernachlässigt und verwahrlosen langsam. Beklagt wird aber auch das mangelnde Interesse der Bewohner Rio's an den Büchereien.

Weiter im Norden, in Salvador / Bahia, berichtet der "Correio" unter dem Titel "Hinrichtung", dass im Ort Ipiaú, ca 330 km von Salvador entfernt, der Polizeichef erschossen wurde. Er war 42 Jahre alt, 2 Schüsse trafen ihn in die Brust. Desweiteren sind die Mücken ein Problem. Sie übertragen das Dengue-Fieber und in Salvador stellt man besorgt fest, dass ein Anstieg der Infektionen um 2,6% zu verzeichnen ist. Und nicht der Erkrankungen genug: Die Zahl der Meningitis-Erkrankungen im Süden Bahia's steigen weiter.

800 km weiter nördlich, berichtet der "Diario de Pernambuco" aus Recife über eine besorgniserregende Entwicklung im Internet. Angeblich tauschen sich auf einer speziellen Twitter-Seite Verkehrsteilnehmer über stattfindenden Polizeikontrollen aus und warnen sich gegenseitig. "Twitteiros fogem da Lei Seca" (Twitternutzer übertölpeln das trockene Gesetz). Das "trockene" Gesetz hat in Brasilien Strafen für Alkoholfahrten erheblich verschärft. Desweitern erregt die Gemüter in Recife der Fall eines Belgiers namens Olivier Xavier Albert Shoonjans, der in der Stadt Fussgänger überfahren hatte. Eine Frau wurde dabei getötet, eine weiter und 1 Kind schwerverletzt. Die Polizei hatte den Mann nach Hinterlegung einer Kaution laufen lassen und der Volkszorn verlangt jetzt seine sofortige Inhaftierung. Das Wetter in Recife: Temperaturen zwischen 25 und 29 Grad.

Am Amazonas, in Belém do Pará beschäftigt man sich mit dem Streik der Finanzbeamten des Bundesstaates von Pará. Laut "Diário do Pará" hat ein Richter jetzt den Streik verboten. Falls das Verbot nicht befolgt wird, wird eine kräftige Geldstrafe fällig. Im Amazonasgebiet ist zudem ein Flugzeug verschwunden. Das Flugzeug war in Cruzeiro do Sul (Bundesstaat Acre) gestartet und gab nach 58 Minuten Flug ein Notsignal ab. 11 Personen waren an Bord. Das Flugzeug ist bisher nicht gefunden worden. Zur Zeit ist es Belém sonnig bei 25 Grad C.

Reblog this post [with Zemanta]

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Krach in Madrid

Esperanza Fuencisla Aguirre y Gil de Biedma, 57 Jahre, ist Mitglied der Partido Popular (PP) und seit 2003 Präsidentin der autonomen Gemeinschaft von Madrid (Comunidad de Madrid). Sie ist die einzige Frau in Spanien, die eine autonome Region leitet und auch die einzige weibliche Senatorin im Senat, der zweiten Kammer des spanischen Parlaments. In ihrer frühen politischen Karriere gehörte sie eher liberalen Zirkeln an, stiess aber später zur konservativen Partido Popular. Für viele politische Beobachter gehört sie eher dem konservativeren Teil der PP an. Opponenten mag sie nicht, sie schaltete diese bisher mit dem nötigen Machtinstinkt aus.

2005 schlug sie ihre erste Schlacht, in der sie die Kontrolle über die Madrider Sektion der PP übernahm. Ihr Widersacher war der der Bürgermeister von Madrid, Alberto Ruiz-Gallardón, der ebenso wie sie der PP angehört. Während ihrer Amtszeit von 2003 bis 2009 gelang es ihr den Fernsehsender der Comunidad, Telemadrid, mit ihren Gefolgsleuten zu besetzen. 2006 positionierte sie anlässlich einer Reorganisation der Handelskammer von Madrid einen ihrer Gefolgsleute, Gerardo Díaz Ferrán, an die Spitze der Organisation. 2009 liess sie ihr gegenüber kritische Parteifunktionäre ausspionieren.

Jetzt ist in Madrid der bereits unterschwellig existierende Machtkampf zwischen dem Bürgermeister und der Präsidentin der autonomen Gemeinschaft voll ausgebrochen. Aguirre hatte seit 2003 zielstrebig an ihrer Machtausweitung gearbeitet, indem sie den Einfluss von Ruiz-Gallardón immer mehr zurückdrängte. 2004 nach einer der ersten Niederlagen äusserte Ruiz-Gallardón: "Wir haben uns zwar eine Niederlage eingeholt, aber wir sind nicht besiegt". Damals hatte sein Mitarbeiter Manuel Cobo die Wahlen um das Präsidentenamt der PP von Madrid gegen Aguirre verloren. Seither kam es zu ständigen Machtkämpfen zwischen den beiden Parteigenossen. Keine Kleinigkeit war zu klein, um einem Krach aus dem Weg zu gehen.

Das ist wohl der Grund, warum es dieser Tage in Madrid knallt. Aguirre wollte die Kontrolle der "Caja Madrid" (Sparkasse von Madrid) auf bewährte Weise übernehmen. Dies katapultierte den Vizebürgermeister Manuel Cobo auf die Palme und an die Öffentlichkeit. In der Zeitung "El Pais" warf er Aguirre vor, die Partei im Gestapo-Stil (die Spionageaffäre wird als "Gestapillo" bezeichnet) mit ihren Verwaltern zu überziehen und alle Gegner mundtot zu machen. Verwalter, sogenannte "gestoras" werden nur in einem Fall ernannt, falls ein Parteibezirk sich selbst nicht mehr führen kann. Durch Einsetzung solcher "gestoras" hatte sich Aguirre in 25 Bezirken um ihre PP gekümmert. 12 Überwachungen dieser Art laufen zur Zeit noch. Begründet wird dies mit ausgeschiedenen Lokalpolitikern der PP, die auf Grund der Affäre "Gürtel" in den Gemeinden ihre Ämter niederlegen mussten. Aguirre spielt diese Zahl als nicht besonders hoch herunter. Ihre Vorgänger hätten wesentlich mehr "gestoras" installiert.

Der Machtkampf um die "Caja Madrid" ist aber auch ein Machtkampf zwischen dem Führer der PP in Spanien, Mariano Rajoy, der in einem Vermittlungsversuch den ehemaligen Wirtschaftsminister Rodrigo Rato als Präsident der Caja Madrid vorschlug, und Esperanza Aguirre. Sein Vorschlag hatte bisher wenig Erfolg. Cobo findet es nun zum Kotzen, dass die Anhängerschaft von Aguirre mit allen Mitteln die Wahl von Rato zu verhindern sucht. In aller Öffentlichkeit weist er auf die Manöver der Aguirre-Fraktion hin und wirft ihr selbst "Scheinheiligkeit" vor. Seither "steppt" der Bär in Madrid. Einige lokale Parteiorganisationen der PP haben beantragt, Cobo vor der Disziplinarkommission der Partei, zur Rechenschaft zu ziehen.

Die nächsten Tage in Madrid werden spannend....

Informationsquelle: El Pais, El Mundo, Wikipedia spanisch


Reblog this post [with Zemanta]

Montag, 26. Oktober 2009

Ideenreiche Haschisch-Händler

Das Rif-Gebirge in Marokko ist schon seit langem bekannt als Haschischanbaugebiet. Ebenso lange gibt es auch den Drogenschmuggel Richtung Spanien und Westeuropa. Waren es zuerst Drogenkuriere, die das Haschisch über die Fähren in der Meerenge von Gibraltar schmuggelten, so gingen die Händler dazu über, den Stoff mit Schnellbooten über das Meer nach Spanien zu bringen.

Die neueste Entwicklung ist, dass man dafür auch Kleinflugzeuge benutzen kann. Marokko hat dieser Tage Spanien wegen des Anstiegs dieser Schmuggelflüge gewarnt und darauf hingewiesen, dass dadurch für beide Länder erhebliche Sicherheitsprobleme entstünden.

Zuletzt kam es am 22. September zur Verhaftung von spanischen Drogenschmugglern, deren Flugzeug in der marokkanischen Provinz Taourit verunglückte. Da man keine Drogen fand, wurden der Pilot und sein Helfer vom Staatsanwalt wegen "Verletzung des marokkanischen Luftraums" angeklagt.

Die marokkanische Regierung hat weitere 10 spanische Piloten und Copiloten, die den marokkanischen Luftraum verletzt hatten, zur Fahndung und Verhaftung ausgeschrieben sowie eine grössere Anzahl Marokkaner, die bei der Landung der Kleinflugzeuge, Hubschrauber und Autogiros und der Beladung mit Haschisch geholfen hatten.

Seit 2008 haben die marokkanischen Behörden 4 Spanier, einen Staatsangehörigen der USA und 35 Marokkaner, die in die Drogenflüge verwickelt waren, verhaftet. 7 Flugzeuge wurden beschlagnahmt, davon waren einige schon verbrannt, um Spuren zu verwischen. Dieser neue Schmuggelweg ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Kontrollmassnahmen in der Meerenge inzwischen wirksam sind und die Drogenhändler deshalb alternative Schmuggelwege suchen. Der Luftweg ist sehr teuer und erlaubt nur den Transport von einigen 100 Kilos, während auf den Booten Tonnen der Droge transportiert werden kann.

Spanien hatte bereits im Juni 2008 ein Kleinflugzeug auf dem Flughafen von Sevilla zur Landung gezwungen. Es hatte 198 Kilo Haschisch an Bord. Vor 10 Tagen hat die Guardia Civil in Malaga eine Bande, die die Drogenflüge von einem privaten Flugplatz aus organisierte, aufgedeckt.

Die Täter in flagranti zu ertappen, ist nicht so leicht. Wenn sie sich verfolgt sehen, werfen sie ihre Ladung ab. So waren 2 junge Angestellte eines Forstunternehmens am 6. Oktober im Nationalpark von Cabañeros (Ciudad Real) nicht schlecht überrascht als ein Rucksack mit 411 Haschischkugeln, die aus einem Flugzeug geworfen worden waren, vor ihre Füsse fielen. Sie dachten, sie hätten das grosse Los gezogen und versuchten die 4 Kilo Drogen, deren Marktwert 20.000 Euro betrug, auf der Strasse zu verkaufen. Da sie sich dabei zu dumm anstellten - sie hatten keine Erfahrung im Drogenhandel - bekam die Polizei schnell Wind von der Sache und verhaftete sie.

Siehe auch Beitrag: Nationalpark ein Paradies für Drogen-Schmuggler

Informationsquelle: El Pais, El hachís sobrevuela el Estrecho

Sonntag, 25. Oktober 2009

Stecker-Revolution in Brasilien

Brasilien steht vor einer Revolution im Bereich der elektrischen Anschlüsse. Ab 2010 sind neu genormte Elektrostecker und Steckdosen Pflicht. Sie müssen dann entsprechend den Normen der brasilianischen Gesellschaft für technische Normen (Associação Brasileira de Normas Técnicas (ABNT)) produziert werden. Die Ankündigung erfolgte durch das Nationale Institut für Metrik, Normalisierung und Industriequalität (Inmetro).

Bereits im Jahr 2000 erfolgte die Standardisierung. Damals wurden den Industrieunternehmen noch Fristen bis zum Jahr 2010 für die Umstellung der Produktion eingeräumt. Bereits ab 1. Januar 2010 dürfen Geräte mit veralteten Stecker nicht mehr produziert werden und Importeure dürfen nur noch Geräte einführen, die der neuen Norm entsprechen. Am 1. Januar 2011 ist dann der Handel dran, er darf dann keine Geräte mit veralteten Steckern mehr verkaufen. Spätestes im Juli 2011 darf keine elektrisches Gerät mehr verkauft werden, dessen Stecker nicht der Norm entsprechen.

Nach Auskunft von Inmetro gibt es zur Zeit in Brasilien 12 verschiedene Arten von Stecker und 8 verschiedene Arten Steckdosen. Der bisherige Zustand hat vielfach zu gefährlichen Situationen geführt, da die Stecker des öfteren von den Konsumenten mit Gewalt kompatibel gemacht wurden. Mit der Standardisierung soll vor allem das Sicherheitsrisiko vermindert werden. Die neuen Stecker sollen auch sicher sein, wenn sie nur teilweise in die Dose eingesteckt wurden. Mit der Standardisierung wird es in Brasilien nur zwei Modelle von Steckern und Steckdosen geben: Die mit 2 oder 3 runden Stiften.

Laut Inmetro braucht der brasilianische Konsument jetzt nicht in Panik zu geraten. Angeblich sollen 80% der alten Stecker auch in die neuen Steckdosen passen. Aber wenn er ein neues Gerät ab 1. Januar 2010 kauft, dann muss er doch die Steckdose in seiner Wohnung wechseln.

Anders sieht das die Verbraucherorganisation "PRO TESTE". Sie hält die Standardisierung zum jetzigen Zeitpunkt für unnötig. Mehr Priorität sollten ihrer Meinung nach die Vereinheitlichung der Stromspannung in Brasilien haben. Heute gebe es zum Teil in der gleichen Strasse Gebäude, die eine Spannung von 110 Volt benutzten und andere mit 220 Volt. Zudem sei der neue Stecker inkompatibel mit dem anderer Länder wie den USA, China und einiger südamerikanischer Nachbarländer.

Informationsquelle: Innovação tecnológica, Novo padrão de plugues e tomadas chega ao comércio em 2010 und PRO TESTE, Novo padrão de plugues e tomadas no País

Freitag, 23. Oktober 2009

Rumänische Psychiatrie zum Fürchten

Gestern wurde in Rumänien vom Zentrum für Juristische Studien (Centrul de Resurse Juridice; CRJ) ein Untersuchuchungsbericht über den Zustand der psychiatrischen Krankenhäuser vorgelegt. Das Ergebnis ist bedenklich. Psychisch kranke Menschen werden schlechter behandelt wie Gefangene und ihre Unterbringung ist zum Fürchten: Unbekleidet, ungewaschen, hungrig und vollgestopft mit Beruhigungspillen werden sie in verschmutzten Räumen gehalten.

In einigen Krankenhäusern hat man inzwischen die Räume renoviert, die Wände in freundlichen Farben bemalt und mit Thermopan-Fenstern ausgestattet, aber in den Mehrzahl der Anstalten werden die Patienten schlecht bis unmenschlich behandelt. Das Personal in solchen Krankhäusern kennt weder die Rechte der Patienten noch respektiert sie diese. Die Patienten können nur kalt duschen, in einem Bett müssen zum Teil 2-3 Menschen schlafen, sie bekommen nicht ausreichend zu essen und werden tagsüber angebunden.

Horaţiu Rusu, Berichterstatter des CRJ, beschreibt die Situation so: "Die Stationen der psychiatrischen Krankenhäuser sind im allgemeinen übefüllt und den Patienten wird kein privates Leben mehr zugestanden. Sie sind schlecht bekleidet und haben nur begrenzte Möglichkeiten mit ihren Familien Kontakt aufzunehmen. Es gibt kein Telefon und Briefe dürfen nur abgeschickt werden, wenn diese von der Anstaltsleitung vorher überprüft und gegebenenfalls korrigiert worden sind."

Von den untersuchten Krankenhäusern war das schlimmste das Krankenhaus Gura Văii, von Drobeta-Turnu-Severin, wo die Unterbrigung der Kranken miserabel war. "Die Patienten wurden in unhygienischen Verhältnissen gehalten, es war kalt und einige war so gut wie unbekleidet", berichtet Vasile Moldovan, ein weiterer Berichterstatter des CRJ. In vielen Krankenhäusern werden die Klagen der Patienten ignoriert.

In vielen Fällen wurden Patienten angetroffen, die mit Schlaftabletten ruhi gestellt wurden. Laut dem Bericht gibt es auch viele Patienten, die sich gegen ihren Willen in der Anstalt befinden. Es gibt keine Zustimmungserklärung zur Unterbringung, die Betroffenen werden gegen ihren Willen legal der Freiheit beraubt.

Ileana Botezatu, die Leiterin des Zentrum für Geisteskrankheiten (Centrul de Sănătate Mintală) begrüsst den Bericht und hofft, dass sich jetzt etwas ändern wird. "Der Blick von aussen ist willkommen. Leider ist das Personal, das in diesen Anstalten arbeitet noch einer alten Mentalität verhaftet, die schwer zu ändern ist und die Neuausgebildeten gehen ins Ausland, um zu arbeiten. Unsere Krankenhäuser sind alt, meistens über 150 Jahre und bedürften dringend einer Sanierung", erklärte Frau Botezatu. Ein Psychologe meint, "schönere Gebäude nützen nichts, wenn das Personal nicht richtig ausgebildet ist. Die psychiatrischen Anstalten werden sich erst ändern, wenn das Personal sich ändert."

Empfehlenswerte Lektüre zur Psychiatrie: Robert Lowry, Lebendig begraben (Roman)
Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Evul Mediu în spitalele de psihiatrie româneşti

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Demnächst sprechen die Filmstars katalanisch

Die katalanisches Landesregierung, Generalitat de Catalunya, plant ein Gesetz, das die Filmwirtschaft in Katalonien verpflichtet, mindestens die Hälfte der Filme in den Kinos in katalanischer Sprache anzubieten. Der entsprechende Gesetzentwurf soll heute oder morgen der katalanischen Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wer sich nicht daran hält, dem wird mit einer Strafe zwischen 4.000 und 75.000 Euro gedroht. Dafür sollen die Kinos staatliche Unterstützung bei der Renovierung ihrer technischen Anlagen bekommen.

Im Rahmen der Sprachenpolitik der Generalitat soll vorrangig das Katalanische als Landessprache gegenüber der spanischen Sprache gefördert werden.

Der Verband der katalanischen Kino-Unternehmer läuft gegen diese Pläne Sturm. Nach Ansicht der Vorsitzenden, Pilar Sierra, gibt es für katalanische Sprachfassungen "keinen Bedarf" und mit dem geplanten Gesetz würde die Krise der Kinos nur noch verschärft.

Der zuständige Minister für Kultur, Joan Manel Tresserras, erklärte, dass das Argument es gäbe keinen Bedarf falsch sei. "In den 70er Jahren hat man auch behauptet, dass kein Bedarf für einen Radiosender auf Katalanisch bestehe und jetzt ist dieser der meistgehörte Sender in Katalonien", ergänzte er dazu. Er stützt seine Ansicht auch auf eine Meinungsumfrage, dem sogenannten Kulturbarometer, wo sich 82,4% der Befragten einverstanden erklärt hatten, wenn Filme in beiden Sprachen zur Verfügung gestellt würden. Seit mehr als einem Jahr würde mit dem Film-Sektor verhandelt und obwohl es den grossen Verleih-Firmen nicht gefalle, haben sie sich dazu verpflichtet, an diese Aufgabe heranzugehen. Er fügte noch hinzu: "Dasselbe was sie in Estland und Dänemark machen, Länder mit weniger Bevölkerung wie Katalonien."

Informationsquelle: La Vanguardia, Los exhibidores afirman que el cine en catalán no es rentable

Dienstag, 20. Oktober 2009

Die Securitate, Herta Müller und die Banater Schwaben

Die Zeitung "Adevarul" hat heute die Fotokopie eines Schreibens der Securitate des Kreises Timis aus dem Jahre 1987 veröffentlicht. Das Schreiben war an das rumänische Innenministerium gerichtet und enthielt "streng geheime" (strict secret) Informationen über die Banater Schriftstellergruppe um Richard Wagner, Herta Müller und Wilhelm Totok.

Über Herta Müller hatte die Securitate folgendes zu berichten:

"Bezüglich Herta Müller werteten wir insbesondere einige Aspekte des Inhalts ihres Werkes "Niederungen" aus, ein Werk das bei uns 1982 veröffentlicht wurde und danach in der Bundesrepublik Deutschland. Neben Herabwürdigungen unseres Staates beschreibt sie verschiedene Sitten und Unsittlichkeiten, die in den Kreisen der Bürger deutscher Nationalität im Banat herrschen. Deswegen wurden umgehend Massnahmen gegen Herta Müller ergriffen, nachdem das Werk erschienen war, unter Bezug auf besagte negative Sitten und Charakteristika, die, auch wenn sie nicht der Wirklichkeit entsprechen, offensichtlich von ihrer Natur her dazu gedacht sind, den Stolz der Bürger deutscher Nationalität zu verletzen und sie gegenüber den anderen Nationalitäten als inferior herabzusetzen. Diese Ideen aus dem Werk von Herta Müller wurden im Land verbreitet und in der B.R. Deutschland und zwar durch Kontaktaufnahme und Beeinflussung von Personen, die den Pass zur endgültigen Ausreise bekommen haben.

Gleichzeitig wurde Müller Herta und ihrem Ehemann Wagner Richard die Genehmigung zu einer zeitlich begrenzten Reise in den Jahren 1984 - 1985 in die Bundesrepublik Deutschland gewährt.

Im Hinblick auf die vorgenommenen Massnahmen hat es einige Reaktionen im Rahmen der deutschen Auswanderung gegeben. So im Jahre 1984 als der Westdeutsche Kuhkl Peter sich mit einem Schreiben an den so genannten Wissenz Franz in Nitzkidorf wandte und unter anderem schrieb: "....Herta hat ein Spiel mit ihren Mitbürgern gemacht und für einen sehr kleinen Preis Jubel bei ihnen ausgelöst. Ich gehe oft zu Konferenzen, bin in einigen Vereinen und überall habe ich nur Gutes über uns und unsere Gleichgesinnten gehört, aber das was Herta gemacht hat verschlägt ihnen den Atem."

Der Berichterstatter der Securitate lässt sich dann darüber aus, dass Herta Müller bei ihrem Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland von einigen Personen als Mitarbeiterin der Securitate verdächtigt wurde, weil sie die Möglichkeit zu einer Reise nach Deutschland hatte, was eigentlich nur Privilegierten zustehe. Die Securitate habe sie nur ausreisen lassen, damit sie die Deutschen in Rumänien diffamiere. Einen ähnlichen Tenor sollen auch einige Publikationsorgane der deutschen Auswanderer angeschlagen haben.

Der Berichterstatter fährt fort:
"Im Gefolge der ergriffenen Massnahmen wurden die Positionsarbeiten gegen Herta Müller ausgeweitet und ich kenne den Umfang. ......"

Er zitiert dann die Quelle "Wagner", die im September/Oktober 1986 in Deutschland war und berichtete, dass Herta Müller in Kreisen der Auswanderer sehr kritisiert würde wegen des Inhaltes ihres Buches "Niederungen", wo sie einige "hässliche und unwahre" Dinge geschrieben habe und dass diejenigen, die ihr in der B.R. Deutschland Preise gegeben hätten, Verrückte seien, die aus ihrem Holze geschnitzt seien.

Und weiter:
"In den letzten Monaten des Jahres 1986 wurden an Herta Müller aus der B.R. Deutschland Material geschickt, bei dem ein Blatt Papier dabei war, auf dem 22 Personen unterschrieben haben und auf dem steht: "In Deutschland sind sie unerwünscht. So etwas über das Banat zu schreiben, ist eine Schande." Ein E. Gross hat geschrieben: "Ihre Bücher sollten verbrannt und sie ins Gefängnis geworfen werden. Bleiben sie dort, wo sie sind, in Deutschland ist kein Platz für sie.""

Am 22. Oktober 1988 verfasste die Securitate einen Massnahmeplan (Plan de Masuri). Es sollten Massnahmen der Zügelung und Entmutigung von Herta Müller, Richard Wagner, Wilhelm Totok und Helmut Frauendorfer vorgenommen werden, da sich die Betroffenen nach ihrer Ausreise aus Rumänien weiterhin feindlich verhalten hätten und positive Einflussnahmen auf sie keine Erfolge gezeitigt hätten. Ziel sei es jetzt die Betroffenen innerhalb der ausgewanderten Deutschen aus Rumänien zu isolieren.

Scheinbar konnte sich da die Securitate berechtigte Hoffnungen machen, dieses Ziel zu erreichen. Die ausgewanderten Deutschen haben hier Hand in Hand mit der Securitate gearbeitet, um Landsleute mit eigenen Meinungen mundtot zu bekommen. Daran sollte man heute bei all dem Jubel um den Literaturnobelpreis für Herta Müller denken.

Anmerkung: Ich hoffe, dass ich das verquaste Bürokratenrumänisch der Securitate in allen Punkten richtig wiedergegeben habe!

Informationsquelle: Adevarul, Mărturiile fostului soţ al Hertei Müller (Artikel mit Fotokopie des Securitate-Schreibens)

Reblog this post [with Zemanta]

Montag, 19. Oktober 2009

Die Schlacht am Morro dos Macacos

Vergangenen Freitag erhielt das "Comando Vermelho" (CV) in Rio, dessen Führung im Hochsicherheitsgefängnis vom Catanduvas in Paraná sitzt, von letzteren den Befehl zum Angriff auf den "morro dos Macacos" (Berg der Affen). Von dort sollte die rivalisierende Bande ADA (Amigos dos Amigos) vertrieben werden. Die Polizei wusste von dem geplanten Angriff.

Der Dorgenhänder Fabiano Atanásio da Silva, der sein Aktionsgebiet im Komplex der Favelas "do Alemão" (Favela des Deutschen) hat, soll den Angriff organisiert und geleitet haben. Der Angriff erfolgte mit einem Ablenkungsmanöver. Die Kriminellen eröffneten in verschiedenen Vierteln aus mindestens 12 Fahrzeugen das Feuer. Es sollte die Polizei vom Geschehen auf dem "morro de los Macacos" ablenken.

Diese liess sich nicht ablenken und drang in das Gebiet des Bandenkrieges vor. Ein Hubschrauber der Polizei wurde von den Kriminellen mit einem Maschinengewehr zur Luftbekämpfung beschossen und stürzte ab. Pilot und ein weiterer Polizist waren sofort tot. Ein verletztes Mitglied der Hubschrauberbesatzung ist heute gestorben. Heftige Schiessereien zwischen den Banditen und den Banditen und der Polizei charakterisierten die Situation am Samstag und Sonntag.

Heute ist es in Rio ruhig. 3.000 Militär- und Zivilpolizisten kontrollieren die Eingänge zu den Favelas der Region. Um die Bewohner nicht zu gefährden hatte sich die Polizei in der Nacht aus den umstrittenen Favelas zurückgezogen, sind aber heute wieder präsent und auf der Suche nach den Kriminellen. Die Besetzung der Favelas erfolgt vorläufig auf unbegrenzte Zeit.

12 Tote sind zu beklagen. Neben der Hubschrauberbesatzung waren es 10 Verdächtige, die erschossen wurden. Später wurde präzisiert, dass 3 Tote unschuldig waren, sie kamen von einem Fest zurück.

Die Anthropologin Alba Zaluar, eine Kennerin der Situation in den Favelas und deren Infiltration durch den Drogenhandel, verteidigte heute morgen in einem Interview eine neue Form des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität angesichts der neuen Realität. Sie wies darauf hin, dass die Tatsache, dass der Befehl aus dem Hochsicherheitgefängnis von Catanduvas kam, dass sich das Verbrechen inzwischen in einer Form organisiert, die nur mit einer nationalen Strategie bekämpft werden könne. Man sage, dass die Olympiade jetzt ganz Brasilien gehöre. Das Problem der Kriminalität sei jetzt auch ein Problem des ganzen Brasilien. Bei der Konzentration von Gefangenen in einem einzigen Gefängnis erfordere jetzt auch die Präsenz der Bundespolizei.

Die Kämpfe in Rio wurden bisher nur von der Militär- und Zivilpolizei des Bundesstaates Rio de Janeiro bestritten. Den Einsatz der Bundespolizei und des Militär wurde vom Gouverneur von Rio bisher abgelehnt.

Informationsquellen: Jornal do Brasil, Morre terceiro PM que estava em helicóptero abatido pelo tráfico und Folha online, Polícia ocupa morros no Rio; entidades oferecem até R$ 12 mil por denúncias
Reblog this post [with Zemanta]

Sonntag, 18. Oktober 2009

Was die Touristen so an Sevilla lieben

Anlässlich des Nationalfeiertages (12. Oktober) hat die Tourimusbehörde in Sevilla eine Umfrage bei den Touristen gemacht und nach ihrer Meinung zu den Vorzügen der Stadt gefragt. Entsprechend dieser Umfrage waren die meisten Touristen mit Sevilla zufrieden.

Bei einer Punkteskale von 1 bis 10 (10 war Bestnote) konnten die Befragten ihre Note abgeben. Sie entschieden sich, dass Sevilla ganz besonders gut abgeschnitten habe bei der Gastfreundschaft (7,48) und seinen Fussgängerzonen (peatonalización). Danach folgen der Transport (6,78) und die Sicherheit (6,73).

97,83% der Befragten würden ihren Freunden einen Besuch in Sevilla empfehlen und 95,83 % würden wiederkommen.

Die befragten spanischen Besucher kamen grösstenteils aus der Region Valencia (32%) und aus Madrid (15%), gefolgt von den Andalusiern selbst (13%) und den Katalanen (7%). Aus dem Ausland kamen die meisten Besucher aus Deutschland (18%), Italien (12%) und Grossbritannien (10%).

Der überwiegende Teil der Befragten war zwischen 35 und 54 Jahren alt und hatte sich das Übernachtungshotel im Internet gesucht. Das Internet war auch die meistgesuchte Informationsquelle für den Sevilla-Besuch.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, Los turistas destacan de Sevilla la peatonalización y la hospitalidad
Reblog this post [with Zemanta]

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Klaus Johannis und der kalte Wind der rumänischen Politik

Nach der Abwahl der Regierung des Ministerpräsidenten Boc durch ein Misstrauensvotum, ist Bewegung in die rumänische Politik gekommen. Staatspräsident Băsescu musste einen neuen Ministerpräsidenten ernennen. Und einer der heissesten Favoriten war plötzlich der Siebenbürger Sachse Klaus Johannis. Johannis ist Bürgermeister der Stadt Sibiu mit dem deutschen Namen Hermannstadt. Er ist auch Mitglied des "Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR)". Das DFDR wurde 1989 als die politische Vertretung der Rumäniendeutschen gegründet.

Es ist nun doch vorläufig anders gekommen. Staatspräsident Băsescu hat sich für den Wirtschaftsspezialisten Lucian Croitoru entschieden. Er hat allerdings Klaus Johannis auf eine "spätere Zusammenarbeit" vertröstet. Vielleicht will er damit Johannis ruhig stellen, denn man spekuliert bereits, ob Johannis nicht für das Präsidentenamt kandidieren solle. Die Präsidentschaftswahlen finden im November statt und Băsescu kandidiert erneut für dieses Amt.

Trotzdem hat die Aussicht auf das Amt schon gezeigt, dass die Luft in Bukarest für Johannis rau werden könnte. Die Internet-Seite von "Gandul" berichtet noch vor der Entscheidung von Băsescu: "Ein ethnischer Deutscher mit Hang zu grossen Politik. 88% Bürgermeister. Er hat sich 6 Häuser gekauft."

Die 6 Häuser sollen das Bild von Johannis als Ehrenmann ankratzen. Erst einige Absätze weiter und kleingedruckter wird man konkreter: "Entsprechend der Erklärung über sein Vermögen, hatte Johannis im August 2009 sechs Immobilien, genauer gesagt 3 Wohnungen und 3 Häuser, alle in der Gemeinde Sibiu / Hermannstadt. Alle wurden von ihm gekauft. Zum heutigen Zeitpunkt hat der Bürgermeister von Sibiu ein Guthaben bei der BCR (rumänische Handelsbank) in Höhe von ungefähr 1,4 Milliarden alten Lei. Er hat weder ein Auto noch Aktien in irgendeiner Firma."

Das hört sich doch schon etwas anders an. Greift man aber auf alte Lei zurück, um die Summe sexier zu machen? Um auf den "neuen Lei" zu kommen, muss man die Summe nämlich durch 10.000 teilen. Dann sind das plötzlich nur noch 14.000 neue Lei. Das wären etwa 3.400 Euro. Johannis wäre dann weder Milliardär noch Millionär.

In einer solchen Atmosphäre müsste Johannis rumänische Politik betreiben. Dazu bräuchte er starke Nerven, denn die rumänische Öffentlichkeit kann einfach nicht glauben kann, dass es wirklich einen rumänischen Politiker gibt, der sich die Hände noch nich schmutzig gemacht hat.

Informationsquelle: Gandul, Un etnic german cu lipici la politica mare und Lucian Croitoru, premierul desemnat de Băsescu. Iohannis, sunat de preşedinte pentru o "colaborare de viitor"

Reblog this post [with Zemanta]

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Unter dem Boden brennt der Nationalpark

"Der spanische Nationalpark Tablas de Daimiel liegt in der autonomen Region Kastilien-La Mancha im Bereich der Gemeinden Daimiel und Villarrubia de los Ojos. Das mit 1.928 ha für einen Nationalpark recht kleine Schutzgebiet schützt eine der letzten verbliebenen Flussauen Zentralspaniens. Aufgrund von Wassermangel, der im Wesentlichen auf die Nutzung von Grundwasser zur Bewässerung zurückgeht, ist das Gebiet heute größtenteils ausgetrocknet." So beschreibt Wikipedia den sterbenden Nationalpark von Daimiel.

Sterbend? Seit August wütet ein unterirdisches Feuer im Park. Es brennt der Torf im Boden. Dieser hatte sich während 300.000 Jahren unter Ausschluss von Sauerstoff entwickelt. Wegen Wassermangel ist er so trocken, dass er Volumen verliert und den Boden mit Rissen überzieht. Bereits 1986 ereignete sich der erste unterirdische Brand. Damals gab es aber noch genug Wasser, um ihn zu löschen. Nach 4 Jahren Trockenheit brach der Brand am 26. August erneut aus.

Der Experte Guillermo Rein aus Madrid erklärt, dass dieses Feuer genügend Brennstoff habe, um in alle Ewigkeit zu brennen. Mit den Löchern und Rissen, die sich jetzt aufgetan hätten, werde der Brand nicht von selbst ausgehen. Dies hätten Beispiele aus Australien und den USA gezeigt. Gelöscht werden könne nur, wenn der ganze Park überflutet würde.

Die Regierung plant nun genau dieses. Ab Januar soll Wasser vom Tajo in den Park umgeleitet werden, um diesen zu fluten und so das Feuer zu ersticken. Vor Januar könne aber nichts gemacht werden. Der Staatssekretär für Wasserfragen ist optimistisch bezüglich der Zukunft des Parkes und glaubt nicht, dass die Schäden nicht mehr zu beheben sind. Alternativüberlegungen, das Feuer mit Löschflugzeugen zu löschen, wurden verworfen, da die dafür erforderliche Menge an Wasser alle Kapazitäten übersteigen würde.

Nach Meinung des Experten Guillermo Rein eine gefährliche Verzögerung. Seiner Berechnung nach verursacht der Brand täglich 100 bis 400 Tonnen an Kohlendioxid und und Kohlenmonoxid. Beides sind Gase, die den Treibhauseffekt verstärken. Die Umweltschützer sind alarmiert. Miguel Ángel Soto, der die Waldkampagne von Greenpeace leitet, warnt, dass man nicht nur über die Treibhausgase der Fabriken sprechen müsse, sondern auch über diejenigen, die durch Missbrauch der Feuchtgebiete entstehen, die dadurch von einem Kohlendioxidaufnehmer zu einem Kohlendioxidausscheider werden. Jetzt räche sich die langjährige Ausbeutung des Gebiets für die Wasserbewirtschaftung der Landwirtschaft.

Das Umweltministerium sieht die Verschlechterung der Lage im Feuchtgebiet mit Sorgen. Unter anderem, weil die UNESCO bis 2011 prüft, ob die Feuchtgebiete der Mancha noch als Biosphärenreservat angesehen werden können. Das Schlechteste, was jetzt passieren konnte, war ein Brand im Nationalpark.

Informationsquellle: El Pais, "El fuego tiene combustible para arder durante años" und Trasvase de emergencia contra el incendio subterráneo de Daimiel
Reblog this post [with Zemanta]

Dienstag, 13. Oktober 2009

Schengen: Ist die Schweiz schon untergegangen?

Das von rechten Populisten gemalte Bild einer Schweiz in höchster Gefahr, falls man dem Schengen-Abkommen beitrete und damit einen Schritt auf die Europäische Union zumache, wo ist es geblieben?

Vor der Volksabstimmung zum Schengen-Abkommen machte die Schweizerische Volkspartei (SVP) mit folgenden Argumenten Stimmung: "Sicherheit ist nur noch an den Aussengrenzen der EU ein Thema, im Inner-EU-Raum sollen Schleierfahndungen das Defizit wett machen. Dies ist vergleichbar mit dem Suchen nach der Nadel im Heuhaufen und hätte für die Schweiz Folgen: Viel grösserer Personalbedarf mit viel weniger Aufgriffen. Wenn heute weit über 100'000 Personen pro Jahr an der Grenze angehalten und zurückgewiesen werden, so zeigt dies klar, was sich so alles im EU-Raum frei bewegt und in Zukunft ohne Kontrolle über unsere Grenzen reisen könnte."

4 Jahre später müsste die Schweiz nun eigentlich von den Kriminellen überrannt worden sein. Aber seltsamerweise kommen dazu auch nicht mehr Klagen wie vorher. Im Gegenteil, die Schweiz scheint mit dem Schengen-Raum zu gewinnen. Heute berichtet der Tagesanzeiger aus Zürich unter dem Titel "So möchte Zürich die Russen anlocken", dass die Zürcher Tourismus-Organisationen ein sehr grosses Interesse an einer Steigerung der Besucherzahlen aus Russland habe. "Die Gründe dafür ortet Zürich Tourismus unter anderem beim Schengen-Visum, das den Touristen aus Osteuropa die Einreise in die Schweiz vereinfacht habe", berichtet der Tagesanzeiger.

Das ist nun die Kehrseite einer grösseren Freizügigkeit in Europa. Die Schweiz ist auf Tourismus angewiesen. "Die Tourismusbranche ist eine wichtige Arbeitgeberin: gesamtschweizerisch arbeitet jede zwölfte Person im Bereich des Tourismus. In den Berggebieten ist es gar jede dritte Person, die zum grossen Teil von den Einnahmen aus dem Tourismus lebt", informiert die Webseite "swissworld.org".

Da mit Schengen Einreisehemmnisse gefallen sind, ist das natürlich auch für die Schweiz ein Vorteil. Denn gerade in Osteuropa gibt es ein vermögendes Kundenpotential, das man mit den SVP-Parolen nur abschrecken konnte, die aber jetzt aber unter erleichterten Umständen gerne bei einer Reise nach Paris die Shoppingtour in Zürich mitnehmen.

Informationsquelle: Tagesanzeiger, So möchte Zürich die Russen anlocken und Zürich hat es auf die Russen abgesehen
Reblog this post [with Zemanta]

Montag, 12. Oktober 2009

Drogensüchtig in Rumänien

Laut einer Statistik aus dem Jahr 2004 soll es in Rumänien 35.000 drogenabhängige Menschen geben. Seither ist die Zahl der Drogenkonsumenten noch gestiegen. Auch wenn die hohe Anzahl der Konsumenten inzwischen bestätigt wird, ist das Problem von der rumänischen Politik bisher nicht zur Kenntnis genommen worden. Die neuesten Statistiken sind rudimentär und stammen aus Quellen von Nichtregierungsorganisationen.

Die medizinische Versorgung der Drogensüchtigen ist dementsprechend. Es gibt nur wenige spezialisierte Ärzte und Zentren für die Behandlung betroffener Personen. Sprecher des Gesundheitsministerium geben zu, dass sie vom Problem überrollt wurden. Es gibt weder ein mittel- noch langfristige Strategie, wie das Problem angegangen werden kann. Die bestehenden Entziehungseinrichtungen sollen jetzt wenigsten reorganisiert und effizienter werden. Von 200 am Entzug interessierten Drogensüchtigen kann derzeit nur einer auf einen Therapieplatz hoffen.

Die Ärzte hoffen jetzt auf klare Vorgaben aus der Politik und auch eine entsprechende Mittelausstattung. Diese solle einen Umfang haben, der es ermögliche, dass die Therapie Vorsorgemassnahmen gegen Aids und Hepatitis C sowie die soziale Integration der Drogensüchtigen umfasse. Am besten ist noch Bukarest ausgestattet, während in der Provinz Abhängige in psychiatrischen Kliniken untergebracht werden, die für die Behandlung völlig unzureichend sind.

Der jüngste Drogensüchtige, der medizinische Behandlung suchte, war 11 Jahre alt. In Bukarest sind 17.000 Menschen heroinabhängig.

Es existiert eine staatliche Anti-Drogen Agentur (Agenţia Antidrog, ANA), die der Polizei unterstellt ist. Auch die Regierung hat inzwischen eingesehen, dass diese Unterstellung unter die Polizeibehörden wenig hilfreich ist. Deshalb soll die Agentur jetzt dem Nationalen Zentrum für geistige Gesundheit (Centrul Naţional de Sănătate Mintală) zugeordnet werden. Der Psychiater Eugen Hriscu vom Zentrum der Hilfe für Drogenabhängige erwartet davon keine Besserung. Er ist der Ansicht, dass das Gesundheitsministerium als Aufsichtsbehörde bisher wenig Interesse an der Behandlung von Drogensüchtigen gehabt habe und die organisatorische Reform der Agentur nur Stoff für Personaldiskussionen werde.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Sute de toxicomani, pe un singur loc în centrele de tratament

Sonntag, 11. Oktober 2009

Die Strasse gehört uns

Lateinamerikanische Jugendbanden kämpfen um die Macht in spanischen Städten wie Madrid, Barcelona und Valencia. Der Zeitung "El Pais" haben einige Bandenmitglieder von ihrem Leben erzählt.

Einer von ihnen ist Pablo, auch King Kong genannt. Er ist 18 Jahre alt und gehörte zur Bande "Los Trinitarios". Eine der Banden, die heute die Strassen der grossen spansichen Städte beherrschen. Seit Pablo die Bande verliess, lebt er seit mehr als einem Jahr in Todesgefahr. Er lebt eingeschlossen im Haus seiner Grosseltern in einem Viertel von Madrid, wo viele den Kopf senken, wenn eine Polizeipatrouille passiert. Pablo hat schon bald in der Schule gelernt, dass er Schutz brauchte, um sicher zu sein. Häufig wurde er von seinen Mitschülern ausgelacht. Er kennt seinen Vater nicht, das Leben war nicht gerade nett zu ihm. Er war ängstlich und in den Diskotheken zu tanzen fiel ihm schwer. Nach und nach kam er in die Bande der "Los Trinitarios" hinein. Er musste ein Probe ableisten. Er erinnert sich, dass er mit etwa 20 anderen Bandenmitgliedern im Stadtteil Elipa die Jugendlichen einer anderen Bande suchen musste. 5 davon fanden sie im Innern eines Autos und sie verfolgten sie mit Steinen und Ketten als sie fliehen wollten. Das war seine Feuertaufe. Später musste er einen Eid ablegen, bei dem Santiago Marrero, alias Juanchito, der sein direkter Chef war, und ein gewisser Tonitoca, Gründer der Gruppe in Spanien. Durch den Schwur wurde er zum "Soldaten". Er musste schwören "Vaterland oder Tod".

In seiner Strasse herrschten damals noch "Latin Kings y los Ñetas". 2005 bis 2006 kam es zu einem heftigen Bandenkrieg, bei dem ein Jugendlicher erstochen wurde. Die Polizei konnte das Phänomen nur kurzfristig durch Festnahmen und Ausweisungen der Bandenschefs eindämmen. Schon bald eroberten die noch jüngeren Mitglieder der Banden die Strasse zurück. Es reicht in die südlichen Stadtviertel von Madrid wie Usera, Latina oder Valleca zu gehen, um die Präsenz ihrer minderjährigen Nachfolger zu sehen. Durchgesetzt haben sich die Banden "Los Trinitarios" und die "Dominican Dont Play (DDP)". Beide Banden kommen aus der Dominikanischen Republik. Im Vegleich zu ihren Vorgängern haben sie ihre Taktik geändert. Sie sind nicht mehr tätowiert oder sehen wie Rapper aus. Die DDP ist in den Drogenhandel verstrickt und sie hassen die "Trinitarios". Sie zählen ca. 550 Mitglieder. Letztes Jahr wurden 58 von ihnen wegen Mordversuch festgenommen.

Tonitoca, der Führer der "Trinitarios" sitzt wegen mehrer Morde in einem Gefängnis von Santo Domingo. Seine rechte Hand war lange Zeit ein Jugendlicher namens Pascual, Chef der Gruppe in Getafe. Der studierte Morgens "Erneuerbare Energien" und mittags ging er mit seinen "Soldaten" auf Raubzüge. Bandenmitglieder erzählten, dass der Gründer Tonitoca inzwischen die Nase voll von der Bande habe. Er habe Angst, dass das Monster, das er geschaffen habe, ihn selbst verschlingen werde. Das haben ihm seine Bandenmitglieder nicht verziehen, die aus Rache planten seinen besten Freund, den Rock-Sänger Isaac Natanael, zu ermorden. Sie lauerten ihm an der Diskothek Azca in der Nähe des Santiago Bernabéu-Stadions auf und verfolgten ihn. Kurz bevor er einen Taxistand erreichte, erhielt er einen Kopfschuss. Er starb mit 17 Jahren. Der vermutliche Todesschütze soll ein Minderjähriger gewesen sein, dessen Aggressivität gefürchtet war.

Pablo hat sich davon verabschiedet. Seine Mutter sagt, dass auf der Strasse das Gesetz "20 gegen 1" herrsche. Wenn man zur Bande gehört, müsse man immer in der Gruppe gehen, wenn man allein gehe, sei man schon tot. Die Trinitarios fühlen sich als Dominikaner in der Diaspora, ihr Passwort ist "Amor de patria" (Liebe zum Vaterland). Den Namen haben sie sich in Anlehnung an die Gründer der Dominikanischen Republik gegeben. Pablo wurde angehalten, seine "Quote", seinen Beitrag zur Gruppe zu erfüllen. Er klaute was ihm in die Hände kam, sogar in der eigenen Familie. Er wollte in der Hierarchie der Bande aufsteigen, dafür musste man skrupellos sein. Irgendwann gab ihm die brutale Gewalttätigkeit der Bande zu denken. Irgendwann hörte er auf, zu den Treffen der Bande zu gehen. Dann erhielt er eine E-Mail mit dem Inhalt: "Wer bei den Trinitarios mitmacht, geht nicht raus. Wenigstens nicht lebendig". Für die Trinitarios gilt das Gesetz des Schweigens und der ewigen Treue.

Nach einer erneuten Morddrohung ging Pablo zur Polizei. Er und seine Familie stehen jetzt unter Polizeischutz.

Professor Carles Feixa von der Universität Lerida begleitet schon seit längerem die Entwicklung dieser Banden. Er meint, dass sich bei den Trinitarios von ihrer Herkunft her die lateinamerikanische und afroamerikanische Identität vermischen und ein sehr starkes nationales Empfinden. Das Fehlen von Alternativen macht sie zu Kanonenfutter und gewalttätige Banden. Aber es gebe positive Zeichen. So haben die "Latin Kings y los Ñetas" in Barcelona inzwischen Vereine gegründet und arbeiten mit den Einwanderorganisationen zusammen. Nach Ansicht von Feixa ist es besser in Sportplätze für die Jugendlichen zu investieren als in neue Gefängnisse. Von Ausweisungen hält er wenig und vom US-Strafsystem gar nichts: "Das Strafsystem für Jugendliche der Minoritäten in den USA ist eine Fabrik zur Schaffung von Verbrechern".

Die Geschichte dieser Jugendbanden begann in den Gefängnissen der USA und Lateinamerikas. Dort gründeten sie Gruppen für Gefangene, die in miserablen Zellen voll mit Ratten untergebracht waren und ständig erniedrigt wurden. Aber leider wurden sie zur Mafia, die mit Drogen handelte und mit Waffen.

Informationsquelle: El Pais, La calle es nuestra
Reblog this post [with Zemanta]

Freitag, 9. Oktober 2009

Olympiastadt übt schon mal den Verkehrsnotstand

Bereits seit Monaten befindet sich Rio de Janeiro im Verkehrsnotstand. Es sind die Bahnen, die zur Zeit die grössten Probleme machen. Sie sind chronisch überfüllt. Die Passagiere werden von Sicherheitsleuten in die Wagen gepfercht, Kontrolleure, die eigentlich dem Kunden dienen sollten benehmen sich wie Sklavenhalter. Mit Tritten und Schlägen wird die Menge zusammengetrieben, um die Türen schliessen zu können.

Kein Wunder, dass dieser Tage die Herde der Bahnbenutzer den Aufstand wagt. Das Fass ist nicht voll, es ist am Überlaufen. Die Öffentlichkeit verlangt nach einer umgehenden Reform. Am Mittwoch hatte eine Panne im Elektro-System zu einer Revolte der Passagiere geführt. Diese zerstörten zwei Züge und zugleich noch die Bahnstationen Nilópolis und Mesquita, zündeten Wagons an und zettelten einen Tumult an, bei dem 12 Personen verletzt wurde. Dieser Vandalismus zeigt, dass die Nerven der Bahnbenutzer wegen der miserablen Transportbedingungen aufs Höchste angespannt sind.

Gestern hatte ein Zug im Bahnhof "Central do Brasil" technische Probleme, die das ganze Bahnnetz Rio's für 40 Minuten lahm legte. Die Passagiere, die bereits im Zug sassen, mussten diesen verlassen und erneut begann ein Tumult. Die Bereitschaftspolizei musste gerufen werden, um den Aufstand unter Kontrolle zu bringen. Tränengas und Gummikugeln wurden eingesetzt. Erneut gab es 5 Verletzte.

Das Bahnsystem von Rio benötigt eindeutig höhere Investitionen. Die Bahngesellschaft SuperVia, die den Betrieb der Stadtbahn 1998 übernommen hat, hat die Infrastruktur vernachlässigt. Es fehlen Züge und Wartungskapazitäten. Die Folge sind ständige Verspätungen, überfüllte Züge, was bisher von den Bürgern geduldig ertragen wurde. Was aber dazu kommt, ist eine völlig fehlende Service-Bereitschaft des Personals, die die Kunden wie Vieh behandeln. Kunden werden autoritär abgefertigt, es gibt keine ausgebildetes Personal für Notfälle und Einhaltung der Sicherheit. Die vernachlässigte Infrastruktur und unfähiges Personal machen die Situation derzeit zu einem Pulverfass.

Werden die Behörden diese Zeichen verstehen? Der zuständige Gouverneur von Rio, Sérgio Cabral, sieht sich nicht schuldig. Während seiner Regierungszeit habe man ausreichend in neue Züge investiert. Aber auf jeden Fall sollen bis zur Fussball-Weltmeisterschaft 2014 60 neue Züge gekauft werden, alle mit Klimaanlage. Die Öffentlichkeit verlangt aber auch, dass das Personal endlich für einen kundengerechten Service trainiert wird.

Informationsquelle: Jornal do Brasil,
Tensão nada passageira

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Der edle Tropfen vom Rio São Francisco wird gefeiert

Morgen beginnt das "Vinhuva Fest 2009" in Lagoa Grande im Tal des Rio São Francisco. Es ist das Fest des Weines und der Trauben des brasilianischen Nordostens. Mitten in einer Tropenregion und angrenzend an ein semi-arides Gebiet, dem Sertão, wird also Weinanbau betrieben. Eigentlich wachsen die Reben eher im Süden Brasiliens.

Blogger Fredson Paiva, der fleissig aus dem brasilianischen Nordosten berichtet, bezeichnet das "Vinhuva" als das grösste Fest der Weinproduzenten der Region und eines der grössten Brasiliens. Dabei ist es relativ neueren Datums. Erst 1999 hatte der damalige Bürgermeister von Lagoa Grande und Önologe die Idee zu dem Fest. Das Tal des Rio São Francisco soll heute zum zweitgrössten Weinanbaugebiet Brasiliens gehören.

Die Veranstalter loben ihre Region wie folgt: "Wasser, Sonne pur und dazu die sympahtische Willenskraft der Sertanejos (Bewohner der Sertão) des Tals von São Francisco, der Oase des brasilianischen Weinanbaus". Und da die Brasilianer und insbesondere die Sertanejos vor keiner Übertreibung zurückschrecken, loben sie ihr Fest als "das Ereignis, das den Wein in Brasilien neu definierte".

Und was erwartet uns auf dem "Vinhuva Fest 2009"? "Degustations-Kurse, Verteilung von Traubensaft, Reden über die Einführung des Weines in die lokale Gastronomie und Musik." Das ist der ernstere Teil. Dann gibt es aber auch einen Künstler und Folklore-Markt und ein gastronomisches Festival. Die Nacht gehört den "Shows" von Sängern und Musikgruppen wie Reginaldo Rossi, Aviões do Forró, Calcinha Preta und Jota Quest. 120.000 Besucher werden erwartet. Bis zum 12. Oktober wird gefeiert.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

5-Sterne-Hotels in Bukarest ködern mit niedrigen Preisen

Die Wirtschaftskrise geht auch am rumänischen Hotelgewerbe nicht so einfach vorbei. Die bisher saftigen Preise in den Bukarester Luxushotels lassen sich nicht mehr halten. Die Geschäftsleute kommen nicht mehr in Scharen nach Bukarest, um zu jedem Preis die Hotelbetten zu füllen.

Die Internet-Zeitschrift Money.ro hat sich einmal die Mühe gemacht zusammenzustellen, in welchen 5-Sterne-Hotels in Bukarest man jetzt welchen Preis bezahlen muss. Die preiswerteste Übernachtung bietet das Hotel Capşa. Hier muss man für ein Einzelzimmer nur 85 Euro pro Nacht bezahlen. Im Hotel Crown Plaza kostet ein Doppelzimmer für Raucher 485 Lei (circa 127,51 euro). Die billigste Übernachtung im Hotel Howard-Johnson kostet 597 de lei (circa 140,14 euro). Dafür bekommt man ein Deluxe-Zimmer, aber kein Frühstück.

Im Zentrum steht das Hotel Intercontinental. Mit Best Flexible Rate kann man hier für 155 Euro übernachten, wenn man aber die Steuer und das Frühstück dazu rechnet sind es letztendlich 173,60 Euro.

Dem stehen die andern Luxushotels nicht nach. Das Carol Parc, Radisson, JW Marriott und Athenee Palace Hilton bescheiden sich jetzt auch mit Übernachtungspreisen zwischen 150 und 200 Euro pro Nacht.

Informationsquelle: Money.ro, EXCLUSIV MONEY.RO: Topul celor mai ieftine camere de hotel de cinci stele din Capitală