Mittwoch, 30. September 2009

Westlicher Lebensstandard bleibt für Rumänen noch lange ein Traum

Die Agentur Moody's meint es noch gut mit den Rumänen. Nach Analysen ihrer Experten werden die Rumänen in 40-45 Jahren den Lebensstandard der westeuropäischen Staaten erreicht haben. Der rumänische Wirtschaftsexperte Ilie Şerbănescu ist da wesentlich skeptischer. Nach seiner Ansicht wird es noch mehr als ein halbes Jahrhundert brauchen, bis Rumänien den Lebensstandard von Grossbritannien oder Frankreich erreicht hat.

Schuld sei die bisherige Poltik, die den Konsum von Importprodukten über Krediten gefördert habe. Die jetzige Wirtschaftskrise habe gezeigt, dass Rumänien kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum gehabt habe. Für einen hohen Lebensstandard sei das Vorhandensein einer echten Wirtschaft mit einer starken Industrie und Landwirtschaft erforderlich. Die rumänischen Investoren hätte keine finanziellen Kapazitäten um eine solche Basis zu schaffen und die ausländischen Investitoren seien nur wegen des schnellen Profits nach Rumänien gekommen und hätten sich auf Aktivitäten im Immobilien-, Banken und Handelsbereich konzentriert, erklärte Şerbănescu.

Eines der Elemente, um den Stand des Einkommens der Bevölkerung zu messen, sei der Warenkorb. Die Regierung habe aber bewusst auf die Berechnung eines Warenkorbes verzichtet. Şerbănescu: "Der Warenkorb wird nicht mehr täglich neu berechnet, damit man nicht sehen kann, dass viele Rumänien unterhalb der Armutsgrenze leben."

Vor der Wirtschaftskrise rechnete man noch mit einer Angleichung der Lebensverhältnisse innerhalb von 15 bis 20 Jahren.

Auch in anderen ehemaligen Ostblockländern ist man skeptischer geworden. Laut dem polnischen Wirtschaftsexperten Marcin Piatkowski zeige die gegenwärtige Krise, die Abhängigkeit der neuen Mitgliedsländer von Kapitalzufluss aus dem Ausland und der Notwendigkeit von Exportmöglichkeiten in die Euro-Zone. "In Zukunft werden eine neue Politik und neue Entwicklungsmodelle erforderlich werden, damit die Länder des "Neue Europa" sich besser entwicklen können. Wenn die Krise vorbei ist, wird die Wirtschaft des "Neuen Europa" langsamer wie vor der Krise wachsen", erklärte Piatkowski.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Vom trăi ca în Vest peste 45 de ani

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Sonntag, 27. September 2009

Dilma Rouseff und ihr Fan Hugo Chávez

Dilma Rouseff ist die heisseste Anwärterin als Kandidatin der regierenden Partido dos Trabalhadores (PT; Arbeiterpartei) für die brasilianischen Präsdientschaftswahlen im Jahr 2010. Sie ist Chefin der Staatskanzlei (Casa Civil) des brasilianischen Präsidenten. In dieser Funktion ist sie eine enge Vertraute von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Ihr Vater ist ein naturalisierter Bulgare, deshalb ihr unbrasilianischer Name, der komplett auf Dilma Vana Rousseff Linhares lautet.

Sie ist 1947 geboren. Sie interessierte sich bereits früh für sozialistische Ideen und beteiligte sich nach dem Militärputsch von 1964 an von den Militärs verbotenen Aktionen. 1970 bis 1972 befand sie sich im Gefängnis, wo sie auch im Stile der damaligen Militärherrscher gefoltert wurde. Später begann sie ihre politische Karriere im Bundesstaat Rio Grande do Sul in der Hauptstadt Porto Alegre.

Für den Wahlkampf von Luiz Inácio Lula da Silva zeichnete sie sich zuerst durch Ausarbeitung eines nationalen Energie-Planes aus. Nach den Wahlen wurde sie zur Ministerin für Bergbau und Energie (Ministério de Minas e Energia) ernannt und wechselte 2005 nach dem Rücktritt ihres Vorgängers José Dirceu als Ministerin in die Leitung der einflussreichen Staatskanzlei des Präsidenten. Sie ist bekannt für ihr etwas schwieriges Temperament.

Sie selbst hält sich im Moment zur Möglichkeit einer Kandidatur noch bedeckt. Nicht so der Hans-Dampf-in-alle-Gassen aus Venezuela: Hugo Chávez. Am Rande des 2. amerikanischen Gipfeltreffen mit Südafrika, das an diesem Wochenende auf der venzolanischen Insel Margarita stattfand, gab er in Anwesenheit eines amüsierten Lula folgendes von sich: "Dilma wird die nächste Präsidentin Brasiliens. Ich weiss, dass sie mich der Einmischung beschuldigen werden..... Es ist mein Herzchen (coraçãozinho), das da spricht. Meine Kandidatin ist Dilma." Dann bedauerte er, dass das Mandat von Lula zu Ende gehe. Aber er werde in Dilma überleben. "Lula wird nicht gehen, er bleibt, wie auch Néstor Kirchner (Ex-Präsident Argentiniens) ging, aber doch nicht ging." Ein zarter Hinweis, dass Néstor Kirchner in seine Frau Christina Kirchner, der derzeitigen argentinischen Präsidentin politisch weiterlebt.

Kommentar von Josias de Souza, Blogger bei Fohla Online: "Dilma's Chancen bleiben laut den Umfragen stationär und sie braucht durchaus Unterstützung. Das Teuflische ist nur, dass die Unterstützung durch Chávez in den Augen der meisten Brasilianer eher Gift als Vitamin ist."

Informationsquellen: Blog Josias do Souza, 'Minha candidata é a Dilma', discursa Hugo Chávez; Wikipedia portugiesisch
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Freitag, 25. September 2009

Die Polizei, dein Freund und Helfer

Im Stadtteil Casa Amarela von Recife (Pernambuco) kam es in den letzten Tagen zu mehreren Einbrüchen und Überfällen. Der gravierendste Fall ereignete sich, als ein Ehepaar in seinem Haus überfallen und etwa ein halbe Stunde als Geisel gehalten wurde.

Typischer Fall für die Polizei, würde man sagen. Das Ehepaar dachte das wohl auch und rief diese zu Hilfe. Da hatten sie aber nicht mit der Arbeitsunlust der örtlichen Polizeistation gerechnet. Diese sahen keinerlei Veranlassung in irgendeiner Form tätig zu werden. Das anzeigende Ehepaar wurde belehrt, dass ihr Anliegen bei der Polizei falsch aufgehoben sei, denn "sie versuchen ein Medikament zu kaufen, an einem Ort, wo man Autoersatzteile verkauft". Ein derartiges Abwimmeln ist in Recife wohl des Öftern an der Tagesordnung und die Bevölkerung verzichtet oft im Vornhinein, Hilfe bei der Polizei zu suchen. Diesmal war aber die Kamera eines Fernsehsenders dabei und in den nächsten Nachrichten konnte ganz Recife erfahren, wie publikumsfreundlich ihre Polizei war.

Das wirkte dann auch bei den Politikern! Die vier Polizisten, die zum Zeitpunkt der Anzeige Dienst hatten, wurden vorläufig vom Dienst entbunden. Sie werden zukünftig im Innendienst Akten entstauben müssen, wenn es nach den Vorstellungen der Polizeileitung geht. Damit werden sie ein paar wichtige Zulagen verlieren. "Sie wurden in flagranti dabei erwischt, wie sie den Bürgern einen schlechten Service boten. Eines ist sicher, sie werden nicht mehr im Publikumsverkehr eingesetzt und auch nicht mehr in der Dienststelle, in der sie sich befanden", erklärte der Polizeidirektor.

Der Direktor wies auch daraufhin, dass Fälle wie diese nie geduldet wurden, aber jetzt komme noch hinzu, dass man zu schärferen Strafen greife. "In Zukunft wird es so sein, dass, wer das Publikum schlecht bedient, sich dafür verantworten muss", fügte der hinzu. Die Bürger forderte er auf, ähnliche Fälle der Polizeidirektion zu melden.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Policiais são afastados
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Montag, 14. September 2009

Katalanen verärgern Spanier

Aufregung in Spanien, ein Vorort von Barcelona veranstaltet eine Abstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien. In Arenys del Mar wird von nicht-öffentlichen Organisationen eine solche Abstimmung durchgeführt, nachdem zuvor ein Gericht entschieden hatte, dass die Gemeinde eine solche Volksbefragung nicht veranstalten darf. Die erste Vize-Ministerpräsidentin Spaniens, María Teresa Fernández de la Vega, erklärte dazu, dass diese Umfrage keinerlei rechtliche Konsequenz haben werde, da sie ausserhalb der Verfassung und des Gesetzes stattfinde.

Nicht so zufrieden ist der Oppositionsführer von der Partido Popular (PP), Mariano Rajoy, er zetert wie wenn der Untergang Spaniens bevorstünde. Verlangt ein starkes Wort des Ministerpräsidenten. Er verlangt von ihm, dass er nicht "das Maul halten", sondern klar Stellung nehmen und nicht auf die Seite schauen solle. Diese Wutausbrüche auf höchster Ebene sind etwas verwunderlich, denn eigentlich kann man eine private Umfrage in einer Gemeinde nicht so ernst nehmen.

Die "Moviment Arenyenc per l'Autodeterminació" (Bewegung von Arenys zur Selbstbestimmung) hatte der Bevölkerung folgende Frage zur Abstimmung gestellt: "Sind sie damit einverstanden, dass Katalonien sich in einen unabhängigen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat innerhalb der Europäischen Union entwickelt?" Von den 6.000 aufgerufenen "Wahlberechtigten" haben 2.681 abgestimmt. Das Ergebnis war überwältigend: 2.569, also fast 100%, stimmten mit "Ja" für die Unabhängigkeit. Der ganze Ort war aus diesem Anlass festlich mit katalanischen Fahnen (senyera), der Unabhängigkeitsfahnen (estelades) sowie antifaschistischen Fahnen geschmückt. Die einzige Störung kam von einem Bus mit 50 Mitgliedern der Falange (die spanischen Neo-Nazis), die von der Bevölkerung beschimpft und eingekeilt wurden. Der Bus musste umkehren und wurde mit Steinen beworfen.

Und da sich Rest-Spanien richtig schön aufregt, prüfen jetzt weitere 60 katalanische Gemeinden, ob sie nicht auch eine solche Befragung durchführen. Seit der Präsident des FC Barcelona, Joan Laporta, sich als überzeugter katalanischer Nationalist zu erkennen gegeben hat, ist die Euphorie gross und der Ärger in Spanien über die Katalanen wächst. Vielleicht auch die Angst, dass da tatsächlich jemand versucht, sich aus dem spanischen Staat davon zu schleichen.

Informationsquelle: La Vanguardia, Rajoy insta a Zapatero a pronunciarse "claramente" sobre la consulta de Arenys, La alta afluencia a las urnas y el civismo marcan la consulta popular de Arenys de Munt

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Sonntag, 13. September 2009

Salvador Bahia im Belagerungszustand

Die vergangen 6 Tage waren hart für Salvador, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Bahia. 12 angezündete Omnibusse, 9 Überfälle auf Polizeistationen, 6 verletzte Polizisten und eine Panik in der Bevölkerung von Salvador. Es war eine Aktion der Drogenmafia. Der Befehl zum Terror kam aus den Gefängnissen. Er sollte Chaos verursachen und gleichzeitig der Stadt ihre Unfähigkeit zur Sicherung der öffentlichen Ordnung vor Auge führen.

Der Startschuss zum Aufstand kam mit der Verlegung eines Mannes, der zum Chef des Drogenhändlerrings in Salvador gehört, in ein Hochsicherheitgefängnis im Bundesstaat Mato Grosso do Sul (in Südbrasilien). In 4 verschiedenen Vierteln der Stadt wurden die Polizeistationen mit Gewehren beschossen, Busse mit Molotow-Cocktails attackiert.

Ein Polizist schilderte einen Überfall: "Ungefähr 10 bis 11 Typen kamen in 2 Autos an. Jedes Auto kam von einer anderen Seite. Mir gelang es nur den den schwarzen Fiesta zu sehen. Sie hielten kurz vor mir, voll ausgerüstet mit schusssicheren Westen und Maschinengewehren. Dann begannen sie die Polizeistation zu beschiessen. Dann gaben sie das Zeichen, dass die Station gestürmt werden sollte. Dazu kam es aber dann nicht, weil meine Kollegen aus der Station heraus zu schiessen begannen."

Jetzt fragt sich Bahia, wie konnte es zu so etwas kommen? Die Geschichte beginnt am 16. Februar 2004. An diesem Tag wurde “Raimundão”, auch “Ravengar” genannt, an der Nordküste Bahias verhaftet. Er war der grösste Händler für Kokain in Bahia. Die Verhaftung war zwar ein Erfolg, brachte aber die Hierarchie in der Drogenmafia von Salvador durcheinander. Die neuen Herren hatten noch weniger Skrupel und sie zeigten ihre Unverfrorenheit in den letzten Tagen mit aller Deutlichkeit.

Der Drogenhandel in Salvador nahm in den achtziger Jahren seinen Anfang. Die Kinder der gehobenen Gesellschaft wendeten sich nicht nur dem us-amerikanischen Lebensstil zu, sondern auch der Sucht nach Drogen. Der Hafen von Salvador wurde zum Treffen des Jet-Sets und trug zu einer Steigerung des Drogenkonsums bei. Und damit wuchs die Drogenmafia.

Die Brasilianer lieben Spitznamen. Der erste Drogenboss in Salvador hatte den schönen Spitznamen “Zequinha do Pó”. Er war Rudersportler und Schwimmlehrer. Er war der Vorgänger von “Ravengar”. Sein Hauptquartier hatte er im Restaurant "Vermelho e Preto" (Rot und Schwarz). Die Leute kamen und bestellten ein Glas Wasser, das war das Zeichen für den Stoff. Gegessen wurde so gut wie nichts im Restaurant. Der Handel war zur damaligen Zeit noch ruhig. Die Kunden waren auch nur Leute mit Geld. Mit der bahianischen Polizei stellte er sich bestens, sie wurde von ihm zum Essen eingeladen und erhielten auch gelegentlich Umschläge mit Kokain oder Geld. Er hatte also hohe Protektion: Eine vermögende Kundschaft und die Polizei. Schliesslich trat aber die Bundespolizei auf den Plan. Sie hat in Brasilien etwa ähnliche Funktionen wie das FBI in den USA. 1989 erwischten sie “Zequinha do Pó”. Heute lebt er in Salvador in armen Verhältnissen.

Mit seinem Abgang betrat "Raimundão / Ravengar" die Bühne. Er begann als Verkäufer von Losen der brasilianischen Tierlotterie (jogo do bicho), war Taxifahrer und Haschisch (Maconha)-Händler. Zu der Zeit machte er bereits Kokain-Kurierfahrten für "Zequinha". Mit der Verhaftung des Drogenbosses ergriff er die günstige Gelgenheit. In kurzer Zeit hatte er auf Grund seiner Kenntnisse der Kundschaft den ganzen Drogenhandel in Salvador in der Hand. Von der Justiz und er lokalen Polizei wurde er milde behandelt. Wenn er einmal verhaftet wurde, war er auch schnell wieder frei. Oft wurde er aus diesen Kreisen gewarnt, wenn er wieder einmal dingfest gemacht werden sollte. Als er dann doch verhaftet und eingesperrt wurde, entstand im Drogengeschäft eine grosse Lücke. Der Drogenhandel zersplitterte. Zuvor war der Drogenhandel zentralisiert und die Gewalt war nicht so offensichtlich.

Mehrer Banden bemächtigten sich des Drogenhandels und bekämpften sich untereinander, um die besten Umschlagplätze. Hinzu kam jetzt noch eine neue Droge: Crack, ein Unterprodukt des Kokains. Jugendliche Banden finanzierten sich damit und begannen die Stadt zu terrorisieren. Diese "Desperados", auch “soldados do tráfico” (Soldaten des (Drogen-)Handels) genannt, sind inzwischen zu jeder Terroraktion bereit und bis auf die Zähne bewaffnet. Die alten Bosse waren dazu im Vergleich Romantiker.

Heute ist es ruhig in Salvador. Lediglich ein Polizist wurde beschossen. Die Stadt ist jetzt voll mit Polizei. Es herrscht gespannte Ruhe.

Informationsquelle: Correio, Começo: Prisão de Ravengar foi a origem do crime (des)organizado, BA TV, PM reforça segurança após ataques a módulos policiais
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Samstag, 12. September 2009

Kampf den Vorurteilen gegen die Roma

"Stop Prejudecăţilor despre Etnia Romă", abgekürzt S.P.E.R., heisst "Kampf den Vorurteilen gegen die Roma-Ethnie" und ist ein Programm der rumänischen Regierung, das vom EU-Phare-Programm unterstützt wird.

"Alle Zigeuner stehlen. Du sprichst wie in einem Zigeuner-Zelt. Du sollst nicht mit den Zigeunern spielen! Wenn du nicht brav bist, gebe ich dich den Zigeunern." Das sind die gängigsten Sprüche in Rumänien mit Roma-Bezug, die auf der Webseite von S.P.E.R. zitiert sind. Und weiter wird ausgeführt: "Von klein auf wurden wir belehrt, dass die Roma nicht integrierbar sind. Wenn wir ihnen auf der Strasse begegnen, gehen wir ihnen aus dem Weg, wenn sie uns etwas fragen, fühlen wir uns angegriffen, manchmal bekommen wir Herzklopfen, wenn sich ein Roma in der Strassenbahn auf den Stuhl gegenüber von uns hinsetzt."

Und die Schlussfolgerung: "All diese Vorurteile gegenüber den Roma verhindern, dass wir sie als das ansehen, was sie sind: Als Menschen.

Das Problem der Roma wird kurz und bündig geschildert: "Die Roma haben ihre Existenz im Rumänien von heute als Sklaven begonnen. Nach 600 Jahren der Ausbeutung haben sie keinerleil Hilfe für den Übergang zu einem sozialen Status vergleichbar den anderen Rumänen erhalten." Es ist die Absicht von S.P.E.R., diesen Kreis zu durchbrechen, indem durch systematische Aufklärung und mit der Unterstützung der Politik und der Medien die zukünftigen Generationen der Roma von ihrem Stigma befreit werden und eine Chance für das Überleben bekommen.

Grosse Hoffnung setzt man auf die Erziehung und Information. Im August wurden zum Beispiel drei Ferienlager für Roma-Kinder im Alter zwischen 10 und 16 Jahren durchgeführt. Ziel der Ferienlager war es, das Selbewusstsein der Roma-Kinder zu stärken, indem sie über ihre eigene Geschichte, ihre Sprache, Musik, Handwerk und Roma-Traditionen unterrichtet wurden. 15 besonders ausgebildete Trainer führten sie in Techniken ein wie der Diskriminierung ihre Ethnie begegnet werden kann. "Wir möchten den Roma-Kindern für ihre Rückkehr nach Hause ein grössere Selbstvertrauen in die eigenen Ressourcen mitgeben und darüberhinaus sie in ihrer Roma-Identität stärken", erklärte der Leiter des Schullagers.

Ein Roma aus Craiova stellt bedauernd fest: "In Europa stehen die Zigeuner fürs Stehlen und Betteln. Einige stehlen, einige machen schräge Geschäfte. Aber es ist nicht immer so einfach, "Geschäfte" machen manchmal auch Leute, die keine Rumänen sind, aber uns wird es angekreidet. Die Migration kommt von der Armut, so ist es." Es ist gut, dass es jetzt ernsthafte Versuche gibt, die Roma aus dem Teufelskreis dieses Elends herauszuhelfen.

Siehe auch Blogbeitrag "Lustig ist das Zigeunerleben"
Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Ţiganii în România: captivi într-o lume paralelă und Websseite S.P.E.R.

Dienstag, 8. September 2009

Selbsternannter Herr über Leben und Tod

Im südlichen São Paulo fand man Leichen, denen man den Kopf abgerissen und teilweise die Hände abgehackt hat. Es geht um 12 Mordfälle, fünf Tote wurden enthauptet.

Rodolfo da Silva Vieira ist Militärpolizist in São Paulo. Sein Vater war ebenfalls Militärpolizist und ist in der Funktion eines Kapitäns (capitão) in Rente gegangen. Silva Vieira erfreute sich im Filz der Militärpolizei der Protektion durch den Oberst Eduardo Félix de Oliveira, einem Freund seines Vaters. De Oliveira gehörte auch einem Gericht in São Paulo an, die sich mit der Untersuchung von Straftaten befassten. Dieses Gericht wurde 2005 aufgelöst.

Das brasilianische Militär, insbesondere die Militärpolizei, die eine obskure Zuständigkeit halb militärisch und halb zivil hat, hat eine blutige Tradition in der Bildung von Todeskommandos, die sich zum Herrn des Gesetzes machten und hinrichteten, wen sie für einen Kriminellen hielten.

So auch Silva Vieira. Er war der Chef des Todeskommandos "Os Highlanders". Ihm und seiner Bande werden inzwischen konkret 4 Mordfälle zugeordnet, in denen die Ermordeten enthauptet wurden. Die Vorwürfe kommen von der Zivilpolizei. Von den eigenen Leuten hätte diese Gruppe wohl kaum etwas zu befürchten. Einige Mitglieder des Todeskommandos sitzen inzwischen im Gefängnis und liefern konkrete Informationen zu ihren Auslöschungsaktionen. So berichteten einige, dass sich Silva Vieira auf einem Fest im Jahre 2008 brüstete, einen Mann, den die Polizei bis heute noch nicht identifizieren konnte, enthauptet zu haben.

Vieira hat inzwischen auch einige Morde gestanden. So der an 2 Jugendlichen. Er verteidigt sich aber damit, dass er von diesen bedroht worden sei. Die Jugendlichen, einer 19 Jahre alt mit dem Spitznamen "o Maranhão" und er andere 20 Jahre alt mit Spitznamen "o Bebê", wurden am 6. Mai 2008 entführt und ihre toten Körper wurden am Ende des Monats an dem Ort gefunden, an dem zuvor der bisher nicht identifizierte Mann ermordet aufgefunden wurde.

Ein weiteres Verfahren gegen ihn läuft im Mordfall eines 31-jährigen, geistig behinderten Mannes mit Spitznamen "o Carlinhos". Die Leiche von Carlinhos wurde am 9. Oktober an demselben Ort wie alle andern Opfer aufgefunden ohne Kopf und Hände.

Insgesamt 9 Militärpolizisten, die zur Elitetruppe des 37º Batalhão gehören und im Süden São Paulo's tätig sind, werden von der Zivilpolizei beschuldigt, dem Todeskommando anzugehören. Nach den gewonnenen Erkenntnissen der Zivilpolizei taten sie dies, weil sie glaubten, dass es sich um Kriminelle handelte und dass sie im Drogengeschäft tätig waren.

Es ist gut, dass es solche Prozesse in Brasilien gibt. Sie zeigen, dass die menschenverachtende Selbstherrlichkeit mancher Militärs aus den Diktaturzeiten immer noch weit verbreitet ist. Aufgrund der Protektion und der Kumpanei, ist es sehr schwer, diese Banden dingfest zu machen. Der Sadismus, mit der die Morde ausgeführt werden, spricht Bände für die Mentalität dieser Leute.

Sie auch Blogbeiträge:
Todeskommando erschiesst Polizeichef
Brasilien: Hinrichtung eines Rechtsanwaltes
Informationsquelle: Folha Online, PM acusado de liderar grupo de extermínio em SP é indiciado por quarta decapitação

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Sonntag, 6. September 2009

Milliarden fürs Töten

Brasilien wird in Kürze mit Frankreich das grösste Waffengeschäft seiner neueren Geschichte abschliessen. Morgen wird das entsprechende Abkommen unterschrieben, mit dem 8,5, Milliarden Euros in Unterseeboote versenkt und mit Hubschraubern verwirbelt werden. Dann winkt aber auch noch in Kürze eine Beschaffungsaktion für neue Jagdflugzeuge, wo der französische "Rafale" ebenfalls ein heisser Favorit ist.

Staatspräsident Sarkozy wird morgen als Ehrengast zu den Feierlichkeiten des Unabhängigkeitstages nach Brasilien kommen und zusammen mit dem brasilianischen Staatspräsidenten Lula den Handel als Teil einer strategischen Partnerschaft feiern. Laut Lula ist Frankreich das "flexibelste" Land soweit es um Weitergabe von neuen Technologien geht. Vielleicht wird Sarkozy auch noch ein bisschen Überzeugungsarbeit bezüglich des Jägers "Rafale" leisten.

Brasilien bekommt für die Beschaffung einen Kredit, den es in 20 Jahren abstottern darf.

Warum braucht Brasilien soviele neue Waffen? Der Kollege in Venezuela rüstet mit Hilfe der Russen auf und die Kolumbianer werden von den USA aufgerüstet. Wenn man keinen Krieg hat, aber viele, modernste Waffen, sucht man dann einen Krieg?

Informationsquelle: Folha Online, Domingo na Folha: Brasil vai fechar maior contrato militar de sua história recente
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Freitag, 4. September 2009

Barcelona's Altstadt, wo die Prostitution sich nicht versteckt

Rund um die Flaniermeile „Rambla“ und den populären Markt „La Boqueria“ entwickelt sich Barcelona zurück, zum öffentlichen Bordell. Die Prostitution rund um diesen malerischen und von vielen Touristen besuchten Markt hat Ausmasse angenommen, die sie zu einem öffentlichen Ärgernis werden lassen. Die Zeitung „El Pais“ hat vor kurzem einen Bericht mit Fotos veröffentlicht, der zeigt wie ungeniert inzwischen das Sex-Geschäft rund um die Boqueria betrieben wird.

Sex in aller Öffentlichkeit und das auch noch fotografiert, das schockierte doch sehr. Das Sex-Geschäft in Barcelona ist in den Händen einer Zuhälter-Mafia, die die Prostituierten nach dem Motto grösstmöglicher Gewinn mit möglichst wenig Unkosten ausbeutet. Diese werden ohne Gesundheitsvorsorge und Schutz vor Ansteckungen rund um die Uhr zu ihren Dienstleistungen gezwungen. 20 Euro verlangen sie für ihre Dienste, die dann sofort auf der Strasse zwischen den Säulen der Boqueria abgewickelt werden. In der Regel sind es Ausländerinnen ohne Aufenthaltserlaubnis, sogenannte „sin papeles“ (ohne Papiere) wie man sie in Spanien nennt. Schon aus diesem Grund sind sie den Hintermännern wehrlos ausgeliefert.

Die Stadtverwaltung hat bisher nicht viel dagegen unternommen. Es gibt zwar eine Verordnung, die die Prostitution regeln soll, aber bisher mit wenig Erfolg angewendet wurde. Die polizeiliche Überwachung wurde nicht verstärkt und die Ausländerbehörde bemühen sich nicht, die Geschäfte der Mafia mit den Illegalen zu unterbinden.

Die Prostitution ist in Spanien weder anerkannt noch verboten. Dieser Zwiespalt verhindert eine Regelung. Die politischen Parteien in Katalonien sind in dieser Frage heillos zerstritten. Dasselbe gilt auch für die spanische Regierung, man schwankt zwischen Verbot und Regelung und tut dann gar nichts. Die Stimmen für ein Verbot sind eher in der Mehrzahl. Aber, wie „El Pais“ bemerkt, ein Verbot wird das Problem nicht beseitigen. Das Beispiel von Schweden und Norwegen, wo die Prostitution bekämpft wurde, habe gezeigt, dass diese nur von den Stadtzentren in die Aussenviertel abgewandert sei. Deutschland, Holland und Belgien hätte mit mehr oder weniger Erfolg auf eine Regulierung gesetzt, in der Überzeugung, dass es nicht ausreiche, die Augen vor dem Problem zu schliessen.

Informationsquelle: El Pais, Sexo de pago en plena calle junto al mercado de La Boqueria und Una realidad incómoda

Donnerstag, 3. September 2009

Achtung Lebensgefahr!

Fast 3.000 Menschen sterben jährlich auf Rumäniens Strassen. 9.000 werden verletzt, manche für ihr Leben lang verstümmelt. Spitzenreiter bei den Unfällen ist die DN 1 (Drumul Naţional), die von Bukarest nach Norden durch die Karpaten nach Braşov (Kronstadt) und weiter nach Cluj-Napoca (Klausenburg) führt. Diese Strasse ist weder hü noch hott. Zum Teil autobahnähnlich vierspurig ausgebaut, aber ohne Mittelstreifen, führt sie vor allem im südlichen Karpatenvorland mitten durch lange Strassendörfer.

Da liegt auch schon das Problem: Die Strassen können zwar mit hoher Geschwindigkeit gefahren werden, aber es fehlt jede vernünftige Infrastruktur für Verkehrssicherheit. Die Mentalität der Fahrer - potentes Auto muss auch mit Höchstgeschwindkeit gefahren werden - ist nicht dazu angetan, das Unfallpotential zu verringern. Da sich Verkehrsteilnehmer aller Arten auf diesen Strassen tummeln - oft artet die Fahrt in einen Salom zwischen Pferdefuhrwerken und streunenden Hunden aus- wär ein vorsichtiges Fahren oberste Pflicht. Hinzu kommt eine unausgegorene Verkehrsgesetzgebung. Die Verantwortlichen geben aber unisono dem verantwortungslosen Verhalten der Autofahrer die Schuld.

Autobahnen sind im Bau, aber Korruption und Bürokratie verhindern, dass zügig gearbeitet wird.

Die Zeitung "Evenimentul Zilei" stellt das Thema seinen Lesern zur Diskussion und fragt auch, wie machen es die andern?

Dann wird ein Loblied der deutschen Autobahn gesungen: "In deutscher Sprache bedeutet der Begriff "Autobahn" nicht nur "autostradă", sondern ist durch die hohe Qualität der ausgeführten Arbeiten gleichbedeutend mit "perfekte Strasseninfrastruktur". Auf der Autobahn dürfen keine Autos fahren, die nicht wenigstens eine Geschwindigkeit von 60 km/h fahren. Es gibt keine Geschwindigkeitsbeschränkung, man empfiehlt den Fahrern nur, dass sie ab 130 km/h etwas gemässigter mit dem Gaspedal umgehen."

Das rumänische Parlament brütet zu Zeit über einem neuen Strafgesetz (Cod Penal). Darin sollen auch bestimmte Verkehrsvergehen mit schärferen Strafen belegt werden. Insbesondere soll die Strafe bei schuldhafter Tötung von Verkehrsteilnehmern erheblich verschärft werden.

Siehe auch Blogbeitrag: Das Blutbad von Scanteia oder wenn Bus-Taxis aufs Gas drücken
Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Atenţie, pericol de moarte: legi şi drumuri proaste! und DEZBATERE EVZ: De ce nu avem autostrăzi?

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Mittwoch, 2. September 2009

Verlorene Kugel empört Heliópolis

In der Favela Heliópolis, im Süden von São Paulo, kehrte am Montagabend ein 17-jähriges Mädchen nach Hause zurück. Und geriet plötzlich in einen Schusswechsel zwischen Autodieben, die einen Ford Ka entwendet hatten und der lokalen Polizei von São Caetano do Sul. Dabei erwischte eine Kugel das Mädchen, traf sie in die Brust. Sie wurde in das Krankenhaus gebracht, konnte aber nicht mehr gerettet werden. Sie wohnte bei ihrer Mutter und hat eine Tochter, die 1 Jahr und 8 Monate alt war. Die junge Mutter war das Opfer einer "verlorenen Kugel" (bala perdida), schreibt die brasilianische Presse.

Es war das Ende einer wilden Verfolgungsjagd zwischen der Polizei und den "Ka-"Dieben. Die Polizei schoss auf die Reifen des Autos. Der Fahrer verlor die Kontrolle über das Fahrzeug und kollidierte mit einem entgegenkommenden Corsa. Die Diebe flüchteten aus dem Auto und daraufhin kam es zu dem für die junge Frau tödlichen Schusswechsel. Der Fahrer der gestohlenen Wagens konnte flüchten. Die Polizisten wurden vorläufig vom Dienst suspendiert, ihre Waffen beschlagnahmt.

Der Vorfall war der Funken, der die Situation in Heliópolis zum Explodieren brachte. Gestern kam es in der Favela zu Protestaktionen. Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierern und der Militärpolizei. Gegen 19 Uhr gestern Abend zündete eine Gruppe Menschen drei Omnibusse und 2 Autos an und blockierten die Zufahrtswege zur Favela. Die herbeigeeilte Feuerwehr wurde mit einem Steinhagel empfangen. Unter den Bewohnern der Favela liefen handgeschriebene Zettel mit der Aufforderung um, an den Protesten teilzunehmen. Jedem Teilnehmer wurde ein Korb mit Grundnahrungsmitteln (Cesta básica) versprochen. Die Polizei fahndet jetzt nach den Autoren dieser Zettel.

Die Proteste halten noch an. Die Bewohner fühlen sich als Opfer der Taktik und Aggressivität der Militärpolizei.

Die Favela von Heliópolis zählt 100.000 Einwohner. Sie ist von der Einwohnerzahl her die grösste Favela von São Paulo. Die Stadt arbeitet daran, die Favela in einen Stadtteil umzuwandeln. Die Umwandlung der Favela ist ein Vorzeigeprojekt der Stadt, das auch als Referenzprojekt für viele Weltstädte mit ähnlichen Problemen dient.

Bild: Folha Online, Aktion der Polizei in Heliopolis
Informationsquelle: Folha Online, Moradores da região de Heliópolis acusam policiais de agressão após protestos; O Globo, Vinte e uma pessoas são detidas em tumulto na Favela de Heliópolis, em SP; Wikipedia portugiesisch, Vila Heliópolis