Montag, 31. August 2009

Gürtel reisst die Maske ab

Der Bau-Unternehmer Francisco Correa hatte sie alle in der Hand, die Elite der spanischen Oppositionspartei Partido Popular (PP). In den Zeiten, in der sie mit Aznar an der Macht waren, hatten sie viel zu vergeben. Der Immobiliensektor in Spanien boomte wie nie. Da war es wichtig, die lukrativen Baugenehmigungen zu bekommen und es war gut, wenn man sich mit den Herrschenden gut stellte.

So schaffte es Correa mit viel Geld, viele Abhängigkeiten zu schaffen. Das Ganze flog Jahre später auf und ging als der Fall "Gürtel" (deutsche Übersetzung für Correa und Tarnname für die Ermittlungsaktion des Staatsanwalts) in die Geschichte ein. Als der Staatsanwalt einige der Verdächtigen verhaften liess, erwischte es unter anderem auch den Buchhalter von Correa, José Luis Izquierdo, der in seiner Hand krampfhaft einen Datenträger - Pendrive (USB-Stick) - verstecken wollte. Aber die Polizei liess sich nicht beirren und beschlagnahmte das Beweisstück. Da war es dann auch fein säuberlich drauf, wer was bekommen hatte. Correa hatte eine B-Kasse (caja-B) aufgebaut, sozusagen eine Schwarzgeldkasse, auf die Ein- und Auszahlungen der nicht sauberen Art erfolgten. Und das hatte er fein säuberlich auf seinem Pendrive. Sozusagen "in flagranti" erwischt, redete der Buchhalter.

In der Zwischenzeit hat sich gezeigt, dass es bei der damaligen Regierungspartei PP einen Sumpf von Korruption gab. Die Beweise waren erdrückend, die ersten Anklagen erfolgt. Nur der Präsident der autonomen Region Valencia, Francisco Camps, hatte Glück. Der oberste Gerichtshof Valencias sah von der Eröffnung eines Verfahrens ab. Es war aber eher ein Freispruch 2. Klasse, wegen Mangel an Beweisen. Anderen, vor allem in den Gemeinde- und Stadtverwaltungen, geht es nicht so gut. Nach und nach kam es zu Rücktritten und Eröffnung von Strafverfahren.

Wer nicht begriffen hat, dass hier im Interesse der spanischen Demokratie eine Untersuchung und Strafverfolgung dringend erforderlich war, war die PP. Die spanische Rechte hat immer noch nicht verstanden, dass die selbstherrlichen Zeiten der Franco-Zeit vorbei sind. Ihre alten, braunen, Socken meinen immer noch, dass sie die wahren Vertreter Spaniens sind. So kann es nicht verwundern, dass die PP erst einmal die sozialistische Regierung und die Generalstaatsanwaltschaft einer Verschwörung gegen die PP bezichtigte anstatt tatkräftig bei der Untersuchung der gravierenden Vorwürfe zu helfen. Auf die Justiz wurde aus vollen Rohren geschossen und ihre Unparteilichkeit in Frage gestellt. Und etwas, was in Spanien Kritiker leicht mundtot machen kann: Die PP würde schärfer verfolgt wie die ETA.

Dieser Rundumschlag erfolgte im Februar, 5 Tage nach der Festnahme von Correa. Aber die Beweislast wurde im Laufe der Monate erdrückender und so wurde nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" von der Generalsekretärin der PP, Dolores de Cospedal, vor kurzem verkündet: "Wir werden auf keinen Fall zustimmen, in irgendeine Aktion von illegaler Finanzierung oder Korruption verwickelt zu sein, weil die PP als Partei absolut keine Verantwortung für die Angelegenheiten, die in den Medien veröffentlicht werden, trägt. Das ist eine Operation zur Verfolgung und Sturz der PP. Die PSOE (sozialistische Partei) kann uns keine Lektionen geben, denn sie ist die Partei der GAL und der Filesa und sie benutzt in skandalöser Weise das Innenministerium, die Staatsanwaltschaft und andere Staatsorgane zum eigenen Nutzen".

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es nur zwei Bürgermeister der PP, die zurücktreten mussten. Inzwischen haben sich aber die Verfahren konsolidiert, neue Beweise kamen ans Tageslicht. Der Geifer der PP-Gewaltigen und ihre rumdum-Verleugnungen führen sogar dazu, dass die Polizeigewerkschaften auf die Barrikade gehen. Besagte Generalsekretärin musste nun doch abwiegeln und wenigstens die Polizei aus ihrer Schusslinie nehmen. Das hindert aber den Ex-Verteidigungsminister Federico Trillo nicht daran, im Namen der PP eine Anzeige gegen die Polizei aufzugeben wegen "andauernden Verrats von Geheimnissen" ("delito continuado de revelación de secretos"), "Enthüllung von Geheimnissen" und "illegale Abhöraktionen". Angeblich soll der Präsident der Region Valencia abgehört worden sein, Beweise blieb die PP schuldig.

Es ist offensichtlich, dass eine Partei hier nicht reinen Tisch machen will. Im eigenen Interesse wäre es zu empfehlen, wenn sie bei den Untersuchungen mitmachen würde. Das Ende der Kohl-Ära in Deutschland lässt grüssen. Das zeigt aber auch die Unreife der PP, die das Sammelbecken der alten Falangisten und der Konservativen war und sich davon noch nicht befreien konnte. Den Unfehlbarkeitsanspruch des Diktators klebt immer noch an ihr.

Siehe auch Blogbeitrag vom 24.02.2009: Der Fall "Gürtel" - Spaniens Rechte zittert

Informationsquelle: Diverse spanische Pressemedien, insbesondere El Pais, La vieja y flexible conspiración del PP
Bild: Der Caudillo, so wie ihn die Falangisten gerne sehen, schaut zufrieden auf Trillo und Gospedal

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Freitag, 28. August 2009

Alter Mann analysiert die rumänische Politik

Ion Diaconescu - am 25. August wurde er 92 Jahre alt - war Mitglied der rumänischen nationalen Bauernpartei (Partidului Naţional Ţărănesc) von 1936 bis 1947. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten sass er von 1947 bis 1964 als politischer Gefangener im Gefängnis. Nach der Revolution 1989 war er Mitglied der Führung der Bauernpartei und von 1990 bis 2000 Parlamentsabgeordneter. Von 1996 bis 2000 war er Präsident der rumänischen Abgeordnetenkammer.

Er hat heute der Zeitung Evenimentul Zilei ein Interview gegeben und dabei mit der Weisheit des Alters sein Urteil zum Zustand der rumänischen Politik abgegeben.

Von der Revolution von 1989 erwartete seiner Ansicht nach die öffentliche Meinung einen totalen Wechsel des Regimes und Eliminierung des Kommunismus im Land. Die Macht hätten aber Leute der kommunistischen Partei übernommen, die zwar die Ceauşescu's loshaben, aber sonst die Macht in der Hand behalten wollten. Ihr Chef war Iliescu. Er war Kommunist, es hat ihm nur nicht gepasst, dass Ceauşescu die ganze Macht hatte und sie mit niemandem teilen wollte. Iliescu wusste nicht so genau, was er wollte: Sein Herz tickte Richtung Kommunismus, die Situation in der Welt zwang ihn aber zu Veränderungen. Die Bauernpartei war die einzige Partei, die auf Grund ihres Programms, das Land hätte regieren können.

Durch die ständigen Streitereien zwischen den staatlichen Organen hätten die demokratischen Institutionen Rumäniens viel an Glaubwürdigkeit verloren. Aber das Hauptproblem sei der Streit zwischen den Parteien. Die politische Situation in Rumänien sei total verwickelt. In den Regierungsparteien PSD und PDL ginge es drunter und drüber. In der PSD würden sich Iliescu und Geoană in den Haaren liegen. Der Staatspräsident Băsescu sei in die Affäre mit seinem Bruder (ihm wird Waffenhandel vorgeworfen) und in die Untersuchung über die Tourismus-Ministerin Udrea verwickelt. In den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen würde es wichtig sein, wer Bürgermeister sei. Die Bürgermeister würden vorgeben, wer gewählt werden solle.

Bezüglich des Staatspräsidenten meint er, dass Băsescu durchaus gute Absichten gehabt habe. Sein schwacher Punkt wären aber die Frauen (Udrea, Ridzi, die letzte die kürzlich zurückgetretene Ministerin für Jugend) und seine eigene Familie. Vor 5 Jahren habe er bei den Wahlen eine Alternative dargestellt, aber er habe wenig von dem durchgesetzt, was er versprochen habe.

Die Moral der rumänischen Gesellschaft wäre sehr gesunken. Typen wie Vanghelie und Becali könnten demokratisch gewählt in die Führung des Landes kommen. Aber die Hoffnung bleibe die junge Generation. Sie werde später die politische Reife haben und von einer richtigen Demokratie profitieren. Auch heute gäbe es noch keinen Politiker mit moralischen Werten, den man wählen könne, aber er sei optimistisch, dass die nächste Generation dies erreichen werde.


Die Kandidatur für das Präsidentenamt von Prinz Radu Duda, aus dem ehemaligen rumänischen Königshaus, hält er für einen Scherz.

Zur Präsidentenwahl werde er nicht gehen, weil er nicht wisse, wen er wählen soll. Die Tatsache, dass er jemandem die Stimme gebe, mache ihn auch zum Teilhaber der Fehler des Gewählten. Trotzdem sollen die Rumänen zur Wahl gehen. Es sei wichtig, dass man die Verbindung zur und Kontrolle der Staatsgewalt in der Hand behält, auch wenn es schwer falle.

In 20 Jahren, wenn die Generation aus dem kommunistischen Jahrhundert verschwunden sei, werde eine neue Generation da sein, die im europäischen Geist aufgewachsen sein werde. Die Rumänen dürften sich nicht entmutigen lassen. Die europäischen Strukturen würden sie zur Anpassung zwingen. Rumänien würde sich erkennbar bereits auf dem Weg in den Westen befinden. Es befinde sich zwar da noch am Ende der Tabelle, aber man wäre wenigstens in der Tabelle.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Ion Diaconescu despre Băsescu: „Femeile sunt punctul lui slab” und Wikipedia rumänisch

Mittwoch, 26. August 2009

Das Abkommen von San José und die Demokratie

Süd- und Mittelamerika wollte sich eigentlich von der Putschmentalität befreien und war dazu auf bestem Wege. Die Wahl eines ehemaligen Arbeiterführers wie der von Luiz Inácio Lula da Silva, auch "Lula" genannt, hätten vor 30 Jahren die Militärs und die herrschende Klasse nicht zugelassen und eher ein Blutbad chilenischen Musters veranstaltet. Sogar einem Hugo Chávez in Venezuela konnte man bisher nicht vorwerfen, den Machtwechsel unmöglich gemacht zu haben oder dass er illegal an die Macht gekommen war.

So ganz hat das mit dem Mentalitätswandel aber noch nicht geklappt. In Honduras griff man wieder zu den altbewährten Mitteln des Putsches zurück. Zwar wurde er etwas verbrämt mit Entscheidungen des obersten Gerichtshofs begründet, aber es war wieder einmal ein Machtwechsel, der mit Gewalt erfolgte. Am Sonntag, den 28. Juni 2009, war es wieder einmal soweit. Militärs jagten den gewählten Präsidenten Manuel Zelaya aus dem Land.

Die Organisation der Amerikanischen Staaten (Organización de Estados Americanos (OEA)) trat auf den Plan. Fast einhellig wurde der Staatsstreich von allen süd- und mittelamerikanischen Staaten verurteilt. Sogar die USA wandten sich gegen den Putsch. Unter diesem Druck kam es zumindest zu Verhandlungen und einem Vermittlungsversuch, mit dem der costarricanische Präsident Oscar Arias beauftragt wurde.

Am 22. Juli entstand aus diesen Bemühungen das Abkommen von San José zur nationalen Versöhnung und Stärkung der Demokratie in Honduras (Acuerdo de San José para la reconciliación nacional y el fortalecimiento de la democracia en Honduras). Der abgesetzte Präsident, Manuel Zelaya, war bereit zu unterschreiben, die Putschisten dagegen nicht.

Was steht nun Schlimmes in diesem Abkommen, was den Putschisten nicht gefällt? Das Schlimmste ist sicher, dass Zelaya zurückkehren kann und bis zu den Neuwahlen, die wegen der Ereignisse auf Januar 2010 verschoben werden sollten, auch weiterhin als Präsident amtieren kann. Bis zu den Neuwahlen soll eine Regierung der nationalen Einheit amtieren, in der alle Parteien vertreten sind und bewährte, neutrale Persönlichkeiten die Ministerien verwalten sollten. Zur Förderung der Versöhnung und Stärkung der Demokratie soll der Nationalkongress von Honduras eine Generalamnestie für politische Delikte erlassen. Der bisherige Amtsinhaber verzichtet auf die Abhaltung einer Volksabstimmung zur Verlängerung seiner Amtszeit (dies war eine der Hauptbegründungen für den Putsch). Die Armee soll bis zur Abhaltung der Neuwahlen dem obersten Gerichtshof Honduras unterstellt werden. Eine Komission (Comisión de Verificación) unter Leitung der OAE soll die korrekte Ausführung des Abkommens überwachen. Zur Untersuchung der Vorgänge am 28. Juni soll eine "Wahrheits-Komission" (Comisión de la Verdad) gegründet werden. Sie soll für das Volk von Honduras herausfinden, welche Gründe zum Putsch führten. Das Ergebnis hat das Ziel, zu erreichen, dass sich eine vergleichbare Situation in Zukunft nicht mehr wiederholt.

Micheletti hat gestern vor den Aussenministern der OAE den starken Mann markiert. Er erklärte, dass es wie geplant am 29. November Neuwahlen geben werde, auch wenn die ganze Welt die derzeitige honduranische Regierung nicht anerkenne. Das den Putschisten nahestehende Blatt "El Heraldo" zitiert ihn so: "Wir haben vor Niemandem Angst. Wir schaffen es auch ohne Euch (Podemos salir adelante sin el apoyo de ustedes)", erklärte er lautstark. Seine starken Sprüche wurden im Canal 8 des honduranischen Staatsfernsehens übertragen, bei der Antwort der Aussenminister hörte die Übertragung auf. Besonders unbeliebt bei Micheletti ist José Miguel Insulza, der Generalsekretär der OAE . "Insulza kam in dieses Land, um Befehle zu geben und das erlauben wir Niemandem auch wenn wir das ärmste Land Amerikas sind", erklärte er den Aussenministern. Zudem wirft er ihm Parteilichkeit vor.

Was wird die OAE jetzt tun? Óscar Arias Sánchez hat immer noch die Hoffnung, dass das Abkommen doch noch von allen unterzeichnet wird.

Informationsquellen: El Heraldo, “Nos reconozca o no el mundo, habrá elecciones el 29 de noviembre”; La Tribuna, Cancillería: EE.UU. puede suspender visas en el ejercicio a su soberanía; La Prensa Libre, Arias sigue esperanzado en que acepten acuerdo de San José,
Text des Abkommens von San José

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Montag, 24. August 2009

Nationalpark ein Paradies für Drogen-Schmuggler

Der Nationalpark Coto de Doñana (auch Parque Nacional de Doñana) an der Costa de la Luz in Andalusien in der Schwemmlandschaft der Guadalquivir-Mündung hat sich zum grössten Einfallstor des Haschisch-Schmuggels nach Europa entwickelt. Seine hunderte Kanäle und schwierige Zugänglichkeit machen ihn zu einem idealen Versteck für die Haschisch-Schmuggler.

Der "Diario de Sevilla" schildert den Ablauf einer Schmuggelaktion: "2 Uhr Nachts, Isla Mayor, eine Nacht wie jeden Tag auch. Ein Boot (lancha ) fährt mit hoher Geschwindigkeit den Guadalquivir hinauf bis zu einer der kleinen Anlegestellen, wie sie von Aal-Fischern in dieser Gegend benutzt werden. Das Boot hält, am Ufer warten einige Jugendliche, um sofort die Fracht abzuladen und sie zu in der Nähe geparkten Geländewagen (todoterrenos) zu bringen. In einer halben Stunde ist alles vorbei, es bleibt weder eine Spur von den Drogen noch dem Boot oder den Trägern."

Das Haschisch kommt aus Nordafrika, vor allem Marokko. Die alte Schmuggelstrasse führte früher stracks über den "Estrecho" (Meerenge von Gibraltar). Angelandet wurde in der Nähe von Gibraltar oder Algeciras. Viele Schmuggler versuchten ihr Glück unter Benutzung der Fähre von Tanger nach Algeciras. Noch zu Franco's Zeiten waren die Gefängnisse voll mit ausländischen Haschisch-Schmugglern. Damals galt die Devise 1kg Haschisch = 1 Jahr Gefängnis. Die spanische Strafrechtsreform in den 80er Jahren leerte die Gefängnisse. Frei kam man jetzt auf Grund der Bezahlung einer Kaution, wenn die Menge nicht zu hoch war. So verschwanden manche Drogenkuriere - Geld für die Kaution hatten sie scheinbar immer - auf Nimmerwiedersehen in ihren Ländern.

Das Leben machte den Drogen-Schmugglern plötzlich die vielen nach Europa drängenden Afrikaner schwer. Die Überwachung der Meeresgrenzen wurde wegen der illegalen Einwanderung immer mehr verschärft. Als Alternative entdeckten die Drogen-Schmuggler dann den Guadalquivir, der von seiner Mündung bis Sevilla 100 km lang und schwer zu überwachen ist. Patrouillenboote der Guardia Civil werden schon so früh gesehen, dass man sich leicht in einem Seitenkanal verstecken kann. Zudem sind die Überwachungsrouten und -zeiten den Schmugglern bestens bekannt. Nachts ist die Guardia Civil zudem nicht unterwegs.

Hauptumschlagspunkt ist Isla Mayor mit den vielen kleinen Anlegestellen der Aal (angula)-Fischer. Das Gebiet liegt nicht direkt am Fluss. Mithelfer überwachen, ob die Guardia Civil in der Gegend ist und warnen gegebenenfalls die Schmuggler. Sollte sie in der Nähe sein, werfen die Schmuggler die Ware ins Wasser, so dass bisher noch keine einziges Mal diese in flagranti erwischt werden konnten. Viele Anlieger des Flusses stehen zudem im Dienst der Drogenhändler. Gegen Zahlung von 50 Euro warnen sie Mittelsmänner, wenn sich die Guardia Civil in der Gegen befindet. Sie stehen sozusagen auf der untersten Stufe des Drogenhandels. Die Mittelsmänner stehen auf der nächsten Stufe. Sie erhalten 600 Euro für jede Nacht, die sie Schmiere stehen. Es ist eine risikolose Tätigkeit. Gefährlicher wird es für die Träger, dafür kassieren diese 2.000 bis 3.000 Euro pro Entladung. Eine kriminelle Bande, die Isla Mayor lange terrorisierte und sich "Banda del Pimiento" nennt, wechselte in das Drogengeschäft und stellt jetzt die Mehrzahl der Träger. Der Bootsführer, der die Ware mit seinem Boot von Marokko bringt, erhält 10.000 bis 15.000 Euro pro Fahrt, auf der er in der Regel 3 Tonnen Haschisch befördert. 1 Kilo Haschisch wird auf dem Drogenmarkt für 4.000 Euro verkauft.

Trotzdem stieg die Menge der beschlagnahmten Drogen. Waren es 2007 noch 56.000 Kilo Haschisch, waren es 2008 bereits 72.000 Kilo. Experten schätzen, dass nur etwa 10% der Schmuggelware beschlagnahmt werden kann. Die spanische Regierung beabsichtigt jetzt, mit denselben Mitteln wie gegen die illegale Einwanderung auch den Drogenhandel zu bekämpfen. Sie will das bewährte Sensor-System SIVE (Sistema Integrado de Vigilancia Exterior-Integriertes Grenzüberwachungssystem) an der Guadalquivir-Mündung in Sanlucar de Barrameda installieren und so jeden Bootsverkehr in den Guadalquivir überwachen.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, Narcotráfico en el Guadalquivir

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Sonntag, 23. August 2009

Krieg der Geschlechter

Frau und Mann im Nordosten Brasiliens lieben sich kurz und heftig und gehen sich danach auf die Nerven und leben im Dauerstreit. Den Kürzeren zieht in der Regel die Frau, denn er vergnügt sich dann halt mit einer anderen. Der grosse brasilianische Soziologe Gilberto Freyre hatte bereits in seinem Hauptwerk "Casa Grande & Senzala" die grenzenlosen Freiheiten der Männer beschrieben, die sich alles nahmen, was sie konnten.

Geändert hat sich bis heute nicht viel an dieser Einstellung. "Den Männer ist fast alles erlaubt. Den Frauen bleiben die Pflichten der Ehe", erklärt die Forscherin der psychologischen Abteilung der Katholischen Universität von Pernambuco (Universidade Católica de Pernambuco (Unicap)), Zuleica Dantas. Sie hat in ihrem Forschungsprojekt vor allem die Situation bei Ehepaaren der höheren Gesellschaft und Mittelklasse von Recife untersucht und dazu viele vertrauliche Gespräche mit den Betroffenen geführt. Sie hat dabei herausgefunden, dass in Recife fast alle Männer ihre Frauen betrügen.

Die befragten Frauen gaben an, dass ein Ehebruch für sie nicht in Frage kam. "Das war etwas, was wir erwartet haben. Sogar unter dem Siegel der Verschwiegenheit wurden die Frauen der Zucker-Aristokratie erzogen, immer alles abzuleugnen", erkärte die Forscherin. "Trotzdem konnten wir durch unsere Befragungstechnik herausfinden, dass sie in diesem Fall nicht gelogen haben."

Die Forscherin konnte feststellen, dass bei Ehepaaren, die länger als 20 Jahre verheiratet waren, die Männer in Rente und sehr zufrieden waren. "Sie machten alles, was sie vom Leben verlangten. Nach der Verrentung fühlten sie sich zufrieden. Ihre Ehefrauen erzählten das Gegenteil. Sie mussten die Untreue ertragen, die Sauferei oder die übertriebene Verehrung des Fussballs", berichtet sie. In den moderneren Stadtviertel und den weniger begünstigten Gesellschaftsgruppen sieht die Lage etwas anders aus. "Die Beziehungen sind nicht so eng. Die Ehen hören auf zu existieren auf Grund Übereinkunft oder aus den praktizierten verschiedenen Interessen."

Und die Armen? Zuleica Dantas kann hier nur schätzen. "Hier gibt es von beiden Seiten keine Scheinheiligkeiten. Man wechselt viel schneller die Partner".

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Gilberto Freyre sempre teve razão
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Freitag, 21. August 2009

Spanische Flugsicherheit: Abwarten und Tee trinken, das war einmal

Gestern gedachte Spanien der 154 Toten Fluges der Spanair JK5022, der vor einem Jahr auf dem Flughafengelände von Madrid abstürzte. Auf allen spanischen Flughäfen wurde eine Schweigeminute eingelegt.

Die Untersuchung des Absturzes hatte bedenkliche Mängel in der Arbeit der Behörden für Flugsicherheit offenbart, für die in Spanien die "Comisión de Investigación de Accidentes e Incidentes de Aviación Civil (CIAIAC)" (Komission für die Untersuchung von Unfällen und Zwischenfällen im zivilen Flugverkehr) zuständig ist. So wurde jetzt bekannt, das die Ursache für den Absturz - die Landeklappe auf der hinteren Seite der Tragflächen waren nicht ausgefahren und der Alarm, der die Piloten im Cockpit in einem solchen Fall warnen soll, hat nicht funktioniert - ein bekanntes Problem des Flugzeugtyps MD-82 war. Bereits 1987 war der Defekt bei einem Flugzeugabsturz in Detroit die Absturzursache.

Am 5. Juni 2007 passierte derselbe Fehler beim Start einer MD-83 der österreichischen Fluggesellschaft Mapjet von Madrid nach Lanzarote. Auch hier wurden die Piloten nicht über einen Alarm gewarnt, hatten aber auch zuvor nicht die Checkliste vorschriftsgemäss abgearbeitet. Sonst hätten sie merken müssen, dass der Alarm nicht funktionierte. Wie sich später herausstellte, fehlte eine wichtige Sicherung in der Bordarmatur. Beim Start zeigten 4 Kontrollinstrumente Unregelmässigkeiten an. Der Ko-Pilot versuchte, den Fehler ohne Erfolg zu beheben. Die Piloten starteten trotzdem und da die Motoren nicht automatisch beschleunigten, beschleunigten sie diese manuell. Damit konnten sie starten und in Lanzarote landen. Auf der Insel nahmen sie 140 Passagiere für den Flug nach Barcelona an Bord. Die Maschine war mit 74 Tonnen beladen und damit zu 89% ausgelastet. Die Piloten vergassen wieder die Landeklappen und stellten beim Start um 10:42 erneut die 4 Kontrollampen fest, die Unregelmässigkeiten anzeigten. Erneut versuchte der Ko-Pilot diese ohne Erfolg zu korrigieren. Der Ko-Pilot sass am Steuer als sie um 10:45 Uhr starteten. Kein Alarm ging an. Das Flugzeug schwankte um 63 Grad nach rechts und 60 nach links. Es stand kurz vor dem Absturz. 25 Sekunden nach dem Start gelang es, das Fahrgestell einzuziehen und zu steigen. Glück im Unglück: Auf Lanzarote herrschte zu diesem Zeitpunkt ein sehr starker Gegenwind im Gegensatz zum Unglück in Madrid im vergangenen Jahr. Zudem waren die Motoren leistungsstärker. Mit maximaler Kraft stieg die Maschine auf 1.524 Meter. Nachdem der Schock verdaut war, entschieden sich die Piloten, den Flug fortzusetzen wie wenn nichts passiert wäre. Nach der Landung erkundigten sich die Piloten beim Bodenpersonal in Madrid nach der Ursache und erfuhren, dass am Tag zuvor die für den Alarm wichtige Sicherung aus dem Flugzeug entfernt worden war. Es stellte sich heraus, dass das technische Personal täglich diese Sicherungen herauszieht, um zu prüfen, ob bestimmte Aussenlichter funktionieren.

CAIAC zeigte in seinem Untersuchungsbericht auf die Piloten, die das übliche Standardverfahren nicht beachtet hätten. Zudem wären die Piloten nicht ausreichend geschult gewesen. Ein Vorwurf, der an die österreichische Flugsicherheitsbehörde Austrocontrol gerichtet wurde, da diese ihre Überwachungspflichten nicht nachgekommen sei. Verwarnungen sollten Mapjet, die für eine bessere Ausildung der Piloten und Funktionieren der Flotte sorgen sollten, Austrocontrol, damit diese die Kontrolle über die Charterflotten verschärfen solle und die Europäische Agentur für Flugsicherheit, damit diese Austrocontrol besser überwache, erhalten. Das Tolle daran ist: Dieser Bericht existiert nur als Entwurf (borrador)! Er hat also nie das offizielle Licht der Welt erblickt und damit bezüglich der Sicherheitsproblematik kein geschärftes Gefahrenbewusstsein gebracht.

Kein Wort über den fehlenden Alarm, keine Empfehlung für ein System, das nicht abgestellt werden kann. Keine Warnung an Spanair wegen deren MD-Flugzeuge. Im Bericht über den Unfall Madrid wurde dieser schwerwiegende Zwischenfall in Lanzarote verschwiegen.

Kein Wunder, dass die spanische Öffentlichkeit ihr Augenmerk auf die CAIAC legt. Die Angehörigen der abgestürzten Spanair sind sich sicher: "Das Unglück hätte nie passieren dürfen". Sie geben der Schlamperei der CAIAC die Schuld. Als erste Massnahme hat die spanische Regierung beschlossen, dass die Mitglieder der Komission durch das Parlament gewählt werden sollen. Das bringe aber nicht viel, meinen die Medien, solange die Komission nicht die für die Untersuchungen nötigen Mittel bekomme und gezwungen werde, die internationalen Vorschriften anzuwenden. Zur Zeit würde von der CAIAC die internationale Empfehlung, Untersuchungsberichte innerhalb eines Jahres abzuschliessen oder zumindest einen internen Bericht über den Sachstand zu veröffentlichen, missachtet.

Infomationsquelle: El Pais, "Aprender de los errores" und "Despegó sin 'slats' y con los 'flaps' a 0 grados. La alarma estaba inactiva"
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Dienstag, 18. August 2009

Das Blutbad von Scanteia oder wenn Bus-Taxis aufs Gas drücken

Am 14. August rammte ein Zug auf einem ungesicherten Bahnübergang ein Bus-Taxi, in Rumänien auch Mikrobuz oder Maxi-Taxi genannt, das sich auf der Fahrt zwischen der Stadt Iaşi und dem Dorf Scânteia befand. 13 von den 16 Passagieren starben an diesem Freitag. Die 14. Person, der Fahrer, 26 Jahre alt, ist gestern, Montag, im Krankenhaus gestorben.

Schuldig soll der inzwischen verstorbene Fahrer sein, gegen den ein Strafverfahren eröffnet wurde. Er soll alle Verkehrsregeln beim Überqueren des Bahnübergangs missachtet haben. Überlebende erzählen, dass er zu diesem Zeitpunkt das eingenommene Geld gezählt habe. Alle anderen, die auch eine Verantwortung in der Sache tragen, waschen ihre Hände in Unschuld.

Aber dieser schwere Unfall rückt ein Gewerbe in Rumänien in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, das schon länger von den Kunden misstrauisch begleitet wird: Das öffentliche, vor allem private Transportwesen in Rumänen. Typisch war, dass der Unglücksfahrer für seinen Arbeitgeber "Valcris Trans" seit fast 2 Jahren "schwarz" (la negru) arbeitet und von seinen Vorgesetzten hemmungslos teilweise 18 Stunden pro Tag eingesetzt wurde, obwohl gesetzlich nur 9 Stunden erlaubt waren. Zudem scheint er ein wilder Raser gewesen zu sein. Leute aus dem Dorf berichteten, dass er gewöhnlich über die Bahnübergänge raste, ohne auch nach rechts und links zu gucken. Passagiere der dem Unglück vorher gehenden Fahrt berichteten, dass der Fahrer einen sehr müden Eindruck machte und an Nasenbluten litt. "Wir wunderten uns, was mit ihm los war. Wir haben uns gefürchtet, weil er mit hohem Tempo fuhr", berichtete Lili Borangic, die Mutter eines der 13 Opfer.

Zuständig für die Kontrolle des Personentransportwesens ist die Rumänische Strassenbehörde (Autoritatea Rutieră Română (ARR)). Sie erteilt den Firmen eine Lizenz und kontrolliert deren Aktivitäten. Die Firma Valcris erscheint in den Akten der ARR als "sauber", obwohl sie illegale Transporte im Raum Scânteia durchführte. Tatsächlich gehörte das Fahrzeug nicht der Firma, sondern einem ihrer Aktionäre, der Wagen und Strecken zwischen seiner Firma und der Unglücksfirma tauschte. Die Lizenz lautete auf eine andere Firma. Obwohl dies bekannt war kam es zu keinem Strafverfahren gegen die Firma Valcris.

Auf der Todesstrasse (ruta morţii), wie die Strecke jetzt genannt wird, ist es üblich, dass die Kleinbusse überladen sind und von nicht qualifizierten Fahrern gefahren werden. An dem Zustand hat sich nach neuesten Beobachtungen nichts geändert. Die Fahrer dulden völlig überladene Fahrzeuge und während der anschliessenden Fahrt widmen sie sich ausgiebig ihrem Mobiltelefon und weniger der Strasse. Und das, obwohl die Strecke in miserablen Zustand und die Strasse voller Schlaglöcher ist.

Die Verkehrspolizei hat den Unglücksfahrer im vergangenen Jahr mehrfach angehalten und wegen Verstoss gegen die Verkehrsregeln bestraft. Keiner hat dabei geprüft, ob dieser überhaupt Personentransporte durchführen durfte. Sie will jetzt, nach der Katastrophe, auch diese Befähigung gründlicher prüfen.

Das Bürgermeisteramt (Primăria) von Scânteia war bekannt, dass es illegale Personentransporte gab. Trotzdem fühlt sich der verantwortliche Bürgermeister schuldlos. Er meint, man solle doch froh sein, dass der Fahrer der einzige Schuldige sei. "Warum sucht ihr jetzt noch weitere Schuldige an allen Ecken?", fragt er die Presse. Eine seltsame Einstellung, aber typisch dafür, Ämter bekleiden zu wollen, aber keine Verantwortung zu übernehmen.

Die Bewohner des Ortes Scânteia , aus dem die Mehrzahl der Toten stammt, sind aufgebracht. Auch die Medien sind empört, das Unglück beherrscht die Schlagzeilen. Es ist schade, dass es vieler unschuldiger Toter bedurfte, dass eines der grossen Probleme Rumäniens, die mangelnde Verkehrserziehung und konsequente Verfolgung von Verstössen gegen die Verkehrsregeln, ernsthaft diskutiert wird. Wie weit Politik und Gesellschaft wirklich eine Änderung wollen, das bleibt noch abzuwarten. Wenigstens sind heute auch Strafverfahren gegen die Eigentümer des Busbetriebes eröffnet worden.

Informationsquelle: Adevarul, Patronii şi-au trimis pasagerii la moarte, Evenimentul Zilei, Reportaj de pe „ruta morţii”
Bild: Montage

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Sonntag, 16. August 2009

Neuer Erzischof plädiert für Scheidung

Der neue Erzbischof von Recife und Olinda, Dom Fernando Saburido, hat heute morgen der lokalen Presse in einem Gespräch seine Ziele und Pläne für das neue Amt vorgestellt. Dom Saburido, bisher Bischof von Sobral, ist Nachfolger des äussert umstrittenen Dom Cardoso Sobrinho, der vor kurzem durch sein Verhalten bezüglich der Abtreibung bei einem 9-jährigen Mädchen für Aufsehen sorgte.

Während Cardoso eher der Ruf eines verknöcherten Kirchenjuristen anhing, geht dem neuen Erzbischof der Ruf voraus, dass er ein guter Seelsorger ist und die Sorgen und Nöte seiner Gläubigen kennt.

Das Gespräch kann im wesentlichen wie folgt zusammengefasst werden:
Das Sakrament der Ehe: Wir sind alle geschaffen um glücklich zu werden. Wenn die Ehe zerrüttet ist, dann ist es besser, wenn eine Trennung erfolgt. Was die Kirche jedoch nicht akzeptiert ist, dass man dann wieder heiratet.

Zur Gewalt: Das Thema ist besorgniserregend. Die Menschen bringen sich wegen Kleinigkeiten um. Wir wissen aber auch, dass viele Gewalt ausübern, weil sie kein Recht auf Bildung und würdigen Wohnraum haben. Wir dürfen nicht verurteilen, ohne darüber nachzudenken. Die Kirche kann bei Lösung sozialer Probleme helfen.

Abtreibung: Hier ist die Stellung der Kirche ganz klar. Sie verteidigt das Leben um jeden Preis. Für Abtreibende erfolgt eine automatische Exkommunikation. Man muss aber jeden Einzelfall prüfen.

Pädophilie: Die Kirche kann so etwas nicht akzeptieren. Hier gibt es null Toleranz.

Drogen: Ich bin ein Anhänger der Wiedereingliederung durch Arbeit und habe schon viel auf diesem Gebiet mit Drogenabhängigen gearbeitet. Ich werde diese Arbeit auf jeden Fall unterstützen.

Das Evangelium: Das Evangelium ist da, um zu befreien und nicht um jemanden zu unterdrücken. Auf dieser Linie werde ich arbeiten.

Diskriminierung: Die Kirche diskriminiert niemanden. Alle sind Willkommen. Homosexuelle, Prostituierte, jede Person, die offensichtlich in einer schwierigen sozialen Situation ist, wird von der Kirche akzeptiert. Wir wollen nur das, was im Evangelium Jesus zur Ehebrecherin sagte: Gehe hin und sündige nicht mehr.

Bezüglich seines Vorgängers, Dom Cardoso: Er leitete die Erzdiözese 24 Jahre. Ich bewundere ihn sehr und habe Respekt für ihn. Er wollte immer Gutes tun, nur wurde er manchmal falsch interpretiert. Ich habe viel von ihm gelernt, aber ich werde meinen eigenen Weg gehen.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Dom Saburido dá entrevista coletiva e comenta temas polêmicos

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Donnerstag, 13. August 2009

Russe ruiniert Wahrzeichen von Marbella

Das Hotel "Los Monteros" war eines der ersten grossen Luxushotels in Marbella, das viel zur touristischen Entwicklung des Ortes beigetragen hat. An der Costa del Sol hat das Hotel Kult-Status. Im Dezember 2008 kaufte der Russe Ernest Malyshev das Hotel. Nach dem Kauf stellte er die Gehaltszahlungen an die 183 Angestellten ein. Dreimal wurde versucht, eine Übereinkunft über die Gehaltszahlungen und ein Neustart für den Hotelbetrieb zu erreichen. Alles ohne Erfolg, nach Ansicht der Spanier, weil Malyshev seinen Verpflichtungen nicht nachkam. Ende Mai schloss Malyshev das Hotel unter dem Vorwand, dass die Angestellten sich aggressiv verhielten sowie die Einrichtungen des Hotels zerstört und vernächlässigt würden. Eine Inpektion des Hotels durch das Arbeitsinspektorat (Inspección de Trabajo) ergab dafür aber keine Anhaltspunkte.

Ernest Malyshev ist Präsident der russischen North-West Oil Group. Die North-West Oil Group
wurde 2004 gegründet. Das Unternehmen produziert und vertreibt Erdöl, Erdölprodukte und Gas.

Die andalusische Landesregierung (Junta de Andalucia) versuchte mehrfach, mit Krediten und Strafzahlungen, die Aufrechterhaltung des Hotelbetriebes zu erzwingen. Am 31. Juli entschied sie, keine Kredite mehr an Malyshev zu vergeben, da sie sich von diesem verschaukelt fühlte.

Das Hotel ergibt heute ein Bild des Jammers: Ohne Licht, ohne Wasser, ohne Essensangebot. Die Gärten vertrocknet und die Fische in den Teichen sterben, weil das Wasser nicht erneuert wird. Theoretisch ist das Hotel noch offen, weil der Besitzer den Schein des Funktionierens aufrecht erhalten will, um Strafen zu vermeiden.

Marbella solidarisiert sich inzwischen mit dem Hotel und kämpft gegen seinen Niedergang. "Wenn Los Monteros schliesst, stirbt etwas von Marbella", erklärt der Sekretär des andalusischen Gaststättenverbandes der CC OO, Gonzalo Fuentes. Gewerkschaften, politische Parteien und Bürgerbewegungen versammelten sich gestern in Marbella zu einer Protestversammlung. Die Bürger Marbellas wurde aufgerufen, dafür zu sorgen, dass eines seiner Wahrzeichen nicht stirbt.

Informationsquelle: El Pais, Los Monteros, una insignia agonizante

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Montag, 10. August 2009

Rio de Janeiro's Tunnelwelt

Rio ist eine Stadt, eingebettet in eine Hügelwelt, in der es zum Teil sehr steil auf und abwärts geht. Die Stadtteile liegen in den diversen Buchten und wollen miteinander verbunden werden. Was liegt näher wie diese Verbindung per Tunnel herzustellen. Deshalb gibt es in Rio eine Unmenge Tunnels, die man per Auto, aber auch zu Fuss durchqueren kann.

Viel Spass macht das wohl nicht. Das kann man wenigstens aus einer Reportage des "Jornal do Brasil" entnehmen. "Dreckig, dunkel, nicht durch die Polizei überwacht und voll mit Obdachlosen (sem-teto) bilden die Tunnels richtige Fallen" ist die zusammenfassende Bewertung.

Das Passieren eines Autotunnels auch zu Fuss ist schon von den Luftverhältnissen her eine Zumutung. Aber die Tunnels sind auch für Autos stets eine Überraschung wert. Schlecht beleuchtet und schmutzig und von der Polizei im Stich gelassen, sind Überfälle an der Tagesordnung. So gibt es im Stadtviertel Copacabana häufig Überfälle auf Fussgänger, die die Tunnels passieren. Hinzu kommen die Drogenkonsumenten und die Obdachlosen, die auf den Gehwegen schlafen.

Der 80-jährige João de Almeida durchquert deshalb die Tunnels nur mit seinem Rottweiler. Damit hatte er bereits Überfälle im Ansatz ersticken können.

Der Kassierer einer Mautstelle am Ende des Tunnels in der Avenida Princeza Isabel, erzählt, dass er bis zu drei Überfälle pro Tag beobachten konnte. Seiner Ansicht nach haben die Kriminellen ein Versteck in der Nähe des Tunnels, wo sie die geraubten Produkte aufbewahren. Gleichzeitig ist dieses Versteck auch das Lager der Obdachlosen für ihre Matratzen, Tücher und Kleider.

Weitere Tunnels, wie der von Sá Freire Alvim, am Fuss des Morro Pavão-Pavãozinho, und im Túnel Velho, in der Nähe von Ladeira dos Tabajaras, sind problematisch wegen der Drogenkonsumenten, die sich rund um die Uhr dort aufhalten. Zudem zeichnen sie sich durch einen unwiderstehlichen Gestank aus. "Der Geruch ist nicht zu ertragen, seit Urzeiten reinigt niemand mehr diese Tunnels", berichtet die Hausfrau Shirley Silva. Diese Tunnels bilden die Bedürfnisanstalten der Stadt und verbreiten einen unerträglichen Fäkal- und Uringeruch.

Ein grosses Problem sind die Obdachlosen, die bei der Kälte des Winters nur in den Tunnels einigermassen geschützt übernachten können. Zu dieser Jahreszeit schlafen sie nicht nur dort, sondern kochen auch. Autofahrer können sie dabei sogar auf dem Mittelstreifen bei dieser Tätigkeit beobachten. "Es ist sehr traurig, soviele Leute zu sehen, die nicht wissen, wo sie wohnen können", bemerkt die Übersetzerin Carolina de Paiva.

Aus dem Auto kann man das Elend sehen, aber man ist auch nicht sicher. Ständig gibt es Überfälle auf Autos in den Tunnels von Rebouças und Santa Bárbara. Der schlimmste Tunnel ist aber der Noel Rosa, der den Stadtteil Vila Isabel mit Sampaio im Norden verbindet. Der Tunnel liegt unter dem Hügel "Morro dos Macacos", der von Drogenbanden und Polizei heftig umkämpft ist. Durch diese Tunnels führt eine der wenigen Buslinien Rio's, die die Tunnels benutzen. Wenn es hier eine der häufigen Schiessereien gibt, werfen die Buspassagiere auf den Boden. "Ich als Schaffnerin und der Busfahrer, wir können das nicht machen", berichtet eine Schaffnerin, "da hilft nur noch beten".

Die Polizei lässt sich in diesen Tunnels selten blicken, obwohl sie das Gegenteil behauptet. Die Stadtreinigung sollte von der städtischen Reinigungsgesellschaft "Comlurb" durchgeführt werden. Sie ist der festen Ansicht, dass sie alles tut, was ihr von der Stadtverwaltung vorgegeben wird. Es gibt aber auch noch andere Institutionen, die mit der Reinigung beauftragt sind, wie RioLuz und SMO. Vielleicht gibt es da Abstimmungsprobleme. Für die Reinigung der Tunnels hat Comlurb spezielle Spritzenwagen. Die "garis" (Müllmänner oder Stadtreiniger) sind nach Comlurb bestens ausgerüstet: Maske, Schürze, Handschuhe, wasserfester Overall, Helm, Brille mit erweiterter Sicht und Gummistiefel. 5 "garis" haben die schlechtesten Karten, sie müssen ohne Fahrzeuge in die Tunnels rein, um sie zu säubern. Zur Sicherheit müssen sie alle halbe Stunde Meldung nach aussen machen.

Etwas soll demnächst besser werden in den Tunnels: Das Licht. Es ist geplant die gesamte Tunnelbeleuchtung durch LED-Leuchten zu ersetzen. Sie sind heller und verbrauchen wesentlich weniger Energie. Frage ist nur, wie lange diese in den Tunnels hängen werden. Der Elektrizitätsgesellschaft wurden dieses Jahr schon über 54 Kilometer elektrische Kabel gestohlen, das meiste davon in den Tunnels.

Informationsquelle: Jornal do Brasil,
Um túnel no fim da luz
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Sonntag, 9. August 2009

Warum attackieren die Bären?

In den rumänischen Karpaten gab es in der vergangenen Woche wieder 3 Zwischenfälle mit Braunbären. In Mureş wurde ein Mann von einem Bär gebissen, den er in seinem Garten antraf. Im Bucegi-Gebirge wurde ein tschechischer Tourist von einem Bären schwer verletzt. Dort hatten auch 2 ungarische Touristen eine Begegnung mit einem Bären, bei der sie leicht verletzt davon kamen.

Rumänien ist das europäische Land mit der grössten Braunbären-Population. Der ehemalige Diktator Ceauşescu hatte 1975 die Jagd auf Bären verboten und sich den Abschuss jedes Bären selbst vorbehalten. Seit einigen Jahren ist ein starkes Anwachsen der Bärenpopulation in Rumänien zu beobachten. Hinzu kommt, dass der Mensch immer mehr durch landwirtschaftliche Expansion in die alten Jagdgebiete der Bären eingreift. Die Zahl der Bären wird bei konservativer Schätzung auf 6.000 bis 7.000 Exemplare geschätzt, manche sprechen sogar von 10.000 Bären.

Man hat beobachtet, dass die Bären sich nicht mehr vor den Menschen fürchten. Er sucht im Gegenteil seine Nähe. Inzwischen weiss er, dass es in der Nähe des Menschen etwas zu fressen gibt. Er weiss inzwischen auch, dass der Mensch - vor allem der Bergwanderer - normalerweise das Essen im Rucksack hat. Es gibt schon viele bettelnde Bären (urşii „cerşetori”) an den Bergstrassen, die durch das schrumpfende eigene Jagdterritorium aus Hunger so etwas tun. So verlieren sie im Lauf der Zeit den Instinkt, die Nahrung durch eigene Anstrengung zu suchen und stattdessen diese sich beim Menschen abzuholen.

In Rumänien ist die Waldschutzbehörde ROMSILVA für die Bären zuständig. Sie überlegt inzwischen, ob die Jagd auf die Bären in eingeschränktem Umfang freigegeben werden soll.

Es gibt aber auch Rumänen, die keine Angst vor den Bären haben. Vlad Mărgăritescu aus Bukarest ist ein begeisterter Bergwanderer und übernachtet gerne in der freien Natur im Zelt. Obwohl er um die Gefahr mit Bären weiss, lässt er sich davon nicht abhalten. "Ich habe keine Angst vor Bären. Einmal hat mich einer bei meinem Zelt besucht, ich habe ihm Essen gegeben und er war damit zufrieden", erzählt er. Robert, ein anderer begeisterter Bergliebhaber, hat inzwischen doch etwas Bammel. Er übernachtet nicht mehr im Zelt, sondern in den Berghütten.

Die Betreiber der Berghütten (Cabana) sind nicht so besorgt wegen der Bären. "Das ist doch ganz normal. Die Bären sind durch die Touristen bereits domestiziert. Sie holen sich den Müll, der von den Touristen übrig geblieben ist. Die Bären werden nur aggressiv, wenn ihnen die Touristen zu nahe kommen oder sie mit den Blitzen ihrer Fotoapparate irritieren", erzählt Liliana, Angestellte in der Cabana Gura Diham im Kreis Prahova.

Zuletzt noch einige gute Ratschläge von rumänischen Bärenexperten für Begegnungen mit Bären:
- in Bärenregionen laut sprechen oder singen, damit die Bären einem von weit hören und sich nicht überrascht fühlen,
- wenn man ihn als Erster gesehen hat und er die Witterung noch nicht aufgenommen hat, sich auf einem anderen Weg vorsichtig entfernen,
- grössere Gruppen von Wanderern sollten in der Nähe von Bären eine Kette bilden, die dieser als ein undurchdringliches Gebilde einschätzen wird,
- wenn er plötzlich vor einem steht: Ihm den Rucksack hinwerfen und während er den untersucht, schnellstens abhauen,
- bei Übernachtungen im Zelt: Ein verschwitztes Hemd oder Socken an einem Draht über dem Zelt aufhängen. Der intensive Geruch des Menschen lässt den Bären dann umkehren.

Siehe auch Blogbeitrag: Im Bucegi attackieren die Bären
Informationsquelle. Evenimentul Zilei, De ce atacă urşii?

Samstag, 8. August 2009

Den Torero hat es erwischt

Der Stierkämpfer Morante de la Puebla aus Sevilla trat gestern in El Puerto auf. "Er kämpfte mit einem wunderbaren und guten Stier (toro bonito), mit der rechten Hand, mit Pausen und Reizen. Dann passierte es, der Stier demütigte ihn mit einem grossartigen Stoss des Hornes (gran pitón), der sogar noch nach mehr verlangte", berichtete der Reporter des "Diario de Sevilla".

Folge: Morante wurde schwer am Oberschenkel verletzt, die Schlagader wurde getroffen. Nach einer Anästhesie wurde er noch im Sanitätsraum der Stierkampfarena verarztet. Der Doktor berichtet von einem 6 cm tiefen Hornstoss nach oben und 12 cm nach unten. Er wurde dann in die Klinik von Los Álamos von Jerez überführt. Sein Zustand ist besorgniserregend.


Die Kurzfassung der Ereignisse durch den Reporter:

Die Stiere (ganadería). 5 von der Stierzucht Núñez del Cuvillo und überzähliger 5. als Zugabe, der aber abgelehnt wurde, weil er hinkte, vom Stierzüchter Camacho. Unterschiedliches Temperament, ausgenommen der gute Dritte und noble Fünfte.

Die Stierkämpfer (toreros). Aparicio in Schwarz, ausgepfiffen (pitos y pitos). Morante in Blutrot und Kohlschwarz, Begrüssung mit Ankündigung und ein Ohr (oreja) mit starker Forderung nach einem weiteren sowie zwei Runden in der Arena. Manzanares in Perlfarben und Kohlschwarz, 2 Ohren und noch ein Ohr.
Zwischenfälle (incidencias): Morante erhielt einen Hornstoss in den rechten Oberschenkel mit Bruch der Schlagader, lebensbedrohlicher Zustand (pronóstico grave).

Während der tapfere Morante ein Opfer seiner Leidenschaft wurde, taugte Stierkämpfer Aparicio wohl überhaupt nicht: "Er hatte keine Lust noch Ideen, was er mit den Stieren anfangen sollte. Das Wenige, was er geboten hat, hat nur das Publikum geärgert".


Aber, der Stierkampf ist auch für unsern Reporter nicht mehr das, was er einmal war:
"Zu unterstreichen ist die professionelle Haltung des Stierkämpfers Manzanares, der sich weigerte rückwärts hinauszugehen aus Respekt vor seinem verletzten Kameraden. Dies alles war eine Lektion für eine unsensible und unfähige Stierkampfleitung in der Loge (palco), die es bei jedem Anlass noch schlechter macht."

Informationsquelle: Diario de Sevilla, Morante de la Puebla cae herido grave en El Puerto
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Mittwoch, 5. August 2009

Kampf gegen Motorräder

In Brasilien gibt es die Berufe des Motorrad-Taxifahrers (mototaxista), der auch nur Fracht befördern kann, dann wird das "Motorrad-Fracht" (motofrete) genannt.

Seit Ende Juli gibt es in Brasilien ein heftig umstrittenes neues Gesetz, das die Ausübung dieses Berufes an gewisse Voraussetzungen anknüpft, da Motorräder sehr häufig in Unfälle verwickelt sind. Mit dem Gesetz soll auch eine bessere Verkehrsausbildung für die Fahrer erzielt werden. Der zuständige Minister für Städte (ministro das Cidades), Márcio Fortes, sagte bei Inkraftsetzung des Gesetzes: "Wir können die Augen vor der Realität nicht verschliessen. Diese Tätigkeit benötigt schon längst eine Regulierung. Und Regulierung ist die beste Prävention".

Nach dem neuen Gesetz müssen die Motorrad-Taxifahrer mindestens 21 Jahre alt sein, er muss einen speziellen Ausbildungskurs und eine Prüfung bestanden haben. Auch muss er seit mindestens 2 Jahren im Besitz eines Motorradführerscheins sein. Der Transport von Gefahrengütern auf dem Motorrad wird eingeschränkt.

Dieses Gesetz steht am Ende einer unerfreulichen Entwicklung. Die Motorräder beherrschen inzwischen auch die brasilianischen Städte. Der Ingenieur und Soziologe Eduardo Alcântara Vasconcellos vertritt dazu die Meinung: "Wir importieren mit den Motorrädern das Schlimmste, was es bereits in Afrika und in den armen Teilen Asiens gibt und dies in einer populistischen und unverantwortlichen Weise."

Vor fünf Jahren hat die Weltgesundheitorganisation (WHO / OMS) ein weltweiten Alarm bezüglich der Risiken der starken Zunahme der Motorräder und Mopeds in den Entwicklungsländern abgegeben. Vasconcellos arbeitete als brasilianischer Repräsentant am entsprechenden Bericht mit. Das jetzt erlassene Gesetz sei eine Frucht dieses Berichtes.

Informationsquelle: Folha Online, Importamos o que existe de pior com relação às motos, diz técnico em trânsito, Lula sanciona lei que regulamenta profissões de mototaxista e motofrete no país

Montag, 3. August 2009

Die Schneckensammler sind wieder zu Hause

Im Nachgang zum Blogbeitrag "Der Clan der Schneckensammler irrt durch Sevilla" darf ich die frohe Nachricht weitergeben, dass sich der Konflikt jetzt gelöst hat. Die "Caracoleños" sind in ihre alten Wohnung zurückgekehrt, ohne dass es zu Zwischenfällen kam. Ihr Sprecher, Horacio, verkündete erleichtert: "Alle sind zurückgekehrt, keiner blieb zurück und bis zum jetzigen Zeitpunkt hatten wir keine Zwischenfälle."

Scheinbar ist es auch zu Kontakten zwischen den beiden streitenden Roma-Clans gekommen, die die Rückkehr ermöglichten.

Die Polizei zeigt im Viertel verstärkte Präsenz, um von vornhinein etwaigen Zwischenfällen vorbeugen zu können.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, Primeros contactos sin incidencias entre los clanes rivales del Polígono Sur

Sonntag, 2. August 2009

Die Justiz hat einen langen Atem

Vor 9 Jahren waren sie noch ein Thema. Die Banden aus dem Osten, vor allem auch aus Rumänien. Jetzt hat es ein Mitglied einer solchen Bande nach 9 Jahren doch noch erwischt.

In Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Potsdam hat die Staatsanwaltschaft beim Berufungsgericht Iaşi (Jassy) den 41-jährigen Ioan Sân, der auf Grund eines europäischen Haftbefehls gesucht wurde, identifiziert und verhaftet. Sân wird beschuldigt, am 2. Mai 2000 zusammen mit weiteren 5 Personen das Postamt Eichwalde überfallen zu haben. Die Bande hatte damals die Postangestellten mit der Pistole bedroht und sie gezwungen den Panzerschrank zu öffnen. Die Beute betrug 206.493,31 DM.

Ioan Sân wird morgen dem Berufungsgericht in Iaşi vorgeführt und wegen "schweren, organisiertem Diebstahl" angeklagt werden. Ihm droht eine Gefängnisstrafe bis zu 15 Jahre.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Prins la 9 ani după ce a jefuit un oficiu poştal din Germania

Samstag, 1. August 2009

Atos secretos - Korruption auf brasilianisch

Brasiilianisches Dauerthema ist zur Zeit der Senat in Brasilia (Senado Federal do Brasil), die 2. Kammer des Nationalkongresses. Der Senat hat in seiner Stellung Ähnlichkeiten mit dem us-amerikanischen Senat. Zur Gründungszeit, 1824, als Brasilien noch ein Kaiserreich war, stand eher das britische Oberhaus Pate. Der Senat hat 81 Mitglieder - Senatoren (senadores) -, deren Mandatszeit 8 Jahre dauert.

Vielleicht liegt es an der langen Amtszeit, dass im Senat Korruption und Nepotismus Hochkonjunktur haben. Der neueste Skandal, der jetzt in Brasilien auf der Tagesordnung steht, sind die "atos secretos". "Atos secretos" sind geheime Verwaltungserlasse. In der Regel handelte es sich um Erlasse, die Vergünstigungen für Familienmitglieder der Senatoren verfügten und deshalb vor dem Volk durch Nicht-Veröffentlichung geheim gehalten werden sollten. Auf diese Weise wurden auch Amtsstellen geschaffen oder Gehälter erhöht. Vor kurzem wurden auf diese Art und Weise die Beihilfen für zahnärztliche und psychologische Hilfen für die Ehepartner von Senatoren ausgeweitet. Insgesamt sollen zwischen 1995 und 2009 vom Senat 623 solcher "atos" erlassen und vor der Öffentlichkeit geheimgehalten worden sein.

Die Anweisungen, solche Verwaltungserlasse geheim zu halten, kamen aus dem höheren Beamtenapparat des Senates. Dafür verantwortlich gemacht werden der ehemalige Generaldirektor (ex-diretor-geral) Agaciel Maia und der ehemalige Personalchef (Recursos Humanos) João Carlos Zoghbi. Beide stolperten über Selbstbedienungsskandale im Immobiliensektor und mussten in der ersten Jahreshälfte zurücktreten. Der zuständige Referent für die Veröffentlichung von Erlassen des Senates gab zu, dass er die geheimen Erlasse in einer gesonderten Mappe verwahren musste und diese nur veröffentlichen durfte, wenn er eine entsprechende Anweisung der Direktoren bekam.

Der Präsident des Senates, José Sarney, war noch Mitte Juni der Meinung, dass es sich bei der Existenz dieser "atos secretos" um einen technischen Fehler ("erro técnico") handle. Sarney ist inzwischen kurz vor seinem politische Ende. Ständig tauchen neue Meldungen über Fälle von Nepotismus und unsaubere Geschäfte des Senatspräsidenten selbst auf. Heute berichtete die brasilianische Presse von Grundstückgeschäften, die Sarney mit einem Toten abgeschlossen haben soll.

Siehe auch Blogbeiträge:
Direktoren-Posse im brasilianischen Senat
Brasilianischer Senat hat 403 Chefs
Brasilianischer Senat ernährt 138 Direktoren
Vetternwirtschaft bei den Sarneys
Vetternwirtschaft bei den Sarneys: Wie lange noch?

Informationsquellen: Folha online, Sarney vendeu em 2002 terreno comprado de negociante morto und andere Artikel, Wikipedia portugiesisch
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