Dienstag, 30. Juni 2009

Bürgermeister von Exu verhaftet

Blogger Fredson Paiva berichtet aus dem Hinterland von Pernambuco, dass in der Kleinstadt Exu gestern der Bürgermeister (prefeito) in einer grossangelegten Aktion verhaftet worden ist. Unter dem Decknamen "“Operação Le Marie” (französisch für "Operation Bürgermeister") wurde Wellinson Jean Moreira Saraiva, der Bürgermeister, auch unter dem Namen Léo Saraiva bekannt, wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet.

In seinem Haus fand die Polizei 1 Pistole und 1 Revolver. Er sitzt jetzt in Ouricuri, als Bürgermeister unter besonderen Haftbedingungen. Bei der Razzia wurden noch ein Kokainhändler und Autodieb verhaftet sowie eine weitere Person, die illegal Waffen in Besitz hatte.

Man fragt sich, warum eine solch gross aufgebauschte Aktion in einem Land, in dem illegaler Waffenbesitz an der Tagesordnung ist. Und man tippt richtig, wenn man darauf kommt, dass da noch etwas anderes dahinter steckt. Tatsächlich, der Leiter des regionalen Wahlgerichts (Tribunal Regional Eleitoral TRE) hatte Saraiva das Bürgermeisteramt im Februar aberkannt. Saraiva ist Mitglied einer erst 2006 gegründeten Partei, der PR - Partido da República. Der Wahlrichter entschied, dass der Präsident des Gemeinderats, Nelson Peixoto (PSB), die Bürgermeister-Funktion übernehmen solle. Saraiva wurde vorgeworfen, dass er 1998 als Gemeinderat Geschenke auf Kosten der Gemeinde verteilt habe. Nach der Entscheidung fürchtete der Wahlrichter, Jovaldo Nunes, um sein Leben. Er erhielt Morddrohungen. Der Polizeischutz für ihn wurde verstärkt. Saraiva hatte die Bürgermeisterwahl mit 10.120 Stimmen, 513 mehr wie der Zweitplazierte, gewonnen. Die Amtsenthebung dauerte aber nur 2 Tage. Vielleicht versucht man diesmal, ihn auf eine andere Tour los zu werden. Unter der Hand wird geflüstert, dass seine Wahlkampagne von regionalen Verbrecherbanden finanziert worden war.

Exu hat eine üble Tradition: Die Familien Alencar und Saraiva e Sampaio bekämpften sich bis aufs Messer. Blutrache hatte Tradition, in den 80er Jahren war Exu zum Teil in einem kriegsähnlichen Zustand, wenn die streitenden Familien in aller Öffentlichkeit aufeinander schossen. Aber der Ort ist auch der Geburtsort eines der bekanntesten brasilianischen Volkssängers, Luiz Gonzaga, "o rei do baiao" (der König des Baiao), ihm ist ein Museum im Ort gewidmet.

Informationsquelle: Blog do Fredson Paiva, OPERAÇÃO LE MARIE - PREFEITO DO EXÚ É PRESO POR POSSE ILEGAL DE ARMA DE FOGO; Miséria.com, Exu - PE - Prefeito é detido com armas


Montag, 29. Juni 2009

Tarragona's Strände von der Chemie bedroht

Vor Tarragona lauert seit Samstag ein grosser Kohlenwasserstoff-Flecken (hidrocarburo), der ca. 800 mal 800 Meter gross ist. Der Fleck ist am Samstag gesichtet worden. Zuvor ein zusammenhängender Fleck, hat er sich jetzt in kleinere Teile aufgelöst. Die Flecken befinden sich zur Zeit etwa 6 Kilometer vor der Küste.

Die katalanische Regierung ist optimistisch, dass das kontaminierte Wasser die Küste nicht erreichen wird. Der Verschmutzungsalarm wird allerdings weiter aufrecht erhalten.

In der betroffenen Region arbeiten zur Zeit drei Schlepper (remolcadores) der Firma Repsol sowie ein Schiff der Hafenbehörde von Tarragona (Autoridad Portuaria de Tarragona). 2 Hubschrauber überwachen die Entwicklung der Flecken.

Über die Herkunft der Kontamination wird noch gerätselt. Es wird aber vermutet, dass die Verschmutzung von einem der grossen Öltanker stammt, die auf dieser Route andere Mittelmeerhäfen anlaufen.

Informationsquelle: El Pais, Tarragona necesitará al menos dos días para limpiar la mancha de hidrocarburo
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Freitag, 26. Juni 2009

Salut les boulettes ! - Grüss mir die Bulette !

Der Belgier Pierre-Brice Lebrun hat in einem Buch das hohe Lied der Boulette gesungen. Sein Buch heisst "Petit Traité de la boulette" (kleine Abhandlung über die Boulette). Es war wohl längst überfällig, dass dieses Nahrungsmittel auf diese Weise einmal geehrt wird.

Der Berliner liegt mit seiner "Bulette" dank der eingewanderten Hugenotten der französischen Version am nächsten. Sonst trägt sie im deutschen Sprachraum den Namen Frikadelle. Aber auch die Begriffe "Klops", "Fleischküchle" oder "Fleischpflanzerl" sind in manchen Regionen gebräuchlich.

Aber zurück zu Pierre-Brice Lebrun und seiner Verehrung für die Boulette. Über ihre Herkunft kann er nur Vermutung anstellen, denn Fossilien von Buletten hat man bisher nicht gefunden. Vielleicht war es so: "Ein Mann, eine Frau, vielleicht um etwas zu lachen haben, vielleicht getroffen von einer plötzlichen Inspiration, hat zwischen seinen Fingern das Fleisch gerollt, das Nahrungsmittel oder was man gerade probieren wollte", vermutet Lebrun.

Die Boulette ist einfach in ihrer Zubereitung und bestens für die Resteküche geeignet. Das Entscheidende ist ist ihre Konsistenz und die kann vielfältig sein, je nach Zubereitung. Lebrun: "Die Boulette muss unter den Zähnen dahinschmelzen und beim Kauen einen würzigen Fleichgeschmack abgeben. Für ihre Zubereitung muss man verschiedene Typen von Fleisch mischen: "Fettes mit magerem, weisses mit rotem, um gegen die Austrockung der Bouletten zu kämpfen". Reste des letzten Bratens, der Schweinshaxe oder gegrilltes Hähnchen, ein paar Schalotten dazu und rein in den Fleischmixer, da soll eine gute Boulette geben. Die Boulette dann aber sorgsam rollen, nicht mit roher Gewalt zusammenquetschen, sondern mit Lebrun verfahren: "Lassen sie sie atmen! Geben sie ihr Raum zur Selbstverwirklichung, um alles durchsickern zu lassen, um die Sosse oder den Saft in sich aufnehmen zu können".

Lebrun stammt aus Lüttich. Er verrät uns auch sein Rezept: "600 g Hackfleisch (halb Schwein, halb Rind); 100 g Toastbrot in Milch aufgeweicht und danach trocknen lassen: 2 Schalotten fein gehackt; eine gehackte Knoblauchzehe; ein Ei, Paniermehl, Pfeffer, Salz, eine Prise Vierkräutergewürz (mélange quatre-épices). In einer Salatschüssel das Fleisch mischen mit dem Toastbrot, den Schalotten, dem Knoblauch, dem Ei. Würzen. Vier Bouletten formen. Entweder in die Friteuse bis sie goldgelb sind oder in den Ofen. Im letzteren Fall noch etwas Schmalz und etwas mehr Toastbrot dazu. Die Boulette mit Mehl bestäuben und in Paniermehl wälzen und dann 30 Minuten in einem feuerfesten Gefäss bei 200 Grad backen.

Wenn man es ganz gut machen will, kann man noch eine "Sauce Lapin" dazu machen. Diese Sosse hat nicht mit Kaninchen zu tun wie es der französische Begriff "Lapin" suggeriert, sondern weil die Erfinderin Géraldine Lapin heisst. Eine Sauce für Bierfreunde, denn es kommt 30 cl braunes belgisches Bier dazu.

Bon Appétit! Guten Appetit!

Informationsquelle: Libération, Salut les boulettes !

Donnerstag, 25. Juni 2009

Brasilien will keinen Reifenmüll vom Norden

Das oberste brasilianische Bundesgericht (Supremo Tribunal Federal) hat mit 8 zu 1 Stimmen entschieden, dass gebrauchte Autoreifen (pneus usados) nicht mehr zur Neugummierung (recauchutagem) oder anderen Zwecken nach Brasilien eingeführt werden dürfen. Mehrere Regionalgerichte hatten zuvor auf Klage von Recycling-Firmen für den Import entschieden.

Das Gericht entschied, dass der Import dieser Materialien gegen die Artikel 196, 170 und 225 der Verfassung (Constituição) verstosse. Diese verlangen eine Intervention des Staates - auch auf wirtschaftlichem Gebiet - wenn die Gesundheit der Bevölkerung und der Schutz der Umwelt auf dem Spiel steht.

Die Berichterstatterin des Gerichtes bemerkt zum Urteil ironisch: "Die Argumente der Unternehmen für einen Import sind sehr komisch. Ich bin dabei zu glauben, dass ich jeden Tag mehr lerne, weil mich die Grosszügigkeit der Länder beeindruckt, die Umweltprobleme haben, mit einer Halde von 3 Billionen Altreifen, und sich dazu entschliessen, diese an uns zu einem Elendspreis (preço de miséria) zu verkaufen, an die traurigen Tropen, das soll dann gut sein, um Arbeitsplätze zu schaffen und unsere Umweltbedingungen zu verbessern".

Der Minister Ayres Britto setzt einen drauf, indem er meint, dass der Import des "Umweltmülls" (lixo ambiental) aus Brasilien eine Art Müllhalde der Welt macht, mit schweren Schäden für Rechtsgüter, die überwacht werden müssen wie die Gesundheit (saúde), die von der Verfassung als höchstes Gut eingesstuft wird.

Der Generalanwalt der Regierung hob hervor, dass sich Brasilien in den letzten Jahren zum Lager für gebrauchte Reifen entwickelt habe. 30% der internationalen Handels mit gebrauchten Reifen habe in den Jahren 2005 bis 2007 Brasilien betroffen. Zur Zeit gebe es in Brasilien mehr als 100 Millionen herumliegende (abandonado) Reifen, die "in Erwartung einer umweltschonenden und wirtschaftlichen nachhaltigen Entsorgung, eine schwerwiegende Gefahr für die Gesundheit und inklusive eines Herdes zur Verbreitung der Dengue bedeuten."

Informationsquelle: Jornal do Brasil, STF proíbe importação de pneus usados até do Mercosul

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Dienstag, 23. Juni 2009

Lustig ist das Zigeunerleben

Reality-Shows sind auch in Rumänien beliebt. Was für die Deutschen "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" war, das ist für die Rumänen ab heute Abend die Sendung "Şatra" auf dem Fernsehsender "Kanal D". Şatra bedeutet soviel wie eine Ansammlung von Häusern oder auch Wohnwagen von Zigeunern und wird "schatre" ausgesprochen. Die rumänischen Stars werden also nicht in den Dschungel geschickt, sondern sie dürfen Orte kennenlernen, die für manche Rumänen genausoweit entfernt sind wie der australische Dschungel für Deutsche.

Die Roma's oder wie sie eben in Rumänien genannt werden, die "ţigani" (ausgesprochen als Tzigani, entspricht unserer Bezeichnung "Zigeuner") werden vielleicht durch die Sendung ihren Landsleuten näher gebracht. Rumänische Stars dürfen damit 24 Stunden leben wie ein oder eine Roma. Das bedeutet: Schweinefutter (Hrănitul porcilor), WC auf dem Hof (WC-ul din curte), kein Internet (lipsa internetului), traditionelle Bekleidung (hainele tradiţionale) beschreibt Kanal D das Ziel.

Beginnen darf Cătălin Botezatu, ein Modedesigner. Er wird im Haus des "Bulibaşă" (Oberhaupt einer Roma-Sippe, ausgesprochen "Bulibasche"), Mihai Gabor, in der Gemeinde Sovata wohnen. Mihai Gabor ist ein sehr angesehener Bulibaşă bei den Roma. Er darf zum Schluss entscheiden, ob der rumänische Star sich entsprechend den Regeln der Roma verhalten und bewährt hat.

"Wir haben noch keinen Eindruck von den Stars, denn wir kennen sie nicht. Nach unserem Empfinden sind wir nicht so sehr an ihnen interessiert, sie bedeuten etwas für sich, wir bedeuten etwas für uns. Wir wissen nicht viel über sie, weil wir arbeiten und nicht Fernsehen sehen. Ich weiss auch nicht, ob die Stars sich bei uns einfügen können, denn die Zeit ist zu kurz" erklärte Mihai aus Sovata den Journalisten.

Wie wahr gesprochen. Hoffentlich bleibt es nicht nur ein Scherz für ein Spanner-Publikum, sondern führt vielleicht zu ein wenig mehr Verständnis für das Leben dieser Volksgruppe.

Informationsquelle: Kanal D, Evenminetul Zilei, Ramona Bădescu probează viaţa de ţigan
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Montag, 22. Juni 2009

Andalusien bestraft Landschaftszerstörung

Sie sind sehr beliebt am Rande der spanischen Grosstädte. Die sogenannten "urbanizaciones", Wohnsiedlungen, die seit Jahrzehnten nach immer demselben Schema von Grundstücksspekulanten ohne Genehmigung oder unter Beteiligung korrupter Gemeindeverwaltungen errichtet werden. Es läuft so, dass ein Gelände parzeliert wird, Strassen gebaut werden und ein paar Strassenlampen aufgestellt werden. Dann zieht der Makler los und verkauft die Parzellen, die Neueigentümer bauen darauf ohne sich gross um die rechtliche Seite zu kümmern und irgendwann werden die Behörden vor vollendete Tatsachen gestellt und müssen alles im Nachhinein genehmigen.

Das Schlimme ist, dass diese Siedlungen nicht für den unmittelbaren Wohnbedarf gebaut werden, sondern gerade in der Nähe der Städte als Zweitwohnungen fürs Wochenende dienen. Alles soll dann billig sein, die Parzellen sind mini und das was darauf gebaut wird sind Häuser - sehr beliebt sind Reihenhäuser (casas adosadas) - in miserabelster Qualität. Manche Häuser stehen unvollendet in der Landschaft und stören jedes ästhetisches Wohlempfinden.

Nördlich von Sevilla gibt es die "Sierra del Norte" unter anderem mit der kleinen Provinzstadt Castilblanco de los Arroyos. Die Sierra ist deswegen beliebt, weil da auf Grund der Höhenlage (ca. 300 bis 500 m) die Luft frischer ist und im Sommer viele Leute aus dem stickig-heissen Sevilla in die Berge flüchten. Es gibt auch sehr schöne Korkeichenwälder, die im Sommer Schutz bieten, nur stehen diese auf mit Mauern und Zäunen abgesperrten Grundstücken von Grossgrundbesitzern. Dies hat dazu geführt, dass jeder Grossgrundbesitzer einen Teil seines Grund und Bodens in eine "urbanización" umgewandelt hat und damit rund um das Städtchen Siedlungen entstanden sind mit mangelhafter Infrastruktur (Müll, Abwasser), die diese schöne Landschaft erheblich belasten und durch die Zersiedelung zerstören.

Jetzt hat die andalusische Landesregierung (Junta de Andalucia) endlich die Schreckschusspistole herausgeholt und den Eigentümer bzw. ehemaligen Eigentümer der illegalen Siedlung von Las Minas de Castilblanco mit einer Strafe von 714.275 Euros bedacht. Las Minas ist eine der grössten illegalen Siedlungen in Andalusien und die Grösste in der Provinz Sevilla. Dem Eigentümer wird vorgeworfen, seine Grundstück parzeliert zu haben und 777 Grundstücksteile an Privatleute verkauft zu haben, obwohl das Gebiet nicht zur Bebauung geeignet (no urbanizable) war. Insgesamt hatte er das Gebiet in 1.200 Parzellen aufgeteilt
Die ersten Verkäufe erfolgten bereits zwischen 1979 und 1983, die letzten 2005 und 2006.

2005 ist dann erstmals die Umweltschutzbehörde (Fiscalía de Medio Ambiente y Urbanismo) aufgewacht und hat die Personen, die Häuser auf den Grundstücken bauten, verklagt. Inzwischen sind die ersten Bauten abgerissen worden, aber es laufen eine vielfache Anzahl von Prozessen. Gegen den Bürgermeister von Castilblanco wird ebenfalls prozessiert, da er nichts gegen die illegalen Bauten unternommen hat, wohl aber Gemeindegebühren von Eigentümern erhoben hat. Er verteidigt sich damit, dass er keine Möglichkeiten gehabt habe die illegalen Bauten zu verhindern und es zu der Zeit, zu der er Bürgermeister wurde, bereits 500 Häuser in der Siedlung gab.

Das Problem ist in ganz Spanien bekannt und alle haben es geduldet. Heute merkt man, was man damit angerichtet hat. Die Aufsichtsbehörden geben zu, dass es sich hier um keine Einzelfälle (hechos puntuales) handelt. Deswegen müsste sich die Höhe der Strafen gegen das Problem der illegalen Bebauungen richten, die durch Parzelierung von nicht bebaubaren Boden, die danach zum Hausbau an Privatleute verkauft werden, erkennbar sind.

Die oben erwähnte Strafe ist die Höchste bisher in solchen Angelegenheiten ergangene Strafe. Es ist nur zu hoffen, dass dem für die Umwelt kriminellen Treiben der Grundstückspekulanten ein Riegel vorgeschoben wird. Und es ist erfreulich, dass man das in Spanien endlich ernst nimmt.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, La Junta sanciona con 714.000 euros al mayor vendedor de parcelas ilegales en Las Minas
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Freitag, 19. Juni 2009

Brasilianische Weihnachten

Der Winter auf der südlichen Hemisphäre nähert sich seinem Höhepunkt und mit ihm beginnen in Brasilien die "Festas Juninas" die Juni-Feste, die man eigentlich von ihrer Bedeutung her nur mit unseren Weihnachten vergleichen kann.

Den Reigen der Festtage eröffnet am 13. Juni
Santo Antônio (Sankt Anton). Er ist der Heilige der verlorenen Gegenstände: Auch im katholischen Süden Deutschlands sucht man mit ihm, was man so verschusselt hat (Heiliger Antonius von Padua, hilf mir suchen, was ich verloren hab!). Die jungen Brasilianer suchen da eher ihre zukünftige Ehefrau. Bei ihnen ist er der Heilige der "Namorados", der Verliebten.

Der Höhepunkt ist
São João (Sankt Johannes), es ist der grösste Feiertag im Jahr. Gleichzeitig ist es auch der Tag der Sommerwende. Es werden Feuer angezündet, die an die Geburt von João Batista (Johannes der Täufer) erinnern. Er soll von Isabel, seiner Mutter, die auf einem Hügel wohnte in der Nacht geboren worden sein. Seine Ankunft wurde dann der Umgebung per Feuer gemeldet. Die brasilianischen Feuer stehen in dieser Tradition. In der Steppen der Sertão, im Nordosten Brasiliens, erinnerte man sich an Johannes durch nächtliche Bäder im nächstgelegenen Fluss.

Dieser Tag hat auch in Spanien grosse Tradition, hier ist es auf katalanisch "San Joan" (spanisch: San Juan) und ein spanischer Internaut schildert, was an diesem Tag zum Beispiel in Barcelona passiert: Barcelona steht in Flammen von den vielen Feuern, die an verschiedenen Punkten der Stadt angezündet werden. In diesen Feuern verbrennt man die alten Möbel und isst dabei die typische Süsspeise "coca".

Zurück in Brasilien. Hier erwartet uns noch "
São Pedro" (Sankt Peter), der am 29. Juni gefeiert wird. Er bewacht auch für die Brasilianer die Himmelstür ("O porteiro do céu"). Auch an seinem Tag wird wieder allerhand angezündet und Prozessionen veranstaltet.

Und wie man es von den Brasilianern so erwartet, wird an diesen Festtagen nicht nur gefeiert, sondern auch viel getanzt. Man tanzt die "Quadrilha" (ehemaliger Tanz der französischen Aristokratie), beim "Forró" (Volksmusik des Nordostens) geht dann die Post ab und er erfährt im "Baião" noch einmal eine Steigerung.

Aber nicht alle freuen sich auf diese Tage. Die Unsitte, bei dieser Gelegenheit Tausende von Tonnen Raketen und Knaller in die Luft zu jagen, kann einem das Fürchten lernen. Mit dem Explosivstoff wird sehr sorglos umgegangen und es ist sehr spassig mit den Dingern aufeinander zu schiessen statt das Feuerwerk am Himmel stattfinden zu lassen. Im Umweltblog des "Diario de Pernambuco" zitiert Bloggerin Julia Karkowicz eine besorgte Recifenserin: "Mein Nachbar hat schon zu "San Antonio" einer Feuer gemacht, direkt unter dem Baum, der jetzt sehr traurig aussieht. Ich fürchte mich davor, was noch alles an "São João" und "San Pedro" passiert."

Dass alte Volksbräuche durchaus mal überdacht werden sollte, darauf weist der Wissenschafter von der Universität von Pernambuco, Robson Fernando, hin: "Bisher eine jahrhundertealte Tradition ist es jetzt an der Zeit die Feuer von "São João" als das anzusehen, was sie sind, ein zu verbietender und nicht empfehlenswerter Brauch. Es ist schädlich für die Umwelt, fördert die Entwaldung und die Verschmutzung." Vielfach wird für das Feuer Holzkohle verwendet, für die wieder ganze Wälder in Brasilien sterben müssen. Und wie gut fühlt sich die Luft in Barcelona an, wenn die alten Möbel brennen?

Zeit einen alten Zopf abzuschneiden?

Siehe auch Blogbeitrag São João in Brasilien: milho und mandioca

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Donnerstag, 18. Juni 2009

Flucht von der Insel, die Antwort

"PEBodyCount" hat zu den Vorgängen in Itamaracá den Direktor für Resozialisierung der Landesregierung von Pernambuco um Stellungnahme gebeten.

Humberto Vianna, der zuständige Direktor, hat betont, dass man "Flucht" und "Entweichen" auseinander halten müsse. "Ein Grossteil dieser Gefangenen verlässt das Gefängnis mit Genehmigung der Justiz und kehrt nicht zurück. Das ist "Entweichen" (evasão). Man kann nicht sagen, dass es eine "Flucht" (fuga) war. Das ist nicht korrekt". Er anerkenne aber, dass das System der Überwachung zu wünschen übrig lasse. "Schon seit Urzeiten haben wir eine prekäre Überwachung (fiscalização precário), aber wir werden jetzt die elektronische Überwachung einführen. Wir werden der erste Bundesstaat sein, der dieses Mittel benutzt."

Im Bezug auf die Masssenflucht vergangene Woche, meinte er, dass es sich hier um einen Einzelfall (caso pontual) handle. "Wir anerkennen, dass es ein Fehler der Leitung des Gefängnisses war, die Öffnung eines Loches in der Mauer zu genehmigen. Das Loch sollte dazu dienen, dass über einen Schlauch Wasser in Gefängnis gebracht werden kann. Wir werden jetzt aber entsprechende Vorsichtsmassnahmen treffen. Die Direktorin wurde entlassen."

Das mit den 15 Tagen ohne Wasser hält er übrigens für ein Märchen.
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Mittwoch, 17. Juni 2009

Gefängnis der offenen Türen

Blogger João Valadares berichtet in seinen Blog "PEBodyCount", der schon mehrfach Themengeber für meine Blogbeiträge war, über den Alltag in einem brasilianischen Gefängnis, besser gesagt, einem Gefängnis in Recife / Pernambuco.

Valadares hat sich mit dem Strafrichter Adeildo Nunes unterhalten. Nunes hatte angekündigt, dass er jetzt die Namen derjenigen Gefangenen, die aus dem Gefängnis "Agrícola São João" auf der schönen Insel Itamaracá flüchten, im Internet veröffentlichen werde. Denn aus diesem Gefängnis würden im Schnitt 2 Gefangene pro Tag flüchten.

Der Strafrichter erläuterte an Hand der Statistik, dass im April 91 und im Mai 62 Gefangene geflohen waren. Das Gefängnis wird im halboffenen Vollzug geführt (regime semiaberto). Von den 1.391 Gefangenen dürfen 821 mit Genehmigung der Justizbehörden das Wochenende zu Hause verbringen.

Am 6. Juni kam es mit Duldung der Gefängnisverwaltung zu einer Massenflucht. 29 Gefangenen gelang es durch ein Loch in der Mauer zu entkommen. Bis heute hat die Polizei erst 13 wieder eingefangen. Daraufhin wurde die gesamte Leitung der Gefängnisverwaltung abgesetzt. Zur Zeit untersucht die Landesregierung von Pernambuco das Geschehen.

Strafrichter Nunes bemängelt, dass es im Gefängnis keine Überwachung der Gefangenen gab, die am Wochenende nach Hause durften. Die Veröffentlichung im Internet bedeute, dass jetzt diese Personen offiziell den Status eines Flüchtigen erhalten und zur Fahndung ausgeschrieben werden. Wieder eingefangen würden die Flüchtigen den Status des halboffenen Vollzugs verlieren und in den geschlossenen Vollzug wechseln. Zusätzlich könne eine Isolationshaft von 30 Tagen verhängt werden.

Nunes kritisiert die Gefängnisverwaltung: "Die Bedingungen im Gefängnis sind miserabel. Zum Beispiel habe ich erfahren, dass die Gefangenen schon einmal 15 Tage ohne Wasser waren. Eine solche Situation regt sicher auch zur Flucht an".

Übrigens: Der Todeszähler im Blog "PEBodyCount" zählt für dieses Jahr bereits 1.977 ermordete Menschen in Recife. Die internationale Presse ist inzwischen auch auf den Todeszähler aufmerksam geworden. Le Monde berichtete unter dem Titel "Le "compteur des morts" de Recife".

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Dienstag, 16. Juni 2009

Krieg spielen in den Ferien

Die Geschäftsleute Emil und Marius Cristescu aus Temesvar haben in Orastie (in Siebenbürgen, in der Nähe von Deva) einen grossen Ferienpark eröffnet, der allein dem "Ferien-Soldaten" (soldatul de vacanta) gewidmet ist. Besser wird man dies wohl mit "Freizeit-Soldat" übersetzen. Scheinbar gibt es einen Markt für Leute, die in ihrer Freizeit gerne in Uniform herum laufen, schiessen und im Schlamm robben.

Der Park heisst "Arsenal Park Transilvania" und erstreckt sich über ein Gelände von 80 Hektar. Die Eigentümer loben sich damit, dass der Park einer der wenigen touristischen Ziele in Europa zu militärischen Themen ist und sie versprechen Abwechslung (distractie) und Abenteuer (aventura). Er befindet sich im Gelände der ehemaligen Waffenfabrik von Orastie. Ein Hotel mit 200 Betten steht ebenfalls zur Verfügung. Wer nicht Soldat spielen will, kann auch Sport treiben oder es sich in der Saune gutgehen lassen.

"Ich habe einen Ort gefunden, an dem Kanonen, Panzer, Flugzeuge und Panzerspähwagen auf kühnste Art und Weise in die Architektur der Gebäude eingefügt sind. Mit einer Investition von 3 Milliarden Lei habe ich über die Vermittlung von Romtehnica 40 Kanonen aus dem Jahr 1942, zehn gepanzerte Transporter auf Raupen, einen Raketenwerfer, 4 Flugzeuge vom Typ IAR, Panzerspähwagen aus dem 2. Weltkrieg, Ferngläser und Paradegeschirr gekauft" erklärt der Miteigentümer Emil Cristescu.

Obiges Bild hat den Titel: "Im Arsenal Park ist der Befehl zur Einberufung für den Freizeit-Soldaten ergangen".

Informationsquelle: Gândul, Premieră naţională: S-a inaugurat Arsenal Park-ul de 20 de milioane de euro al fraţilor Cristescu

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Montag, 15. Juni 2009

Favelas einmauern und Stadtwald abholzen

Der Bundesstaat Rio de Janeiro investiert 40 Millionen Reais (ca. 15 Millionen Euro) in das Projekt "Ecobarreira" (Ökoviertel oder ökologisches Stadtviertel). Dieses besteht darin, dass um die bestehenden Favelas eine Betonmauer gezogen wird. Damit soll deren mit der Zerstörung der umliegenden Wälder einhergehende Expansion eingeschränkt werden. Bis 2009 sollen 11 km Mauer 19 Favela-Gemeinden einschliessen.

Die Massnahme ist umstritten. Die Alternative und vielleicht auch menschenwürdigere Massnahme wären eine Umweltplanung und mehr Personal für die Überwachung und Schutz der der Wälder. Nicht ohne Grund stösst man in andern Stadtvierteln auf ein völlig konträres Verhalten der Stadtverwaltung.

In den besseren Stadtviertel in Rio's Süden ist der Schutz der Atlantikwälder (Mata Atlântica) plötzlich nicht mehr so prioritär. Kürzliche Meldungen zeigen, dass da bedenkenlos Wälder abgeholzt werden, ohne dass von der Stadt grosser Widerstand kommt. Die Bau-Mafia gibt in diesen Stadtteilen das Tempo vor und die Stadt kann nur hinterherschauen. Wenn sie denn überhaupt Willens ist, die Kreise der Mächtigen zu stören.

Blogger Marcelo Migliaccio vom "Jornal do Brasil" fasst das wie folgt zusammen: "Für die Favelas die Mauern; für die Luxuswohnung, der atlantische Wald: Das ist Brasilien! (Para as favelas, muros; para as mansões, a Mata Atlântica: isto é Brasil!).

Informationsquellen: Jornal do Brasil, No limite ou sem ecolimite, Para as favelas, muros; para as mansões, a Mata Atlântica: isto é Brasil!
Blog Ambiental Brasil, Ecobarreira - Investimento Necessário?
Bild: Stadtteil Humaitá mit Bildausschnitt einer Mauer um Favela
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Samstag, 13. Juni 2009

Pfarrer verweigert Kind mit Down-Syndrom Erstkommunion

Carla, ein Kind aus Teià (Barcelona) wurde an ihrem Wohnort nicht zur Erstkommunion zugelassen. Der Pfarrer (cura) berief sich darauf, dass das Kind am Down-Syndrom leidet. Es sei deshalb ein "Engel Gottes" ("un ángel de Dios") und deshalb sei es auch keine Sünderin (pecadora), erklärte er der Mutter.

Klingt eigentlich verdammt christlich und spricht für die Abschaffung der Erstkommunion (primera comunión). Schliesslich, welches Kind ist schon ein Sünder im Alter der Erstkommunion? Die Amtskirche würde sagen, jeder von uns ist ein Sünder mit der Geburt. Erbsünde nennt sich so etwas. Also etwas seltsam, dass dies für Carla plötzlich nicht mehr gilt. Und dass die Taufe die Erbsünde tilgt, gilt ja auch für andere katholische Kinder.

Wenn man sich die Geschichte weiter ansieht, merkt man, dass der Pfarrer ganz andere Probleme hat. Vor 3 Jahren war Carla mit ihrem Zwillingsbruder beim Katechismus-Unterricht und der Pfarrer bekam hier schon seine Probleme. Er meinte zu den Eltern, das Kind wäre unreif und würde im Unterricht stören. Die Eltern sahen dies ein und meldeten das Kind ein Jahr später wieder an. Der Pfarrer erklärte sich bereit, dem Kind die Erstkommunion zu erteilen, wenn es bis dann das Vaterunser auswendig könne. Einige Monate später änderte er seine Meinung und kam auf die gloriose Ausrede mit dem "Engel Gottes", der zu seiner Erlösung keine Kommunion mehr brauche. Darauf wollte die Mutter das Kind in einer anderen Pfarrei zur Erstkommunion anmelden, worauf der Pfarrer meinte, das werde er schon zu verhindern wissen.

Darauf wandte sich die Familie an den Erzbischof von Barcelona. Da meint man, dass man gegen die Entscheidung des Pfarrers nichts machen könne. Den Eltern ist es nach langem Suchen gelungen, eine Pfarrei zu finden, die das Kind zur Erstkommunion zulässt. An ihrem zuständigen Pfarrer lassen sie kein gutes Haar mehr. Er habe bewusst ihr Kind wegen dessen Behinderung diskriminiert.

Der Herr Pfarrer wurde von der Presse nochmals auf die Ereignisse angesprochen und er gab folgende Erklärung: "Ich brauchte Carla nicht die erste Kommunion zu geben, weil sie ein "Engel Gottes ist", der alle Sünden mit der Taufe vergeben wurden und seither habe sie nicht mehr gesündigt. Zudem ist ihre Behinderung sehr umfangreich und es könnte sein, dass sie in der Kirche schreit (gritar)".

Na endlich, da ist die Katze aus dem Sack! Also, dafür die scheinheiligen theologischen Erklärungen, um der Diskriminierung ein frommes Mäntelchen umzuhängen! Man fragt sich, was für einen von der christlichen Nächstenliebe geprägten Apparat der Erzbischof von Barcelona hat, dass er nicht einmal in der Lage ist, einen heuchlerischen Pfarrer zu massregeln.

Nachdem der Pfarrer gemerkt hatte, dass die Öffentlichkeit sein Verhalten wenig erfreut zur Kenntnis nahm, hat er der Mutter angeboten in Anwendung der Liebe von Christus ("aplicando la caridad de Cristo"), das Kind doch zur Erstkommunion zuzulassen. Oder ist vielleicht der Erzbischof aufgewacht? Die Mutter hat auf jeden Fall dankend abgelehnt.

Informationsquelle: La Vanguardia, Un cura se niega a dar la primera comunión a una niña con Síndrome de Down



Freitag, 12. Juni 2009

Die Bahianos und ihre Notare

Der "Correio" gibt seinen Lesern die Möglichkeit zu den Alltagsproblemen Stellung zu nehmen. Zur Zeit werden die Leser gefragt: "Sind sie zufrieden mit den Notariaten (cartorio) in Salvador / Bahia?" Wobei ein "cartorio" in Brasilien nicht nur ein Notariat ist, es steht eigentlich für alles, wo ein Stempel oder der staatliche Segen gebraucht wird. Zum Beispiel die standesamtlichen Register, die Führerscheinstelle usw.

Wie zufrieden sind nun die Salvadorianer mit ihrem "Cartorio"?

Paulo Matos Santos schrieb: "Nein. Der Service ist miserabel. Ich versuche seit 15 Tagen eine Geschäft zu eröffnen, aber es gelingt mir nicht.

Janeth Falorido schrieb: "Glückwunsch für das Thema. Bitte, werft eine Auge auf das 2. Notariat des Gebäudes der Politecnica, die sind schrecklich! Danach geht ihr zum DETRAN (Strassenverkehrsbehörde), um zu sehen, was Korruption tatsächlich ist!


Rafiuski schrieb: "Ein Service im Stil der Vetternwirtschaft, ich habe diese Korruption in den "Cartorios" satt."

Cristina Barreto schrieb: "Wie sagte schon der Dichter: In einem Land mit soviel Korruption schäme ich mich, ehrlich zu sein (num país de tanta corrupção, me envergonho de ser honesto).

"eli" schrieb: Es sind nicht nur die "Cartorios" in Salvador, in denen es Korruption gibt. In allen "Cartorios" des Hinterlandes muss man den Beamten und Schreibern Trinkgeld (propina) geben. In den Städten Cruz das Almas und Santo Antonio de Jesus sind sie darin Weltmeister. Hinzu kommt noch eine grosse Anzahl schlecht ausgebildeter und korrupter Anwälte.

Es gibt keine positive Aussage zu diesem Bereich des öffentlichen Dienstes. Die Bürger Salvadors sind ziemlich frustriert.

Informationsquelle: Correio, Você está satisfeito com os cartórios de Salvador?

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Donnerstag, 11. Juni 2009

Air France 447: Analyse eines Absturzes

Blogger "marcelambrosio" berichtet im Blog "Slot" des "Jornal do Brasil" aus erster Hand über die Umstände des Absturzes des Air France-Airbusses in der Nähe von Fernando de Noronha.

Sein neuester Bericht trägt den Titel "Jetzt ist es sicher: Der Airbus zerbrach in der Luft" (Agora é certo: jato se desintegrou no ar). Bei diesem Absturz fehlte das Feuer, das in der Regel Rettungsmassnahmen erschwerte. Dieses Mal war das Sammeln der sterblichen Reste gefolgt von der schockierenden Erkenntnis der Zerstörungskraft des Absturzes. Ein an den Rettungsaufgaben beteiligter Angehöriger der brasilianischen Luftwaffe berichtete dem Blogger, dass die Körper stark verstümmelt seien, einige wären ohne Extremitäten und Kopf gefunden worden, so dass nur noch der Rumpf übrig geblieben sei. Damit könne die Identifizierung nur noch über die DNA-Analyse eroflgen. Bei einigen Passagieren, die nicht so stark verstümmelt waren, fanden die Retter die finale Version für die letzten Minuten des Flugs AF 447: Völlig nackte Körper bestätigen, dass der Airbus vor dem Aufprall auf dem Meer in der Luft auseinanderbrach.

Gemäss den Erkenntnissen von Rettungsspezialisten ist es eines der hauptsächlichen Hinweise für ein plötzlichen Druckabfall durch das Auseinanderbrechen der Maschine, dass man Körper ohne jede Bekleidung findet. Bei einem Flugzeugunfall in Mato Grosso hingen unbekleidete Körper in den Ästen von Bäumen. Wenn das Flugzeug auseinanderbricht entsteht ein enormer Luftzug, der Teile der Innenausstattung, auch wenn diese fest verankert sind, herausreisst. Der Luftsog reisst den Passagieren die Kleider vom Leibe, auch wenn diese in ihren Sitzen fixiert sind. Die Sitze halten selbst nur kurze Zeit. Der Trost ist, dass der Tod dann in wenigen Sekunden eintritt.

Informationsquelle: Jornal do Brasil, Glide Slope - AF447 - Agora é certo: jato se desintegrou no ar
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Mittwoch, 10. Juni 2009

Vergessene Eisenbahnlinie soll aufgemöbelt werden

1877 wurde eine Eisenbahn von Glasgow nach Stranraer gebaut. Hauptziel war es, die Glasower zu den Fähren nach Nordirland im Hafen von Stranraer zu bringen. Die Bahnlinie, die an vielen touristischen Sehenswürdigkeit vorbeiführt, ist in den letzten Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten. Die Züge fahren nur noch sporadisch, einen richtigen Fahrplan gibt es gar nicht mehr.

Dies soll jetzt anders werden. Ein Bericht der Deltix Consulting - veröffentlicht von "Transform Scotland" - bescheinigt Schottlands vergessener Bahnlinie ("Scotland's forgotten rail line") ein hohes touristische Potential. Dazu müsste aber erst einmal ein verlässlicher Fahrplan erstellt werden. Angefangen werden sollte mit drei täglichen Verbindungen.

Was gibt es zu sehen: Glenluce Abbey (Abtei von Glenluce), Culzean Castle (Burg von Culzean), Logan Botanic Gardens (Botanische Garten von Logan), Mull of Galloway Lighthouse (Leuchtturm von Mull of Galloway), der südliche Hochland-Weg und Carrick-Weg (the Southern Upland Way and Carrick Way).

Am Ende der Reise wartet der älteste noch funktionierende Hafen-Bahnhof Grossbritanniens in Stranraer sowie eine noch bemannte Signalstelle in Barrhill auf den Reisenden.

Informationsquelle: BBC Scotland, 'Forgotten' rail line seeks boos
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Dienstag, 9. Juni 2009

Das Europaparlament kann sich auf Gigi und Vadim freuen

In Rumänien haben die Rechtsradikalen von der Partidul Romania Mare (PRM; Grossrumänien-Partei) 2 Sitze bei den Wahlen zum Europaparlament gewonnen. Der Präsident, Vadim Tudor, ein rechtsradikales Grossmaul, Ungarn-Fresser und grössenwahnsinniger Rumäne, hatte vor den Wahlen grosszügig noch Gigi Becali, einen zwielichtigen rumänischen Geschäftsmann und Präsident des Fussballclubs Steaua Bukarest, in seine Partei aufgenommen und ihn auf einen aussichtsreichen Listenplatz gesetzt. Becali hat zur Zeit die rumänische Justiz wegen diverser Affären am Hals. Beide hatten Glück, sie sind gewählt worden und jetzt wollen sie dieses "Glück" an Europa weitergeben.
„My name is Gigi. This is a sheep”. "Ich kann Englisch, ich spür das in mir, ein bisschen üben und in einem Monat kann ich es" versichert Becali der rumänischen Presse. Aber noch wichtiger ist ihm die Immunität, die ein Abgeordneter des Europaparlaments geniesst: "Die Immunität eines Europarlamentariers ist die grösste Immunität, die es gibt, grösser als die Rumänische. Es ist die grösste auf dem Globus" jubelte er am Sonntagabend. Er möchte eine Berühmtheit im Europaparlament werden. Er möchte da auch eine neue Familie gründen, die der "christlichen Patrioten" (creştinilor patrioţi). Noch hat ihm die rumänische Justiz verboten, aus dem Land auszureisen. Seiner Ansicht nach wird das jetzt kein Problem mehr sein. Dann will er der grösste Europarlamentarier aller Zeiten werden: "Bis zum Ende meiner Amtszeit möchte ich der bekannteste Europarlamentarier sein."
Ist der Mann nur eine Lachnummer oder steckt Talent in ihm? Armes Europa, der wird nicht der einzige dieser Angeber und Grossmäuler sein, die jetzt das Parlament bereichern.
Ein ganz anderes Kaliber ist nun sein Freund Vadim Tudor, der Herrscher der Gross-Rumänen. Schliesslich hat er es in der Politik zu etwas gebracht. Schon der Parteiname spricht für sich. Tudor ist ein grosser Ungarn-Fresser. Er will die ungarische Minderheit in Siebenbürgen möglichst klein halten. Nach der Revolution haben seine kriminellen Banden auch auf alles eingeschlagen, was nach einer Minderheit in Rumänien aussah. Zuerst einmal macht er klar, dass er sich nicht der Europäischen Volkspartei (EVP) anschliessen wird. "Gigi kann hingehen, wo er will, ich werde aber nicht zu denen gehen. Es ist doch klar warum. Bei denen ist auch die UDMR (rumänische Ungarnpartei) und der Vizepräsident dieser Gruppe, Victor Orban (ehemaliger Ministerpräsident Ungarns), der in meinen Augen ein Terrorist ist. Ich klopfe nicht an die Tür von Terroristen. Die Ungarnpartei hat doch nur Vertreter ins Europaparlament bekommen, weil sie quasi militärisch organisiert sind. Bei denen mussten alle wählen, während das bei uns freiwillig war." Gefragt, was er im EP als erstes tun wird: "Durch unsern EU-Beitritt ist unsere Landwirtschaft ruiniert worden. Ich werde jetzt wie ein Schiesshund aufpassen, dass uns die Beihilfen sofort ausgezahlt werden und wenn etwas nicht läuft, werde ich sehr laut." Was befürchtet er von der UDMR als erste Handlung im EP: "Dass sie sich selbst eine Kugel in den Kopf schiessen...! Die sind so anachronistisch, mittelalterlich. Die wollen ein geteiltes Europa und nicht wie wir alle ein geeintes Europa. Falls die mit ihrer Autonomie kommen, dann werden sie von uns etwas erleben!"
Was sagt dazu der Vertreter der UDMR, der protestantische Bischof Laszlo Tokes, de auch in das Europaparlament gewählt wurde? Er wird gefragt, was er tun würde, wenn die Partei Tudors in die EVP aufgenommen würde: "Warum sollen die denn in die EVP aufgenommen werden? Ich glaube nicht, dass die aufgenommen werden, deshalb werde ich mich jetzt auch nicht dazu äussern. Dass die PRM überhaupt die Sitze geholt hat, hat sie der Wirtschaftskrise zu verdanken. Unsere erste Aktion im EP wird sein zu erreichen, dass die Teilnahme an der Europawahl obligatrorisch wird. Ansonsten werden wir für die Autonomie der Ungarn in Rumänien kämpfen. Wir wollen unser Selbstbestimmungsrecht ausüben können." Die PRM könne man im übrigen nicht mit der Ungarnpartei vergleichen. Die Ungarn in Rumänien hätten schliesslich eine wichtige Rolle bei der Demokratisierung des Landes gespielt.

Informationsquelle: Gândul, Tokes şi C.V.Tudor detonează la Bruxelles bomba autonomiei maghiarilor und „My name is Gigi. This is a sheep”. Becali: „Eu ştiu engleza, o simt în mine. O mai repet puţin, cam o lună şi gata”

Montag, 8. Juni 2009

Sevillas Kampf gegen die Gorillas

Vor 5 Monaten hat die Stadt Sevilla einen Gemeindevorschrift erlassen, die auch die "ordenanza antivandalica" (Erlass gegen Vandalismus) genannt wird. Ziel der Vorschrift ist es, der Polizei eine Möglichkeit an die Hand zu geben, gegen die "Gorillas" vorzugehen.

Was macht ein Gorilla in den Strassenschluchten von Sevilla? Der Diario de Sevilla hat dafür eine schöne, wenn auch etwas lange Definition: "Geld verlangen im Austausch für den Hinweis auf einen Platz, an dem man parken kann" (exigir dinero a cambio de indicar un lugar para aparcar). Viele Sevillaner sind es leid und die Touristen können auch ein Lied davon singen, wenn man zwar einen netten Hinweis auf einen Parkplatz bekommt, aber danach mit unmissverständlichen Hinweisen auf die Zahlung dieser Dienstleistung hingewiesen wird. Der Gorilla ist also ein Mensch, der sich zum Herrn eines Parkplatzes macht, der ihm nicht gehört.

Dagegen kämpft die Stadt nun an. Die Polizei kann eine Strafe von 120 Euro verhängen. Nach 5 Monaten kann man sagen: Der Kampf bleibt ohne Erfolg. Die Gorillas sind schwer zu fassen. Und wenn man sie fasst, kommt erst das böse Erwachen. Es sind in der Regel Obdachlose ohne feste Adresse. Wenn die Stadt also ihre Strafbescheide verschickt, dann kommen die nie an.

Die Polizei wird auch nicht von sich aus tätig. Nur wenn ein Bürger anruft, kümmert sie sich um den Gorilla. Festnehmen kann sie diesen nur, wenn er mit der Beschädigung des Autos droht, falls nicht gezahlt wird.

Was sagen die Sevillanos? "sevilla no cambia", Pseudonym eines Lesers, schrieb folgenden Kommentar: "Gestern habe ich einem Gorilla kein Geld gegen. Da fing er an zu erzählen und zu sagen, so geht das mit dem Land bergab, wenn es Leute gibt, die parken und nicht zahlen. Es ist eine Schande, dass man sich das erlaubt. Ich glaube, dass es jetzt mehr Gorillas wie zuvor gibt, sie haben jetzt gemerkt, dass das ein richtiges Geschäft ist. Das passiert nur in Sevilla und die Schuld haben die, die uns regieren und natürlich logischerweise auch die Sevillaner, die sie wählen.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, La ordenanza municipal para acabar con los 'gorrillas' pierde todo su efecto

Sonntag, 7. Juni 2009

Europäischer Muttertag im Elsass

Frankreich feiert heute den Muttertag, die "Fête des Mères". Die Zeitung "L'Alsace" (das Elsass) findet eine interessante Verknüpfung zwischen den Wahlen zum Europaparlament, die heute stattfinden, und dem Fest der Mütter.

Die Zeitung schreibt: "Wie sagt man "Bonne fête maman" auf schwedisch, auf polnisch, auf portugiesisch? An welchem Tag feiern die Mütter in Spanien oder England? In welchem Land dürfen sich die Mütter an diesem Tag ausruhen, weil der Papa und die Kinder die Hausarbeit übernehmen? ...... An diesem Muttertag und zu den Europawahlen in Frankreich machen wir eine kleine Runde zu andern Ländern, um zu sehen wie sie diesen Tag feiern. Dieser Tag ist auch eine Gelegenheit, um den schönen Begriff der elsässischen Sprache "à la Müater" in Erinnerung zu rufen."

Die Recherchen von "L'Alsace" ergaben:
Litauen: "Su Mamos Švente". In Litauen findet der Muttertag immer am ersten Sonntag im Mai statt und es gibt Geschenke für die Mutter oder Blumen"
Finnland: "Hyvää äitienpäivää" klärt eine im Elsass lebende Finnin den Glückwunsch an die Mütter.
Niederlande: "Lang leve, Mama" heisst es zum "Moederdag", der nach deutscher Sitte am 2. Sonntag im Mai gefeiert wird.
England: "Happy mother’s day" heisst es in der Weltsprache zum "Mothering Sunday".
Griechenland: "Xronia Polla, mama" wobei man das X als CH aussprechen soll.
Schweden: "Grattis pa mors dag ". Die Schweden feiern den Muttertag am letzten Sonntag im Mai, erzählt eine im Elsass lebende Schwedin.
Polen: "Wszystkiego w dniu najlepszego matki" sagt man auf polnisch, erklärt Barbara Garczynski, 62 Jahre.
Polen: "Boa festa, mae" wird Paulo Domingues, 36 Jahre alt, seiner Mutter sagen und ihr Blumen bringen.
Spanien: "Feliz dìa, madre" wünschen am 1. Sonntag im Mai die spanischen Kinder ihrer Mutter.

Das ist der europäische Rundblick von "l'Alsace". Der Nachbar Deutschland fehlt, vielleicht weil man ihn zu gut kennt!

Informationsquelle: L'Alsace, Notre continent fait fête aux mamans

Samstag, 6. Juni 2009

Vergifteter Walzertraum

Sonho de Valsa (Walzertraum) - in Brasilien verkaufte Pralinen wurden einer in Olinda bei Recife lebenden kleinen Brasilianerin zum Verhängnis. Ihre Mutter hatte von einem Unbekannten zum "Tag der Verliebten" (Dia dos Namorados) eine Schachtel in Herzform mit 3 dieser Pralinen erhalten. Diese glaubte an einen Scherz, legte die Schachtel beiseite und verbot ihrer Tocher davon zu essen.

Aber Raíssa de Oliveira, 11 Jahre alt, konnte nicht widerstehen. Sie probierte einen Walzertraum. Kaum hatte sie diesen gegessen, spürte sie einen schlechten Geschmack. Weniger als eine Stunde später bekam sie Krämpfe, konnte nicht mehr sehen und fing an zu zittern bis sie das Bewusstsein verlor. Kurz darauf wurde sie mit einem Herzatemstillstand in die Notfallklinik gebracht. Sie konnte wiederbelebt werden und wurde in die Intentensivstation verlegt. Inzwischen hat sie sich soweit erholt, dass sie in eine normale Kinderklinik verlegt werden konnte.

Analysen ergaben, dass die Walzerträume mit Blei (chumbinho), das auch bei der Herstellung von Rattengift verwendet wird, vergiftet waren. Das Paket hatte keinen Absender, inzwischen nimmt man aber an, dass der/die Absender/in die drei im Haushalt lebenden Personen, die kleine Tochter, die Mutter und Grossmutter treffen wollte.

Die Mutter ist Verwalterin in der Hauseigentümergesellschaft und hatte damit wohl einigen Ärger auf sich gezogen. Vielleicht ist der Vergifter in dieser Richtung zu suchen? Oder ist es derselbe, der sich den Spass im Zoo von Recife erlaubt hat?

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Criança vítima de suposto bombom envenenado

Freitag, 5. Juni 2009

Dorf solidarisiert sich mit Vergewaltiger einer 11-Jährigen

Im Juni 2008 wurde bekannt, dass das Mädchen Florina, 11 Jahre alt, wohnhaft in Poieni im nordostrumänischen Kreis Neamţ, von ihrem Onkel Adrian, 19 Jahre, vergewaltigt wurde und schwanger war. Rumänische Ärzte verweigerten auf der Grundlage der geltenden rumänischen Gesetze die Vorname einer Abtreibung. Nach einer Pressekampagne wurde dem Mädchen ein Flug nach London ermöglicht, wo die Abtreibung vorgenommen wurde.

Inzwischen wurde im Februar der Vergewaltiger zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Und in dem Dorf gibt es viele, die Verständnis für den Vergewaltiger haben, aber nicht für die Strafe.

Die Zeitung "Evenimentul Zilei" berichtet darüber jetzt unter dem Titel "Primitive Mentalität" (MENTALITATE PRIMITIVĂ). Sie schickte noch einmal ihre Reporter in das Dorf, wo sie feindselig empfangen wurden. Und sie sammelten folgende Stimmen:

Ileana Stan, Schwester des Vergewaltigers Adrian Fasolă, verheiratet und Mutter von 4 Kindern: "Das Mädchen ist Schuld. Wie kann man schwanger werden, wenn Du das erstemal mit jemand schläfst? ... Das Mädchen ist in kurzem Rock rumgelaufen, hat sich geschminkt und getrunken. Sie hat sich selbst zu Adrian gelegt."

Pavel Amăriuţei, der Onkel von Adrian: "Der Mann ist wie der Mann" (Bărbatul e ca bărbatul). Wenn sie sich ihm hingibt ..... Wenn er sie ärgern würde oder schlagen, das wäre etwas anderes. Aber wenn sie einverstanden ist, was ist das dann? Das ist Missbrauch einer Minderjährigen, aber keine Vergewaltigung. Ich sage nicht, dass Adrian unschuldig ist, das Mädchen war ja noch klein, aber für Missbrauch gibt es nur 2 oder 3 Jahre, aber nicht 11 Jahre!"

Vasile Socea, ein unbeteiligter Dorfbewohner: "Er war ein ruhiger Junge, machte keine Probleme, wer hat ihm denn eingeflüstert, dass er sich mit einem Kind einlassen soll? Die Tatsachen bleiben und es muss einmal abgerechnet werden. Skandale zwischen den Geschlechtern wird es immer geben. Seine Verwandten regen sich furchtbar auf. Man sollte mehr darauf schauen was passiert ist und nicht so sehr darauf, wer recht hat."

Der Vater von Florina, Florin: "Die Leute sehen uns schräg an, sie beschimpfen mich. Sie sagen, dass meine Tochter hinter ihm her war. Ein Kind von 11 Jahren. Was weiss sie über so etwas...? Ich bin von einem Onkel von ihm geschlagen worden und wurde bedroht".

Die Mutter von Florina, Lăcrămioara, und Schwester des Vergewaltigers: "Er ist mein Bruder und es tut mir im Herzen weh, wenn ich daran denke, dass er im Gefängnis sitzt. Jetzt spricht meine Mutter nicht mehr mit mir und auch die Brüder und Schwager. Die vergessen aber, was ich durchgemacht habe. Die Tage der Unruhe in den Krankenhäusern wie diese sich geweigert haben, die Abtreibung vorzunehmen, die Tage in London, der Prozess? Wir haben grosses Glück gehabt, dass die Frau in London uns geholfen hat."

Das Opfer, Florina, jetzt in der 5. Klasse: "Niemand spielt mehr mit mir. Sie sagen, sie bräuchten mich nicht. Die Krankheit ist vorbei, jetzt habe ich nichts mehr. Ich gehe zur Schule, ich lese gerne, und sehe gerne Tiersendungen im Fernsehen zusammen mit meiner Schwester."

Die Klassenlehrerin von Florina, Valentina Paşcu: "Sie war einige Zeit nicht in der Schule. Sie verhält sich etwas abwesend, es gab aber kein Problem der Wiedereingliederung ins Kollektiv. Sie ist sozial, die andern mögen und akzeptieren sie bedingungslos. Was passiert ist, ist vorbei, aber die Kinder kennen die Einzelheiten nicht. Sie sind in einem Alter der Unschuld".

Eigentlich wollte die rumänische Regierung die alten Bestimmungen zur Abtreibung, die aus dem Jahre 1950 stammen, auf Grund dieses Falles ändern. Der Antrag ist aber im Parlament nicht durchgekommen. Jetzt wird auf das neue Strafgesetzbuch gewartet.

Informationsquelle: Evenminentul Zilei, MENTALITATE PRIMITIVĂ: Satul ţine cu violatorul „fetiţei-mamă”

Donnerstag, 4. Juni 2009

Staudamm-Tsunami gegen Flugzeugunglück

Der Journalist Marcelo Migliaccio vom "Jornal do Brasil! (JB) wundert sich. Er wundert sich über die Parteilichkeit der Medien und Politiker.

Am 27. Mai ist in Nordostbrasilien, im Bundesstaat Piaui, ein Staudamm gebrochen. 12 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Die Häuser von 650 Familien wurden zerstört. 14 Ortschaften wurden von der Umwelt abgeschnitten, 10 verschwanden von der Landkarte. Anwohner berichten von Szenen wie aus einem Horrorfilm, 50 Millionen Kubikmeter Wasser zerstörten alles im Umkreis von 80 km. 100 Personen sind immer noch verschwunden.

Migliaccio wundert sich, wieviel Aufwand um den Absturz der Air France-Maschine gemacht wird. Der Staudamm-Bruch hat keine Aufmerksamkeit, schliesslich sind es zumeist einfache Leute, die ihr Leben oder ihre Lebensgrundlage verloren haben. Keine Luftwaffe sucht nach den Vermissten, kein Politiker lässt sich in Piaui blicken.

Fazit von Migliaccio: "Das menschliche Wesen ist seltsam. Sein Mitleiden hat nur eine Adresse (O ser humano é muito singular. Sua comoção tem endereço certo).

Informationsquelle: Jornal do Brasil, E ninguém mais fala da tragédia do tsunami piauiense...

Mittwoch, 3. Juni 2009

Kastrierter Rosé sorgt für Ärger

Im Südwesten Frankreichs ist man im höchsten Masse verärgert über die ohne Gegenstimmen von den Staaten der Europäischen Union beschlossene Regelung, Rosé-Wein auch durch Mischen von Rot- und Weisswein herstellen zu können. Die endgültige Entscheidung über die Erlaubnis zu diesem Mischmasch wird Brüssel voraussichtlich Mitte dieses Monats treffen.

Die französischen Winzer sind trotzdem sauer. Der Winzer Gilles Mouisset aus Fronton in der Nähe von Toulouse hat sich bereits entschieden: "Ich verkaufe so etwas nicht. Ein französischer Winzer (vigneron), der sein Prokukt gewissenhaft herstellt, wird so etwas nie machen. Das ist nicht mehr Wein, das ist Chemie. Das macht die ganze Region unglaubwürdig." Und Diane Germain, Direktorin des Weingutes Château Bellevue La Forêt" hält das Projekt "für eine Katastrophe. Es wird den Markt für Alles und Nichts öffnen."

Der "Rosé" ist in Mode. Sein Marktanteil konnte gegen den Trend bei Rot- und Weisswein gesteigert werden. Frankreich ist weltweit mit 6 Millionen Hektolitern der grösste Rosé-Produzent. Die Brüsseler Entscheidung dient vor allem den grossen Produzenten. Durch die Panscherei können sie grössere Mengen des begehrten Rosé-Weins herstellen.


Informationsquelle: Le Monde, Dans le Sud-Ouest, l'affaire du "rosé coupé" agace les viticulteurs

Dienstag, 2. Juni 2009

Verdursten im Donaudelta

Das Donaudelta (Delta Dunării) verfügt über Wasser in Hülle und Fülle, nur, es ist nicht geniessbar. Oder besser gesagt nicht mehr geniessbar. Ein alter Bewohner des Deltas und bester Kenner seiner Probleme berichtet, dass seit 20 Jahren das Wasser nicht mehr geniessbar wäre. Deshalb hätte jeder Soldat der rumänischen Armee, der im Donaudelta stationiert war, Anspruch auf eine Ration Mineralwasser gehabt. Im Gegensatz dazu die Zeit seiner Jugend, wo das Wasser bedenkenlos aus dem Fluss getrunken werden konnte.

Das Biosphärenreservat Donaudelta ist in Gefahr. Die wachsenden Touristenströme tun das ihrige dazu. Im letzten Jahr waren es bereits 150.000 Touristen, die das Delta besuchten, gegenüber 30.000 im Jahr 2007. 15.000 Menschen leben ständig im Delta. Neue Hotels und Ferienwohnungen werden gebaut. Es gibt aber keine Kläranlagen, alles fliesst unbehandelt in das Delta. Der Biologe Nicolae Găldean Dekan an der Umweltuniversität von Bukarest (Universităţii Ecologice Bucureşti), befürchtet, dass durch die anhaltende Bebauung des Deltas das ganze Ökosystem in Gefahr gerät. Durch hohe Einleitungen von Phosphat und Nitrat komme es zu einer Eutrophie und der dadurch entstehende Sauerstoffmangel zerstöre die Wasserfauna.

Nach dem letzten Bericht der Biosphärenverwaltung habe auch der Anteil der Chemikalien, Bakterien und Schwermetalle im Wasser erheblich zugenommen. Für die Bewohner des Deltadorfes Jurilovca ist nicht die erste Sorge die Qualität des Trinkwassers, sondern, dass sie überhaupt Trinkwasser bekommen. Sie bekommen nur 2 Stunden am Tag Trinkwasser und das auch noch in sehr schlechter Qualität. Spezialisten sagen, dass das Abkochen des Wassers nur die Bakterien tötet, aber nicht Lebensmittelvergiftungen und parasitäre Erkrankungen verhindert. "Ich weiss, dass die Donau hochradig mit Chemikalien, vor allem mit Schwermetallen wie Blei verschmutzt ist. Erkrankungen auf Grund dieser Verschmutzung erfolgen nicht sofort, sondern erst mit langfristiger Wirkung kommt es zu chronischen Erkrankungen bis hin zum Krebs", erläutert Gheorghe Mencinicopschi, Direktor des Instituts für Lebensmittelforschung in Bukarest.

Darunter leiden natürlich auch die Fische und andere Lebewesen. Sie leiden unter der schwachen Wasserqualität und die Spezialisten raten, beim Verspeisen der Fische vorsichtig zu sein, vor allem keine Haut und Fett zu essen.

Ferienwohnungen und Hotels, die sich im Bau befinden, halten sich vielfach nicht an die Umweltschutzauflagen, insbesondere was die Klärung der Abwasser betrifft. Das Überwachungssystem ist defizitär, nur 50 Personen der Umweltgarde (Garda de Mediu) kontrollieren die Einhaltung der Umweltvorschriften.

So schaufelt sich eine kurzfristig denkende Tourismus-Industrie ihr eigenes Grab. Wenn die herrliche Natur des Deltas kaputt ist, will auch keiner mehr hin. Bleibt nur zu hoffen, dass die Vernunft und das Verständnis für Nachhaltigkeit bald siegt.

Informationsquelle: Adevarul, Delta Dunării: paradisul apelor a rămas fără apă potabilă