Sonntag, 31. Mai 2009

Welttag ohne Tabak - World No Tobacco Day

Für heute hat die Weltgesundheitsorganisation den "Welttag ohne Tabak" (World No Tobacco Day) ausgerufen. Wie geht die Welt damit um?

Für den "Diario Bahia de Cádiz" ist dies auf jeden Fall eine Nachricht wert, denn 28,6 % der Bewohner der südspanischen Hafenstadt Cádiz, genannt Gaditanos, sind Raucher. Es wird auch erinnert an die Tatsache, dass in Spanien 60.000 Menschen jährlich wegen aktivem Tabakgenuss und 6.300 wegen Passiv-Rauchens sterben müssen. In Andalusien kämpft die Landesregierung über einen "Gesamtplan gegen den Tabak-Konsum in Andalusien" (Plan Integral de Tabaquismo de Andalucía) mit Aufklärungskampagnen gegen den Tabakkonsum.

Die Zeitung "Journal d'Alsace" berichtet aus Frankreich, dass der Tabak immer noch der erste vermeidbare Todesverursacher (le 1er facteur de mortalité évitable) in Frankreich ist. Ab heute beginnt das französische Gesundheitsministerium eine Kampagne gegen das Rauchen unter dem Titel « Le fumeur a une chance sur deux de mourir du tabac » (Für den Raucher stehen die Chancen 1 zu 2 am Tabak zu sterben). Die französischen Behörden zählen jährlich 66.000 Tabak-Tote. Frankreich gehört nach eigener Einschätzung im europäischen Schnitt zu den schlechten Schülern im Kampf gegen den Tabak. Bei der Kampagne wird deshalb zu allen Möglichkeiten des Öffentlichkeitsarbeit gegriffen werden. "Le Figaro" zeigt die ersten Bilder - noch in englisch -, die dem französischen Raucher den Schweiss auf die Stirne treiben sollen.

Salvador Bahia, die Stadt an der Bucht von Todos os Santos in Nordostbrasilien, die Stadt des Tabaks, der "Brasil", will da nicht zurückstehen. Der Bürgermeister der Stadt hat mit sofortiger Wirkung verfügt, dass in geschlossenen Räumen (fumo em locais fechados) nicht mehr geraucht werden darf. Einige findige Salvadorianer wollten dem mit der Einrichtung von "fumodromos" (nur Raucher vorbehaltenen Räumen) ausweichen, aber auch das hat der Bürgermeister verboten. Nichtraucher werden aufgefordert, in geschlossenen Räumen rauchende Personen zu fotografieren und die Bilder an die Stadtverwaltung zu schicken.

In Rumänien knöpft sich "Evenimentul Zilei" schwangere Frauen vor, die das Rauchen nicht lassen können. "Fettleibigkeit, Asthma, Leukämie, Krebs (Obezitate, astm, leucemie, cancer). Das sind einige der Krankheiten, an denen Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben, leiden", schreibt die Zeitung. Es wird die Ärztin Magdalena Ciobanu, vom Institut "Marius Nasta”, koordinierendes Zentrum für Ratschläge für den Verzicht aufs Rauchen, zitiert, die Rauchen in der Schwangerschaft mit dem russischen Roulette (ruleta rusească) vergleicht: 6 von 8 möglichen Kugeln sind geladen!

Und was sagt man dazu in der Heimat der Havanna, in Kuba? "Cuba.web" berichtet unter dem Titel "Hoy, Día Mundial sin Fumar" (Heute Welttag mit Raucherverzicht) und macht darauf aufmerksam, dass Kuba ein Programm zu Vorbeugung und Kontrolle der Tabaksucht (tabaquismo) habe, um die Neigung zu dieser Sucht, die 90% des Lungenkrebses und 25% der kardiovaskulären Erkrankungen verursache, zu minimieren. Für die Kubaner gelte der Wahlspruch “Sin fumar se vive mejor” (ohne rauchen lebt man besser).

Freitag, 29. Mai 2009

Papst und Kurie lieben nur ungeborene Kinder

Nachdem der spanische Kurienkardinal Cañizares sich wieder einmal für das ungeborene Leben stark gemacht hat, rechnet der spanische Journalist Miguel Mora in "El Pais" unter dem Titel "Das schändliche Schweigen von Benedikt XVI" mit der Doppelmoral der katholischen Kirche ab.

Cañizares hat sinngemäss geäussert, dass der Schutz des ungeborenen Lebens wichtiger sei wie das zerstörte Leben von missbrauchten Kindern.

Dies ist in der Tat eine seltsame Haltung, wenn man die jetzt hoch gekommenen Fälle von von pädophilen Priestern missbrauchten Kindern sieht. Die Kirche habe zwar Geld um Kampagnen gegen die Abtreibung zu bezahlen, aber nicht für eine Entschädigung der missbrauchten Kinder, meint Mora. Die Amtskirche hätte dieses Thema gerne für immer unter dem Teppich gehalten und beim Papstbesuch in den USA und Australien hätte sich der Papst letztlich nur unter dem Druck der Öffentlichkeit zu dem Thema geäussert. Passiert wäre danach gar nichts. Die Namen der Übeltäter (verdugos) wären nicht veröffentlicht worden und die Bischöfe hätten alles versucht um die Taten zu vertuschen. Ganz gegen die ihnen vom Vatikan auferlegte Pflicht, die "Wahrheit herauszufinden" (establecer la verdad) und den Opfern zu helfen (curar a las víctimas).

Vom Papst sei nichts mehr gekommen, obwohl er mehrfach noch einmal die Gelegenheit dazu gehabt habe. Dafür habe jetzt Cañizares wieder Öl aufs Feuer geschüttet. Der Papst sage nur Worte, die nichts kosten, aber die Realität sehe ganz anders aus: Die Schuldigen würden weder ins Gefängnis (cárcel) gehen noch würden sie aus dem Priesteramt ausgeschlossen wie es das kanonisches Recht in den Fällen von Missbrauch vorsieht. Im Gegenteil weigere man sich Anzeigen anzuerkennen und schrecke sich nicht davor zurück, Opfer als Erpresser zu beschuldigen wie dies im kürzlichen Fall der taubstummen Schüler von Verona passiert sei.

Mora zitiert zum Schluss den Fachmann für kanonisches Recht Filippo di Giacomo, der gesagt hatte: "In Rom gibt es Kardinäle, die seit Jahren Pädophile schützen. Wenn das in der Haupstadt des Imperiums passiert, wie sieht es dann erst draussen aus?".

Die doppelte Moral der Amtskirche wird in der Tat immer deutlicher. Es bleibt die traurige Erkenntnis, dass der Machterhalt für die Würdenträger alle Mittel heilligt.

Siehe auch Blogbeiträge:
Der Vatikan, die spanische Regierung und die spanischen Bischöfe
Erzbischof von Recife: Abtreibung schlimmer wie Hitler's Judenverfolgung

Informationsquelle: El Pais, El estruendoso silencio de Benedicto XVI

Donnerstag, 28. Mai 2009

Barcelona: els primers d'Europa!

Gestern ist der FC Barcelona nach dem Gewinn der Champions League zu dem geworden, als was ihn die katalanische Landesregierung (Generalitat) feiert: Die ersten von Europa (in Katalanisch: els primers d'Europa). Der FC Barcelona, auch "equip culé" genannt, ist inzwischen ein fester Bestandteil des katalanischen Selbstverständnisses und wird inzwischen in den Status eines katalanischen Patrimoniums erhoben.

Die Generalitat hat den Club auf seiner Webseite unter der Rubrik und dem Hinweis "Fussball und Patrimonium liegen näher beieinander als man denkt" (Futbol i patrimoni, més a prop del que et penses!) in den musealen Bereich gerückt. Hier kann man auch alte Spielberichte abrufen.

Aber zurück zu gestern: Es gibt keinen Superlativ, der nicht ausgelassen wird. "Ein Tag für die Geschichte", "ein Rekordjahr", "ein bemerkenswertes Jahr" steht auf der Webseite der Generalitat. Und natürlich "Felicitats campions!!!" (Glückwunsch den Meistern).

Und was meinen die Medien in Barcelona:
La Vanguardia: El mejor Barça de todos los tiempos conquista Europa (das beste Barcelona aller Zeiten erobert Europa)
El Periódico: El nuevo emperador (der neue Herrscher)
Avui: Copa, Lliga i ... Champions (Pokal, Liga und .... Champions)
Die Sportzeitschrift "AS": "Europa es del Barça" (Europa gehört Barça)


Dann schliessen wir uns einmal an: Herzlichen Glückwunsch den Meistern!

Mittwoch, 27. Mai 2009

Die Leipziger Strasse in Bukarest hat Geheimnisse

Nach Lipsca, Leipzig, ist eine der ältesten Strassen in Bukarest benannt. Sie heisst "Strada Lipscani". Hier hatten früher die Händler aus Leipzig ihre Waren abgeladen und so der Strasse ihren Namen gegeben.

Seit Jahren versucht Bukarest die "Lipscani" und das umliegende Altbauviertel zu sanieren. Mit welchem Erfolg, darüber liefert uns Jakob Horstmann in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ) unter dem Titel "Ein vollständig versautes Viertel" einen schönen Überblick. Aber auch die Schwierigkeiten, die ein reichhaltiges archeologisches Erbe mit sich bringen, sind erkennbar.

Heute berichtet die Zeitung "Evenimentul Zilei" (EVZ) aktuell über die Geheimnisse der Leipziger Strasse. Es sind die "Han" (hanul), die alten Gasthäuser, auf die man bei den Sanierungsarbeiten auf Schritt und Tritt stösst. Ein prächtiges Exemplar steht noch, es ist der Hanul lui Manuc, der heute ein Hotel, Gaststätten und Andenkenläden in sich beherbergt. Schreitet man durch sein Tor und steht im Innenhof bietet er eine Stimmung, die einem die Atmosphäre der Handelsreisenden früherer Jahre nahe bringt.

Der Name "Han" kommt aus dem Türkischen und bedeutet Herberge (loc de adăpost). Sie wurden vor allem im 17. Jahrhundert errichtet. Hier konnte man übernachten und seine Mahlzeiten einnehmen. In der Regel war ein Han ein viereckiges Gebäude mit grossem Innenhof. Sie waren auch Treffpunkt für die Bukarester und er bot durch seinen geschlossenen Innenhof Schutz. Wer sich ein Zimmer nicht leisten konnte, schlief im Innenhof.

Nun, unter der Lipscani schlummern noch viele Reste von solchen alten Herbergen. Die Herzen der Archäologen schlagen bei jedem neuen Fund höher, aber die Sanierungsarbeiten werden dann erneut gestoppt. Noch ist die Lipscani vermüllt und in manchen Teilen wenig attraktiv. So bedauert EVZ, dass man den wunderbare Hanul Greci (griechische Herberge) zwar entdeckt habe, dass aber "seine schönen Ziegel-Mauern vom Abfall einer grossen Stadt erdrückt werden, die die Geschichte mit einer Müllhalde (groapă de gunoi) verwechselt".

Projekte, dem Misstand abzuhelfen gibt es viele. Man kann nur hoffen, dass bald eine Lösung gefunden wird, denn der Besuch der Lipscani und das Erlebnis eines Han lohnt sich.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Hanurile de pe Lipscani, unde istoria s-a împiedicat de hârtii
Foto: Innenhof des Hanul lui Manuc

Dienstag, 26. Mai 2009

Zwischenbilanz Blog III

Ab heute hat mein Blog einen neuen Titel. Der alte Titel "Angelesenes aus aller Welt" wurde ein wenig zu eng, schliesslich liest man nicht nur, sondern macht auch eigene Beobachtungen. Mit dem Titel "Soweit das Auge reicht" kommen auch Titel und Web-Adresse zusammen.

Nach dem Motto "Alles neu macht der Mai" habe ich auch das Layout ein wenig verändert in der Hoffnung, dass der Wechsel positiv aufgenommen wird.

Die beliebtesten Beiträge waren seit 1.Januar:
Erzbischof von Recife: Abtreibung schlimmer wie Hitler's Judenverfolgung
Autodiebe bingen Millionär ins Gefängnis
Brüssel lernt die Katalanen kennen

Die Bestenliste habe ich unter Berücksichtigung der Zugriffe und der Verweildauer zusammengestellt.

Mein Parallel-Blog, früher "Kurznachrichten" tituliert hat jetzt den Namen "Kurz & Bündig" und kann über Rubrik "Kurznachrichten" rechts oben in diesem Blog erreicht werden.

Guamá kämpft mit Farbe gegen Kriminelle

In der Amazonas-Stadt Belém, im Stadtteil Guamá, sind die Bewohner dazu übergegangen aus Protest gegen die ständigen Überfälle von Kriminellen, ihre Häuser anzumalen und mit Spruchbändern zu versehen. Die Aktion soll die Behörden auf die Situation aufmerksam machen. Der Stadtteil leidet unter einer hohen Kriminalität. Es ist der bevölkerungsreichste und ärmste Stadtteil von Belém, in dem sich aber auch der Campus der Bundesuniversität von Pará (Universidade Federal do Pará) befindet.

Raimunda Saraiva, die Koordinatorin des Gemeinschaftszentrums (Centro Comunitário) des Viertels schildert die Lage: "Kein Mensch kann hier mehr mit einer Tasche, Schmuck oder einem Mobiltelefon durch die Strasse gehen. Auch ist es unmöglich Besucher zu bekommen, da ein fremdes Auto sofort von Dieben (ladrões) belagert wird. Es ist zu keinem Zeitpunkt möglich, sich vor das Haus zu setzen. Die Kriminellen überfallen sogar Kinder, die zu Bäckerei gehen, um Brot zu kaufen. Sogar das Gemeinschaftszentrum wurde schon überfallen. Nähmaschinen, Computer, Gasflaschen und andere Sachen haben sie mitgenommen."

Ein anderer Anwohner berichtet, dass die Überfälle vor allem am frühen Morgen, wenn die Leute zur Arbeit gehen und am Nachmittag gegen 15 Uhr stattfinden. Zwar gäbe es Polizeikontrollen, diese seien aber unzureichend.

Die meisten Häuser sind inzwischen vergittert. Ein Händler, der bereits mehrfach überfallen wurde, meint, das würde auch nichts helfen. "Sie tun so wie wenn sie etwas kaufen wollten und wenn sie vor dir stehen, halten sie dir den Revolver unter die Nase", berichtet er. Von der Farbaktion hält er nicht viel, weil die Kriminellen vermutlich dagegen Racheaktionen unternehmen würden.

Die Polizei weist auf ihre Kontrollgänge mit 2 Fahrzeugen und 3 Motorrädern hin. Es habe auch schon ein Treffen mit den Bewohnern gegeben, um die Sicherheitssituation zu verbessern.

Informationsquelle: Diario do Pará, Moradores pintam casas para pedir segurança
Foto: Wagner Meier

Der Bierdeckel alias Coaster in der Wirtschaftskrise

BBC widmet sich den wirtschaftlichen Problemen des Bierdeckels, in Grossbritannien "beer mate" und in den USA und Australien "coaster" genannt. Anlass sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des schwarzwälder Bierdeckelherstellers "Katz Group" in Weisenbach. Die Katz Group hat am 14.April einen Insolvenzantrag gestellt. Geschäftsführer der Katz Group ist Garry Hobson.

Wenn wir den Schilderungen des BBC-Wirtschaftsreporters Simon Atkinson Glauben schenken können, arbeitet das Werk in Weisenbach noch. "Das ständige Kommen und Gehen der LKW's, der Lärm der Maschinen im Hintergrund, deutet nicht daraufhin, dass das Hauptwerk des Unternehmens unter Insolvenzverwaltung steht", schildert Atkinson. Es scheine unglaublich, dass ein Unternehmen, das über 75% Marktanteil der weltweiten Bierdeckelproduktion verfüge, in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen könne. Das Werk wäre in der der Lage pro Tag 12 Millionen Bierdeckel herzustellen.

Bierdeckel sind weltweit bekannt und ein wichtiger Reklameträger. Aber mit der Wirtschaftskrise, dem sinkenden Bierkonsum und der schrumpfenden Zahl der Brauereien durch Zusammenschlüsse und Aufkäufe, leidet auch der Bierdeckel. Die Brauereien waren bisher die grössten Kunden.

Der Geschäftsführer will das Produkt wieder nach oben bringen. Er plädiert für Innovation, so sollen zum Beispiel Fussballspieler und Clubs auf ihm verewigt werden. In der Zwischenzeit ruft BBC seine Leser dazu auf, Bilder von Bierdeckeln zu machen und die dahinter stehende Geschichte zu erzählen und an die E-Mail-Adresse yourpics@bbc.co.uk zu schicken.

Informationsquelle: BBC, Last orders for beer mat maker?

Montag, 25. Mai 2009

El Rocio bringt Sevilla ins Schwitzen

Die grosse Wallfahrt (romeria) nach El Rocio hat heute begonnen. El Rocio ist ein kleines Dorf südwestlich von Sevilla auf dem Weg zum Badeort Matalascañas und dem Nationalpark des "Coto de Doñana". Hier befindet sich eine Kirche mit einer Skulptur der "Virgen del Rocio" (heilige Jungfrau von Rocio).

Wikipedia beschreibt die Wallfahrt wie folgt:
"Über 100 Bruderschaften reisen aus ganz Spanien und z.T. aus dem Ausland an. Auf ihrem - traditionell festgelegten - Weg, dem Camino nach El Rocío besuchen sie andere Bruderschaften. Ein wohlbekannter Ort, an dem viele Bruderschaften vorbeikommen, ist Villamanrique de la Condesa in der Provinz Sevilla. Am Sonnabend vor Pfingsten reiten, fahren und schreiten die Bruderschaften in El Rocío ein und passieren die Wallfahrtskirche, die Ermita, wo sie begrüßt werden. Dann fahren sie weiter zu ihren Häusern, die den Rest des Jahres leer stehen."

Und alle wollen sie durch Sevilla. Die Polizei erwartet den Zug von 13.000 Pilgern zu Fuss (a pie) und weitere Tausend auf Pferden (a caballo) sowie 1.200 Traktoren mit den typischen Karren und 400 Karren, die von Zugtieren gezogen werden.

Die Stadt Sevilla hat alles vorbereitet, um auf diesen Ansturm gewappnet zu sein. Polizei, Sanitätsdienste, Feuerwehr und Müllabfuhr haben sich koordiniert, um den Pilgerzug begleiten zu können. Die Sevillaner müssen sich auf Verkehrsbeschränkungen gefasst machen. Die Polizei wird mit einem Grossaufgebot an den neuralgischen Stellen präsent sein.

Wer die feiernden und wallfahrenden Andalusier gerne hören möchte: Es gibt Radio Rocio im Web mit Musik und Wortbeiträgen.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, 13.000 Peregrinos y 1.600 vehículos cruzarán Sevilla en los próximos días

Sonntag, 24. Mai 2009

Wer den Pfennig nicht ehrt oder fehlendes Wechselgeld in Recife

Der "troco", das Wechselgeld, macht laut einem Bericht des "Diario de Pernambuco" Probleme in den Geschäften Recifes. Der Handel meint, dass "Centavos", die kleinere Einheit des "Real" nichts wert sind und man die Preise aufrunden könne. 1 Real entspricht etwa 35 Euro-Cent.

Mit dieser Praxis des Handels sind die Kunden nicht immer einverstanden. Paulo Araujo berichtet von seinem Einkauf in einer Apotheke, wo er ein Medikament im Wert von 1,94 Real kaufen will. Er legt 1,90 hin und der Verkäufer bittet ihn noch 10 Centavos rauszurücken. Er reicht diese nach und will dann aber die 6 Centavos auch wieder zurück haben. Der Verkäufer sieht damit allerdings das Geschäft als beendet an und wendet sich dem nächsten Kunden zu. Der wütende Paulo verlangt noch einmal nach seinem Wechselgeld. Da der Verkäufer ihn nicht mehr wahrnimmt, nimmt er wutentbrannt eine Flasche Shampoo anstelle des Wechselgeldes aus der Regal und geht.

Das ist wohl zur Zeit der Alltag in den Geschäften von Recife, wenn es um Wechselgeld geht. Manche Geschäfte geben zu, dass sie damit ihre Zusatzeinnahmen haben. Auf Dauer sind die Kunden aber genervt.

Als Grund wird genannt, dass für Brasilianer Centavo-Münzen keinen Wert haben und sie diese wegschmeissen. Dadurch gibt es einen Mangel an Kleingeld. Manche Geschäfte gehen dazu über, dem Kunden zum Trost ein Bonbon oder einen Kaugummi anzubieten.

Verbraucherberater empfehlen den Recifensern, die kleinen Münzen nicht mehr wegzuschmeissen und sich einen Münzbeutel anzuschaffen.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Cadê meu troco?

Samstag, 23. Mai 2009

"All inclusive" scheitert in Rumänien

Die rumänische Hotel- und Gastronomiewirtschaft hat in der vergangenen Saison versucht wie an andern Touristenorten "all inclusive"-Pakete zu verkaufen. Der Versuch hat sich als zu teuer herausgestellt, die Hoteliers mussten 20 bis 30% Mehrkosten verkraften. Als Grund wird genannt, dass die Lebensmittel in Rumänien wesentlich teurer sind wie in der Türkei, wo die "all inclusive"-Pakete am häufigsten angeboten werden.

Es gibt aber auch noch andere Gründe:
  • Bei den Rumänen scheint das Paket sehr beliebt zu sein und sie nutzen es sehr grosszügig und stopfen bis zum Abwinken alles in sich hinein. Zudem laden Personen, die bezahlt haben, noch weitere Freunde zum Mitessen ein.
  • Die rumänischen Touristenorte bieten noch wenig Freizeitmöglichkeiten. Da bleibt als grösster Sport das Essen. Bei "all-inclusive" hat man damit die Möglichkeit, den ganzen Tag diesem Hobby zu frönen.

Das Experiment ist damit wohl gescheitert, die meisten Betriebe rücken von diesem Angebot wieder ab.

Informationsquelle: Romania Libera, Serviciile all inclusive, nerentabile pentru Romania

Freitag, 22. Mai 2009

Europäische Grenzerfahrungen

Das Passieren der Grenzen innerhalb Europas hat sich in der europäischen Union und dies vor allem im Schengenraum erheblich verändert. Aber noch nicht überall!

Die Schweiz ist zwar nicht in der EU, aber inzwischen auch Schengenland. Nur sieht das, was da umgesetzt wurde, immer noch ziemlich halbherzig aus. Der deutsche Grenzer bewacht immer noch flächendeckend sein Häuschen und die Schweizer meinen, dass Hinterlandkontrolle bedeutet, dass ein massiertes Aufgebot an Grenzern 2 m vom ursprünglichen Standort aufs Schärfste kontrolliert. Denn schliesslich ist zwar die Personenkontrolle offiziell weggefallen, aber nicht die Warenkontrolle. 100 gr zuviel Fleisch können einem da zum Schmuggler werden lassen! Die Grenze zu Deutschland ist inzwischen wieder etwas emotionell belastet seit Steinbrück den Indianern seine Kavallerie zeigt.

Fahren wir weiter über den Ofenpass nach Italien. Allzuviele überqueren die hohen Alpenpässe nicht, deswegen funktioniert hier Schengen, kein Grenzer weit und breit zu sehen, nur die Gebäude zeigen die Macht und Herrlichkeit der Grenz-Autoritäten.

Bei Triest verlassen wir Italien, um 30 km slowenisches Territorium zu durchqueren, um nach Kroatien zu kommen. Slowenien hat an dem, was die EU an Zusatzgaben bietet, alles: Euro und Schengen. Deshalb ist die Grenzstation auf der Autobahn verlassen, nur der sich kurzfristig verschlechternde Strassenbelag zwingt zum langsamfahren. Für Verwirrung sorgt eher die Vignettenpflicht auf der Autobahn.

Nach einer halben Stunde ist die kroatische Grenze im istrischen Hinterland erreicht. Endlich wieder ein richtiger Zoll wie in alten Zeiten, obwohl die Grenze noch sehr jung ist. Zuerst die Slowenen, jetzt Wächter der Aussengrenzen der EU. Zwei Häuschen sind zu passieren, zwei Grenzer gucken einem genau an. Das war's wohl denkt sich der Tourist, ist aber bass erstaunt als nach 1 km erneut das Zollschild auftaucht. In den beiden vorhergehenden Häuschen sassen leider nur Slowenen, jetzt erst sind die Kroaten daran. Die Kroaten sind zur Zeit die einzigen seriösen Anwärter auf den EU-Beitritt, aber eben nur Anwärter. Deshalb wird der Pass hier etwas genauer kontolliert. Auch hier ist das noch nicht alles: Einige Schritte weiter eine beleibte, in Grau gekleidete Grenzerin vom Typ Schmuggelspürhund. Bei Touristen verliert sie allerdings ihre Kraft, die verstehen keine Frage und haben meistens nur einen Haufen nutzlosen Plunder dabei. Mürrisches Durchwinken ist die Folge.

Nun sind wir im Kuna-Land. Die lokale Währung wird "kn" agekürzt weswegen die Münzen und Banknoten von deutschsprachigen Touristen auch "Knoten" genannt werden.

Das auseinandergefallene Jugoslawien hat Europa neue Grenzen spendiert. Die skurrilste liegt wohl südlich der Neretva-Mündung, wo die Geschichte Bosnien und Herzogowina einen Küstenstreifen von 15 km zugestanden hat. Auf diesen 15 km wird somit das kroatische Festland unterbrochen. Im Mittelpunkt liegt der Seeort Neum, der mit grossen und neuen Hotels prunkt. Zahlen tut man hier in Mark, in bosnischer Mark.

Innerhalb einer Viertelstunde muss man auf diesem Streifen zweimal durch den Zoll, wenn man in das kroatische Dubrovnik will. Das Passieren ist relativ unproblematisch, es gibt einen "Tranzit"-Streifen beim Zoll und in der Regel wird man durchgewunken. Niemand scheint zu kontollieren, ob man sich auch an den Transit hält. Ein Badeaufenthalt in Neum würde wohl nicht bemerkt.

So gelangt man in den kroatischen Küstenabschnitt von Dubrovnik, der etwa 80 km bis zur nächsten Grenze, nämlich der von Montenegro, dauert. An der kroatischen Grenze hinter dem Ort Gruda wartet eine moderne Zollstation. Ohne Pass- und diesmal auch Fahrzeugpapierkontrolle kommt man aus Kroatien nicht heraus. Die Grenzer geben sich hier etwas selbstherrlicher, man fühlt sich wieder als Untertan.

Der montenegriner Zoll, das Land nennt sich selbst Crna Gora, bei Herceg Novi liegt etwa 2 km weiter bergabwärts und sieht sehr modern mit mehreren Abfertigungsspuren aus. Ein Schild mit dem an EU-Grenzen üblichen Kennzeichen gibt den Eindruck, man reist in ein Land der EU ein. Bei näherem Hinsehen kann man erkennen, dass darunter steht "European Agency for Reconstruction", das bedeutet wohl, dass das neue Zollgebäude mit Mitteln der EU errichtet wurde. Nicht die Grenzbeamten begrüssen den Reisenden zuerst, sondern ein junger Mann mit einer Stoffumhängetasche mit grünem Punkt darauf. Er verkauft eine Vignette und belehrt den Einreisenden, der meint, dass Montenegro doch gar keine Autobahn habe, dahingehend, dass es sich um ein "Eco-Vignette" handelt, die jeder haben müsse, der in Montenegro Auto fährt. 10 Euro müssen dafür gezahlt werden und man hat die Hoffnung, dass die tatsächlich dem Umweltschutz dienen.

Dann der montenengrinische Zoll in seinem schönen Häuschen: Auch er prüft genauestens Pässe und Autopapiere, nur beim Gepäck ist man auch hier der Ansicht, dass man von Touristen nicht eine Schmuggelneigung zu befürchten braucht. Damit ist man jetzt in einem Land, das sich als Letztes der jugoslawischen Länder für seine Unabhängigkeit entschieden hat. Lange Zeit gab es noch die Länderkombination Serbien-Montenegro, der man nicht vor allzu langer Zeit per Volksabstimmung ein Ende bereitete. Gezahlt wird hier in Euro. Das Land hat sich gar nicht die Mühe gemacht, eine eigene Währung zu erfinden. Die Bankautomaten spucken ebenfalls anstandslos Euro aus. Der gedruckte Reiseführer verrät uns zudem, dass "Montenegro der erste Staat ist, der 1992 als international anerkanntes ökologisches Land ernannt worden ist". Von wem verrät uns der Reiseführer nicht. Aber das erklärt vielleicht den Sinn der Eco-Vignette.

Es geht weiter nach Süden, die Grenze zu Albanien bildet den Abschluss der Grenzerfahrungen. Wir verlassen die montenegrinische Küste - auch Riviera genannt - bei Bar und wenden uns auf einem engen und kurvigen Begsträsschen Richtung Grenzübergang Sokobina. Es ist einer der zwei grösseren Grenzübergänge zwischen Montenegro und Albanien und bietet eine Erfahrung der besonderen Art. Kurz vor der Grenze stehen an dem kleinen und holprigen Strässchen zwei Tankstellen des Lukoil-Konzern, die völlig überdimensioniert wirken. Sie sind nach modernstem Standard gebaut und eigentlich eher an den grossen Fernstrassen zu finden. Bald danach taucht rechts eine Art Ladengalerie aus Holz auf, die doch sehr an Wildwestfilme erinnert. Es ist aber der montenegrinische Zoll. Abfertigungsspuren gibt es nicht, nur etwas verwaschene Stop-Hinweise auf dem Asfalt. Da steht man nun und harrt der Dinge. Eine Gruppe Zöllner steht an der Ladengalerie und unterhält sich angeregt. Plötzlich brüllt einer "ok" und man darf weiterfahren. Weder Papier noch sonst was wollen sie vom Touristen sehen.

Der albanische Zoll folgt diesmal gleich 200 m weiter. Die Strasse ist inzwischen eine Schotterstrasse, links und rechts tauchen Buden auf. Es ist heiss und staubig, irgendwie denkt man auch hier an die Grenze in den alten Western zwischen Mexiko und den Gringos. Da nicht viel los ist, hält man am besten in der Mitte der Strasse, schliesslich weiss man ja nicht, welche Bude für einem zuständig ist. Nach 2 oder 3 Minuten beauftragt ein uniformierter Grenzer einen Zivilisten mit der persönlichen Betreuung des Touristen. Zuerst wird der Fahrer zur ersten Bude links geführt, hier füllt ein Uniformierter weihevoll eine Urkunde aus, die man als sprachunkundiger nicht versteht, die wohl aber bedeutet, dass man im Begriffe ist temporär ein Auto nach Albanien einzuführen. Der Zvilist geleitet einem danach zu einem Schalter, wo "Entry" darauf steht. Dort wird man aber abgewiesen und muss erst einmal auf die Gegenseite, wo "Exit" steht. Hier erhält man dann die Stempel, die einem zum Betreten des Landes berechtigen. Daraufhin geht es noch mal zum "Entry", wo geprüft wird, ob die Stempel auch richtig sitzen. Dann darf man fahren, eine weitere Bude passierend, vor der ein Mann mit weissem Kittel und herunterhängendem Mundschutz steht, der wohl die Ankommenden auf die Schweinegrippe scannt. Er erkennt von weitem, dass die Touristen keine Gefahr sind und so ist man nun im Land der Skipetaren. Übrigens, jetzt ist die Strasse wieder asfaltiert und sogar breiter wie in Montenegro! Gezahlt wird jetzt in Lek, aber auch der EURO spielt eine dominierende Rolle.

Wer diesen Zoll noch gerne erleben möchte, muss sich beeilen. Daneben steht eine neue moderne Zollabfertigungsanlage, die auf ihre Einweihung wartet.


Bild: Grenzstelle Sukobin zwischen Montenegro und Albanien

Samstag, 2. Mai 2009

Europas Sprachen

Sprachräume sagen viel über die Geschichte von europäischen Regionen aus. Neue Eroberungen liefen immer darauf hinaus, den Eroberten die Sprache des Eroberers als identitätsstiftendes Merkmal aufzuzwingen. Manchmal ist dies gelungen - die französischen Katalanen wurden grösstenteils assimiliert, während in Spanien die Katalanen versuchen, die aufgezwungene Dominanz des spanisch-kastillischen abzuschütteln.

Auch die Südtiroler kamen durch verlorene Kriege zu einem Sprachraum, der nicht der ihre war. Italien machte zuerst den Fehler, die sprachliche Assimilierung erzwingen zu wollen. Erst als die Bomben krachten, kam man noch rechtzeitig auf andere Gedanken. Heute hat das Südtirol - Alto Adige - eigene Rechte und politische Repräsentanten und die Zweisprachigkeit. So fährt man in der Hauptstadt Bozen - Bolzano - mit dem Bus zum Bahnhof oder Stazione. Man kauft in der Macelleria oder beim Metzger ein. Fast peinlich genau wird darauf geachtet, dass aber auch wirklich alles zweisprachig ist. Oberflächlich gesehen funktioniert das ganz gut.

Modell für Katalonien oder das Baskenland? Da will aber niemand Zweisprachigkeit. Hier geht es darum, dass eine Sprache durch die andere ersetzt wird. Obwohl, wenn man ehrlich sein will, die Situation ähnlich wie im Südtirol ist: Es gibt einige, die die lokale Sprache nicht sprechen und des lieben Frieden willens oder aus Gründen der Toleranz wählt man die Zweisprachigkeit.