Sonntag, 26. April 2009

Bukarest mit Erdbeben-Ängsten

Die erneute Warnung des Oberbürgermeisters von Bukarest, Sorin Oprescu, dass in diesem Jahr noch ein schweres Erdbeben (cutremur) mit Epizentrum in Vrancea Bukarest treffen kann, hat in der Stadt für Unruhe gesorgt. Prognosen amerikanischer Forscher sprechen von der Möglichkeit von 500.000 Opfern. Rumänische Spezialisten wollen sich noch nicht so dezidiert äussern.

Laut der "US Geological Survey (USGS)" soll es eine Wahrscheinlichkeit von 62% für eine Erdbeben der Stärke 6,7 auf der Richter-Skala in der Vrancea Region bis 2032 geben. Diese Feststellung erfolgte bereits 1999. Nach dem US-Programm "Hazards United States (Hazus)" wurden die Schäden für Bukarest bzw. Rumänien hochgerechnet. Die Simulation hat ergeben, dass bei einem Erdbeben der Stärke 7,7 auf der Richter-Skala bezogen auf das Jahr 2009, mit 500.000 Opfern gerechnet werden müsste. Grund ist die dichte Besiedlung im Grossraum Bukarest und die vielen Gebäude mit hohem Erdbebenrisiko.

In einem Projekt der Universität Bukarest zusammen mit dem europäischen geowissenschaftlichen Institut wurde festgestellt, dass Bukarest in Europa bezüglich des Erdbebenrisikos an 10. Stelle steht.

Grund ist die Region Vrancea, wo im südöstlichen Karpatenknie mehrere fragmentierte Erdplatten für ständige Unruhe sorgen. Es sind Erdbeben, die aus 60 bis 220 km Tiefe kommen. Bukarest steht auf wenig festem Boden mit Neigung zu Erdrutschen und noch nicht konsolidiertem Gestein. Deshalb wird die Schockwelle aus dem ca. 150 bis 200 km entfernten Vrancea sich bis Bukarest aufschaukeln und so für schlimme Folgen sorgen. Den Bukarestern steckt immer noch das Erdbeben von 1977 in den Knochen, mit dem sie bereits entsprechende Erfahrungen gesammelt haben.

So sind die Warnungen des Bukarester OB nicht von der Hand zu weisen. Sein Ziel ist es, nicht Panik zu schüren, sondern noch rechtzeitig Bewegung in den Erdbebenschutz zu bekommen.

Seine Bemühungen werden auf fruchtbaren Boden fallen: Am vergangenen Samstag kam es in Bukarest zu einem Edbeben, das von 20:18 bis 20:23 Uhr gedauert hat und eine Stärke von 5,3 auf der Richter-Skala hatte. Es kam zu keinen Opfern, aber es entstand eine Panik. Die Notfallnummer für Polizei und Feuerwehr fiel wegen Überlastung völlig aus.

Bild: Bukarest nach dem Erdbeben von 1977
Informationsquelle: Adevarul, Următorul cutremur: între 2010 şi 2014

Samstag, 25. April 2009

Tiervergifter im Zoo von Recife

Im Zoo von Recife sind in den Monaten Januar bis Februar 3 Tiere vergiftet worden. Die Zoo-Verwaltung hatte die Öffentlichkeit nicht unterrichtet. Einem Zoobesucher fiel das Fehlen der Tiere auf und er alarmierte die Presse. Das zuständige Umweltamt in Recife wurde erst gestern nach den Pressemeldungen eingeschaltet.

Vergiftet wurden ein Reh, ein Flusspferd und eine afrikanische Waterbuck-Antilope. Die Zooverwaltung hat festgestellt, dass die Vergiftung über ein mit Blei (chumbinho) vergiftetes Brot erfolgte. Braunbären, die ebenfalls von einem solchen Brot gefressen hatten, konnten gerettet werden.

Das Personal wurde zu erhöhter Wachsamkeit aufgefordert. Die Überwachungsmöglichkeiten seien aber bei 400.000 Besucher im Jahr sehr eingeschränkt. Die Einrichtungen des Zoos sind veraltet und entsprechen nicht dem neuesten Standard auf diesem Gebiet. Er soll 2010 restrukturiert werden.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Animais são envenenados no Parque Dois Irmãos

Freitag, 24. April 2009

Englischer Historiker beleidigt Schotten

Der englische Historiker Dr. Starkey bezeichnete in einer Sendung der BBC Schottland als eine "kleine schwache Nation" ("feeble little nation") und den Nationaldichter Schottlands, Robert Burns, als einen "langweiligen Provinzpoeten".

In der Sendung ging es um die Frage, ob er einen englischen Nationalfeiertag, den St George's Day, unterstützen würde. Starkey verneinte das rundwegs. England würde sich damit auf das Niveau eines genauso kleinen schwachen Staates wie der der Schotten, Waliser und Iren begeben. "Es gab einmal eine Zeit, da war England ein grosses Land. Wir brauchten keine nationale Tracht. Wir machten keinen grossen Lärm um Shakespeare, so wie die Schotten dies um ihren zutiefst langweiligen Provinzpoeten Robert Burns tun. Gottseidank habe England auch keine nationale Musik wie die Schotten mit ihren fürchterlichen Dudelsäcken. Die Waliser und Schotten sind typische kleine Nationen im Stile des 19. Jahrhunderts", präzisierte Starkey.

Seine Äusserungen sorgten für einigen Ärgern bei den Zuschauern.

Auch schottische Parlamentsabgeordnete gehen auf die Barrikaden und verlangen eine Entschuldigung von Starkey. Durch einen Sprecher liess dieser ausrichten, dass er dafür keine Notwendigkeit sehe.

Starkey ist Spezialist für Provokationen. Vor kurzem erregte er Ärger, weil er sich gegen die "Feminisierung" der Geschichte wandte.: "Unsere Begeisterung, über Frauen zu schreiben, hat die Leser von dem abgelenkt, was wirklich zählt: Die Männer (the men)". Starkey ist schwul, vielleicht ist das der Grund für diese despektierliche Äusserung über Frauen.

Er gilt als der rüpelhafteste TV-Historiker Englands und scheut vor keinem Fettnäpfchen zurück.

Informationsquelle: BBC, 'Feeble nation' jibe sparks row

Donnerstag, 23. April 2009

Marsé ist für Zweisprachigkeit

Juan Marsé, eine katalanischer Schriftsteller, der auch schon in die deutsche Sprache übersetzt wurde, hat den renommierten spanischen Literaturpreis "Premio Cervantes" erhalten. Marsé schreibt in spanisch (castellano), wofür er von den Katalanen schon kritisiert wurde.

Anlässlich der Verleihung des Preises hat er eine Rede gehalten, in der er sich für den Erhalt der Zweisprachigkeit (dualidad lingüistica) in Katalonien aussprach. Er habe es nie als "anormal" angesehen, ein katalanischer Schriftsteller zu sein und in spanisch zu schreiben. Die Zweisprachigkeit sei eine Bereicherung für Katalonien.

Um zu schreiben, seien zwei Dinge wichtig: Eine gute Geschichte zu haben und sie gut zu erzählen und dabei die Sprache kunstvoll anzuwenden. "Die Genauigkeit in der Arbeit, die Sorgfalt bei der Anwendung der Sprache, ist das einzige moralische Überzeugungswerkzeug des Schriftstellers", führte Marsé aus.

Er habe angefangen spanisch zu schreiben, weil er keine andere Möglichkeit gehabt habe, da zu seiner Schulzeit es verboten war, katalanisch zu lesen und zu schreiben. Man durfte es im Schulunterricht nicht einmal sprechen. Aber das sei nicht allein der Grund gewesen. Spanischsprachige Erzählungen und Comics (tebeo) hätten ihn sehr angesprochen.

Die Zeitung "La Vanguardia" (erscheint in Barcelona in spanischer Sprache) gab ihrem Artikel die Überschrift "Marsé verlangt die katalanische Zweisprachigkeit". In diesem Titel liegt schon die ganze Spanisch - Katalanische Problematik. In den Kommentaren der Leser geht auch sofort eine Hauen und Stechen los, die zeigt wie sensibel die Katalanen und Spanier in der Sprachenfrage reagieren. Die Online-Redaktion von La Vanguardia musste die Wellen glätten und darauf hinweisen, dass die Kommentare sich auf das Thema beschränken und andere Teilnehmer respektieren sollten.

Informationsquelle: La Vanguardia, Marsé reivindica la dualidad lingüistica catalana

Dienstag, 21. April 2009

Landlose legen sich mit Geldwäsche - Bankier an

Die Landgüter (Fazenda) des Bankiers Daniel Dantas in Xinguara (brasilianischer Bundesstaat Pará) waren am Wochenende Schauplatz von Kämpfen zwischen den Landlosen und den Sicherheitskräften des Bankiers. Die lokale Presse in Form des "Diario do Pará" berichtete über die Vorfälle in einer recht einseitigen Form:

"Personen, die mit der Landlosen-Bewegung (MST) verbunden sind werden beschuldigt, in den Sitz der Fazenda am Samstagnachmittag eingedrungen zu sein, wobei sie Schüsse in die Luft abgaben, um die Sicherheitsleute einzuschüchtern. Diese liessen sich aber nicht einschüchtern und es kam zu einem Schusswechsel mit den Landlosen."

Die Landlosen-Bewegung (MST) hat auf ihrer offiziellen Webseite dazu Stellung genommen. Danach sieht das alles anders aus:
Arbeiter wollten im Wald Holz und Stroh sammeln. Damit wollten sie ihre Hütten, die durch kürzliche Regenfälle beschädigt waren, ausbessern. Die Region um das Landgut der Opportunity Bank (Eigentümer: Daniel Dantas) ist seit Februar besetzt im Protest dagegen, dass das Land nicht bewirtschaftet wird. Nachdem sie das Material gesammelt hatten, kam ein Angestellter der Fazenda vorbei und sie erklärten ihm, dass sie Holz und Stroh bräuchten. Der Angestellte bot ihnen an, sie mitzunehmen (dar uma carona) und auch das Stroh und Holz zu ihrem Lager zu bringen. Daraufhin informierte er die Sicherheitskräfte und noch während die Arbeiter den Lastwagen beluden, kamen diese und bedrohten die Landlosen. Ein Arbeiter wurde verprügelt und mitgenommen, den anderen gelang die Flucht. Der gefangene Arbeiter wurde in der Fazenda unter Druck gesetzt, die Anführer der Landlosen zu benennen. Danach wurde er freigelassen mit der Drohung, dass alle Führer des Landlosen-Lagers (acampamento) umgebracht würden. Die Landlosen organisierten daraufhin einen Protestmarsch zur Fazenda, um das gesammelte Holz und Stroh zu bekommen. Die Landlosen waren unbewaffnet bis auf eine Person, die von einem anderen Lager der Landlosen kam und eine Flinte dabei hatte.

Vor der Fazenda stiessen die Landlosen auf die Sicherheitskräfte, die das Feuer auf sie eröffneten. Es gab kein Schusswechsel, sondern den Versuch eines Massakers durch die Sicherheitskräfte. 9 Landlose wurden verletzt, 1 davon schwer. 3 Landlose wurden von den Sicherheitskräften als Geiseln genommen. Die Landlosen informierten dann die Polizei und sperrten aus Protest die Landstrasse PA 150."

Die Berichterstattung des "Diario do Pará" bleibt etwas diffus. Angeblich wurden Journalisten als Geiseln genommen. Die Schiesserei dauerte danach 30 Minuten und es gab 6 Verletzte auf beiden Seiten. Die Zeitung ärgert aber noch mehr die Sperrung der Landstrasse, da es zu Staus auf der wichtigsten Strassenverbindung des Südwestens von Pará gekommen war.

Der Bankier Daniel Dantas ist eine schillernde Persönlichkeit in Brasilien. Er ist Eigentümer der "Banco Oportunity", die der Geldwäsche bezichtigt wurde. Dantas wurde deshalb auch 2008 verhaftet.

Informationsquellen:
Diario do Pará, Terror em confronto entre MST e seguranças
MST, ESCLARECIMENTOS SOBRE ACONTECIMENTOS NO PARÁ

Sonntag, 19. April 2009

Der Osterhase versteckt seine Eier heute in Rumänien

Die orthodox-gläubigen Rumänen feiern heute Ostern. Deshalb kommt der Osterhase (Iepurasul de Paste) heute zu den rumänischen Kindern. Grund genug für die Zeitung "Romania Libera" einmal den rumänischen Kindern (copii) zu erklären, woher der Eierverstecker eigentlich kommt.

Überraschung: Er kommt aus Deutschland, aus Germania. Für die Deutschen ist er das Symbol der Fruchtbarkeit und soll erstmalig in Büchern des 15. Jahrhunderts aufgetaucht sein. Die Deutschen sind auch die Erfinder des süssen Osterhasen, der um 1800 aus Teig und Zucker gemacht, aufgetaucht ist. Etwa zeitgleich sollen in Deutschland und Frankreich die ersten Eier aus Schokolade aufgetaucht sein. 1682 soll man von Heidelberg ausgehend angefangen haben, die Eier anzumalen.

Inzwischen sind die Rumänen Weltmeister im Eier bemalen. Sie werden ausgeblasen und zum Teil mit viel Liebe künstlerisch bearbeitet, vorzugsweise mit religiösen Motiven. Inzwischen schreckt man auch nicht davor zurück Strausseneier zu bemalen, da hat man mehr Mal-Fläche.

"In unserer Zeit ist das Symbol des Hasen in ein kommerzielles Produkt umgewandelt worden. In der Zeit der Osterfeiertage sind die Geschäfte bis zum Abwinken voll mit Osterhasen als Spielzeug, aus Schokolade und verschiedenen Süssigkeiten in der Form des Hasen, die sich wie am Fliessband verkaufen" berichtet "Romania Libera".

Übrigens: König Michael von Rumänien (Regele Mihai) hat die Ostermesse (slujba de Inviere) gestern Nacht in der Metropolitenkathedrale von Iasi (Jassy) gefeiert. Heute sind sie beim Metropoliten Teofan zum Mittagessen eingeladen und vermutlich auch zum Ostereier suchen.

Informationsquelle: Romania Libera, De unde vine Iepurasul de Paste?


Samstag, 18. April 2009

Rumänien setzt auf Wärmedämmung

In Rumänien startet das Programm zur Renovierung der Wohnungen mit energiesparenden Baumaterialen zur Wärmedämmung und dem Einbau neuer Fenster. Die Aktion wird umfangreich bezuschusst. Im Schnitt muss der Eigentümer einer Wohnung mit Kosten von 700 bis 750 Euro, bei Gesamtkosten von 3.500 Euro, rechnen. Der Restbetrag wird von Staat und Gemeinden übernommen. Bisher haben rumänische Wohnungseigentümer in nur sehr geringem Umfang in die energieeffiziente Renovierung ihrer Wohnung investiert.

Vorgesehen sind die Isolierung / Dämmung von Fernwärmeleitungen, der Keller- und Erdgeschossdecken, Austausch der alten Fenster (tâmplărie) mit wärmedämmenden Fenstern. Danach wird die Wohnung wärmegedämmt und neue Heizkörper eingebaut. Gefördert wird nur, wenn danach der Kilowatt-Verbrauch pro Stunde nicht über 100 kwh liegt. Zur Zeit hat die durchschnittliche rumänische Wohnung einen kwh-Verbrauch von 280 kwh.

Der Förderungsbetrag wird nach dem Prinzip vergeben: Wer zuerst kommt, komm zuerst dran (“primul venit, primul servit”).

Informationsquelle: Gândul, Începe reabilitarea termică a apartamentelor: Cât trebuie să plătiţi dumneavoastră

Freitag, 17. April 2009

Tischgespräch beim französischen Staatspräsidenten Sarkozy, dem Vorlauten

Der Staatspräsident war in Fahrt am vergangenen Mittwoch beim Mittagessen mit Abgeordneten als er sich über einige prominente Politiker ausliess:

"Obama
Ein scharfsinner Geist, sehr intelligent und charismatisch. Aber er ist seit 2 Monaten im Amt und hat noch nie in seinem Leben ein Ministerium geleitet. Es gibt eine Anzahl von Themen, zu denen er keine Position hat.

Angela Merkel
Als sie endlich gemerkt hat wie es um ihre Banken und ihre Automobilindustrie steht, hat sie keine ander Möglichkeit gehabt als meine Position zu übernehmen.

Zapatero
Man kann viele Dinge über Zapatero sagen. Er ist vielleicht nicht besonders intelligent. Ich habe einen gekannt, der sehr intelligent war und auf die zweite Runde bei den Präsidentschaftswahlen verzichtet hat." (Letzteres eine Anspielung auf den französischen Sozialisten Lionel Jospin).

Der spanische Abgeordnete des Europaparlaments Luis Herrero fand, dass diese Äusserungen sehr despektierlich seien und schlug mit der Frage zurück: "Und du Zwerg, was machst Du?" "(¿Y tú enano de qué vas?"). Herrero, der sich hier mit Zapatero solidarisiert, ist Abgeordneter der spanischen Oppositionspartei PP.

Der Daily Telegraph titelt: Nicolas Sarkozy insults world leaders over lunch.

Das Elysée rudert zurück. Die Bemerkungen des Präsidenten waren eine Erfindung der Presse. Es gibt ein altes lateinisches Sprichwort: O si tacuisses, philosophus mansisses! (hättest Du geschwiegen, dann wärest du Philosoph geblieben). Dies zur Erinnerung, Monsieur Nicolas!

Informationsquelle: Libération, Le «sniper» Sarkozy irrite la presse anglophone

Roseana Sarney entmachtet Jackson Lago und geht auf Krankenurlaub

In Brasilien spielt sich zur Zeit eine seltsame Machtübernahme ab. Es geht um den Posten des Gouverneurs des Bundesstaates Maranhão. Im Jahr 2006 war Jackson Lago von der Partei "Partido Democrático Trabalhista" (PDT) auf diesen Posten, der in etwa dem eines Ministerpräsidenten eines deutschen Bundeslandes entspricht, gewählt worden. Gegen diese Wahl hat die unterlegene Senatorin Roseana Sarney von der Partei PMDB, die auch an der Regierung in Brasilia beteiligt ist, Beschwerde beim obersten Gerichtshof eingelegt. Roseana Sarney ist die Tochter des derzeitigen Präsidenten des brasilianischen Senats und ehemaligen Staatspräsidenten José Sarney.

Anfang März dieses Jahres hat der oberste brasilianische Gerichtshof (TSE) der Beschwerde von Sarney Recht gegeben. Jackson Lago wurde wegen "Missbrauchs politischer Macht und illegalen Stimmenfangs" (abuso de poder político e captação ilícita de votos) seines Amtes enthoben. Der Vorwurf des Stimmenkaufs wurde fallen gelassen. Gestern ist das Urteil rechtskräftig geworden. Lago ist der Ansicht, dass dies ein Kampf der alten Eliten gegen unliebsame Emporkömmlinge ist. Nicht umsonst nennt sich seine Partei "die wahrhafte Arbeiterpartei" (Trabalhismo de verdade) im Gegensatz vermutlich zu der an der Macht befindlichen PT (Partido do Trabalho) von Präsident "Lula" da Silva. Mit ihm zusammen wurde auch seine Vize des Amtes enthoben.

Mit der Entscheidung des TSE wurde Roseana Sarney als Gouverneurin von Maranhão eingesetzt. Sie hat heute ihr Amt übernommen.

Das ist noch nicht das Ende der Geschichte: Nach der Amtsübernahme hat sie vom Senat "Urlaub aus medizinischen Gründen" (licença médica) erbeten. Sie leidet an einem Aneurysma im Gehirn und muss dringend operiert werden. Es wäre ihr 21 chirurgischer Eingriff.

Jackson hat seinen Anhängern versprochen, dass er nicht weichen wird. Was nun?

Informationsquelle:
Folha Online, JusBrasil A senadora Roseana Sarney (PMDB-MA)
Grande Portal do Piauí TSE manda Roseana Sarney assumir governo do Maranhão

Bild: Lago und Sarney

Donnerstag, 16. April 2009

Massenpanik in Sevilla

Die Bilanz der Feierlichkeiten in der Karwoche in Sevilla, diesem grössten Fest der christlichen Feiern um den Tod von Jesus Christus, ist wenig erfreulich. Das was in Sevilla geschehen ist, lässt nicht gerade darauf schliessen, dass Gott den Geist der Seinen erleuchtet.

In der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag zwischen 4 Uhr und 6 Uhr morgens kam es während der Prozession der Parrgemeinde von Triana zu gewalttätigen Zwischenfällen und einer Massenpanik, bei der 3 Personen verletzt wurden als sie von der Menge überrannt wurden. Eine Person erhielt einen Messerstich. 3 Personen wurden festgenommen.

In der vorgenannten Zeiten fingen plötzlich grössere Menschenmengen zu laufen an. Sie rissen Menschen mit und bedrängten die Prozession. Die Polizei versuchte die Leute zu beruhigen, 6 Krankenwagen mussten anrücken. Die Helfer berichten von 6 Personen, die behandelt werden mussten, obwohl im offiziellen Bericht nur 3 Verletzte verzeichnet wurden. 2 Frauen waren hingefallen und die Leute trampelten über sie hinweg. "In der Arjona-Strasse soll es nach Augenzeugen mindestens 2 "Lawinen" (avalanchas) von sinnlos rennenden, verängstigten Personen gegeben haben", berichtete ein Polizist. Es herrschte eine nervöse Spannung und Panik.

Zu diesem Zeitpunkt wurde dann ein 15-jähriger wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen. Während die Prozession weiterlief, kam es zu einem erneutem Zwischenfall. Ein Mann verprügelte und bedrohte seine Frau. Unruhe unter den Zuschauern kam auf, dann fiel ein Motorrad um und Benzin lief aus. Die Zuschauer gerieten in Panik und bedrängten die nichtsahnenden Prozessionsteilnehmer (Nazarenos), ihre Kerzen auszumachen. Sie befürchteten eine Brandexplosion. Es kam dadurch zu einer erneuten Massenpanik.

Eine ständige Unruhe beherrschte danach die Menge, die nur mit einem grossen Polizeiaufgebot unter Kontrolle gehalten werden konnte. Diese konnte jedoch nicht verhindern, dass in der Menschenmenge einer Person mit einem Messer ins Bein gestochen wurde. Dann kam es zu einem erneuten Zwischenfall als am Prozessionweg Jugendliche eine Disco verliessen und eine Schlägerei mit dem Wachpersonal der Disco begannen. Gläser, Steine und Flaschen flogen. Ein paar Meter weiter gerieten sich mehrer Menschen in die Haare, was für neue Aufruhr sorgte.

Was war los mit den Sevillanos?

Sie auch Blogbeitrag: Das neue Jerusalem liegt in Brasilien und Nazarenos tummeln in Sevilla

Informationsquelle: Diario de Sevilla, El balance de la madrugada: 3 heridos y 3 detenidos

Mittwoch, 15. April 2009

Barcelona: Schönheitschirurgie zum Schnäppchenpreis

In Barcelona wurde ein Mann von 63 Jahren festgenommen, der Schönheitsoperationen in seiner Wohnung vornahm, obwohl er weder einen medizinischen Titel besass noch über die nötigen sanitären Vorrichtungen verfügte. Dafür waren seine "Operationen" spottbillig, sie kosteten zwischen 250 und 500 Euro.

Zum Zeitpunkt als er verhaftet wurde, war er gerade dabei eine junge Frau, die extra aus Madrid für eine Brustvergrösserung gekommen war, zu empfangen.

Seine Operationen fanden im Wohnzimmer einer kleinen und dreckigen Wohnung, die er mit 3 Hunden, einer Katze und einem Papagei (loro) teilte, statt. Er arbeitete mit höchstem gesundheitlichen Risiko für die Kundinnen. Mit Material aus dem Veterinärbereich spritzte er nach einer lokalen Anästhesie den Kundinnen flüssiges Silikon in die Brust oder das Gesäss, das für Injektionen nicht geeignet war. Die Spritzen wurden mehrfach verwendet, ein Sterilisierungsgerät besass er nicht.

Trotzdem soll er Kundinnen in ganz Spanien gehabt haben. Der Polizei gelang es nur mit Schwierigkeiten, ihm auf die Schliche zu kommen. Er besass keine Patientenkartei und auch sonst keinerlei Hinweise auf seine Kunden. Erst der Hinweis eines Arztes aus dem Baskenland führte die Polizei auf die richtige Spur.

Jetzt sitzt er wegen Amstanmassung (delito de intrusismo profesional) und Verstoss gegen die öffentliche Gesundheit.

Informationsquelle: El Periódico, Detenido por hacer operaciones estéticas sin título y en pésimas condiciones en su piso del Raval

Dienstag, 14. April 2009

Mein Haus, mein Leben

Unter dem oben angeführten Titel (portugiesisch: Minha Casa, minha Vida) hat die brasilianische Regierung ein Programm zur Finanzierung von Eigenheimen aufgelegt. Insgesamt geht es um einen Förderungsbetrag von 34 Milliarden R$ (ca 11 Milliarden Euro). Gefördert werden Famiilien mit einem Einkommen bis höchstens dem 10-fachen des Mindestlohnes.

Es handelt sich auch ein Investitionsprogramm zur Bekämpfung der Auswirkungen der Finanzkrise. Die Förderung ist auf Stadtregionen beschränkt.

Ab heute können die Anträge bei der Caixa Econômica Federal (Bundessparkasse) gestellt werden. Die brasilianische Regierung rechnet damit, dass auf diese Weise ungefähr 1 Million neue Eigenheime erstellt werden und gleichzeitig ein Anstoss zur Belebung der Wirtschaft erfolgt.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Caixa abre financiamento, Webseite der brasilianische Regierung

Sonntag, 12. April 2009

Rumänen verzweifelt gesucht

Der Verdrängungskampf auf dem Arbeitsmarkt zu Zeiten der Wirtschaftskrise verhindert doch nicht, dass auf dem Arbeitsmarkt der saisonalen Beschäftigungen eher händeringend Arbeitskräfte gesucht werden.

So berichtet die rumänische Zeitung "Evenimentul Zilei" heute über Urlaubsjobs für Rumänen insbesondere in Deutschland, Grossbritanien oder Dänemark.

Elisabeta Ivan, 51 Jahre, hat auf diese Art und Weise einen Arbeitsplatz als Zimmermädchen in Italien gefunden. Für 600 Euro monatlich mit Unterbringung, Verpflegung und Krankenversicherung. Rumäninnen (Romancele) sollen in Italien sehr beliebt sein. Sie hat aber bereits Efahrung mit Auslandseinsätzen. Im vergangenen Jahr war sie in Griechenland beschäftigt. Damals hat sie 1.000 Euro bekommen und dazu Verpflegung und mit nach ihrer Ansicht einer Unterbringung zu Luxusbedingungen (în condiţii de lux).

Für Personen mit Qualifikation gäbe es noch eine sehr hohe Nachfrage, berichten rumänische Arbeitsvermittler. Für Ärzte und Krankenschwestern wird auch für rumänische Verhältnisse recht gut bezahlt. So kann ein Arzt auf 2.000 Euro kommen, eine Krankenschwester immerhin auf 1.600 bis 1.700 Euro.

Deutschland sucht rumänische Lastwagenfahrer, London Taxifahrer. Die arabischen Länder suchen Rumänen für Hoch- und Tiefbau.

Dänemark wartet mit offenen Armen (cu braţele deschise) auf die Menschen aus Europas Südosten. Hier sind es die Landarbeiter, die die dänische Ernte einbringen sollen. Die Dänen scheinen mit Rumänen gute Erfahrungen gemacht zu haben, denn in diesem Jahr werden mehr Plätze angeboten wie im Vorjahr.

Während bei qualifizierten Arbeitsangeboten kein Mangel besteht, ist die Nachfrage nach Unqualifizierten um 20% zurückgegangen.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Joburi de criză: între 800 şi 4.000 de euro pe lună

Samstag, 11. April 2009

Worte sezieren: Cool gegen Frais

Der Blog "24 heure Philo" hat sich erneut dem "Sezieren" einer französischen Redewendung gewidmet, die auch zum Nachdenken über unsere diesbezüglich Redensart verleitet. Es geht um den Ausdruck «C'est frais». Es ist eine Redensart, die vor allem bei jungen Parisern üblich sein soll. Wenn etwas gut aussieht, z. B. eine Bekleidung, oder etwas gelungen ist, z.B. ein Foto ( «T’es frais sur cette photo !»), dann benutzt man diesen Ausdruck, der ohne zeitlichen Bezug ist. Es ist ein Ausruf, eine Aussage ohne davor und ohne danach. Die Aussage hat nur etwas positives. Eine minimalistische Formulierung um etwas Maximales zu sagen.

So die Ausführungen vom Autor des Blogbeitrags, Giorgione. Was würde uns dazu einfallen? Spricht alles für "das ist aber cool", vor allem, wenn die Aussage einen jugendlichen Anstrich bekommen sollten. Für ältere Semester ginge auch noch: "Das ist gelungen" oder "das ist stark". Die Franzosen bemitleiden uns gerne, weil wir vieles nicht mehr in unserer Sprache aussagen können. Wir müssen das Englische zu Hife nehmen oder wir tun das auch gerne freiwillig, weil das eben wieder "cool" ist.

Aber so einfach ist das auch in Frankreich nicht. Der verzweifelte Kampf gegen englischsprachige Modeausdrücke findet auch dort statt. 3 Kommentare sind zu den Ausführungen im Blog zu finden. 2 weisen auf die Schwachstelle hin: Der eine Kommentator ist überrascht, dass in den Blogausführungen eine Annäherung an das englischsprachige Äquivalent "that's cool !" fehlt, der andere gibt sich erstaunt darüber und meint "ist das nicht einfach eine Übersetzung des Wortes "cool?".

Unser Blogautor Giorgione scheint also mit seinem Beitrag einen Versuch unternommen zu haben, allein die französische Version als das Übliche im Sprachgebrauch darzustellen und die englische Version im Sprachgebrauch der Franzosen zu unterschlagen. Absicht?

Informationsquelle: Blog "24 heure Philo"

Freitag, 10. April 2009

Katalanische Schi-Stationen feiern Jahrhundertwinter

Der diesjährige Winter ist für die katalanischen Pyrenäen der beste und längste Winter seit 40 Jahren. Die Schi-Stationen freuten sich über viel Schnee schon seit der ersten Novemberwoche. Damit gab es 6 Monate mit bester Schneequalität, die zu einer vollen Auslastung der Schi-Orte wie La Masella, Baqueira Beret oder Boí Taüll führten.

Teilweise gab es in Höhenlagen bis zu 10 m Schnee. Trotzdem wurden nicht mehr Schi-Abos verkauft wie in der Saison 2005-2006, in der ca. 2,5 Millionen verkauft wurden. Die Betreiber der Schi-Stationen führen diese auf die derzeitige Wirtschaftskrise zurück. Die Krise habe ein Rekordjahr bei den Einnahmen verhindert.

In den letzten Tagen hat es erneut geschneit und die Temperaturen sind stark gesunken. Mit 40 cm neuem Pulverschnee wird ein grandioses Finale für Ostern erwartet. Die Hoteliers an den Wintersportorten hoffen noch einmal auf volle Auslastung.

Informationsquelle: El Pais, Las últimas nevadas animan el final de la temporada de esquí

Donnerstag, 9. April 2009

Abusos urbanísticos - Städtebau zum Kotzen

Nativel Preciado, eine Journalistin bei der spanischen Internet-Zeitung Publico.es, nimmt sich des Themas des spanischen Städtebaus an. Es lohnt sich die Meinung einer Spanierin zu diesem Thema zu hören, deshalb nachstehend die Übersetzung ihres Artikels:

"Ich befinde mich in einer Strandregion und betrachte, einmal mehr, die urbanistischen Verwüstungen. Nur einige Meter vom Strand entfernt ist die Landschaft aus Zement und Beton noch trostloser geworden, denn die Krise hat die Kräne gestoppt und die Siedlungen stehen in halbfertigem Zustand, umgewandet in einen Müllhaufen aus Balken, Gerüste und zerbrochenen Ziegeln. Es tut mir leid, dass ich hier Nestbeschmutzung betreibe, aber die urbanistischen Missbräuche in Spanien sind so wie sie das Europäische Parlament in einem so verheerenden Bericht beschreibt, dass die PSOE (Regierungspartei) und die PP (grösste Oppositonspartei) diesen für inakzeptabel halten. Die Parteien sprechen sich selbst frei, denn dort wo sie regieren haben sie Abdrücke einer unhaltbaren Entwicklung hinterlassen, die in Zeiten des ungebremsten Baubooms, erlaubte eine Flussmündung zu bebauen oder dem Strand den Sand zu stehlen.

Es gibt Dokumentationen über jeden Fall, aber der schlimmste ist der jenes Unternehmens, das im Begriff war einen "Wohnkomplex" (“complejo de viviendas”) auf dem durch die Atombomben, die 1966 auf Palomares fielen, kontaminierten Boden zu bauen. Umweltschützer haben aufgeschrieen und sie schafften es, dass das Gebiet analysiert wurde. Die Strahlungsdetektoren bewiesen, dass es Spuren des Elementes Americium, das beim Zerfall von Plutonium, dem grössten künstlich geschaffenen Gift, gab. Die Landesregierung von Andalusien hat den Plan danach supendiert und die Enteignung des Geländes verfügt. Das Bauunternehmen hatte aber alle Genehmigung für die Bebauung und verlangt nun eine riesige Entschädigung. Auf diese Weise können dank der Schachereien gewisser unbelehrbarer Politiker Bauspekulanten eine Beute machen, ohne dass sie jemand daran hindert. Das ist nur ein Beispiel für den Missbrauch im spanischen Bauwesen, der vom europäischen Parlament kritisiert wurde."

Zum Atomunfall von Palomares schreibt die Zeitschrift Telepolis in ihrem Artikel Atombombe über Bord!
"Einer der bekanntesten Fälle passierte in Palomares an der Küste vor Spanien am 17. Januar 1966. Das Auftanken im Flug geschah in dieser Zeit stets irgendwo in der Welt alle sechs Minuten und galt als Routine, war aber dennoch hochgefährlich: Eine von 700 KC-135 Tankmaschinen trifft die B 52 hierzu, die vier Wasserstoffbomben enthält. Sie stoßen zusammen, die Folge ist die atomare Verseuchung des Landes um das Dorf mit dem Plutonium aus zwei Bomben. 14.000 Tonnen Erde wurden in die USA gebracht, eine dritte Bombe wurde in einem trockenen Flussbett doch die vierte Bombe ist verschwunden. Nach drei Monaten wird sie schließlich über eine halbe Meile unter Wasser entdeckt."

Informationsquelle: Público.es, Urbanismo depredador

Dienstag, 7. April 2009

Bulling an brasilianischen Schulen

Auch die brasilianischen Schulen haben ein Gewaltproblem. Bei uns Mobbing oder inzwischen auch Bullying genannt, nennt man das in Brasilien "O Bulling". Seit neuestem gilt es unter brasilianischen Schülern auch als besonders mutig, die Lehrer anzugreifen.

Das "Instituto Mauricio de Nassau" in Recife, eine Bildungsinstitution in Pernambuco mit Schwerpunkt Recht und Sozialwissenschaften, berichet in seinem Blog von einem kürzlichen Fall: Die Geographielehrerin Helena Pinto, 49 Jahre alt, erlitt an einer Schule in São Paulo eine Halswirbelprellung, nachdem sie von einem Realschüler tätlich angegriffen worden war.

Der Blog fragt: "Was soll man da tun? Wie handeln? Und die Eltern? Die Schulen (und Universitäten) müssen sehr vorsichtig sein bei der Ermittlung der Geschehnisse und streng bei der Anwendung der Sanktionen. Die Toleranz muss bei Null liegen (a tolerância deve ser zero). Sonst wird der Kreis der Einschüchterung und Gewalt sich noch mehr drehen. Ausserdem fehlen bisher präventive Aktionen in den Schulen. Wenn wir handeln werden wird es schon zu spät sein ......"

Die Probleme sind uns bekannt, die Fragen auch. Zunehmende Gewalt in den Schulen also ein Weltproblem?

Informationsquelle: Instituto Mauricio de Nassau, Ainda sobre o bulling…

Montag, 6. April 2009

Wegelagernde Bürgermeister arbeiten mit Radarfallen

Kuriose Blüten treibt der Weg Rumäniens in den Kapitalismus. Die neueste Errungenschaft der freien Marktwirtschaft ist das Aufstellen von Radarfallen (radare) durch private Firmen. Dagegen wäre ja noch nichts einzuwenden, wenn sie nicht auch noch die Geldbussen eintreiben würden. Viele Bürgermeister habe auf diese Art eine neuen Geldquelle entdeckt. Mit dem Radarfallen-Installateur wird das Eingenommene geteilt, in der Regel bekommt 50% die Firma und 50% die Gemeindekasse und für den Bürgemeister fällt davon auch noch etwas ab. Wegen der lukrativen Verdienstbedingungen tummeln sich inzwischen Firmen jeder Provenienz in Rumänien, sogar solche mit Firmensitz in Madagaskar. Die Polizei hat sich da bisher herausgehalten, gelegentlich vermittelt sie auch noch die Firmenkontakte.

Die Reporter der Zeitung "Romania Libera" haben als Anbieter mit dem fiktiven Firmennamen "Angel‘s Eyes" verdeckt ermittelt, wie die Bürgermeister rumänischer Dörfer auf das Angebot flächendeckender Radarüberwachung ihrer Dorfstrassen reagieren. Der Köder wurde mit einem Angebot der Zahlung einer "Kommission" für die Bürgermeister angereichert. Das wirkte sofort, die Bürgermeister waren sehr interessiert. Die Reporter konnten feststellen, dass es ihnen nicht mehr um Verkehrssicherheit ging, sondern nur noch ums Abkassieren.

Je höher die Anzahl der Radarfallen in einem Ort umso höher die Kommission für den Bürgermeister. Das führt dazu, dass in vielen Ortschaften nicht nur eine Radarfalle steht. Den Vogel schoss die Gemeinde Putineiu (Kreis Giurgiu, Südrumänien) mit 12 Radarfallen ab. Den Grad der Korruption rumänischer Gemeindevorsteher kann man also inzwischen an den aufgestellten Radarfallen ablesen. Dabei ist es gang und gäbe, dass die Aufstellung nicht ausgeschrieben und auch der Gemeinderat nicht gefragt wird.

Die Reporter verhandelten auch mit dem Bürgermeister eines kleineren Dorfes, der sich sehr interessiert zeigte. In dem Dorf gibt es nur wenige asfaltierte Strassen. Sehr grosse Sorgen machte sich der Bürgermeister wie er selbst den Radarfallen entkommen könne, denn er wäre ein schneller Fahrer (merg cu viteza). Der Bürgermeister bot dann 3 Radarfallen an. Die Reporter gaben aber nicht nach und schlugen vor, dass jeder Ortsteil (von insgesamt 3) eine Luxusausstattung bekomme, so dass die Gemeinde auf insgesamt 12 Radarfallen kommen würde. Mit im Angebot waren 5% der Einnahmen pro Radarfalle für den Bürgermeister. Bei dem Angebot hat er dann sofort eingeschlagen.

Ein Leser berichtet aus Ostrumänien, dass die Bürgermeister die Geschwindigkeitsbeschränkungsschilder um 2 bis 3 km vor die Ortschaft verschoben haben, um noch mehr Radarfallen aufstellen zu können.

Die Strassenpolizei hält sich da raus, treibt aber gerne mal die Bussen ein. Vermutlich mit Beteiligung. Rumänische Rechtswanwälte wollen jetzt eine Klage gegen diese Praxis einreichen.

Informationsquelle: Romania Libera, "R.l." incognito:12 radare intr-o comuna, "ca sa-i terminam pe toti"

Sonntag, 5. April 2009

Das neue Jerusalem liegt in Brasilien und Nazarenos tummeln in Sevilla

Das neue Jerusalem - Nova Jerusalem - liegt im pernambucanischen Sertao in der Nähe der Stadt Caruaru. Eigentlich ist Nova Jerusalem kein Ort, sondern ein Freilichttheater (cidade-teatro) in der Gemeinde Fazenda Nova. Hier werden die brasilianischen Passionspiele, die "Paixão de Cristo" (das Leiden Christi) zur Karwoche abgehalten.

Das Theater und die Passionspiele finden seit 1968 statt. 1968 baute eine Privatmann einen Teil aus dem Jerusalem der damaligen Zeit nach und fügte die einzelnen Stationen der “Via Sacra“ in die verschiedenen natürlichen Terrain-Formationen ein. Die Theaterstadt liegt mitten in einer kargen Felslandschaft, ähnlich der Judäas, umgeben von einer drei Meter hohen Mauer, die mit sieben Meter hohen Türmen besetzt ist.

Der Höhepunkt der Aufführung ist die Auferstehung von Jesus Christus. Dabei wird der Schauspieler in eine Wolke gehoben. Aus diesem Anlass wird an keinem Effekt gespart, es blitzt und donnert. Nicht zuletzt dadurch, dass den Veranstaltern kein Effekt zu schade ist, ist die Veranstaltung äusserst beliebt in Brasilien. Die Zuschauer ziehen mit den Schauspielern von Station zu Station und stellen damit auch das historische Publikum. Da kann man auch ruhig einmal die Peiniger von Jesus Christus beschimpfen.

Solche Massenansammlungen bergen natürlich auch Gefahren. Blogger Fredson Paiva berichtet aus dem Sertao, dass die Polizei für diese Tage aufgerüstet hat. Ihr stehen an diesen Tagen auch 25 Alkohol-Messgeräte zur Verfügung, da scheinbar einige die "Paixão de Cristo" nur mit viel Alkohol ertragen können.

In Sevilla dagegen wandern diese Woche dunkle Kapuzenbrüder - hier Nazarenos genannt - durch die Strassen. Unter den Kutten verstecken sie allerhand Essbares und Trinkbares für den langen Weg von ihrer Pfarrei bis zur Kathedrale von Sevilla. Besonders wichtig sind die Nazarenos, die die Podeste tragen. Manche schleppen aber auch ein Kreuz und rutschen auf den Knien. Schliesslich sind sie alle "Penitentes", Büsser. Ihren knisternden Höhepunkt erreicht die "Semana Santa" (Karwoche) am "Viernes Santo" (Karfreitag) und "Sábado Santo" (Karsamstag), wenn die tieftraurigen Nazarenos am Tag der Kreuzigung des Herrn im Takt der dumpfen Blasmusik (Banda de Musica) durch Sevillas Strassen ziehen und von den Balkonen die "Saetas" (Bittgebete) erklingen.

Samstag, 4. April 2009

Sevilla hat jetzt eine Metro

Die Metro von Sevilla ist am Donnerstag eingeweiht worden. Am ersten Tag gab es Freifahrt, ab gestern muss gezahlt werden. Der Ansturm am Einweihungstag war riesig. Es handelt sich um die Linie 1 (Linea 1), die fertiggestellt wurde und das Zentrum von Sevilla vom Südosten nach Westen quert. Weitere 3 Strecken sind noch im Bau oder in Planung.

Wie das wohl weltweit üblich ist, hatten die Nutzer der neuen Metro Probleme mit den Fahrkartenautomaten und Entwertungsgeräten. Zudem funktionierten die Anzeigen nicht, die Ankunft der Züge wurden nach dem Zufallsprinzip angezeigt, die mit der Realität nicht übereinstimmte. Der beliebteste Haltepunkt war bisher "Ciudad Expo" (das Gelände der Expo 1992). Gelegentlich wollten die Türen sich nicht öffnen, so durften an der Station "Plaza de Cuba" die Passagiere sich 6 Minuten eingesperrt fühlen.

Die Sevillaner Jugend zeigte sich sehr begeistert. Sie sehen einen echten Zeitgewinn gegenüber dem Busverkehr. Bemängelt wird nur, dass die Wagen sehr klein und eng sind. Dafür wird aber die hohe Fahrfrequenz (alle 4 Minuten) gelobt.

Auswirkungen auf den Strassenverkehr? Zumindest gestern konnten die Sevillanos keine Veränderung feststellen. Die Strassen waren verstopft wie eh und je. Eine Umfrage des Diario de Sevilla hat bei 5.684 abgegebenen Stimmen ergeben, dass 41% mit Sicherheit die Metro benutzen werden, nur 12% werden es auf keinen Fall tun.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, La línea 1 alcanza 30.124 viajeros el primer día que se paga el billete
Siehe auch Der
Kiosk-Sturz von Sevilla

Freitag, 3. April 2009

Autodiebe bingen Millionär ins Gefängnis

Unser Millonär wohnt in Bukarest, er besitzt eine kleine Privatarmee und einige sündhaft teure Autos. Wie es sich für einen Neureichen gehört. Und vor seiner Villa wird ihm sein Mercedes Benz gestohlen. Pech für die Diebe, dass sie mit dem Wagen von den Leibwächtern (bodyguardul) des Millionärs im Bukarester Verkehr entdeckt werden. Die sprangen aus ihrem Fahrzeug und holten sich mit vorgehaltener Waffe den Wagen zurück. Die Diebe wurden ins Auto gepackt und zum Millionär gebracht. Damit der Recht spreche. Und er war sehr grossmütig: Die Diebe haben vor ihm eine schriftliche Erklärung abgegeben und für den Diebstahl um Verzeihung gefleht (cerut scuze). Darauf hat er sie laufen lassen. Der Polizei hat er den Diebstahl nicht gemeldet.

Unser Millionär ist Gigi Becali, zwielichtiger Unternehmer, Politiker und Präsident des Fussballclubs Steua Bukarest. Seine Person war bereits Thema meines Blogs. Die grossmütige Tat macht ihm jetzt zu schaffen. Die Autodiebe haben ihn nämlich angezeigt, wegen Freiheitsberaubung. Nun wurde er gestern deswegen verhaftet. Seine Villa wurde zu diesem Zweck von einem Grossaufgebot der Polizei gestürmt. So wie es derzeit aussieht muss er nach einem 7-stündigen Verhör vorläufig für die nächsten 29 Tage im Gefängnis bleiben.

Nur wegen der Diebe? Könnte man sich fragen. Gegen Becali laufen bereits viele Ermittlungen. Er ist Spezialist für schräge Geschäfte und weiss wie man mit Korruption weiterkommt. Auf diese Weise ist er auch gross geworden. Bislang hat es aber nicht gereicht, ihm etwas anzuhängen trotz der laufenden Verfahren im Fall "Valiza" (Koffer) und "Doi s’un sfert" (2 und ein Viertel). Im letzteren Fall war Becali der Anzeigende. Gegen den Millionär Puiu Popoviciu. Es ging um Grundstücksgeschäfte, bei denen Becali zu kurz kam. Popoviciu wurde nämlich Ende März deswegen verhaftet, aber nach einem Tag wieder auf freien Fuss gesetzt. Popoviciu wurde nicht nur allein vor Gericht geladen, mit ihm wurden auch Cornel Serban, der Chef des Geheimdienstes DGIPI (serviciu secret) und Petre Pitcovici, Leiter der operativen Abteilung der Allgemeinen Direktion im Kampf gegen Korruption (Directia Generala Anticoruptie) vom Gericht vernommen.

Vielleicht hat er sich hier mit einer Gruppe vom gleichen Kaliber angelegt, die aber die stärkeren Karten haben. Becali also der rumänische Chodorkowski? So würde er sich gerne sehen. Laut einem rumänischen Geheimdienstler ist das, was zur Zeit in diesen Kreisen in Rumänien läuft, nur die Spitze des Eisberges.

Informationsquelle: Romania Libera, Culisele arestarii lui Gigi Becali. Unul dintre scenarii: razbunarea "Doi si-un sfert"
Sieh auch Blog "Kurznachrichten": Steaua-Präsident Gigi Becali verhaftet

Donnerstag, 2. April 2009

Fischkauf an Ostern in den Tropen

Der "Diario de Pernambuco" steht seinen Lesern in Recife mit guten Ratschlägen für den Einkauf für Ostern (Páscoa) zur Seite. Eine Erhebung in der Stadt hat ergeben, dass die Preisunterschiede in den Supermärkten der Stadt (Bompreço, Pão de Açúcar, Carrefour) sehr gross sind. Beim Fisch gibt es einen Unterschied von 57% zwischen dem teuersten und dem preiswertesten Angebot.

Aber der Preis ist ja nicht alles. Die Qualität spielt ja auch eine Rolle. Und dafür gibt die Journalistin Micheline Batista einige wertvolle Hinweise auf was man bei einem Fischkauf in den Tropen achten sollte:

"Fisch (Peixe) verdirbt sehr schnell. Deshalb sollte der Käufer aufmerksam das Äussere es Produkts prüfen. Die Augen sollten glänzen und vorstehen (saliente) und die Schuppen eng am Körper liegen. Die Kiemen (guelras) sollten gut geprüft werden, sie müssen ohne Flecken sein und eine rosarote bis rötliche Farbe haben. Beim Kabeljau (bacalhau) muss der ganze Fisch gleich aussehen und ohne gelbe Flecken oder schwarze Farbe am Rücken sein. Darauf achten, dass der Fisch auf zerstampften Eis gekühlt wird oder im Kühlfach bei mindestens 8° liegt."

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Páscoa sai mais cara sem pesquisa

Mittwoch, 1. April 2009

Krieg ohne Ende in Rio de Janeiro

Man könnte auch sagen, es handelt sich um einen Krieg vom Ende der Welt. In den europäischen Medien wird er kaum noch wahrgenommen, obwohl sonst jeder Verkehrsunfall bei uns eine Schlagzeile erhält.

Rio kommt nicht zur Ruhe. Im Brennpunkt steht zur Zeit die Favela Ladeira dos Tabajaras im Süden von Rio (Nähe Copacabana). Nachdem in der Favela geschossen wurde, ist die Militärpolizei angerückt, um für Ordnung zu sorgen. Seit der vergangenen Woche wird die Favela von einem 120 mannstarken Polizeibataillon besetzt.


In der Favela scheint es zu einem Krieg zwischen rivalisierenden Banden gekommen sein. Zu den Auseinandersetzungen kam es, nachdem der Ex-Chef des Drogenhandels der Favela Dona Marta, Francisco Rafael Dias da Silva, genannt der Mexikaner, von der Polizei freigelassen wurde und in der Favela Ladeira dos Tabajaras Unterschlupf suchte. Die Favela Dona Marta ist im November von der Polizei gestürmt worden und seither besetzt. Nach der Freilassung kam es zu Auseinandersetzungen um die Drogen-Verkaufsstellen mit Drogenhändlern aus der Favela Rocinha. Nach Auskunft der Polizei sollen sich die Drogenhändler aus der Favela Rocinha nach diesen Auseinandersetzungen in den Wäldern um Ladeira dos Tabajaras versteckt haben.


Am 23. März kam es zu einer Panik in den zentralen Stadtteilen Botafogo, Humaitá, Lagoa Rodrigo de Freitas und Copacabana, nachdem die Polizei die flüchtenden Drogenhändler durch die Stadt verfolgte. Bei dieser Aktion wurden 21 Waffen beschlagnahmt, unter anderem 9 Granaten und ein Granatenwerfer (lançador de granadas).


Die Favela Ladeira dos Tabajaras ist von den Drogenbanden hartumkämpft, da sie in der Nähe der wohlhabenden Stadtviertel wie Copacana liegt.


Seit dem Beginn der Auseinandersetzungen wurden 3 Personen getötet und 4 verletzt.


Informationsquelle: Folha Online: Tiroteio em favela em Copacabana deixa quatro feridos
Blog Angelesenes, Rio:
Favela Vila Cruzeiro abgeriegelt
Blog Kurznachrichten:
Rio: Razzia mit 3 Toten und 1 Tonne Marihuana, Schiesserei an der Copacabana: 6 Tote, 10 Tote bei Polizeioperation in Favelas von Rio de Janeiro