Dienstag, 31. März 2009

Homosexuelle missfallen Rumänen

Die Rumänen haben eine Problem mit Homosexuellen. Die Menschenrechtsagentur der europäischen Union hat in Rumänien gravierende Mängel in der Toleranz gegenüber Homosexuellen festgestellt.

Die Zeitung "Evenimentul Zilei" stellt heute das Thema "Warum tolerieren wir die Homosexuellen nicht?" seinen rumänischen Lesern zur Diskussion. Die Mehrzahl der Rumänen haben eine aggressive Abneigung gegenüber Homosexuellen. Die Regierung tut wenig, um der Diskriminierung entgegenzutreten und gerade in kirchlichen Kreisen wird das Feuer eher noch geschürt. So verwundert es nicht, dass nur 11% der Rumänen nichts gegen eine Heirat von Homsexuellen einzuwenden hat (in den Niederlanden gibt es z. B. eine Akzeptanz von 82%). Nur 36% der Rumänen möchten einen Homosexuellen zum Nachbarn haben.

Eine Teilnahme an Homosexuellen-Paraden, wie sie im westlichen Europa stattfinden, ist in Rumänien nur mit viel Zivilcourage möglich. Teilnehmer wurden schon einmal mit Feuerwerkskörpern beschossen und mit Steinen beworfen.

Die Homsexuellen haben in Rumänien eine Vereinigung gegründet, die sich "Asociaţia ACCEPT" Die Vereinigung bemängelt, dass das neue rumänische bürgerliche Gesetzbuch (Cod Civil ) nicht den Realitäten einer modernen Gesellschaft entspricht.

Was sagen nun die Leser:
  • Auf diesen letzten Platz können wir stolz sein. Wir brauchen uns nicht vom miserablen Westen anstecken lassen.
  • Eher ironisch: Wir sind das korrupteste Land und unser Problem sind die Gay und nicht diejenigen, die das Land ausrauben!
  • Statt dass wir endlich das Land reformieren, machen wir uns Sorgen wegen der Gay. Was für eine Heuchlerei im heutigen Rumänien!
  • Wir sind noch vom Kommunismus gezeichnet, wo das Homosexuellen-Thema ein Tabu war.
  • Ich mag die Schwulen nicht, weil sie gewalttätig sind!

Überwiegend sind es selbskritische Kommentare. Vielleicht brauchen die Rumänen einfach mehr Zeit.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, De ce nu-i tolerăm pe homosexuali?

Donnerstag, 26. März 2009

Schotten unterstützen katalanische Unabhängigkeit

In der schottischen Blogwelt spielen die Tendenzen der Unabhängigkeit Schottlands von England eine grosse Rolle. Gegen diesen Trend stemmt sich der Blogger "Scottish Unionist". Sein Lieblingsfeind ist die Scottish National Party (SNP), die zur Zeit auch die schottische Regierung in Edinburgh führt. Ministerpräsident ist der SNP-Politiker Alex Salmond.

Blogger "Scottish Unionist" steht für ein zentralistisches United Kingdom - Vereinigtes Königreich und bringt kein Verständnis für die Unabhängigkeitsbestrebungen der Schotten auf. In seinem Beitrag vom 23. März stellt er die Frage, welche separatistische Bewegungen von der SNP unterstützt würden und gibt uns einen Überblick, welche Länder die Separatisten in Europa gerne auseinander nehmen würden (the SNP want to see dismantled):

Natürlich fällt sein Blick zuerst einmal auf das Vereinigte Königreich selbst: Das sind die "Plaid Cymru Group" aus Wales und die “Sons of Cornwall - Mebyon Kernow". Der Nordirland-Konflikt braucht gar nicht erwähnt zu werden, er bietet sich von selbst an.

Aber die SNP sprengt die Grenzen des Vereinigten Königreichs, denn sie unterstützt auch die katalanische Unabhängigkeit! Damit wolle sie eine Teilung Spaniens (which would by necessity split Spain). Dahinter steckt seiner Meinung nach eine europäische Separatistenbewegung namens "European Free Alliance" (EFA). Die EFA versteht sich als eine europäische Partei, die insbesondere Regionalparteien verbindet. Unser Zentralist wirft dieser Partei vor: "Die EFA sagt, dass sie für die Schaffung einer Union freier Völker basierend auf dem Prinzip der Subsidiarität ist". Ist doch eigentlich nichts dagegen einzuwenden, denn Subsidiariät bedeutet ja dass die Notwendigkeit zentraler europäischer Institutionen nicht in Frage gestellt wird. Für ihn bedeutet das aber - er wittert bei jeder Dezentralisierung Unrat - Zersplitterung und Entmannung (fragmentation and emasculation).

Die flämische Nationalistin Nelly Maes und Abgeordnete des Europaparlaments würde ihn mit dieser Aussage wohl endgültig auf die Barrikaden bringen: "Viele Leute, wie in Katalonien, Wales und Schottland fühlen den Wechsel, das wachsende Selbstvertrauen, die Zuversicht, den Willen etwas zu tun, das Recht zu entscheiden, die Entschlossenheit, die Bürger mit dem Wechsel bekannt zu machen, die Gelgenheit, die Welt für die Zukunft vorzubereiten. Man kann die Begeisterung spüren, wenn man Katalonien besucht. Das ist der Grund, warum ich Länder wie Katalonien, Wales und Schottland so gerne mag. Man kann spüren, dass die Veränderung in der Luft liegt".

Völlig von den Socken hat aber den Scottish Unionist wohl die Webseite von "European Tribune"
gebracht, in der eine europäische Union der 75 Regionen vorgeschlagen wird (siehe Bild).

Mittwoch, 25. März 2009

Direktoren-Posse im brasilianischen Senat

Der brasilianische Senat hat einen neuen Präsidenten, José Sarney. Der ist zwar ein Urgestein der brasilianischen Politik, schien aber zu seinem Amtsantritt guten Willens, den ausufernden Behördenapparat des Senats auf der Direktorenebene zurückzustutzen.

Am 18. März hat er bekanntgegeben, dass die unglaubliche Zahl von 138 Direktoren um die Hälfte gekürzt werden soll. Irgendjemand in der Personalabteilung scheint aber die Direktoren-Statistik nicht richtig im Griff gehabt zu haben. Plötzlich wirbelten ganz neue Zahlen durch die Presse: Mal waren es plötzlich 131 und dann auf einmal 181 Direktoren, die da im Senat die Pfründe genossen.

Nun ist aber plötzlich alles ganz anders: Gestern hat der Erste Sekretär (primeiro-secretário) Heráclito Fortes verkündet, dass der Senat nur 38 Direktoren habe. Der Rest der früheren Direktoren-Liste bestehe aus Personen, die sich selbst zu Direktoren ernannt hätten. Sie würden nur sich selbst verwalten, es wären sogenannte "Fantasie-Direktoren" (“Diretores de fantasia”). Ob die dafür auch bezahlt wurden, konnte ich nicht herausfinden.

Fortes will jetzt das Organigramm des Senates auf neuesten Stand bringen. Nach der "Säuberung" soll die Zahl der Direktoren vermutlich auf 20 reduziert werden. Es können auch 16 oder 14 werden.

Packt es an! In brasilianischen Amtsstuben warten noch sehr viele selbsternannte Direktoren darauf, entdeckt zu werden.

Informationsquelle: Folha Online, Blog do Josias, Por enquanto, Senado não exonerou nenhum ‘diretor’

Die französische Atombombe und ihre Kosten

Nachdem im November vergangenen Jahres die französische Regierung erstmals die Politik der Leugnung der Schäden im Gefolge der Atomtests in der Sahara (Algerien) und in Polynesien aufgegeben hat, kommt jetzt ein Stein ins Rollen, der nicht so einfach aufzuhalten sein wird. Die Versuche begannen Ende der fünfziger Jahre und dauerten bis 1996 und sie dienten dazu, die eigene Atombombe herzustellen.

Den an den Tests beteiligten Militärs und Zivilisten fehlte damals jedes Gefahrenbewusstsein für die atomare Strahlung. "Selbst an den Orten der unterirdischen Tests (les tirs souterrains) badete man am Tag zwei- oder dreimal in den Wassern der Lagune, man tauchte oder fuhr Wassersschi. Man hatte keinerlei Gefahrenbewusstsein (conscience du danger)", berichtet Florence Bourel, der als junger Sekretär der Atomenergiebehörde 1982 und 1983 in Mururoa war. Der Zeitgeist war auch so, dass man die Gefahren von Atomexplosionen nicht ernst nahm oder herunterspielte.

Nun schätzt der französische Verteidigungsminister Hervé Morin die Zahl der Personen, die an den Tests beteiligt waren auf ungefähr 150.000 Personen. Dabei handelt es sich nur um Militärs und zivile Angestellte der französischen Armee. Die vor Ort lebende Bevölkerung wurde dabei nicht mitgerechnet.

Bisher ging der französische Staat davon aus, dass die Schädigung der Teilnehmer an den Tests auf eigenes Fehlverhalten zurückzuführen war. Hinzu kam, dass Geschädigte nachweisen mussten, dass die atomare Strahlung für ihre Erkrankung ursächlich war. Im neuen Gesetz soll die Beweislast umgedreht werden: Der Staat muss jetzt nachweisen, dass die Schädigung nicht auf die atomare Strahlung zurückzuführen war.

Für die Zahlung von Entschädigungen sollen vorerst 10 Millionen Euro bereitgestellt werden. Wer im Gesetz völlig unter den Tisch fallen soll, ist die kontaminierte Bevölkerung in den Testgebieten. Frankreich meint, die bisherigen Haushaltzuschüsse an Polynesien mit dem Leid der Betroffenen verrechnen zu können und bezüglich Algerien ist man der Ansicht, dass man schon genug getan habe mit der Säuberung und Sicherung der kontaminierten Gebiete.

Angesichts der Fakten kann man feststellen, dass hier ein Stein ins Rollen gerät, der nicht so schnell zu stoppen sein wird. Man kann ein Vergleich zum Fall der in der Zeit des Nationalsozialismus missbrauchten Zwangsarbeiter ziehen, deren Entschädigung auch lange bestritten und dann doch durchgesetzt werden konnte.

Das wird noch zu Recht sehr teuer werden.

Informationsquellen:
AgoraVox, Essais nucléaires : le mea culpa tardif et difficile de l’Etat sur les irradiés
Le Figaro, Les vétérans n'avaient aucune «conscience du danger»
Le Monde, "Gerboise bleue" : un document à charge sur les essais nucléaires français en Algérie, avant et après l'indépendance du pays

Dienstag, 24. März 2009

Todeskommando erschiesst Polizeichef

Am Sonntagmorgen ist in der pernambucanischen Stadt Caruaru der Leiter der lokalen Polizeistation, Fernando Machado erschossen worden. Machado war 39 Jahre alt. Er war mit seiner Tochter zusammen, 3 Jahre alt, als 2 noch nicht indentifizierte Männer in sein Haus traten und mehrere Schüsse auf ihn abgaben. Machado schoss noch zurück, aber es gelang den Tätern zu fliehen. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Machado hatte sich in kriminellen Kreisen unbeliebt gemacht, da er die Untersuchungen leitete, die im vergangenen Jahr eine Bande von 34 Personen, ins Gefängnis gebracht haben. Die Bande war angeklagt worden, ein Todeskommando gebildet zu haben, das in Recife und der Küstenzone (Zona da Mata) Pernambucos agierte. Unter den damals Festgenommenen befanden sich auch 4 Gemeindepolizisten und 2 Militärpolizisten. Einige wurden bei der Tatausübung festgenommen.

Neben den Festnahmen erfolgte die Beschlagnahmung eines ganzen Waffenarsenals, von Munition, kugelsicheren Westen und gefälschten Papieren. Die Bande handelte auf Bestellung, pro Mord wurden R$ 2 bis R$ 3 Tausend (ca 660 bis 1.000 Euro) verlangt. Sie führte aber auch Überfälle durch, vermietete Waffen und handelte mit Drogen.

Nun wurde der Missliebige von Berufskillern ermodet. Der Todeszähler von Recife steht heute auf 957 Morde seit dem 1. Januar 2009.

Informationsquelle: PE Body Count und Jornal do Comercio, Delegado que combatia grupos de extermínio é assassinado em Palmares

Montag, 23. März 2009

Jugendschutz in Spanien gibt zu denken

Der Jugendschutz in Spanien ist in Diskussion. Es gibt wenige nationale Adoptionen - nur etwa 900 im Jahr. Das Verfahren der Adoption ist sehr langsam und es gibt nicht ein ausreichendes Angebot an Pflegefamilien. So leben 14.000 verlassene und in der Vormundschaft des Staates stehende Jugendliche in staatlichen Zentren. Und das in der Regel bis zur Volljährigkeit.

Das spanische Gesetz zum Schutz der Minderjährigen (Ley de Protección del Menor) sieht aber vor, dass die Regelunterbringung in einer Familie zu erfolgen hat und nur wenn dies nicht möglich ist, sollte der Jugendliche in einem staatlichen Heim untergebracht werden. Zu den geringen Zahlen der Adoptionen im Lande kontrastieren die internationalen Adoptionen durch Spanier. In den Jahren von 2003 bis 2007 sollen dies 23.000 Fälle gewesen sein. Das hat die Behörden jetzt aufgeweckt, der spanische Senat hat eine Kommission mit der Analyse der Situation und Erstellung von Verbesserungsvorschlägen beauftragt.

"Das Schlimme ist, dass wir diese Realität als normal ansehen, obwohl sie dies nicht ist, " erläutert der Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität von Sevilla, Jesús Palacios. " Spanien ist eine Ausnahme, nicht die Regel. Hier sind die Kinder die grossen Vergessenen (los grandes olvidados) des Systems. Sie sind unsichtbar. Für den Rest Europas ist es schockierend, dass sich Kinder in Heimen befinden. Der grösste Teil der Länder hat das Betreuungssystem reformiert und fast alle Kinder befinden sich in der Obhut von Familien."

Informationsquelle: El Pais, El sistema de protección de niños deja sin familia a 14.000 menores

Sonntag, 22. März 2009

Kfz-Steuer für neue Wälder

Der Präsident des rumänischen Senates, Mircea Geoană, und der Minister für Umwelt (ministrul Mediului), Nicolae Nemirschi, haben heute im Ort Dăbuleni angekündigt, dass ein Teil der Einnahmen aus der Kfz-Steuer (taxa auto) von 25 Millionen Euro für die Wiederaufforstung der rumänischen Wälder eingesetzt werden wird.

Der Ort Dăbuleni liegt im Süden Rumäniens in der Nähe der Donau. Der Ort ist auch als die "Sahara Olteniens" bekannt, weil er von einer Sandwüste von ca. 800 km² umgeben ist. Also ein guter Ort, um mit der Aufforstung zu beginnen.

Das Ziel ist es 30% der Fläche Rumäniens für Wälder zur Verfügung zu stellen gegenüber derzeit 23 bis 24%. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes war es zu grossflächigen Rodungen der rumänischen Wälder bekommen. Der Klimawandel durch das Fehlen der Waldflächen ist in Rumänien bereits spürbar und hat zum Teil zu extremen Wetterbedingungen geführt.

"Ich möchte mit Nachdruck eine Botschaft an diejenigen richten, die unsere Wälder zerstoren, diejenigen, die nur an ihren schnellen Profit von heute und nicht an die kommenden Generationen denken. Ich richte diese Botschaft an diejenigen, die nicht gekommen sind, um zu sehen wie sich die saftigen Wiesen der Donauufer in eine Wüste verwandelt haben. Wir riskieren einen Klimawechsel unvorstellbaren Ausmasses, der dazu führen wird, dass die Landwirtschaft Rumäniens und das Leben so sein wird wie in einem Land des Mittleren Ostens" erklärte Geoană.

Wie wahr!


Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Taxa auto împădureşte România

Samstag, 21. März 2009

Wasser-Festival in der Sertão zum Weltwassertag

Im semiariden Sertão von Pernambuco findet ein bemerkenswertes Ereignis statt. Es ist das VIII Festival das Águas (Festival des Wassers) und steht unter dem Motto: "Wasser: Werkzeug des Lebens und der Bürger" (“Água: instrumento de vida e cidadania”). Veranstaltungsort ist die Gemeinde von Dormentes. Dormentes ist ein Ort mit 15.000 Einwohnern, der vor allem von der Landwirtschaft lebt (Mais, Rizinusöl, Ziegenwirtschaft).

Das Festival das Aguas vereint aus Anlass des Weltwassertages (22. März) Organisationen, die sich für die semiariden und von grosser Armut gekennzeichneten Gebiete des Sertão einsetzen. So der "Verein der Volkserzieher" (Educadores Populares do Sertão de Pernambuco (Neps)), das Zentrum für Beratung und Unterstützung der Arbeiter und die alternativen Nichtregierungsorganisationen Caatinga sowie das Zentrum für die Ausbildung kleiner Landwirte in Chapada.

Es geht um Themen wie Demokratisierung des Zugangs zum Wasser und die geplanten Projekte zur Verbesserung der Wasserversorgung. So das Projekt "1 Million Zisternen" (Um Milhão de Cisternas). Die Veranstaltung wird mit einem Gang durch das Dorf beginnen. Anschliessend werden sich 2 Gruppen mit der Politik der Bekämpfung der fortschreitenden Wüstenbildung (Desertifikation) und der Erziehung zur gemeinsamen und einverständlichen Nutzung der Wasserressourcen beschäftigen.

Die Veranstaltung wird umrahmt von einem Markt der ökologischen Landwirtschaft in den Gemeinden Dormentes und Santa Filomena. Und natürlich dürfen die Kunsthandwerker der Region nicht fehlen und es wird viel getanzt werden.

Informationsquelle: Blog do Fredson Paiva, NEPS - VIII FESTIVAL DAS ÁGUAS ACONTECERÁ NO MUNICÍPIO DE DORMENTES

Freitag, 20. März 2009

Indios bekommen Rerservat zurück

Gestern hat der oberste brasilianische Gerichtshof (Supremo Tribunal Federal-STF) mit 10 zu 1 Stimmen entschieden, dass die illegal besetzten und für den Reisanbau genutzten Gebiete des Reservates Raposa/Serra do Sol im Bundesstaat Roraima an die Indios zurückgegeben werden müssen. Schwierigkeiten bereitet noch die technische Durchführung des Abzugs der nicht-indigenen Bevölkerung. Das Justizministerium will feststellen, wieviele Personen vom Abzug betroffen sind und dann das Datum der Räumung bekannt geben.

Wegen der landwirtschaftlichen Nutzung des Reservates ist es zu einer Serie von Konflikten zwischen den brasilianischen Bundesbehörden, den Bundesstaaten und den Gemeinden gekommen. Hinzu kamen Konflikte mit den Vertretern der Indios und Nichtregierungsorganisationen.

Für die Räumung und Begrenzung des Reservates wurden vom Gericht 19 Kriterien aufgestellt, die auch auf künftige Verfahren angewandt werden sollen. In den Kriterien wird festgelegt, in welcher Form die Indios das Reservat nutzen dürfen (z.B. dürfen sie keine Gebühren für Nutzung der Infrastruktur wie Strassen, Stromtrassen erheben). Die Nutzung des Grund und Bodens ist für sie erheblich eingeschränkt, so dürfen sie z.B. keine Bergwerke betreiben. Bei übergeordneten Interessen wie Verteidigungsfragen, Nutzung der Wasserenergie und sonstigen Energiequellen oder beim Strassenbau haben sie keine Rechte.

Dafür haben sie das alleinige Jagdrecht. Es dürfen keine Teile des Reservats gekauft oder verkauft werden.

Die Indios haben gestern in Brasilia nach Verkündung des Gerichtsurteils mit Tänzen vor dem Gerichtsgebäude ihren Sieg gefeiert.

Informationsquelle: FolhaOnline, Arrozeiros ganham tempo para deixar reserva; Tarso ainda fará levantamento da área

Donnerstag, 19. März 2009

Im Namen des Schweizer Kreuzes

Die Wogen schlagen hoch, sehr hoch in der Schweiz. Der deutsche Finanzminister ist der Auslöser. Herr Steinbrück nimmt bei den Steueroasen kein Blatt vor den Mund. Er wird so rüpelhaft wie bisher die nationalkonservativen schweizer Stimmungsmacher. Die haben sich bisher gegenüber der Europäischen Union einen Ton angemasst, der nur so von Selbstüberheblichkeit strotzte. Jetzt sind die Zeiten plötzlich anders, die Finanzkrise hat die Welt aus ihrem Status Quo gerissen. Und nun besinnt man sich anderswo, dass es Länder gibt, die Gesetzesbrechern aus der Finanzwelt hilfreich die Hand gereicht haben und es immer noch tun. Das streiten nicht einmal die Schweizer ab, nein sie sagen, dass sie das "dreckige" Geld brauchen, weil sonst ihr Wohlstand in Gefahr ist.

Da darf man sich nicht wundern. Das "Rosinenfischen" in der europäischen Politik kann auf Dauer sehr einsam machen. Und die Zeiten sind so, dass man plötzlich Sündenböcke braucht. Die Schweiz bietet sich dazu an, sie gibt genügend Argumente dafür.

Der Kommentator der Basler Zeitung, Luciano Ferrari, sieht das ganz nüchtern, wenn er sagt, dass es sich hier um die erste Krise der globalisierten Wirtschaft handelt und "für die Schweiz heisst das, dass die Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung auf internationaler Ebene nicht mehr zu halten war. National kann diese Differenzierung weiterhin gelten. In der Welt jedoch musste sich die Schweiz den supranationalen Gepflogenheiten anpassen, will sie weiterhin von der globalisierten Wirtschaft profitieren." Zu einer solchen realistischen Analyse sind die nationalen Kraftmeier nocht nicht bereit.

"Steinbrück verspottet unsere Politiker" und "Steinbrück freut sich über den gelungenen Trick: «Jetzt ist ordentlich Zug im Kamin.»" damit versucht der Blick die Schweizer Volksseele am Kochen zu halten. Wenn man keine Argumente hat, greift man gerne in die Nazizeit zurück. So meinte ein Nationalrat, er müsste Steinbrück bei der Gestapo ansiedeln.

Wie es weitergeht? Man kann gespannt sein. Nachdem man sich in der Schweiz über den deutschen Finanzminister betrunken geredet haben wird, wird die Ernüchterung kommen. Nach alten griechischen Dramen kann die auch mit der "Katharsis", der inneren Reinigung, verbunden sein. Entstehen daraus einmal ganz neue Ansätz für eine schweizer Politik in einer veränderten Welt?

Mittwoch, 18. März 2009

Der Wiederauferstandene geht ohne Erlaubnis

Die Karwoche ist nicht mehr fern und in Sevilla beginnen nicht nur die Vorbereitungen, sondern auch die Streitigkeiten. Die "Semana Santa" ist in dieser Stadt die wichtigste religiöse Veranstaltung und alle Pfarreien der Stadt machen bei den Prozessionen mit. Dabei konkurrieren sie oft gegeneinder und es geht zu wie beim Fussball: Die Gottesmutter von der "Macarena" gegen "Jesus del gran Poder" (Der allmächtige Jesus) aus Triana.

Nun es gibt schon Ärger und zwar einen typisch sevillanischen. Der Pfarrgemeinderat der Pfarrgemeinde von der Wiederauferstehung (Hermandad de la Resurrección) will am Karsamstag eine Prozession durchführen. Sie hat dazu aber bisher keine Bewilligung (beneplácito) vom Rat der Laienbruderschaften (cofradias) bekommen. Die Laienbruderschaften sind die Organisatoren der Prozessionen. Sogar der Kardinal Erzbischof von Sevilla ärgert sich über die "Wiederauferstandenen" und da wohl vor allem über den Ton, mit dem sie ihre Absichten durchsetzen wollen: " Man muss die Sachen verlangen, aber man muss auch wissen, wie man sie verlangt" («hay que pedir las cosas, pero saberlas pedir»), meint der Würdenträger.

Seither jagen sich die Krisensitzungen bei den "Wiederauferstandenen". Sie wollen aber auf ihrer Prozession wie vorgesehen bestehen, notfalls einseitig. Schliesslich sei es eine schon seit langem erhobene Forderung, der man bisher nicht nachgekommen sei.

Der Rat der Laienbruderschaften brütet noch über dem von den "Wiederauferstandenen" vorgelegten Aktenstapel. Erkennbar ist, dass diese aber über den ganzen Vorgang sehr verärgert sind. Statt auf Verhandlungen zu setzen würden die "Wiederauferstandenen" ihre Interessen mit dem Kopf durch die Wand durchsetzen wollen. Und wer so beleidigt ist wie die Laienbruderschaft sagt vielleicht auch "nein".

Das würde ein Karsamstag werden! Kampf der Pfarrgemeinden auf offener Strasse. Eine Hermandad schiebt die Andere aus den engen Gassen der Innenstadt, wüstes Kampfgeschrei gellt durch die Kathedrale von Sevilla. Die vermummten Nazarenos (Prozessionsmitglieder) holen ihre Tinto-Flaschen aus der Kutte und beschmeissen sich gegenseitig.

Das ist hoffentlich nur Science Fiction à la Andalucia!

Informationsquelle: ABC Sevilla, El Resucitado dispuesto a salir

Dienstag, 17. März 2009

Das Monster von Amstetten

Seit Josef Fritzl beschlossen hatte, seine Tochter nicht nur wegzuschliessen, sondern auch regelmässig zu vergewaltigen und auch nicht weich wurde, wie daraus Kinder geboren wurden, haben wir noch einmal in die Abgründe der menschlichen Seele gesehen. Für viele ist das unbegreifbar, aber wenn man sich noch einmal die Greueltaten der Nazis in ihren Konzentrationslagern durch den Kopf gehen lässt, dann wundert man sich auch darüber nicht mehr.

Weltweit erregt der Prozess Aufsehen. Ich habe mich einmal umgesehen mit welchen Worten die Weltöffentlichkeit reagiert:

Für "The Scotsman" ist Fritzl der "absolute Herrscher seiner betonierten Untergrundhölle" (The absolute ruler of his underground concrete hell). Für das britische Revolverblatt "The Sun" heisst die Schlagzeile "Er kam, vergewaltigte, haute ab" (He came, he raped, he left).

Der "Diario de Sevilla" spricht vom "Monster von Amstetten" (El 'monstruo de Amstetten'), der Mann mit der dünnen Stimme (hilo de voz), der wegen fehlender Liebe (falta de cariño) seiner Mutter zum Monster wurde. Für "La Vanguardia" ist er der "Gefängniswärter von Amstetten" ("carcelero de Amstetten").

Für "Antena 3 in Rumänien" ist er nur das Monster (monstrul) wie auch für das "Jornal do Brasil" (o monstro), das noch bemerkt, dass Fritzl zu Beginn des Prozesses seinen Kopf hinter einem blauen Aktenordner versteckte (uma pasta de arquivo azul).

Montag, 16. März 2009

Das Projekt MOVELE - spanische Regierung setzt auf Elektroautos

MOVELE steht für "Proyecto Piloto de MOVilidad ELEctrica" (Pilotprojekt zur elektrischen Mobilität). Der von der spanischen Regierung beschlossene Plan zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerung (Activación del Ahorro y la Eficiencia Energética) gilt für die Jahre 2008 bis 2011. Er sieht auch den Start des MOVELE-Projekts vor. In diesen Tagen wurden die Städte benannt, in denen das Pilotprojekt gestartet werden soll. Es sind dies Madrid, Barcelona und Sevilla.

Cristina Vega ist die Verantwortliche für die Durchführung in Sevilla. Sie hat jetzt erst einmal dafür zu sorgen, dass ein Netz von Aufladestationen und Wartungsunternehmen in Sevilla aufgebaut wird. Danach werden 500 Elektrofahrzeuge zu subventionierten Preisen vor allem für Wirtschaftsunternehmen und Arbeitskollektive (colectivos laborales) zum Kauf angeboten.

Weitere 1.500 Fahrzeuge sind für Barcelona und Madrid vorgesehen. Die besten Verkaufschancen werden dem Smart EV und einem Fahrzeug namens REVA eingeräumt.

Insgesamt will die Regierung für das Projekt 10 Millionen Euro ausgeben.

Informationsquellen: Diario de Sevilla, Sevilla implantará un sistema de 500 coches eléctricos y 75 puntos de carga

Samstag, 14. März 2009

Erzbischof von Recife: Abtreibung schlimmer wie Hitler's Judenverfolgung

Dom José Cardoso Sobrinho, Erzbischof von Recife / Pernambuco, steht zur Zeit im Mittelpunkt des Interesses, nachdem er im Fall der Abtreibung bei einem vergewaltigten 9-jährigen Mädchen die ausführenden Ärzte für exkommuniziert erklärt hat. Jetzt hat er der brasilianischen Zeitung "Veja" ein Interview gegeben, in welchem er versucht seine Aussagen zu erklären.

"Veja" schreibt, dass Cardoso Sobrinho eher ein Kirchenmann aus der zweiten Reihe der kirchlichen Würdenträger ist. Er ist 75 Jahre alt, klein von Gestalt und macht einen stolzen, eigensinnigen Eindruck.

Der Erzbischof sagt, dass er nichts bereut. Auch wenn es in Brasilien grosse Aufregung wegen seiner Äusserungen gegeben habe. Es sei nur ein Fehler gewesen, dass er auf die Exkommunikation, die nach kanonischem Recht automatisch erfolgte, nochmals extra hingewiesen hätte. Angesprochen auf die grosse Aufregung, die seine Äusserung auch bei Katholiken hervorgerufen hätte, meinte er, dass das Gesetz Gottes über Allem stehe, auch über den Gesetzen der Menschen. Er weist daraufhin, dass er dafür grosse Unterstützung durch die Kurie in Rom erfahren habe. Er habe einen Brief von Giovanni Battista Re, dem Chef der Glaubenskongregation erhalten, in welchem dieser ihn sehr gelobt habe.

Gefragt, warum der Vergewaltiger des 9-jährigen Mädchen nicht auch automatisch exkommuniziert worden sei, eiert er rum, erklärt, dass die Abtreibung ein unschuldiges Wesen betroffen habe, die Vergewaltigung zwar auch ein böses Vergehen sei, sich aber gegen einen Erwachsenen (adulto) richte. Das 9-jährige Mädchen wird damit mal schnell zur schuldigen Erwachsenen gemacht. Da er merkt, dass der Widerspruch doch etwas eklatant ist, fügt er hinzu: "Jede intelligente Person ist in der Lage, dies zu verstehen" (Qualquer pessoa inteligente é capaz de compreender isso).

Er wird dann auch gefragt, was denn die Kirche für das Mädchen getan hätte, um es von der Abtreibung abzubringen. Er weicht aus, das Mädchen habe nicht in seiner Dözese gewohnt, aber in der Nachbardiözese Pesqueira habe man ihr umfassende Hilfe angeboten. Er benutzt diesen Zusammenhang noch einmal, um darzustellen, dass man alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, um die Abtreibung zu verhindern. "Veja" musste noch einmal nachhaken und fragen, was man denn dem Mädchen an tatkräftiger Hifle angeboten habe. Ja, natürlich hätte man dem Mädchen geholfen, es hätte sicher keinen Hunger leiden müssen (nem passava fome), es gäbe auch Obdachlosenunterkünfte, wo man sie hätte unterbringen können (Nós temos aí abrigos para os pobres). Dann weicht er wieder auf das Gesetz Gottes aus, das Vorrang habe.

Mit dem kleinen Mädchen hat er sich nicht getroffen. Gefragt, ob er ihren Namen kennt, muss er auch passen.

Angesprochen auf die heftigen Kritiken bezüglich seiner Person, will er die Schwere der Sünde der Abtreibung beschreiben und greift zu folgendem Beispiel: "In Brasilien gibt es 1 Million Abtreibungen jedes Jahr. Ich möchte daran erinnern, was im 2 Weltkrieg passiert ist. Hitler, der Diktator, wollte das jüdische Volk ausrotten und man sagt, dass es ihm gelungen ist 6 Millionen Juden zu töten. Wir können dieses Delikt nicht vergessen. Aber jetzt frage ich: Warum sollen wir schweigen, wenn es 50 Millionen Abtreibungen in der Welt gibt? Ich nenne das den stillen Holocaust (Eu chamo isso de o holocausto silencioso)."

Scheinbar handelt es sich bei diesem Vergleich um eine Sprachregelung aus dem Vatikan. Denn er ist bei katholischen Würdenträgern sehr beliebt.

Das Mädchen sei nicht exkommuniziert worden. Er wisse nicht, ob sie sich einer Schuld bewusst sei. Dann solle sie bereuen und beichten, damit ihr vergeben werde.

"Veja" fragt: "Und wenn sie das Mädchen vor sich hätten, was würden sie ihm sagen?". Antwort: "Ich würde ihr sagen, was passiert ist, ist passiert. In Zukunft musst du im Sinne der Religion leben wie die andern Kinder deines Alters: In die Kirche gehen und den Katechismus lernen. Er wäre gut, wenn die Kinderchen (criancinhas) so wären wie früher, als sie noch keinen Verstand hatten, aber schon das Vaterunser (Pai-Nosso) und das Ave-Maria beten konnten.

"Und was würden sie ihrem Vergewaltiger sagen?". Antwort: "Ich würde versuchen, ihn zu bekehren. Ich würde ihn fragen, ob er seinen Fehler erkennt und ihn bereut. Ich würde ihm sagen, er solle um die Verzeihung durch Gott bitten und würde mit ihm ein Gebet sprechen."

"Veja" hatte zu Beginn darauhingewiesen, dass es hier um den Streit in katholischen Kirche geht, ob sie für eine "Doktrin der Liebe oder für Liebe zur Doktrin steht". Es sieht so aus wie wenn sich der Erzbischof für die juristische Seite entschieden hat. Hoffentlich ist wenigstens für seinen Gott Liebe nicht nur ein leeres Wort!

Informationsquelle: Veja, Não reclamem ao bispo

Freitag, 13. März 2009

Der Arzt und der Polizist und die Prügelei in der Praxis

Geschichten, die das Leben schreibt, diesmal aus Rumänien. Der Gemeindepolizist Marius Stănescu aus Piteşti geht mit seiner Ehefrau nach Bukarest ins Universitätskrankenhaus. Er schildert die darauf folgenden Geschehnisse der rumänischen Presse:

"Ich bin gegen 12 Uhr mit meiner Frau in die Praxis von Doktor Cristian Peteu gekommen. Bis 13 Uhr habe ich brav gewartet, obwohl Leute, die nach uns gekommen sind vor uns behandelt wurden. Schliesslich war ich genervt und habe die Sprechstundenhilfe gefragt, ob man hier eine Beschleunigungsgebühr (taxă de urgenţă) bezahlen müsse wie beim Passamt, damit endlich jemand am Schalter erscheint. Ich bin etwas lauter geworden, gebe ich zu, und habe den Doktor verlangt. Da war sie beleidigt und hat mich angebrüllt, ich solle mit meinem Weib (nevasta) abhauen, sie würde nicht behandelt. Sie müssen nämlich wissen, dass meine Frau schon mehrere Fehlgeburten hatte und die letzte hatte sie, nachdem der Doktor Peteu ihr einen Tanzkurs verschrieben hatte. Ich habe dann darauf bestanden, mit dem Doktor sprechen zu wollen und bin dann schliesslich im Zimmer des Stellvertreters gelandet. Nach kurzer Zeit ist dann der Doktor aufgetaucht und hat mich angemotzt: "Was machst Du hier, was will der Kerl? Wer bist du eigentlich, pass auf, ich häng dir ein Strafverfahren an" («Ce faceţi aici, ce vrea ăsta? Cine eşti tu, bă, că-ţi fac dosar penal»).
Dann hat er mich in einen Schrank gestossen und hat mit den Fäusten auf meinem Kopf gehauen. Nachdem er mich geschlagen hat, habe ich ihm gesagt, pass auf, das macht man nicht mit einem Polizisten. Darauf hat er geschrieen: "Komm raus, damit wir uns prügeln!"".

Seltsam nur, dass der Doktor nachher schwerverletzt war. Marius kann sich den Nasenbeinbruch und die Fraktur am Arm beim Arzt nicht erklären. "Kann sein, dass ich mich mit meinem getrübten Auge zu heftig gewehrt habe, aber den Arm im Gips, das kann ich mir nicht erklären", versucht Marius die Folgen zu analysieren und fügt noch hinzu, dass der Gips auch getürkt sein könne. Doktor Peteu mein dazu: "Ja natürlich, ich bin ein Masochist, ich hau mir den Kopf gegen die Wand und schlag mir die Nase auf den Tisch! („Eu sunt un masochist, mă dau cu capul de pereţi şi dau cu mâinile în masă)".

Das Täterprofil:
Marius Stănescu ist bekannt für seine "scharfe Hand und sein grosses Maul" („iute la mânie şi tare-n gură“). Er ist 1,60 gross, 58 kg schwer und 29 Jahre alt. Sein zierlicher Körper ist für ihn auch das Beweismittel, dass er dem Doktor nichts getan haben kann. Seit 2007 ist er Dorfpolizist in der Gemeinde Bradu bei Piteşti. Zuvor war er Taxifahrer (taximetrist), Bauarbeiter (muncitor în construcţii), Autohändler (dealer auto).

Bei den Kollegen ist er nicht besonders beliebt. Seine Neigung zu Streit und Prügeleien ist bekannt. Der Bürgermeister von Bradu meint: "Er ist aufmüpfig und es gibt ständig Reibereien zwischen den Vorgesetzten und ihm. Aber so etwas schlimmes wie jetzt hat er sich bisher nicht zu Schulden kommen lassen."

Der gemeine Bürger von Bradu hält ohnehin nichts von seinem Dorfpolizisten: "Das ist ein Aufschneider, tut sich furchtbar wichtig als Polizist und hat ein grosses Maul" („tupeist, cam plin de el că-i poliţist şi tare-n gură”).

Informationsquelle: Adevarul, Poliţistul „agresor de medici“ se dă lovit

Donnerstag, 12. März 2009

5.000 sitzen im Gefängnis und wissen nicht warum

Die Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro hatte eine Forschungsarbeit zum Zustand in den Gefängnissen in Auftrag gegeben und bekam ein schockierendes Resultat: 5.000 Personen sitzen in den Gefängnissen des Bundesstaates ohne zu wissen warum! Positiv ist, dass das Staatssekretariat für Gefängnisverwaltung die Arbeit in Auftrag gegeben hat, um endlich an eine grundlegende Überarbeitung des Systems des Strafvollzugs gehen zu können.

Der Präsident des obersten Bundesgericht (Supremo Tribunal Federal), Gilmar Mendes , und der Präsdient des Landesgerichts von Rio (Tribunal de Justiça do estado), Luis Zveiter, haben die Gelegenheit zu offiziellen Inspektionsbesuchen in den Gefängnissen benutzt. Dank ihres Einsatzes wurden bereits 200 Personen befreit.

Da die ersten Aktionen mit dem internationalen Weltfrauentag zusammenfielen, wurde besonders die Situation der Frauen in den Gefängnissen geprüft. Schwerpunkt waren schwangere Frauen und Frauen, die ihre Kinder noch stillten.

Ein begleitender Stadtverordneter stellte mit Erstaunen fest, dass die Situation der Gefangenen nicht einmal den Angestellten des Strafvollzugs bekannt war.

Bild: www.cinemaemcena.com.br
Informationsquelle: Jornal do Brasil, No Rio, cinco mil ainda estão na cadeia sem saber por quê

Siehe auch Blogbeitrag: Strafvollzug in Brasilien: Geisteskranker wird im Gefängnis vergessen

Mittwoch, 11. März 2009

Die Costa del Sol und die Deutschen

Zur Zeit findet die Internationale Tourismus-Messe in Berlin statt. Viele Regionen der Welt und insbesondere auch die europäischen Urlaubsländer sind vertreten.

Die Direktorin des "Patronato de Turismo" der Costa del Sol, Ana Gómez, berichtet mit sichtlichem Aufatmen von einer Verbesserung des Rufes der Costa del Sol bei den Deutschen. Bisher sollen die Deutschen diese Region eher mit Betrug und Kriminalität verbunden haben. In den Gesprächen mit den grossen deutschen Reiseveranstaltern in Berlin sei aber festgestellt haben, dass sich der Ruf der Costa del Sol wesentlich verbessert habe.

Dies würden alle Tourismusbehörden in Málaga mit Freude zur Kenntnis nehmen, denn im letzten Jahr sind circa 600.000 deutsche Touristen an die Costa del Sol gekommen. Dies bedeutet mehr als die Hälfte der Touristen, die insgesamt nach Andalusien gekommen sind. Der deutsche Tourist ist sehr beliebt, da man im vergangenen Jahr sehr gute Erfahrungen mit ihm gemacht hat. Der deutsche Markt ist nach dem skandinavischen der wichtigste Markt für die Costa del Sol.

Die deutschen Reiseveranstalter haben den andalusischen Tourismusverantwortlichen empfohlen, vor allem an der Küste auf den Sport-Tourismus zu setzen, insbesondere Segelsport, aber auch das Hinterland mit seiner Natur und Kultur bekannt zu machen. Málaga selbst könne man als Stadt von Picasso verkaufen und auch auf die soziolgischen, politischen und historischen Fakten, die Málaga mit den Deutschen verbindet, setzen.

Grosse Sorgen macht aber der Flughafen in Málaga. Die Flüge dorthin sind im Vergleich zu den Flügen zu den kanarischen Inseln in desaströser Weise zurückgegangen.

Informationsquelle: ADN.ES, La Costa del Sol desliga su imagen del fraude en Alemania, según el Patronato

Dienstag, 10. März 2009

Schottische Parkkontrolleure jetzt mit Videokamera und DNA-Kit

Auch die schottischen Strafzettel-Verteiler - in Schottland als "yellow peril" (gelbe Gefahr) bezeichnet - sind bei den Autofahrern äusserst unbeliebt. Sie werden wie anderswo in Europa gerne heftigst beschimpft oder auch schon einmal tätlich angegriffen.

Zum Schutz ihrer Parkkontrolleure (parking wardens) haben schottische Städte diese nun mit einer im Hut (head-mounted) eingebauten Video-Kamera ausgestattet. Das soll es leichter machen, rabiate Autofahrer zu identifizieren und strafrechtlich gegen sie vorzugehen. In Edinburgh wurden die sogenannten "Blue Meanies", die auf den Strassen patroullieren, mit DNA-Feststellungskits ausgestattet, nachdem mehrfach Parkkontrolleure von verärgerten Fahrern angespuckt wurden.

Die Parkkontrolleure sind sehr zufrieden mit der neuen Ausstattung. Sie loben insbesondere das Gefühl der grösseren Rechtssicherheit durch Vorlage von handfesten Beweisen. In der Regel würden Autofahrer vor Gericht ihr gewalttätiges Verhalten leugnen.

Die Interessenvertretungen der Autofahrer sind überwiegend mit der neuen Technik einverstanden. Nicht ganz, denn Bruce Young, schottischer Sprecher für die "Association of British Drivers", bemerkt: "Ich habe keine Probleme, dass die Parkkontrolleure mit Kameras ausgestattet werden. Aber naheliegender wäre es, diese Leute erst einmal zu mehr Freundlichkeit zu erziehen und in erster Linie damit Missbrauch einzuschränken."

Informationsquelle: The Scotsman, About to swear at the traffic warden? Think again … you're being watched

Montag, 9. März 2009

Neidhammel von der TAZ beleidigen Rumänien

Die Tageszeitung "TAZ" hatte bereits Ende Februar die in Rumänien gebauten Autos von Dacia unter dem Titel "Plastikgabel auf Rädern" als "schmucklos, veraltet, billig" bezeichnet. Und noch einen draufgesetzt: "Keine Carla Bruni räkelt sich zu Werbezwecken hier mit Gitarre auf dem Rücksitz. Zu ihm passt eher Cindy aus Marzahn. "

Diese unerhörte Beleidigung der rumänischen Autoindustrie hat jetzt die rumänischen Medien aufgeweckt. "Romania Libera" (RL) berichtet heute, dass die Tageszeitung auf ihrer Webseite den Dacia Logan als "fara podoabe, invechita, ieftina" heruntergemacht habe. Das ist die rumänische Übersetzung der beleidigenden Worte der TAZ. Der rumänische Leser wird noch weiter informiert, dass die TAZ der Meinung wäre, dass Dacia für die Mutter Renault nur der "verkrüppelte Verwandte aus dem Osten ("ruda ciunga din Est") wäre.

Rache ist süss: "Frustrare si realitate" (Frustration und Realität) schreibt RL und führt aus, dass der Erfolg des Dacia Logan, dessen Verkäufe in den letzten Monaten in Deutschland sich ausgeweitet haben, zu diesem Neid-Artikel der TAZ geführt habe. Die von der TAZ haben sich geärgert, dass das Auto, obwohl als Plastikgabel beschimpft, einen solchen überwältigenden Erfolg habe.

Nicht erwähnt wurde der letzte Absatz im Artikel der TAZ: "Denn am Ende bleibt der karge Dacia ein Auto, das jeden Fortschritt aus Kostengründen - und nicht aus ideologischen Erwägungen wie dem Umweltschutz - verweigert. Taugt er somit als Symbol unserer Zeit? Vielleicht für eine traurige, kurze Zeit. Mehr nicht."

Informationsquelle: Romania Libera, Dacia Logan, desfiintata de presa din Germania

Sonntag, 8. März 2009

Internationaler Frauentag - Dia Internacional da Mulher - Día Internacional de la Mujer in Südamerika

Diario de Pernambuco aus Recife (Brasilien) setzt die Schlagzeilen: "Frau, es ist an der Zeit zu lernen, nein zu sagen" (Mulher, está na hora de aprender a dizer "não"). Nein zum Ehemann oder Geliebten (namorado). Nein zu den Kindern. Nein zu den Eltern und Nein zur Gesellschaft. Ein guter Tag für Frauen, um darüber nachzudenken, warum sie immer "ja" zu den andern und "nein" zu sich selbst sagen.

Im südlichen Brasilien wird der Tag nicht mit einer Schlagzeile versehen. Das "Jornal do Brasil" aus
Rio berichtet, dass die Frauen sogar in der derzeitigen Wirtschaftskrise Energie und Zuversicht bei der Feier ihres Tages zeigen.

La Nación (
Buenos Aires) hat nichts anderes im Sinn als den Leserinnen Entspannungs- und Einkaufstipps für ihren Tag zu geben. Ein wütender Kommentar einer Leserin spricht Bände: Wie bitte??! Das versteh ich nicht! In diesem Jahr habt ihr einen Shopping-Tag daraus gemacht? Ins Hyatt-Hotel, um die Rechte aller zu feiern? Kann man sich Arbeiterinnen in der abgebrannten Fabrik vorstellen, die nach Spas fragen?" (Còmo?? ! NO entiendo! Este año ya lo volvieron un día comercial? el hyatt para festejar los derechos de todas?! Waht? Se imaginan a las obreras en la fàbrica incendiada pidiendo spas?).

Da ist "El Heraldo" aus
Concordia (Provinze Entre Rios / Argentinien) schon konkreter. Er verweist auf Bericht von Amnesty International über die immer noch weltweit und auch in Argentinien ausgeübte Gewalt gegen Frauen.

CNN
Chile berichtet über eine Veranstaltung zum Tag der Frau im Frauengefängnis von Iquique. Es soll erinnert werden wie schwierig für diese Frauen die Trennung von Familie und Kindern ist.

In der ecuadorianischen Stadt
Portoviejo, die Stadt der Tamarinden-Plantagen, feiert man sich selbst und "herausragende Damen" (damas destacadas) aus verschiedenen Bereichen. Es muss sich um Damen aus Portoviejo handeln, denn deren Ehrung wird durch den Leiter des lokalen Kulturhauses vorgenommen. Für alle, die es aber noch nicht begriffen haben führt die Zeitung "El Diario" aus, dass man an diesem Tag sich des Kampfes der Frau für Beteiligung und Gleichberechtigung mit dem Mann erinnert.

"Radio Nacional de
Venezuela" stellt richtig: Dies ist kein Tag um Schönheit zu proklamieren! (no es una dia para proclamar belleza). Seit 2001 nimmt der Präsident der bolivarischen Republik von Venezuela (el Presidente de la República Bolivariana de Venezuela), Hugo Rafael Chávez Frías, an der Feier des Tages teil. Dies unterstreiche nachhaltig die Bedeutung des Tages.

In
Uruguay wird nicht nur geredet, sondern gehandelt. Das uruguayische Gesundheitsministerum hat aus Anlass dieses Tages einen Kampagne für eine selbstbestimmte Sexualität gestartet, die die Verteilung von 98.000 Spiralen (dispositivos intrauterinos - Intrauterinpessar) vorsieht.

Samstag, 7. März 2009

Brüssel lernt die Katalanen kennen

10.000 Menschen - nach Angaben der Organisatoren - 3.000 nach Angaben der belgischen Polizei haben heute in Brüssel für das Selbstbestimmungsrecht (katalanisch: l'autodeterminació) der Katalanen bzw. die Unabhängigkeit Kataloniens demonstriert. Der Marsch wurde von der Bürgerplattform "Deu mil a Brussel.les per l'autodeterminació de la nació catalana" (10.000 nach Brüssel für die Selbstbestimmung der katalanischen Nation) organisiert. Der Protestmarsch hatte das Ziel, dass 10.000 Katalanen in der Hauptstadt der Union ihre Forderung nach Unabhängigkeit geltend machen.

Der Marsch begann heute morgen um 9 Uhr. Die Demonstranten schwenkten die Fahnen Kataloniens, aber auch die anderer europäischen Regionen ohne eigenen Staat wie Flandern und das Baskenland. "Volem l'Estat propi!" (wir wollen einen eigenen Staat) und "We want a Catalan state" war das Motto. An Rufen war zu hören: "español quien no vote" (spanisch wer nicht wählt), "Catalonia is not Spain", "independence for Catalonia" und es wurde die Hymne Kataloniens, 'Els Segadors', gesungen. Die Demonstration verlief aber friedlich und hatte fast Volksfestcharakter.

Der Initiator der Bewegung, der Professor der Universität von Barcelona, Enric Canela, war mit der Demonstration zufrieden: "Wir sind hier um unser Recht auf Selbstbestimmung auszuüben, damit uns die ganze Welt hört". Da war der Kandidat der Partei ERC (Esquerra Republicana) für die Wahlen zum Europaparlament schon ein bisschen deutlicher: "Das Einzige, was wir machen wollen ist das, was bereits Millionen Europäer gemacht haben. Es ist unerlässlich, dass Europa den Prozess der Selbstbestimmung von so vielen Völkern voranbringt und nicht allein die von Katalonien".

Informationsquellen: La Vanguardia, Miles de personas se manifiestan en Bruselas por la independencia catalana ; Avui, Milers de catalans marxen a Brussel·les per l'autodeterminació

Freitag, 6. März 2009

Rumänien: Kampf gegen die Korruption wird verstärkt

Im Hinblick auf die beginnende Kampagne für die Wahlen zum Europaparlament und die ebenfalls bevorstehenden rumänischen Präsidentschaftswahlen hat das "Nationale Direktorat gegen Korruption" (Direcţia Naţională Anticorupţie - DNA) den Kampf gegen die Korruption verstärkt. Die DNA wurde 2002 auf der Grundlage der Strassburger Konvention über Korruption, die Rumänien 1999 unterzeichnet hat, gegründet.

Die Zahl der ehemaligen Regierungsmitglieder gegen die Verfahren wegen Korruption eröffnet wurden, wird grösser. Zur Zeit laufen Verfahren gegen den ehemaligen Premierminister (2000-2004) Adrian Nastase und dem ehemaligen Tansportminister (2000-2004) Miron Mitrea. Beide sind Politiker der PSD (sozialdemokratischen Partei). Mitrea wird die Entgegennahme von Bestechungsgeldern (luare de mita) und Urkundenfälschung im Zusammenhang mit Bestechung vorgeworfen. Die frühere stellvertretende Chefinspektorin für staatliche Baumassnahmen, Irina Jianu, soll aus Staatsmitteln das Wohnhaus seiner Mutter in Bukarest renoviert haben. Mitrea streitet alle Vorwürfe ab, für ihn ist alles eine politische Verschwörung gegen ihn.

Ein weiterer Kandidat für Strafverfolgung ist der Senator Serban Mihailescu, ebenfalls der PSD angehörend. Der Senat muss nächste Woche entscheiden, ob seine Immunität aufgehoben wird.

Informationsquelle: Ziare.ro, DNA relanseaza campania anticoruptie. Miron Mitrea a fost trimis in judecata

Donnerstag, 5. März 2009

Chaos-Krankenhaus am Amazonas

Das Erste-Hilfe-Stadtkrankenhaus in Belém do Pará (Pronto Socorro Municipal - PSM) steht im Brennpunkt der Kritik der lokalen Medien. Jetzt haben sogar Stadtverordnete einen Lokaltermin im Krankenhaus für erforderlich gehalten und sie konnten ein Krankenhaus erleben, für das das Wort "Chaos" noch eine Untertreibung sein soll. Der lokalen Presse wurde von der Krankenhausverwaltung eine Begleitung der Stadtverordneten untersagt.

Die Stadtverordneten gingen durch das Krankenhaus, hörten sich die Reklamationen und Beschwerden der Kranken und des Pflegepersonals an. Gleichzeitig erlebten sie noch eine schockierende Szene als ein Krankenwagen einen Mann anlieferte, in dem ein Krankenpfleger verzweifelt versuchte, diesen durch eine Herzmassage (massagem cardíaca) wieder zu beleben. Niemand aus dem Krankenhaus eilte ihm zu Hilfe. Der Mann, der ein Insektengift namens "chumbinho" geschluckt hatte, starb vor den Augen der Stadtverordneten.

Die Liste der Vorwürfe an das PSM ist lang: Es gibt weder einen funtkionierenden Tomographen, noch ein Negatoskop (ein Gerät, das zur Augenuntersuchung benötigt wird). Ein Teil der Ärzte ist seit letztem September nicht mehr bezahlt worden, Krankenräume - so insbesondere die Kinderabteilung - mit Wassereinbruch und totale Überfüllung der Räume. Die Kranken liegen auf zerschlissenen Matratzen. Das Krankenhausessen soll meistens kalt und oft auch verdorben sein. Nach Auskunft eines Krankenpflegers fehlte letzte Woche sogar Faden um Wunden zu nähen. Die Krankenhausleitung versuchte die schlimmsten Zustände für den Besuch zu vertuschen und liess alle Krankenbahren, auf denen die Kranken im Eingangsbereich lagen in einen anderen Raum bringen, bis keiner mehr reinging.

Der Generaldirektor des Krankenhauses wiegelte auf diese Misstände angesprochen ab. Selbstverständlich würden die Ärzte bis spätestens 15. März ihre ausstehende Bezahlung erhalten. Leider wäre einige Geräte defekt. Das Essen wäre in der Tat meistens kalt, aber es müsse leider von weither ins Krankenhaus gebracht werden und dann sei es natürlich nicht immer frisch.

Eine Ärztin (médica) fleht die Stadtverordneten an: "Leute macht etwas, ihr Politiker, wir sind am sterben zusammen mit unseren Patienten. Wir müssen Hilfe in anderen Krankenhäusern suchen (“Gente, façam alguma coisa, vocês políticos, pois nós estamos morrendo com nossos pacientes. Temos que pedir remédio em outros hospitais”).

Die zuständigen Behörden sind eingeschaltet. An Geld soll es nicht fehlen. Das zuständige "Bundesministerium für Öffentlichkeit" (Ministério Público Federal (MPF)) hat jetzt drastische Aktionen gegen die Misswirtschaft der Leitung des Krankenhauses angedroht. Die Zustände werden morgen Gegenstand einer Dringlichkeitssitzung im Stadtparlament von Belém sein.

Informationsquelle: Diario do Pará, Sem atendimento, homem morre na porta do PSM

Mittwoch, 4. März 2009

Brücke von Rio nach Niteroi feiert 35-jähriges Jubiläum

Die Autobahnbrücke "Presidente Costa e Silva", im Voksmund "Ponte Rio-Niterói" genannt, verbindet über die Guanabara Rio de Janeiro mit der Stadt Niterói im Norden der Bucht. Heute wird die Brücke 35 Jahre alt. Am 4. März 1974 überquerte der Rolls Royce die Brücke mit dem brasilianischen Präsidenten Emilio Garrastazu Médici und weihte damit die Brücke für die Öffentlichkeit ein.

Sie ist die grösste Brücke Brasiliens und siebtgrösste der Welt. Der Brückenbau wurde finanziert von Grossbritannien. In Anwesenheit von Königin Elizabeth II. wurde 1968 der Grundstein gelegt. Die Bauzeit betrug 5 Jahre. Über sie führt die grosse Nord-Südstrasse Brasiliens, die BR 101.

Die Betreiber-Gesellschaft gab aus Anlass des Jubiläums einige interessante statistische Daten bekannt:
  • Vom 4. März 1974 bis heute haben 1.263.570.000 Fahrzeuge die Brücke überquert.
  • In diesen Fahrzeugen wurden 3.159.000.000 Personen in 35 Jahren über die Brücke tansportiert.
  • Würde man alle Fahrzeuge aneinanderreihen könnten man damit die Erde 110 mal umrunden.
Informationsquelle: Jornal do Brasil, Ponte Rio-Niterói completa 35 anos nesta quarta-feira, CCR Ponte, Aniversário da Ponte Rio - Niterói

Dienstag, 3. März 2009

Geheimnisvoller Atomtransport

Greenpeace Frankreich geht auf die Barrikaden: Der Atom-Konzern AREVA bereitet unter strengster Geheimhaltung einen gefährlichen Atomtransport vor. Es handelt sich um 1,8 Tonnen von MOX-Elementen, die aus einer Mischung von Plutonium und Uranium bestehen. Von der Wiederaufarbeitunsanlage La Hague sollen die Elemente heute Nacht über eine Strecke von 20 km bis Donnerstag nach Cherbourg gebracht werden. Dort werden sie in die Schiffe "Pacific Pintail" et "Pacific Heron" der Gesellschaft "Pacific Nuclear Transport limited" umgeladen und nach Japan transportiert. Die Fahrtroute soll um das Kap der guten Hoffnung und durch die tasmanische See führen.

"Während 2 Monaten wird spaltbares Material (matière fissile), ausreichend um 225 Nuklearbomben zu bauen, die Hälfte unseres Planeten durchqueren. Dabei werden Hoheitsgewässer (eaux territoriales) von Staaten, die über den Tansport nicht informiert wurden, durchquert. Wir weisen hiermit auf diesen sehr gefährlichen Transport hin und auf die Geheimnistuerei, die von den französischen Verantwortlichen von EDF und AREVA betrieben wird." Dies erklärte Yannick Rousselet von Greenpeace France.

Die Anti-Atom-Bewegung hat über die britische Anti-Atom-Organisation CORE (Cumbrians Opposed to a Radioactive Environment) erfahren, dass es sich bei ´Pacific Heron´ und ´Pacific Pintail´ um britische Frachter handelt. Beide Schiffe haben bewaffnete Sicherheitskräfte der UK´s Civil Nuclear Constabulary an Bord und sind mit 20mm Geschützen ausgerüstet, um sich auf der nonstop Reise von Frankreich nach Japan gegenseitig Geleitschutz geben zu können. Abhängig von dem genommenen Seeweg wird der Transport ca. 20000 km fahren.

Nach Aussage von Greenpeace am 27.02.09 ist dies der erste MOX-Transport nach Japan seit acht Jahren. Dabei handelt es sich um den größten Seetransport von Plutonium in der Geschichte.

Informationsquelle: Greenpeace France, Transport de Mox : Areva persiste à mentir, Greenpeace annonce les dates du convoi
Anti-Atom-Nachrichten: MOX-Transport nach Japan hat begonnen

Montag, 2. März 2009

Statt Grünzonen Müllzonen

Bukarest ist die Stadt der Höhen und Tiefen. Geld für die neuesten und luxuriösesten Automodelle ist vorhanden, Villenviertel schiessen überall an der Peripherie der Stadt aus dem Boden. Nur ein Problem ist nicht im Griff: Der Müll (gunoi). Bukarest's Satellitengürtel besteht aus wilden Müllhalden zum Teil der übelsten Sorte.

Auf dem Weg zur rumänischen Autostrada Soarelui (Autobahn der Sonne), die das südöstliche Bukarest mit dem Schwarzen Meer verbindet, findet man die schlimmsten Müllkippen. Bei der Auffahrt zur Autobahn fährt man an riesigen Haufen von Tierknochen, die von Unmengen von Hunden und Krähen belagert werden, vorbei. Rippen, Schädel, Hörner liegen auf den Feldern. Ein seitlicher Weg der Ringstrasse ist gepflastert von Knochenabfällen einer naheliegenden Schlachterei (abator). Die verwüstete Landschaft wird ergänzt durch einige alte Matratzen und Säcke mit Bauschutt.

Im nordwestlichen Bukarest, im Stadtteil (mahalaua) Giuleşti-Sârbi, ärgern sich die Leute, wenn sie im Staub der Müll-Wolken aus dem Haus gehen müssen. Auf dem Weg zur Strasse müssen sie ich mit Stöcken gegen Hunde wehren, die um auf die Strasse geworfene Kadaver und Fleischreste kämpfen. Bei Regen wird der ganze Müll in ihre Höfe geschwemmt. Der ganze Stadtteil ist von wilden Müllkippen umgeben. Jeeps fahren vor, die Insassen schmeissen prallgefüllte Müllsäcke an den Strassenrand.

Zwischen den Müllhalden entstehen neue Villenviertel noch eingerahmt von Bergen mit Bauschutt (moloz).

Müll verursachen ist leicht, aber ihn los werden ist eine andere Angelegenheit. Die EU versucht schon seit Jahren mit Zuschüssen kontrollierte ökologisch akzeptable Mülldeponien in Rumänien zu fördern. Die westliche Industrie und der Handel waren ganz wild darauf, die Wohlstandgüter in den Osten zu verkaufen. Wie man aber den Wohlstandsmüll wieder los wird, daran hatte man nur ein geringes Interesse. Eine lasche Einstellung zur Umwelt und eine teilweise ineffiziente und korruptionsverdächtige Stadtverwaltung geben wenig Hoffnung, dass das Problem bald gelöst ist.

"Die Herren von der Stadtverwaltung tun nichts. Sie wissen nur wie man Stimmen kauft, so wie es bei den letzten Wahlen passiert ist, aber danach vergessen sie uns in unserem Elend" kommentiert der Bürger Mihai Pavel von Bragadiru.

Ein Artikel der Zeitung "Adevarul" hat mir unter dem Titel "Drumul oaselor" (Strasse der Knochen) die nötigen Informationen zum Müllproblem in Bukarest geliefert. Der Artikel enthält lebhaftes Anschauungsmaterial in Form von Fotos der wilden Müllkippen. Sie können unter dem vorstehenden Link (Drumul oaselor) erreicht werden.

Sonntag, 1. März 2009

RBS Pleitebanker Fred Goodwin soll entadelt werden

Der schottische Parlamentsabgeordnete Jim Sheridan, Labour, fordert dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Royal Bank of Scotland (RBS), Sir Fred Goodwin, den Ritter-Titel "Sir" wieder abzuerkennen. 2004 war Goodwin wegen seiner Verdienste um das Bankenwesen von der Königin geadelt worden. Die RBS konnte vor kurzem nur noch mit massiver Staatshilfe vor der Pleite gerettet werden. Der früher gefeierte Banker wurde für den tiefen Fall der Bank haftbar gemacht.

Vor kurzem wurde bekannt, dass Sir Goodwin mit einer zugesicherten Jahrespension von £693,000 (781.000 Euro) die RBS im letzten Monat verlassen hat. Die Pension steht ihm ab sofort zu. Diese Pension wurde im letzten Oktober vom Aufsichtsrat der RBS auf diese Höhe verdoppelt, für den Fall, dass Goodwin früher aus der Bank ausscheiden sollte. Die Verdoppelung erfolgte mit der Begründung, dass der 50-Jährige wegen Ausscheidens vor dem Pensionsalter (60 Jahre) zuviele Nachteile gehabt hätte.

Seither schlagen die Wellen in Grossbritannien hoch. Premierminister Brown will alle Hebel in Bewegung setzen, um diese Pension zu kürzen.

Sir Goodwin ist aber nicht einsichtig, er ist der Ansicht, dass er in einer "grossartigen Geste" bereits auf eine umfangreiche, ihm zustehende Abfindung verzichtet habe.

Informationsquelle: BBC, Stand-off over Sir Fred's pension; The Guardian, Angry Brown will recoup some of Goodwin's pension if law allows; Wikipedia, Fred Goodwin