Samstag, 31. Januar 2009

Habsburger wollen Dracula-Schloss zurückhaben

Schloss Bran in den rumänischen Karpaten in der Nähe von Brasov / Kronstadt gelegen, ist die Touristenattraktion Rumäniens schlechthin. Es wird den Touristen als "Dracula"-Schloss angepriesen und gehört mit zu den am stärksten besuchten Touristen-Attraktionen Rumäniens.

2006 wurde das Schloss im Rahmen eines Restitutionsverfahrens an die ehemaligen Eigentümer, das Geschlecht der Habsburger, zurückgegeben. Nur waren wohl die Details dieser Rückgabe noch nicht so genau festgelegt. Deshalb trifft sich heute die rumänische Tourismus-Ministerin Elena Udrea mit Dominic von Habsburg um eine einvernehmliche Lösung über die Art und Umfang der Rückgabe zu besprechen.

Die Habsburger haben dem rumänischen Staat 3 mögliche Lösungen für die Zukunft von Bran vorgeschlagen: Eine Partnerschaft zwischen dem rumänischen Staat und der Familie der Habsburger, der Erwerb des Schlosses durch den rumänischen Staat oder Umwidmung des Schlosses in ein Museum. Letztere Lösung möchten die rumänischen Behörden gerne vermeiden.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Elena Udrea discută astăzi soarta Branului

Freitag, 30. Januar 2009

Brasilien: Hinrichtung eines Rechtsanwaltes

Am 24. Januar wurde in Acaú, einem Ort in der Gemeinde Pitimbu, der Rechtsanwalt und Vizepräsident der PT von Pernambuco (Partido dos Trabalhadores - Arbeiterpartei, die Regierungspartei in Brasilien), Manoel Mattos, 40 Jahre alt, ermordet. Er wurde am Strand von Pitimbu, wo er ein Ferienhaus hatte, von zwei vermummten Männern erschossen. Die Szene wird auch als "Hinrichtung" (execução) beschrieben.

Die Rechtsanwaltskammer von Pernambuco (Ordem dos Advogados do Brasil em Pernambuco) vermutet, dass Mattos wegen seines Einsatzes für die Menschenrechte und Kampf gegen die Todeskommandos umgebracht wurde. In einem Prozess im Jahre 2004 hat er detailliert die Tätigkeit von Todeskommando im Grenzbereich zwischen den Bundesstaaten Paraiba und Pernambuco beschrieben. Danach bekam er für ein Jahr Polizeischutz. Seine Anwaltskollegen berichteten, dass er ständig Morddrohungen (ameaças de morte) erhielt.

Die Polizei hat heute mitgeteilt, dass sie den Militärpolizisten Flávio Inácio Pereira, 48 Jahre alt, als vermutlichen Täter festgenommen hat. Für die Polizei besteht kein Zweifel, dass dieser der Autor des Verbrechens ist. Als Motiv wird Rache (vingança) angenommen. Der Getötete hatte als Zeuge der Anklage in einem Prozess im Jahre 2000 gegen den Militärpolizisten ausgesagt. Dieser wurde daraufhin zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Als weiterer Mittäter wurde der Händler José Nilson Borges, 23 Jahre alt, verhaftet. Er soll dem Täter die Waffe besorgt haben.

Laut Polizei gibt es zur Zeit keine Anhaltspunkte, dass Todeskommandos in die Tat mitverwickelt sind. Es soll allein ein Racheakt des Militärpolizisten wegen seiner Verurteilung sein. Die Untersuchungen würden aber mit Nachdruck weitergeführt.

Menschenrechtsorganisationen bezweifeln, dass es keine Verbindung zu den Todeskommandos gibt. Der Tot von Mattos wird als harter Schlag für die Menschenrechtsaktivisten in Pernambuco beschrieben.

Informationsquellen: Blog PEBodycount Uma morte mais que anunciada, O Norte online Delegado diz que morte de Manoel Mattos foi motivada por vingança, JusBrasil Vice-presidente do PT de Pernambuco é assassinado por homens encapuzados
Bild: http://www.pebodycount.com; Manoel Mattos

Donnerstag, 29. Januar 2009

Wer streikt in Frankreich und warum

"Libération" macht sich die Mühe für die nötige Übersicht zu sorgen, wer zur Zeit in Frankreich streikt und warum.

Der Bereich
Erziehung (Education): Der ganze Lehrkörper von der Grundschule bis zu den Forschungsinstituten ist für morgen zum Streik aufgerufen. Dazu kommen noch Eltern und die Schüler und Studenten. Gestreikt wird gegen Arbeitsplatzabbau und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Es wird aber auch gegen spezielle Reformen wie die Reform Darcos (les réformes Darcos), der den Grundschul- und Sekundarbereich betrifft protestiert.

Gesundheitswesen (Santé): Es wird gestreikt wegen Fehlen von Personal und Mittel. Auch für Gehaltsverbesserungen. Zudem erregt der Gesetzentwurf (projet de loi) «Hôpital, patients, santé, territoires» (Krankenhaus, Patienten, Gesundheit, Regionen) jetzt schon die Gemüter.

Justiz (Justice): Die Richter- und die Anwaltgewerkschaft wollen gegen die Demontage des öffentlichen Justizdienstes protestieren.

Die
Arbeitsverwaltung (Service public de l'emploi): Hier wollen die Gewerkschaften für eine Garantie der Mittelzusage für die Arbeitsverwaltung streiken und auch dagegen protestieren, dass die Sachbearbeiter in der Arbeitsverwaltung als Hilfspolizisten fungieren sollen.

Die
Post (La Poste): Die Beschäftigten wollen gegen die Privatisierungsbemühungen der Regierung protestieren.

Der
Energiesektor (Secteur de l'énergie): Die Beschäftigten streiken für Gehaltserhöhungen. Nur im Südwesten wird wegen der Sturmschäden gearbeitet.

Die Beschäftigten bei
France Telecom wollen mit ihrem Streik gegen den Arbeitsplatzabbau protestieren.

Öffentliche
Medien (Audiovisuel public): 11 Gewerkschaften haben hier zum Streik aufgerufen. Gestreikt werden soll gegen den Plan bei Radio France International Arbeitsplätze abzubauen.

Die Bewegung der
Arbeitslosen hat zur Teilnahme an den Protestveranstaltungen aufgerufen. Ihre Mitglieder sollen sich gegen Verschärfung der Bedinungen des Arbeitlosengeldes und die Mini-Jobs (le travail en miettes).

Die demokratische Gemeinschaft der
Behinderten (Collectif des Démocrates Handicapés) wird dagegen protestieren, dass bei Reformmassnahmen die Interessen der Behinderten nur unzulänglich berücksichtigt werden.

Die
Liga für Menschenrechte (La Ligue des droits de l’homme (LDH)) ruft zum Streik gegen Arbeitsplatz-, Sozialabbau und für den öffentlichen Dienst auf.

Die
Bahnarbeiter streiken für Gehalts- und Pensionserhöhungen.

Dem schliessen sich die Beschäftigten auf den
Flughäfen an. 6 Gewerkschaften haben einen Streik für heute angekündigt.

Auch die Beschäftigten der
Autobahnverwaltung (personnel des autoroutes) streiken für Arbeitsplatzerhalt, Gehaltserhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen.

Die
Bankbeschäftigten werden gegen Arbeitsplatzabbau streiken ebenso die Beschäftigten an der Börse.

Dem schliessen sich die Beschäftigten der
Museen und Schlösser (musées et chateaux) an. Das Schloss von Versailles bleibt heute geschlossen. In den Theatern werden einige Veranstaltungen ausfallen.

Auch die Gewerkschaften der Direktion der
Schiffswerften wollen an den Protesten teilnehmen.

Informationsquelle: Libération, Qui fait grève (et pourquoi) ?

Mittwoch, 28. Januar 2009

Sturm gegen Sozialkunde-Unterricht gescheitert

Die spanische Regierung hat 2006 mit dem Rahmengesetz zur Erziehung (Ley Orgánica de Educación) das Fach "Sozialkunde"(Educación para la Ciudadanía), man kann es auch Ethikunterricht nennen, eingeführt.

Ziel diese Fachs soll es sein " die Entwicklung freier und ganzheitlicher Personen durch die Festigung des Selbstwertgefühles, der persönlichen Würde und des Verantwortungsgefühl zu fördern sowie zukünftige Bürger mit eigener Urteilskraft zu schaffen. Bürger, die sich respektvoll, teilnehmend (participativos) und solidarisch (solidarios) zeigen und die ihre Rechte kennen, ihre Pflichte übernehmen und zivile Umgangsformen entwickeln". So steht es im oben zitierten Gesetz (Real Decreto 1631/2006).

Der spanischen Rechten war das wieder einmal zuviel. Arm in Arm mit der katholischen Kirchen wurde das Fach bekämpft. Man wollte dem Staat nicht die moralische Erziehung der Kinder anvertrauen. Die katholische Kirche war vor allem empört, dass ihre Werte in diesem Unterricht keinen Alleinvertretungsanspruch mehr hatten, sondern auch über alternative Lebensformen ausserhalb der traditionellen Familie unterrichtet werden sollte.

Aus diesen Kreisen hatten nun Eltern geklagt. Sie wollten das Recht haben "aus Gewissensgründen" (objeción de conciencia) ihre Kinder von diesem Fach dispensieren zu lassen. Heute hat nun der Oberste spanische Gerichtshof (Tribunal Supremo) über diese Klage entschieden. Mit 22 zu 7 Stimmen hat er ein solches Recht abgelehnt. Das Gericht ist der Ansicht, dass der Inhalt des Faches die Rechte der Eltern (los derechos de los padres) nicht verletzt.

Informationsquelle: La Vanguardia, El Supremo rechaza el derecho a objetar contra Educación para la Ciudadanía

Dienstag, 27. Januar 2009

Das Weltsozialforum hat begonnen

Die Tagung des Weltsozialforums hat heute im Belém do Para mit einer Demonstration begonnen. Bei strömenden Regen nehmen nach Schätzungen der Veranstalter etwa 100.000 Personen am Marsch teil.

Ausgangspunkt war der Hafen, wo die indianischen Völker (os povos indígenas) von den afrikanischen Völkern (povos da África) mit typischen afrikanischen Produkten empfangen wurden. Zusammen werden sie mit diesen Produkten ein gemeinsames Abendessen veranstalten. Die Zeremonie soll auch das Willkommen der Amazonas-Völker an die afrikanischen Völker ausdrücken. Der Marsch, der zur Zeit läuft, wird auf der praça do Operário (Arbeiterplatz) mit kulturellen Veranstaltungen zu Ende gehen.

Beim Marsch präsentieren die verschiedenen teilnehmenden Gruppierungen ihre Symbole und Fahnen. Man vermutet, dass eine Gruppe mit der Flagge Palästinas den Schluss bilden wird.

Informationsquelle: Diário do Pará, Marcha marca abertura oficial do FSM

Montag, 26. Januar 2009

Belém bereit für Weltsozialforum

Das Weltsozialforum (Fórum Social Mundial - World Social Forum) bringt der Stadt an der Amazonasmündung gesteigerte Aufmerksamkeit.

Das Weltsozialforum ist das Gegenstück zum Weltwirtschaftsforum, das in der Regel Ende Januar in Davos, in der Schweiz stattfindet. Während das Weltwirtschaftsforum etwas für die Mächtigen dieser Erde ist, sei es nun aus der Politik oder der Wirtschaft, vertritt das Weltsozialforum die Benachteiligten, sei es nun Entwicklungsländer oder die Sozialbewegungen weltweit.

Morgen beginnt die Veranstaltung in Belém, sie dauert bis 1. Februar. Neben den im Mittelpunkt stehenden Diskussionen zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Themen wird es auch ein kulturelles Begleitprogramm geben. Den überwiegenden Teil des Kulturprogramms bestreiten brasilianische Gruppen, aber auch Kulturschaffende aus Venezuela, Kolumbien, Indien und den USA werden erwartet. Die Veranstaltungen werden zum überwiegenden Teil auf dem Gelände der Bundesuniversität von Pará (Universidade Federal do Pará (UFPA)) und der Bundesuniversität von Amazônia (Universidade Federal da Amazônia (UFRA)) stattfinden.

Die Teilnehmer werden nicht nur in Hotels unterkommen. Es werden auch viele Familienunterkünfte angeboten.

Zur Einstimmung in die Thematik wird Chico Whitaker, einer der Gründer des Weltsozialforums zitiert: “In Davos wird man ein Gefühl der Niederlage haben, denn die, die dort versammelt sind, sind die Schuldigen für die Finanzsituation, die die Welt derzeit erlebt. Sie werden sich jetzt fragen, was sie machen sollen. Wir hatten Recht, als wir 2001 sagten, dass eine andere Welt möglich ist (um outro mundo é possível)."

Informationsquelle: Diário do Pará, Especial forum social mundial

Sonntag, 25. Januar 2009

Faule Ausreden beim Alkoholtest

Dragoş BOŢA, Journalist der rumänischen Zeitung "Gândul" hat die Polizei von Timişoara / Temesvar am frühen Morgen des gestrigen Samstag, bei Alkoholkontrollen auf der Strasse begleitet. Er hat dabei erfahren wie phantasiereich seine Landsleute sein können, um drohenden Strafen wegen Alkohol im Blut entkommen zu können.

Ein angehender Notar, im BMW X5 unterwegs, bekam bei der Kontrolle Atemschwierigkeiten. Seine erste Erklärung war, er wisse nicht wie er blasen müsse („Nu ştiu cum se suflă"). Geduldig erklärte ihm daraufhin der Polizeibeamte: "Ziehen sie Luft in ihre Brust ein und blasen sie kontinuierlich bis sie das Tonsignal hören („trageţi aer în piept şi suflaţi continuu până auziţi semnalul sonor”). Er sagte dann, dass er nicht blasen könne, wenn der Journalist die Kamera auf ihn richte und seine Begleiter im Auto pöbelten "was will der Zeitungsmensch hier". Er zappelte in seinem Auto rum, in der Hoffnung, um den Test rum zu kommen. Nach 10 Minuten gelang es ihm endlich genügend Luft zu sammeln, um den Test hinzubekommen. Resultat: positiv, 0,36 Alkoholgehalt, Führerschein beschlagnahmt.

An einer anderen Stelle der Stadt: Ein Audi Q7 - in der rumänischen Provinz gibt man sich scheinbar nicht mit Kleinwagen zufrieden - zugelassen in den USA. Wie es sich herausstellte war der Fahrer ein in den USA lebender Rumäne. Das verführte ihn dazu, sich grosskotzig zugeben: "Ich bin amerikanischer Staatsbürger. Respektiert das als meine Privatangelegenheit ("Respectaţi-mi privacy"). Dann machte er vor dem Polizisten das Fenster zu. Das gab ein "Skandal" und kurz bevor die bewaffnete Sondereinheit der Polizei zur Tat schreiten wollte, hatte er sich dann doch herabgelassen, in das Röhrchen zu blasen. Resultat: Kein Alkohol. Warum dann das Theater?

Erwischt wurde auch das Töchterchen des Direktors von Romtelecom im Kreis Timis. Diesmal mit Alkohol im Blut. Ihre Ausrede: Sie habe nur soviel Alkohol im Blut, weil sie heute noch nichts gegessen, aber stattdessen ein Bier getrunken habe ("e atât de mare pentru că nu am mâncat nimic astăzi şi am băut o bere"). Die Ausrede scheint ihr nicht geholfen zu haben.

Informationsquelle: Gândul, Un proaspăt notar a avut 13 tentative de suflat în etilotest până să i se stabilească alcoolemia de 0,34

Bildquelle: TÜV Rheinland, www. tuv.com

Samstag, 24. Januar 2009

Bloggen für die Bilateralen

Die Schweiz tut sich schwer. Es fällt ihr schwer, aus dem Schneckenhaus herauszukommen. Verständlich, wenn man die Geschichte des letzten Jahrhunderts betrachtet. Glück und eine Politik der Neutralität haben der Schweiz zu einem Insel-Dasein in Europa verholfen, mit dem sie bestens leben konnte . Deshalb gehörte die Schweiz nicht zur europäischen Avantgarde, obwohl sie auf Grund ihrer funktionierenden Vielsprachigkeit alle Voraussetzungen dazu gehabt hätte. Das Gewürge um den UNO-Beitritt der Schweiz, der erst im Jahre 2002 erfolgte, war schon symptomatisch für die Taktik des "Sich-Verkriechens". Weil das Insel-Dasein so schön war, wollte es man noch in die nächsten Jahrhunderte retten.

So ist auch die Europäische Union garantiert ohne Beteiligung der Schweiz zustande gekommen. Es ist erstaunlich wie wenig Zuspruch und Anteilnahme das Projekt Europa in der Schweiz fand. Und das, obwohl sie von dem friedlichen Umfeld um sie herum erheblich profitiert. Das Fehlen der alten Feinde an der Grenze führt ja inzwischen dazu, dass die schweizer Armee in ihrer bisherigen Form in grossem Masse in Frage gestellt wird.

Da man von Anfang an nicht dabei war - es war schon einmal ein Wunder, dass das Volk den Eintritt in den zahnlosen Europarat genehmigte - musste man hinterher hinken. Die letzte Chance wurde vertan, als in einer Volksabstimmung 1992 der Beitritt zum europäischen Wirtschaftsraum abgelehnt wurde. Dies hätte noch einmal die Chance gebracht, ohne grosse Aufwand eine Teilintegration in den Europäischen Wirtschaftsraum zu bekommen ohne die politische Eigenständigkeit mit Brüssel teilen zu müssen. Das Insel-Dasein hatte sich inzwischen zum "Monaco-Status" entwickelt, man war eingebettet in die Länder der EU, also blieb auch nichts anderes übrig wie in irgendeiner Form ein Vertragswerk zu schaffen, das in etwa dem europäischen Wirtschaftsraum entsprach. Das nannte man dann die "Bilateralen", weil alle Verträge nun einzeln mit der EU und über das Ratifizierungsverfahren mit jedem einzelnen Land der EU abgeschlossen werden mussten. Mühsam passierte dann diese "Bilaterale" die entsprechenden Volksabstimmungen. So hat man es sogar geschafft, in den Schengenraum zu kommen. Man darf schon die Frage stellen, ob ein Beitritt nicht besser gewesen wäre, denn dann hätte die Schweiz wirklich mitreden und mitgestalten können. So vollzieht man halt nach, was die andern beschliessen und hat den schönen Anschein der Unabhängigkeit.

Die Rechtsaussen der schweizerischen Politik gehören zu den Hauptprotagonisten der Einigelungspolitik. Dabei wird mit verdrehten Argumenten und Lügen gekämpft. Angstmache steht ganz oben. Viele Schweizer lassen sich davon noch beeindrucken. Vor allem, wenn die einschlägigen politischen Spitzenkräfte es zu irgendetwas beim Militär gebracht haben und damit als Autoritäten gelten. Damit wird eine Atmosphäre geschaffen, die an die alten Zeiten des "Eisernen Vorhangs" erinnern, wo auch der ständig vor der Tür stehende Russe beschworen wurde.

Der vorläufig letzte Akt bei den Bilateralen steht jetzt bevor: Es geht darum, den zuletzt zur EU gestossenen Ländern Rumänien und Bulgarien diesselben Rechte im Rahmen der Personenfreizügigkeit zu gewähren wie den übrigen EU-Staaten. Dagegen hat sich die Rechte noch einmal versammelt und beschwört den Untergang der Schweiz, wenn diese Länder ihre Freizügigkeit bekommen. Argumente werden aus der Mottenkiste geholt, die auch vor dem Eintritt Rumäniens und Bulgariens in den "alten" EU-Ländern grassierten. Insofern wirkt die Aufregung der schweizer Rechtspolitiker lächerlich, wenn man bedenkt, dass die von Populisten beschworene Katastrophe nach dem Beitritt der beiden Länder ausblieb. Warum sollte es der Schweiz schlechter gehen? Aber auch mit den dümmsten Argumenten kann man es in den Schweiz weit bringen, wenn man suggeriert, dass das Schneckenhaus bewahrt werden kann und dass die totale Unabhängigkeit noch möglich ist.

Schon ahnend, dass auch diese Entscheidung ein schwerer Kampf werden wird, haben sich deshalb schweizer Blogger auf der Webseite "Bloggen für die Bilateralen" zusammengeschlossen. Hier wird vorläufig die letzte Schlacht für Europa in der Schweiz geschlagen und es ist lesenswert, was welt- und europa-offene Schweizer dazu zu sagen haben.

Ich wünsche ihnen auf jeden Fall viel Glück, denn es wäre schade, wenn die Schweiz sich weiterhin in rückwärtsgewandte Kämpfe verstricken würde, statt mit neuer Energie in die Zukunft zu schauen.

Freitag, 23. Januar 2009

Rei Momo und der brasilianische Karneval

Recife sucht den Rei Momo. Momo, in der griechischen Mythologie der Gott, der alles lächerlich macht, ist seit 1933 eine Hauptfigur des brasilianischen Karnevals. Jeder Ort wählt seinen "Momo". Gewählt werden kann jeder, es gewinnt, wer die meisten Kilos an Gewicht hat.

Zur Zeit laufen die Vorausscheidungen in Recife. Zur Musik des Orchesters "Orquestra Popular do Recife" treffen sich 18 bereits ausgewählte Männer zur nächsten Ausscheidung. Die Waage steht im Viertel von São José, auf dem Pátio de São Pedro. Die 18 wurden ausgewählt, weil sie alle über 100 kg wogen.

Der letztjährige König Momo in Recife war der Professor Eduardo Manoel da Silva, 33 Jahre alt. Er wog damals 170,5 kg. Er beteuerte aber, dass er sich ausgewogen ernährt, aber Lasagne über alles liebt. Er kandidiert erneut. Schärfster Konkurrent ist der Volkstänzer (dança popular) Ivanildo Plínio da Silva, 33 Jahr mit 168,2kg, er war der Momo 2002 und 2004.

Ja, dann mal viel Spass!

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Frevo e passistas animam pesagem dos candidatos a Rei Momo

Rentenbetrug auf brasilianisch

Ein pensionierter Oberst (Coronel) der Militiärpolizei wurde gestern in Recife verhaftet als er die Rente seiner Mutter abheben wollte. Schlecht war, dass seine Mutter bereits im Juni vergangenen Jahres verstorben war. Er legte die Vollmacht seiner verstorbenen Mutter vor und erhielt bisher auf diese Weise ohne Probleme die Rente seiner Mutter. Er gab an, er wäre der Meinung gewesen, das könne er machen solange die Vollmacht gültig sei. So hätte das weitergehen können, wenn nicht......

Ja, wenn nicht ganz unbrasilianisch die Rentenkasse der öffentlichen Bediensteten von Pernambuco (Fundação de Aposentadorias e Pensões dos Servidores do Estado de Pernambuco (Funape)) ein sogenanntes "recadastramento" (Überprüfung der Rentenempfänger) durchgeführt hätte. Die Überprüfung wurde im vergangenen Jahr erstmals wieder nach 8 Jahren Pause vorgenommen. Inzwischen ist das Rentensystem auch mit dem "Todesregister" (Sistema de Óbito (Sisob)) verbunden, um gerade das Abkassieren nach Todesfällen verhindern zu können.

Eigentlich hätte man damit den betrügerischen Oberst a.D. viel früher erwischen müssen, das scheiterte aber daran, dass der Name der verstorbenen Mutter im Register anders geführt wurde wie bei der Pensionsbehörde. Im Register hiess die Mutter Feliciana Maria
de Araújo und bei der Pensionsbehörde fehlte das "de". Das erschwerte den Abgleich und führte zu Verzögerungen.

Es geht jetzt ein Zittern um in Pernambuco, denn diese Art der Aufbesserung des Einkommens war sehr beliebt.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, 23.01.2009

Donnerstag, 22. Januar 2009

Eine Tram für Edinburgh?

Edinburgh gehört zu den europäischen Städten, in denen die Strassenbahn noch um ihre Anerkennung als Nahverkehrsmittel kämpfen muss. Erst 2003 wurde das Projekt zum Bau einer Strassenbahn umgesetzt. Erste Geldmittel wurden von der schottischen Regierung zugesagt.

Die Hauptfinanzierung und Durchführung des Pojekts wird von der Gesellschaft "New Edinburgh Tramways (NETCo)" privatwirtschaftlich ausgeführt. Über erste Teststrecken ist das Projekt allerdings bisher nicht hinausgekommen. Besonders hart bekämpft wird das Projekt vom Handel.

Jetzt sollen die Arbeiten in der Innenstadt, vor allem auch in der bekannten "Princess Street" begonnen werden. Und schon läuft der Handel wieder Sturm. Die Edinburgher Geschäftsleute (Edinburgh business leaders) warnen den Stadtrat (city council) vor den Folgen der Sperrung der Princess Street. Die Finanzkrise und zusätzlich Strassensperrungen würden dem Handel in der Hauptgeschäftsstrasse von Edinburgh den Rest geben.

Jetzt gibt es Gerüchte, dass der Start für Strassenbahnbau für mehrere Monate verschoben werden soll. Der Stadtrat will auf jeden Fall jetzt erst einmal evaluieren, was die geplanten Strassensperrungen für Folgen haben könnten.

Die Stadtverwaltung ist auf jeden Fall - zumindest auf ihrer Webseite - optimistisch, dass Edinburgh 2011 eine funktionierende Strassenbahn hat. An der Notwendigkeit gibt es eigentlich wenig Zweifel, nur will keiner die mit dem Bau einhergehenden Belastungen haben.

Informationsquelle: The Scotsman, Edinburgh business leaders warn council over latest tram works
Bildquelle: http://www.edinburgh.gov.uk

Mittwoch, 21. Januar 2009

Französische Karatemeisterin wird Staatssekretärin

Das Staatssekretrariat für Umweltfragen (le secrétariat d'Etat à l'Ecologie) hat eine neue Leiterin im Rang einer Staatssekretärin (secrétaire d'Etat). Es ist Chantal Jouanno, 39 Jahre alt, ehemalige französische Karatemeisterin. Sie löst Nathalie Kosciusko-Morizet ab, deren gespanntes Verhältnis zu ihrem vorgesetzten Minister, Jean-Louis Borloo, den französischen Staatschef irritiert haben soll. Sie war bereits vor 6 Wochen entlassen worden.

Chantal Jouanno war während des Wahlkampfes 2007 Beraterin von Präsident Sarkozy in Umweltfragen. Als braunhaarig, alert und direkt charakterisiert sie die französische Presse (Brune, alerte et directe). Es stehen ihr einige Bewährungsproben bevor. Bereits in den nächsten Tagen muss sie das anspruchsvolle Umweltgesetz (Loi Grenelle Environnement) vor dem Senat vertreten. Zum Ende des Jahres wird von der Weltklima-Konferenz eine Nachfolgevereinbarung zum Kyoto-Protokoll erwartet.

Die französischen Umweltorganisationen haben sich positiv zur der Ernennung geäussert.

Informationsquelle: L'Alsace, fr, Chantal Jouanno nommée secrétaire d'Etat à l'Ecologie

Dienstag, 20. Januar 2009

Brigitte Bardot schmeisst hin

Brigitte Bardot war so etwas wie die Schutzpatronin der Bukarester Strassenhunde (maidanezii). Mit ihrem Geld finanzierte sie Tierheime in Rumänien. Bukarest's grosses Problem sind die grossen Mengen an wild lebenden Tieren. Früher gab es Pläne, sie zu töten. Diesen Plänen sind die Tierschützer um Bardot entgegen getreten. Im Gegenzug haben sie Geldmittel zur Unterbringung und für Futter zur Verfügung gestellt.

Die Finanzierung wurde nun eingestellt, weil Grund zu der Vermutung bestand, dass mit diesem Geld Futtermittel zu überhöhten Marktpreisen gekauft wurde. 270 Tierheime wurde bisher mit 3.000 Euro pro Monat unterstützt. Man befürchtet nun, dass die Tiere wieder auf die Strasse geschickt werden müssen und so das ohnehin grosse Heer der Strassenhunde wieder vermehrt würde. Die Stadt Bukarest hat bereits erklärt, dass die Tiere in ihren Heimen nicht auf die Strasse gesetzt werden. Die städtische Überwachungsbehörde für Hunde (Administratia pentru Supravegherea Cainilor) behauptet sogar, dass die Tierheime der Stadt nicht von Brigitte Bardot finanziert wurden. Gefragt, ob aggressive Hunde jetzt wieder "euthanisiert" würden, antwortete die Direktorin dieser Behörde: ""Die Hunde sind auf der Strasse, weil die Bukarester das so haben wollen. Es gibt das Gesetz 9/2008, das die Euthanasie verbietet".

Einige Tierheime haben auch Aufrufe an die Bevölkerung mit der Bitte um Unterstützung gemacht. Dabei haben sie durchaus einigen Erfolg. Vielleicht sind die rumänischen Gemeinden jetzt doch soweit, das Problem selbst schultern zu können?

Informationsquelle: Romania Libera, Brigitte Bardot nu ne mai hraneste maidanezii
Bild: Strassenhunde in Rumänien

Magnolia Fagundes in Barcelona

Magnolia Fagundes (25 Jahre alt) ist Leiterin der "Movimiento de los Sin Tierra" (MST; Bewegung der Landlosen) des Bundesstaates Sao Paulo. Bereits ihre Mutter war eine Aktivistin in dieser Bewegung. Anlässlich einer Podiumsdiskussion zum 25-jährigen Jubiläum des MST im Casa Amèrica von Barcelona hat sie der Zeitung "El Periodico" ein Interview gegeben, dessen Inhalt ich nachstehend zusammengefasst wiedergebe:

"Die Besetzung von Land ist eine Alternative zum Elend der Favelas. Denn es sind Personen, die ausgeschlossen sind. Viele wurden vom Land vertrieben und haben nun ein schlechtes Leben in den Favelas in sklavenähnlicher (semiesclavitud) Abhängigkeit.

Um das zu ändern arbeitet MST mit den Kirchen, Gewerkschaften und Ansprechpartner der Stadtviertel zusammen. Hier erfahren sie von den Wünschen der Leute und wir laden sie ein, für ihr Land zu kämpfen. Danach besetzen wir Land, bauen Häuser, Schüler, Krankenhäuser und Begegnungszentren darauf. Wir demokratisieren (democratizamos) Grund und Boden und geben ihm eine soziale Funktion, die er vorher nicht hatte.

Es gibt Versuche, uns vom besetzten Land zu entfernen. Diese Vertreibungen sind jetzt noch gefährlicher, weil die multinationalen Unternehmen dafür Sicherheitsdienste einsetzen.

Ich selber wohne in einem von meinen Eltern besetzten Ackerland. Es ist die Fazenda Pirituba, 350 km von Sao Paulo. Sie gehörte dem Staat, der keine Bodenreform machte, aber drei holländische Familien illegal 17.000 Hektar Land bewirtschaften liess. Heute leben 450 Familien dort. Wir bauen Bohnen (frijoles), Mais, Weizen an und produzieren Milch. Ein Teil dient der Selbstversorgung und ein Teil wird verkauft.

Die Multis kontrollieren leider immer mehr Land und unsere Regierung unterstützt das. Sie arbeiten mit Monokulturen, denn sie produzieren nur für die Bedürfnisse der ersten Welt und nicht für das brasilianische Volk.

Die Agrarreform war zwar das Wahlkampfthema unseres Präsidenten Lula. Er hat damit grosse Erwartungen geweckt , aber nichts ist davon geblieben. Lula ist zwar an der Regierung, aber er hat nicht die Macht, er ist ein Gefangener des FMI (Fondo Monetario Internacional; Internationaler Währungsfonds)."

Informtionsquelle: El Periódico, Magnolia Fagundes: "Lula está en el Gobierno, pero no tiene el poder y es un rehén del FMI"
Bildquelle: http://www.elperiodico.com/EDICION/ED090120/CAS/FOTOS/EPP_ND/CARP01/f059lh02.jpg

Montag, 19. Januar 2009

Polizisten als Verbrecher

Jayme Asfora schreibt im Blog PEbodycount über den kürzlich erschienen Bericht von Human Rights Watch, einer Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich mit der Lage der Menschenrechte in der Welt befasst. In diesem Bericht schreibt Human Rights Watch, dass in Brasilien, insbesondere in den Grossstädten, eines der Hauptprobleme die anhaltende Missachtung der Gesetze durch die Polizei ist.

Laut dem Bericht sind die "Stadtregionen Brasilien gekennzeichnet durch Gewalttaten, die von kriminellen Banden (gangues criminosas) und ihre Stellung missbrauchende Polizisten (policiais abusivos) ausgehen". Danach sollen geschätzte 70% der Tötungsdelikte durch Todesschwadronen unter Beteiligung der Polizei verübt werden. Der Bundesstaat Pernambuco soll dabei mit an der Spitze liegen.

Asfora anerkennt die Bemühung der pernambucanischen Polizei, die schwarzen Schafe in ihren Reihen festzustellen und zu entfernen. Dieser Zustand sei wie ein Krebsgeschwür. Es handle sich um Personen, die für die öffentliche Sicherheit zuständig seien und oft selbst Verbrechen wie Erpressungen, Raubüberfälle und Morde begehen. Bei der Bekämpfung dieser Zustände müsse man aber über eine Reform in der Polizei hinausgehen. Ein Korrektiv solle durch die starke Stellung einer öffentlichen Verteidigung (Defensoria Pública) geschaffen werden. Dadurch soll verhindert werden, dass Prozesse gegen kriminelle Polizisten verschleppt werden oder wie bisher oft im Sande verlaufen. Nicht nur die Polizei soll beobachtet werden, sonden auch die privaten Sicherheitsdienste, von denen vermutet wird, dass sie viele Polizisten für ihre Zwecke verwenden.

Als positiven Punkt erwähnt er die Vereinbarung zwischen Innenministerium, der Polizei und den Gewerkschaften über Regeln für die privaten Sicherheitsdienste.

Siehe auch Blogbeitrag "Aufruf gegen den traurigen Alltag"
Bild: Stand des Zählers in PEbodycount für Tötungsdelikte in Pernambuco (vom 1. Januar 2009)

Sonntag, 18. Januar 2009

Ion Tiriac's Prominentenjagd

Herr Tiriac lädt ein. Zur Jagd. In das kleine Dörfchen Balc im Bihor-Gebirge. Dazu hat er erlesene Prominenz aus allen Herren Länder eingeladen. Wie zu Ceausescu's Zeiten. Von dem hat er das Jagdgebiet auch übernommen. Insgesamt soll es sich um 30 Eingeladene handeln. Hauptbetroffene der Jagd sind Wildschweine (mistretii). Tiriac hat die Mehrheit der Dorfbewohner als Treiber engagiert.

Die Jagddomäne (Domeniul de vanatoare) von Balc hat eine lange Geschichte. In den vergangenen Jahrhunderten wurde sie vom Siebenbürger Adel (nobilii ardeleni) für Jagdpartien mit Pferden benutzt. In der kommunistischen Zeit war es ein beliebtes Jagdgebiet für Mitglieder der Nomenklatura der rumänischen kommunistischen Partei (PCR).

Die Gäste Tiriac's werden aus dem nahe gelegenen Oradea, wo sie im Hotel Intercontinental untergebracht sind, mit dem Hubschrauber in das Jagdgebiet gebracht.

Informationsquelle: Romania Libera, Debut cu derapaj inainte de vanatoare la Balc
Bildquelle: http://www.abschaffung-der-jagd.de/images/s2dlogo.jpg

Samstag, 17. Januar 2009

Tiersegnung in Madrid

Hunderte von Madridern (madrileños) wanderten heute mit ihren Haustieren in ihre Pfarrkirchen, um die Tiere segnen zu lassen. Verantwortlich für den Segen (bendición) ist Sankt Anton (San Antón). Bei den Tieren, die angeschleppt wurden, handelte es sich um Haustiere aus allen Bereichen der Tierwelt. Unter anderem Hunde (perros), Katzen (Gatos), Kaninchen (conejos) und ein paar Frettchen (una pareja de hurones).

Señora Angeles brachte ihr vietnamesisches Hausschwein zur Kirche. Sie ist empört, weil sie gefragt wurde, ob sie das Schwein zu Hause hält, um es später zu essen. Sie schimpft: "Den Leuten geht es nicht in den Kopf, dass du ein Schwein zu Hause hast. Sie sagen, dass das Dreckspatzen (guarros) sind und für nichts taugen".

Señora Mari Luz bringt ihren kranken Hund zur Segnung. Sie erhofft sich von der heilenden Wirkung des Segens eine Besserung des Gesundheitszustandes ihres Hundes namens Sombra.

Und so wie in Madrid, so in ganze Spanien.....es geht ein Bellen, Miauen und sonstige tierische Geräusche durch die "Templos"!

Informationsquelle: antena3, San Antón bendice las mascotas madrileñas

Ich bin ein Wrack

Der französische Blog "24 heures Philo" (24Philo) widmet sich von Zeit zu Zeit auch französischen Redensarten und versucht zu erklären, was sie bedeuten und wie sie zustande kamen.

Diesmal ist der Satz «Je suis en vrac» auf dem Seziertisch. Spontan habe ich das mit " Ich bin ein Wrack" oder auch "ich fühle mich als ein Wrack" übersetzt. Philo24 erklärt, dass das Wort «vrac» aus dem Niederländischen kommt, vermutlich aus dem 17. Jahrhundert und bis heute bedeutet, dass eine Sache völlig durcheinander ist (quelque chose qui est livré pêle-mêle). Es kennzeichnet damit eine Sache, die in Unordnung ist.

Bezogen auf eine Person soll es komisch (cocasse) werden. Es bezeichnet eine Person, die nur Chaos im Kopf hat. Mit dieser Formulierung trifft man den Zustand dieser Person eigentlich sehr genau. Es ist stärker wie die Ausdrücke «Je n’ai plus ma tête» (ich habe meinen Kopf verloren) ou «Je fais ou je dis n’importe quoi» (ich mache irgendetwas) oder «Je ne suis pas dans mon assiette» (ich bin nicht mehr in meinem Teller).

Und nun zu unserer deutschen Bedeutung, wobei wir Vrac als Wrack deuten: Ich bin ein Wrack ist doch so zu verstehen, dass man physisch und psychisch total am Ende ist. Nur gibt es dann noch ein Chaos? Da ist doch dann eher das Nirwana!

Der Duden deutet das so: Wrack, das; -[e]s, Plur. -s, selten -e (gestrandetes od. stark beschädigtes Schiff; übertr. für jmd., dessen körperliche Kräfte völlig verbraucht sind).

Informationsquelle: 24 heures Philo «Je suis en vrac», une expression disséquée

Freitag, 16. Januar 2009

Ärger über dritte Start- und Landebahn für Heathrow

Nach dem Beschluss der britischen Regierung über den Bau einer 3. Start- und Landebahn für London's Grossflughafen Heathrow formiert sich der Widerstand. Nach Meinung von Umweltgruppen liegt die Umweltpolitik des britischen Premiers Gordon Brown mit diesem Beschluss in Scherben. Er persönlich hatte die Entscheidung durchgedrückt.

Die dritte Bahn soll die Flüge von und nach Heathrow von
heute 480.000 auf 702.000 im Jahr 2030 erhöhen. Die Entscheidung hat aber viele Feinde, die es fraglich machen, ob 2030 tatsächlich die 3. Bahn steht. So ist die konservative Partei (Tories) gegen den Ausbau. Es sind Klagen der Stadt London gegen den Ausbau zu erwarten. Zudem muss das Parlament Ende des Monats erst einmal zustimmen. Hier kann sich die Regierung nicht einmal der Zustimmung aller Labour-Abgeordneten sicher sein. John McDonnell, der Labour MP in dessen Wahlkreis auch Heathrow liegt, verurteilte den Plan als eine Schande für die Demokratie ("disgrace to democracy").

Und nicht zu unterschätzen werden die Aktionen der Umweltschützer sein.

Wer unterstützt den Plan: Die Gewerkschaften und die Wirtschaft. Die Regierung verspricht ihnen 6.000 neu geschaffene Arbeitsplätze und 60.000 während des Ausbaus.

Informationsquelle: The Independent, Opponents vow to fight plan for third runway

Motorradfahrer aller Länder in Recife

Die Motorad-Liebhaber (apaixonados por motos) treffen sich an diesem Wochenende in Recife zur "Moto Folia". Es werden Motorradfahrer aus ganz Brasilien und Südamerika erwartet, sogar eine Gruppe aus Italien soll dabei sein. Insgesamt schätzt man die Zahl auf 4.000 Teilnehmer.

Das Treffen wird begleitet von einer Ausstellung für Motorradzubehör. Heute Nachmittag wird ein Motorrad-Korso von Recife nach Olinda stattfinden. Das Treffen findet seit 1998 in Recife statt und scheint beliebt bei den Touristen zu sein. Die nächsten Tage wird DJ Anjinho die Besucher musikalisch auf Trab bringen.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, 16/01/2009, Evento reúne motociclistas do Brasil e do mundo

Donnerstag, 15. Januar 2009

Bada Bing, eine Festnahme

Im Nachgang zu meinem Bericht Fremdenfeindliche Ausschreitungen bei Fussballspiel in Barcelona:

"La Vanguardia" berichtet heute, dass ein Spieler von Bada Bing wegen der rassistischen Übergriffe (agresión racista) verhaftet worden ist. Weitere Verhaftungen werden nicht ausgeschlossen. Der katalanische Fussballverband hat sämtliche Spiele des Clubs suspendiert und 4 Spieler gesperrt. Unter den gesperrten Spieler befindet sich ein 25-jähriger, der -damals noch Minderjähriger - im Jahr 2000 in einer Diskothek in Barcelona einen 24-jährigen Jugendlichen getötet hat.


Informationsquelle: Detienen a uno de los jugadores del Bada Bing por la agresión racista

Wellness in Bad Bukarest

Bereits ab dem Jahr 1989 gab es die ersten Pläne, die rumänische Hauptstadt in den Stand eines Thermalwasser-Kurortes zu erheben. "Bukarest befindet sich auf einer Quelle (izvor) mit heissem Wasser" erklärte jetzt die neue Tourismus-Ministerin Elena Udrea. Im Norden von Bukarest gibt es bereits 16 Bohrungen (sonde de apă geotermală). Am attraktivsten dürfte die Region um den Snagov-See sein, aber auch direkt am Flughafen (Otopeni) könnten Wellness-Paradiese entstehen. Wenn es nach der Tourismus-Ministerin geht!

Auf jeden Fall soll jetzt in dieses Projekt investiert werden. Innerhalb der nächsten 10 Jahre sollen mit Hunderten von Millionen Euro Spa's und Wellnesszentren entstehen, die nicht nur die Alten und Kranken interessieren sollen, sondern auch die Jugend Europas. Tausende von Rucksack-Touristen (mii de turişti cu rucsaci) werden dann im Nordbahnhof (Gara de Nord) in die Metro nach Bukarest-Bad (Bucureşti-Băi) umsteigen. Der angepeilte Kundenkreis soll vor allem aus Deutschland und Russland kommen.

Ansonsten soll aber das reichhaltige Angebot an Bade-Tourismus in Rumänien genutzt werden. In den Siebziger Jahren sind noch Millionen ausländischer Touristen zur Kur nach Rumänien gefahren. Jetzt sind diese Badestationen heruntergekommen und die Hotels entsprechen keinesfalls internationalem Standard.

Zu den bekanntesten Bädern gehören Tuşnad, Borsec, Herculane (Herkulesbad), Govora, Techirghiol Covasna, Olăneşti, Vatra Dornei, Saturn, Eforie Nord, Mangalia, Felix (Felix-Bad) und Sărata Monteoru. Sie haben das Potential wieder zu beliebten und gut besuchten Kurorten zu werden. Dafür muss aber investiert werden und gleichzeitig das Angebot auf die heutigen Wellness-Bedürfnisse erweitert werden.

Ein wenig Statistik: Rumänien verfügt über 110 Thermalbäder, davon 50 mit herausgehobenem Ruf. Über ein Drittel der Thermal-Ressourcen Europas liegen in Rumänien. Es gibt 40.000 Betten zur Unterbringung in den derzeitigen Thermalbädern. Im Jahr 2008 sind 1 Million Touristen in die rumänischen Thermalbäder gekommen.

Informationsquelle: Adevarul, Bucureşti-Băi, o idee prăfuită de 20 de ani
Bild: Karpaten-Landschaft in der Region Herkulesbad

Mittwoch, 14. Januar 2009

Was ist los im Landgericht von Sevilla?

Ein wegen Heroinhandel zu 10 Jahren Gefängnis verurteilter Mann konnte fliehen, weil die siebte Kammer des Landgerichts (Sección Séptima de la Audiencia) in Sevilla vergessen hat, seine Haftstrafe während eines anhängigen Berufungsverfahren als Untersuchungshaft (prorrogar la situación de prisión preventiva) zu verlängern. Der Heroinhändler war im Februar 2006 in Untersuchungshaft genommen worden, das Urteil wurde im Oktober 2007 ausgesprochen. Dagegen legte er Berufung ein.

Die zuständige Richterin, Esperanza Jiménez Mantecón, hätte nach Einlegung der Berufung die Untersuchungshaft verlängern sollen. Aus welchen Gründen auch immer ist sie dem nicht nachgekommen. Daraufhin wurde der Gefangene mit der Auflage freigelassen, dass er sich zweimal in der Woche vor Gericht zu präsentieren habe. Das hat er aber nicht getan, sondern ist geflüchtet.

Die siebte Kammer des Landgerichts von Sevilla ist bereits einmal unangenehm aufgefallen, weil sie für die Verurteilung des Päderasten Santiago del Valle 3 Jahre brauchte. Der damals zuständige Richter ist in einem Disziplinarverfahren gerügt worden. Wegen des erneuten Falles hat die Disziplinarkommission jetzt ebenfalls ein Verfahren wegen "grober Fahrlässigkeit" (una falta muy grave de desatención) gegen Richterin Jiménez Mantecón eröffnet.

Der Fall ist insofern pikant, weil der jetzt geflüchtete Täter in einer gross angelegten und öffentlichkeitswirksamen Polizeiaktion gefasst wurde. Neben 30 kg Heroin wurden auch eine Menge Waffen gefunden.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, Un condenado por narcotráfico se fuga tras quedar libre por un error judicial

Dienstag, 13. Januar 2009

Dacia - Arbeiter kämpfen für Umweltschutz

Die Arbeiter der Autofabrik Dacia (Renault) in Rumänien haben heute in Mioveni (in der Nähe von Piteşti, südlich der Karpaten) eine Protestveranstaltung abgehalten. Sie protestieren, weil die rumänische Regierung plant, die ihr von der EU verordnete Verschmutzungssteuer für Altautos (taxa de poluare) vorläufig auszusetzen. Vor den Wahlen hatten die Parteien versprochen, dass sie diese Steuer umsetzen werden.

Unter dem Eindruck der Finanzkrise scheint man davon zumindest vorläufig abkommen zu wollen. Die Arbeiter von Dacia sind der Meinung, dass damit die Einfuhr von Gebrauchtwagen gefördert wird. Da sie jetzt nach einem Monat Zwangsferien wegen mangelnder Nachfrage nach Autos (şomaj tehnic - technische Arbeitslosigkeit) wieder in ihre Fabriken zurückkehren, befürchten sie, dass sie bald wieder arbeitslos sind, wenn nicht der Kauf von Neuwagen von der Regierung gefördert wird.

Der Umweltschutz ist in diesem Fall wohl nur ein positiver Nebeneffekt.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Salariaţii Dacia au scandat împotriva lui Băsescu

Montag, 12. Januar 2009

Fremdenfeindliche Ausschreitungen bei Fussballspiel in Barcelona

Neun Spieler des Fussball-Clubs "Atlético Rosario Central de Catalunya", der in der dritten Liga spielt, sowie der Trainer der Mannschaft mussten in der Notaufnahme des Krankenhauses "Hospital del Mar" von Barcelona behandelt werden, nachdem sie gestern von den Spielern des gegnerischen Clubs "Bada Bing" und dessen Anhänger (la hinchada) verprügelt worden waren. Der Schiedsrichter musste sich in den Umkleideraum retten, nachdem er in der 74. Minute die Partie wegen der Zwischenfälle abgepfiffen hatte.

Der Präsident des Clubs, Ernesto Sukermann, hat Strafanzeige bei der Polizei gestellt. Er selbst wurde von einem Anhänder des gegnerischen Clubs mit einer Aluminiumstange verprügelt, obwohl er körperbehindert ist. Der Club "Rosario Central" ist ein Fussballclub, in welchem vor allem Einwanderer aus Argentinien, Uruguay, Marrokko, Bolivien, Ecuador und Paraguay spielen.

Der Club "Bada Bing" war in der derzeitigen Fussballsaison bereits für mehrere Zwischenfälle verantwortlich. Die Mehrheit seiner Spieler und Anhänger wird den "Boixos Nois" zugeordnet. Die "Boixos Nois" sind bekannt, als gewaltbereite Fans des FC Barcelona. Sie sind teilweise der Skinhead- und Neonazi-Szene zuzurechnen.

Emiliano Esperanza, Spieler (jugador) von Rosario, berichtete; "Eine der gegnerischen Spieler sagte mir: Wenn Franco wieder auferstehen würde, würden wir dir den Kopf abschneiden und diesen in euer Land zurücksenden (enviarla a vuestro país)." Er konnte sich vor den Schlägen retten, sein Bruder hatte weniger Glück. Er wurde verpügelt und ihm wurde teilweise eine Ohr abgerissen.

Der katalanische Fussballverband steht in Kritik: Obwohl bereits zuvor 4 Partien mit dem Club "Bada Bing" abgesagt worden waren, wurden vor dem Spiel mit "Rosario" trotz dringender Bitten dieses Clubs keine verstärkten Sicherheitsmassnahmen vorgesehen.

Die "Boixos Nois" lehnen auf ihrer Webseite jede Verantwortung für die Zwischenfälle ab. Sie bestreiten, dass sie einen Club in der dritten katalanischen Liga haben und beschuldigen die Presse der Desinformation.

Informationsquelle: El Periódico: Un equipo de inmigrantes sufre una brutal agresión en Barcelona
Bild: Gewaltszene in einem Fussballstadion; Quelle: www.bundestag.de

Sonntag, 11. Januar 2009

Ärger in Tamandaré

A temperatura vai subir - Die Temperatur wird steigen! Gestern hat das Sommerfest (Fest Verão) von Tamandaré begonnen. Tamandaré ist ein Ferienort an der Küste (litoral) im Süden von Recife.

Julia Kacowicz vom "Diario de Pernambuco" beschäftigt sich in ihrem Umwelt-Blog (Blog do meio-ambiente) mit der Problematik dieser Veranstaltung. An zwei Wochenenden werden Musiker mit schwerstem Gerät - die Verstärker werden den ganzen Ort beschallen (Tonprobe siehe Internet-Seite) - Sommerurlauber und Natur terrorisieren. Manche werden das natürlich anders sehen. Laut Julia gehen aber deswegen auch die Naturschützer (ambientalistas) auf die Barrikaden, denn Tamandaré ist umgeben von Naturschutzgebieten.

Die Bewohner des Ortes erwarten sich Reklame für ihren Ort und neue Geldquellen. Julia warnt aber, dass der Ort für Veranstaltungen dieser Art keinerlei Erfahrungen hat. Das Spektakel, das 30 Tage dauern werden, werde das Leben der Bewohner nachhaltig verändern.

Die Gemeindeverwaltung ist sich wohl auch nicht ganz so sicher, ob das gut gehen wird. Die Veranstalter wurden verpflichtet, für Ordnung vor und nach der Veranstaltung zu sorgen. Alles so zu lassen wie es war (deixando tudo como estava).

Informationsquelle: Blog do meio ambiente

Samstag, 10. Januar 2009

Herzlichen Glückwunsch, Herr Kachelmann!

Dem "Correio de Bahia" (Brasilien) war ein Zwischenfall im Deutschen Fernsehen eine Nachricht wert. Unter der Schlagzeile "Gato invade previsão de tempo em estúdio de TV alemã" (Katze dringt während Wettervorhersage in Studio des deutschen Fernsehens ein) wird ein Zwischenfall vom letzten Dienstag wiedergegeben, bei dem eine Katze die Wetterprognosen von Herrn Kachelmann gestört hat.

Ein Video über den Zwischenfall ist wohl bei Youtube im Internet zu sehen. Der Internaut Charles Lopes aus Recife meint dazu: "Mir hat die Reaktion des Sprechers gefallen, denn er zeigte, dass er ein Gefühl (carinho) für Tiere hat, Glückwunsch (parabéns)!

Informationsquelle: Correio de Bahia, Gato invade previsão de tempo em estúdio de TV alemã

50 Gefangene suchen das Weite

In São Luís, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Maranhão (in Nordostbrasilien), sind 50 Gefangene gestern Morgen um 4 Uhr aus dem Zentralgefängnis (Central de Custódia de Justiça (CCPJ)) geflohen. Die Gefangenen schlugen ein Loch in die Wand neben der Küche und flohen über einen Aussenhof, wo sie die Umzäunung teilweise zerstörten, auf die Strasse.

Ein Wächter (guarda) bemerkte die Flucht und schoss zur Abschreckung in die Luft, was wohl verhindert hat, dass noch mehr Gefangene flohen. Die eingeschaltete Militärpolizei konnte 3 Gefangene wieder festnehmen.

Im Gefängnis von São Luís gab es bereits zuvor Probleme. Letzten Mittwoch rebellierten die Gefangenen, weil ihnen das Sonnenbaden (banho de sol) verboten wurde. Nach einer Verhandlung mit der Polizei brach ein Tumult aus. Nach Angaben der Polizei benutzten Gefangene das "Sonnenbaden", um zu fliehen. Bereits am Donnerstagabend gab es einen Zwischenfall im Presídio São Luís als einige Gefangene versuchten zu fliehen. Es gelang ihnen aber nur kleinere Häuser in Brand zu stecken.

Das Gefängnis von São Luís ist bereits früher wegen Foltervorwürfen in die Schlagzeilen geraten.

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Maranhão // Ao menos 50 presos fogem em São Luís

Freitag, 9. Januar 2009

Jeder dritte Journalist in Cádiz ist Mileurista

Was ist ein Mileurista? Wikipedia - spanisch - definiert das wie folgt: Es handelt sich um eine Person, die der zwischen 1965 und 1985 geborenen Generation von Spaniern angehört und Einkünfte von höchstens 1.000 Euro im Monat hat (mil euro= tausend euro=mileurista).

Der "Diario Bahia de Cádiz" berichtet nun von einer Umfrage des Pressevereins von Cádiz (Asociación de la Prensa de Cádiz) unter den ortsansässigen Journalisten, die ergeben hat, dass etwa 67% der Journalisten dieser Stadt nicht mehr wie 1.000 Euro im Monat verdienen. 19 % sollen sogar nicht mehr wie 500 € verdienen.

Nur 49% hat einen festen Arbeitsvertrag. Der Rest verteilt sich auf Zeitarbeiter, selbständige Journalisten und Praktikanten.

Die Zahlen für Cádiz entsprechen durchaus der Einkommenssituation der Journalisten in ganz Andalusien. Gegen diese Zustände gehen die Journalisten inzwischen auf die Barrikaden. Sie haben eine Kampagne unter dem Thema "Por un trabajo decente en los medios de comunicación" (Für eine anständige Arbeit in den Kommunikationsmedien) gestartet. Dazu gehört auch ein Blog unter dem vorgenannten Thema.


Informationsquelle: Diario Bahía de Cádiz, Dos de cada tres periodistas en Cádiz son ‘mileuristas’

Donnerstag, 8. Januar 2009

Atheisten gehen in die Offensive: Es gibt keinen Gott!

In Grossbritannien hat eine Gruppe von Atheisten eine Aktion gestartet, mit denen sie ihre Zweifel an der Existenz eines Gottes an die Öffentlichkeit bringen wollen. Zu diesem Zweck wurde eine recht erfolgreiche Geldsammelaktion gestartet. Damit werden jetzt vorerst Werbeplakate an britischen Bussen mit dem Slogan "There's probably no God. Now stop worrying and enjoy your life" (Vermutlich gibt es keinen Gott. Mach dir nichts draus und geniess das Leben) bezahlt.

Damit sollen auch Aktionen religiöser Gruppen gekontert werden, die Bibel-Botschaften an Bussen anbringen liessen.

Die Aktion geht aber noch weiter. In Kürze werden auch Busse in Barcelona mit dem Slogan "Dios probablemente no existe. No te preocupes y disfruta de la vida" (Übersetzung wie beim englischen Text) versehen. Die evangelische Kirche Spaniens hat schon beschlossen, dagegen mit dem Spruch "Dios sí existe. Disfruta de la vida en Cristo" (Doch, Gott existiert. Geniesse das Leben in Christus).

Informationsquelle: The Scotsman, On the buses: Advertising atheism, El Mundo, Los evangélicos 'combaten' la publicidad ateísta con un autobús pro cristianismo

Arbeitslosenquote in Spanien auf Rekordniveau

Das Jahr 2008 endete für den spanischen Arbeitsmarkt fatal. Die Barriere von 3 Millionen Arbeitslosen wurde durchbrochen, soviele wie schon seit 1987 nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit (paro) stieg im Vergleich zu 2007 um 50%. Spanien liegt mit diesem Anstieg hinter Litauen an der Spitze der EU. Bei der Jugendarbeitslosigkeit ist Spanien Spitzenreiter.

Da vor allem die Bauwirtschaft von der Arbeitslosigkeit betroffen ist, sind erstmals mehr Männer wie Frauen arbeitslos.

In Katalonien, vor allem Barcelona und Tarragona, ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit noch leicht höher. Hier ist vor allem der Dienstleistungssektor betroffen.

Die Regierung hofft, dass ihr 33 Milliarden-Konjunkturprogramm Entlastung bringt und im 2. Halbjahr 2009 eine Wende eintreten wird.

Informationsquelle: La Vanguardia, El paro rompe la barrera de los tres millones

Mittwoch, 7. Januar 2009

Mineralwasserprobleme in Pernambuco

Das so wichtige Nass, das man ohne Bedenken trinken kann, ist in den tropischen Gegenden des brasilianischen Nordostens nur in Flaschen erhältlich. In der Regel sind es Wasserspender mit einem Inhalt von 20 Liter. Es gibt ein Verteilungssystem für diese Wasserflaschen, in dem regelmässig von entsprechenden Unternehmen für Nachschub gesorgt wird. Diese Art der Wasserverteilung ist sehr wichtig, denn Wasser vom Wasserhahn ist wegen schlechter Qualität nicht trinkbar.

Die Qualität war auch nicht immer beim Flaschensystem gewährleistet. Deshalb wurde jetzt die Anbringung der Qualitätssiegel (selo de qualidade) an den Flaschen neu geregelt. Die Überwachung der Qualitätsstandards erfolgt durch die Agência Pernambucana de Vigilância Sanitária (Apevisa; Pernambucanische Agentur für Gesundheitsüberwachung). In Pernambuco gibt es 81 registrierte Untenehmen der Wasserindustrie, davon besitzen erst 24 eine Lizenz zur Anbringung des neuen Qualitätssiegels. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird zukünftig eine Strafe von R$ 90 (ca. 30 Euro) erhalten.

Alles kostete Geld: Die neuen Regeln werden das Wasser teurer machen. Deswegen herrscht in Recife bereits einige Aufregung. Die 20 Liter-Flasche der Marke Santa Clara kostet jetzt 3,80 R$ (ca. 1,30 €). Für uns sieht das nach wenig aus, aber für die vielen Geringverdiener im brasilianischen Nordosten ist das ein harter Schlag.

Informationsquelle: Jornal do Comercio: Garrafão de água mineral sofre reajuste

Dienstag, 6. Januar 2009

Wessis und Ossis auf europäischer Ebene

Miguel Ángel Aguilar, Journalist des "El Pais" nimmt sich der Übernahme der Präsidentschaft in der EU durch die Tscheschische Republik unter dem Titel "Die Europäische Union, die uns erwartet" (La Unión Europea que nos espera) an.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er vom euroskeptischen tschechischen Präsidenten nichts erwartet, ausser, dass "wir uns darauf vorbereiten sollten, dass wir leiden werden" (debemos prepararnos a padecer). Es habe immer Persönlichkeiten in der Präsidentschaft gegeben, die die EU voran gebracht haben. Unser Tscheche (nuestro checo) präsentiere sich aber nur als Bremser. Damit komme auf die EU ein leidvoller Zeitverlust zu, in einer Zeit, in der eine dynamische EU gebraucht werde.

Im Gegensatz zu Spanien und Portugal, die bei ihrem EU-Beitritt 1986 sich als Lokomotiven eines neuen Europäertums (locomotoras del nuevo europeísmo) erwiesen hätten, hätten die Tschechei und Polen genau das Gegenteil nach ihrem Beitritt getan. Der Beitritt dieser beiden Länder zur EU sei von Ernüchterung begleitet gewesen, das Misstrauen und die vorzugsweise Anlehnung an Washington zum Nachteil von Brüssel sei gepflegt worden.


Informationsquelle: EL Pais La Unión Europea que nos espera

Ein nicht endender Alptraum

ist Bukarest, meint "Evenimentul Zilei". "Das Bukarest, mit dem wir nicht mehr klar kommen" (Bucureştiul nu ne mai încape).

Die Statistiken sagen, dass Bukarest 2 Millionen Einwohner hat. Tatsache ist aber, dass sich täglich 3 Millionen Menschen in Bukarest befinden und die Spezialisten prognostizieren, dass Bukarest bald 4 Millionen Einwohner haben wird. Auch die Behörden anerkennen, dass Bukarest inzwischen eine blockierte Stadt ist und der Erstickungstod droht. Das bisherige schnelle Wachstum, das grösste in Rumänien, hat Bukarest inzwischen auf Platz 6 der europäischen Städte, nach Madrid, gebracht. Inzwischen zeigt aber das Wachstum Ermüdungserscheinungen (semne de oboseală), da die lokalen Behörden nicht in der Lage sind, eine dem Wachstum angemessene Infrastruktur zu schaffen.

1,3 Millionen Autos bevölkern inzwischen ein Strassennetz, das nicht viel grösser ist wie das von 1989 als es nur 250.000 Autos gab. Es sind eine Unmenge neue Wohnblocks auf einem völlig veralteten Wasserversorgungs- und Abwassernetz gebaut worden. Die Behörden haben es in den letzten 20 Jahren nicht geschafft, eine Strategie zur dauerhaften Entwicklung von Bukarest zu schaffen.

Die Verkehrsexperten weisen daraufhin, dass Bukarest täglich von 400.000 bis 500.000 Autos durchquert wird.

Laut dem Bürgermeister von Bukarest beherbergt die Stadt 450.000 (!) Studenten, 10.000 bis 12.000 Bauarbeiter und 30.000 Ausländer, von denen etwa 12.000 einen legalisierten Aufenthalt haben.

Der öffentliche Nahverkehr transportiert in Bukarest täglich 3,3 Millionen Reisende. Neben der Metro sind es die Busse, in denen die Hauptlast der Nahverkehrs sich abspielt. Mangels entsprechendere Vorrang-Regelungen bleiben die Busse im Dauerstau stecken.

Siehe auch Blogbeitrag: Bukarester Taxifahrer: Service wie bei Dracula

Informationsquelle "Evenimentul Zilei": Un chin ce nu se mai sfârşeşte: Bucureştiul nu ne mai încape

Bildquelle: http://www.evz.ro/pictures/articles/normal/a02add455acdd2bb410b42ead2edfef6.jpg

Montag, 5. Januar 2009

Gaza und Israel

Das zur Zeit vorherrschende Thema in der Welt ist der Angriff Israels auf den Gaza-Streifen. Die Meinungen sind geteilt und es lohnt sich einmal umzusehen, was so in der Welt des "Angelesenen" für Meinungen geäussert werden.

In Brasilien ist "O Estado de S. Paulo" der Meinung "Die militärische Aktion Israels ist legitim" (Ação militar israelense é legítima). Der Journalist Marcelo Ambrosio vom "Jornal do Brasil" berichtet in seinem Blog, dass er die israelischen Streitkräfte bei der Invasion in den Gaza-Streifen begleitet hat. Mit Entsetzen hat er in der Morgendämmerung festgestellt, dass von den Israelis Streubomben (bomba de fragmentação) eingesetzt wurden. Er weist daraufhin, dass Streubombem international geächtet sind und in einem solch dicht besiedelten Gebiet schlimme Schäden verursachen.

Und die brasilianische Regierung: In einer Pressemittleilung vom 3. Januar bedauert die brasilianische Regierung die israelische Invasion (deplora a incursão militar terrestre israelense), die nur zu noch mehr Spannungen führen werde.


In Spanien: Der Journalist José María Carrascal von "ABC Sevilla" vertritt die Meinung "Kriege können nicht gewonnen werden" (Guerras imposibles de ganar). Seiner Meinung nach werden nur "Realismus, Kaltblütigkeit und schmerzhafte Konzessionen auf beiden Seiten" den Konflikt lösen. Der katalanische "Avui" gibt beiden Seite die Schuld. Er befürchtet, dass in Israel der Weg der Gewalt nur wegen den bevorstehenden Wahlen gewählt wurde und verlangt Solidarität mit den Opfern (sentir-nos solidaris amb les víctimes). Das spanische Aussenministerium bedauert in einer Pressemitteilung zutiefst die Entwicklung durch die Landoffensive des israelischen Heeres und ruft zur sofortigen Beendigung der Feindlichkeiten auf (hostilidades).

Frankreich: "Le Monde" schreibt in seinem Editorial über den "Schiffbruch von Gaza" (Le naufrage de Gaza) und unterstellt Israel bisher bei der Lösung des Gaza-Problems "schlechten Willen" (mauvaise volonté israélienne) an den Tag gelegt zu haben. Deswegen sei die Autonomie für Gaza auch nur ein taktischer Coup gewesen.