Sonntag, 30. November 2008

Zwischen Elend und Hoffnung

João Valadares berichtet in seinem Blog "PE Body Count" von einem mutigen Recifenser, der gegen das Elend in den Favelas mit Büchern ankämpft.

Ricardo Gomes Ferraz, genannt Kcal Gomes, 34 Jahre alt, wohnt im Stadtteil Pina im südlichen Recife. In diesem Stadtteil liegen auch die auf Pfählen in den Fluss gebauten Häuser von Bode. Kcal Gomes errichtete vor einem Jahr in dieser verwahrlosten Gegend eine Bibliothek. Er bezeichnete dieses Projekt als einen Traum für die Gemeinschaft. Die Bibliothek ist jetzt Treffpunkt von Strassenkindern. Viele davon können nicht einmal lesen. Sie schauen sich nur die Bilder an oder berühren aus Neugier die Bücher. Wie die achtjährige Joana, die ein Buch des Dichters Manuel Bandeira in der Hand hat. "Ich kann nicht lesen", sagt sie. Aber wichtig ist für sie das Buch auch nur zu berühren (tocar).

"Ich habe nichts, aber ich mach alles, was ich kann", sagt Kcal Gomes, "meine Schwester verkauft Crack in der Gemeinde, ich bin ein Bücher-Dealer. Ich bin ein verantwortungsvoller Verrückter (um louco responsável). Nur ein weiterer Brasilianer. Aufgeteilt zwischen einer Schule, einem Traum und einem Arbeitsplatz. Könnte ich studieren würde ich ein hungerleidender Weiser werden. Würde ich arbeiten, wäre ich ein Bürger ohne Namen mehr."

Seit er 11 Jahre ist, liest er Bücher. Lesen ist seine Leidenschaft. “Er liest 8 STunden hintereinander und schläft dann gegen 5 Uhr" seufzt seine Frau Valquíria de Carvalho. Er weiss selbst nicht mehr, wieviele Bücher er schon gelesen hat. Von dem wenigen Geld, das er hatte, kaufte er Bücher. Manchmal hat er das Bus-Geld für Bücher ausgegeben und musste den weiten Weg von Recife-Zentrum zu Fuss nach Bode laufen.

Mit den Büchern verwandelte er sein Haus langsam in einen Leseraum. Täglich kommen im Schnitt 20 Kinder zu ihm, um zu lesen.

Kcal Gomes ist jetzt für den Preis "País do Prêmio Faz Diferença", den die Zeitung "O Globo" für Personen vergibt, die sich für ein besseres Brasilien einsetzen, vorgeschlagen worden. Er hätte ihn verdient!


Bildquelle: http://www.pebodycount.com.br/gwm/web/imagensPost/thumb_025d9119064762eec989fde5d43f83cd.jpg

Samstag, 29. November 2008

Führer für Angeber

Mihai Bendeac, dessen Blog "MihaiBendeac’s Weblog" ich links unten der Blogliste hinzugefügt habe, hat in der Zeitung "Adevarul" einen Platz für seine Erkenntnisse eingeräumt bekommen.

Als erstes hat er sich über die uns schon bekannten rumänischen Angeber hergemacht. Er hat heute einen Führer für Angeber veröffentlicht (ghid pentru cocalari). Wobei mir das Wort "Cocalari" eine neuere Wortschöpfung der rumänischen Sprache erscheint. Auf jeden Fall ist es im offiziellen rumänischen Wörterbuch nicht enthalten. Kommt es von "coca", also Kokser? Da es aber auch auf Angeber abziehlt, bleiben wir vielleicht bei der Bedeutung Angeber, der auch kokst.

Nun, Mihai Bendeac bombardiert uns mit einer ganzen Reihe von rumänischen Modewörtern, wenn er uns den Cocalari beschreibt: "Er ist gegelt (Egelat). Er ist frisiert (E frezat). Er ist selbstgerecht (E bazat). Er ist ein Gauner (E şmecher). Er gibt sich wichtig und reich (E barosan). Er tötet alle seine Feinde (duşmanii) mit den Augen. Schmeisst mit Geld um sich (Aruncă cu banii). Trägt Hemden mit dem Aufdruck "Puta madre". Trägt eine Sonnenbrille wie wenn er Strand liegen würde und tut sich mit seinem Mobiltelefon wichtig, das er auf höchste Lautstärke stellt. Das ist er, unser rumänischer Angeber! Und damit er auch zu uns gehört, müssen wir ihn lieben und ihm helfen. Sonst....."


Aus diesem Grund gibt er seinen Führer, seine Ratschläge weiter.


Es gibt eine rumänische Internet-Seite "Cocalari si printzesa", auf der man die möchtegern Cocalari bewunden kann.


Bildquelle: http://assets.adevarul.ro/

Der Kiosk-Sturz von Sevilla

"Quioscazo" meldet "ABC" Sevilla und meint damit das Unglück, das vor 3 Tagen beim Bau der U-Bahn (Metro) passiert ist. Die Spanier neigen dazu bei allem was gross und riesig ist, die Endung "..azo" zu benutzen. So wird aus dem "Quiosco", also dem Kiosk, ein riesen Kiosk in Form von "Quioscazo". Das allein erklärt allerdings den benutzten Ausdruck nicht.

Am Mittwoch hat sich an der Puerta de Jerez mit einem lauten Knall ein Loch in der Erde aufgetan und einen Zeitungskiosk und zwei Strassenlaternen mit in die Tiefe gerissen. Also dürfte der Sinn des "Quioscazo" eher der "Kiosk-Sturz" sein. Glücklicherweise kam keine Person zu schaden. Man weiss nur, dass das plötzliche Loch auf den Metro-Bau in Sevilla - sollte am 20. Dezember in Betrieb gehen - zurückzuführen ist. Ansonsten hält sich die Stadtverwaltung und das ausführende Unternehmen über die Gründe des Unglücks bedeckt. Der Bürgermeister (alcalde) hat trotzdem Nerven, er meint das wäre bei dem Typ von Arbeiten halt üblich («habitual en este tipo de obras»).

Bild: Ort des Unglücks; Quelle: http://www.abcdesevilla.es/sevilla/noticias/200811/28/Media/dia-siguiente/socavon--253x190.JPG

Freitag, 28. November 2008

Schottische Wohnungen dringend reparaturbedürftig

"The Herald" aus Glasgow berichtet über den "Scottish House Condition Survey 2007" (Schottischer Hauszustandsbericht 2007). Danach sind 79% aller schottischen Wohnungen reparaturbedürftig, 49% davon sind sogar sehr reparaturbedürftig (in need of urgent repairs).

Graeme Brown, der Direktor der Wohltätigkeitsorganisation "Shelter Scotland" (Wohnung Schottland) sagte, dass der Report ein Weckruf (wake-up call) sei. Und weiter: "Der Report zeigt, dass für viele unserer Bürger die Härten der Wohnungssituation der Viktorianischen Zeit weitherin bestehen. Es spottet jeder Beschreibung, dass über eine halbe Million Haushalte über keine richtige Heizung verfügen (fuel poverty)." Viele Haushalte können zudem ihre Heizkostenrechnung nicht bezahlen.

Die schottischen Hauseigentümer haben die Behörden des Vereinten Königreichs und Schottland um Massnahmen zur Verbesserung der Wohnungsbedingungen gebeten. Wobei es hier vor allem um Unterstützung energieeffizienter Ausrüstung der Wohnungen geht.

Bildquelle: http://govanhill.eveningtimes.co.uk/files/photo/max-24404.jpg

Deutsche Weihnachten bei Real Madrid

Bernd Schuster, der deutsche Trainer (técnico) von Real Madrid, hat nach einem Bericht des spanischen Fernsehens (TVE) heute zusammen mit dem Präsidenten von Real Madrid eine Pressekonferenz gegeben.

Besonders erwähnenswert fand TVE, dass Schuster diesmal gegenüber den Medien ein versöhnlicheres Bild (una imagen conciliadora) gegeben hat, nachdem die letzten beiden Spiele für Real Madrid positiv ausgingen. Die Presse wollte nun unbedingt wissen, ob Real neue Spieler im Winter einstellen wird (fichaje). Der Präsident sagte generös, na klar und der Trainer meinte dazu nur spöttisch: "Ich weiss nicht wer das sein soll, denn Weihnachtsgeschenke öffnet man nicht vor dem 24. Dezember"!

Eine sehr deutsche Einstellung, denn schliesslich kann der Spanier mit dem 24. Dezember noch nichts richtiges anfangen, bei ihm gibt es die Geschenke nach altem spanischen Brauch erst am 6. Januar von den Reyes (Drei Königen).

Bildquelle:www.bundesliga.de/media/images/bundesliga/schuster01_345x468.jpg

Schweizer Schulkinder verstehen kein Deutsch

"Prevent a bite", ist ein Schulprojekt zur Unfallverhütung Kind und Hund in der Region Bern, das von der STVV (Schweizerische Tierärztliche Vereinigung für Verhaltensmedizin) und vom BVET (Bundesamt für Veterinärwesen) für Schulklassen der Unterstufe und Kindergarten empfohlen wird. Der total unschweizerische Projektname kommt daher, dass John Uncle, ein englischer Hundetrainer, 1990 in England das Programm Prevent a bite entwickelte. Sinn dieses Projekts ist es den Kindern zu zeigen, wie sie mit Hunden umgehen müssen.

Nun, die Organisatoren haben keinen griffigen Namen in ihrer Muttersprache gefunden. Jetzt liegt es erst einmal an den Englischlehrern, den Schüler zu erklären, zu was sie vorbeugen sollen.

In deutschen Landen trägt ja die Liebe zu Anglizismen seltsame Blüten, nicht viel besser ist es in der deutschsprachigen Schweiz.

Ein Beispiel: Ein Bericht der "Schaffhauser Nachrichten", den ich nachstehend wiedergebe, strotzt geradezu von Weltläufigkeit:

"Check geht an «Prevent a bite»

Im Rahmenprogramm der Hundesportveranstaltung «Schaffhauser Agility Tage 2008» organisierte der Serviceclub «Round Table 9» eine Art «Sponsoringlauf für Vierbeiner». Der Gesamterlös daraus wird der Institution «Prevent a bite» zukommen. Diese ist in Kindergärten und Unterstufenklassen des Kantons Schaffhausen aktiv und lehrt Kinder in stufengerechten Programmen den korrekten Umgang mit fremden wie auch mit eigenen Hunden. Ziel dieser präventiven Aktionen ist es, die Zahl von Unfällen und Zwischenfällen zu reduzieren, welche sich aufgrund von falschem Verhalten der Kinder oder ihrer Betreuer ergeben.

Vergangene Woche fand anlässlich einer offiziellen Sitzung von «Round Table 9» nun die feierliche Übergabe des Checks von tausend Franken zugunsten von «Prevent a bite» statt. Der amtierende «Round Table»-Präsident Matthias Bickel übergab den Initiantinnen von «Prevent a bite», Ursula Niggli und Ursula Hatt, den Check. (mb)"

Welcher Check ist denn da gemeint?

Donnerstag, 27. November 2008

Tsunami am Schwarzen Meer

Laut Bericht von "Romania Libera" von heute gabe es einen solchen 1901 im und am Schwarzen Meer (Marea Neagra). Damals verursachte ein Erdbeben an der bulgarischen Küste, 15 km unter dem Meeresboden einen 5m hohen Tsunami, von dem die bulgarische und rumänische Küste betroffen war. Die Rumänen nannten das "Valul ucigas" (Mörderwelle).

Grund für den Bericht von "Romania Libera" ist die Einweihung der neuen Erdbebenwarte (observatorului seismologic) in Eforie, nahe Constanta.


Rumänien ist stark erdbebengefährdet. Schuld ist der Vrancea-Graben, der in den Karpaten an der Stelle liegt, wo sich diese in ihrer Ostausrichtung nach Norden abknicken. Das letzte schwere Erdbeben liegt über 30 Jahr zurück, die "Siebenbürger Zeitung" beschreibt nochmals das damals Geschehene: "Am 4. März 1977 ereignete sich in Rumänien eines der schwersten Erdbeben der letzten Jahrhunderte. Mit einer Stärke von 7,2 auf der Richterskala und dem Epizentrum im Vrancea-Gebiet, am östlichen Rand der Karpaten, hatte das Erdbeben katastrophale Folgen für Menschen, Wohn- und Wirtschaftsanlagen. Am meisten betroffen waren die Hauptstadt, deren Umland im südlichen Rumänien bis zur Donau, Siebenbürgen und andere Regionen. "


Inzwischen gibt es eine Erdbebenwarte in Bukarest und nun auch in Eforie. Die Erdbebenwarte soll mit modernsten Geräten ausgestattet sein und seinen Hauptaugenmerk auf den Vrancea-Graben richten. Aber: Es fehlen noch Sonden im Schwarzen Meer selbst. Diese sollen noch in naher Zukunft von französischen Spezialisten installiert werden. Das derzeitige Frühwarnsystem wird eine Vorwarnzeit von 20 Sekunden ermöglichen. Dann muss aber bltzschnell gehandelt werden......

Rio fürchtet sich vor dem Sommerregen

Dies ist nicht verwunderlich, nachdem es derzeit in Südbrasilien und auch in Petropolis vor den Toren von Rio zu schweren Überschwemmungen gekommen ist. Die "chuvas de verão" (Sommerregen) stehen vor der Tür und nach Ansicht des neu gewählten Bürgermeisters (prefeito), Eduardo Paes, liegt die Priorität während seiner Amtszeit auf der Erhaltung und Pflege der Stadt Rio.

Die neue Verwaltung arbeitet bereits an einem Notfallplan, um dem Sommerregen begegnen zu können.

Der zukünftige Bürgermeister definiert die Probleme wie folgt: "Es gibt keine Reinigung der Abwasserkanäle und Säuberung der Flüsse und auch die Strassen werden nicht gereinigt. Die Stadt ist sehr verwahrlost (abandonada) und wir stehen deshalb vor einer schwierigen Situation im Sommer, der Jahreszeit mit den heftigsten Regenfällen. Aber wir hoffen, dass wir die Zeichen verstanden haben."

Bildquelle: http://marcelotas.blog.uol.com.br/images/cicarelli_chuva.jpg

Mittwoch, 26. November 2008

Am Sonntag Parlamentswahlen in Rumänien

"Mergeţi duminică la vot?" Gehen Sie am Sonntag zur Wahl? fragt "Evenimentul Zilei" (EVZ) seine Leser. Die Parlamentswahlen - alegeri parlamentare - werden am nächsten Sonntag stattfinden.

Die rumänischen Politiker sind immer noch nicht so überzeugend, dass es den Wählern leicht fällt, zur Wahl zur gehen. Grösstes Problem ist nach wie vor die Korruption. Abgeordnete wechseln die Parteien wie ihr Hemd, je nachdem, wo es mehr zu verdienen gibt.

EVZ rechnet nur mit einer Wahlbeteiligung von 50%. Wobei die Wahlunlust in den Städten stärker sein wird wie auf dem Land.

Die Nichtregierungsorganisation "Asociatia Pro Democratia" hat bereits gegen eine Regierungsdirektive protestiert, die die Möglichkeiten der Wahlbeobachtung für NGO's und auch für die Presse erheblich einschränkt. Sie wird deshalb nur in einer eingeschränkten Form mit mobilen "Wahlbeobachtungsteams" versuchen, die Wahlen zu begleiten und auf Unregelmässigkeiten zu prüfen.

Sofortige Verfussgängerung!

¡Peatonalización ahora! Im Titel ist das etwas grob übersetzt, es bedeutet in besserem Deutsch: Einrichtung von Fussgängerzonen jetzt!

Dies verlangen die "Ecologistas en Acción de Sevilla" (Umweltschützer in Aktion von Sevilla). Die Aktion unter dem oben erwähnten Titel wurde im Oktober dieses Jahres gestartet. Die Umweltschützer verstehen sich als eine Bürgerbewegung (Plataforma Ciudadana) für die Einrichtung nicht nur von Fussgängerzonen, sondern auch von Fahrradwegen. "Diese Kampagne ist eine Antwort auf all jene, die einmal mehr versuchen, die Schliessung (el cierre) des Verkehr im historischen Zentrum zu verhindern", sagen die Organisatoren. Den Gegnern wird vorgeworfen, dass Sevilla inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen ist, dass der Kampf gegen den Klimawandel (cambio climático) und für eine Verbesserung der Umweltqualität in Sevilla nicht weiter warten können.

Wer die engen Strassen im Zentrum von Sevilla kennt, wundert sich ohnehin schon lange, dass der Autoverkehr in dieser Zone bisher erst teilweise eingeschränkt wurde.

Zur Zeit tobt ein Kampf um die Umbau der Calle Asuncion (Stadtteil Los Remedios) in eine Fussgängerzone. Die Gegner haben ebenfalls eine Bürgerbewegung organisiert und können laut "Diario de Sevilla" bereits 5.000 Unterschriften dagegen vorlegen. Die Argumente sind wie könnte es anders sein: Fehlende Parkplätze, eingeschränkte Beweglichkeit des Verkehrs und fehlende Sicherheit, denn in einer stillgelegten Strasse könnten illegale Märkte entstehen.

Dienstag, 25. November 2008

Araripina und der Troca-Troca

Fredson Paiva berichtet in seinem Blog aus der pernambucanischen Provinz. Unter anderem vom Troca-Troca-Markt in Araripina. Trocar heisst übersetzt "tauschen".

Auf diesen Märkten wird alles getauscht. Angeblich soll sogar schon mal ein "Matuto" (halbstarker Bengel) versucht haben, seine Frau gegen einen Farbfernseher zu tauschen.


Vor kurzem passierte auf dem Troca-Troca folgendes: Ein Verkäufer wurde erwischt und eingesperrt, weil er Waren ohne Rechnung (Mercadoria sem nota) dabei hatte. Und zwar passierte das um 10 Uhr morgens des 22.11. als Militärpolizisten kontrollierend ihre Runden auf dem Markt drehten. Er hatte 4 Handys und 2 MP3-Player dabei, deren Herkunft er nicht nachweisen konnte. Er sitzt jetzt und wird seinen Prozess entsprechend den Gesetzen (processado na forma da lei) bekommen.


Fredson Paiva gibt im Profil seines Blogs als Beruf Reporter an. Ein Reporter des pernambucanischen Provinz-Alltags. Seine Heimatstadt scheint Araripina (80.000 Einwohner, 622 m hoch, tropisches Klima) zu sein. Laut einem Hinweis im Internet hat er von der Militärpolizei Araripina die Verdienstmedaille für seine Reportagen bekommen.

Mörderbienen töten Strassenarbeiter

"Diario do Pará" meldet, dass in Andradina, ein Ort, der 627 km von São Paulo entfernt liegt, ein Strassenarbeiter nach 500 Bienenstichen gestorben ist. Eine Gruppe von Strassenarbeitern war mit der Entfernung von Buschwerk an einer Strasse beschäftigt. Sie beschädigten mit ihren Hacken einen Bienenstock (colméia). Daraufhin attackierten die Bienen die 11 Arbeiter.

Die Arbeiter mussten wegen der Bienenstiche in die Unfallklink gebracht werden. Einer starb an Atemstillstand (insuficiência respiratória). Er hatte mehr als 500 Stiche abbekommen.

Montag, 24. November 2008

Das Cappuccino Memo

Die Präsidentin des britischen Unterhauses, Harriet Harman, ist wegen des "Cappuccino Memo" Gegenstand eines Berichtes der BBC.

Frau Harman soll Berichte über einen Kabinettskollegen, der ständig Cappuccinos und Espresso in seinem Büro verlangt, als "Schaumschlägerei" (froth) bezeichnet haben.

Es geht konkret um den Innenminister Liam Byrne, von dem seine Beamten (civil servants) berichten, dass er ständig Kaffee beim Arbeiten trinken will, dass er seine Suppe um 12:30 Uhr braucht und dass er Memos verlangt, die in 60 Sekunden gelesen werden können.

Die oppositionellen Tories schliessen daraus, dass der Minister keine Prioriäten setzen kann.

Frau Harmann, Leader des Hohen Hause, konnte darüber nur lachen und bezeichnete das Memo als reine Schaumschlägerei.

Auch der betroffene Minister Byrne versuchte den "Geheimnisverrat" seiner Beamten mit einem Lachen abzutun. Er bestätigte aber, dass er verfügt hat, dass Entscheidungsvorlagen (Memos) nicht länger wie eine Seite sein sollten.

Bahnreisen bleiben ein Abenteuer

in Rumänien. Unter Berufung auf einen Artikel in der Zeitung "Curentul" berichtet heute "ziare.ro" (eine rumänische Internetseite, die eine Zusammenfassung von rumänischen Zeitungsartikeln veröffentlicht) über den Zustand der rumänischen Eisenbahn CFR (Căile Ferate Române).

Fazit ist, dass das Bahnreisen in Rumänien weiterhin ein Abenteuer bleibe. In der vergangenen Woche sei wieder ein mit Kalk beladener Güterzug (tren marfar) entgleist. Das Unglück habe den Verkehr auf der wichtigen Hauptstrecke zwischen Bukarest und Constanţa erheblich beeinträchtigt. In Siebenbürgen hat die Lokomotive eines Personenzugs Feuer gefangen, weil die Lokomotive (locomotiva) nicht richtig gewartet worden sei.

Dem zuständigen Transportminister Ludovic Orban, wird vorgeworfen, dass er nichts tut, um die Infrastruktur der Bahn zu verbessern. Auch die Vereinigung der rumänischen Eisenbahnindustrie (AIFR) hat gegenüber dem Regierungschef Popescu Tăriceanu wegen dieser Vernächlässigung der Bahn protestiert.

DIe AIPF bemängelt, dass 5000 km Strecke, 65 % der Brücken (poduri), 80% der Brückenstützen, 85 % der Installationen und 95% der Stromleitungen reparaturbedürftig sind. Die durchschnittliche Geschwindigkeit im Netz der CFR liegt im Bereich der Personenbeförderung nur noch bei 42 km/h und bei Güterzügen bei 17 km/h. Ausser Worten der Unterstützung für den Transport auf der Schiene (transportul pe şină; letzteres Wort kommt aus dem Deutschen und wird als "Schiene" ausgesprochen), der auch aus ökologischen Gründen gefördert werden sollte, ist allerdings von der Regierung nichts gekommen. Statt der versprochenen Mittel von 500-600 Millionen Euro sind bisher nur 80 Millionen angewiesen worden.

Bild: Brücke auf der Strecke Sava - Maramures (2001)

Sonntag, 23. November 2008

O Estado de S. Paulo

"O Estado de S. Paulo" ist eine Zeitung, die ihr Verbreitungsgebiet in der Stadt São Paulo und im gleichnamigen brasilianischen Bundesstaat hat.

Die Zeitung wurde von einer Gruppe Republikaner im Jahr 1875 gegründet. Zu diesem Zeitpunkt nannte sich die Zeitung noch "A Província de São Paulo". Das Blatt war die erste Zeitung, die auf den Einzelverkauf (venda avulsa) im Gegensatz zum Abonnement (assinatura) setzte. Den Einzelverkauf förderte damals ein Franzose, Bernard Gregoire, der auf einem Pferd sitzend trompetenblasend auf den Verkauf der Zeitung aufmerksam machte.


Ende des 19. Jahrhunderts war "O Estado de S. Paulo" bereits die grösste Zeitung São Paulo's. Im ersten Weltkrieg schrieb das Blatt für die Sache der Alliierten und überwarf sich damit mit der umfangreichen deutschen Kolonie in São Paulo.
Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs eckte die Zeitung mehrfach mit den brasilianischen Machthabern der damaligen Zeit an und wurde auch mehrfach konfisziert und zensiert.

Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte "O Estado de S. Paulo" sich zur wichtigsten Zeitung Brasiliens. Lange Zeit stand sie zur Opposition zu den meisten Regierungen bis 1964, wo sie den Militärputsch von Castello Branco unterstützte. Nachdem das Militärregime die Parteien auflöste, brach "O Estado" mit dem Militärregime. Die Zeitung wurde danach der Zensur unterworfen, gegen die sie sich unter der Leitung von Julio de Mesquita Neto heftigst wehrte.


In den achtziger Jahren wurde das Blatt vor allem stilistischen Veränderungen unterworfen, auch kam jetzt Farbe in die Zeitung.
"O Estado" ist zur Zeit die viertgrösste Zeitung Brasiliens und die grösste Zeitung in São Paulo. Ich habe die Zeitung in der linken Spalte unter "Nachrichtenquellen - fremdsprachig" aufgenommen.

Informationsquelle: Wikipedia portugiesisch

SDF tot aufgefunden

Ein SDF ist nach französischem Sprachgebrauch ein Mensch "sans domicile fixe" also ein Mensch ohne Wohnsitz.

"Libération" berichtet heute, dass im Wald von Vincennes (bois de Vincennes) in Paris ein so abgekürzter Mensch, SDF, tot aufgefunden worden ist. Die Gründe für seinen Tod sind noch nicht bekannt, die derzeitige Kältewelle in Paris soll allerdings nicht schuld sein, da die Leiche bereits stark verwest war und man daraus schliessen konnte, dass der SDF, es war ein Mann, bereits vor Beginn der Kältewelle verstorben war. Er hatte sich im Wald einen Unterstand gebaut.

Früher nannte man Obdachlose in Frankreich "Clochard". Heute ist dieses Wort aus dem offiziellen Sprachgebrauch wegen seiner herabsetzenden Bedeutung (à cause de sa connotation péjorative et réductrice) verbannt.
Es gibt im übrigen einen Blog der SDF unter dem Titel "Solidarité Des Français".


Bild: Logo der SDF

Samstag, 22. November 2008

Schlagzeilen in der spanischen Welt des "Angelesenen"

Heute einmal ein Rundblick, was - soweit meine Augen reichen - heute Samstag, 22. November, Schlagzeilen in der spanischen Welt des Angelesenen macht:

In Sevilla beschäftigt sich der "Diario de Sevilla" mit dem öffentlichen Stadtverkehr: "El Consorcio abarata el transbordo a los usuarios de buses metropolitanos" (Die Verkehrsbetriebe verbilligen das Umsteigen für die Nutzer der Stadtbusse). Sonst noch wichtig ist, dass die Ehefrau des spanischen Thronfolgers, Doña Letizia, Aljarafe (Vorort von Sevilla) mit einem Besuch beehrt und sich in einer Schule über Englisch und spanische Geschichte unterrichten lässt.

In Chiclana geht's drunter und drüber. Der "Diario Bahía de Cádiz" titelt: "Moción de censura en el Ayuntamiento de Chiclana" (Misstrauensvotum in der Stadtverwaltung von Chiclana). Die Linken wollen den Bürgermeister der Partido Popular, der Rechten, stürzen. 30 Polizisten sind zur Sicherung des Vorgangs aufgeboten.

In Barcelona bzw. Katalonien beschäftigt sich "Avui" mit der Frage, ob die Partei der Grünen (ICV - Iniciativa per Catalunya Verds) auch während der derzeitigen Legislaturperiode des katalanischen Parlaments in die Opposition gehen könnte. Und eine weitere Schlagzeile ist "Avui" die Meldung wert, dass ein Mitglied der Partei "Unión, Progreso y Democracia", eine Partei, die gegen die Dezentralisierung kämpft, der Swiss (Air) einen Brief geschrieben hat, in welchem er die Luftlinie aufklärt, dass die katalanische Sprache nur ein Dialekt sei (el català és només un dialecte). Die Swiss hatte doch tätsächlich höflichkeitshalber auf der Strecke Zürich - Barcelona auch Ansagen in katalanischer Sprache gemacht, weil die katalanische Regierung darauf besteht, dass Katalan eine eigene Sprache ist. José Manuel Opazo, der vorgenannte Störenfried, schreibt der Swiss jedoch, dass es eine Beleidigung der 40 Millionen Spanier sei, das Katalanische, das nur von 700.000 Personen gesprochen werde, als Sprache zu bezeichnen. Seine Partei hat sich inzwischen von ihm distanziert.

„El Periódico“ ist die grosse spanische Politik wichtiger. Hier wird die Aussage des Ministerpräsidenten Zapatero wiedergegeben, dass er die sofortigen Massnahmen zur Mobilisierung der Mittel für die Schaffung von Arbeitsplätzen vorziehen wird („Zapatero avanza medidas "inmediatas" que movilicen recursos para crear empleo“). Ansonsten ist die Eröffnung der Wintersportsaison im Vall d'Aran (Pyrenäen) ein Thema. Schon lange nicht mehr soll die Saison so früh begonnen haben.

„La Vanguardia“ aus Barcelona ist die Entschlussfreudigkeit des Ministerpräsidenten ebenfalls die erste Schlagzeile wert. Es wird zusätzlich berichtet, dass 65% der katalanischen Familien ihre Ausgaben wegen der derzeitigen Wirtschaftskrise kürzen werden.

Freitag, 21. November 2008

Itabuna führt in der Dengue-Liga

Das behauptet der "Correio" (Bahia) unter Berufung auf eine Veröffentlichung des brasilianischen Gesundheitsministeriums. Itabuna liegt 473 km südlich von Salvador, der Hauptstadt des Bundesstaates Bahia. In Itabuna hat man im jetzt beginnenden brasilianischen Sommer die besten Möglichkeiten, das Dengue-Fieber zu bekommen.

Der Bürgermeister, Fernando Gomes, ist völlig entsetzt: Das sei alles übertrieben, die Situation sei unter totaler Kontrolle (a situação está totalmente sob controle). "Ich weiss nicht, wer das aufgebracht hat!" Die Gemeinde habe grosse Anstrengungen unternommen, um das Mosquito Aedes aegypti zu bekämpfen.

Laut "Correio" hat die Stadt viele Punkte, wo das Mosquito sich sehr gut vermehrt. Dies sei vor allem auf den vielen herumliegenden Müll (lixo) und den Fluss Rio Cachoeiro, in den die ganzen Abwasser fliessen, zurückzuführen. Hinzu kommt, dass einige Stadtviertel über kein Abwassersystem verfügen. Das gibt der Bürgermeister zu, aber er weist daraufhin, dass sie bisher bis Oktober nur 15 Dengue-Fälle hatten, davon ist eine Person gestorben. Schuld an der schlechten Quote gibt er einigen Stadtteilen, die weder die Abwasser- noch die Müllentsorgung im Griff hätten.

Bild: Tabuna; Quelle: http://www.lds.org/multimedia/files/localinstitutes/101186_itabuna2_st.jpg

Grösstes Hotel Europas ist illegal

Dies berichtet "Evenimentul Zilei" heute vom "Rin Grand Hotel" in Bukarest. Das Hotel, das in der Nähe des Flughafens in Otopeni liegt, hat 1.459 Zimmer und ist im Oktober 2007 in Betrieb genommen worden - ohne dass es entsprechend der rumänischen Gesetzgebung klassifiziert wurde. Daran hängt auch die Vergabe der "Sterne", von denen das "Rin Grand Hotel" sich 4 verliehen hat.

Die Behörden konnten das Hotel nicht klassifizieren, weil die Unterlagen unvollständig waren. Ein Vetreter des zuständigen Tourismus-Ministeriums (Ministerul Turismului) bestätigt, dass ein Hotel nach der Gesetzgebung nicht ohne Zertifizierungszeugnis in Betrieb gehen darf.

Im rumänischen Gaststättengewerbe soll es aber üblich sein, dass man auf das Zertifizierungszeugnis "pfeift". Die Hotelbetreiber sind der Ansicht, dass die Gesetzgebung dazu völlig veraltet ist und dass damit nur bürokratische Hürden aufgestellt werden. Ca. 50% der rumänischen Hotels sollen nicht klassifiziert sein.

Aus "vetrauenswürdigen Quellen" (surse din piaţă) war zu erfahren, dass das Zertifizierungszeugnis für das "Rin Grand Hotel" nicht erteilt werden konnte, weil die Endabnahme der Feuerwehr (pompieri) fehlte. Die wiederum hat Bauchschmerzen, weil das Hotel nur über eine Fluchttreppe bei Feuer verfügt anstatt der offiziell notwendigen 2 Nottreppen.

Bei der Grösse des Hotels sind diese Bedenken wohl nicht ganz unberechtigt!

Bildquelle: http://www.hotelnet.ro/hotels/gif/rin-grand.bmp

Donnerstag, 20. November 2008

Aufruf gegen den traurigen Alltag

João Valadares hat in seinem Blog "PEBodyCount" eine Reflexion veröffentlicht, die ich gerne einmal in voller Länge in übersetzter Form wiedergeben möchte:

"Provocação - Provokation

Immer sie, unsere geliebte Mittelklasse, zu der ich mich auch zähle. Werden wir aufgeschreckt, schreien wir.

Zersplittert unser Glas, vergessen wir unsere ochsenartige Passivität und schreien in alle vier Winde, wie absurd es ist in Recife zu leben. "Wir haben keine Polizei, wir haben nichts hier. Wir können nicht aus dem Haus gehen. Wo bleibt der Pakt für das Leben (o Pacto pela Vida)? Wenn es mich getroffen hat, schreie ich. Ich komme aus Espinheiro, Aflitos, Casa Forte, Rosarinho (Anm.: Viertel der Wohlhabenderen), ich schreie.

Aber, aus meiner demütigen Sicht als Mitglied dieser recifensischen Rasse, glaube ich, dass wir erst das Gewaltproblem beginnen werden zu ändern, wenn es uns gelingt über jeden Toten zu weinen. Diejenigen, die versteckt an der Peripherie unserer Stadt sterben, die nicht einmal eine Fussnote in unseren Zeitungen erhalten, wenn sie 2 Schüsse in den Kopf bekommen haben. Und das sind nicht wenige. Wir sollten uns dann genauso verhalten bei dem, was in Coelhos, Ibura, Coque, Iputinga und vielen anderen versteckten Orten der Schande passiert.

Wir müssen den Schmerz der 69-jährigen Inês Maria da Silva, Bewohnerin von Coque, mitfühlen. Sie hatte unter verschiedenen Umständen 5 ermordete Söhne und einen getöten Neffen zu beweinen. Alle in Coque. Jedes Mal von neuem spazierten die Mörder durch die Strassen ihres Hause und machten sich einen schönen Tag. Es ist eine gute Übung, uns mit etwas zu beschäftigen, das uns fern scheint. Etwas tun für etwas, das uns nicht betrifft. Zeigen wir das jeden Tag. Wenn die Leute sich nicht mehr nur über eine spektakulären Mord in Boa Viagem oder Casa Forte aufregen, dann wird meines Erachtens die grosse Wende beginnen. Wir brauchen uns nicht an den Schmerz der Cariocas (Anm.: Bewohner von Rio de Janeiro) und Paulistas (von Sao Paulo) zu halten. Es gibt in Pernambuco ein immenses Leiden. Das muss man fühlen (É preciso sentir).

Um das klarzustellen: Ich verteidige hier nicht den Klassenkampf. Ich verteidige nicht, dass die Banditen Strassen sperren, in welchem Viertel das auch sei, Bewohner ausrauben. So ist es nicht. Im Gegenteil. Ich sage nur, dass Recife sich kennen lernen muss. Dass es sich mit der unbequemen Geschichte von Márcia Maria Gomes, einer armen Frau von 47 Jahren, Bewohnerin von Ibura, belasten muss. Jeden Tag geht sie zum IML um die Beine der Toten zu prüfen, damit sie den Körper ihres Sohnes finden kann. Mehr als 3 Monate und nichts. Keine polizeilichen Nachforschungen. Und sie macht es immer wieder, allein, tut das, was die Regierung nicht tut. Aber niemand weiss was. Niemand interessiert sich.

Ich schreibe dies, um zu sagen, dass ich den allgemeinen Aufschrei seltsam finde, wenn Diebe uns Handys und Brieftaschen klauen und gleichzeitig ein tiefes Schweigen herrscht, wenn täglich 8, 9, 10 Personen in unserem Staat ermordet werden. Auf einer Strasse in Rosarinho werden 8 Autos überfallen: Schlagzeilen, Nachrichten an jeder Ecke. Wissen wir, das zur gleichen Zeit, in Muribeca-Rua, Jaboatão dos Guararapes, 3 Mütter 10 Söhne verloren? Niemand weiss es."

Der Zähler für die Morde in Pernambuco steht heute auf 3.885 Opfer in diesem Jahr.

Bild:
Inês Maria da Silva fotografiert von Marcos Michael/JCImagem.

Grosse Sause für Stadträte von Cabo de Santo Agostinho

Cabo de Santo Agostinho ist eine Kleinstadt mit ca. 150.000 Einwohnern im Süden von Recife. Für grossen Wirbel sorgt derzeit ein "Betriebsausflug" der neugewählten Stadträte (vereadores) und des Bürgermeisters (prefeito).

Für ihren Betriebsausflug haben sie sich im Oktober das etwa 800 km südlich gelegene Salvador / Bahia ausgesucht. Für 2 Tage haben sie sich in einem Luxushotel (billigster Zimmerpreis 90 Euro / Person) an einem der schönsten Strände Bahias niedergelassen. Die grosse Sause (grande farra), an der 22 Personen teilnahmen, ging auf Kosten der Steuerzahler.

Eigentlich hatten sie gedacht, das merkt keiner. Dummerweise meinte einer der Stadträte, er müsste das tolle Luxuserlebnis einer weiteren Fangemeinde im Internet mitteilen. Bei "Orkut" stellte der Stadtrat Joelson Dionísio Gomes Bilder von der grossen Sause ein. Einige Gemeindemitglieder haben das mitbekommen und so nahm das Verhängnis seinen Lauf. Heute steht der Skandal gross als Schlagzeile im "Diario de Pernambuco".

Bild: Feiernde Stadträte; Quelle: Diario de Pernambuco

Greenpeace blockiert spanisches Atomkraftwerk

60 Aktivisten von Greenpeace haben sich heute vor dem spanischen Kernkraftwerk (central nuclear) Garoña bei Burgos vor dem Eingang in einen Container eingeschlossen, um die Abstellung dieses Kraftwerks zu verlangen, berichtet "Cadena Ser".

Garoña wurde 1971 eingeweiht und hat sich schon seit Jahren für die Betreiber amortisiert. Laut Greenpeace handelt es sich um ein überflüssiges AKW mit gravierenden Sicherheitsproblemen. Die Betriebsgenehmigung läuft im Juli 2009 aus, aber der Betreiber Nuclenor würde den Goldesel gerne 10 Jahre weiterlaufen lassen.

Gegen diese neuen Versuche der spanischen Atomindustrie, ihre veralteten und untauglichen Anlagen weiterlaufen zu lassen wohl wissend, dass diese je älter desto gefährlicher werden, protestiert Greenpeace mit einer neuen Aktion "Yo soy antinuclear" (Ich bin gegen Atomkraft). Gleichzeitig erinnert sie die sozialistische Regierung an ihr Wahlversprechen, stufenweise die Atomenergie zurückzufahren und auf alternative Energien zu setzen.

Bildquelle: https://colabora2.greenpeace.es/yosoyantinuclear/

Mittwoch, 19. November 2008

Frauen mittleren Alters suizidgefährdet

Wenigstens die Frauen (dones) im Alter von 15 bis 44 in Barcelona im Jahr 2007. Dies berichtet heute "Avui"unter Berufung auf eine Statistik der Gesundheitsagentur von Barcelona (Agència de Salut Pública de Barcelona). Damit ist zum ersten Mal die Selbsttötung die erste Todesursache bei dieser Altersgruppe der Frauen. In den letzten Jahren waren es Verkehrsunfälle, Aids oder eine Überdosis Rauschgift.

Bei den Männern (homes) derselben Altersgruppe ist die Überdosis an Rauschgift erste Todesursache gefolgt vom Suizid.

In der Altersgruppe der 45 bis 74-jährigen ist der Lungenkrebs (càncer de pulmó) die erste Todesursache, bei den Frauen ist es der Brustkrebs (càncer de mama).

Wetter ruiniert schottische Golfplätze

Schottlands Golfplätze gehören zu den schönsten der Welt. Dieses Jahr haben sie schwer unter dem schlechten Wetter gelitten (harmed by the miserable weather), berichtet "The Scotsman". Die Golfwarte (Greenkeepers) der prestigereichsten Golfanlagen klagen, dass es sehr schwierig für sie war das Gelände spielbar zu halten.

Sie sagen, dass nicht endender Regen (incessant rain) zu Überflutungen mit Schliessungen und Langzeit-Problemen geführt hätten. Die Buchungen wären in ganz Schottland zurückgegangen und die Anzahl der Spieltage musste gekürzt werden.

Diese schlechten Nachrichten kamen, nachdem die schottische Regierung die Pläne des Milliardärs Donald Trump für den Bau eines Golf-Hotels südlich von Aberdeen genehmigt hatte.

Trotz allem beweist "The Scotsman" Humor, er titelt: "Weather ruining our golf courses (just don't tell Donald Trump)" (Das Wetter ruiniert unsere Golfanlagen (erzählt das aber bitte nicht Donald Trump)).

Bild: Titel: Todays Weather In Scotland; Quelle: tour-scotland.blogspot.com

Dienstag, 18. November 2008

ŞMECHER DE ROMÂNIA

Unter dem Schlagwort "Wenn ich Geld habe und mich benehme, nimmt keiner Notiz von mir" ("Când am bani şi o duc bine, nimeni nu se ia de mine" - auf rumänisch reimt sich das!) hat der rumänische Fernsehsender "Realitatea TV" ein Kampagne gestartet, um den grössten "ŞMECHER" Rumäniens zu finden. Das Wort wird als "Schmecker" ausgesprochen und ist auch deutschen Ursprungs. Man kann es mit Angeber, Schlauberger oder Betrüger übersetzen. Bei der Kampagne geht es wohl um den grössten Angeber.

Die Zuschauer von Realitata TV sind nun aufgerufen, herausragende Angeber Rumäniens - und von denen gibt es unter den Neureichen eine ganze Menge - in ihrem Gehabe zu filmen und den Film an Realtitatea TV zu schicken. Realitatea TV definiert das Profil des Angebers folgendermassen:

Fährt ein mächtiges Auto, lässt das Autofenster offen und hängt seinen Arm strategisch so ausgeklügelt zum Fenster heraus, dass man seine Uhr (ceasul), sein Armband (brăţara), seinen Ring (inelul), die lackierten Fingernägel (unghiile lăcuite) und seine gegelte Frisur sehen kann. Dazu muss er noch laut Musik hören. Er setzt sich an das Lenkrad (volanul) des Autos, obwohl er einen Fahrer hat. Im Sommer fährt er im Meer mit seinem Ski-Jet Slalom zwischen den badenden Kindern. Er geht ins Restaurant nicht um zu essen, sondern um gesehen zu werden (ca să te vezi). Er wohnt im Plattenbau und hat ein Auto, das dreimal teurer ist wie seine Wohnung. Und sonst noch: Arrogantes Benehmen und alles was der einfache Bürger sonst noch zum Kotzen findet.

Wer wird wohl der grösste ŞMECHER? Die Bilder sollte man sich nicht entgehen lassen!

Bild: Parkender Neureicher in Bukarest; Quelle: http://farm4.static.flickr.com/3169/2548385305_8953d77d9a.jpg?v=0

Sadurní: "Cruyff hat nach der Meisterschaft 1974 bei Barcelona die Sau raus gelassen"

diesen Bericht des ehemaligen Torwarts (portero) von Barcelona, Salvador Sadurní (1961-1974) gibt "La Vanguardia" heute wieder. Cruyff war nicht nur Spieler, sondern später auch Trainer des FC Barcelona und ist so etwas wie ein Säulenheiliger des Clubs.

Dagegen pinkelt nun Sadurní an: Nach Gewinn der Meisterschaft soll Cruyff die Sau rausgelassen haben. Noch in der Halbzeitpause rauchte er Camel ohne Filter (fumaba Camel sin filtro), machte sich im Massageraum breit und liess die andern die Arbeit machen (el trabajo lo hiciesen los otros).

"Als er in Barcelona ankam war er in Phänomen, aber im zweiten und dritten Jahr hatte er keine Lust mehr zu trainieren". Falls man ihm das nicht glaube, empfiehlt Sadurní, Cruyff selbst zu fragen "und wenn er euch sagt, dass das nicht stimmt, dann erklärt ihm, dass es euch Sadurní oder besser "el chato", wie sich mich damals genannt haben, gesagt hat".

Bildquelle: www.uefa.com

Montag, 17. November 2008

Chico Anysio bringt die Brasilianer zum Lachen

"Mestre do riso e da ironia" (Meister des Lachens und der Ironie) titelt "Diario de Pernambuco". Chico Anysio ist einer der beliebtesten Humoristen Brasiliens, bereits 77 Jahre alt und bekannt geworden durch seine Fernsehsendungen bei REDE GLOBO. Er ist von der Herkunft "Cearense", stammt also aus dem Bundesstaat Ceará im Nordosten Brasiliens (Hauptstadt: Fortaleza).

Er ist jetzt in seiner Heimat bei der "Bienal Internacional do Livro do Ceará" (Internationale Biennale des Buches von Ceará) geehrt worden. Er gilt als unermüdlicher und kritischer Verteidiger des Humors im brasilianischen Fernsehen. Sein Sender, REDE GLOBO, hat ihm allerdings 2002 den Laufpass gegeben. So hat er sich jetzt mehr auf das Schreiben von Büchern (Kriminalromane - contos policiais) verlegt. Daneben malt er auch.

Das Publikum ergötzt er mit ironischen Bemerkungen dieser Art: "Seit mich GLOBO in den Kühlschrank gesetzt hat (fui posto na geladeira) sitze ich da ohne eine Beschäftigung. Seither habe ich 12 Bücher geschrieben, 35 Filme fertig gemacht und eine Novela mit 150 Kapiteln, aber sie werden nicht gesendet, weil GLOBO meint, ich werde sterben während ich das mache. Da können sie aber noch lange warten (Então ela vai esperar muito)!"

Zu seinen Büchern meint er folgendes: "Ich habe nie den Mut gehabt, mir eines dieser heiligen Monster (monstros sagrados) der Literatur zu kaufen, aber ich habe einen Vorteil vor denen. Das weiss ich von den Buchhändlern, die sagen, dass meine Bücher Personen in die Buchhandlungen bringen, die noch nie eine betreten haben. Und was noch wichtiger sei: Sie kommen immer zurück! (eles sempre voltam)".

Bild: http://www.chicoanysio.com
(aus der Serie De Pai para Filho - Vom Vater zum Sohn)

Sonntag, 16. November 2008

Stadtverwaltung Barcelona auf Spass-Tour

Albert Ollès schreibt in "El Periódico" über eine Marketing-Aktion der Stadt Barcelona im Internet, die er ironisch folgend skizziert: "In Barcelona zu leben ist eine derartig begeisternde Erfahrung, dass es sogar Spass macht, arbeitslos (estar en el paro) zu sein." Die Stadtverwaltung hat nämlich eine Werbeaktion für Barcelona mit Titel "Visca Barcelona!" gestartet, in der Barcelona über alle Massen hochgejubelt wird. Gleichzeitig ist eine Aktion gegen die allgemeine Wirtschaftskrise geplant, die sich "Barcelona, ciutat d'oportunitats" (Barcelona, Stadt der Gelegenheiten) nennt. Unglücklicherweise gibt es auf dieser Seite, die Bilder von Jugendlichen zeigt, auch welche die ein Blatt Papier mit der Aufschrift in der Hand haben, dass sie die Arbeit verloren haben und endet damit, dass diese Personen zum Schluss ein Schild mit dem Spruch "Visca Barcelona!" (katalanisch für "es lebe Barcelona!") in der Hand haben.

Habe mir die Internet-Seite angesehen und festgestellt, dass all die gezeigten netten Jugendlichen nur ein Blatt Papier mit der Aufschrift "Visca Barcelona!" in der Hand haben. Hat die Stadtverwaltung so schnell geschaltet und dem Jugendlichen das ominöse Blatt aus der Hand genommen?

Helden aus Elfenbein - Héroes de ébano

Es ist an der Zeit den Blog mit dem Titel "Héroes de ébano" von Juan Manuel Pardellas vorzustellen. Den Blog habe ich vor einiger Zeit in die Blog-Liste der linken Spalte aufgenommen.

Juan Manuel Pardellas ist Chef der Nachrichtensendung der Radiostation "Cadena SER" von Teneriffa und Korrespondent für die Zeitung "El Pais" sowie "Associated Press" für die kanarischen Inseln. Sein Schwerpunkt sind die vielen Migranten aus Afrika, die in immer neuen Wellen das europäische Paradies und hier ihr Vorposten, die kanarischen Inseln, erreichen wollen. Der Blog soll eine Chronik dieser Einwanderungsbewegung sein. Er wurde bereits mit dem Preis "Periodismuo Ernesto Salcedo" ausgezeichnet und wird inzwischen auch in die Französische Sprache und in Wolof übersetzt (Titel: Héros d’Afrique/ Jàmbaar yu Ñuul yi). Juan Pardellas hat sich in mehreren Menschenrechtsforen engagiert.

Nachstehend ein kleiner Bericht von Juan Pardellas vom 11. November, den ich hiermit übersetzt wiedergebe:
"Seit vielen Jahren, seit vielen Toten, seit vielen Booten (cayucos), sind mir die Tränen ausgegangen, wenn ich Säuglinge, Kinder, Frauen und Männer an unseren Küsten sterben sehe, aber jeden Tag, an dem ein toter Jugendlicher mehr dazu kommt, scheint mir untragbar (insoportable). Heute sind weitere afrikanische Einwanderer gestorben, die nach Europa kommen wollten. Es sind 44, die die offiziellen Statistiken registrieren (man weiss schon, dass die Einwanderer, die während der Überfahrt über Bord geworfen werden oder die Leichname der Schiffbrüchigen, die nicht auftauchen, nicht gezählt werden). 44 im Laufe des Jahres, direkt vor unseren Haustüren (a la puerta de nuestras casas)."

Bildquelle: http://lacomunidad.elpais.com/blogfiles/inmigracion/inmigrantes1.JPG

Samstag, 15. November 2008

Wird AKW Fessenheim 2009 stillgelegt?

Leider sind die Aussichten dafür schlecht, berichtet heute "L'Alsace". Der Präsident der Behörde für Nuklearsicherheit (’Autorité de sûreté nucléaire) hat erklärt, dass es sehr unwahrscheinlich (très improbable) sei, dass Fessenheim nach der bevorstehenden Generalüberprüfung im Rahmen einer Regelüberprüfung nach 10 Jahren stillgelegt würde.

Fessenheim ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. Es besteht aus 2 Reaktoren, liegt am Rhein an der deutschen Grenze und wurde 1977 gebaut. 2009 wird der Reaktor 1 zum dritten Mal einer Generalinspektion unterzogen, 2010 folgt Reaktor 2. Die Überprüfung könne zu verschiedenen Schlüssen führen, die er jetzt noch nicht vorwegnehmen woll,e erklärte André-Claude Lacoste, der Präsident der Behörde für Nuklearsicherheit.

Drei Möglichkeiten soll es geben:

1. Fessenheim wird weitere 10 Jahre am Netz bleiben mit der Möglichkeit auch 20 Jahre daraus zu machen.
2. Fessenheim wird nur noch einige Jahre arbeiten, da die Anti-Atomkraft-Bewegung wegen hoher Risiken (Erdbeben, Überschwemmungen) die sofortige Schliessung verlangt.
3. Die sofortige Schliessung, das kann sich der Präsident aber nicht vorstellen.

EDF, der Betreiber, verweist auf die amerikanischen Behörden, die denselben Rektoren (Druckwasser) erlaubt haben, 50 Jahre zu funktionieren. Für die französischen AKW dieses Typs wurde jedoch bei Baubeginn davon ausgegangen, dass sie nur eine Lebensdauer von 40 Jahren haben werden. Ermuntert durch das US-Beispiel möchte EDF gerne die ursprüngliche Erkenntnis zu den Akten nehmen und dem Profit zuliebe auf 50 Jahre verlängern.

Bildquelle: http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/

Aurel Köber, ein erfolgreicher rumänischer Unternehmer

"Romania Libera" berichtet heute über Aurel Köber, einen rumänischer Unternehmer, 46 Jahre alt, der auf Grund seiner Solidität, seines Fleisses und seiner Weitsicht Erfolg hatte und heute zu den reichsten Unternehmern Rumäniens zählt. Wie "Romania Libera" titelt: "Kober, miliardar fabricat 100% in Romania" (Kober, Miliardär, hergestellt zu 100% in Rumänien).

Im Gegensatz zu den vielen Glücksrittern der Wendezeit, die mit allerhand schrägen Geschäften ihr Glück suchten und meistens nur kurzfristig einen zweifelhaften Erfolg verzeichnen konnten, hatte er allein auf sein eigenes Geschick vertraut.

Sein Geld macht er mit Farben. Er besitzt 2 Fabriken in Rumänien, die jährlich 180.000 Tonnen Farben (vopsea) produzieren. Er ist damit der grösste Farbenproduzent Rumäniens.

Sein Vater, erzählte er dem Reporter, war halb Rumäne und halb Deutscher ("Tata a fost jumatate roman, jumatate german"). Als Student arbeitete er in den Ferien als Maler (Anstreicher). Damals, in den 80er Jahren hatte er die Absicht, wie so viele andere, aus Rumänien zu flüchten. Hatte es aber schliesslich doch nicht getan. Er wurde in dieser Zeit dann zum Marine-Ingenieur ausgebildet und hat dann bis 1990 in der Schiffswerft von Drobeta (Donau) gearbeitet. Nach der Revolution gab es eine Auszahlung an die Arbeiter (eine Art Beteiligungsgewnn), den er in eine Werkstatt investierte, wo er nach Lizenzen Farben auf Ölbasis herstellte. Das Geschäft lief so gut, dass er in Kürze einen Kredit zurückzahlen konnte. 1994 hat er dann ein Forschungslabor eingerichtet und die besten Chemie-Absolventen der Universität Iasi eingestellt. Seither produziert er Farben nach eigenen Rezepten.

Sein Firmensitz liegt in Piatra Neamt in den Ostkarpaten. Der Reporter der "Romania libera" berichtet begeistert, was für ein normaler Mensch der mehrfache Millionär (in Euro) geblieben ist. Er ist von morgen früh bis abends, wenn es draussen dunkel wird (pana se intuneca afara) in seiner Fabrik, am Wochenende fährt er mit seiner Familie in die Karpaten. Er liest gerne und ist stolz auf seine Sammlung des "Magazin istoric" (Geschichtsmagazin).

Ergänzend: Die "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" (ADZ) berichtete im Juli dieses Jahres: "Der Lacke- und Farbenproduzent Köber aus Piatra Neamt rechnet 2008 mit einer Steigerung seines Umsatzes um 20 bis 25 Prozent auf etwa 50 bis 55 Millionen Euro. Die Schätzung fußt auf einem weiterhin boomenden rumänischen Bauwesen, wobei man sowohl auf den Neubausektor als auch auf die regierungsunterstützten Vorhaben zur Verbesserung der thermischen Isolierung der Wohnbauten setzt."

Freitag, 14. November 2008

Benedetto sorgt für Sevilla, Amigo geht

Gestern um die Mittagszeit läuteten die Glocken (las campanas) der Giralda (der Turm der Kathedrale) in Sevilla. Sie kündigten die Ernennung des neuen Erzbischofs von Sevilla durch Papst Benedikt mit tätiger Hilfe von Madrid (spanische Bischofskonferenz) an. Dies schreibt der "Diario de Sevilla" heute.

Neuer Erzbischof von Sevilla wird Juan José Asenjo Pelegrina, Bischof von Córdoba (obispo de Córdoba). Er wird sein neues Amt am 17. Januar antreten (tomará posesión) zuerst einmal als Hilfs-Erzbischof (arzobispo coadjutor) bevor er dann im Sommer das Amt voll übernehmen wird. Bischof Asenjo ist von seiner Herkunft her ein Kastillier aus der Mancha (castellano-manchego). Er ist kein unbekannter in der spanischen, katholischen Kirche, da er bereits Generalsekretär und Sprecher der spanischen Bischofskonferenz (Conferencia Episcopal) war. Er gilt als anerkannter Experte in der Konfliktlösung (resolución de conflictos) und Anänger von Pfarrbriefen (cartas pastorales) über Themen unserer Zeit.

Erzbischof von Sevilla auf Abruf wird damit Kardinal Amigo. Amigo ist 73 Jahre alt. Er hatte die Absicht im Laufe des nächsten Jahres zurückzutreten, ohne dies bisher offiziell erklärt zu haben. Ihm wird vorgeworfen, dass er zu wenig "Römer", also papsttreu ist, während der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Rouco Varela, mit dem Amigo wohl nicht auf gutem Fuss steht, als der aufgehende Stern beim Vatikan gilt. Amigo soll vor allem den Konservativen ein Dorn im Augen gewesen sein.

Nichtsdestotrotz: Sein Nachfolger bekräftigt, dass er für das Allgemeinwohl (por el bien común) in "Loyalität" ("lealtad") mit Kardinal Amigo zusammenarbeiten wird.

Bild: Kardinal Carlos Amigo Vallejo; Bildquelle: www.unavocesevilla.info

Donnerstag, 13. November 2008

Von der Vergangenheit eingeholt

Moisés Feliciano da Silva alias José Luiz de Lima, 64 Jahre, hat vor 20 Jahren seine Karriere im Drogenkartell des "Comando Vermelho" von Rio de Janeiro begonnen. Er war ein ehemaliger Militär-Polizist, der Informationen über Banken sammelte, die das Comando für Banküberfälle benutzte.

Er selbst wird beschuldigt, 2 Überfälle und 2 Morde (homicidios) begangen zu haben. 1990 wurde ihm der Boden in Rio zu heiss, er floh nach Paraguay. Dort unterzog er sich einer Operation der plastischen Chirurgie (cirurgia plástica), bei uns auch Schönheitsoperation genannt, um seine Gesichtszüge so zu verändern, dass die Fahnder ihn nicht mehr finden konnten. Seine Frau meldete der Polizei, dass er nicht mehr lebe.

So verändert zog er nach Nordostbrasilien, wo er bis heute unbehelligt lebte. Nun haben sie doch erwischt, die Fingerabdrücke sollen ihn identifiziert haben.


Bildquelle: http://www.brasilwiki.com.br/fotos/noticia_1844.jpg

Mittwoch, 12. November 2008

Wird es mir 2009 gut gehen? - Will I be fine in 2009?

Dieser Zukunftsfrage stellt sich Alice Wyllie von "The Scotsmen". Die Finanzkrise verbreitet in Schottland tiefe Depressionen. "Sind wir alle dem Untergang geweiht (SO ARE we all doomed), werden wir uns die nächsten 12 Monate um ein Teelicht versammeln um Wärme zu bekommen, eine rohe Kartoffel essen (dining on a single raw Maris Piper), dämonisch herumwedeln, um unsere Sorgen zu vertreiben (to rock our troubles away?)" fragt Frau Wyllie ihre Landsleute. Auf der Grundlage der Meinungsumfrager und Verbraucherforscher der Firma Mintel kann sie ihre Landsleute beruhigen. Mintel hat herausgefunden inwieweit wir unser Verbraucherverhalten ändern werden:
  • Wir werden unsere Ausgaben genauer kontrollieren, im Internet kaufen, weil man da leichter ein gutes Produkt zu guten Preisen kaufen kann. Warentests genauer lesen und die Rückmeldungen dazu.
  • Wir werden nach Händlern mit ehrlichen und offenen Aussagen (open, honest communication) Ausschau halten. Dabei wird es uns auf transparente Information ankommen.
  • Wir werden uns bereitwillig auf Hobbies wie Nähen und Gärtnern stürzen sowie Möglichkeiten suchen, um uns zu Hause kostengünstig selbst zu unterhalten, so z.B. Essen zubereiten und sich vorstellen, man isst im Restaurant.
  • An alten Marken festhalten (clinging to the nostalgic brands), die wir kennen und denen wir trauen. Das wird uns trösten und wir werden sehen wie man da Geld sparen kann. Die kleinen Luxusgenüsse, wie Lippenstift und eine Leckerei (foodie treat) werden uns dann umso wertvoller vorkommen.
Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen könne man sich dann etwa vorstellen, wie es uns im nächsten Jahr gehen wird.

Hätten wir und die Schotten doch schon längst drauf kommen können, nicht?


Bildquelle: http://www.britishpotatoes.co.uk/assets/Varieties/_resampled/SetWidth200-maris-piper.jpg

Dienstag, 11. November 2008

PEbodycount stellt klar

Vor kurzem habe ich über den Blog "PEbodycount" und die Vorwürfe gegen die pernambucanische Polizei berichtet.

"PEbodycount" hatte die von mir geschilderten Vorwürfe, deren Quelle der Jornal do Comercio war, ebenfalls aufgenommen und auch die Videos veröffentlicht. Scheinbar hat das bei der Polizei für einige Aufregung gesorgt und wie das so ist, ist die Schuld nicht bei sich selbst gesucht worden, sondern man versucht die Blog-Autoren als Nestbeschmutzer hinzustellen.

Auf jeden Fall sah sich "PEbodycount" genötigt jetzt eine Stellungnahme zu veröffentlichen unter dem Titel "In Verteidigung einer Polizei, die ihre verfassungsrechtlichen Aufgaben erfüllt" (Em defesa de uma polícia cumpridora de seus deveres constitucionais). Die Blogautoren stellen klar: "Niemand verteidigt hier die Verbrechen (crime). Was wir verteidigen ist das Gesetz. Wir wollen nicht, dass unsere Polizisten sich den Banditen angleichen. Die Polizei darf keine verbrecherischen Taten begehen (Polícia não pode praticar atos criminosos). Das ist nicht ihre Aufgabe. Wenn sie dies tut, stellt sie sich auf eine Stufe mit den Banditen."

Diese Klarstellung bedarf keines Kommentars. Sie ist eindeutig und wenn man an die in Pernambuco herumgeisternden Todeskommandos der Polizei denkt, mutig.

Dacia in dramatischer Krise

Die Autofabrik "Dacia" in Pitesti in Südrumänien gelegen und inzwischen dem Renault-Konzern gehörend, steht laut Aussagen des Vizepräsidenten der Firma, Constantin Stroe, vor einer dramatischen Krise. Die Firma produziert den Dacia "Logan", der auch im westlichen Europa als preiswerter Mittelklassewagen bekannt geworden ist. Jetzt sind die Verkaufszahlen um 30% gesunken und für November wird ein Rückgang von 50% erwartet. Das Werk wird deshalb ab 24. November für 3 Wochen schliessen und die Weihnachtsferien verlängern.

Die Zeitung "Evenimentul Zilei" hat sich mit Herrn Stroe unterhalten und folgende Gründe für den Produktionseinbruch bekommen:
  • Die Gebrauchtwagen aus dem Ausland, deren Import zunehmend aggressiver wird (numărul automobilelor second-hand invadează din ce în ce mai agresiv România - die Zahl der Gebrauchtwagen die mehr und mehr aggressiv in Rumänien eindringen).
  • Kostensteigerung und Gewinn-Minimierung durch soziale Verbesserungen (îngrijorări sociale), die eine fatale Aussicht für das kommende Jahr geben.
  • Die Umweltsteuer (taxă de poluare - Verschmutzungssteuer) auf Neuwagen, die alte Fahrzeuge bevorteilt, sowie die verschärften Kreditbedingungen für Käufer.

Herr Stroe ruft dazu auf, dass alle ein wenig Verständnis für die schwierige Lage haben und ihre Renditen- und Gewinnerwartungen zurückschrauben. Beispielhaft für diese neue Bescheidenheit führt er an: "Auf der Autobahn von Piteşti nach Bukarest könnte ich wie ein Sturm (pe furtună) fahren. Ich kann aber auch mit 60 km/h fahren und mein einziges Ziel wird sein, in Bukarest anzukommen. Egal in welcher Zeit (nu în cât timp), Hauptsache ist, dass ich in Bukarest ankomme."

Bildquelle: http://images.myjob.ro/data/logos/14397.jpg

TV Aratu

TV Aratu ist nach eigenen Angaben der wichtigste lokale Fernsehsender für den brasilianischen Bundesstaat Bahia (Hauptstadt: Salvador Bahia). Er wurde von bahianischen Industriellen gegründet. Der Hauptwirtschaftsfaktor in Bahia ist die Kakao-und Tabak-Industrie.

TV Aratu ist auf jeden Fall seit 1969 "in der Luft" (no ar) und war der erste Sender (emissora) in Bahia, der Programme in Farbe (em cores) austrahlte. 18 Jahre lang wurden dann Programme von Rede Globo ausgestrahlt (siehe meinen Beitrag zu Globo im Blog). Es folgten 8 Jahre Zugehörigkeit zur Rede Manchete und CNT und seit 1997 gehört der Sender zu SBT (Sistema Brasileiro de Televisão).

Der Sender ist stolz auf seine lokalen Wurzeln und seine Berichterstattung zu Diensten der bahianischen Gemeinschaft (comunidade baiana). Wichtig ist dem Sender seine Nachrichtensendung Aratu Notícias 1ª e 2ª edição (Aratu Nachrichten 1. und 2. Ausgabe).

In den heutigen Nachrichten gibt es ein "Video-Destaque" (übersetzbar mit "herausgehobenes Video") mit dem Titel "Jovem morto em São Cristovão" (toter Jugendlicher in São Cristovão). Der Reporter wandert durch einen Palmenhain auf eine tote Person zu, die recht ausgiebig gezeigt wird, und erklärt ein weiteres Opfer der Dauer-Gewalt in Brasilien: Noch ein Toter im Bandenkrieg. Ein weiteres "Video-Destaque" steht unter dem Titel "Jovem tenta matar namorada a facadas" (Jugendlicher versucht seine Geliebte mit dem Messer zu töten) und zeigt einen Jugendlichen mit verbundenem Kopf, der tränenreich erklärt, warum er seine "Namorada" umbringen wollte. Wenn es nicht funktioniert, versucht man halt das Problem per Totschlag zu lösen.

Montag, 10. November 2008

Alarm in Chiclana: Der Picudo Rojo greift an

Der Picudo Rojo, auf deutsch Roter Palmen-Rüsselkäfer genannt, ist jetzt erstmals in der Provinz Cádiz in Chiclana, an der spanischen Atlantikküste aufgetreten. Erste Palmen sind befallen, berichtet das Lokalblatt "Diario Bahía de Cádiz".

An der Mittelmeerküste ist er bereits weit verbreitet und hat grosse Schäden an den Palmenbeständen angerichtet. Nun auch auf der Atlantikseite. Das Service-Unternehmen der Gemeindeverwaltung (ayuntamiento) "Chiclana Natural" ruft deshalb alle Bewohner zur Wachsamkeit auf. Sobald der Picudo gesichtet wird, soll angerufen werden.

Die Gemeinde befürchtet grosse und teure Schäden, wenn der Schädling sich mit voller Wucht feststetzt. Der Preis einer ausgewachsenen Palme (una palmera adulta) wird von der Gemeinde auf 1.000 bis 1.200 Euro geschätzt.

Wikipedia stellt diesen Agressor unter seinem lateinischen Namen, Rhynchophorus ferrugineus, sehr informativ vor. Der Hauptschuldige ist die Larve des Picudo, der sogenannte Sagowurm, der im Stamm der Palme lebt und das Gewebe frisst.

Wikipedia informiert auch, dass Naturvölker den Sagowurm verspeisen: "Sagowürmer werden roh, geräuchert, geröstet oder in zusammengebunden Bananenblättern gedämpft, verspeist. Sie sollen leicht säuerlich schmecken und beim Verzehr an gebratene Nierchen erinnern. Vor allem in Malaysia werden Sagowürmer auch in manchen Restaurants zubereitet. Das bekannteste Sagowürmergericht nennt sich Sago Delight oder auch Kadazan."

Ob das den Gaditanos bekannt ist?

Bildquelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/2a/Sago_grub_Rhynchophorus_ferrugineus_larva.JPG/180px-Sago_grub_Rhynchophorus_ferrugineus_larva.JPG

Katalanische Wasserfreuden

"El Periódico" berichtet aus Barcelona, dass im Jahr 2009 die Wassernot kein Thema sein wird. Die Talsperren (los embalses) sind inzwischen wieder zu 70% voll und man steht erst am Beginn der Regenperiode.

Die Statistiker bestätigen, dass eine Dürre des Ausmasses dieses Jahres nicht zweimal vorkommt.
In den Bergen liegt schon eine ganze Menge Schnee, der verglichen mit dem üblichen Mittel dieser Jahreszeit (comparada con la media habitual de este periodo del año), alle Rekorde bricht.

Konsequenz: Scheint die Sonne und es regnet nicht, dann sorgt der Schnee für neue Wasserzufuhr.


Und: Barcelona bekommt nächstes Jahr eine Meerwassentsalzungsanlage in Prat (Nähe des Flughafens).
Ob das jetzt wieder zur Verschwendung animiert?


Bild: Katalanische Pyrenäen

Sonntag, 9. November 2008

Pernambuco Bodycount

Leider komme ich immer wieder auf die Gewalt in Brasiliens Städten zurück. Das ist aber ein Thema, das die Brasilianer beschäftigt und ihnen einen Teil ihrer Lebensfreude nimmt. Die Bevölkerung will eine Lösung, aber keiner hat ein Rezept. Was man braucht, ist ein langer Atem, eine Bewegung von unten - die Politik allein kommt damit nicht zu Rande - und die Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen.

Das ganze Mass des Ärgers und Frustes zeigt die Internet-Seite PEbodycount (auch in englisch). Hier werden die täglichen Toten durch die Gewalt auf den Strassen gezählt. Rechts oben steht der Zähler (contador de homicidios) für 2008: 3.763 Tote allein in Pernambuco!

Etwas vergleichbares gibt es ja für den US-Krieg im Irak, wo ebenfalls die Toten seit Beginn des Krieges gezählt werden. Hier sind inzwischen ca. 4.100 Toten gezählt worden, seit 2003 wohlverstanden! Pernambuco wird diese Zahl vermutlich allein für das Jahr 2008 schon erreichen. Und Pernambuco ist ein kleiner Bundesstaat in Brasilien.

Abu Ghuraib auf Brasilianisch








Abu Ghuraib im Irak steht für die Missachtung jeder Menschenwürde von Gefangenen. Ähnliches berichtet jetzt Jamildo Melo vom Jornal do Comercio Recife, eine Zeitung, die ich neu in die Nachrichtenquellen fremdsprachig aufgenommen habe, von der pernambucanischen Polizei.


Jamildo meint, dass es den mittelalterliche Pranger zwar in seiner originären Form nicht mehr gibt, sondern dass er sich im Zeitalter der Computer ins Internet verlagert hat. Der Pranger heisse heutzutage "You Toube". Diese Möglichkeit sollen auch Mitglieder der Militärpolizei (PM / Policia Militar) entdeckt haben. Bei You Tube könne man diverse Videos dieser Polizei ansehen, in denen Gefangene verhöhnt werden.
In einem dieser Video werden drei Jugendliche, deren Hände auf den Rücken gebunden waren, gezeigt. Die Polizisten zwangen sie zu tanzen und von ihnen vorgesagte Slogans laut zu wiederholen. In den Kofferaum des Plozeiautos verfrachtet, hatten sie unter dem Hohngelächter der Polizisten zu singen. Ein PM wird auf dem Video gehört, der sie auffordert, lauter zu singen und anschliessend im Chor zu singen “Eu sou todo feio, eu sou todo feio” (Ich bin ganz hässlich, ich bin ganz hässlich).

In einem anderen Video werden zwei Jugendliche unter Drohungen der Polizei gezwungen sich auf den Mund zu küssen: “Bora, beija. De língua, quero ver a língua” (Los küsst euch. Mit der Zunge, ich will die Zunge sehen). Dieselbe Stimme verlangt, dass sie dabei in die Kamera schauen. Es sind 19 Sekunden der Erniedrigung (são 19 segundos de humilhação) schreibt Jamildo.

Solche Erniedrigungsszenen durch die pernambucanische Polizei gehören zu Tagesroutine. Opfer sind vor allem Jugendliche. "Die Leute singen und tanzen lassen" gehöre zum üblichen Verfahren der Polizei, berichten die Jugendlichen. Sie würden nicht einmal davor zurückschrecken auch Erwachsene und Kinder vorzuführen.


Meine Anmerkung: Wen wundert bei einer solchen Polizei noch die gewaltige Kriminaliät in den brasilianischen Städten?


Bild: Seite der PM Pernambuco mit der Inschrift "Servindo e protegendo" (dienend und schützend"; Quelle: http://www.portais.pe.gov.br/pmPE/html/themes/pmPE/images/custom/topo-pm.jpg

Briefumschlag für den Doktor

Bereits in einem früheren Beitrag habe ich über die Korruption im rumänischen Gesundheitswesen geschrieben. Der "plicul pentru doctor" (Briefumschlag für den Doktor), den man ihm diskret mit Geldscheinen gefüllt in die Tasche gesteckt hat, war bisher eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich eine anständige ärztliche Behandlung wünschte.

Claudia Marcu von der Online-Zeitschrift "Gândul" hat ihren Lesern deshalb folgende Frage gestellt: "Glauben Sie, dass eine eventuelle Gehaltserhöhung im Gesundheitswesen von 50% das Thema "plicul pentru doctor" erledigen wird?"

Hier einige Reaktionen:
Leser/in 1: "Daaaa!", also jaaaa auf deutsch. Das ist wohl tief ironisch gemeint, denn er/sie verweist darauf, dass genauso wie Lohnerhöhung in der Justiz, bei den staatlichen Selbstverwaltungsorganen und bei der Polizei diese völlig immun gegen die Bestechung (şpagă, ausgesprochen "schpaga") gemacht hat, so wird das auch im Gesundheitswesen nichts bringen...

Leser/in 2: Categoric nu !!! Kategorisches nein!!! Diese Praktiken haben sich so in das Bewusstsein der Geber und Empfänger eingebrannt, dass jede Umfrage zum Thema sinnlos ist.

In dieselbe Kerbe haut ein anderer Leser/in, wobei dieser den Nachdruck darauf legt, dass der Patient der Unverbesserliche ist, denn der ist sich auf Grund jahrzehntelanger Erfahrung im rumänischen Gesundheitswesen bewusst, dass, wenn der Arzt nichts erhält, er keine Chance hat gesund zu werden.

Dieser Punkt kristallisiert sich als das Hauptthema heraus: Nicht der Arzt ist der Hauptschuldige, sondern die Patienten, die dem Arzt ihre Geschenke förmlich aufdrängen. „Cine a fost mai întâi, oul sau găina?” (Wer war zuerst, das Ei oder die Henne?) fragt deshalb ein weiterer Leser und führt weiter aus, dass er leider der "Henne" Patient in erster Linie die Schuld geben muss.

Die Rumänen erkennen also das Problem, sind aber verzweifelt, weil sie nicht wissen wie sie ihr eigenes Verhalten ändern können.

Donnerstag, 6. November 2008

In Sevilla brennen Särge

Unerhörtes berichtet die Zeitung "ABC" aus Sevilla: Auf dem Friedhof von San Fernando (cementerio de San Fernando) in Sevilla werden Särge (ataúdes) im Freien auf dem Friedhofsgelände verbrannt. Das Friedhofsreglement soll diese Möglichkeit ausdrücklich verbieten.

Warum denn also? Der Verbrennungsofen (el horno) des Friedhofs war leider defekt. Es gab einen Rückstau exhumierter Särge. In diese Notlage entschieden die Verantwortlichen, sich über das Verbot hinwegzusetzen und die Verbrennung in einer Ecke des Friedhofs durchzuführen.

Seit 2 Wochen können Besucher des Friedhofs dieses Schauspiel beobachten und in dunkle Rauchschwaden gehüllt (la densa humareda) die Verstorbenen auf dem Friedhof besuchen.

Der Opositionsführer im Stadtparlament von Sevilla verlangt nun eine Erklärung zu den Vorfällen vom Bürgermeister (alcalde). Er vermutete sogar, dass da menschliche Reste verbrannt werden.

Die Gesundheitsabteilung der Stadt dementiert, dass auch menschliche Reste verbrannt wurden. Es wurde erklärt, dass die Verbrennungen auf Grund eines Irrtums erfolgten (se había «producido un error»). Schuld sei allein der Verbrennungsofen, der bisher nicht repariert wurde, weil die Ersatzteile im Ausland bestellt werden mussten und bischer nicht in Sevilla eingetroffen sind. Das Gesundheitsamt habe jetzt Weisung erteilt, dass das praktizierte Ersatzverfahren sofort eingestellt wird. Die Exhumierungen, die in Sevilla normalerweise 5 Jahre nach der Beerdigung erfolgen, sollen solange eingestellt werden.

Bildquelle: http://www.abcdesevilla.es/sevilla/prensa/noticias/200811/06/fotos/SEV_SEV_web_22.jpg

TER - ein Symbol der Dezentralisierung

"Das Transportwesen – im Zentrum unserer Anstrengungen" steht auf der Internet-Seite der Région Alsace. Seit 1997 ist der regionale Personenverkehr in Frankreich dezentralisiert. Bei der Eisenbahn gibt es seither den TER (Transport express régional - Regionalexpress) und für das Elsass den TER Alsace. "Die Region hat nunmehr also die Organisationshoheit inne und finanziert das Netz „TER Alsace“, Züge und Schienenersatzverkehr. Sie beschließt über den Inhalt der den Reisenden angebotenen Dienstleistungen und insbesondere über die regionale Tarifgestaltung, die Verkehrsverbindungen, die Qualität der Dienstleistungen, das rollende Material und die Informationen für die Reisenden.", steht auf der vorgenannten Internet-Seite.

Wer und was ist denn nun die Région Alsace? Auf der Internet-Seite der "Région" wird das erläutert: "Der Begriff "Région" bezeichnet die territoriale Gemeinschaft in seiner Gesamtheit (la collectivité territoriale dans son ensemble), d.h. die gewählte und beschlussfassende (délibérante) Versammlung, die beratenden Versammlung, der Rat für Wirtschaft und Soziales des Elsass (Conseil Economique et Social d’Alsace (CESA)) sowie die Regionalverwaltung.
Auf der deutschen Internet-Seite wird das etwas volkstümlicher erklärt: "Die Region Elsass steht jeden Tag im Dienste ihrer Bürger. Seit 1982 werden alle Regionen Frankreichs von einem Regionalrat verwaltet, an dessen Spitze der Präsident des Regionalrats steht. Die Regionalratsmitglieder werden seit 1986 nach dem allgemeinen Wahlrecht gewählt. Seit 1996 ist Adrien Zeller Präsident des Regionalrat Elsass. Der Regionalrat des Elsass besteht aus 47 Regionalratsmitgliedern, die über Beschlüsse für die Region abstimmen. Sie werden für sechs Jahre gewählt. Einmal im Jahr wählt der Regionalrat das Budget der Region, mit dem die Schwerpunkte der regionalen Tätigkeit bestimmt werden. Er tagt mehrmals im Jahr."


Bild: TER-Triebwagen im Bahnhof Offenburg (Linie Offenburg-Strassburg)