Freitag, 9. Dezember 2016

Sportliche Abgeordnete in Rumänien, neuer Rekord beim Parteienwechsel

Die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ) schreibt heute folgendes:
Das Überläufertum der rumänischen Parlamentarier hat in der ausklingenden Legislaturperiode alle Rekorde gebrochen: Von den insgesamt 588 Parlamentsabgeordneten, die Dezember 2012 ihre Amtszeit antraten, wechselten binnen vier Jahren 223 und damit knapp 40 Prozent die Partei – einige sogar bis zu viermal, wie etwa die Abgeordneten Ioan [cheau (PPDD, PSD, PDL, PNL), Diana Tuşa (PNL, PDL, PNL, PSD), Radu Stroe (PNL, PLR, UNPR, PSD) und Liliana Mincă (PPDD, UNPR, PSD, ALDE).
Spitzenreiter unter den Überläufern waren diesmal vor allem die PPDD-Politiker, die samt und sonders ihrer Partei den Rücken kehrten, sodass ihre Fraktion letztlich mangels Mitgliedern aufgelöst werden musste.


Die Partei des Volkes – Partidul Poporului PP)  – und damit klarer ist, welche Partei gemeint ist, wird ein DD hinten drang gehängt, was für die Initialen des Parteigründers Dan Diaconescu steht. Sie hat also die wackligsten Abgeordneten gehabt. Die Partei hat 2015 mit der UNPR (Uniunea Națională pentru Progresul României – Nationale Union für den Fortschritt Rumäniens) fusioniert. Inzwischen gibt es auch diese Partei nicht mehr, sie hat mit der Partidul Mișcarea Populară (Partei der Volksbewegung) fusioniert, die vom ehemaligen Staatspräsidenten Traian Basescu gegründet worden war.

Lange vor der Populismus auch den Rest Europa angefressen hat, hat man in Rumänien bereits ausreichend Erfahrungen mit Politikern der Sorte “Alles versprechen und nichts halten” gemacht. Nun sind Abgeordnetenposten in Rumänien auch nicht schlecht bezahlt und wer verzichtet schon gerne auf eine solche Alimentierung. Wenn also das Schiff sinkt, dann fliehen auch die Ratten. Vorher wirft man noch schnell seine bisherigen angeblichen Überzeugungen über Bord. Die inzwischen im Orkus der Geschichte verschwundene PPDD hätte man eigentlich als eine Totgeburt bezeichnen müssen, weil von vornherein erkennbar war, dass sie von inkompententen Großmäulern gegründet und geführt war. Aber Wähler kann man an der Nase herumführen, wenn man es versteht, andere zu diffamieren und mit haltlosen Versprechungen um sich zu werfen. Dass die Wahlbeteiligung bei einer solchen Parteienlandschaft ständig auf neue Minusrekorde zugeht, ist nur zu verständlich. Trotzdem haben die Vertreter solcher gescheiterten Parteien es geschafft, bei der nächsten Partei anzudocken. Erstaunlich ist, dass diese Parteien solche Überläufer überhaupt aufnehmen.

William Totok berichtet heute in der TAZ aus Bukarest über die bevorstehenden Wahlen unter der zusammenfassenden Aussage “mit alten Parolen und belasteten Personen geht ’s am Sonntag zur Wahl”:
„Alles Lügner, Halsabschneider und Ganoven, die sich bereichern wollen“, schimpft ein Bukarester. Er steht vor einem der winzigen Wahlplakate, die an Fassaden und Litfaßsäulen der rumänischen Hauptstadt kleben. 18,9 Millionen Rumänen sind am Sonntag aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Von dem früher auch auf den Straßen ausgetragenen Wahlkampf ist in Rumänien, das seit 2007 Mitglied der EU ist, diesmal kaum etwas zu sehen. Großflächige Wahlplakate sind verboten genauso wie Wahlgeschenke.

Siehe auch
Dan Diaconescu, Rumäniens Berlusconi?

Informationsquelle
Für Gott, Familie und Vaterland
Überläufertum: 223 Abgeordnete wechselten Partei

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Zerrissenes Brasilien: Wir werden nie wieder dieselben sein

Brasilien hat mit dem Impeachment der Präsidentin Rousseff einen parlamentarischen Putsch erlebt, mit dem die reaktionären Kräfte sich der Schaltstellen der Macht zurückeroberten. Gleichzeitig kocht die brasilianische Justiz ihr eigenes Süppchen, wer hier mit wem und gegen wen integriert ist kaum mehr auszumachen. Sie entwickelt sich in einen Staat im Staat.  Menschen werden in Vorbeugehaft genommen und wenn ihre Unschuld nach mehreren Monaten Haft festgestellt wird sind sie materiell und psychisch ruiniert. Die Putschisten-Regierung sieht ihr Glück in einem scharfen Austeritätskurs. Alles, was bisher der armen Bevölkerung eine Verbesserung der Lebensverhältnisse gebracht hat, wird abgeschafft oder eingeschränkt. Das wirtschaftliche Wunder, das sich die Putschisten erhofft hatten, blieb bisher aus und die sozialen Konflikte verschärfen sich im ganzen Land.

Die “Comissão Pastoral da Terra”, eine eine einflussreiche Organisation der katholischen Kirche Brasiliens, die sich für die Rechte der Landbevölkerung einsetzt, steht diesem Kurs sehr kritisch gegenüber. Einer ihrer Vertreter, Roberto Malvezzi, schildert auf der Webseite “Correio de la Cidadania” unter dem Titel “Wir werden nie wieder dieselben sein” wie er Brasiliens derzeitige Verfassung sieht:

Ich schreibe hier für mich und einige Millionen andere, die zur Zeit mit mir dieselbe Ohnmacht angesichts des Putsches in Brasilien und seiner Folgen teilen.

Wir haben keine Möglichkeit uns zu verteidigen. Ich spreche von den 54 Millionen Brasilianern, denen ihre Stimmen durch etwa 300 charakterlose Gesellen im Abgeordnetenhaus und danach von weiteren 60 Senatoren gestohlen wurde. Seither  gehen alle verfassungsrechtlichen Änderungen, die sie vorhaben, zu Lasten des Volkes.

Es geht nicht darum die Fehler und Verbrechen der PT oder Petisten zu verteidigen. Aber es geht auch nicht darum, die Augen vor der fantastischen nationalen Heuchelei zu verschließen, wie sie ganz klar durch die Fortsetzung von Untersuchungen und Verfolgungen anderer Parteien zur Schau gestellt wird.

Jetzt fragt man sich, was der Putsch gebracht hat. Die wirtschaftliche Rezession in der Regierung Dilma Rousseff war mit 3,5% des BIP beziffert worden. Mit Temer wird sie auf 7% geschätzt. Die Industrieproduktion ging zurück, ebenfalls die Ergebnisse der Agrarindustrie und die Arbeitslosigkeit sprang von 10 Millionen unter Dilma auf 12 Millionen bei Temer. Somit hat sich jenes magische Versprechen, die der Putsch versprach, nicht realisiert. Jetzt spricht sogar Fernando Henrique (Cardoso) von Wahlen, um demjenigen etwas mehr Glaubwürdigkeit zu vermitteln, der uns vor dem Abgrund, an den sie uns geworfen haben, bewahren soll.

Die soziale Spaltung Brasiliens hat sich in die Seelen eingegraben und wird viele Generationen andauern. Wir werden fortfahren uns gegenseitig anzuspucken, gegeneinander in Straßendemonstrationen antreten, in Restaurants, uns gegenseitig in den sozialen Netzwerken beleidigen, indem wird die ethnischen, sexistischen, regionalen Diskriminierung, die Klassengesellschaft und alle anderen Parteilichkeiten pflegen, Vielleicht waren wir nie eine Nation, sondern nur eine Zusammenwürfelung von Personen, die dasselbe Territorium bewohnen.

Wer Hunger und Durst nach Gerechtigkeit hat, kann keine fiskalische und wirtschaftliche Sparmaßnahme, die zu Lasten des Entzugs von Rechten und des Elends des Volkes gehen, akzeptieren. Die wirkliche Versöhnung geht nur über eine tatsächliche Gerechtigkeit und über einen Schritt mehr hin zum “Mitleiden”, was aus dem Begriff Gerechtigkeit hergeleitet werden kann. Der Putsch vertieft alle historischen Ungerechtigkeiten dieses Landes. Der Putsch ist nicht nur unpopulär, wie ihn die großen Medien beschreiben, sondern unmenschlich.

Es geht nicht darum, dass wir uns mit noch mehr Hass aufladen. Dieser lähmt und tötet. Aber es wird weiterhin die Empörung über strukturellen Ungerechtigkeiten geben, die seit Urzeiten den Opfern unserer Geschichte auferlegt werden. Der Unterschied zwischen Hass und Empörung ist nur eine Augenblinzeln auseinander.

Wir werden nie wieder dieselben sein. Diesen Satz habe ich am häufigsten in letzter Zeit gehört, von ganz verschiedenen Personen, die sich nicht einmal kennen. Entweder wird versöhnen uns im Namen der Gerechtigkeit oder wir werden uns nie wieder in die Augen sehen.


Informationsquelle
Jamais seremos os mesmos

Sonntag, 4. Dezember 2016

Spanische Akademiker schreiben fleißig ab und haben nichts zu befürchten

Spanien hat auch einen Plagiatsskandal. Der Rektor der Universität Rey Juan Carlos in Madrid, Fernando Suárez Bilbao, hat einen Beitrag in einer renommierten juristischen Zeitschrift veröffentlicht und dabei 70% des Textes aus einem Buch kopiert, ohne den Autor zu zitieren. Damit wirft die spanische Öffentlichkeit ein Auge auf eine Praxis, die im Land bisher für wenig Aufregung gesorgt hat, aber in weitem Umfang gängige Übung war. Der Rektor selbst versucht die Tat mit dem Kommentar “er sei auch ein Mensch” abzutun. Für ihn ist das kein Plagiat und er hält eine eigenwillige Interpretation des Plagiats bereit: “Es gebe verschiedene Methoden und Bräuche die Autoren zu zitieren, deren Arbeiten man sich bediene”. Falls man damit kein Geld verdiene, sei das auch völlig egal,ob man abgeschrieben habe. Soviel zum Verständnis eines spanischen Professors zum wissenschaftlichen Arbeiten. Im übrigen fühle er sich der Öffentlichkeit zu keiner Erklärung schuldig, nur seine Universität könne von ihm Auskunft verlangen.

Carlos Bernuy, Professor an der Universität von Trondheim, beschreibt in einem Meinungskommentar für die Internet-Zeitung “Eldiario.es” die Situation in Spanien:
Der wissenschaftliche Betrug ist kein exklusives Problem von Spanien, aber unser Land ist im größeren Umfang ein Opfer dieser Betrügereien als bei unsern Nachbarländern. Dies ist auf die großen strukturellen Probleme, die unser akademisches System und die Forschung haben, zurückzuführen. Ein gutes Beispiel dafür ist der bereits zitierte Plagiats-Rektor, der sich an seinen Posten mit der Unterstützung der für dieses System verantwortlichen Institutionen klammert.

Bernuy erklärt auch, dass die Plagiate bisher selten ans Tageslicht gekommen seien, man aber diese Art der Korruption scharf bekämpfen müsse. Normalerweise müsste das Eingeständnis eines Plagiats zu einem Rücktritt führen.

“Eldiario.es” beschreibt dann ein paar Fälle, in denen das Aufdecken von Plagiaten zur Rücktritten geführt haben. An vorderster Front werden als beispielhaft die Fälle in Deutschland mit Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan geschildert, die jeweils zu Rücktritten geführt hatten.
Ein Leserkommentar dazu:
Tatsächlich ist es so, dass Spanien ein Land ist, wo man Korruption belohnt. Wenn welche zurücktreten oder zurücktreten müssen, dann tun sie es erst sehr spät und außerdem sucht man ihnen ein Pöstchen, in der Regel einen der besser dotiert ist als ihr bisheriger. So wird Treue und Schweigen erkauft. Für diesen Rektor, falls er zurücktreten sollte, was ich bezweifle, ist bereits bestens vorgesorgt, er wird anderswo ein Amt bekommen.

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El plagio se castiga en Europa con el cese o la dimisión, pero España es diferente

Samstag, 3. Dezember 2016

Ich gehe wählen, damit ich nicht auswandern muss

Am 11. Dezember stehen in Rumänien die Wahlen für das Parlament und den Senat an. Da die Wahlbeteiligung auch in Rumänien oft sehr niedrig liegt, hat jetzt die Bürgerinitiative “Step Ahead” ein Kampagne unter dem Titel gestartet “Warum wählen? Ich wähle, damit ich nicht auswandern muss!”. Hier die Gründe der Initiative:

“Wenn jeder von uns sich diese Frage stellt, scheint die Frage der Wahl irgendwo fern in unseren Sorgen vorhanden zu sein. Immer, wenn die Rumänen zur Wahl gerufen werden, gibt es Debatten, Argumente, Emotionen, der Verstand dringt nicht mehr zur Frage vor, WEN WÄHLE ICH? und “WARUM WÄHLE ICH?

Im Rumänien der letzten Jahre besteht die Wahl eher aus Schweigen, Enthaltung und Resignation. Wir haben darauf verzichtet, obwohl wir eine Meinung haben, diese durch die Wahl, durch eine Aktion auszuüben. Wir verkünden unsere Ansichten überall, nur nicht an der Urne! Wir haben aufgehört eine Antwort auf die Frage “Warum wählt man?” zu suchen.

Wir haben aufgehört, weil wir keine Hoffnung haben, weil wir nicht die Möglichkeiten sehen, weil wir nicht an die politische Klasse glauben, weil es uns schmerzt oder weil wir uns nicht mehr interessieren, wir haben aufgehört egal, ob wir in Großstädten oder in Dörfern leben, ob wir Jugendliche oder Senioren, ob wir arbeiten oder Rentner, ob wir ein eigenes Geschäft haben oder Freiberufler sind, ob wir im Land leben oder außerhalb, wir haben aufgehört daran zu glauben, dass es uns in Rumänien gut gehen kann.

Wir, wie auch viele andere Rumänen, stellen uns jetzt diese Frage WARUM SOLLEN WIR AM 11. DEZEMBER WÄHLEN? “

Die Leserinnen und Leser werden aufgefordert auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite ihr Begründung für die Teilnahme an den Wahlen öffentlich zu machen. Stellvertretend sei hier Lorena Balint genannt, die in ihrem Beitrag von dem 18-jährigen Dorinel, einem Klassenkameraden an der Schule, berichtete, der während der Revolution von 1989 gegen Diktator Ceausescu als Soldat in der Armee war und getötet wurde: “Er ist gestorben, ohne zu verstehen und ohne zu wissen warum”. Daraus leitet sie ihren Aufruf ab, das Wahlrecht wahrzunehmen:

27 Jahre später sind wir ein demokratisches Land. Wir können ohne Angst sprechen, ohne Angst lesen, wir können hingehen, wohin wir wollen, wir können uns selbst entscheiden, ob wir in die Armee gehen wollen oder nicht. Das sind Rechte, die Dorinel nicht hatte. Eine Demokratie, auf die er sich nicht berufen konnte. Wo die Macht dem Volk gehört. Und das Volk hat eine Stimme – und das Recht sie zu nutzen.
In einigen Tagen haben wir die Gelegenheit, dass unsere Stimme, die des Volkes, gehört wird. Und dass sie zählt – sehr. Also lasst uns mit voller Macht unsere Stimme erheben – durch das Wahlrecht. Wir haben eine moralische Verpflichtung für Dorinel und all jene Kinder, die in einen Kampf geraten waren, der nicht der ihre war. Für uns. Für unsere Kinder. Für die Zukunft. Weil wir es können. Weil die Apathie nirgendwo hinführt. Bei zu viel Apathie kann sich die Geschichte wiederholen.

Informationsquelle
#votezcasanuemigrez

Mittwoch, 30. November 2016

Frankophonie oder der schwere Abschied vom Kolonialismus

Frankreich möchte gerne seinen politischen und kulturellen Einfluss in den ehemaligen Kolonien und befreundeten Staaten, die sich in der Vergangenheit als besonders der französischen Kultur – insbesondere der Sprache – zugeneigt hatten, pflegen und erhalten. So treffen sich die Staaten der Frankophonie regelmäßig zu Gipfeltreffen, bei denen sich in der Regel die Politiker gegenseitig feiern und Sonntagsreden gehalten werden.

Das 16. Gipfeltreffen hat vor kurzem in Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar, stattgefunden. An und für sich war es eine müde Veranstaltung. Gebetsmühlenartig wird wiederholt, dass man die Partnerschaft verstärken, sich mobilisieren wolle, dass Jugendliche und Frauen mehr Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen. Ein Großteil der Staatschefs fehlten, so Kabila aus dem Kongo oder der marokkanische König. Was hält eine solches Staatenbündnis zusammen, mit derart vielen Ländern mit völlig unterschiedlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem und sehr großen kulturellen Unterschieden? Ist es wirklich nur die französische Sprache, der verzweifelte Versuch einer ehemaligen Kolonialmacht, über die Sprache ihren Einfluss auf die ehemaligen Kolonien zu sichern?

Staatspräsident Hollande hat im April dieses Jahres in einem Pressegespräch im koptischen Museum von Kairo das Ziel so definiert: “Die Frankophonie ist nicht einfach ein Geschenk, von denen, die französisch sprechen. Die Frankophonie ist ein Kampf, ein Kampf für Werte, ein Kampf für die Kultur, ein Kampf für die Diversität. Wir wollen damit hier, aus Anlass dieses Staatsbesuches, die Frankophonie voranbringen.”

Das Magazin “OrientXXI” nennt das einen kolonialen Bekehrungseifer und führt dazu aus:
Die vom Präsidenten benutzten Worte kann man nicht ohne Bezug auf die Rhetorik sehen, die die französischen Eliten den 19. Jahrhunderts verwendeten, um die Kolonisierung zu rechtfertigen. Die französische Sprache, die Sprache einer zivilisierten Nation, diente dazu, die Kolonisierten von ihrer primitiven Barbarei zu befreien. Dafür gab es die französische Sprache als ein “humanitäres und zivilisatorisches Geschenk”, um hier die Formulierung von Jules Ferry zu übernehmen. Die Frankophonie als Geschenk, eine Litanei, die aus der kolonialen Epoche stammt.

Die französische Sprache als ein “Geschenk” zu bezeichnen, vertuscht erneut die Art und Weise wie sie in einer großen Anzahl dieser Territorien, die man “fancophones” nennt, eingeführt wurde. Damit verbiegt man ihre Geschichte und Rolle im Kolonialisierungsprozess. Nehmen wir das Beispiel Algeriens, wo die französische Sprache keine unschuldige Sprache ist: “Französisch ist die mit einem Blutbad auf dem Gebiet unser Vorfahren installierte Sprache!” schreibt Assia Djebar in ihrem Buch “L’Amour, la fantasia”. Die Geschichte der französischen Sprache in Algerien beginnt mit der Landung der französischen Flotten am 14. Juni 1830 in Sidi-Ferruch, wo 130 Jahre der französischen Kolonisierung begannen. Die algerische Schriftstellerin, die französisch schreibt, erinnert daran, dass es nicht die Werke eines Pierre Ronsard oder von Jean Racine waren, mit der die Algerier mit der französischen Sprache konfrontiert wurden, es war die französische Sprache, die Algerien mit Gewalt aufgezwungen wurde.

Die französische Sprache wurde als die “zivilisierende” Sprache präsentiert, wo sie in Wirklichkeit die “kolonialisierende Sprache” war. In den Schulen war es ein entfremdende Sprache, denn in der Schule bekamen die Kolonisierten mit Sicherheit nichts über ihre Geschichte und Kultur zu hören. Die Kolonialschule diente dazu, den Einheimischen den Ruhm und das Prestige Frankreichs, der Mutter aller Vaterländer, nahezubringen. Es war die Sprache der kolonialen und rassistischen Werte. Den kleinen Algeriern wurde beigebracht, dass René intelligent und Ali dumm wie ein Esel ist.

Wenn jetzt François Hollande sagt: “Wir wollen nun hier aus Anlass dieses Staatsbesuches die Francophonie voranbringen”, dann zeigt er, dass die französische Sprache das Privileg des Politischen und nicht nur des Kulturellen ist. Die französische Sprache wird weiterhin zu einer festen Einrichtung gemacht und instrumentalisiert, auch wenn das koloniale Reich nicht mehr existiert, bleibt sie ein politisches Instrument.  Es ist diese französische Eigenart, eine Sprache und ihre Verbreitung politisch zu verwalten. Die Verbreitung der französischen Sprache wird mit dem Schutz der Interessen Frankreichs im Ausland vermischt. Es ist sicher kein Zufall, wenn Algerien, eine ehemalige französische Kolonie, nicht der internationalen Organisation der Frankophonie (OIF) angehört, obwohl es die zweitgrößte frankofone Gemeinschaft nach der Demokratischen Republik Kongo ist. 

Vor diesem Hintergrund findet also das Gipfeltreffen statt. Wenn neue Länder in die Frankophonie aufgenommen werden sind das die herausragenden Ergebnisse der Veranstaltung. Dieses Jahr war es Neukaledonien, eigentlich noch eine französische Kolonie. Als assoziiertes Mitglied wurde Argentinien aufgenommen. Zähneklappern verursachte ein Aufnahmeantrag von Saudi-Arabien: Dem Antrag wurde nicht entsprochen. Das nächste Gipfeltreffen findet im übrigen in Armenien statt. Unklar ist, ob die im Steigen begriffene fremdenfeindliche und nationalistische Einstellung in Frankreich der Solidarität der Frankophonen dienlich ist. Le Pen und Konsorten werden sicher eher die kolonialen Seiten der Frankophonie fördern.

Aber macht es überhaupt noch Sinn die französische Sprache mit derart hohem Aufwand zu unterstützen? Nein, mein die französische Ausgabe der Financial Times und behauptet, dass Französisch eine nutzlose Sprache sei. Nutzlos in dem Sinn, dass das Erlernen dieser Sprache höchstens noch als Hobby sinnvoll sei. Die dominierende Sprache sei und bleibe die englische Sprache, daran gäbe es keine Zweifel.
Die Wahrheit ist, dass, nachdem alle imperialen Mächte rund um die Welt ihre Fahnen eingezogen haben, Frankreich im Gegensatz dazu nie entkolonialisiert hat. Die Förderung des Französischen und seiner unterstellten Werte ist nur eine andere Art des Imperialismus.
Soweit die Meinung der Financial Times.

Informationsquelle
L’héritage colonial de la francophonie
Le Sommet - Organisation internationale de la Francophonie
"Non, le français n’est pas une langue d’avenir"

Montag, 21. November 2016

Von den EU-Fesseln befreit wollen sie die Welt umarmen

Nationalistische Tory-Abgeordnete im Vereinigten Königreich sind schon sehr seltsame Geschöpfe. Sie hassen die Europäische Union so sehr, dass sie ihr Land gerne dafür in das wirtschaftliche Fiasko treiben. Tagträumereien und chauvinistische Erinnerungskultur bestimmt ihr Handeln. Ein harter Kern von 60 Abgeordneten – verniedlichend Euroskeptiker genannt - unter anderem mit dem ehemaligen Justizminister Michael Gove haben sich zusammengetan, um einen harten Ausstieg Großbritanniens aus der EU sicherzustellen. Ihrer Meinung nach kann nur ein äußerst sauberer Schnitt das Land von den “Ketten der EU befreien und es die Welt umarmen lassen”. Dabei reicht ihnen nicht nur der Austritt aus den Institutionen der EU, sondern sie wollen auch den europäischen Wirtschaftsraum und die Zollunion verlassen.

Fachleute können über soviel Übermut – besser: Dummheit - nur den Kopf schütteln. Es scheint, dass diese Koryphäen bar jeder realistischen Einschätzungen der bisherigen Integration in die EU und den europäischen Wirtschaftsraum sind. Der Hass auf die EU und eine snobbistische Ignoranz gegenüber den Resteuropäern verdrängt jede Stimme der Vernunft. So regen sich die Herrschaften über eine richterliche Entscheidung auf, die vor kurzem klar machte, dass der Brexit nicht am Parlament vorbei vollzogen werden könne. Während die Murdoch-Presse mit naziwürdigen Schlagzeilen die Richter als Volksverräter beschimpfte, sind die reaktionären Tories etwas zurückhaltender, aber im Prinzip sprechen sie der Justiz das Recht ab, diese Entscheidung zu treffen. Das konsultative und damit nicht bindende Referendum über den Brexit wird jetzt als höchst demokratische Entscheidung stilisiert, bei dem das eher EU-freundlichen Parlament keinerlei Mitspracherecht haben sollte. Demokratie auf den Kopf gestellt, in einem Land, das ein nicht-gewähltes Staatsoberhaupt und eine 2. Kammer besitzt, in die die Vertreter von der Regierung ernannt wurden oder die ihren Sitz ererbt haben. Kaum zu begreifen, dass die feurigen Brexit-Anhänger gegen die nicht demokratische EU wettern.

Wie das “von den EU-Fesseln befreit die Welt umarmen” aussehen könnte, demonstrierte die kürzliche Indienreise von Premierministerin May. Auf Indien setzen die EU-Hasser in alter Kolonialseligkeit und hoffen mit diesem Land zusammen ein neues Handelsimperium gründen zu können. Das Wall Street Journal schreibt dazu: “Britische Offizielle suchen nach Möglichkeiten für ein Freihandelsabkommen. Offizielle Verhandlungen sind noch nicht möglich, da das Vereinigte Königreich (UK) immer noch Mitglied der EU ist. Kurzfristig hält das UK also Ausschau nach Möglichkeiten zu Abschaffung existierender Handelsbarrieren und verbessertem Zugang für juristische Dienstleistungen aus dem UK.” 

Die Inder lassen sich allerdings gerade von ihrer alten Kolonialmacht nicht für dumm verkaufen. Auch sie merken, dass der Brexit eine nationalistisch-egoistische Veranstaltung ist. Die Welt soll jetzt den Briten noch weitreichendere Vorteile verschaffen als diese es bisher in der EU hatten. Und die Inder haben gleich den Finger auf den wunden Punkt gelegt: Die Briten wollen zwar Freizügigkeit für Kapital und Handel, aber nicht für die Menschen. Die Einreisegenehmigungen für Inder nach Großbritannien sind erheblich zurückgegangen. Die Einschränkung der Einwanderung von Ausländern gehört aber zur obersten Priorität der Brexit-Bewegung. Da nach dem Brexit vor allem die sogenannten Schwellenländer Ziel der britischen Freihandelsträume und Ersatz für die EU sein sollen, werden dessen Befürworter noch ein böses Erwachen bezüglich der Bereitschaft dieser Länder, im Sinne der Londoner Nationalisten mitzuspielen, erleben. Diese Länder werden sagen, Freihandelsabkommen ja, aber zu unseren Bedingungen. Zumal dann Britannien handelspolitisch im Weltmaßstab ein Zwerg sein wird.

Die Journalistin Priyamvada Gopal hat in “The Guardian” eine blendende Abrechnung mit dieser scheinheiligen Politik des “Umarmens” gegenüber Indien geschrieben. Für die Inder nichts und für das Tory-Britannien alles, diese Devise zieht nicht mehr, aber die 60 Tory-Abgeordneter sind nicht mehr dazu in der Lage, ihre Intelligenz sachgerecht anzuwenden.

Informationsquelle
Heavyweight Brexiteers among 60 Tory MPs to demand clean break from the EU
Why Is British Prime Minister Theresa May Visiting India?
Theresa May’s India trip reveals much about who will matter in post-Brexit Britain

Freitag, 18. November 2016

Facebook bringt Faschisten zum Weinen

Es gab einmal eine sogenannte Fan-Page der brasilianischen Gruppe “Revoltados online”, die mit Hass und Gewaltdrohungen für ein Impeachment der damaligen Präsidentin Dilma Rousseff eintraten. Im Zusammenhang mit Protesten zu den Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr von São Paulo, die eigentlich von linken Gruppierungen initiiert wurden, bemächtigten sich immer mehr Neonazis, Faschisten und Anhänger einer Militärdiktatur der Proteste und funktionierten sie in Proteste gegen Rousseff um. Zum Hauptkampffeld entwickelte sich das soziale Netzwerk von Facebook.

“Revoltados Online” schien plötzlich über viel Geld zu verfügen. Angeblich finanzierte sie sich mit Artikel wie T-Shirts mit Aufschriften “fora Dilma” (Dilma raus), “100% anticomunismo” (100% antikommunistisch) und “família, Deus e Liberdade” (Familie, Gott und Freiheit” sowie einem Kit “impeachment”. Mit ihrer Propaganda erreichte sie in São Paulo auch gehobenere Gesellschaftskreise. Die Gruppe soll über 2 Millionen Mitglieder gehabt haben.

Der brasilianische “Blog da Cidadania” schreibt dazu folgendes:
Irgendwann gab es Anzeichen, dass die Finanzierung der Gruppierung über T-Shirt-Verkauf nur Fassade war. Politische Parteien und Hintermänner aus den Institutionen gaben nicht nur dieser Gruppierung Geld, sondern auch anderen Gruppierungen, die auf Facebook einen Militärputsch gegen Dilma Rousseff befürworteten.
Dann hat Facebook diese Gruppe mit der Begründung “unangemessenen Verhaltens” und damit Verstoß gegen die Verhaltensregeln geschlossen.
Diese Begründung ist ein Eupehmismus. Alle diese Gruppierungen vereinigten den Abschaum der Gesellschaft – übertüncht mit Geld, aber deswegen nicht weniger Abschaum. Es sind Faschisten, die mit jeder Art von Betrug und mit verwahrlosten Familien arbeiteten, aus denen auch diese Gruppe von Soziopathen entstand. Ein einziger Blick auf ihre Internet-Seiten reicht, um zu erkennen, dass sie Rassismus und jede Art von Verbrechen befürworteten. Auf diesen Seiten wurden Morddrohungen und Drohungen von Gewaltanwendung veröffentlicht. Diffamierung und Verleumdung sind die Regel.

Facebook hatte diese Gruppe geschlossen, weil diese vermutlich selbst das für Facebook verträgliche Maß an  Verleumdungen, Beleidigungen und Morddrohungen überschritten hatte.

Der Gründer der Gruppierung ging daraufhin tränenreich mit einem Video an die Öffentlichkeit. 10 Jahre Arbeit seien durch die Blockierung der Gruppe durch Facebook für die Katz. Facebook habe wie eine Diktatur gehandelt, gab er zum Besten. Mit seinem weinerlichen Auftritt wurde er allerdings zur Lachnummer in Brasilien.

Informationsquelle
Caixa-preta dos grupos golpistas do Facebook vai ser aberta
Dono da página “Revoltados Online” chora em vídeo após página ser apagada por ofensas

Mittwoch, 16. November 2016

Gesundes Essen in Barcelona: Kübelweise Ersatznahrungsmittel

Zur Zeit eröffnen regelmäßig neue Geschäfte in Barcelona, die Diätprodukte verkaufen. In diesem Jahr sollen es laut der Stadtverwaltung 21 Geschäfte sein, die eröffnet haben, im vergangenen Jahr waren es 24. Fachleute bezeichnen die Entwicklung als den neuesten Handelsboom in Barcelona.

Die Katalanen, die traditionell in der Regel eher auf natürliche Nahrung Wert legen, haben scheinbar ihr Vertrauen in Gemüse und Früchte verloren. Damit zusammen hängt eine Zunahme von Fitness-Studios, in denen den Menschen mit Erfolg vorgegaukelt wird, dass für den kräftigen Körperbau eine natürliche Ernährung nicht ausreicht. Ihr braucht mehr Proteine, Aminosäuren, Kohlenhydrate, Fettverbrenner wird den den Menschen eingeredet. Deshalb sind auch viele der Geschäfte an die Studios angeschlossen oder werden von ihnen betrieben.

Zu Beginn waren die Geschäfte in Lagerhäusern untergebracht, inzwischen gibt es sie als Boutiquen. Ein Fitness-Studio-Betreiber berichtet: Bald öffnen wir ein neues Geschäft in Sarrià. Hier kostet die “Diät” 45 Euro, 60 Euro, wenn man die entsprechenden Übungen dazu bucht. Die Trainingsstunde wird 35 Euro kosten. Und jeder, der zwei oder dreimal ins Studio geht und dem diese Produkte gefallen, wird mindestens 70 Euro pro Monat zahlen und wenn jemand ganz wild drauf ist werden es so gegen 150 Euro sein.” Die Ersatznahrungsmittel werden in riesigen Behältern verkauft. Das wäre auf die Sparpolitik der Unternehmen zurückzuführen.

Kenner der Szene berichten: “Jetzt schauen die Leute in den Supermärkten auf die Liste der Inhaltsstoffe jedes Produktes und plötzlich sind sie sehr besorgt über die Menge an Zucker in den Erfrischungsgetränken und sind jetzt sehr wohl daran interessiert, in ein gesundes Leben zu investieren, aber nur weniger man sie anständig wahr nimmt. Bis vor kurzem waren diese Art der Geschäfte dunkle Läden, die auf eine alte Art geführt wurden und in einigen gab es illegale Produkte. Jetzt werden viele dieser Läden geschlossen. Dem großen Publikum gefallen sie nicht, sie vermitteln ihnen kein Vertrauen. Zudem hat ihnen das Internet die Preise vermasselt. Die Gewinnmargen sind in diesem Sektor sehr niedrig. Die Produkte sind sehr teuer. Zuvor oder danach mussten auch viele neue Geschäfte wieder aufgeben. Die Anfangsinvestition beläuft sich auf etwa 100.000 Euro

Zur Zeit eröffnet eine Klinik in Barcelona, die sich auf künstliche Ernährung spezialisiert will. In der Informationsbroschüre lobt sich die Klinik “die erste Spezialklinik für eine revolutionäre Therapie mit wichtigen Vitaminen und Mikronährstoffe im intravenösen Weg zu sein”. Laut einem Bericht der Zeitung “La Vanguardia” wird man bei der Ankunft in der Klinik mit 60 Fragen, die man auf einem Tablett-Computer beantworten muss, konfrontiert, man wird dann in den sehr weißen und sauberen Infusionssaal geführt, wo einem intravenös ein Viertel Liter Vitamine, Aminosäuren, Mineralien usw eingespritzt werdenden. Im Behandlungsangebot sind enthalten ein “Verjüngungs-, “Revitalisierungs- und Regenerierungspaket”. Diese können auch auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden. Der Marketingdirektor schwärmt: “In der angelsächsischen Welt ist das bei den Berühmtheiten und Unternehmern normal”. Man kann sich auch gegen Katererscheinung behandeln lassen.

Spanien hat ja eine traurige Tradition gewissensloser Doping-Ärzte. Inzwischen will man dem Volk den Schönheits- und Gesundheitswahn auf die schnelle Art und Weise einbläuen. Gewiefte Geschäftemacher mit gewetztem Operationsbesteck warten schon. Seriöse Ärzte stehen dem neuen Trend skeptisch gegenüber und weisen daraufhin, dass eine ausgewogene Ernährung für ein gesundes Leben ausreichend ist. Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfehlen sie auf jeden Fall den Gang zum Arzt.

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Los tratamientos en vena llegan en Barcelona

Samstag, 12. November 2016

Korrupte rumänische Politiker wittern Morgenluft nach Trump-Sieg

Was könnte symptomatischer sein als das: Nach dem Trump-Sieg atmen plötzlich, die auf, die es bisher mit dem Rechtsstaat nicht so genau genommen und sich als Menschenrecht herausgenommen haben, sich schamlos bereichern zu können. Die Trump-Biographie gibt da sehr viel her. Er hat nicht das Wohlergehen die “Abgehängten” der Gesellschaft, sondern nur sein eigenes im Sinn. Die Schuld für die Probleme der “Abgehängten” hängt er Ausländern, Muslimen und Andersfarbigen an. Das Establishment, das in erster Linie aus steinreichen Magnaten besteht – dazu gehört auch Trump – wird sich freudig die Hände reiben. Trump hat die Lektion der Hitlerschen Nationalsozialisten nicht gelernt, sondern intuitiv nachgeahmt.

In Rumänien freuen sich vor allem Politiker mit Dreck am Stecken, die in Korruptionsverfahren stecken, im Gefängnis sitzen oder gesessen haben über den Trump-Sieg. Bei ihnen kann man erkennen, wer oft hinter diesen rechtspopulistischen Bewegungen, nicht nur in Rumänien, steckt: Kriminelle, die versuchen per Machtübernahme sich selbst zu schützen. Berlusconi steht symptomatisch für diese Art des Betrugs an den eigenen Wählern und des Missbrauchs der Gesetze für persönliche Zwecke.

Hier ein paar Reaktionen der rumänischen PolitikerInnen, die versuchen werden bei den nächsten Parlamentswahlen am 11. Dezember den Trump-Sieg auszunutzen:

Elena Udrea (sitzt zur Zeit in Untersuchungshaft wegen Korruption und Geldwäsche) verkündet: “Meine Meinung ist klar – die Wahl von Trump ist überhaupt keine Gefahr für Rumänien (was uns die securistische Propaganda suggeriert). Es ist eine Gelegenheit, die wir nutzen sollten zu unserem Wohl (wenn wir dazu noch in der Lage sind). Sonst verwandeln wir uns in einen neuen IS-Staat, wo wir alle im Gefängnis sitzen werden und “die Aussicht haben, dass wir explodieren”!”

Victor Ponta, ehemaliger Premierminister der Sozialdemokratischen Partei (PSD) mit getürktem Doktortitel und gegen ihnen laufenden Korruptionsermittlungen schreibt auf Facebook: “Auch wir können am 11. Dezember Politik für unser Volk machen – entweder überlassen wir es dem “System” oder den “Cioloșii” (Ciolosi, derzeitiiger Ministerpräsident Rumäniens), dass sie über unsere Leben bestimmen, weil sie es angeblich “besser können”'! Ich möchte daran glauben, dass auch wir sein können wie die Amerikaner!”

Becali, ehemaliger Präsident des Fußball-Clubs Steaua Bukarest und mit allen Wasser gewaschener Parteiwechsler mit abgesessener Gefängnisstrafe für Korruption, freut sich, dass die Menschheit durch den Wahlsieg Trumps gerettet wurde. “Der Herrgott hat den Weltuntergang noch einmal verschoben dadurch, dass er Trump zum Präsidenten machte … Es wäre ganz mies gewesen, wenn Hillary Clinton Präsidentin Amerikas geworden wäre. Wie sieht das denn aus, wenn eine Frau zum mächtigsten Menschen auf der Welt gewählt worden wäre!”

Ansonsten freut sich diese Sorte Politiker und ihre Gesinnungsfreunde, dass durch die Wahl Trumps der derzeitige Botschafter in Bukarest, Hans Klemm, in Schwierigkeiten kommen und bestimmt abberufen werde. Klemm hat immer wieder Rumänien aufgefordert, den Kampf gegen die Korruption energisch fortzuführen. Da der Kampf gegen die Korruption Erfolge zeigt und immer noch energisch weitergeführt wird – auch mit Unterstützung der US-Botschaft, die laut Ponta Rumänien wie eine Kolonie behandelt – wittern jetzt die bisherigen korrupten Netzwerke Morgenluft. Trump wird als der Retter gesehen, der dieses ganze Brimborium mit der Korruption nicht mehr mitspielt.

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ALEGERI PARLAMENTARE 2016. Politicienii penali cred că victoria lui Trump înseamnă și salvarea lor. Udrea, Ponta și Ghiță dau mesaje identice după ce Donald Trump a câștigat cursa spre Casa Albă

Donnerstag, 10. November 2016

Trump Caipira

Nun ist Trump tatsächlich US-Präsident geworden und alle Welt rätselt, wie er das geschafft hat. Soviel grenzenloses Vertrauen in einen unternehmerischen Pleitier grenzt an Wunder. Ist US-Amerika tatsächlich so bescheuert und lässt es sich auf dieses Spiel ein, weil die Lust am Untergang zu groß geworden ist? Zu früh gefreut haben sich die brasilianischen Reichen-Schnösel, meint Fernando Britto vom Blog Tijolaço und warnt die brasilianischen Anhänger aus den wohlhabenden Gesellschaftskreisen:

Hallo ihr (brasilianischen Trump-) Schnösel!

Passt mal auf und schaut auf die Karte hier oben (US-Karte Wahlergebnisse). Euer Kandidat, der Trump, hat in einem sehr anderen Nordamerika gewonnen als ihr denkt. Der blaue Streifen erstreckt sich von den Küsten bis Mississippi und zu den großen Städten. Da, wo ihr gerne sein möchtet, da hat Trump verloren.

Im schicken New York 10 zu 1, in den coolen Städten San Francisco und Los Angeles, 3 zu 1. Sogar in der Region des Miami-Dade, wo ihr gerne Einkäufe machen würdet, gab es diese Ergebnisse. Trump hat mit Erfolg in den “Condados” gewonnen, dort, wo der Sheriff, der Richter und der Bürgermeister nur im Amt wechseln – im tiefen und ruhigen Amerika, wo es viele Alte ohne Hoffnung und Jugendliche ohne Träume gibt. Wo die bessere Zukunft für die Menschen in der Rückkehr in die Vergangenheit liegt.

Trump hatte weniger Wählerstimmen (59.041.942) als Hillary Clinton (59.178.951), aber niemand sagt dort, dass das nicht gerecht ist, nach den dortigen Regeln entscheidet eine Minderheit von Bauerntrotteln (caipira) über das Schicksal des Landes der Ex-Yuppies.
Man spricht von einer Mauer, um die Mexikaner zurückzuhalten, aber nicht von einer Mauer, um zu verhindern, dass die Stimmen des Mittleren Westens zu den Kosmopoliten der Ostküste gelangen oder dass die Cowboys die Bucht von San Francisco erreichen. Dort denken sie nicht daran, sich “im Land einzuigeln”, manche denken allerdings an die “schöne und alte” Rassentrennung für Schwarze und Latinos, so wie ihr es seid.
OK ihr habt gewonnen.
Dort und hier ist es schwer zu sagen, wer der am meisten lächerliche und mittelmäßige dieser zwei “T” ist: Temer oder Trump.

Informationsquelle
O que a vitória de Trump deveria mostrar aos coxinhas americanófilos